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Die Macht der Frauen im Vergleich von weltlichem und geistlichem Tagelied

Hausarbeit 2013 22 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Entstehung der volkssprachlichen geistlichen und weltlichen Literatur 3

B) Das weltliche Tagelied 4

C) Das geistliche Tagelied 6

E) Vergleich des geistlichen und weltlichen Tagelieds 8

I. Das weltliche Tagelied „Sîne klawen“ 8

II. Das geistliche Tagelied „vrône wahter nû erwecke“ 10

III. Irdische und geistliche Liebe im Mittelalter 13

IV. Die Liebe in den beiden Gedichten 14

V. Geschlechterkonzeptionen im Mittelalter 15

VI. Geschlechtertausch und Machtverhältnisse in der deutschen Literatur des Mittelalters 16

1. Definition der Macht 16

2. Mächtige Frauen in der Literatur des deutschen Mittelalters 17

3. Die Macht der Frau im geistlichen Tagelied 17

4. Die Macht der Frau im weltlichen Tagelied 18

5. Resümee 19

F) Veränderung des Tagelieds und somit der Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau im späten Mittelalter 19

G) Literaturverzeichnis 21

A) Entstehung der volkssprachlichen geistlichen und weltlichen Literatur

Der Beginn volkssprachlicher Literatur ist zwar aufgrund wenigen Überlieferungen schwer zu datieren, fand aber recht sicher in den Zentren der Bildung im Mittelalter- in Klöstern- statt, war also eindeutig geistlich ausgerichtet (Schiewer 2011: S.10) . Geistlich kommt hier von lateinisch spiritalis, also alles was von Geist ergriffen und auf Geistliches ausgerichtet ist (Huber 2000: S.3). Das Geistliche und der Geist beziehen sich im Deutschland des Mittelalters natürlich auf den christlichen Gott. Um 1000 n.Chr. war die Produktion von Literatur nicht mehr ausschließlich hinter Klostermauern verborgen sondern wurde an den, auch für Laien zugänglichen, Bischofshof verlegt. Die ersten Überlieferungen volkssprachlicher, weltlich ausgerichteter Dichtung, wie beispielsweise das „Annolied“, das weltliche und geistliche Elemente verknüpft, stammen aus dieser Zeit und bestätigen die Entwicklung einer „weltlich- geistlichen Mischkultur“ (Schiewer 2011: S.15).

Die weltliche Literatur ist also nicht nur als Begriff von der geistlichen Literatur abgeleitet: Auch allgemein ist weltlich alles was nicht-geistlich ist, aber umgekehrt ist nicht alles geistlich was nicht-weltlich ist. Die beiden Begriffe stehen also in einer Polarität zueinander, die sie gleichzeitig definiert (Huber 2000: S.3f.)- sie können ohne ihren Gegensatz nicht existieren. Trotzdem lässt diese Polarität sehr verschiedene Perspektiven bei der Definition von „Weltlichem“ und „Geistlichem“ für den Einzelnen zu. In der Entwicklung der volkssprachlichen Literatur in Deutschland entstanden, während der Etablierung der höfischen Kultur die ersten weltlichen und geistlichen Dichtungen getrennt voneinander, wie die „Kaiserchronik“ und der Eneas-Roman von Heinrich von Veldeke (Schiewer 2011: S.16). An den Fürstenhöfen war Produktion und Vortrag von Literatur eine wichtige Institution geworden und es gab immer mehr Literati unter den Adligen, was sich durch die Überlieferung von vielen Autornamen aus dieser Zeit recht gut belegen lässt.

Mit der Etablierung einer volkssprachlichen Literatur entstehen auch die ersten themen- oder autorbezogenen Sammelhandschriften, die zu einer breiten Überlieferung aus dieser Zeit führten (Holznagel 2012: S.10). Formen der Dichtung werden strenger und feste Genres etablieren sich. Davon ist wohl keines in der Neuzeit so bekannt wie der Minnesang. Dieser relativ starre Typus des Werbelieds hat in den Jahrhunderten zu vielen Weiterentwicklungen und Variationen geführt, sowie neue Gattungen hervorgebracht (Holznagel 2012: S.17ff.).

B) Das weltliche Tagelied

Darunter ist auch das Tagelied, dessen erster überlieferter Nachweis „Slâfest du friedel ziere“ von Dietmar von Eist, stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und legt bereits die Grundvoraussetzung für die Gattung Tagelied fest: Ein adliges Paar, dass die Nacht zusammen verbracht hat, aber nicht verheiratet ist, muss sich bei Morgenanbruch trennen, da ihr Liebesverhältnis von der Gesellschaft nicht geduldet wird (Holznagel 2011: S.95). Das Tagelied zeichnet sich in seiner Entstehungszeit durch den Dialog zwischen einem fiktiven Liebespaar aus, später noch im Gespräch mit Nebenpersonen, wie dem Wächter. Es lebt vor allem durch den Aufbau von Spannung in verschiedenen Schwellensituationen: Der Tagesanbruch als Schwelle zwischen Tag (beziehungsweise öffentlichem Leben) und Nacht (beziehungsweise Privatleben), der von Wolfram etablierte Wächter, der als Schwellenfigur die zwischen den Liebenden und der Gesellschaft steht, der räumliche Schwellenraum in dem sich das Paar ungesehen von der Gesellschaft befindet (meist wohl die Kemenate) und schließlich der Sänger an der Schwelle zwischen Sympathie für das Paar und Akzeptanz der gesellschaftlichen Normen (Rohrbach 1986: S.367, 371).

Diese Spannung lebt natürlich besonders vom Fiktionsgehalt der dargestellten Situation: das Publikum soll sich mit dem Paar identifizieren können, mit ihm mitfühlen. Das Tagelied ist eindeutig als Rollendichtung angelegt und trotzdem muss der Sänger bzw. Autor durch die Fiktion eine gewisse Distanz aufrechterhalten, besonders wegen der erotischen Anspielungen und der gesellschaftlichen Brisanz des Themas. Dadurch erklärt sich auch trotz des vordergründigen Dialogcharakters die Narrativität in Tageliedern. Wohl vor allem wegen seinem Unterschied zum Hohen Minnesang, etablierte sich das Tagelied so schnell in der Literatur des Mittelalters. Dort ist die angebetete Frau nicht unerreichbar und der dienst des Ritters wird angemessen belohnt: Im Tagelied erfüllt sich, was im Minnesang nur gehofft werden darf, die Nähe zum Minnesang wird auch durch Verwendung von Begriffen aus dem Minnedienst hergestellt (Rohrbach 1986: S.368). Ein wichtiger Punkt der das Tagelied noch bis in seine Blütezeit bestimmt ist die Inakzeptanz der Liebe des Paars durch die Gesellschaft. Der Dichter stellt das Paar im Tagelied positiv dar, muss aber, weil er besonders in der höfischen Welt auf Mäzene angewiesen war, die Gesellschaft akzeptieren- er stellt also die Liebe im Tagelied als undurchführbar dar (Rohrbach 1986: S.368).

Formal ist das Tagelied ein relativ kurz gehaltenes, meist in Stollenstrophen gegliedertes Dialoglied, es gibt aber wegen der gesellschaftlichen Schwelle an der sich das Paar befindet oft noch einen Erzähler, der die nötige Distanz zur Realität aufbaut, indem er beispielweise die zurückliegende Liebesnacht schildert. Die Entstehung des Tagelieds ist umstritten: wegen seiner internationalen Verbreitung gibt es die Theorie das Tagelied habe seine Ursprünge bereits in den lateinischen Morgenhymnen oder beim antiken Dichter Ovid. (Holznagel 2011: S.94). Eine andere Annahme ist, dass das deutsche Tagelied rein volkstümlich entstand und auf das Vorbild der französischen Alba und Pastourelle zurückgeht. Trotz der Popularität dieser Meinung kann sie nicht bewiesen werden, da die französischen Tagelieder zeitgleich oder sogar später als die deutschen überliefert wurden und auch keines der deutschen Tagelieder einen direkten Bezug auf eine französische Vorlage nimmt (Holznagel 2011: S.94f.). Andererseits hat das Tagelied auch so direkte Bezüge zum hohen Minnesang, dass man es auch als dessen entwickelten Gegenentwurf sehen kann oder als Ergänzung zum, nicht auf Liebeserfüllung ausgelegten, Minnedienst. Sicher ist, dass das Tagelied wie der Minnesang bereits nach kurzer Zeit Ritualcharakter hatte: Die Ausgangsituation blieb immer die gleiche, die Wichtigkeit lag also auf den Unterschieden die jeder Dichter individuell in sein Tagelied einfließen ließ.

Daraus entstanden viele Abwandlungen des Typus Tagelied: Anti-Tagelieder, wie „Sô ez iener nâhet deme tage“ von Reinmar dem Alten, die die Abschiedssituation des Paares am Morgen herbeiwünschen, statt sie zu betrauern, da der Ritter in diesem Lied keine verfügbare Dame hat. Dem recht ähnlich sind die Tageliedparodien, in denen beispielweise die Dame durch ein wildes Tier ersetzt wurde oder aber das Liebespaar bereits verheiratet ist (Hausner 1983: S.36ff.). Außerdem wurde das Personal des Tagelieds nicht nur um den Wächter, sondern auch noch um Hofdamen und Neider erweitert. Besonders hervorzuheben sind hier die Lieder Neidharts, der seine Tagelieder aus dem adligen Milieu in ein bäuerliches verlegt und mit den Dörpern um die Gunst der Frau kämpft. Fast jeder große Dichter des Mittelalters hat seine eigene Version eines Tagelieds verfasst. Bei dieser Fülle von Varianten ist es schwierig die Gattung Tagelied einzugrenzen. Dieses Problem kann man entweder normativ lösen, indem man nachträglich einen Idealtypus des Tagelieds in Zentrum setzt und um diesen dann die weiteren Lieder gruppiert. In diesem Fall sind dann wohl die Tagelieder Wolframs von Eschenbach als dieser Idealtypus zu bezeichnen. Es gibt aber auch noch die Möglichkeit das Tagelied an den ersten Beschreibungen als eigenes Genre durch Zeitgenossen festzumachen, das hängt jedoch sehr eng mit der Überlieferung solcher Gattungszuweisungen zusammen (Hausner 1983: S16f.)

C) Das geistliche Tagelied

Im 13. Jahrhundert bildet die Gattung Tagelied erneut eine neue Variante aus. In dieser Zeit sind weltliche und geistliche Angelegenheiten so eng verbunden wie selten zuvor: Papst und Kaisertum kämpfen um die Macht in Europa, die Naturwissenschaften erringen große Erfolge und stellen theologische Grundsätze infrage. Die Menschen dieser Zeit fühlten sich in ihrem Glauben verunsichert, das zeigt sich in der Gründung neuer konservativer Kirchenorden und nicht zuletzt in der Literatur und Architektur (Probst 1999: S.16).

Im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts wird durch das anonym überlieferte „Vrône wahter nû erwecke“ eine weitere Variante des Tagelieds bekannt: das sogenannte geistliche Tagelied. Auch hier ist die Entstehung wieder ein kritischer Punkt: Probst und Kochs gehen von einer Kontrafaktur des Tagelieds aus (Probst 1999: S.12, Schnyder 2004: S.4), während Ruberg davon ausgeht, dass sich das geistliche Tagelied unabhängig von seinem weltlichen Pendant, aus dem christlichen Wecklied entwickelt hat (Probst 1999: S.11). Auf jeden Fall steht fest, dass das geistliche Tagelied sich bewusst der Motivik des Tagelieds bedient und sie christlich umdeutet, vergleichbar mit der Interpretation des Hoheliedes in der Bibelauslegung. Die biblischen Bezüge können jedoch sehr vielfältig oder auch nur punktuell sein. Die Bandbreite der Themen gehen von der Verkündigung der Geburt Christi bis zum Weltgericht. Trotzdem bleiben die Motive, wie bereits gesagt, dem weltlichen Tagelied sehr nahe: Auch hier gibt es oftmals ein Paar dem mit dem Morgenanbruch Gefahr droht, die Motivik die sich jedoch in fast jedem geistlichen Tagelied wiederfindet ist die des Erweckens. Der Wächter ist im geistlichen Tagelied fast noch wichtiger als im weltlichen.

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Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656879046
ISBN (Buch)
9783656879053
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287837
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Tagelied Frau Macht geistliches Tagelied weltliches Tagelied

Autor

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Titel: Die Macht der Frauen im Vergleich von weltlichem und geistlichem Tagelied