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Der Rhein und die Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins im beginnenden 19. Jahrhundert

Hausarbeit 2014 24 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Die geographische Lage des Rheins

3. Der Rhein als Grenze

4. Das Reich zwischen napoleonischer Herrschaft und Deutschem Bund

5. Das Mittelrheintal als Reiseziel

6. Die Rheinromantik
6.1 Literatur und Malerei
6.2 Märchen, Mythen und Sagen

7. Die Epoche der Romantik

8. Der Weg zur Nation

9. Zusammenfassung und Fazit:

10. Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

Deutschland als einheitliche Nation ist ein Gebilde, das sich erst im beginnenden 19. Jahrhundert entwickelte. Die Deutschen hatten zwar seit Jahrhunderten einen Herrscher, den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der hierarchisch über allen Fürsten stand, als eine Einheit jedoch fühlte man sich nicht. Zu stark war die territoriale Zersplitterung, zu wechselhaft war das politische Geschick. Erst nachdem in Frankreich die Revolution des Jahres 1789 die Veränderungen zeigte, die ein vereintes Volk bewirkten konnte, nahm der Nationalgedanke einen immer größeren Raum ein.

Das Bewusstsein, dass man ein Volk mit gemeinsamen Wurzeln war, hatte bisher nicht zur Bildung einer politischen Einheit geführt. Ob und wie sich aus diesem Bewusstsein heraus die deutsche Nation entwickelte, soll in der Hausarbeit untersucht werden. Am Beispiel der Romantisierung des Mittelrheintales in der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik wird dieser Frage nachgegangen.

Die Arbeit ist folgendermaßen gegliedert:

Nach der Einleitung folgt in Kapitel 2 die Beschreibung der geographischen Lage des Rheins, anschließend wird seine Bedeutung als Grenzfluss im Laufe der Jahrhunderte hervorgehoben. In Kapitel 4 wird die politische Situation im damaligen Reich skizziert und dann speziell auf das Mittelrheintal als Reiseziel eingegangen. Der Inhalt von Kapitel 6 beschreibt die Romantik in Literatur und Malerei. Die Epoche im Allgemeinen wird kurz in Kapitel 7 erläutert. Wie sich daraus der Weg zur Nationenbildung entwickelte, beschreibt Kapitel 8. Den Abschluss der Hausarbeit bildet eine Zusammenfassung mit Fazit.

2. Die geographische Lage des Rheins

Die drei Quellflüsse des Rheins entspringen in den Schweizer Alpen und vereinigen sich dort zu dem Strom, der nach 1320 km bei Rotterdam in die Nordsee mündet. Nach seinen Anfängen im Gebirge durchfließt der Fluss den Bodensee, um dann beim Rheinfall von Schaffhausen in einem beeindruckenden Naturschauspiel über zwanzig Meter in die Tiefe zu stürzen. Bei Basel ändert sich sein Verlauf in Richtung Norden. Die breite Ebene, die von den Vogesen und vom Pfälzerwald und rechts vom Schwarzwald und dem Odenwald begrenzt wird, bietet genügend Platz für sein ehemals stark mäanderndes, im 19.Jahrhundert begradigtes Bett. Bei Mainz angekommen fließt der Strom einige Kilometer nach Westen, um sich bei Bingen in nordwestlicher Richtung durch das Rheinische Schiefergebirge zu graben. Danach fließt er dann als breiter Strom und ungehindert von hohen, felsigen Randgebirgen durch die Norddeutsche Tiefebene, bis er sich in den Niederlanden in mehrere Arme teilt, deren großes Delta seine Wasser in die Nordsee münden lassen.

Der Fluss bildet in einigen Teilbereichen die Grenze zwischen Staaten. Der Hochrhein trennt streckenweise Deutschland und die Schweiz. In der Oberrheinischen Tiefebene sind die linken Ufer französisch, die rechten deutsch. Ab etwa Rheinkilometer 350 gehört der Fluss zum Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, seine Mündungsarme durchfließen die Niederlande.[1]

Dass der mächtige Strom von den Bewohnern seiner Ufer mehr als einmal als Grenze zwischen den einzelnen Machtbereichen definiert wurde, ist tief in der europäischen Geschichte verwurzelt und wird im folgenden Kapitel behandelt.

3. Der Rhein als Grenze

„Der Rhein entspringt im Gebiet der Lepontier, die in den Alpen leben, und fließt mit reißender Strömung ein lange Strecke durch die Gebiete der Nantuaten, Helvetier, Sequaner, Mediometricer, Tribocer und Treverer. In der Nähe des Ozeans teilt er sich in mehrere Arme, so daß viele große Inseln entstehen. Eine Vielzahl wird von wilden, barbarischen

Völkern bewohnt […]. Der Rhein mündet dann mit vielen Armen ins Meer.“[2]

Ausgehend von der Römerherrschaft in Germanien bis hinein in die Neuzeit wurde der Rhein immer wieder als eine natürliche Grenze zwischen staatlichen Territorien definiert.[3] Sehr oft litten die Anrainer unter dem Expansionswillen ihrer Herrscher und den daraus resultierenden Grenzkonflikten.

Auch Ende des 18. Jahrhunderts kam es in Mitteleuropa zu schweren kriegerischen Auseinandersetzungen. Unter anderem kämpften Preußen und Österreich gegen das revolutionäre Frankreich. Als die Franzosen im ersten Koalitionskrieg (1793-1797) gesiegt hatten, mussten diese beiden deutschen Staaten 1801 ihre linksrheinischen Gebiete an den westlichen Nachbarn abtreten.[4] Ab 1806 bildete der Rhein die Grenze zwischen Frankreich und dem inzwischen gegründeten Rheinbund[5]. Nach Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo wurde 1815 beim Wiener Kongress das gesamte nördliche Rheinland dem Königtum Preußen angegliedert. Hier verschob sich die Grenze wiederum nach Westen.[6] Im Rahmen der Rheinkrise[7] erhob Frankreich 1840 erneut Ansprüche auf das linke Niederrheinufer. Es kam allerdings zu keiner militärischen Konfrontation, da der an der Annexion interessierte französische Ministerpräsident aus der Regierung ausschied.[8]

Als Auswirkung des deutschen Sieges im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde das am Oberrhein gelegene linksrheinische Elsaß-Lothringen zum Reichsland[9]. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Gebiet 1919 durch den Versailler Vertrag wieder unter französische Herrschaft. Im Dritten Reich überschritten erneut deutsche Truppen den Strom. Bis auf den an die Schweiz grenzenden Hochrhein war er jetzt ein innerdeutscher Fluss. Dies änderte sich nochmals nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit der anschließenden Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich trennte der Rhein hier nun wieder zwei Staaten.[10]

Es gab jedoch auch Stimmen, die den Strom nicht als eine von der Natur vorgegebene Grenze zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich betrachten wollten. Im Zeitalter der Romantik waren dies unter anderem Victor Hugo[11], Georg Forster[12] und Ernst Moritz Arndt[13].

Viktor Hugo bereiste 1840 den Rhein. Für ihn hatten beide Staaten das Anrecht auf den Strom. In einem Brief an seine Frau Adéle schrieb er: [14]

„Der Rhein ist ein edler Fluß; aristokratisch, republikanisch, kaiserlich, würdig, sowohl Frankreich als auch Deutschland anzugehören. Die gesamte europäische Geschichte […] liegt in diesem Fluß der Krieger und Denker, in dieser phantastischen Woge, die Frankreich zur Tat anregt, in diesem tiefgründigen Rauschen, das Deutschland träumen lässt.“[15]

Georg Forster, ein begeisterter Anhänger der Ideen der Französischen Revolution, ersehnte sich als Zeichen der „Brüderlichkeit“ in Bezug auf die Konflikte der Vergangenheit, die Einigung mit dem westlichen Nachbarn. In seiner „Adresse an den Pariser Nationalkonvent“ formuliert er 1793:

„Durch die Vereinigung mit Uns erhaltet ihr was euch von Rechtswegen gehört. Die Natur selbst hat gewollt, daß der Rhein die Gränze

Frankreichs sein sollte, er war es in der That in den ersten Jahrhunderten des fränkischen Reichs.“[16]

Zwanzig Jahre später und vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung sieht Ernst Moritz Arndt den Rhein als einen Teil seines Heimatlandes und bezeichnet ihn 1813 in einer Flugschrift als „Deutschlands Strom, aber nicht Deutschlands Grenze“.[17]

4. Das Reich zwischen napoleonischer Herrschaft und Deutschem Bund

Bis in das 18. Jahrhundert gab es keine nationale Einheit. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation wurde von einem Kaiser repräsentiert, der über ein Land regierte, das sich aus über 300 souveränen Territorien zusammensetzte.[18] Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde die Situation beendet. Die vielen eigenständigen politischen Einheiten wurden aufgelöst und in wesentlich weniger, neue und größere Machtbezirke gegliedert. Als Kaiser Franz II. 1806 auf Veranlassung Napoleons die Römisch-deutsche Kaiserwürde niederlegte und sich auf den Titel „Kaiser von Österreich“ beschränkte, war das Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation besiegelt. Mitteleuropa stand jetzt unter napoleonischer Herrschaft. Nach deren Zusammenbruch wurde das europäische Staatensystem beim Wiener Kongress 1815 neu geordnet. Die verbliebenen 4 freien Städte und die 37 souveränen Fürstentümer schlossen sich unter der Führung Österreichs zum Deutschen Bund zusammen, der bis 1866 Bestand hatte.[19]

Den politischen und sozialen Umbruch dieser Zeit beschrieb der Historiker Nicolaus Vogt 1806 in „Europäische Staats-Relationen“ mit den Worten:

„Ein scharfsinniger Beobachter, welcher das Ende des vorigen und den Anfang des jetzigen Jahrhunderts erlebt hat, wird sich in einer doppelten

Welt befunden zu haben glauben. Ich jedenfalls erinnere mich noch genau, in meiner Jugend ganz andere Sitten, Gebräuche, Verfassungen, Manieren und Denkungsarten gesehen zu haben, als jetzt üblich sind. […] Jetzt geht alles ins Große, Flache, Allgemeine. Daher verlor auch alles seinen festen, tiefen Sinn. Religion wie Staatsverfassungen, Altäre

wie Thronen, Universitäten wie Zünfte, Städte wie Dörfer wechseln, schwanken, fallen und gehen unter.“[20]

Auch das Mittelrheintal zwischen Bingen und Bonn unterlag dem ständigen politischen Wandel. Seit dem Frieden von Lunéville (1801) gehörten die linken Ufer des Rheins zu Frankreich, rechtsrheinisch grenzten verschiedene Herrschaftsbereiche[21] des Rheinbundes an die Ufer des Stroms. Beim Wiener Kongress wurde das komplette linke Mittelrheintal und teilweise auch der rechtsrheinische Bereich dem Königreich Preußen zugeordnet. Die Gebiete von Westerwald und Taunus unterstanden dem Herzogtum Nassau, bis sie ab 1866 ebenfalls zu Preußen gehörten.[22]

5. Das Mittelrheintal als Reiseziel

Trotz aller politischen Veränderungen zählte das Mittelrheintal zu den Zielen der in der gehobenen Gesellschaft üblichen Bildungsreise. Während einer sogenannten „Grand Tour“ durch Europa sollten junge Männer aus Adel und aufstrebendem Bürgertum Wissen und Erfahrung für ihre künftige Position in der Gesellschaft sammeln. Das klassische Reiseziel war Italien. Der Weg dorthin führte ursprünglich über Frankreich. Nachdem jedoch dort die Revolution wütete, entschied man sich für die Alternativroute entlang des Rheins. Der Fluss entwickelte sich von einer Durchgangsstation auf dem Weg nach Süden zum Hauptreiseziel der Kavalierstour.[23]

Zu Beginn des Jahrhunderts und nach Ende der Kriegswirren entdeckten die Engländer den Zauber der Gegend zwischen Koblenz und Bonn. Sie waren begeistert vom großen Strom, den hohen, schroffen Felsen mit den malerischen Weinbergen, den mittelalterlichen Burgen und Ruinen. Der Fluss und seine Ufer entsprachen ihrer romantischen Vorstellung von einer urwüchsigen Natur, wie sie auch in Schottland oder Wales zu finden war. Die erste große Reisewelle britischer Touristen eroberte das Land und den Fluss.[24]

„Nirgend ist der Völkerverkehr lebendiger, die stündlich abgehenden Schnellposten mit ihren Beiwagen, die goldglänzenden Dampfschiffe, vor deren umgeschwungenen Rädern der Strom nicht zur Ruhe kommt, die geräumigen, mit der verschwenderischen Pracht der Paläste eingerichteten Gasthöfe wissen die Menge der Reisenden nicht fortzuschaffen, die Zahl der Fremden nicht unterzubringen.“[25]

Auch die Söhne des deutschen Bildungsbürgertums konnten sich der Faszination des Mittelrheintals nicht entziehen. Männer wie Clemens Brentano, Achim von Arnim, Friedrich Schlegel oder Joseph von Eichendorff beschrieben es in ihren Romanen und Gedichten und legten so die Grundlage zu dem, was als „Rheinromantik“ noch heute Touristen begeistert.

6. Die Rheinromantik

Die romantische Verklärung des Stromes entwickelte sich am Ende des 19. Jahrhunderts. Sie bezieht sich nicht auf dessen kompletten Verlauf, sondern ausschließlich auf den Teilbereich, in dem er sich seinen Weg durch das Rheinische Schiefergebirge bahnt. Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn wurde durch Literatur und Malerei romantisiert.

6.1 Literatur und Malerei

„Bei dem freundlichen Bonn fängt die eigentlich schöne Rheingegend an; eine reich geschmückte Flur, die sich wie eine große Schlucht zwischen Hügeln und Bergen […] hinaufzieht bis an den Einfluß der Mosel bei Koblenz. Von da bis Bingen wird das Tal immer enger, die Felsen schroffer, und die Gegend wilder; hier ist der Rhein am schönsten. Überall belebt durch die geschäftigen Ufer, immer neu durch die Windungen des Stroms, und bedeutend verziert durch die kühnen, am Abhange hervorragende Bruchstücke alter Burgen, scheint diese Gegend mehr ein in sich geschlossenes Gemälde und überlegtes Kunstwerk eines bildenden Geistes zu sein, als einer Hervorbringung des Zufalls zu sein“.[26]

Mit diesen Worten beschrieb Friedrich Schlegel[27] das Mittelrheintal im Empfinden seiner Zeit. Schon einige Jahre zuvor hatte der in Koblenz geborene Clemens Brentano[28] zusammen mit seinem Schwager Karl von Savigny die heimatliche Gegend bereist. Als er sich in eine junge Rüdesheimerin verliebte, verarbeitete er seine Gefühle in dem Roman „Godwi oder das Steinerne Bild der Mutter “, das den Untertitel „Ein verwilderter Roman“ trug. Im zweiten Teil des Romans findet sich die Urfassung des Liedes von der Loreley, des Liedes, das bis heute in unterschiedlichen Variationen die Zeit überdauert hat.[29]

Eine wesentlich stärkere Öffentlichkeitswirkung hatten jedoch die Lieder und Gedichte, die Clemens Brentano 1802 zusammen mit Achim von Arnim[30] auf einer gemeinsamen Rheinreise schuf und die 1806 in „Des Knaben Wunderhorn“ veröffentlicht wurden[31]. Die Idealisierung der Mittelrheinlandschaft hatte somit ihren Anfang genommen.

Ein weiterer Vertreter der Rheinromantik war Joseph von Eichendorff[32]. Sein Roman „Ahnung und Gegenwart“ vermittelte Eichendorffs Begeisterung für das Mittelalter. Die Protagonisten Friedrich, Erwin und Leontin wanderten entlang des Rheins und waren voller Bewunderung für das, was sich vor ihren Augen ausbreitet.

„Als sie aus dem Walde auf einen hervorragenden Felsen heraustraten, sahen sie auf einmal aus wunderreicher Ferne, von alten Burgen und ewigen Wäldern kommend, den Strom vergangener Zeiten und unvergänglicher Begeisterung, den königlichen Rhein“.[33]

Die Burgen als Zeugen einer glorreichen Zeit, erregten ihre Neugier.

„Als die Sonne schon hoch war, bestiegen sie die alte, wohlerhaltene Burg, die wie eine Ehrenkrone über der altdeutschen Gegend stand.“[34]

Diese Begeisterung und die damit einhergehende Verherrlichung des Mittelalters wurde von Friedrich Schlegel geteilt. Als er im Sommer 1802 auf seiner Europareise nach Eisenach kam, formuliert er beim Anblick der Wartburg[35]: „Wenn man solche Gegenstände sieht, so kann man nicht umhin sich zu erinnern, was die Deutschen ehedem waren, da der Mann noch ein Vaterland hatte“.[36] Und in seinem Essay „Burgruinen“ sieht er es als zum ursprünglichen Charakter der Deutschen gehörend, dass sie dazu neigen würden „auf Bergen zu wohnen“[37]. In dieser „erhabenen und edlen Neigung“[38] sah er ein Symptom des deutschen Freiheitswillens.[39]

Schlegel sah im Rheintal ein „geschlossenes Gemälde“, das an die italienische Landschaftsmalerei erinnerte. Englische Maler hatten bereits seit geraumer Zeit diesen Vergleich gezogen und die romantische Flussregion in ihren Werken festgehalten. Der Brite Rev. John Cardnor schuf über 32 Aquatinta-Radierungen, die 1788 unter dem Titel „Views taken an and near the River Rhine“ veröffentlicht wurden. Als William Turner ab 1802 den Rhein bereiste entstanden daraus zahlreiche Bleistiftskizzen und Aquarelle. Viele Gemälde boten keine topografische Orientierung, sondern stellten eine idealisierte Landschaft dar. In der

Wahrnehmung des Erhabenen in dem Gegenständlichen, das sich vor den Augen ausbreitete, bot sich für den Romantiker die Möglichkeit, das Äußerliche zu überwinden und in die Tiefe der Gefühlswelt einzutauchen[40]

Die mittelalterlichen Burgen waren beliebte Motive der romantischen Malerei. Christian Georg Schütz d. J. (1758-1823) zeichnete in 24 Aquarellen Teilbereiche des Rheintals zwischen Mainz und Köln. Darunter finden sich unter anderem Ansichten von Bacharach und Oberwesel, der Burg Liebenstein und der Ruine Thurnberg. In seinen Landschaftsgemälden wollte er das Erhabene der Natur zum Ausdruck bringen und mit den patriotischen Emotionen den Widerstand gegen Napoleon unterstützen .[41]

Doch nicht nur Literaten und Maler zeigten ihre Mittelalterverehrung. Auf Veranlassung von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen III wurde, nachdem Teile des Mittelrheines an Preußen gefallen waren, zwischen 1826 und 1842 unter anderem die aus dem 13. Jahrhundert stammende und im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zerstörte Burg Stolzenfels restauriert und so umgebaut, wie man sich im 19.Jahrhundert eine mittelalterliche Ritterburg vorstellte.[42]

[...]


[1] Vergl. Oster, Uwe A.: Von der Quelle bis zur Mündung, Exkurs in: Molkenthin, Ralf: Der Rhein – Aller Wasser König, in Oster, Uwe A.: Flüsse in Deutschland. Eine Kultur-geschichte, Darmstadt 2007; S. 40 ff.

[2] s. Schönberg, Otto (Hrsg): Caesar, G.I. Der gallische Krieg, Düsseldorf 2004, Seite 8, zitiert nach Cepl-Kaufmann, Gertrude/Lange, Hella Sabrina (Hrsg.): Der Rhein. Ein literarischer Reiseführer, Darmstadt 2006, S. 8.

[3] Vergl. Molkenthin, S. 47f.

[4] Vergl. Cepl-Kaufmann, Gertrude/Johanning, Antje: Mythos Rhein. Zur Kulturgeschichte eines Stromes, Darmstadt 2003, S. 79.

[5] Rheinbund: Eine Konföderation Deutscher Staaten, die aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ausgetreten waren und unter dem Protektorat Napoleons standen.

[6] Vergl. Molkenthin, S. 48.

[7] Rheinkrise 1840: Frankreich hatte bei politischen Auseinandersetzungen, die orientalische Staaten betrafen, eine Niederlage erlitten. Die Anspruchserhebung auf die linksrheinischen Gebiete sollte diesen Ansehensverlust kompensieren.

[8] Vergl. Cepl-Kaufmann/ Johanning: Mythos Rhein,S. 168 f.

[9] Vergl. Ausbüttel, Frank/Böhning, Peter u.a. (Hrsg.): Grundwissen Geschichte, Stuttgart 1994, S. 162.

[10] Vergl. Köbler, Gerhard: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 31990, S. 132.

[11] Victor Hugo (1802- 1885), französischer Schriftsteller.

[12] Johann Georg Adam Forster (1754-1794), deutscher Naturforscher, Journalist, Revolutionär, Mitglied des Mainzer Jakobinerklubs.

[13] Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860) deutscher Schriftsteller, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung.

[14] Vergl. Seemann, Annette (Hrsg.): Victor Hugo, Der Rhein, Berlin 2010, S. 7f.

[15] s. Seemann:S. 36.

[16] Akademie der Wissenschaften der DDR (Hrsg.): Georg Forsters Werke, sämtliche Schriften, Tagebücher, Briefe, Revolutionsschriften 1792/93, Berlin 1990, S. 469.

[17] Vergl. Cepl-Kaufmann/Johanning: Mythos Rhein, S. 61 f.

[18] Vergl. Molkenthin: S. 47.

[19] Gonze, Werner (Hrsg.): Deutschland-Ploetz, Freiburg, Würzburg 1986, S. 145 ff.

[20] s.Vogt, Nicolaus: Europäische Staats-Relationen, Frankfurt M-1806, in: http://reader.digitale- sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10716809_00091.html [Zugriff 15.08.14].

[21] Fürstentum Salm, Großherzogtum Berg, Herzogtum Nassau.

[22] Vergl. Der große Ploetz Atlas zur Weltgeschichte, Göttingen 2009, S. 136.

[23] Vergl. Cepl-Kaufmann/Johanning: Mythos Rhein, S. 108 f.

[24] Vergl. Bock, Benedikt: Baedeker & Cook-Tourismus am Mittelrhein 1756 bis ca. 1914, Frankfurt am Main 2010,(= Mainzer Studien zur Neueren Geschichte, Bd. 26), S. 80ff.

[25] s. Simrock, Karl: Das malerische und romantische Rheinland, Leipzig 1838, S. 9.

[26] Eichner (Hrsg.):Friedrich Schlegel, Ansichten und Ideen von der christlichen Kunst, Paderborn 1959 (= Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe, Bd. 4, hrsg. von Ernst Behler), S. 186.

[27] Friedrich Schlegel (1772-1829), deutscher Kulturphilosoph, Schriftsteller, Literaturkritiker und Historiker.

[28] Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche (1778- 1842), deutscher Schriftsteller.

[29] Vergl. Cepl-Kaufmann/Johanning: Mythos Rhein, S. 81.

[30]. Achim von Arnim (1781-1831); deutscher Schriftsteller.

[31] Vergl. Cepl-Kaufmann/Johanning: Mythos Rhein, S. 81.

[32] Joseph von Eichendorff (1788-1857), Lyriker und Schriftsteller.

[33] s. Briegleb, Christiane (Hrsg.): Sämtliche Werke des Freiherrn Joseph von Eichendorff, Historisch Kritische Ausgabe, Ahnung und Gegenwart, Bd. III; Stuttgart u.a. 1984, S. 196.

[34] ebd.

[35] Vergl. Cepl-Kaufmann/Johanning: Mythos Rhein, S. 72.

[36] s. Schlegel, Friedrich: Reise nach Frankreich, in: Europa, Eine Zeitschrift, in: http://ds.ub.uni- bielefeld.de/viewer/image/2089718_001/8/#topDocAnchor [Zugriff 03.09.14].

[37] s. Eichner, Hans (Hrsg.): Friedrich Schlegel; Burgruinen, Paderborn 1959, (= Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe, Bd. 4, hrsg. von Ernst Behler), S. 96 f., zitiert nach Cepl- Kaufmann/Johanning: Mythos Rhein, S. 84.

[38] ebd.

[39] ebd.

[40] Vergl. Cepl-Kaufmann/Johanning, Antje: Mythos Rhein, S. 61 f.

[41] Vergl. Blisch, Bernd: Die Familie Schütz, in. Forster, Peter (Hrsg): Rheinromantik, Kunst und Natur, Regensburg 2013, S. 249 f.

[42] Vergl. Molkenthin, S. 44.

Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656880745
ISBN (Buch)
9783656880752
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287988
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – FB 2
Note
2,3
Schlagworte
rhein entwicklung nationalbewusstseins jahrhundert

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Titel: Der Rhein und die Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins im beginnenden 19. Jahrhundert