Lade Inhalt...

Die Agrarreform von 133 v.Chr. Die Motive der Senatorengruppe um Tiberius Gracchus

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Agrarreform
2.1 Die Situation Roms vor 133 v. Chr.
2.2 Inhalt und Durchführung der Agrarreform

3 Die Person des Tiberius Gracchus
3.1 Familie und Herkunft
3.2 Karriere

4 Die Senatoren hinter Tiberius Gracchus
4.1 Appius Claudius Pulcher
4.2 Publius Mucius Scaevola
4.3 Publius Licinius Crassus Dives Mucianus
4.4 M. Fulvius Flaccus

5 Motivation
5.1 Militärische Motive
5.2 Politische Motive
5.3 Persönliche Motive
5.4 Die Auswahl Tiberius Gracchus´ als Vertreter der Gruppe
5.5 Quellenlage

6 Schluss

7 Quellenverzeichnis

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Agrarreform des Tiberius Sempronius Gracchus von 133 v. Chr. ist schon lange ein in der Forschung diskutiertes Thema. Dabei gibt es auch viele Untersuchungen über die Umstände, die Tiberius Gracchus dazu bewegt haben mögen, seine Reformen so radikal umzusetzen, dass er schlussendlich von Anhängern der Optimaten im Senat ermordet wurde.

Seit einigen Jahrzehnten sind in diesem Zusammenhang jedoch nicht mehr lediglich die Person des Tiberius Gracchus von Interesse sondern auch die Persönlichkeiten, die hinter ihm standen. Dazu gehörten einige einflussreiche und mächtige Senatoren. Ihre Motive werden in den Quellen nicht explizit genannt, jedoch gibt es einige Anhaltspunkte. Die moderne Forschung ist laut Herbert Heftner und John W. Rich der Meinung, dass die Agrarreform von 133 v. Chr. eine Fürsorgemaßnahme für die verarmten Bauern war, während die ältere Forschung eher davon ausgeht, dass die Stärkung des Bauerntums nur der daraus resultierenden Stärkung des Militärs diente. Es soll hierin untersucht werden, welcher Meinung der Vorzug zu geben ist.

Als Literatur finden besonders die einführenden Werke von Bernhard Linke (Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla) und Herbert Heftner (Von den Gracchen bis Sulla. Die römische Republik am Scheideweg 133-78 v. Chr.) und die detaillierten Untersuchungen von Briscoe, Bleicken, Badian, Earl und Gruen, von denen die gracchische Agrarreform im Detail besprochen wird, Verwendung.

2 Die Agrarreform

Die Durchsetzung der Agrarreform im Jahr 133 v. Chr. war unter den Adligen Roms sehr umstritten. Um dies und auch die Motivation der Senatoren zu verstehen, die diese Agrarreform ausgearbeitet haben, muss man zunächst die Umstände beleuchten, die zur Ausarbeitung der Reform geführt haben, und den Inhalt und die Durchführung der Reform untersuchen.

2.1 Die Situation Roms vor 133 v. Chr.

Nach dem Zweiten Römisch-Karthagischen Krieg von 218 v. Chr. bis 201 v. Chr. und der vollständigen Zerstörung Karthagos im Jahr 146 v. Chr. war Rom die alleinige Großmacht im westlichen Mittelmeer. Das Reich breitete sich immer weiter aus.

Dies führte dazu, dass die Zeit des Kriegsdienstes, die von der Bevölkerung, vor allem den Bauern, geleistet werden musste, immer länger wurde. Dadurch konnten die Bauern ihre Höfe nicht bewirtschaften und ihre Familien nicht ernähren. Nach ihrer Rückkehr aus dem fernen Krieg blieb ihnen oft nur die Möglichkeit, ihren Hof zu verkaufen, nach Rom zu gehen und sich dort als Tagelöhner zu verdingen.[1]

Durch Annektierung von Land abtrünniger Bundesgenossen vor allem aus dem Hannibalkrieg besaß der römische Staat große Mengen an Land, so gennantes ager publicus. Dieses Land durfte nach altem Brauch von jedem Römer besetzt und landwirtschaftlich genutzt werden, konnte jedoch nicht in Privateigentum übergehen. Die Mittel, das Land zu bewirtschaften, hatten aber nur reiche Bürger. Diese sicherten sich große Mengen des ager publicus, um darauf auf großen Gewinn ausgerichtete Landwirtschaft zu betreiben. Dazu wurde die günstige Arbeitskraft der Sklaven eingesetzt und profitträchtige Produkte wie Wein oder Oliven statt Getreide angebaut.[2]

Kleinbauern waren von dieser Entwicklung weitestgehend ausgeschlossen, was zur Verarmung dieses Standes beitrug. Durch die Schwächung der Kleinbauern wurde auch, da sie diesbezüglich die Hauptlast trugen, das Militär erheblich geschwächt.

2.2 Inhalt und Durchführung der Agrarreform

Dieses Programm sah die Umverteilung des ager publicus vor. Das von Großgrundbesitzern okkupierte Land sollte bis zu einer Grenze von 500 iugera (ca. 125 ha) an den Staat zurückgegeben werden. Das im Besitz der Großgrundbesitzer verbleibende Land sollte in ihren Privatbesitz übergehen. Der Rest des Landes sollte an besitzlose Römer verteilt werden, von denen jeder etwa 30 iugera erhalten sollte.[3]

Diese Reform hatte im Senat viele Gegner, da einige Senatoren selbst ager publicus bewirtschafteten und nicht einfach so ihren Besitz abgeben wollten. Außerdem legte Tiberius Gracchus das Gesetz nicht wie üblich zuerst dem Senat zur Diskussion vor, sondern wollte darüber direkt in der Volksversammlung abstimmen lassen. Ein anderer Volkstribun, Marcus Octavius, legte jedoch vor der Abstimmung ein Veto gegen das Gesetz ein, sodass darüber nicht mehr abgestimmt werden konnte. In der nächsten Volksversammlung ließ Gracchus Octavius deswegen vom Volk absetzen. Dies war ein ungewöhnlicher Fall in der römischen Republik und brachte viele Adlige gegen Gracchus auf.[4]

Nachdem das Gesetz erfolgreich durchgebracht worden war, wurde eine Kommission eingesetzt, die das Land umverteilen sollte. Zu dieser Kommission gehörten zunächst Tiberius Gracchus selbst, sein jüngerer Bruder Gaius Gracchus und Tiberius´ Schwiegervater Appius Claudius Pulcher. Diese drei Männer reisten durch Italien und versuchten, das Land neu aufzuteilen. Da der Senat jedoch keine Finanzierung für das Projekt bewilligte, versuchte Tiberius, den Schatz des König Attalos III. von Pergamon, der diesen der römischen Republik vermacht hatte, mittels Abstimmung in der Volksversammlung für die Reform zu beanspruchen. Dadurch sah sich der Senat in seinen außenpolitischen und finanzpolitischen Machtansprüchen bedroht. Als Tiberius sich für eine zweite Amtszeit als Volkstribun wählen lassen wollte, kamen Gerüchte auf, er wolle sich zum Tyrannen machen. Die Lage eskalierte und einige Senatoren stürmten bewaffnet die Volksversammlung und erschlugen Tiberius Gracchus mit vielen seiner Anhänger.[5]

3 Die Person des Tiberius Gracchus

Tiberius Gracchus war das Gesicht der Agrarreform in der Öffentlichkeit. Er sprach zum Volk, stellte das Gesetz vor und warb dafür. Er war es auch, der aufgrund der Reform starb. Wie unten gezeigt wird, war er aber nicht derjenige, der das Gesetz für die Reform ausgearbeitet hat. Jedoch soll hier zunächst seine Person vorgestellt werde, um später erklären zu können, warum gerade er so wichtig für die Reform war.

3.1 Familie und Herkunft

Tiberius Sempronius Gracchus wurde 163 v. Chr. geboren und stammte aus einer Familie der Nobilität. Der erfolgreiche Vater war zweimal Konsul gewesen, in den Jahren 177 und 163 v. Chr. Außerdem war er 169 v. Chr. Censor und feierte zwei Triumphzüge in Rom. Tiberius war mütterlicherseits der Enkel des Scipio Africanus und somit auch der Vetter des Scipio Aemilianus. Da Tiberius´ Schwester Scipio Aemilianus heiratete, war Tiberius auch noch sein Schwager. Durch diese Abstammung und Familie wurden auch an seine Karriere hohe Ansprüche gestellt.[6]

3.2 Karriere

Im Dritten Römisch-Karthagischen Krieg kämpfte Tiberius Gracchus als Fünfzehnjähriger mit. Im Jahr 137 v. Chr. wurde er Quästor und leistete dieses Amt in Spanien, in Numantia. Dort diente er unter dem Feldherrn Gaius Hostilius Mancinus, der gegen die Numantiner eine schwere Niederlage erlitt. Mancinus war gezwungen einen Vertrag auszuhandeln, der den Römern freien Abzug ohne Waffen zusagte. Tiberius Gracchus musste diesen Vertrag, der in Rom nicht akzeptiert wurde, ebenfalls unterzeichnen.[7] Dadurch büßte er in Rom schon früh einiges politisches Ansehen ein.

Im Jahr 134 v. Chr. wurde er zum Volkstribunen für das kommende Jahr gewählt. Schon vorher wurde von ihm und seinen Unterstützern im Senat ein Programm zur Reformierung der Agrargesetze ausgearbeitet. Aufgrund der politischen Konflikte, die durch dieses Reformprogramm und seine Durchführung entstanden, wurde Tiberius Gracchus 133 v. Chr. in der Volksversammlung erschlagen.

4 Die Senatoren hinter Tiberius Gracchus

Als Tiberius Gracchus 133 v. Chr. begann, die Agrarreform in Gang zu setzen, war er gerade 30 Jahre alt und Volkstribun. Er war also in keiner Position, um eine solche Reform alleine durchzubringen. Wahrscheinlich ist auch, dass er das Gesetz nicht alleine ausgearbeitet hat. Es wird sogar weitgehend bezweifelt, dass Tiberius Gracchus der Initiator der Agrarreform war. Es wird eher angenommen, dass eine Gruppe Senatoren hinter dem Vorhaben stand, die Tiberius Gracchus auswählten, um sie nach außen hin zu vertreten und ihre Vorhaben beim Volk populär zu machen. Dies belegen auch die Quellen:

„He did not, however, draw up his law by himself, but took counsel with the citizens who were foremost in virtue and reputation, among whom were Crassus the pontifex maximus, Mucius Scaevola the jurist, who was then consul, and Appius Claudius, his father-in-law.” (Plut. Tiberius Gracchus 9,1)

In den Quellen werden einige namhafte Unterstützer des Tiberius Gracchus genannt, jedoch wird auf die Motive, die ein jeder von ihnen hatte, diese Ackergesetze auszuarbeiten und zu verteidigen, nirgendwo explizit eingegangen. Es lässt sich also meist nur vermuten, was diese Männer zu der Reform bewegt hat.

[...]


[1] Linke, Bernhard: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla, Darmstadt 2005, S. 10.

[2] Linke, S. 11.

[3] Linke, S. 24.

[4] Linke, S. 28f.

[5] Linke, S. 32-35.

[6] Linke S. 15-18.

[7] Heftner, Herbert: Von den Gracchen bis Sulla. Die römische Republik am Scheideweg 133-78 v. Chr., Regensburg 2006, S. 44.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656886891
ISBN (Buch)
9783656886907
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288430
Note
1,3
Schlagworte
agrarreform motive senatorengruppe tiberius gracchus

Autor

Zurück

Titel: Die Agrarreform von 133 v.Chr. Die Motive der Senatorengruppe um Tiberius Gracchus