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Politische Smartmobs. Innovative Strategien und Aktionen

Bachelorarbeit 2014 37 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Relevanz
1.3 Forschungsfrage
1.4 Aufbau und Methodik der Arbeit

2. Der Smartmob – Was steckt hinter diesem Phänomen
2.1 Das Konzept des Smartmobs
2.2 Spielregeln
2.3 Rechtliche Grundlagen
2.4 Die Abgrenzung des Smartmobs zur Demonstration

3. Smartmob und Social Media
3.1 Exkurs web 2.0
3.2 der Aufstieg des Smartmobs durch Social Media

4. Die drei Dimensionen des Smartmobs
4.1 Raum
4.2 Zeit
4.3 Körper

5. Politische Partizipation durch Smartmobs

6. Libertas, Aequalitas, Fraternitas

7. Sonderformen: Carrotmob und Antimob
7.1 der Carrotmob – Shopping for a better World
7.2 der Antimob
7.3 der Electronicmob

8. Aktionen
8.1 Freezemob for Iran
8.2 Bahn für Alle
8.3 Sturz des philippinischen Diktators

9. Fazit

10. Quellenverzeichnis
Monographie:
Onlinequellen:
Sammelbandaufsatz:
Zeitschriftenaufsatz:

Anhang:
Rechnung Reichweite Facebook Post A1

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Facebook Post Reach

Abbildung 2: Zeichen der Bewegung für einen freien Iran

FH Kufstein

Sport- Kultur- & Veranstaltungsmanagement

Politische Smartmobs – innovative Strategien und Aktionen

Karolina Bucher

Kurzfassung

Seit der Jahrtausendwende entwickeln sich in immer kürzer werdenden Abständen neue mediale Formen. Das Web 2.0 verändert das bisherige Internet von einem starren Medium zu einem Partizipationsmedium. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Flickr,... ermöglichen eine neue Art der Kommunikation, welche als Grundlage zur Entwicklung der Smartmobs dient. Ein Smartmob ist eine Ansammlung von Menschen, die sich für wenige Minuten an einem Ort versammeln und ortsuntypisches Verhalten an den Tag legen, um auf ihr Anliegen oder ihre Botschaft aufmerksam zu machen. Die Aktion wird meist über soziale Medien verbreitet und aufbereitet. Nicht nur die eigentliche Performance ist wichtig, sondern auch die Dokumentation und Verbreitung danach, um dieses kurzandauernde Ereignis für möglichst viele Menschen im Netz sichtbar zu verewigen. Entgegen den Regeln bei den meisten Performances ist es erwünscht, den Smartmob zu filmen und zu teilen, jeder weitere Zuschauer/ Teilnehmer ist wichtig. In Deutschland fällt der Smartmob unter das Versammlungsrecht, ist legal, jedoch anmeldepflichtig. Wegen dieser Bürokratiehürde und der Unkenntnis einiger, werden Smartmobs oft als Flashmobs bezeichnet, welche anmeldefrei und zur reinen Belustigung veranstaltet werden. Manche nutzen diese Unwissenheit anderer auch, um verdeckt arbeiten zu können, wenn ein Smartmob zur Kundgebung der eigenen Meinung keine Genehmigung erhalten würde. Das Besondere an einer Teilnahme an einem Smartmob ist die schwarmartige Zusammengehörigkeit. Alle stehen auf einer sozialen Ebene, Individuen verschmelzen zu einer Masse. Die Intelligenz und Kraft wird gebündelt und gezielt eingesetzt, um die Wirkung des Smart-, Carrot-, Electronic- oder Antimobs zu optimieren.

FH Kufstein

Sports Cultural and Event Management

Political Smartmobs – innovative strategies and actions

Karolina Bucher

Abstract

Nowadays new forms of media are emerging very quick. The rise of the Web 2.0 has changed the Internet and our online behaviour. Communication has gone online, everything is quicker, more reachable and affordable. The internet has changed from a very stiff medium to a formable one, everybody could be a part of it. Social media like Facebook, Twitter, Flickr,… enable a new way of communication, the fundament of a smart mob. A smart mob is a performance where people meet at a specific time at a place to do very untypical things for less than ten minutes to attract attention to a political topic. Afterwards they disappear as fast as they gathered. In most cases the organization is done with social media. People post about a planned smart mob and make people share or commend it, more and more people see this post. In some cases the organization team makes tutorials as well in cases they dance. Everybody gets a link to a Youtube channel and could train the choreography.

In most countries smart mobs are allowed, if they are registered 24 hours before. Some people disguise a smart mob as a flash mob, because they want to avoid the bureaucracy or they don´t know better, others do it because otherwise they couldn´t speak up for their right. The smart mob is a great tool to manage things with mind instead of violence. People discovered its advantages and how to handle it.

Another great thing is the equality among smart mobbers, it doesn´t matter who and from where somebody is. In the last ten years many people chose this non violent way to express their opinion, some of these happenings were really successful like the fall of the Philippine president Estrada in 2001. Hundreds of thousands of people were part of a big smart mob, which forced the regime to leave.

Smart mobber concentrate their intelligence and energy to optimize the impact of the Carrot, Electronic or Anti mobs.

1. Einleitung

„Transforming Cultures and Communities in the Age of Instant Access“[1],

so beschrieb Howard Rheingold 2002 in seinem Buch Smartmobs – The Next Social Revolution das Phänomen des smarten Mobs.

Seit der stetig wachsenden Vernetzung durch Smartphones und anderer technischen Errungenschaften entwickeln sich im gleichen Tempo auch neue Formen des politischen Protests. Neben dem durchaus bekannten Flashmob, gibt es auch eine politisch animierte Form dieser Art der Performance, den Smartmob. Menschen stellen die Einladung zu einem Smartmob online, durch Soziale Medien wie Facebook und Twitter verbreiten sich diese in Windeseile unter Tausenden. Jeder Interessent kann daran teilnehmen, die meisten Teilnehmer sind sich zuvor noch nie begegnet. Individuen schließen sich zusammen zu einer Masse und agieren als Einheit. Diese Arbeit diskutiert die Wirkung des Smartmobs in Bezug auf das soziale Verhalten und versucht den Aufstieg durch soziale Medien zu erläutern.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der politischen Partizipation.

1.1 Ausgangssituation

Kommunikation gewinnt stetig an Stellenwert, verdeutlicht wird dies mit der Tatsache, dass im Jahre 2013 laut UN mehr Menschen ein Mobiltelefon besaßen, als sie Zugang zu sanitären Anlagen hatten.[2]

Seit der Jahrtausendwende nutzen immer mehr Menschen ein Smartphone, das neben dem Verwendungszweck der Kommunikation zusätzliche Computerfähigkeiten besitzt.

Diese Art von Vernetzung hebt die Kommunikation auf ein neues Level und ermöglicht eine völlig neue Art und Weise der politischen Partizipation, durch den Smartmob. Es ist jedem möglich, ein Teil davon zu sein. Dank der Anonymität stehen viele Menschen für ihr Recht ein, die dies öffentlich nicht könnten. Diese sich entwickelnden neuen Protestformen werden in der folgenden Arbeit genauer erläutert, ebenso der Aufstieg des Smartmobs durch Soziale Medien.

1.2 Relevanz

Der Bekanntheitsgrad der Smartmobs wächst, durch Aktionen auf der ganzen Welt zeigen Leute gemeinsam ihre Meinung auf. Sie stehen zusammen mit ihnen völlig Fremden für eine Sache ein, um ihrer Botschaft größeres Gewicht zu verleihen. Der Gleichheitsgedanke schweißt die Smartmobber noch enger zu einer schwarmintelligenten Masse zusammen. Immer mehr Menschen und Unternehmen entdecken dieses Potenzial für sich. Die in dieser Arbeit diskutierten Themen sollen diese Vorteile und neuartige Nutzungsweisen aufzeigen und zusammenfassen.

1.3 Forschungsfrage

„Wodurch erklärt sich der Erfolg des Phänomens Smartmob seit dem Aufstieg der Sozialen Medien und welche Formen des Politischen Protests haben sich in diese Richtung gehend entwickelt?“

1.4 Aufbau und Methodik der Arbeit

Angefangen wurde mit einer umfangreichen Recherche von politischer und soziologischer Literatur. Des Weiteren wurden praxisnahe sowie qualitätsgrundlegende Aspekte studiert, um ein Basiswissen für die vorliegende Arbeit zu erarbeiten.

Die Arbeit basiert auf deutschem Recht, was sich mit der Qualität und Quantität der Quellen erklären lässt.

Um der Form willen wird nicht gegendert, die männliche Form gilt im Zweifelsfall für beide Geschlechter.

Der Smartmob steht oft im Schatten seines Pendants dem Flashmob, welcher eine Sonderform des Smartmobs ist und eine Verästelung darstellt, dadurch beschäftigten sich einige mit dem Phänomen des Flash- wenige aber mit dem Smartmob.[3] Aus diesem Grund wird versucht mit der vorliegenden Arbeit das Potenzial dieser Protestform aufzuzeigen.

Da dieses Thema sehr gut mit der hermeneutischen Methode untersucht werden kann, wird dies in dieser Arbeit so vollzogen, zusätzlich wird der Schwerpunkt auf die politische Sichtweise gelegt.

In Kapitel 2 wird Allgemeines zum Smartmob beschrieben, um den Leser in die Materie eintauchen zu lassen. Es wird sowohl das Konzept beschrieben, das den Leser den smarten Mob von außen betrachten lässt, als auch der allgemeine Kodex, welcher einen Blick in die Welt der Smartmobber zulässt.

In Kapitel 3 liegt der Schwerpunkt auf den Sozialen Medien und der Verbindung zwischen Smartmob und Web 2.0. Hier werden zwei wichtige Phasen erläutert: die Vor- und die Nachbereitung.

In Kapitel 4 beschäftigt sich die Arbeit mit den drei Dimensionen des Smartmobs: mit Raum, Zeit und Körper. Genauer betrachtet werden die zwei Ebenen in denen ein Smartmob geschieht. Er passiert auf der medialen Ebene ebenso wie auf der realen.

In Kapitel 5 geht es um einen der relevantesten Punkte der Arbeit, im Detail wird die politische Partizipation mittels Smartmobs betrachtet. Es wird die Möglichkeit beschrieben über Smartmobs politisch aktiv zu werden, ebenso werden Vor- und Nachteile abgewogen.

In Kapitel 6 beschäftigt sich die Arbeit mit dem Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gleichheit in der Smartmobber-Gemeinschaft.

In Kapitel 7 werden Sonderformen des Smartmobs wie der Carrotmob, der Antimob und der Onlinemob beschrieben.

In Kapitel 8 werden verschiedene Aktionen als Beispiele genannt, wie der Smartmob, der zum Sturz des philippinischen Präsidenten führte, der Bahn-für-alle Smartmob und eine Aktion zum Gedenken an die immer noch verheerenden Zustände im Iran in Bezug auf die politische und menschenrechtliche Situation.

In Kapitel 9 werden die vorhergehenden Kapitel reflektiert und Bezug auf die Forschungsfrage genommen.

2. Der Smartmob – Was steckt hinter diesem Phänomen

2.1 Das Konzept des Smartmobs

Es ist im Falle des Smartmobs nicht möglich, eine allgemein gültige Definition zu finden, da dieses Phänomen sehr jung ist und nur wenige Artikel darüber in der Fachliteratur zu finden sind.

Howard Rheingold gilt als Begründer des Begriffs Smartmob und beschreibt Smart­mobs als Flashmobs, die konkrete Ziele verfolgen, seien sie gesellschaftskritischer-, politischer- oder profaner Natur, sie koordinieren ihr Verhalten dabei effektiv, zielgerichtet und intelligent.[4]

Ein Smartmob ist in vielen Fällen eine Art des politischen Protests und verläuft ähnlich wie ein Flashmob, nur mit einer politischen Aussage dahinter.

„Während ein Flashmob überwiegend spaßorientiert ist und keine tiefgründige Absicht verfolgt (sondern nur die Gegenwart feiern möchte), ist ein „schlauer“ Smartmob in dieser Hinsicht durch das Engagement für eine ganz bestimmte Sache motiviert und birgt somit auch ein Konfliktpotential (möchte also in die Zukunft greifen).“[5]

Über die neuen Medien wie zum Beispiel Blogs, Facebook, Email oder Twitter schließen sich gegenseitig fremde Leute zu einer virtuellen Interessensgemeinschaft zusammen und verabreden Ort und Zeit der Handlung. Durch den vermehrten Gebrauch von Smartphones ist es jederzeit und jederorts möglich, diese Informationen abzurufen. Göttmann beschreibt in ihrem Text Und alle so: „Yeaahh – Flashmobs als Form politischer Partizipation Flashmobs mit politischer Motivation, welche per Definition jedoch meist als Smart Mob bezeichnet werden. Sie definiert vier grundlegende Merkmale eines solchen Mobs:[6]

1. Man brauche eine kritische Masse
2. Finden sich diese Individuen spontan zusammen
3. Es passiert im öffentlichen/ halböffentlichen Raum
4. Der Mob macht etwas Ortsuntypisches oder etwas, das durch die große Teilnehmerzahl verblüfft.

Eine weitere Definition findet sich bei Julia Jochem, sie differenziert zwischen smarten und politische Mobs:

„Das Wort smart ist somit nicht gezielt an ein politisches Anliegen geknüpft, sondern verweist auf das Potential neuer Technologien und bezieht sich auch auf die Medienkompetenz der Menschen, die sich dieser Technologien bedienen, um neue Formen der Kooperation zu erproben“[7]

Zusammengefasst kann der Smartmob also als Flashmob bezeichnet werden, welcher zur Erreichung eines vorgegebenen Zieles veranstaltet wird und bestimmter Vorgaben unterliegt. Der größte Unterschied zwischen diesen beiden Formen ist rechtlicher Natur. Während sich Flashmobs an der Grenze zwischen legal und illegal bewegen, sind Smartmobs genehmigungspflichtig. Diese Grenze ist in vielen Fällen schwer zu ziehen und wird daher oftmals verschieden angewendet.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass viele Leute den Unterschied zwischen Smartmobs und Flashmobs nicht kennen, was wiederum zu Fehlverhalten führt beziehungsweise zur Unterlassung der Anmeldung.

2.2 Spielregeln

In der Community sind einige ungeschriebene Gesetze gültig, auf die in verschiedenen Internetforen wie flashmob-koeln.net oder flashmob.tv verwiesen wird.

Trotz der Anonymität und des meist jungen Alters vieler Teilnehmer werden diese Regeln weitgehend befolgt. Die Zahl der Ausschreitungen, Sach- oder Personenschäden bei Flash- und Smartmobs ist marginal.

An dieser Stelle werden ausgewählte Regeln dargestellt.

Allgemeine Ablaufhinweise:[8]

1. Der Teilnehmer wird darauf hingewiesen sich vor der Aktion so unauffällig wie möglich zu verhalten.
2. Ein Flash- oder Smartmob sollte spontan wirken, nicht wie vorab abgesprochen.
3. Nach Beendigung der Aktion sollte sich der Teilnehmer sofort zurückziehen, als wäre nichts geschehen.

Diese einfachen Regeln sind maßgeblich für die Wirkung des Smartmobs. Neben dem Regelwerk gibt es auch noch den Ehrenkodex, der die Eigenverantwortung der Smartmobber und die Verhaltensregeln noch genauer eingegrenzt.

1. Die Gesetze des jeweiligen Landes sind strikt einzuhalten.

2. Die Gefährdung von Beteiligten und Unbeteiligten ist zu vermeiden, das gleiche gilt für Sachbeschädigung jeglicher Art.

3. Im Falle von kommerziellen Flash- und Smartmobs müssen die Teilnehmer über dies Informiert werden.

2.3 Rechtliche Grundlagen

Im deutschen Grundgesetz gibt es mehrere Gesetze, welche sich auf Flashmobs und Demonstrationen beziehen, der Smartmob bewegt sich rechtlich gesehen dazwischen. Dabei wird auf äußerliche Merkmale des Flashmobs hingewiesen. Aus gesetzlicher Perspektive wird ein Smartmob wegen seiner politischen Aussage wie eine Demonstration behandelt. Im Detail fällt dies unter die Bestimmungen des Versammlungsgesetzes.[9]

„Smartmobs zielen auf die Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung ab und sind eine neue Form des politischen Protests. Aktionen von Smartmobs fallen insbesondere wegen dieser Zielrichtung unter den engen Versammlungsbegriff...“[10]

Es gilt also: Ein Smartmob ist wie ein Flashmob grundsätzlich erlaubnisfrei, jedoch 48 Stunden vorher anzumelden. Ab einer Teilnehmerzahl über 50 Personen müssen vom Organisator Ordnungskräfte gestellt werden.

In manchen Fällen wird ein Smartmob als Flashmob bezeichnet, da er nicht angemeldet werden muss und sich die Veranstalter Bürokratie ersparen wollen. Des Weiteren hat sich der Begriff Smartmob noch nicht komplett durchgesetzt und wird daher in manchen Fällen fälschlicherweise als Flashmob bezeichnet. Als Beispiel dieser bürokratischen Hürde wird anschließend ein sehr außergewöhnlicher Fall belichtet, das Flashmob-Verbot in München.

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Details

Seiten
37
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656889069
ISBN (Buch)
9783656889076
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288341
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kufstein Tirol
Note
2,0
Schlagworte
Smartmob Flashmob Protest Kultur Aktion web 2.0 Carrotmob Antimob Blog Electronicmob Freezemob

Autor

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Titel: Politische Smartmobs. Innovative Strategien und Aktionen