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E-Commerce. Möglichkeiten und Grenzen von Multichannel-Marketing und E-Logistiksystemen

Bachelorarbeit 2015 61 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsabgrenzung
2.1 Abgrenzung von E-Commerce und E-Business
2.2 Abgrenzung von E-Logistik und Logistik

3 Grundlagen des E-Commerce
3.1 Entwicklung des E-Commerce
3.2 Vertriebsformen im E-Commerce
3.2.1 Business to Business (B2B)
3.2.2 Business to Customer (B2C)
3.2.3 Abgrenzung von B2B und B2C
3.2.4 Dropshipping

4 E-Logistik in E-Commerce Unternehmen
4.1 Strategische Beschaffung (E-Procurement)
4.2 Disposition und Wareneinkauf (E-Distribution)
4.3 Auftragsabwicklung (E-Fulfillment)

5 E-Logistiksysteme
5.1 Aufbau und Gestaltung eines E-Logistiksystems
5.2 Anforderungen an E-Logistiksysteme
5.3 Warenwirtschaftssysteme

6 Multichannel-Marketing als Instrument des E-Commerce
6.1 Theoretische Grundlagen
6.2 Umsatzsteigerung durch Multichannel-Marketing
6.3 Problematik des Multichannel-Marketings
6.4 Lösungen zur Automatisierung des Auftragsmanagements
6.4.1 Automatisierung und Multichannel-Marketing am Beispiel Afterbuy

7 Risiken und Probleme der E-Logistik im E-Commerce
7.1 E-Commerce Recht
7.1.1 Widerrufsrecht
7.1.2 Retourenmanagement
7.1.3 Button-Lösung
7.2 E-Sicherheit
7.2.1 Datenschutz im E-Commerce
7.2.2 SSL-Zertifikate

8 Entwicklungen und Trends im E-Commerce
8.1 Social Commerce
8.2 Mobile Commerce

9 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: E-Commerce als Sektion des E-Business. Schubert, P. et al. (2002): S. 14

Abbildung 2: Bereiche der E-Logistik. BSL - Bretagne Services Logistiques (2014)

Abbildung 3: Prozesskette des Dropshippings. Huke, S. (2012)

Abbildung 4: Integration des E-Procurement in den Beschaffungsprozess. Hilger, N. (2010)

Abbildung 5: Logistische Prozesse der E-Distribution. WEBSE (2014)

Abbildung 6: Elemente eines Warenwirtschaftssystems. Gabler Wirtschaftslexikon (2014)

Abbildung 7: Entwicklung des Multichanneling. Möller, J. (2014)

Abbildung 8: Afterbuy Warenwirtschaft. Afterbuy (2014)

Abbildung 9: Afterbuy Versand und Logistik. Afterbuy (2014)

Abbildung 10: Afterbuy Marketing. Afterbuy (2014)

Abbildung 11: Die häufigsten Gründe für eine Retoure. IBI Research (2013)

Abbildung 12: Zustände von retournierten Waren. IBI Research (2013)

Abbildung 13: Tätigkeitsbereiche von Versanddienstleistern. IBI Research (2013)

Abbildung 14: Funktion eines SSL-Zertifikats. GERWAN (2014)

Abbildung 15: E-Commerce & Social Media Kaufprozess. Graf, A. (2010)

Abbildung 16: Schnittmengen von E-Commerce und M-Commerce. Broeckelmann, P. (2010): S.13

Abbildung 17: Entwicklung von Smartphone-Besitzern und M-Commerce. Fittkau & Maas (2013)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Für einen Großteil der Menschen ist ein Leben ohne das Internet kaum noch vorstellbar. Als ein weltweit verbreitetes Medium wird das Internet schon lange nicht mehr nur für private, sondern auch für gewerbliche Absichten genutzt. Jedes Jahr werden mehr Einkäufe über das Internet getätigt und dies birgt sowohl für Käufer als auch Verkäufer viele Vorteile. Damit sich ein Unternehmen online etablieren kann, müssen viele Faktoren erfüllt werden. In der vorliegenden Arbeit werden hintergründig ablaufende, für den Kunden nicht sichtbare, Prozesse erörtert.

Es werden die Möglichkeiten und Grenzen von Multichannel-Marketing und elektronischen Logistiksystemen im Electronic Commerce thematisiert. Die Motivation, diese Thematik intensiv zu beleuchten, rührt daher, dass Electronic Commerce und die damit einhergehende elektronische Logistik, sowie das Multichannel-Marketing eine stetig wachsende Bedeutung im Onlinehandel erlangen.

Zu Beginn erfolgt eine kurze Begriffsabgrenzung des Electronic Commerce, die die Unterschiede zum Electronic Business aufzeigt. Zudem erfolgt eine Abgrenzung der elektronischen Logistik von der Logistik. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Grundlagen des Electronic Commerce erläutert, sowie die unterschiedlichen Vertriebsformen vorgestellt und miteinander verglichen.

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit werden zudem die Auswirkungen der Gegebenheiten des ‚World Wide Web‘ auf den klassischen Versandhandel analysiert. Von der strategischen Beschaffung, über die Disposition und den Verkauf bis hin zur Auftragsabwicklung bietet die elektronische Logistik einen neuen Geschäftszweig für Unternehmen.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Gestaltung, sowie den Aufbau von elektronischen Logistiksystemen zu erläutern und im Anschluss elektronische Auftragsmanagement- und Lagerverwaltungssysteme kritisch zu betrachten. Einen weiteren Themenschwerpunkt dieser Arbeit stellt eine Betrachtung des Multichannel-Marketings dar. Als Instrument des E-Commerce erlangt das Multichannel-Marketing eine wachsende Relevanz und ist aus der heutigen Geschäftswelt nicht mehr wegzudenken. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden der Aufbau, die Gestaltung, sowie die Möglichkeiten und Grenzen von Multichannel-Marketingsystemen erläutert und kritisch beleuchtet. Anhand des Programms ‚Afterbuy‘ werden Lösungen zur Automatisierung des Auftragsmanagements unter dem Gesichtspunkt des Multichannel-Marketings betrachtet. Des Weiteren werden die Risiken und Probleme der elektronischen Logistik im Electronic Commerce sowie die Rechtslagen im Onlinehandel und Aspekte der Sicherheit behandelt. Durch die Betrachtung unterschiedlicher Schwerpunkte, wie dem Retourenmanagement, dem Widerrufsrecht, der ‚Button Lösung‘, dem Datenschutz und SSL-Zertifikaten, werden alltägliche Problemfelder deutlich gemacht. Abschließend werden Entwicklungen und Trends im E-Commerce anhand von Social Commerce und Mobile Commerce beleuchtet.

2 Begriffsabgrenzung

2.1 Abgrenzung von E-Commerce und E-Business

In der Literatur werden die Begriffe ‚Electronic Business‘, auch ‚E-Business‘ und ‚Electronic Commerce‘ ‚E-Commerce‘ genannt und gelten als Synonyme für den Onlineverkauf- und Handel. Allgemein beschreiben beide Begriffe die Unterstützung von Geschäftsprozessen und –transaktionen mittels moderner Kommunikations- und Informationstechnologie, die sich auf zahlreiche Ebenen der Wertschöpfungskette erstreckt.[1]

Rolf Weiber, Professor der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Trier, liefert in seiner im Jahr 2002 verfassten Literatur eine zutreffende Abgrenzung der Begriffe. Er definiert den Begriff E-Business wie folgt: „E-Business ist die Gesamtheit der aufeinander abgestimmten Verfahrensweisen, die durch den Einsatz von E-Technologien eine ressourcensparende Koordination und Integration von Geschäfts-, Kommunikations- und Transaktionsprozessen auf der Markt- und der Unternehmensebene mit dem Ziel der Effizienz- und Effektivitätssteigerung im Wettbewerb ermöglicht.“[2]

Den Begriff E-Commerce sieht er als eine Sektion des E-Business und wird von Weiber folgendermaßen definiert: „Bei Fokussierung der Transaktionsprozesse wird die Summe der Möglichkeiten zur Umsatzgenerierung über E-Technologien und die Nutzung des Internets als neue Distributionsplattform als Electronic Commerce bezeichnet. Nach diesem Verständnis ist der E-Commerce dem E-Business untergeordnet, da er ‚nur‘ auf die Unterstützung der Transaktionsprozesse (Kaufprozesse) zwischen zwei Marktplattformen auf elektronischen Märkten abzielt.“[3]

Die beiden Definitionen zeigen, dass es beim E-Commerce lediglich um den Einsatz der elektronischen Technologien für die jeweiligen Transaktionsprozesse geht. Das E-Business hingegen ist dem E-Commerce übergeordnet und schließt Kommunikations- und Geschäftsprozesse mit ein.

E-Commerce umfasst mindestens die Anbahnungs- und Vereinbarungsphase einer Geschäftsabwicklung über elektronische Netzwerke wie das Internet.[4] Das E-Business wird zudem um Kommunikationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Fax oder Telefon ergänzt.[5] Somit stellt E-Commerce einen Unterbereich des E-Business dar.

Eine weitere Abgrenzung der Begriffe bieten die jeweiligen Schwerpunkte der Bereiche. Als Aufgaben des E-Business werden Kommunikation, Koordination und Kooperation genannt, während E-Commerce auf die Transaktionen und den Geschäftsabschluss zielt.[6] Abbildung eins zeigt die Wirkungsbereiche des E-Business. E-Business umfasst also den E-Commerce Bereich und beeinflusst ihn durch Konzepte, Prozesse, Kommunikation und Koordinationsmechanismen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: E-Commerce als Sektion des E-Business. Schubert, P. et al. (2002): S. 14

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass E-Commerce, unter Einsatz elektronischer Technologien, lediglich für Transaktionsprozesse, E-Business allerdings zusätzlich für Transaktions-, Kommunikations- und Geschäftsprozesse genutzt werden kann.

2.2 Abgrenzung von E-Logistik und Logistik

Unter dem Begriff Logistik wird sowohl die marktorientierte, integrierte Planung, Abwicklung und Kontrolle des gesamten Material- und Informationsflusses zwischen einem Unternehmen und seinen Zulieferern (Beschaffungsmarkt), innerhalb eines Unternehmens (Produktionslogistik), als auch zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden (Absatzmarkt) verstanden.[7]

Durch die stetig wachsende Relevanz des E-Commerce, haben sich im Laufe der Zeit neue Anforderungen an die Logistik entwickelt. Logistische Geschäftsabwicklungen mussten auf eine elektronische Basis umgestellt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben und in den neu entstandenen Sektionen des Internethandels effizient agieren zu können.

Als Sektion der Logistik und deutschsprachige Adaption des Begriffes ‚Electronic Logistic‘, wurde der Begriff E-Logistik (elektronische Logistik) in den allgemeinen wirtschaftlichen Sprachgebrauch übernommen. E-Logistik bildet als übergeordneter Begriff alle logistischen Prozesse ab, die in einem Unternehmen elektronisch durchgeführt werden.[8]

Abbildung zwei zeigt die wichtigsten Geschäftsprozesse, welche durch die E-Logistik verwaltet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bereiche der E-Logistik. BSL - Bretagne Services Logistiques (2014)

Es wird deutlich, dass die E-Logistik in Unternehmen von Verkauf und Marketing, über die Finanzverwaltung, bis hin zur Transport und Kundenpflege ein breites Spektrum an Geschäftsprozessen abdeckt.

Die E-Logistik sorgt für den Einklang zwischen realen Warenströmen und virtuellen Geschäftsprozessen. Im Gegensatz zur Logistik bedient sich die E-Logistik ausschließlich elektronischen Verfahren und Medien, um damit Dienstleistungen der klassischen Logistik und des Transportwesens zu optimieren und zu verbessern. Teilbereiche sind Lagerungs-, Fracht und Distributionsdienste für Waren und Produkte, unter Nutzung moderner Kommunikationstechniken und -netze. So kann ein übergreifender Transfer von Daten und Dateien gewährleistet werden.[9]

E-Logistik dient als Basis für eine effiziente Realisierung der durch den elektronischen Handel ausgelösten Warenbewegungen.[10] Folgende vier Grundbausteine liegen der E-Logistik zu Grunde:

Planung: Umfasst die durch das E-Business veränderte Planung der logistischen Bestände, Kapazitäten, Bedarfe und logistischen Prozessabläufe.

Fulfillment: Neu gestaltete Auftragserfüllungsprozesse werden im Fulfillment zentralisiert.

Monitoring: Durch das Logistik-Monitoring wird die Transparenz des logistischen Systems dargestellt, die durch das E-Business ermöglicht wird.

Systemgestaltung: Mit dem Logistikdesign wird die allgemeine Darstellung des Logistiknetzwerks vor dem Hintergrund des E-Business beschrieben. [11]

Bei der Nutzung von E-Logistik kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Von effizienter Datenerfassung mit Barcode- und RFID-Scannern (radio-frequency identification) über GPS (Global Positioning System) Positionierung bis hin zu vielfältigen Anwendungen im Supply Chain Management.[12]

3 Grundlagen des E-Commerce

3.1 Entwicklung des E-Commerce

Der Vertrieb von Waren und Dienstleistungen über das Internet stellt oft eine wichtige Einnahmequelle für Unternehmen dar.[13] Durch die kommerzielle Nutzung des Internets ist Online-Shopping und der damit einhergehende Bereich des E-Commerce zu einem zentralen Thema innerhalb der Unternehmensführung geworden.[14]

Der Begriff des E-Commerce hat sich seit Jahren in der Literatur etabliert und beschreibt eine Vielzahl wirtschaftlicher Prozesse.[15] Eine einheitliche Definition liegt jedoch nicht vor. Bereits im Jahr 1999 lieferten Detlef Schoder und Günter Müller, Professoren der Wirtschaftsinformatik jedoch eine treffende Beschreibung: „Electronic Commerce: […] über Telekommunikationsnetzwerke elektronisch realisierte Anbahnung, Aushandlung und/oder Abwicklung von Geschäftsaktionen zwischen Wirtschaftssubjekten unter Nutzung von World-Wide-Web (WWW)-Technologie“.[16]

Bei den beteiligten Akteuren im Bereich des E-Commerce kann es sich sowohl um juristische als auch um natürliche Personen handeln. Unterschieden wird zwischen Unternehmen (Business), privaten Personen (Consumer) und Individuen des öffentlichen Rechts (Administration). Die Akteure können dabei sowohl als Anbieter als auch in der Rolle des Nachfragers in Erscheinung treten.[17]

In der Entwicklung des E-Commerce ist zu beobachten, dass das Geschäftsbeziehungsmanagement und das Erlangen von effizienten Geschäftsprozessen mehr und mehr in den Vordergrund rücken. Das digitale Management der Geschäftsbeziehungen, sowie „die Eliminierung von Medienbrüchen und Schnittstellen in Wertschöpfungsketten und Geschäftsprozessen“[18] nehmen eine wichtige Rolle im E-Commerce ein. Als Grund für das große Aufkommen neuer E-Commerce Systeme in den letzten Jahren, ist vor allem das Potenzial zur Steigerung der Effektivität und Effizienz in Geschäftsprozessen nennenswert. Mit dem Ziel der Effizienzsteigerung, entstehen sowohl für Käufer als auch für Verkäufer geringe Transaktionskosten und ein demnach steigernder Erlös, durch die Optimierung der Geschäftsbeziehungen.[19]

3.2 Vertriebsformen im E-Commerce

3.2.1 Business to Business (B2B)

Im Bereich Business-to-Business (B2B) verkaufen und kaufen Unternehmen ihre Dienstleistungen und Produkte an andere Unternehmen. Der Begriff B2B hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnener Begriff und steht für Unternehmensbeziehungen, in denen die vermarkteten Leistungen nicht konsumtiv, sondern investiv und/oder produktiv verwendet werden.[20]

Ein Unternehmen kann im B2B sowohl die Rolle des Anbieters als auch des Nachfragers einnehmen. Als Nachfrager beschafft es Produkte oder Dienstleistungen über elektronische Kommunikationsnetze, wie das Internet. In der Rolle des Anbieters werden die Produkte oder Dienstleistungen an Endkunden (Customer) oder an andere Unternehmen (Businesses) vertrieben.

Oft bestehen Geschäftsbeziehungen im B2B Bereich aus Bestellungen großer Artikelmengen und wiederkehrenden Transaktionen zwischen den gleichen Unternehmern. So werden durch Rahmenverträge und Bestellabrufe bessere Konditionen und eine einhergehende Umsatzsteigerung ermöglicht.

Die Unterstützung durch Softwaresysteme lässt die Notwendigkeit des menschlichen Handelns immer geringer werden – ihm fällt lediglich die Rolle des Konfigurators zu, der die Eingabefelder im System zu füllen hat. Nur noch in Ausnahmefällen werden individuelle Entscheidungen getroffen, die nicht bereits in der Software verankert sind. [21]

3.2.2 Business to Customer (B2C)

Business-to-Customer (B2C) steht für alle Geschäftstätigkeiten, bei denen der Absatz der Ware oder der Dienstleistung direkt an den Endverbraucher erfolgt. Im Vordergrund steht vor allem der Bestell- und Verkaufsprozess eines Anbieters in Verbindung mit einer Vielzahl an wechselnden Kunden.[22]

Die B2C-Plattform bietet ein breites Spektrum und reicht vom Online-Shopping über die Touristikbranche mit Reisebuchungen, Reservierungen von Tickets oder Fahrkarten, über Dienstleistungen im Versicherungs- und Finanzwesen bis hin zu Auktionen.[23]

In diesem Zusammenhang wird zwischen zwei Distributionsformen unterschieden: Zum einen ist es möglich, dass der Händler als Absatzmittler fungiert, wie es beim Einzelhandel und dem Versandhandel der Fall ist. Die zweite Kategorie bilden Hersteller, die die Rolle des Händlers einnehmen und ihre Produkte direkt an den Endkonsumenten vertreiben.[24]

3.2.3 Abgrenzung von B2B und B2C

B2B und B2C gelten derzeit als die relevantesten Geschäftsformen des Electronic Commerce. Anhand einer Reihe von Faktoren lassen sich diese beiden Segmente deutlich voneinander abgrenzen. Die wichtigsten Unterscheidungskriterien werden nachfolgend genannt:[25]

Anzahl der Kunden und Produkte

B2B Commerce Anwendungen werden oft durch eine eindeutig definierte Endanwenderzahl und eine eher geringe Anzahl an Produkten charakterisiert. B2C Commerce Anwendungen nutzen hingegen in den meisten Fällen umfangreiche online Produktkataloge, durch die eine breit gefächerte und weltweite Zielgruppe im Internet angesprochen werden kann.

Anzahl und Wert der Transaktionen

Der Wert der Transaktionen beim B2C ist im Vergleich zum B2B als gering anzusehen. Es stehen geringe Transaktionswerte im Vordergrund, die beispielsweise beim Online-Shopping erzielt werden. Beim B2B ist der Wert der Transaktionen in den meisten Fällen sehr hoch ist, sodass die Automatisierung der Geschäftsprozesse und das Erlangen von festen, so wie sicheren Handelsbeziehungen zu den Lieferanten im Vordergrund steht. Die Transaktionsrate bim Bereich B2C ist jedoch im Vergleich zum B2B, durch die weltweite Präsenz und große Fächerung, enorm hoch.

Anzahl Wiederkäufer

Im B2B besitzen Unternehmen konstante Transaktionspartner, welche selten bis gar nicht wechseln. Beim B2C hingegen werden Bestellungen von Endkunden oft nur einmalig getätigt, wodurch sich das Unternehmen mit stetig wechselnden Transaktionspartnern umgibt.

Sensibilität und Sicherheit

Im B2C Sektor ist es wichtig, vor allem beim Online-Shopping, auf die Sensibilität des Kunden und den vertrauensvollen Umgang mit seinen Kundendaten zu achten. Aus diesem Grund müssen umfangreiche Maßnahmen ergriffen werden, um B2C Bestellungen durchzuführen. Dies resultiert auch daraus, dass die meisten B2C Unternehmen global agieren. Beim B2B handeln die Unternehmen häufig bereits in geschlossenen, unternehmensinternen Netzwerken, wodurch umfangreiche Sicherheitsanforderungen in den meisten Fällen nicht nötig sind.

Designanforderungen

Das Design des Onlineshops ist im B2C Bereich von großer Bedeutung. Viele Endkunden legen hohen Wert auf den ersten Eindruck und entscheiden sich danach für oder gegen den Kauf eines Produktes. Im B2B Bereich werden die Designanforderungen auf ein Minimum reduziert, da die meisten Unternehmen bereits mit dem Produkt vertraut sind und den Lieferanten kennen. Von Bedeutung ist hier die Automatisierung der Geschäftsprozesse, um Zeit und Aufwand sowohl beim Verkäufer als auch beim Käufer zu sparen.

Anforderung an Zahlungssysteme

Insbesondere im Bereich des Online-Shoppings im B2C ist es wichtig, dem Endkunden eine große Anzahl an Zahlungssystemen zur Verfügung zu stellen, um den Kundenwünschen gerecht zu werden. Im B2B Sektor wird in vielen Fällen auf die Implementierung von Zahlungssystemen verzichtet. Stattdessen erfolgt die Verrechnung direkt über die Kostenstelle des Unternehmens.

Unterstützung Pre- und Aftersalesphase

Im B2B wird in vielen Bereichen komplett auf Pre- oder Aftersalesphasen verzichtet, da diese Art von Bindungsmaßnahmen, aufgrund der bereits fest etablierten Kundenbeziehung, nicht benötigt wird. Im B2C Bereich ist es jedoch wichtig, Kunden langfristig und im Idealfall zu Dauerkunden zu binden. Somit wird beim B2C großzügig in Pre- und Aftersalesphasen wie Werbung oder Marketing investiert.

3.2.4 Dropshipping

Der aus dem amerikanischen Sprachraum stammende Begriff ‚Dropshipping‘ bedeutet frei übersetzt ‚Direktversand vom Lieferanten zum Kunden‘.[26] Dropshipping bezeichnet eine Verkaufsart, bei der der Verkäufer Waren vertreibt, welche er selbst weder lagert, noch besitzt.[27]

Bei den sogenannten ‚Dropshippern‘ handelt es sich um Großhändler, die all jene Dienstleistungen übernehmen, die die Güterzusammenstellung (Sortiment), die Lagererhaltung, den Einkauf bis hin zum Versand betreffen. Der Einsatz eines solchen Distributionshelfers bleibt dem Käufer jedoch verborgen.[28]

Abbildung drei zeigt die Prozesskette des Dropshippings. Der Prozess beginnt beim Einstellen der Produkte in den Onlineshop des Verkäufers. Wird ein Produkt verkauft, zahlt der Kunde den Kaufpreis inklusive Versandkosten an den Verkäufer. Der Verkäufer bestellt daraufhin das Produkt beim Dropshipper (Großhändler) und zahlt den vereinbarten Preis inklusive Versandkosten. Das Produkt wird direkt vom Großhändler zum Käufer geschickt, ohne dass der Verkäufer das Produkt zwischenlagern oder weiter verschicken muss.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Prozesskette des Dropshippings. Huke, S. (2012)

Grundsätzlich ist Dropshipping ein guter Weg, von zu Hause aus, schnell und günstig einen Internethandel aufzubauen.[29] Vom kleinen Werbegeschenk, bis hin zur kompletten Möbeleinrichtung kann alles verkauft werden, ohne dass dafür ein eigenes Lager benötigt wird. Kostspielige Investitionen für Waren, die keinen Abnehmer finden, sind nicht erforderlich. Der Verkäufer verkauft nur das, was auch vom Endkunden bestellt wird.[30] Außerdem können die auf Dropshipping setzenden Unternehmen sich auf sämtliche akquisitorische Distributionsfunktionen konzentrieren und müssen für die Erfüllung der Aufträge keine Ressourcen aufwenden.[31]

Das Internet verfügt über umfassende Datenbanken mit Unternehmen, die Dropshipping zu ihrem Leistungsportfolio zählen. Gebührenpflichtig können sich Nutzer dort anmelden und erhalten Zugriff auf eine Vielzahl an Waren, welche sie in ihrem Onlineshop zum Verkauf anbieten können.[32]

Das größte Problem an diesem Geschäftsmodell ist jedoch, einen zuverlässigen Dropshipper zu finden. Viele Dropshipper werben mit fragwürdigen Slogans, wie ‚Dropshipping ist das Erfolgskonzept der Zukunft und wird das Online-Shopping revolutionieren. Für Hunderte eingeweihte Online-Händler ist es das größte Geheimnis ihres Erfolges‘.[33] Die meisten Dropshipper sind entweder unseriös oder ihre Ware bringt erst gar keine Marge mit sich. Außerdem ist es für den Verkäufer nicht nachzuvollziehen, ob und wie schnell der Dropshipper die Ware auch wirklich an den Kunden versendet.[34] Für den Verkäufer können Anzeigen wegen Betrugs im schlimmsten Fall die Folge sein. Somit ist bei dieser Geschäftsform und vor allem bei der Wahl des Dropshippers, äußerste Vorsicht geboten.

4 E-Logistik in E-Commerce Unternehmen

4.1 Strategische Beschaffung (E-Procurement)

Unter Electronic Procurement (E-Procurement) wird die Ausschöpfung der Möglichkeiten der elektronischen Hilfsmittel, insbesondere des Internets, zur effizienten und kostengünstigen Abwicklung des gesamten Beschaffungsablaufes verstanden.[35] Die ursprünglich klassischen, papierbasierten Beschaffungsvorgänge sollen durch einen durchgängig elektronischen Ablauf ersetzt werden. Als Synonym wird häufig der Begriff E-Purchasing verwendet.[36]

E-Procurement wird als Überbegriff für den Einsatz verschiedener, idealerweise aufeinander abgestimmter, Informatiklösungen zur Unterstützung des Beschaffungsablaufs und der Beziehungen der verschiedenen Akteure zueinander, verstanden.[37] Demnach ist E-Procurement ein wichtiger Teilbereich des E-Business Konzepts, der die beschaffungsseitigen Prozesse abbildet. Darunter fallen elektronische Zahlungsvorgänge, die elektronische Bestellabwicklung und die logistische Abwicklung.[38]

In der Literatur existiert keine eindeutige Definition für den Begriff E-Procurement. Es besteht jedoch Einigkeit darüber, dass E-Procurement für die Gesamtkostensenkung eines Unternehmens förderlich ist, da durch die elektronische Abwicklung die Beschaffungsprozesse beschleunigt und optimiert werden. Abbildung vier zeigt die Integration eines E-Procurementsystems in den Beschaffungsprozess.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Integration des E-Procurement in den Beschaffungsprozess. Hilger, N. (2010)

Das primäre Ziel des E-Procurements sind Einsparungen im Beschaffungsbereich. Es wird zwischen direkten Einsparungen (Hard Savings) und indirekten Einsparungen (Soft Savings) unterschieden. Im Gegensatz zu Hard Savings sind Soft Savings oft nicht direkt messbar, dennoch sollte Ihnen nicht weniger Beachtung geschenkt werden.[39]

Das wohl schwerwiegendste Argument für eine Umstellung auf ein E-Procurementsystem, ist die Hebelwirkung von Einsparungen im Wareneinkauf auf den Unternehmensgewinn. Die im Wareneinkauf gesparten Beträge können unmittelbar auf den Unternehmensgewinn addiert werden.[40]

Indirekte Einsparungen können zum Beispiel über Bestands- und Lagerkosten erzielt werden. Da der Beschaffungsprozess mittels E-Procurement sowohl im operativen als auch im strategischen Einkauf deutlich schneller durchgeführt werden kann, muss nur ein geringerer Bestand gelagert werden, was wiederrum Einsparungen ermöglicht. Der Einsatz von E-Procurement bietet in den meisten Fällen eine Win-Win-Situation, aus der Verkäufer und Käufer ihren Nutzen ziehen können.[41]

4.2 Disposition und Wareneinkauf (E-Distribution)

Die Distributionslogistik beschäftigt sich nach Harald Gleißner, Professor der Logistik „mit der Planung, Organisation und Durchführung von Prozessen der Warenverteilung zur jeweils nachgelagerten Wirtschaftsstufe beziehungsweise zum Endverbraucher. Distributionslogistik beginnt in der Regel mit dem Abschluss der Produktion und endet mit der Bereitstellung der Güter beim Letztverbraucher oder -nutzer.“[42]

Die Electronic Distribution (E-Distribution) stellt einen Teilbereich der E-Logistik dar und befasst sich mit der elektronischen Abwicklung aller Geschäftsprozesse, die ab dem Zeitpunkt der Online-Bestellung einsetzen. Darunter ist die strategische Planung und Entwicklung zu verstehen, die jegliche, für die elektronische Geschäftsabwicklung benötigten Logistiksysteme und -prozesse, sowie deren administrative und operative Ausgestaltung für die physische Abwicklung betrifft.[43] E-Distribution verhilft zu einer besseren Kontrolle und einer beträchtlichen Beschleunigung der Vertriebsprozesse unter zur Hilfenahme digitaler Erfassung der Bestelldaten.[44]

Der Bereich der E-Distribution ist somit für die schnelle, effiziente, stabile und flexible End-to-End-Realisierung aller logistischen Prozesse, welche nach der Online-Bestellung einsetzen und bei der Auslieferung der Waren enden, verantwortlich. Zusätzlich müssen entsprechende individuelle Bedürfnisse von sowohl Privat- als auch von Firmenkunden berücksichtigt werden.[45]

Eine gut optimierte und koordinierte E-Distribution ist für Unternehmen im Onlinehandel von großer Bedeutung. Der Geschwindigkeitsvorteil, welcher bei einer Online-Bestellung entsteht, soll durch die Optimierung interner Prozesse und des Transports an den Kunden weitergegeben werden. Um dies zu ermöglichen werden Informationssysteme benötigt, die die entsprechenden E-Supply Chain Partner mit Hilfe von E-Logistik optimal koordinieren- und steuern können.[46] Abbildung fünf zeigt die typischen Prozesse und Aufgabengebiete der E-Distribution.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Logistische Prozesse der E-Distribution. WEBSE (2014)

4.3 Auftragsabwicklung (E-Fulfillment)

Fulfillment wird von dem Ökonom Michael Merz als die Gesamtheit aller Prozesse und Funktionen definiert, die durchgeführt werden müssen, um die Kundenbestellung schnell und mit vollständigen Begleitinformationen zum Kunden zu liefern und sie dort bei Bedarf auch wieder abzuholen.[47]

Als E-Fulfillment wird dabei die Sektion des Fulfillments im Zusammenhang mit elektronischem Handel bezeichnet. Fulfillment Leistungen im E-Commerce (E-Fulfillment) umfassen beispielsweise die Bestellannahme im Internet, den Versand von Waren, die Abwicklung der Bezahlung, die Lagerung, den Transport und die Auslieferung an den Kunden sowie zusätzliche Leistungen wie internetbasierte Warenbewegungs- und Auftragsabfragen. Insbesondere in größeren Unternehmen werden für das E-Fulfillment Logistikdienstleister eingesetzt. Aufgabenfelder der Dienstleister sind unter anderem die Auftragsannahme, die Lagerhaltung, die Kommissionierung, das Retourenmanagement und finanzielle Serviceleistungen.[48]

[...]


[1] Vgl. Hoffmann, C.P. (2001), S. 56

[2] Weiber, R. (2002), S. 10

[3] Weiber, R. (2002), S. 10

[4] Vgl. Delfmann, W. (2000), S. 3

[5] Vgl. Meffert, H. (2005), S. 917 ff.

[6] Vgl. Merz, M. (2002), S. 601

[7] Vgl. Schulte, C. (2005), S. 1

[8] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2014)

[9] Vgl. ITWissen (2014)

[10] Vgl. Wirtschaftslexikon24 (2014)

[11] Vgl. WEKA Business Media AG (2014)

[12] Vgl. brainGuide AG (2014)

[13] Vgl. IBI Research (2014)

[14] Vgl. Schleicher, M. (2007), S. 3

[15] Vgl. Wamser, C. (2001), S. 11

[16] Schoder, D. , Müller, G. (1999), S. 4

[17] Vgl. Meffert, H. , Böing, C. (2001), S. 5

[18] WEBAGENCY (2014)

[19] Vgl. WEBAGENCY (2014)

[20] Vgl. Mayer, S. (1996), S. 2

[21] Vgl. Merz, M. (1999)

[22] Vgl. Merz, M. (1999)

[23] Vgl. ITWissen (2014)

[24] Vgl. Clement, M. (2000), S. 56

[25] Vgl. Scholz, Michael (2014)

[26] Vgl. Schütt, R. (2012), S. 10

[27] Vgl. Hunsicker, T. (2006), S. 36

[28] Vgl. Scheel, N. (1999), S. 125

[29] Vgl. Hunsicker, T. (2006), S. 36

[30] Vgl. Ludwig, H. (2008), S. 90

[31] Vgl. Paschelke, B. , Roselieb, A. (2002), S. 310

[32] Vgl. Schütt, R. (2012), S. 11

[33] Vgl. Schütt, R. (2012), S. 11

[34] Vgl. Hunsicker, T. (2006), S. 36

[35] Vgl. Müller, H. , Vogt, P. (2000), S. 1

[36] Vgl. PROZEUS (2014)

[37] Vgl. Müller, H. , Vogt, P. (2000), S. 2

[38] Vgl. Ebel, B. (2007), S. 17 f.

[39] Vgl. Stoll, P. (2007), S. 34

[40] Vgl. Stoll, P. (2007), S. 34

[41] Vgl. Stoll, P. (2007), S. 34

[42] Klaus, P. , Krieger, W. (2008), S. 123

[43] Vgl. Wannenwetsch, H. , Nicolai, S. (2004), S. 203

[44] Vgl. Wannenwetsch, H. , Nicolai, S. (2004), S. 203

[45] Vgl. Wannenwetsch, H. , Nicolai, S. (2004), S. 203

[46] Vgl. Kuhn, A. , Hellingrath, B. (2002), S. 166

[47] Vgl. Merz, M. (2002), S. 445

[48] Vgl. Wannenwetsch, H. , Nicolai, S. (2004), S. 204

Details

Seiten
61
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656887003
ISBN (Buch)
9783656887010
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288408
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Schlagworte
e-commerce möglichkeiten grenzen multichannel-marketing e-logistiksystemen

Autor

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