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Berufung und Erwählung. Ein Vergleich der Darstellungen im Alten und Neuen Testament

Eine Betrachtung zu Matthäus 22,14

Studienarbeit 2014 20 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Kontext

3. Begriffserklärung

4. Berufung
4.1 Berufung im Alten Testament
4.2 Berufung im Neuen Testament

5. Erwählung
5.1 Erwählung im Alten Testament
5.1.1 Erwählung des Volkes Israels
5.1.2 Verwerfung und Erwählung bei Esau und Jakob
5.2 Erwählung im Neuen Testament
5.2.1 Erwählung von Jesus Christus
5.3 Erwählung in der Dogmatik
5.4 Erwählt durch Glauben

6. Interaktion von Berufung und Erwählung
6.1 Gottes Zuwendung
6.2 Angelegenheit der Menschen

7. Warum gehen Menschen Verloren?

8. Fazit

9. Bibliographie

10 Anhang
10.1 Übersetzungsvergleich Mt 22,14

1. Einleitung

Jesus befindet sich im Tempel in Jerusalem und lehrt dort in Gleichnissen (Mt 21,23; 22,1). Nachdem er das Gleichnis von der königlichen Hochzeit erzählt hat prägt er den Satz, mit dem sich diese Arbeit beschäftigen wird (Mt 22,14): „Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“

Wenn Jesus sagt, dass viele berufen, aber wenige auserwählt sind, macht er einen klaren Unterschied zwischen Berufung und Erwählung. Worin aber liegt dieser Unterschied? Mit dieser Frage soll sich diese Arbeit im Folgenden beschäftigen. Dabei soll zunächst getrennt voneinander auf Berufung und Erwählung eingegangen werden. Danach wird die Interaktion von Berufung und Erwählung aufgezeigt, bevor noch kurz der Frage nachgegangen wird, warum Menschen denn überhaupt verlorengehen. Am Ende schließt der Autor diese Arbeit mit einem persönlichen Fazit ab.

Im Rahmen dieser Arbeit kann die Thematik nicht in vollem Umfang ausgeschöpft werden. So wird auf die Erwählung nicht in vollem Umfang eingegangen werden. Von den Erwählungstheorien werden nur die drei wichtigsten kurz aufgeführt und erklärt, ohne auf ihre Herkunft und den Hintergrund einzugehen. Die Arbeit soll vordergründig den Unterschied zwischen Berufung und Erwählung aufzeigen, und nur kurz die Einordnung der Erwählung in der Dogmatik aufgreifen.

In der Bibel ist von zwei Arten der Berufung und Erwählung die Rede. Zum einen die Berufung und Erwählung zur Errettung, zum anderen aber die Berufung und Erwählung zum Dienst, die bereits eine Errettung und den Glauben an Gott voraussetzt. In dieser Arbeit soll ausschließlich Erstere bearbeitet werden, da es in dem Ausgangsvers auch um diese Berufung und Erwählung geht.

Den Lesern dieser Arbeit wünscht der Autor, dass sie ihre Berufung und Erwählung neu in Jesus Christus festmachen und dadurch den sicheren Eingang ins Himmelreich bekommen (2Petr 1,10-11).

2. Kontext

Jesus prägt diesen Satz im Zusammenhang eines Gleichnisses (Mt 22,1-14), was es zum richtigen Verständnis unbedingt zu beachten gilt: Er vergleicht das Himmelreich, also die Herrschaft Gottes, mit der eines Königs. Der König möchte die Hochzeit seines Sohns feiern und sendet seine Knechte aus, um die Eingeladenen zur Hochzeit zu rufen. Als diese nicht kommen wollen, schickt er nochmals andere Knechte zu den Eingeladenen, um sie zu rufen und ihnen zu sagen, dass das Mahl bereit steht. Er lädt sie dringlich ein indem er sie auffordert zur Hochzeit zu kommen. Aber die Einladung kümmert sie nicht. Sie gehen alle ihrer täglichen Beschäftigung nach. Einige der Eingeladenen töten sogar die Knechte des Königs. Daraufhin wird der König zornig, bringt die Mörder um und brennt ihre Stadt nieder. Dann schickt er seine Knechte hinaus auf die Straßen und lässt alle hereinrufen, die sich dort finden lassen. Die Knechte führen den Auftrag des Königs aus und bringen alle herein die ihnen auf der Straße begegnen, Gute und Böse. Jetzt wird der Saal aufgefüllt und der König kommt. Als er seine Gäste anschaut, findet er einen Mann der kein Hochzeitsgewand anhat. Der König stellt ihn zur Rede und fragt ihn, wie er überhaupt ohne Hochzeitsgewand in den Saal gekommen ist. Der Mann verstummt und der König gibt seinen Dienern Befehl, dass sie ihn binden und in die Finsternis hinauswerfen sollen. Darauf folgt der Satz: „Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“

Offensichtlich handelt es sich bei dem König um Gott, der die Menschen einlädt in das Himmelreich zu kommen (Jes 45,22; Mt 11,28). Bei den Eingeladenen handelt es sich um das Volk Israel, das als Volk Gottes den Vorzug hat.[1] Der König schickt die ersten Knechte, die die Geladenen herbeiholen sollen. Diese können als die Propheten des AT bezeichnet werden, die das Volk Israel immer wieder gerufen haben, sich Gott zuzuwenden (Jes 6,8-13; 45,22; Jer 1,4-2,2).[2] Weil das Volk sich weigert zu kommen, schickt Gott andere Knechte aus, und erklärt dieses Mal, dass alles breit ist. Bei dieser zweiten Einladung, bei der alles bereit ist, kann man davon ausgehen, dass die Apostel die Einladenden sind (Lk 9,1-6; 10,1-12).[3] Da das Volk Israel, die Einladung erneut verworfen hat, gehen Erstere hinaus zu den Heiden und laden sie ein, zu Gott zu kommen (Mt 28,19; Mk 16,15). Als dann die königliche Hochzeit beginnt, findet der König den einen Menschen, der sich ohne hochzeitliches Kleid im Saal aufhält. Dieses Kleid ist ein Geschenk von Gott, das er seiner Gemeinde gibt (Offb 3,5; 19,8; Jes 61,10). Es ist ein Ausdruck von der Gerechtigkeit, die durch das neue Leben in Christus gegeben wird (Offb 19,8). Der Mensch ohne dieses Kleid wird in die Finsternis geworfen. Diese wird hier und an weiteren Stellen in der Bibel mit „Heulen und Zähneklappern“ beschrieben. Das ist ein Bild auf die ewige Verdammnis, die Hölle (Mt 8,12; Lk 13,28).[4] Der Mann wird also, obwohl er schon zur Hochzeitsgemeinde gehörte, verworfen. Was letzten Endes dazu geführt hat, dass er verworfen wurde wird in Kapitel 6.2 nochmals aufgegriffen und genauer beschrieben.

3. Begriffserklärung

Zunächst werden die Bedeutungen von zwei zentralen Begriffen, die in dem zugrunde gelegten Vers vorkommen, erklärt: berufen (klhtÒj klˆt•s): eingeladen, ernannt; kommt von kalŠ“, rufen, nennen.[5] Der Begriff klˆt•, der hier gebraucht wird kommt im NT nur zehn Mal vor.[6] Er drückt deutlich den Ruf Gottes zur Erettung aus. Wenn davon die Rede ist dass jemand in ein Amt berufen wird, wird das Wort klesij [klesis] gebraucht. Es wird also deutlich, dass es sich hier um den Ruf zur Erettung handelt. Aus dem Kontext der königlichen Hochzeit wird eindeutig ersichtlich, dass dieses Wort die Einladung zum Fest, bzw zum Himmelreich ausdrückt. erwählt (™klektÒj eklekt•s): erwählt, auserwählt; kommt von eklŠgomai, wählen.[7] Für eklekt•s sind zwei Deutungen möglich. Eine Möglchkeit ist die menschliche Wahl, die andere bezieht sich auf Gottes Erwählungshandeln.[8] Eklekt•s tritt in der Bibel in sechs verschiedenen Zusammenhängen auf, und zwar in Bezug auf Christus, die Gemeinde in Christus, das Volk Israel, die Gläubigen innerhalb des Volkes Israel, die zwölf Jünger Jesu und Paulus.[9]

Bei einem Übersetzungsvergleich von Matthäus 22,14 kann ein wesentlicher Unterschied festgestellt werden. Während formal-äquivalente Bibelübersetzungen den Begriff klˆt• mit „berufen“ übersetzen, gebrauchen kommunikativen Übersetzungen meist den Begriff „gerufen“. Den Begriff eklekt•s übersetzen alle gleich mit „auserwählt“.[10]

4. Berufung

Bei der Berufung handelt es sich immer um einen Ruf von Gottes Seite her zu den Menschen. Somit ist Gott selbst in seiner Gnade der Berufende (Jes 42,6; 43,22).[11] Dieser Ruf, mit dem der Herr einlädt, die Errettung im Glauben zu erfassen, ergeht an alle Menschen. Gott gebraucht dafür verschiedene Mittel. Er ruft Menschen, indem er schicksalhaft an ihnen handelt (Jes 26,9; Ps 107,6), durch seine Kinder, die andere Menschen rufen (Jer 25,4; Röm 10,14-15) und durch seinen heiligen Geist (Joh 16,8; Hebr 3,7). Oft gebraucht er aber auch sein Wort, die Bibel (Jes 45,22; Hes 33,11; 1Tim 2,4; Mt 28,19). Durch sie werden alle Menschen aufgefordert, zu Gott umzukehren.[12] Durch die verschiedenen Mittel die Gott gebraucht, variiert auch die Art der Berufung. Somit ergibt sich eine verschiedenartige Berufung Gottes, d.h. jeder Mensch erlebt seinen Ruf individuell. Den Zeitpunkt, wann Gott einen Menschen ruft, hat er sich in seiner Souveränität vorbehalten. Wichtig ist jedoch zu betonen, dass er jeden Menschen ruft. Der Zweck dieser Berufung ist nach Thessalonicher 2,14 die Erwerbung der Herrlichkeit, deren Urheber Jesus selbst ist.[13] Diese besteht in einem neuen Leben, das ohne Sünde ist (1Kor 3,17; 1Petr 2,9). Doch ruft Gott nicht zu einem sündlosen Leben auf, sondern zu Buße und zu Umkehr (Mt 4,17; Apg 17,30). Das sündlose Leben ist erst eine Auswirkung von der Umkehr des Menschen (Kol 3,1-17). Die, welche auf den Ruf Gottes antworten, sind die Herausgerufenen, für die im Griechischen der Begriff ἐκκλησία [ekklēsía] steht, was ins Deutsche wiederum mit Gemeinde übersetzt wird.[14] Also sind alle, die auf den Ruf Gottes reagieren, die ekklēsía, die weltweite Gemeinde Gottes.[15]

4.1 Berufung im Alten Testament

Im AT wird Berufung meist als Ruf zum Dienst für Gott verwendet. So wird z. B. Bezalel berufen, als Kunsthandwerker an der Stiftshütte zu arbeiten (Ex 31,2; 35,30). Erst bei Jesaja taucht die Berufung in Bezug auf Jesus als Messias und Erlöser auf (Jes 41,9; 48,12; 49,1). Stellen, an denen von der Berufung zur Umkehr Gott die Rede ist sind selten und nur in der Prophetie zu finden (Jes 55,5; Joel 3,5). Doch zeigt sich bereits bei der Berufung Abrams, die zwar einen persönlichen Ruf beinhaltet, schon der gnädige Ruf Gottes der für alle Menschen gelten soll. Letzten Endes ist die ganze Geschichte Gottes mit Israel und der gesamten Menschheit ein einziger Ruf zur Buße und zum Heil, was dann aber erst im NT wirklich sichtbar wird.[16]

4.2 Berufung im Neuen Testament

Wie bereits im AT angedeutet, wird im NT sichtbar, dass Jesus in das Amt des Hohepriesters berufen wurde (Hebr 5,4), um dann selbst ein Ruf Gottes an die Welt zu werden. Während im AT hauptsächlich nur einzelne Menschen berufen wurden, gibt es im NT den Ruf Gottes an die ganze Welt (1Kor 1,24; Mk 16,15).[17] Dieser Ruf Gottes trägt die göttliche Gnade vollständig und wirksam in sich, und bleibt nicht mehr nur deren Ankündigung (2Tim 1,9-10).[18] Durch seinen Ruf schenkt Gott den Menschen Gemeinschaft mit ihm und stellt sie in seine Liebe.[19] Jeder Mensch, der auf den Ruf reagiert wird dadurch geheiligt und gerechtfertigt. Paulus greift dieses zentrale Thema in der Einleitung des Römerbriefs (Röm 1,5-6) auf: „[…]den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden, zu denen auch ihr gehört, die ihr berufen seid von Jesus Christus.“ Damit stellt Paulus die Heidenchristen auf eine Stufe mit den Aposteln, da die Heiden gleichwie die Apostel von Gott gerufen sind und auf den Ruf geantwortet haben.[20] Gott hat also nicht nur ein Volk, sondern alle Menschen berufen. In seinen Briefen schreibt Paulus oft von der Berufung Gottes zur Errettung durch Jesus Christus (Röm 8,28.30; 9,12.24; 1Kor 1,2.9.24.26; Gal 1,6: 5,8: Eph 1,18; Kol 3,15 1Thess 2,12). Im NT kann von dem geredet werden, von dem die Propheten im AT bruchstückhaft berichtet haben. Durch die Erlösung Jesu ist die Errettung der Menschheit möglich. Der einladende Ruf Gottes kann an alle Menschen ergehen. Das „Hochzeitsmahl“ ist bereit und die Apostel können ausgesandt werden, um einzuladen.

Die Berufung Gottes im NT ist von großer Tragweite. Gerade deshalb darf sie nicht nur zeitlich verstanden werden.[21] Gott beruft aus der Finsternis zum Licht (1Petr 2,9; 1Joh 2,8-10), zur Herrlichkeit (Eph 1,18; 2Thess 2,14), zur Freiheit (Gal 5,13), zur Hoffnung (1,18; 4,4), und in die Gnade und Gemeinschaft Jesu Christi (1Kor 1,9; 2Tim 1,9;). Es ist eine himmlische Berufung zur Seligkeit.[22] Sie möchte das ganze Leben heiligen und erneuern. Allerdings reicht, wie in Matthäus 22,14 deutlich wird die Berufung, also der Ruf Gottes, nicht aus, um einen Menschen zu erretten. Dazu muss der Mensch auch erwählt sein.

5. Erwählung

Die Erwählung des Menschen beginnt mit seiner Schöpfung. Die Erschaffung des Menschen erfolgt aufgrund Gottes ewiger, göttlicher Planung und Erwählung. Gott erwählte ihn aus allen Geschöpfen und berief ihn zu höchsten Würden und Ehren (Ps 8, 4-7).[23] Die Thematik der Erwählung zieht sich durch das ganze AT und NT durch auf Jesus hin, durch den es überhaupt möglich wurde, dass Menschen erwählt werden können.

5.1 Erwählung im Alten Testament

Im AT kommt das hebräische Substantiv, das dem Wortstamm des griechischen eklekt•s entsprechen würde, nicht vor.[24] Stattdessen ist im hebräischen im Zusammenhang mit erwählen בּחיר (bachar) zu finden, was ebenfalls erwählen heißt, jedoch mehr auf den Handelnden und den von einer Wahl betroffenen hinweist und weniger auf die Handlung als solche.[25] Dabei ist in den meisten Fällen, in denen bachar gebraucht wird, Gott der Erwählende.[26] Die Auswahl Gottes bezieht sich im AT somit immer nur auf bestimmte Personen, bzw. Gruppen. So hat er Israel als sein Volk (Dt 7,6-8; Jes 14,1), Jerusalem als Stadt (Dt 12,14; 1Kön 8,44), David als König (2Sam 6,21; 1Kön 8,16) und seinen Knecht, den Messias (Jes 42,1; Jes 43,10) erwählt. Die Erwählung Israels als Volk hat eine zentrale Bedeutung für den Heilsplan Gottes und soll im Folgenden noch näher betrachtet werden.

5.1.1 Erwählung des Volkes Israels

Die Erwählung Gottes beginnt mit dem Ursprung des Volkes Israels, das seinen Anfang in der Erwählung Abrams hatte (Gen 12,1-3). Indem er in aus Ur in Chaldäa heraus- und in das verheißene Land Kanaan hineinführte, wo er einen ewigen Bund mit ihm und seinen Nachkommen schloss, zeigte er die Erwählung dieses Volkes auf besondere Weise.[27] Gott bestätigt die Erwählung zunächst Isaak und Jakob (Gen 26,2-5; 28,13-15), später immer wieder dem gesamten Volk Israel, z. B. als er sie aus der Knechtschaft in Ägypten führt, oder am Sinai den Bund mit dem Volk neu festmacht (Ex 13,16; 19,2-6). Gott hat sich also ein Volk ausgesucht, das er besonders segnen möchte. In Deuteronomium 7,7-8 wird ersichtlich, warum Gott gerade Israel erwählt hat:

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern, sondern weil er euch geliebt hat.

Bereits bei der Erwählung Abrams hatte Gott die gesamte Menschheit im Blick, wenn er sagt, dass durch Abram alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen (Gen 12,1-3).[28] Die Propheten zeigen ebenfalls immer wieder den Blick auf die Errettung aller Völker von Israel aus (Jes 43, 8-10; 56 6-7). Diese Errettung wird im NT sichtbar durch den Messias, der von Israel her für alle Völker der Erde Rettung bringt (Joh 3,17; Apg 2,21). Somit ist Israel besonders von Gott gesegnet, und zum Licht für die Völker geworden (Jes 49,6), dadurch, dass der Messias bei ihnen zur Welt kam.

5.1.2 Verwerfung und Erwählung bei Esau und Jakob

In der Geschichte Israels wird bei Esau und Jakob eine klare Vorherbestimmung und Verwerfung deutlich. Gott erwählt Jakob bereits vor der Geburt als den Überlegenen und Geliebten, während er Esau verwirft und hasst (Gen 25,23; Mal 1,2-3; Röm 9,13). Es wird also deutlich, dass Gott schon im Voraus wusste, wen er erwählen würde.

Esau wurde von Gott verworfen, aber nicht willkürlich zur Verdammnis.[29] Aus dem Kontext der Stellen, an denen von der Verwerfung Esaus die Rede ist wird ersichtlich, dass es um die Geschichte Israels geht. Gott hat Esau als Stammvater des Volkes Israels und somit als Stammvater von Jesus verworfen.[30] Er als Person kann aber trotzdem gerettet werden.

5.2 Erwählung im Neuen Testament

Nachdem der Mensch durch Sünde von Gott abgefallen ist, zieht Gott die Linie der Erwählung über das Volk Israel weiter und schafft die Erlösung durch Jesus.

5.2.1 Erwählung von Jesus Christus

Das erste Vorkommen des Wortes eklekt•s im NT ist in Mattäus 12,18 und bezieht sich auf Jesus, den auserwählten und geliebten Knecht Gottes. Auch Petrus bezeichnet Jesus als den lebendigen Stein, der zwar von Menschen verworfen, aber bei Gott auserwählt und kostbar ist (1Petr 2,4).[31] Christus wurde von dem Vater für das Werk der Erlösung erwählt und ausgesondert (Mt 12,18). Diese Erwählung ist eine souveräne Tat Gottes, die in einer engen Beziehung zum Erlösungsaspekt steht.[32] Somit ist sie die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Menschen erwählt und gerettet werden können.

[...]


[1] Theodor Zahn, Kommentar zum Neuen Testament: Das Evangelium des Matthäus, 4. Aufl. (Leipzig: A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung Dr. Werner Scholl, 1922), 636.

[2] Gerhard Maier, Matthäus 2.Teil, Edition C – Bibelkommentar (Witten: SCM R. Brockhaus Verlag, 2013), 203; im Folgenden zitiert als: Maier, Matthäus.

[3] Fritz Rienecker, Wuppertaler Studienbibel: Das Evangelium des Matthäus, 16. Aufl. (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 2000), 391.

[4] Maier, Matthäus, 209-210.

[5] Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel, 5. Aufl. (Wuppertal: SCM R. Brockhaus Verlag, 2001), 866; im Folgenden zitiert als: Elberfelder Studienbibel.

[6] Karl Ludwig Schmidt, „Berufung,“ ThWNT III, 488-539, 495.

[7] Elberfelder Studienbibel, 789.

[8] Lothar Coenen, „Erwählung/Berufung,“ TBLNT, 385-402, 391.

[9] Roger Forster, God´s Strategie in Human History, . (Eugene: Wipf and Stock Publishers, 2000), 134.

[10] siehe Übersetzungsvergleich im Anhang.

[11] Theodor Schlatter, „Berufung,“ Calwer Bibellexikon, 144-145, 144; im Folgenden zitiert als: Schlatter, „Berufung“.

[12] Henry C. Thiessen, „Erwählung und Berufung durch Gott,“ Bibel und Gemeinde 4:4 (1985): 359-370, 369; im Folgenden zitiert als: Thiessen, „Erwählung und Berufung“.

[13] Eduard Böhl, Dogmatik, . (Hamburg: Reformatorischer Verlag, 2004), 398-399.

[14] Elberfelder Studienbibel, 798.

[15] Hansjörg Bräumer, „Gemeinde,“ GBL, 434-436, 434.

[16] Gerhard Maier, „Erwählung, erwählen,“ Lexikon zur Bibel, 429-432, 431; im Folgenden zitiert als: Maier, „Erwählung“.

[17] Schlatter, „Berufung,“ 145.

[18] Adolf Schlatter, Theologie des Neuen Testaments Teil2 (Stuttgart: Verlag der Vereinsbuchhandlung, 1910), 292; im Folgenden zitiert als: Schlatter, Theologie.

[19] Schlatter, Theologie, 292.

[20] Heiko Krimmer, Römerbrief, Edition C – Bibelkommentar (Witten: SCM R. Brockhaus, 2013), 26.

[21] Schlatter, „Berufung,“ 145.

[22] Schlatter, „Berufung,“ 145.

[23] Maier, „Erwählung,“ 430.

[24] Elias Schrenk, „Erwählung,“ ThWNT IV, 147-197, 148.

[25] Coenen, TBLNT, 386.

[26] Erich Mauerhofer, Biblische Dogmatik, Band1, . (Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2011), 286; im Folgenden zitiert als: Mauerhofer, Dogmatik.

[27] James Innell Packer, „Erwählung,“ GBL, 340-342, 340.

[28] Avi Snyder, Erwählt: Die einzigartige Berufung Israels, . (Bad Nauheim: media!worldwidewings, 2008), 16-17.

[29] Gerhard Maier, Die Propheten Haggai und Maleachi, Wuppertaler Studienbibel (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1985), 115.

[30] Jacob Thiessen, „Vorherbestimmung,“ letzte Änderung: 18.04.2008 Internet, ftp://bitflow.dyndns.org/german/JacobThiessen/Vortragsreihe_200804_Teil_1_Vorherbestimmung_20080418.pdf, eingewählt: 22.10.2013; im Folgenden zitiert als: Thiessen, „Vorherbestimmung“.

[31] John F. Parkinson, Erwählung: Wer, wie und wozu, 2. Aufl. (Düsseldorf: CMV Hagedorn, 2010), 20.

[32] Thiessen, „Erwählung und Berufung“, 360.

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656891222
ISBN (Buch)
9783656891239
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288589
Note
Schlagworte
Berufung Erwählung berufen erwählt auserwählt verloren Hölle Prädestination Jesus Gemeinde Liebe universaler Heilswille Heilswille Matthäus Matthäus 22 Exegese

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