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Das Mogulreich in Indien. Seine religiösen inner- und extrastaatlichen Interaktionen

Essay 2014 9 Seiten

Asienkunde, Asienwissenschaften

Leseprobe

1. Vorwort und Anmerkung

Die Grundlage für das Verfassen dieses Essays bildet die im Wintersemester 2014 / 2015 von Frau Prof. Dr. Carmen Meinert gehaltene Vorlesung „Religionsgeschichte Zentralasiens von den Anfängen bis in die Gegenwart".

Zu Beginn dieses Essays werden in Kürze die zentralasiatischen Wurzeln und die Geschichte der Begründer der Moguldynastie beleuchtet und eine Zusammenfassung des geografischen, politischen und religiösen Kontextes gegeben.

Den Hauptteil bildet im Wesentlichen die Darstellung der bedeutendsten Mogulkaiser Bäbur, Galäl ud-DTn Muhammad Akbar, GahängTr und Aurangzeb, die sich untereinander in ihrer Religiosität durchaus deutlich unterschieden. Die Herrscher Humäyun und Säh Gahän finden eine kürzere Erwähnung, was dem begrenzten Rahmen dieses Essays geschuldet ist.

Anhand dieser Beispiele soll auf der einen Seite die religiöse Interaktion des Mogulreiches zu seinem zentralasiatischen, schiitischen Nachbarreich der Safawiden und den jeweiligen Herrschern, sowie zur indischen, mehrheitlich hinduistischen Bevölkerung veranschaulicht werden.

Zur Verdeutlichung der religiösen Ansichten und Einstellung der hier beschriebenen Mogulherrscher werden auf der einen Seite unter anderem Augenzeugen- bzw. Reiseberichte von Jean-Baptiste Tavernier, Francois Bernier und Niccolao Manucci herangezogen, auf der anderen Seite aber auch die verschiedenen Herrscherchroniken selbst hierauf untersucht.

Zur Darstellung persischer Personen- und Ortsnamen wird in diesem Essay die Transkription der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) des arabischen und persischen Alphabetes, sowie teilweise das persische Alphabet als Zusatz selbst verwendet, sofern die Namen und Bezeichnungen im Deutschen nicht geläufig sind.

Im Falle gängiger Namen und Orte wird auf eine Transkription verzichtet bzw. wird diese nur einmalig gegeben.

2. Die Entstehung des Mogulreiches

Begründer des Mogulreiches in Indien war ZahTr ud-DTn Muhammad Bäbur (persisch: jA? j^i geb. 1430 in Andijon, Usbekistan; gest. 1530 in Agra, Indien) welcher in seiner Herrscherchronik, dem Bäbur-näme (pers.: jjIj ,„Chroniken / Bücher Bäburs“) auf seine timuridische Herkunft und seine Abstammung von Dschingis Khan hinweist.[1]

Nach dem Tod seines Vaters konnte Bäbur die Macht an sich reißen und kurzweilig im Jahr 1497 Samarkand erobern. Letztlich verlor er die eroberten Gebiete im Jahr 1501 wieder an die Usbeken.

Zu gleicher Zeit hatte sich in Persien bereits die Dynastie der SafawTden unter Schah Ismä’il I. (pers.: сЫ^,1487-1524) die Macht gesichert und die Schia zur Staatsreligion erklärt.

Unter der Bedingung, Bäbur müsse zur schiitischen Konfession konvertieren, sagte ihm Ismä’il militärische Hilfe zu, um Samarkand zurückzuerobern. Dies gelang allerdings wieder nur kurzweilig und Bäbur zog sich nach Kabul zurück.

Mit persischer Militärhilfe startete er im Jahre 1526 von Afghanistan aus einen erfolgreichen Eroberungsfeldzug und schlug die Armee des Sultanats von Delhi unter IbrähTm Lodi (gest. 1526) bei Panipat und besetzte die Städte Agra und Delhi. Bäbur selbst regierte die eroberten Gebiete allerdings nur noch über vier Jahre, bis er im Jahre 1530 in Agra verstarb.[2]

Die religiöse Situation im islamischen bzw. zentralasiatischen Raum war zu dieser Zeit noch nicht, wie oft beschrieben, mehrheitlich konsequent sunnitisch. Zwar stellte das (staatliche) Bekenntnis der Safawiden zur Schia eine Zäsur dar, jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass eine vorherrschende „Einheitsreligion“ wie der „sunnitische Islam“ in Zentralasien noch nicht gegeben war bzw. noch in den Kinderschuhen steckte. Vielmehr bestanden seit der Mongolenherrschaft vielfache Formen der islamischen „Volksreligionen“. Von homogenen Konfessionszugehörigkeiten (sunnitisch / schiitisch) kann flächendeckend noch nicht gesprochen werden.[3]

Tendenzen ließen sich gerade angesichts der verstaatlichten Schia in Persien in der Zeit Bäburs jedoch abzeichnen.

Nachfolger Bäburs war sein Sohn Humäyun (DMG: NasTru d-DTn Muhammad Humäyun, pers.: jjM j^i j^j, 1508-1556), der das neu entstandene Reich

[...]


[1] Vgl. Beveridge, Annette Susannah: Babur Nama - Journal of Emperor Babur. Delhi 2006: xxiv.

[2] Vgl. Conermann, Stephan: Das Mogulreich - Geschichte und Kultur des muslimischen Indien. München 2006: S.11ff.

[3] Vgl. Gronke, Monika: Geschichte Irans - Von der Islamisierung bis zur Gegenwart. München 2003: S.57.

Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656886761
ISBN (Buch)
9783656886778
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288395
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Ceres – Centrum für religionswissenschaftliche Studien
Note
unbenotet
Schlagworte
Iran Indien Persien Safawiden Safaviden Mogul Moguln Mogulreich Religion Islam Koran Quran Sunna Schia Shia Diplomatie Zentralasien Südasien Akbar Jahangir Aurangzeb Shah Jahan Babur Humayun Timur Timuriden Hindus Hinduismus Afghanistan Ismail Shah Ismail Synkretismus Din-e Ilahi Volksreligion muslimisch Muslime Abbas Shah Abbas Tavernier Bernier Manucci Niccolao Manucci Zoroastrier Zoroastrismus

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