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Intergenerationale Mobilität, Bildungsmobilität und staatliche Maßnahmen zu deren Förderung

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffe Und Forschungsmethoden der Mobilitätsforschung
2.1 Grundliegendes
2.2 Forschungsmethoden alter & neuer Mobilitätsforschung

3. Bildungsmobilität

4. Möglichkeiten zur Förderung von Bildungsmobilität
4.1 Mobilitätsbarrieren
4.2 Wohlfahrtsstaatliche Maßnahmen

5. Fazit:

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Feld der Ungleichheitsforschung kann uns einen detaillierten Einblick in die Sozialstruktur einer Gesellschaft liefern. Die Analyse von ungleichheitsfördernden Faktoren und die daraus gewonnenen Kenntnisse sind unerlässlich für moderne Wohlfahrtssysteme. Dabei ist jedoch nicht zu vernachlässigen, dass sich diese Strukturen nicht als starre, gegebene Gebilde darstellen, sondern einer gewissen Dynamik unterworfen sind. Diese Dynamik, die Bewegung von Individuen und Gruppen im sozialen Kontext, wird als "Mobilität" bezeichnet, wobei hier generell zwischen "sozialer" und "räumlicher" Mobilität unterschieden wird. Letztere wird in dieser Untersuchung keine Rolle spielen, da es hier um die Auf- und Abstiegschancen verschiedener Personen auf einer sozialen Ebene gehen wird.

Ich werde also im Folgenden versuchen, einen Einblick in das Konzept der sozialen Mobilität sowie ihrer Facetten und der Methoden ihrer Erforschung zu liefern. Einen besonderen Schwerpunkt werde ich hierbei auf die Betrachtung der Intergenerationalen Mobilität (also die Mobilität zwischen Generationen) und noch genauer auf die Bildungsmobilität legen, da gerade die Bildungsmobilität einen entscheidenden Faktor für den Grad späterer Mobilitäten spielt.

In der weiteren Analyse werde ich also versuchen folgende Leitfragen zu beantworten:

- Was wird unter "sozialer Mobilität" verstanden? Welche Formen sozialer Mobilität gibt es? Mit welchen Methoden kann sie erfasst werden?
- Wie hoch ist der Grad der intergenerationalen Mobilität und vor allem der Bildungsmobilität in Deutschland?
- Welche Faktoren schränken intergenerationale Mobilität ein?
- Was wird, bzw. wurde von staatlicher Seite unternommen um intergenerationale Mobilität zu ermöglichen?

Bei der Beantwortung dieser Frage werde ich mich hauptsächlich auf die Bücher "Sozialstrukturanalyse. Eine kompakte Einführung" von Jörg Rössel, "Sozialstruktur Deutschlands" von Johannes Huinink & Thorsten Schröder und Aladin El-Mafaalanis „BildungsaufsteigerInnen aus benachteiligten Milieus“ stützen. Nach der Beendigung dieser Analyse werden die von mir gewonnenen Kenntnisse in einem kurzen Fazit zusammengefasst.

Im folgenden Kapitel werde ich nun einige Begriffe erörtern, welche für die folgende Analyse notwendig sein werden.

2. Begriffe Und Forschungsmethoden der Mobilitätsforschung

2.1 Grundliegendes

Soziale Mobilität bezeichnet die Bewegung eines Individuums oder einer Gruppe von einem Ausgangspunkt zu einem Endpunkt in einer sozialen Dimension. Dabei ist von vornherein klarzustellen, dass die Mobilitätsforschung seinen Blick lediglich auf erworbene Merkmale (sozialer Status, Einkommen, Bildung etc.) richtet. Zugeschriebene Merkmale (beispielsweise Geschlecht) sind hingegen keine Merkmale, die seitens der Mobilitätsforschung untersucht werden (Rössel 2009). Es gilt also nun konkret gesprochen festzustellen, wie hoch, bzw. wie niedrig, die Chancen bestimmter Gruppen sind, in eine andere Gruppe auf- oder abzusteigen, sprich wie „durchlässig“ die Sozialstruktur ist.

Es kann natürlich nicht von der Mobilität im Allgemeinen gesprochen werden, weshalb es nötig ist, einige Differenzierungen vorzunehmen. So unterscheidet man generell zwischen vertikaler und horizontaler Mobilität. Von vertikaler Mobilität wird gesprochen, wenn ein Individuum in einer betrachteten, sozialen Rangfolge entweder ab- oder aufsteigt. Sollte also z.B. ein Angehöriger der oberen Dienstklasse in den unteren Dienstbereich absteigen, so spricht man von vertikaler Mobilität. Von horizontaler Mobilität wird gesprochen, sollte z.B. ein Arbeiter den Beruf wechseln, durch diesen Wechsel aber in keiner Rangfolge aufsteigen. (Rössel 2009).

Weiterhin lässt sich zwischen intergenereationaler und intragenerationaler Mobilität unterscheiden.

Intergenerationale Mobilität wird betrachtet wenn man untersucht, inwiefern der eigene Status sich von dem der Elterngeneration unterscheidet und somit drückt sie aus, in welchem Grad die eigene Stellung unabhängig von der der vorhergegangenen Generation ist. Hierbei wird auch zwischen der Job-, also der Mobilität einen unterschiedlichen Beruf als die Eltern zu ergreifen und der Bildungsmobilität unterschieden. Auf letzteres werde ich später noch einmal zu sprechen kommen. Intragenerationale Mobilität wird dann betrachtet, wenn man nur die Mobilität einer Personen innerhalb seines Lebens anschaut, sprich, wie mobil eine Person auf einer vertikalen oder horizontalen Ebene innerhalb seines Lebenslaufes ist. Dies kann daher auch als "Lebenslaufmobilität" bezeichnet werden (Huinink & Schröder 2008).

Es soll jedoch nicht das Bild vermittelt werden, dass es lediglich die Personen seien, welche mobil sind. Auch die Strukturen selbst sind dynamisch, was die Mobilitätsforschung noch einmal zunehmend erschwert. Es ist zum Beispiel bekannt, dass in den letzten Dekaden der landwirtschaftliche Sektor in Deutschland stark abgenommen hat. Sollte man sich nun z.B. anschauen, wie viele Söhne von Landwirten in diesem Zeitraum ebenfalls einen landwirtschaftlichen Beruf ergriffen haben, so könnte das Missachten dieser strukturellen Veränderungen leicht zu Fehlinterpretationen führen. Da es schlichtweg ein geringeres Angebot an landwirtschaftlichen Berufen gibt, als es noch eine Generation früher der Fall war können gar nicht alle Kinder von Landwirten den gleichen Beruf wie ihre Eltern ergreifen. Selbst wenn sie wollten. Es könnte daher passieren, dass man die Selbstrekrutierung (Kinder die einen Beruf auf dem Stand ihrer Eltern annehmen) unterschätzt.

Auch die schwankenden Geburtenkohorten einer Generation sind nicht zu unterschätzen. Sollte es beispielsweise passieren, dass eine Berufsgruppe, z.B. die der Techniker eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Kindern bekommt würden auch hier nicht alle Kinder einen Beruf im selben Tätigkeitsfeld ihrer Eltern ergreifen können und wären gezwungen auf andere auszuweichen. (Rössel, 2009)

Johannes Huinink & Thorsten Schröder führen in „Die Sozialstruktur Deutschlands“ mit der sog. Lehrerschwemme ein weiteres Beispiel für strukturelle Veränderungen ein. Diese Veränderung wird als „zyklisch“ beschrieben, da die Bewerber um Lehrer Jobs stetig massiven Schwankungen unterlegen sind. Da sich viele Leute durch die hohe Anzahl an Lehrern entscheiden, den Lehrerberuf nicht zu ergreifen, da sie Angst vor schlechten Karrierechancen haben, nehmen die freien Lehrerstellen an den Schulen zu. Sobald der Lehrerberuf dann als unterbesetzt wahrgenommen wird, streben auch wieder mehr Leute den Lehrerberuf an, da sie sich erhoffen schnell eine Stelle zu finden. Durch diese Schwankungen, wird die Sozialstruktur zunehmend unberechenbar. (Huinink & Schröder 2008).

2.2 Forschungsmethoden alter & neuer Mobilitätsforschung

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie man sich dieses „Anschauen“ von intergenerationalen Bewegungen vorzustellen hat. Die älteste Methode der Mobilitätsforschung sind die sogenannten „Mobilitätsmatrizen“. Die Matrizen sind Kreuztabellen, in welcher die Angehörigen der Elterngeneration in die Zeilen, die Angehörigen der Kindergeneration in die Spalten eingetragen werden. Bei den Überschneidungen der Spalten mit den Zeilen können dann die Grade der Selbstrekrutierung abgelesen werden. Dabei wird zwischen zwei unterschiedliche Formen der Auswertung unterschieden: Den Zustromquoten und den Abstromquoten.

Bei den Zustromquoten wird analysiert, aus welchen Klassen sich verschiedene Berufsgruppen zusammensetzen. (Abb. 1)(Die in diesem Kapitel verwandten, von anderen Autoren übernommenen Abbildungen werden primär zur Anschauung der verschiedenen Analysemodelle der Mobilitätsforschung genutzt und sollen weniger eine inhaltliche Aussage haben). Man liest also die prozentuellen Anteile der Elterngenerationen an der Zusammensetzung der Berufsgruppen der darauffolgenden Generation. Bei der vorliegenden Abbildung lässt sich beispielsweise ablesen, dass sich 19,6 Prozent der unteren Dienstklasse aus der oberen Dienstklasse rekrutieren. Sprich: 19,6 der Angehörigen der unteren Dienstklasse haben ihre Wurzeln in der oberen Dienstklasse und haben somit in Bezug auf ihre Väter einen sozialen Abstieg erlebt.

Die auffälligste Zahl in der vorliegenden Statistik dürfte die Zahl der Landwirte sein, welche auch Landwirte als Väter hatten. Hier zeigt sich die enorm hohe Selbstrekrutierungsquote dieser Berufsgruppe. Die Gründe hierfür werden später noch einmal aufgegriffen. Die niedrigste Selbstrekrutierungsquote weißt hingegen die untere Dienstklasse auf. Sie beträgt lediglich 18,6 Prozent. Aus der Gruppe der Facharbeiter und Techniker rekrutiert die untere Dienstklasse jedoch gute 40 Prozent ihrer Angehörigen. Dies kann mit der Ausweitung des Dienstklassensektors in den letzten Jahren erklärt werden: Dadurch, dass es mehr Berufe in diesem Sektor gibt muss er verstärkt aus anderen Klassen rekrutieren. Es lässt sich also ein gegenteiliger Effekt als in der Landwirtschaft feststellen. Dieser Trend lässt sich auch bei der oberen Dienstklasse bemerken, obwohl die Selbstrekrutierung hier noch deutlich höher ist als in der unteren Dienstklasse.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Intergenerationale Klassenmobilität in Westdeutschland. Zustromquoten

Die Abstromquoten (Abb. 2) hingegen betrachten, welche Berufe die Söhne von Vätern aus verschiedenen Klassenlagen ergriffen haben. In konkreten Zahlen würde man aus der vorliegenden Tabelle z.B. ablesen, dass 20,6 Prozent der Söhne der Facharbeiter & Techniker in der unteren Dienstklasse tätig sind oder, dass 56,4 Prozent der Nachkommen der sonstigen Arbeiter in die Klasse der Facharbeiter & Techniker gewechselt sind.

Durch den Vergleich beider Quoten kann man auch die vorher angesprochenen, strukturellen Veränderungen nachweisen. Durch die Zustromquoten wird deutlich, dass der landwirtschaftliche Sektor eine sehr hohe Selbstrekrutierungsrate zu haben scheint, dennoch zeigt sich, dass weniger Söhne von Landwirten einen Beruf in diesem Sektor ergreifen als erwartet (12,33). Daher ist von einem enormen Stellenabbau in dieser Berufsgruppe innerhalb des Erhebungszeitraumes auszugehen. (Rössel, 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Intergenerationale Klassenmobilität in Westdeutschland. Abstromquoten

Übernommen aus: Jörg Rössel „Sozialstrukturanalyse. Eine kompakte Einführung.“ S. 286

Die in diesem Kapitel bisher beschriebenen Methoden zur Erfassung und Analyse sozialer Ungleichheit waren größtenteils Gegenstand der älteren Mobilitätsforschung. Vor allem, da sich mit den Matrizen lediglich zwei Dimensionen (wie in diesem Fall Beruf des Vaters und Beruf des Sohnes) darstellen lassen. Trotz der bisher einseitig verwendeten intergenerationalen Beispiele können diese Matrizen auch problemlos für die intragenerationale Forschung verwendet werden (z.B. erster und letzter Beruf, oder Beruf im Alter von 30 und 50 Jahren).

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Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656882565
ISBN (Buch)
9783656882572
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288058
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
intergenerationale mobilität bildungsmobilität maßnahmen förderung

Autor

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Titel: Intergenerationale Mobilität, Bildungsmobilität und staatliche Maßnahmen zu deren Förderung