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Der statische Bezirk Mannheim Jungbusch. Methode der Gemeinwesenarbeit

Stadtteilanalyse

Studienarbeit 2013 31 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Diagrammverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Methode Gemeinwesenarbeit
2.1 Geschichte
2.2 Definition und Beschreibung
2.3 Konzepte

3 Mannheim Jungbusch
3.1 Soziale Datenanalyse und soziale Infrastruktur
3.2 Wahrnehmung des Stadtteils
3.3 Raumkonflikte

4 Gemeinwesenarbeit im Jungbusch
4.1 Städtebauliche Akzente und ihre Wirkungen
4.2 Wohnen und Wohnumfeld
4.3 Wirtschaftlicher Aufbruch, lokale Ökonomie und Beschäftigung
4.4 Beteiligung, Selbsthilfe, bewohnerschaftliches Engagement
4.5 Zusammenleben, Integration und Bildung
4.6 Stärkung des kulturellen und sportlichen Lebens
4.7 Verkehr, Sicherheit und öffentliche Ordnung

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Gemeinwesenarbeit

Abbildung 2: Jungbusch im Stadtplan von Mannheim

Diagrammverzeichnis

Diagramm 1: Beschäftigungsquote und Arbeitslosenquotient im Jungbusch

1 Einleitung

Durch den Wegfall des Hafengewerbes hat sich der Jungbusch zu einem Bezirk mit negativem Image entwickelt. Es herrschte Arbeitslosigkeit und vielen Gebäuden mangelte es an notwendigen Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Ein weiteres Merkmal ist der relativ hohe Migrantenanteil, der sich wiederum aus unterschiedlichsten Ethnien zusammensetzt. Letztendlich zog es aber auch Künstler und Alternative in den Jungbusch. Durch den Luisenring abgeschnitten von der Innenstadt, fand der Bezirk lange Zeit wenig Beachtung seitens der Stadt Mannheim. Mitte der 1980er-Jahre siedelte sich dann das Gemeinschaftszentrum Jungbusch e. V. im Jungbusch an und leistet seitdem Gemeinwesenarbeit. Hierdurch konnten viele positive Entwicklungen bewirkt werden, der Bezirk war sich nicht mehr selbst überlassen.

Diese Studienarbeit soll die Gemeinwesenarbeit im Jungbusch näher beleuchten. Dazu soll anfangs die Methode Gemeinwesenarbeit beschrieben werden, welche sich in die Entwicklung und die verschiedenen Konzepten gliedert. Anschließend wird auf den Bezirk Jungbusch in einer ausführlichen Beschreibung eingegangen. Im Schlussteil soll dann die durchgeführte Gemeinwesenarbeit im Jungbusch, anhand des letzten Jahresberichtes des Quartiersmanagement, erläutert werden.

2 Die Methode Gemeinwesenarbeit

Die Gemeinwesenarbeit zählt neben der Einzelfallhilfe und der Sozialen Gruppenarbeit zu den drei klassischen Methoden der Sozialen Arbeit. Sie wurde dabei schon länger vorher ausgeführt, bevor sie explizit als Methode und später als Arbeitsprinzip formuliert und anerkannt war, z. B. in der Settlement-Bewegung. Ziel der Gemeinwesenarbeit ist es, die Lebenslagen gefährdeter Individuen zu verbessern. Im Zentrum dieser Hilfestellung steht jedoch nicht das Individuum selbst, sondern der Lebens- und Sozialraum derselben. Vorrangig zielt die Gemeinwesenarbeit hier auf Verbesserung in Bezug auf die Strukturen im sozialen Nahraum, der sozialen Netzwerke, der Infrastruktur, aber auch auf die Förderung der Selbstorganisation der Individuen.1

2.1 Geschichte

Der Ursprung der Gemeinwesenarbeit ist in England und den USA auszumachen. In England entstand sie im 19. Jahrhundert, bedingt durch die Industrielle Revolution, als Settlement-Bewegung. Durch Landvertreibung wurde die Landbevölkerung in die Städte gedrängt, da sie als Arbeitskräfte in den Fabriken benötigt wurden. Ausgebeutet durch die Fabrikherren, lebten sie in Armut in den Elendsvierteln als Industrieproletariat. So kam es, dass gebildete Angehörige der Mittelschicht in diese Elendsviertel zogen. Sie waren die Begründer des Settlements, deren soziale Arbeit stadtteil- und nachbarschaftsbezogen war. Sie lebten oftmals in einem Gebäude inmitten der Armenviertel, um so die Lebenswelt der Betroffenen besser kennenzulernen. Als berühmtes Beispiel gilt hier die Toynbee Hall, die 1883 gegründet worden und eigentlicher Ausgangspunkt der Settlement-Bewegung ist. Samuel und Henrietta Barnett entwickelten hier das Konzept der aktiven Armenhilfe, welches auf das Prinzip der wechselseitigen Durchdringung setzte. Gebildete Mitarbeiter wohnten dauerhaft im Elendsviertel und tauchten so in die Lebenswelt der Armen und sozial Benachteiligten ein.2

In den Vereinigten Staaten hat die Gemeinwesenarbeit ihre Wurzeln vorrangig in der community organization, aber auch im community development. Die community organization zielte primär auf die Verbesserung der Infrastruktur in den urbanen Großstadtzentren. Die in den Elendsvierteln lebenden Menschen, oftmals unterschiedlichster Herkunft, sollten durch gezielte Maßnahmen in die amerikanische Gesellschaft integriert werden. Ein weiteres Ziel war aber auch die Verbesserung und Neuorganisation der Elendsviertel, in denen diese Menschen lebten. Das community development grenzte sich demgegenüber dadurch ab, dass es sich nicht auf die Großstädte im Osten der USA konzentrierte, sondern auf die Besiedlung des Mittleren Westen. Der Prozess der Besiedlung sollte hier vorangetrieben werden durch landwirtschaftliche Hochschulen.3

Die Gemeinwesenarbeit gelangte erst ab 1950, über das Vorbild der amerikanischen community organization, langsam in die deutsche Methodendiskussion. Kraus führte 1951 die Methode unter dem Begriff Gemeinschaftshilfe ein, während Lattke es 1955 noch Organisation der Wohlfahrtsarbeit in einem Gemeinwesen nannte. Beide blieben aber bis Ende der 1960er Jahre weitgehend unbeachtet. Eine verstärkte Rezeption fand die Gemeinwesenarbeit erst durch die Studentenbewegung und die politische Linke Ende der 1960er Jahre. Für beide bot die Gemeinwesenarbeit „die Chance, das System individueller Hilfe zu überwinden und über Lern- und Organisationsprozesse Widerstand ‚von unten‘ zur Veränderung sozialer und ökonomischer Bedingungen zu entwickeln“.4 Gegen Ende der 1970er- und in den 1980er-Jahren wurde der Begriff der Gemeinwesenarbeit und was darunter zu verstehen ist, immer unschärfer. Galt sie zunächst als dritte Methode der Sozialen Arbeit, wurde der Begriff auch genutzt, um Bürgerinitiativen vor Ort und emanzipatorische Aufklärungsarbeit in Institutionen zu beschreiben. Boulet u. a. gingen sogar so weit, dass sie das Arbeitsprinzip Gemeinwesenarbeit auf jedes sozialarbeiterische Berufsfeld ausweiteten.5, 6

2.2 Definition und Beschreibung

Die Gemeinwesenarbeit als Begriff exakt zu definieren, scheint nicht möglich. Umstritten ist auch, ob überhaupt von einer Methode im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann. Vielmehr handelt es sich um die Sozialform das Gemeinwesen, mit der der Sozialarbeiter arbeitet bzw. agiert, nicht das Konzept. So unterliegt die Begriffsbestimmung der Gemeinwesenarbeit auch einem zeitlichen Wandel. Noch vor der Methodenkritik in den 1960er- und den 1970er-Jahren wurde die Gemeinwesenarbeit bzw. community organization jedoch als eigenständige Methode beschrieben:7

Community organization for social welfare gilt als eine der „grundlegenden Methoden“ der Sozialen Arbeit. In der einfachsten Form wird sie praktiziert, wenn eine Gruppe von Bürgern einer Stadt sich zusammentut, um in planmäßiger Weise ein gemeinsames Bedürfnis zu befriedigen. Als berufsmäßig ausgeübte Tätigkeit mit erprobten Methoden und anerkannten, lehrbaren Fertigkeiten aber ist community organization der Prozess, durch den Hilfsquellen und Bedürfnisse der sozialen Wohlfahrt innerhalb eines geographisch oder inhaltlich begrenzten Arbeitsfeldes immer wirksamer aufeinander abgestimmt werden.8

Nach der Methodendiskussion, angetrieben vor allem durch Boulet, Krauss und Oelschlägel, ging man dazu über, Gemeinwesenarbeit als ein Arbeitsprinzip zu beschreiben, das sich im gesamten Bereich der Sozialen Arbeit ausbreitet. Die meisten neueren Definitionen wenden sich daher ab von einer methodisch isolierten Praxis, die die Methoden und das Klientel bzw. die Zielgruppen der Sozialen Arbeit klar trennen und kategorisieren.9, 10 So schreibt Oelschlägel:

Gemeinwesenarbeit (GWA) ist eine sozialräumliche Strategie, die sich ganzheitlich auf den Stadtteil und nicht pädagogisch auf einzelne Individuen richtet. Sie arbeitet mit den Ressourcen des Stadtteils und seiner Bewohner, um seine Defizite aufzuheben. Damit verändert sie dann allerdings auch die Lebensverhältnisse seiner BewohnerInnen.11

Und weiter:

Gemeinwesenarbeit ist interdisziplinär[,] … gibt … die Aufsplittung in methodische Bereiche auf und integriert Methoden der Sozialarbeit/Sozialpädagogik, der Psychologie, der Sozialforschung und des politischen Handelns in Strategien professionellen Handelns in sozialen Feldern. Dies wendet sich gegen die Position, Gemeinwesenarbeit als „Dritte Methode“ der Sozialarbeit zu sehen. Insoweit gibt es auch nicht die GWA, sondern viele verschiedene Möglichkeiten von GWA, orientiert an der jeweils lokalen Richtigkeit.12

Das Fachlexikon der sozialen Arbeit in ihrer aktuellen Ausgabe ist hier weniger kritisch und betont nicht so sehr die Methodendiffusion. So heißt es:

Gemeinwesenarbeit ist ein zentrales Arbeitsfeld insbesondere im kommunalen Quartiersmanagement. Hier kooperiert G. (etwa im Rahmen des Bundesprogramms „Soziale Stadt“) mit intermediären Akteuren und Gebietsbeauftragten innerhalb der Verwaltung, um „benachteiligte“ Quartiere im Sinne der dort lebenden Bevökerung [sic] zu gestalten. G. organisiert projekt- und themenunspezifische Prozesse über eine Vielzahl von Aktivierungsaktionen anhand direkt geäußerter und (durchaus häufig wechselnder) Interessen der Wohnbevölkerung mit dem Ziel der „Grundmobilisierung“ eines Wohnquartiers, die den „Humus“ für größere Einzelprojekte bildet.13

Ausgehend von den neueren Definitionen, sollen nun die Aspekte der Methode – oder besser: von dem Arbeitsprinzip – Gemeinwesenarbeit skizziert werden:

Im Zentrum der Gemeinwesenarbeit steht nicht das Individuum selbst, sondern ein großflächiges soziales Netzwerk, welches ganzheitlich betrachtet wird und sich territorial (z. B. Stadtteil), kategorial (z. B. bestimmte ethnische Gruppen) und/oder funktional (z. B. bestimmte inhaltliche Problemlagen wie Arbeitslosigkeit) abgrenzen lässt. Abbildung 1 zeigt dies noch einmal anschaulich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gemeinwesenarbeit14

Ausgangspunkt der Gemeinwesenarbeit sind oft soziale Konflikte bzw. geteilte soziale Probleme innerhalb eines sozialen Netzwerkes. Dabei werden die Probleme nicht als individuell angesehen, sondern stehen im Kontext eines gesamtgesellschaftlichen Verursachungszusammenhangs.

Weiterhin ist Gemeinwesenarbeit trägerübergreifend. Ziel ist es, eine Kooperation und Koordination zwischen Bewohnern, Behörden, Anbietern sozialer Dienstleistungen, Institutionen, etc. herzustellen.

Gemeinwesenarbeit orientiert sich vor allem an der Lebenswelt des sozialen Netzwerkes bei der Problembewältigung.

Gemeinwesenarbeit integriert verschiedenste Methoden, wie z. B. Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit, Beratungskonzepte, empirische Sozialforschung, Bürgerversammlungen, usw.

Gemeinwesenarbeit ist nicht defizit-, sondern ressourcenorientiert. Ziel ist vor allem die Aktivierung der Bevölkerung zur Bewältigung der Problemlagen. Dies umfasst auch Qualifizierungs- und Bildungsmaßnahmen, um die Bevölkerung zu befähigen, die Probleme selbst zu bewältigen.15, 16

Oberstes Ziel der Gemeinwesenarbeit ist es, die Lebenssituation der Bewohner in einem Stadtteil zu verbessern. Dabei soll die Lebenswelt der Bewohner ganzheitlich betrachtet werden, da persönliche, soziale, materielle und infrastrukturelle Aspekte ein Ganzes bilden und zusammenhängen. Da die Betroffenen Experten ihrer eigenen Situation sind, soll der Sozial- bzw. Gemeinwesenarbeiter nicht belehrend vorgehen, sondern viel eher vermitteln, erklären und organisieren, d. h., er leistet Kultur- und Vermittlungsarbeit. Dabei gilt es, die Menschen auch in ihrer Lebenswelt zu aktivieren. Hierbei sollen auch die Ressourcen der Bewohner und deren Umfeld genutzt und zusammengeführt werden.17

Wie schon erwähnt, integriert Gemeinwesenarbeit auch verschiedene Methoden. Dazu zählen u. a.:

Methoden aus der Sozialpädagogik: Einzelfallhilfe, Beratungskonzepte, Gruppenarbeit, etc.

Verfahren der Kontaktaufnahme und -pflege.

Informationssammlung: Stadtteilanalyse, Expertenbefragung, Betroffenenbe-fragung, etc.

Verfahren der Feldforschung/empirische Sozialforschung: Aktionsforschung, soziometrische Verfahren, teilnehmende Interviews, aktivierende Befragung, etc. Ziel ist es, objektive Daten zu sammeln, die Stimmung im Stadtteil zu erfassen, Gruppen, Minderheiten, Anführer zu ermittlen.

Verfahren der Meinungsbildung: Gesprächsmotivierung, Programmgestaltung, Modelle der Diskussionsleitung und -strukturierung, etc. Ziel ist es, die Bürger an Veränderungsprozessen zu beteiligen.

Verfahren politischer Einflussnahme/politische Arbeitsweisen: Bürgerversammlungen, Stadtteilkonferenzen, Öffentlichkeitsarbeit, bis hin zu Aktionen zivilen Ungehorsams, etc.18, 19

2.3 Konzepte

Es gibt – je nach Literatur – verschiedene Konzepte in der Gemeinwesenarbeit. Diese unterscheiden sich in Bezug auf den Veränderungsprozess des betreffenden Gemeinwesens hinsichtlich der Leitideen, der Ziele und der Rolle der Subjekte/der Bürgergruppen. Weiterhin gibt es auch Unterschiede in den Verfahren und Techniken des Gemeinwesenarbeiters. Vier Konzepte sollen nun im Folgenden charakterisiert werden:20

a) Wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit: dieses Konzept hat weniger zum Ziel, die Bevölkerung zur politischen Einflussnahme im Gemeinwesen zu aktivieren. Vielmehr geht es um eine bessere Ausstattung des betreffenden Gemeinwesens von sozialen Dienstleistungsangeboten, sowie die Koordinierung und Organisation derer. Der Gemeinwesenarbeiter wird zum Dienstleistungsmanager, der das Angebot und die Nachfrage abstimmt und optimiert.21

b) Sozial-integrativer Ansatz nach Ross: dieser Ansatz beinhaltet zwei wesentliche Aspekte. Zum einen den der Planung und zum anderen den der Integration. Zur Planung gehört die Problemanalyse, Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten und das Aktivwerden in Richtung der ausgewählten Lösung. Dagegen ist bei der Integration wesentlich, dass das Verantwortungsgefühl für das Gemeinwesen gestärkt werden soll. Durch kooperatives Verhalten und dem daraus entstehenden Gefühl soll sich die Motivation zum Handeln entwickeln. Charakteristisch für dieses Konzept ist das Ziel, eine Verbesserung der Dienstleistungsangebote im Gemeinwesen herbeizuführen.22

c) Aggressive Gemeinwesenarbeit/aggressiver Ansatz: diesem Konzept liegt eine kritische Ansicht der vorherrschenden Gegenwartsgesellschaft zugrunde. Dabei ist das Ziel, gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken. Benachteiligte Minderheiten sollen gemeinsam gegen bestimmte Macht- und Kräftestrukturen vorgehen, da sich bestimmte Bedürfnisse und Verbesserungen der Lebensbedingungen nur so durchsetzen lassen. Dies kann sich in Demonstrationen, Mietstreiks, öffentlichem Ungehorsam, etc. äußern. Kritisiert wird an diesem Ansatz, dass das Aktivierungspotenzial benachteiligter Bevölkerungsgruppen überschätzt wird. Zusätzlich steht der Gemeinwesenarbeiter in einem Konflikt im Sinne eines Doppelmandates. Er handelt im Interesse der Benachteiligten und „kämpft“ gegen den Staat bzw. „das System“, bei welchem er selbst angestellt ist.23, 24

d) Katalytisch/aktivierender Ansatz nach Hinte und Karas: dieser Ansatz hat ein ähnliches Ziel wie das aggressive Konzept – eine herrschaftsfreie Gesellschaft – ist aber in der Idee pragmatischer. Durch Entwicklung und Förderung von Gruppenselbsthilfe soll das Gefühl der Ohnmacht überwunden und eigene Kräfte entfaltet werden, mit der Probleme und Konflikte bewältigt werden können. Dabei ist ein wichtiges Kriterium für die Probleme, dass diese für die Gruppe relevant und tragbar sind. Der Gemeinwesenarbeiter hat hier die Rolle eines „Katalysators“, der Veränderungsprozesse in Gang setzt. Er soll die Betroffenen zur Eigeninitiative befähigen und anregen, ohne selbst für sie aktiv zu werden.25, 26

3 Mannheim Jungbusch

Der Jungbusch ist ein statischer Bezirk in Mannheim und wird dabei dem Stadtteil Innenstadt/Jungbusch zugerechnet. Auf einer Fläche von etwa 26,1 ha erstreckt er sich zwischen dem Neckar, dem Rhein-Neckar-Verbindungskanal und dem Luisenring.27 Der Name „Jungbusch“ leitet sich ab von „Junger Busch“, bedeutete damals junger Wald und ist ab dem Jahr 1600 der Name dieses Bezirkes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Jungbusch im Stadtplan von Mannheim28

Im Jahr 1840 entstand das Hafenviertel mit dem Bau des ersten Hafenbeckens und der in den Folgejahren – während der Gründerzeit (Gründerzeit bzw. Gründerjahre = Zeit im letzten Drittel des 19. Jahrhundert, in der aufgrund starken wirtschaftlichen Aufschwungs viele industrielle Unternehmen gegründet wurden und eine rege Bautätigkeit einsetzte29 ) – fortschreitenden Vergrößerung des Hafens bis 1890.30 Bis ins 19. Jahrhundert wohnten Kaufleute, Reeder und Kapitäne im Handelshafengebiet, das Straßenbild im Jungbusch prägten vornehmlich Sackträger.31

Der Jungbusch blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört und unterliegt in den letzten Jahrzehnten einem starken Wandlungsprozess. Nach dem Niedergang der Binnenschifffahrt in den 70ern des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das ehemalige Rotlichtviertel zu einem multikulturell geprägten Szeneviertel. Großen Einfluss hatte hier die seit „Mitte der 80er Jahre betriebene Gemeinwesenarbeit und verschiedene Maßnahmen der Regenerierung“32, die den Jungbusch vor dem drohenden „Umkippen“ bewahrten. Der Jungbusch hatte dabei ein z. T. negatives Image. Er war lange Zeit nur als Rotlichtviertel und Ausländerghetto bekannt. So kam es, dass in den 90er Jahren die bürgerliche Bevölkerung – bis auf die Besucher der Rotlichtbars, Punks und Alternative – den Bezirk mieden, da er als asoziale Wohngegend galt. Auch die beiden Moscheen fanden lange Zeit nur bei der islamischen Bevölkerung Beachtung, die in den Studentenwohnheimen lebenden Studenten verbrachten ihre Freizeit größtenteils außerhalb des Jungbuschs. Seit der Jahrtausendwende erfährt der Bezirk aber einen Imagewandel, die öffentliche Wahrnehmung verändert sich. Die Gründe sind hier zum einen die aktive Darstellung nach außen durch Akteure im Bezirk – als Beispiel soll hier der Nachtwandel dienen, der im Jahr 2012 das neunte Mal stattfand – und zum anderen die Entwicklung spezifischer Konzepte zur Förderung von Stadtgebieten.33 Auch die im Jahr 2004 angesiedelte Popakademie, der Musikpark, das Studentenwohnheim, verschiedene Galerien als auch Szenetreffs und -kneipen erhöhten weiterhin die Qualität des Wohn- und Lebensraums im Bezirk und ließen die Attraktivität des Jungbusch steigen.34, 35

[...]


1 Vgl. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 101).

2 Vgl. Albert, M. (2012). Gemeinwesenarbeit im Wandel der Zeit – Die historische Entwicklung gemeinwesenorientierter Ansätze in England (S. 1 f.).

3 Vgl. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 101).

4 Hinte, W. (2011). Gemeinwesenarbeit. In Fachlexikon der sozialen Arbeit (S. 340).

5 Vgl. ebenda (S. 340).

6 Vgl. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 101 f.).

7 Vgl. ebenda (S. 102, 117 f.).

8 Lattke, H. (1955). Soziale Arbeit und Erziehung (S. 29); zit. n. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 102 f.).

9 Vgl. Richter-Junghölter, G. (1986). Gemeinwesenarbeit. In Fachlexikon der sozialen Arbeit (S. 348).

10 Vgl. Holubec, B. (2005). Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip.

11 Hinte, W., Lüttringhaus, M., Oelschlägel, D. (2011). Grundlagen und Standards der Gemeinwesenarbeit. (S. 211).

12 Ebenda (S. 211).

13 Hinte, W. (2011). Gemeinwesenarbeit. In Fachlexikon der sozialen Arbeit (S. 340).

14 Vgl. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 104).

15 Vgl. Holubec, B. (2005). Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip.

16 Vgl. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 103 ff.).

17 Vgl. Holubec, B. (2005). Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip.

18 Vgl. ebenda.

19 Vgl. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 110 f.).

20 Vgl. ebenda (S. 105).

21 Vgl. ebenda (S. 105).

22 Vgl. Holubec, B. (2005). Gemeinwesenarbeit als 3. Methode.

23 Vgl. ebenda.

24 Vgl. Galuske, M. (2011). Methoden der Sozialen Arbeit (S. 106 f.).

25 Vgl. ebenda (S. 107 f.).

26 Vgl. Holubec, B. (2005). Gemeinwesenarbeit als 3. Methode.

27 Vgl. Baumgärtner, E. (2009). Lokalität und kulturelle Heterogenität (S. 11).

28 Vgl. Stadt Mannheim, Fachbereich Geoinformation und Vermessung. Internetstadtplan.

29 Vgl. Gründerjahre. In Duden online.

30 Vgl. Jungbusch/Mühlau (2006). In Der Brockhaus: Mannheim (S. 157).

31 Vgl. Stadt Mannheim. Innenstadt/Jungbusch – 144 Quadrate und 150 Nationen zwischen Rhein und Neckar.

32 Scheuermann, M. (2012). „Wohnen, Arbeiten und Leben am Fluss“ (S. 3).

33 Vgl. Baumgärtner, E. (2009). Lokalität und kulturelle Heterogenität (S. 12).

34 Vgl. Stadt Mannheim. Innenstadt/Jungbusch – 144 Quadrate und 150 Nationen zwischen Rhein und Neckar.

35 Vgl. Stadt Mannheim. Fördergebiete.

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