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Rezension von Peter Gautschis "Guter Geschichtsunterricht"

Rezension / Literaturbericht 2012 10 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Zur Person

Grundlagen

Kompetenzmodell

Vorgehen

Diskussion und Ausblick

Quelle

Einleitung

Die Geschichtsdidaktik ließ in den 1970er-Jahren das bis dahin verbreitete Verständnis der Disziplin als reine Methodenlehre für den Geschichtsunterricht weit hinter sich. Sie beschäftigte sich fortan ausgreifend mit den Leitthemen Geschichtsbewusstsein und der Geschichtskultur und lieferte wertvolle Impulse für eine theoretische Fundierung didaktischer Zugänge in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft. Die Praxis schulischen Geschichtsunterrichts geriet dabei mitunter aus dem Blick.

à Gautschi versucht nun, die zuvor oft streng getrennten Bereiche von Theorie, Empirie und Pragmatik stärker aufeinander zu beziehen. Im Vorwort bezieht er sich darauf, dass er die geforderten Antworten zu seinem Werk „Geschichte lernen“ (1999) nun in den folgenden Kapiteln geben wolle. Er wolle herausdifferenzieren, ob die dort vorgestellen Lernwege und Lernsituationen gleich gut seien bzw. wie man sie effektiv und angepasst nutzt.

Zur Person

Peter Gautschi, renommierter Autor und Professor für Didaktik der Gesellschaftswissenschaften und ihre Disziplinen in Aarau. Er sorgte bereits mit innovativ-kritischen Lehr- und Schulbüchern für Furore. Mit seiner Kasseler Dissertation legt er das bisher umfassendste Exempel für diesen Ansatz vor, indem er einen fundamentalen Beitrag für die Theoriebildung der geschichtsdidaktischen Disziplin zu leisten versucht. Darüber hinaus liefert er eine methodisch hoch aufwändige und reflektierte empirische Untersuchung, wie diese in dem nun von mir vorgestellten Werk, konkreten Geschichtsunterrichts mit aussagekräftigem Datenmaterial. Und nicht zuletzt fundiert er von der Praxis kommend pragmatische Einsichten, was denn „guten Geschichtsunterricht“ ausmache. So generiert er wertvolle Erkenntnisse für Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer und startete einen „neuen Dialog von Geschichtsdidaktik und Unterrichtspraxis“ (S. 255).

Im ersten Kapitel (Einleitung) umreißt Peter Gautschi seine Fragestellung im Forschungskontext empirischer Untersuchungen von Unterricht. Überzeugend wirkt hierbei vor allem der Ansatz, die „videobasierte Unterrichtsforschung“ in der Geschichtsdidaktik zu verstärken sowie sich auf „Good-practice-Situationen“ zu konzentrieren und nicht – wie oft üblich – der Frage, „was in der Schule und im Unterricht misslingt“ (S. 25f.), das Hauptaugenmerk zu schenken.

Grundlagen

Das zweite, der Theorie gewidmete Kapitel (Grundlagen) holt sehr weit aus. Die Unterkapitel „Was ist Unterricht?“ (S. 32-37), „Was ist Geschichtsunterricht?“ (S. 38-75) sowie „Was ist guter Unterricht?“ (S. 78-87) und „Was ist guter Geschichtsunterricht?“ (S. 88-102) geben ellenlang wieder, was in der didaktischen Literatur von ihm bzw. von Kollegen bereits umfassend dargestellt wurde(à verschiedenen in der Diskussion stehenden Kompetenzmodelle) Er betont immer wieder, dass es wichtig sei, dass der Unterricht aus jeder Perspektive gut und spannend sein muss. Ein Ausblick auf seine spätere Herangehensweise: à Die Triangulation. Er wolle dabei aber versuchen kein „Lehrerschelte-Buch“ zu verfassen, sondern die „guten Unterrichtsprozesse“ in den Vordergrund stellen.

Kompetenzmodell

Peter Gautschi folgt mit seinem anschließend vorgestellten eigenen Kompetenzmodell dem Diktum Jörn Rüsens, dass Geschichtslernen in erster Linie dadurch gekennzeichnet sei, „durch historisches Lernen auf eine bestimmte Weise Sinn über Zeiterfahrungen zu bilden.“ Daher müsse die Ausbildung „narrativer Kompetenz“ das oberste Leitziel des Geschichtsunterrichts sein. Vier Kompetenzbereiche ließen sich dafür unterscheiden: Die „Wahrnehmungskompetenz für Veränderungen in der Zeit“, die „Erschließungskompetenz für historische Quellen und Darstellungen“, eine umfassende „Interpretationskompetenz für Geschichte“ und die auch für die außerschulische Lebenspraxis entscheidende „Orientierungskompetenz für Zeiterfahrung“ (S. 48f.). Darauf fußend entwickelt der Autor 15 Gütekriterien für gelungenen Geschichtsunterricht, die in den drei Bereichen „Lerngegenstand“, „Prozessstruktur“ und „Nutzung“ jeweils fünf Einzelkomponenten enthalten. Zusammenfassend wird definiert: „Geschichtsunterricht ist dann gut, wenn Schülerinnen und Schüler anhand von fachspezifisch bedeutsamen Inhalten und Themen mittels eines Unterrichtsprozesses, der den Ansprüchen der Bezugswissenschaften entspricht, relevantes geschichtliches Wissen und für Historisches Lernen grundlegende Kompetenzen erwerben und ausdifferenzieren.“ (S. 100). Didaktik sei mehr als reines Methodenlernen, sie geht Hand in Hand mit der Geschichtsforschung und der Historik, um ein „Geschichtsbewusstsein“ zu erzeugen. Das „Verständigungsdefizit“ zwischen Lehrer und Schüler, sowie die Einstellung zum reinen Faktenlernen wird von Gautschi kritisch beleuchtet. Die Unterrichtsansätze sollen problemlösender Natur sein, in dem sie kritisches Denken beinhalten. „Fremdverstehen“, quellenorientiertes Lernen, die optimale Mixtur aus Einzel- und Strukturwissen, sei wichtig. Witzig ist auch seine Einteilung in Lehrertypen auf Seite 71.

Gautschi zitiert zur Untermauerung seiner Thesen unter anderem Bodo von Borries, Wilson und Bergmann und immer wieder aus Barricellis Werken, insbesondere, wenn es um „Geschichtskultur und Geschichtsbewusstsein“ geht. Gautschi kritisiert auch, dass die Schüler zu wenig angehalten wären, Gesellschaftsauswirkungen, Langzeitentwicklungen und Gegenwartsbezüge herzustellen. Eine Kritik, die ich nicht recht verstehe. In meiner Schulzeit gab es viele solcher Aufgabenstellungen. Gautschi versucht eine zusammenfassende Darstellung der aktuellen Unterrichtssituation im Fach Geschichte aufzustellen. Auf circa einer Seite (S.19) gelingt ihm das auch, gegen Erwarten, ziemlich gut. Ins Auge ist mir dabei sein Postulat gefallen, dass der Lehrer nun mehr als Coach und Manager fungieren, als ein reiner Geschichtenerzähler zu sein. Um nun auf das Thema zurückzukommen, formuliert er nun die „Qualitätsfrage“ von Unterricht. Er stellt das „Prozess-Produkt-Paradigma“ auf, bei dem sich aber wiederrum die Frage stellt, was ist das gewünschte Produkt im Geschichtsunterricht? Kein Konsens über verpflichtendes Vorgehen oder z.B. historische Fakten (Wie in der Diskussion am Anfang des Semesters). Wie ist die „Aufgabenkultur“ (S.75)? Wie viel Bearbeitungszeit muss man geben? Ein sehr interessantes Konzept stellt das „Angebots-Nutzungs-Modell zu Erklärung von Lernerfolg“ dar (Helmke, 2007)

Wie lässt sich Lerngegenstand, Prozessstruktur und Nutzung in effektiver Weise darstellen und auch zusammenführen?

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656887898
ISBN (Buch)
9783656887904
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288467
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Geschichtsdidaktik
Note
2,3
Schlagworte
Peter Gautschi Guter Geschichtsunterricht Didaktik Geschichte Rezension Unterrichtsmerkmale Lernaufgaben Kompetenzen Geschichtsbewusstsein Prozess-Produkt-Paradigma

Autor

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Titel: Rezension von Peter Gautschis "Guter Geschichtsunterricht"