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Monopole dauerhafter Güter

Würdigung und Kritik

Hausarbeit 2014 19 Seiten

VWL - Mikroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemaufriss

2. Monopole und dauerhafte Güter
2.1. Monopoldefinition und Differenzierung nach Monopoltypen
2.3.1. Veranschaulichung
2.3.2. Schlussfolgerungen von Coase
2.3.3. Konkurrenz durch Secondhand- und Recyclingmärkte

3. Problemlösung
3.1. Vermietung und Leasing
3.2. Selbstverpflichtung des Monopolisten zu konstanten Preisen
3.3. Verkauf mit qualitativer Obsoleszenz
3.4. Marktausstieg und Limited Edition

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grenzerlös eines Monopolisten und Marktnachfrage

1. Problemaufriss

Die folgende Arbeit behandelt das sog. Coase’sche Problem und die für Monopolisten damit einhergehenden Konsequenzen für die Preisgestaltung. Ziel dieser Arbeit ist es, eine Übersicht der gängigen Lösungsstrategien zu geben, die darauf abzielen, die Marktmacht des Monopolisten zu erhalten und das Coase’sche Problem zu lösen oder zu umgehen.

Monopolisten sind aufgrund ihrer Macht über das Angebot am Markt in der Lage, ihre Preise so weit zu übererhöhen, dass diese die Grenzkosten überschreiten, sie dabei aber nicht gleichzeitig alle Kunden verlieren. Damit einher geht ein sog. dead-weight wellfare loss (Wohlfahrtsverlust), der einen volkswirtschaftlichen Schaden darstellt. Auf der anderen Seite sind Monopolisten im Falle, dass sie dauerhafte Güter produzieren, ihre eigenen Konkurrenten, indem sie die Nachfrage nach ihrem Gut in der nächsten Periode reduzieren. Kunden, die ein dauerhaftes Gut heute kaufen, werden in der nächsten Periode nicht wieder nach dem Gut nachfragen, obwohl dieses u.U. sogar günstiger sein könnte, sofern der Monopolist Preisdifferenzierung betreibt. Gerade dieser Umstand stellt jedoch ein wirtschaftliches Problem für einen Monopolisten dar, dessen Lösung über den Fortbestand seiner Stellung am Markt entscheidet: rationell handelnde Kunden, können nämlich die Preissenkung des Monopolisten in ihre Kaufentscheidung einkalkulieren und ihre Käufe in die nächste Periode aufschieben, so dass die Nachfrage in der ersten Periode nachlässt. Das Erschließen neuer Konsumentengruppen auf dem Wege der Preissenkung stellt sich für Monopolisten demnach als Nachteil dar. Das Worst-Case-Szenario für den Monopolisten wäre in diesem Fall, dass der Gewinn gegen null konvergiert. Wie kann der Monopolist also erreichen, Gewinne zu erwirtschaften und in der Folge seine Stellung am Markt beizubehalten? Zur Lösung dieses Problems haben sich unterschiedliche Strategien etabliert, von denen vier (Haupt-)Ansätze im Folgenden skizziert und bewertet werden sollen, um im Anschluss daran auf der Basis der hier gewonnenen Erkenntnisse, eine eigene Differenzierung vorzunehmen.

2. Monopole und dauerhafte Güter

Zur Einführung in das Thema wird im Folgenden das Monopol definiert und eine Differenzierung im Bereich der Monopole (2.1.) und dauerhaften Güter (2.2.) vorgenommen sowie das Coase-Theorem (2.3.) als Ausgangspunkt der Darstellung erläutert.

2.1. Monopoldefinition und Differenzierung nach Monopoltypen

Die Grunddefinition dieses Begriffs ist ein reines Monopol d.h., dass für ein Gut ausschließlich ein Anbieter gegenüber der gesamten vorhandenen Marktnachfrage existiert. Ein solcher Monopolist ist in der Lage, seine Preise selbst und gewinnmaximierend zu bestimmen, indem er sich am Cournot-Preis orientiert1. Es gibt jedoch unterschiedliche Monopoltypen. Man kann unterscheiden zwischen:

1. Monopolen aufgrund staatlicher Marktzugangsbeschränkungen (bspw. im Öffentlichen Personennahverkehr),
2. temporären Monopolen aufgrund von Patenten oder Urheberrechten (bspw. die Designpatente von Apple auf das iPhone),
3. natürlichen Monopolen2 aufgrund exklusiven Besitzes bestimmter natürlicher oder menschlicher Ressourcen (bspw. Schienennetze für Eisenbahnen) und
4. Monopolen aufgrund von technologischen Kostenvorteilen, so dass ein einziges Unternehmen in der Lage ist, die Nachfrage am Markt am kostengünstigsten zu decken (ein zukünftiges Szenario könnte die Entwicklung eines wettbewerbsfähigen Fusionsreaktors sein, der kaum noch kostenintensiven radioaktiven Abfall produziert).

Die Lösungsansätze für das Coase´sche Problem können nicht unkritisch auf jeden Monopoltyp übertragen werden. Coase geht in seinem 1972 erschienenen Aufsatz von der Annahme aus, dass die Grenzkosten eines natürlichen Monopolisten konstant sind3. Dem gegenüber steht der Patentmonopolist, der mit steigenden Grenzkosten rechnen muss, die durch Entwicklung eines Patents entstehen. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass für einen Patentmonopolisten nicht dieselben Strategien infrage kommen, wie für einen natürlichen Monopolisten. Je nach Monopoltyp muss deshalb auch der Lösungsansatz differenziert werden.

2.2. Dauerhafte Güter

Unter einem dauerhaften Gut versteht man, dass ein Gut über einen längeren Zeitraum kontinuierlich genutzt wird. Zur Vereinfachung des Modells gehen die Darstellungen in der Regel von einem Ein-Gut-Monopolisten aus. Ein Ein-Gut-Monopolist stellt in solchen Modellen ein einziges Gut her, das er am Markt anbietet. In der hier vorgelegten Arbeit soll außerdem davon ausgegangen werden, dass dieses Gut nicht substituierbar sei. Für den Begriff „dauerhaftes Gut“ haben sich ebenfalls Begriffsvarianten etabliert wie bspw. langlebiges Gut oder Gebrauchsgut (in dieser Arbeit wird letztgenannte Bezeichnung gewählt). Im Falle von Verbrauchsgütern, die immer wieder gekauft werden, sobald diese verbraucht sind, steht ein Monopolist von Gebrauchsgütern, die über einen längeren Zeitraum genutzt werden können, dem Problem einer sinkenden Nachfrage seitens seiner Konsumenten gegenüber. Sobald das Gebrauchsgut von der Konsumentengruppe aus einer Periode t1 erworben wurde, wird diese regelmäßig, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht gewillt sein, in der nächsten Periode wieder dieses Gut zu erwerben. Die Dauerhaftigkeit des Gutes lässt so die Nachfrage sinken, was den Monopolisten unter Druck setzt, die Preise seines Gutes zu senken, um weitere Mengen zu veräußern4. Sofern von einem Monopolanbieter die Rede ist, kann man – bezogen auf die verschiedenen Monopoltypen – verschiedene Güter unter den Begriff des Gebrauchsgutes fassen. In dieser Arbeit liegt der Fokus auf materiellen Gebrauchsgütern wie Autos, Rohstoffe oder Infrastruktureinrichtungen.

2.3. Das Coase-Theorem

Coase geht in seinem 1972 erschienenen Aufsatz von der folgenden Situation aus: Der Monopolist der ein Gebrauchsgut verkauft, habe weniger Marktmacht als der, der ein Verbrauchsgut verkauft. Um diese Aussage zu belegen, geht Coase von folgendem Beispiel aus. Es wird angenommen, dass eine einzige Person das gesamte Land der Vereinigten Staaten in ihrem Eigentum innehabe, d.h. der Monopolist stellt den einzigen Anbieter von Land dar5. Auch werde der Einfachheit halber unterstellt, dass der gesamte Boden des Landes in gleich große Grundstücke aufgeteilt sei und dass diese Grundstücke alle eine einheitliche Qualität aufwiesen. Der Eigentümer des Landes bearbeite das Land nicht, auch bringe es ihm keinen Nutzen, aber gleichzeitig entstünden ihm auch keine Kosten daraus, was von Vorteil ist. Er könnte nun mit dem Gedanken spielen, jeweils die einzelnen Grundstücke an eine an solchem Land interessierte Gruppe von Käufern zu verkaufen6.

2.3.1. Veranschaulichung

Der Einfachheit halber wird von zwei Perioden t = 1, 2 ausgegangen. Die Nachfragekurve wird mit d gekennzeichnet, während durch MR die Grenzerlöskurve dargestellt wird7. Da der Monopolist der einzige Anbieter dieses Landes ist, wird er, dies ist aus Abbildung 1 zu entnehmen, in der ersten Periode bei einem Preis von 0A eine Monopolmenge von 0C anbieten. Dies ist deshalb der Fall, weil die Grenzerlöskurve MR die Abszisse an dieser Stelle schneidet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Grenzerlös eines Monopolisten und Marktnachfrage

Quelle: In Anlehnung an Coase (1972), S. 144.

Das Ergebnis hieraus ist, dass der Anbieter nun seinen Gewinn und seinen Erlös maximiert, da ihm, wie oben schon erwähnt, keine Kosten aus dem Verkauf entstehen. Der Rest des Landes CD bleibt nun für den Monopolisten übrig und verbleibt in seinem Eigentum. Zu beachten ist aber, dass nur die Nachfrager, die das Gut sehr hoch geschätzt haben und die bereit waren, einen Preis von 0A zu zahlen, die Monopolmenge 0C bekommen haben. In der zweiten und letzten Periode steht eine letzte Menge Grundstück CD zum Verkauf, was der Anbieter aber nur noch zum einem Preis von 0B verkaufen kann. Er könnte aber seinen Gewinn erhöhen und die Konsumentenrente vollkommen für sich abschöpfen, wenn er in jeder einzelnen Periode nur jeweils eines der Grundstücke an den meistbietenden Nachfrager verkaufen würde, aber auch hier ist zu beachten, dass – unabhängig von den Perioden – in der letzten Periode immer nur zu einem Preis von 0B verkauft werden kann. Die Schlussfolgerung hieraus ist folgende: Der Anbieter wird durchgehend den Preis für die Grundstücke senken, damit er immer mehr Land verkauft. Daraus folgt, dass die Konsumenten diesen Preisabfall wahrnehmen werden und darauf reagieren, indem sie nur noch zu einem Preis von 0B kaufen wollen, also ihre Kaufentscheidung zurückstellen. Diesem Verhalten der Konsumenten ist normalerweise nur ein Polypolist unterlegen, der über keinen Spielraum über den Preis verfügt.

2.3.2. Schlussfolgerungen von Coase

Die Beobachtung von Coase verdeutlicht, dass die Menge des Gutes in t1 einem Preisverfall ausgesetzt ist. Der Monopolist kann deshalb keine Monopolrente erlangen, weil er seine Preise nicht mehr gewinnmaximierend festlegen kann8. Für das Verhalten der Konsumenten schlussfolgert Coase, gelte dann, dass diese das Verhalten des Monopolisten erwarten und die Preise der ersten Periode nicht zahlen, sondern auf eine weitere Preissenkung spekulieren würden. Schlussendlich wird der Monopolist nachgeben und einen Preis nahe den Grenzkosten verlangen. Der Monopolist stellt demnach eine Konkurrenz für sich selber dar. Um diesen Preisverfall einzudämmen wurden in der Literatur verschiedene Problemlösungen diskutiert, um dem Monopolisten einen möglichst großen Gewinn zu erhalten.

2.3.3. Konkurrenz durch Secondhand- und Recyclingmärkte

Dadurch dass der Monopolist sein Gut am Markt verkauft und das Eigentum an der Ware auf den Kunden überträgt, generiert der Monopolist einen neuen Konkurrenten, der auf einem sog. Secondhand-Markt das gebrauchte Gut des Monopolisten zu einem günstigeren Preis anbieten kann. Dies führt dazu, dass der Monopolist in der zweiten Periode gezwungen sein kann, die Preise weiter zu senken. Coase maß dem Secondhand-Markt damals keine besondere Bedeutung zu, insbesondere aber nicht der von Coase 1972 noch nicht geahnten Entwicklung des Internets. Dieses führt nämlich zu einer höheren Transparenz über Vor- und Nachteile von Gütern beim Kunden und so können diese vergleichen, wo es für sie wirtschaftlich attraktiver ist, ein Gut zu erwerben. Internetplattformen wie bspw. ebay bieten quasi für alle Gebrauchsgüter einen Secondhand-Markt an. Der Verkauf seiner Güter setzt den Monopolisten deshalb unter Preisdruck. Dieses Phänomen wird in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur am Fall des amerikanischen Aluminiumherstellers Alcoa (Aluminium Company of America) diskutiert9. Alcoa wollte nach dem zweiten Weltkrieg staatliche Aluminiumwerke erwerben. Dadurch dass Alcoa jedoch 90%10 des Marktes für Aluminium beherrschte, wurde ihr die Übernahme dieser Werke nicht gestattet. Alcoa wehrte sich in einem Prozess gegen die Ablehnung der Übernahme mit der Begründung, dass unter Einbeziehung der das Aluminium von Alcoa recycelnden Unternehmen des Secondhand-Markts der Marktanteil von Alcoa bei lediglich 64%11 gelegen habe. Dennoch wurde Alcoa die Übernahme der staatlichen Aluminiumwerke nicht gestattet. Die Konkurrenz, die einem Monopolisten aus dem Verkauf seiner eigenen Güter durch den Secondhand- und Recyclingmarkt entsteht, führte im Falle von Alcoa dazu, dass die Preise nahe den Grenzkosten lagen. Dieses Problem entsteht einem Monopolisten immer dann, wenn er das Eigentum an seinen Gütern auf den Kunden überträgt. In diesem Fall hat er später keinen Einfluss auf die weitere Verwendung seines Gutes. Im Folgenden widmet sich die Betrachtung vier Lösungsstrategien, die ein Monopolist anwenden kann, um seine marktbeherrschende Stellung zu erhalten und Preise zu erzielen, die seine Gewinne maximieren. Gleichzeitig werden die Nachteile dieser Strategien beleuchtet.

3. Problemlösung

Zur Umgehung der Coase-Problematik haben sich folgende Strategien herauskristallisiert, die einem Monopolisten dabei helfen sollen, seinen Monopolgewinn zu erhalten. Dabei sei angenommen, dass ein langlebiges Gut in einem Modell aus zwei Perioden verkauft und von den Konsumenten genutzt wird. Um der durch den Weiterverkauf seiner Gebrauchsgüter selbst gesetzten Konkurrenz entgegenzuwirken, könnte ein Monopolist folgende Strategien anwenden: Erstens (3.1.) könnten die langlebigen Güter nur noch zur Miete oder zum Leasing angeboten werden, zweitens (3.2.) kann ein Versuch unternommen werden, die Konsumenten davon zu überzeugen, dass die Preise in der nächsten Periode nicht gesenkt werden (glaubwürdige Selbstverpflichtung), drittens (3.3.) könnte dem Weiterverkauf der langlebigen Güter durch eine qualitative Obsoleszenz entgegengewirkt werden, die eine Marktsättigung durch eingeplanten Verschleiß der verkauften Güter verhindert, und viertens (3.4.) könnte ein Monopolist in Erwägung ziehen, sein Gut aus dem Angebot herauszunehmen, sobald der Erlös zu den Fixkosten konvergiert.

[...]


1 Vgl. Pickerodt, Sebastian (2005) Informationsgüterhandel mit Hilfe autonomer Agenten, Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag, S. 66.

2 Vgl. Erlei, Matthias, Martin Leschke und Dirk Sauerland (1999) Neue Institutionenökonomik, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, S. 249.

3 Vgl. Coase, Ronald (1972) „Durability and Monopoly“ Journal of Law and Economics, Vol. 15 (April), S. 145 f.

4 Vgl. Ausubel, Lawrence M. und Raymond J. Deneckere (1989) „Reputation in Bargaining and Durable Goods Monopoly“ Econometrica Journal of the Econometric Society, Vol. 57 (Mai), S. 511f.

5 Vgl. Cudic, Jasna (2011) Produkthaltbarkeit im strategischen Marketing, Lohmar-Köln: JOSEF EUL VERLAG GmbH, S. 24.

6 Vgl. Bagnoli, Mark, Stephen W. Salant und Joseph E. Swierzbinski (1989) „Durable-Goods Monopoly with Discrete Demand“ Journal of Political Economy, Vol. 97 (Dezember), S. 1475.

7 Vgl. Cudic, 2011, S. 24ff.

8 Vgl. Cudic, 2011, S. 26.

9 Vgl m. w. Nw.: Lotze, Klaus Peter (1976) Modelle monopolistischen Verhaltens bei Produktion dauer-hafter Konsumgüter unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von Gebrauchtgütern, Bamberg: difo-druck, S. 1ff.

10 Vgl. De Beir, Jean und Guillaume Girmens (2009) „Alcoa re-Revisited: Recycling, Market Power and Environmental Policy” Économie international, Vol. 120 (September), S. 38.

11 ebd., 2009, S. 38.

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656887188
ISBN (Buch)
9783656887195
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288456
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
VWL Mikroökonomie dauerhafte Güter Monopole Coase-Theorem Coase Marktversagen Monopolist Lösungsansätze Lösungsansatz Seminararbeit dead-weight wellfare loss

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Titel: Monopole dauerhafter Güter