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Der Türkische Nationalismus. Aufstieg und Etablierung unter dem Komitee für Einheit und Fortschritt

Diplomarbeit 2013 98 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff Nationalismus

3 Die Lage im Osmanischen Reich bis zur Jungturkischen Revolution 1908
3.1 Religiose und ethnische Zusammensetzung des Osmanischen Reiches
3.2 Veranderungenim 19. Jahrhundert
3.3 Die Periode von 1856-1876
3.4 DieAra AbdulhamitII.(reg. 1876-1909)
3.5 Die Jungturkische Bewegung und die Entstehung der ITC
3.6 Die Jungturkische Revolutionvon 1908

4 Die Zweite Verfassungsperiode (ikinci Meşrutiyet Devri) 1908-1918
4.1 Hauptlinien der politischen Entwicklung
4.2 Der turkische Nationalismus in der Jungturkischen Ara
4.3 Der Panturkismus
4.4 Der turkische Nationalismus nach Ziya Gokalp (1875/76 - 1924)
4.5 Die nationalistischen Organisationen und die nationalistischen Presse
4.6 Die nationale Literaturstromung - Milli Edebiyat Akimi
4.7 Konflikte mit den Minderheiten

5 Die Turkische Unabhangigkeitsbewegung 1918-1923

6 Die Republik Turkei ab 1923 - Nationalismus als Staatsideologie

7 Zusammenfassung und Schlusswort

8 Literaturverzeichnis

9 Personen-undOrtsverzeichnis

10 Abkurzungsverzeichnis

11 Abstract

1 Einleitung

Im 19. Jahrhundert griff eine neue Ideologic, namlich der Nationalismus, in Europa um sich und veranderte die politische Landkarte Europas. Der Nationalismus entstand in Folge der Franzosischen Revolution von 1789 und erfasste aus Westeuropa kommend im Staatsgebiet des Osmanischen Reiches zuerst die christlichen Volker auf dem Balkan und fuhrte nach und nach zum Ausscheiden dieser Volksgruppen aus dem osmanischen Staatsverband. Die Versuche der Osmanen, das Reich durch diverse Reformen und Neuausrichtungen der Politik zusammenzuhalten, waren gegenuber der Dynamik der nationalistischen Bewegungen der verschiedenen Volker des Reiches ohne Wirkung und letztendlich kam es auch zur Entwicklung des turkischen Nationalismus unter der Ittihat ve Terakki Cemiyeti /ITC (Gesellschaft fur Einheit und Fortschritt), die von 1908 bis 1918 die osmanische Politik und die Gesellschaft bestimmte. In der folgenden Arbeit wird die Jungturkische Periode von 1908 bis 1918 und der Aufstieg und die Etablierung des turkischen Nationalismus beschrieben.

Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Definition des Begriffs Nationalismus. Nach einer kurzen Beschreibung der Situation der verschiedenen Religionsgemeinschaften im Osmanischen Reich bis zum Beginn der Tanzimatperiode (1839) werden die Veranderungen in der Tanzimatperiode beschrieben. Die Reformbewegungen zwischen 1856 und 1876 mit der Verkundung der Verfassung von 1876 werden ebenfalls kurz geschildert. Die Ara Abdulhamit II. (reg. 1876-1909), besonders die politische, soziale und wirtschaftliche Situation dieser Ara, die Entstehung der Jungturkischen Bewegung als Opposition gegen die Politik Abdulhamit II., die Herausbildung der ITC und eine kurze Beschreibung der Jungturkischen Revolution 1908, in deren Folge die Verfassung von 1876 wieder eingefuhrt wurde, schliefien den ersten Teil dieser Arbeit ab.

Im zweiten Teil dieser Arbeit, welcher auch der grofiere und genauer behandelte ist, wird auf die Zeit zwischen 1908 und 1918, in der die ITC die osmanische Politik bestimmte und der turkische Nationalismus, der nach 1913 zur Staatsdoktrin wurde, genauer eingegangen. Nach einer Darstellung der Hauptlinien der politischen Entwicklung wird die Ideologie des Panturkismus bzw. Turanismus, und das Leben und die theoretische nationalistische Ideologie des Ziya Gokalp genauer erlautert. Ebenfalls wird die Entwicklung der nationalistischen Organisationen und der nationalistischen Presse, so wie die der nationalistischen Literatur beschrieben. Ein kurzer Blick auf die Konflikte mit den Armeniern und den Arabern schliefit den Hauptteil dieser Diplomarbeit ab.

Abschliefiend wird die turkische Unabhangigkeitsbewegung zwischen 1918-1923 und die Rolle der ITC darin kurz behandelt. Aufierdem werden die Reformen zwischen 1923 und 1938 in der Republik Turkei im Spiegel des Nationalismuskonzepts von Ziya Gokalp kurz erwahnt.

Die Namen fur Personen, Parteien und andere Organisationen werden konsequent gemafi der modernen turkischen Orthografie geschrieben, ebenso wie die Ortsnamen. Bei Orten, deren Bezeichnungen in der osmanischen Zeit von den heutigen Namen abweichen, wird die heutige Bezeichnung entweder in Klammern oder in einer Fufinote erwahnt.

Folgende Buchstaben des turkischen Alphabets weichen in der Schreibung oder in der Aussprache vom Deutschen ab:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Turkische Ortsbezeichnungen, die normalerweise mit einem “i“ geschrieben werden mussten, werden konsequent gemafi der deutschen Orthografie geschrieben, wie z.B. Istanbul und Izmir. Personenbezeichnungen werden hingegen konsequent mit einem “i“ geschrieben.

Das Staatswesen wird bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 als Osmanisches Reich, vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Ausrufung der Republik am 29. Oktober 1923 als Turkei und ab diesem Zeitpunkt als Republik Turkei bezeichnet. Die Sprache wird ebenfalls bis 1918 als Osmanisch bzw. Osmanisch-Turkisch und nach 1918 als Turkisch bezeichnet. Die Ubersetzungen der wortlichen Zitate und anderer Stellen wurden durch Hilfenahme diverser Worterbucher von meiner Person vorgenommen.

2 Der Begriff Nationalismus

Bevor der Begriff Nationalismus definiert werden kann, sollte zwischen vier Begriffen unterschieden werden: Nationalitat, Nation, Nationalstaat und Nationalismus.[1] Der Begriff Nationalitat, wie es heutzutage fur gewohnlich verwendet wird, bezeichnet die Staatsangehorigkeit Die Nationalitat beinhaltet auch gewisse Eigenschaften, nach denen eine Gruppe von Menschen definiert wird. Diese Charakteristika sind der Glaube an eine gemeinsame Abstammung, gleiche Sprache, gleicher Siedlungsraum, gleiche Religion, gleiche Gewohnheiten und gleiche Traditionen. Eine solche Gruppe von Menschen, die die gleiche Nationalitat besitzen, wird als Nation bezeichnet. Die Mitglieder dieser Gruppe mussen nicht alle Eigenschaften der Nationalitat besitzen. Die Bevolkerung der Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnet sich auch als Nation, obwohl die Menschen verschiedene Abstammungen haben. Der Begriff Nationalstaat bezeichnet eine souverane politische und territoriale Einheit, in der diese Nation lebt. Bis ins 19. Jh. spielten Nationalstaaten keine Rolle. Die Staaten richteten sich entweder nach der Religion oder nach einer Dynastie. Die Idee eines Nationalstaates wurde zuerst in Westeuropa entwickelt und breitete sich danach uber ganz Europa aus. In jener Zeit entwickelte Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) eine Theorie, nach der das Individuum politisch am besten zur Geltung kame, wenn die Nation einen Nationalstaat formen wurde. Dieser Nationalstaat wurde auch die Charakteristika der Nationalitat fordern und schutzen.[2] Dieser Glaube forderte die Entwicklung des letzten Begriffs, des Nationalismus. Der Nationalismus entstand in Westeuropa als einer der Folgen der Franzosischen Revolution (1789). Er ersetzte die bisherige Loyalitat gegenuber einer Dynastie oder Religion und durch die Loyalitat gegenuber dem Nationalstaat. Er vermittelt auch, dass jede Nation einzig- und grofiartig ist und jede Nation eine historische Mission in der Welt zu erfullen hat. Der Nationalismus beinhaltet das Recht jeder Nation auf territoriale Selbstbestimmung, was den Anschein erweckt, dass sie eine aggressive Ideologie sei. Im Gegensatz steht der Patriotismus, der grundsatzlich defensiv eingestellt ist.[3]

3 Die Lage im Osmanischen Reich bis zur Jungturkischen Revolution 1908

3.1 Religiose und ethnische Zusammensetzung des Osmanischen Reiches

Anfang des 19. Jahrhunderts lebten innerhalb der Grenzen des Osmanischen Reiches sehr viele verschiedene Menschen unterschiedlicher Ethnien und Glaubensbekenntnisse mehr oder weniger friedlich nebeneinander.

Eine Besonderheit des Osmanischen Reiches war die Organisation der verschiedenen Religionsgemeinschaften und der Ethnien. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften waren gemafi dem Millet-System organisiert und genossen eine weitgehende Autonomie in religiosen Fragen. Der Begriff Millet kommt aus dem Arabischen (milla). Damit ist Religion, Religionsgemeinschaft oder Nation gemeint.[4] Das faktisch seit Mehmet II. (reg. 1444-1446 und 1451-1481) existierende System wurde erst im 19. Jahrhundert vollends ausgearbeitet und die verschiedenen Millet als juristische Personen anerkannt. Bis dahin waren zwar die Oberhaupter der verschiedenen Religionsgruppen Ansprechpartner des Sultans in religiosen Angelegenheiten. Von einer Autonomie oder Selbstverwaltung der Nichtmuslimischen Elemente des Osmanischen Reiches kann aber nicht bis zur Reformperiode ab 1839 nicht gesprochen werden.[5]. Das Amt des Fuhrung des Hahamba§i (Oberster Rabbiner) wurde zum Beispiel erst 1835 eingerichtet.[6] [7] Juden lebten vor allem in den Stadten, insbesondere in Saloniki. Juden und Christen waren Zimmis1, d.h. Schutzbefohlene des Sultans. Er sorgte fur ihre Sicherheit und gewahrleistete ihnen eine weitgehende Autonomie in Religionsfragen und als Gegenleistung mussten diese Gruppen eine Sondersteuer, namlich die Cizye[8] entrichten.[9]

Die staatstragende Religion war jedoch der Islam. Nichtmuslimen stand eine Karriere im Staat nicht zu. Die Annahme des Islam jedoch ermoglichte Konvertiten eine Karriere im Staat. Einige bedeutende Grofiwesire hatten in fruheren Jahren den Islam angenommen stiegen aufgrund ihres Talents in diese bedeutende Position. Uber dem gesamten osmanischen Konstrukt stand der Islam. Turken genossen keinerlei Privilegien gegenuber anderen Ethnien islamischen Glaubens. Oftmals wurden nicht-turkische Muslime im Staatsapparat eingesetzt. Die gebildete und belesene Schicht bezeichnete sich vielmehr als “Osmane“. Der Begriff „Turke“ wurde von den Osmanen vielmehr fur die turkischsprachige Landbevolkerung Anatoliens verwendet. In Europa jedoch waren mit dem Begriff „Turke“ allgemein Moslems im Osmanischen Reich gemeint und das Osmanische Reich wurde z.b. im Italienischen Turchia bezeichnet.[10]

Zusammengefasst kann folgendes gesagt werden: Es wurde zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen unterschieden. Staatsreligion war der Islam und fur Amter im Staat waren nur Muslime vorgesehen. Nicht-Muslime waren gemafi dem Millet-System organisiert und hatten weitgehende Autonomie in religiosen und kulturellen Fragen. Sie genossen zwar viele Rechte, waren aber den Moslems gegenuber nicht gleichgestellt. Dieses System sorgte fur ein mehr oder weniger friedliches Nebeneinander, in der der Staat wenig in die religiosen Belange der Nicht-Muslime eingriff. Ethnische Zugehorigkeit zwischen den Muslimen spielte keine Rolle, somit hatten Turken gegenuber anderen Muslimen, Albaner, Bosniaken, Kurden, Arabern u.a. keine Privilegien.

Die Kombination aus schlechter wirtschaftlicher Situation, schlecht funktionierender Verwaltung, religioser und kultureller Autonomie, dem Einfluss neuer Ideen und Weltanschauungen und dem Einfluss europaischer Machte losten dann im 19. Jahrhundert nationalistische Bewegungen der Balkanchristen[11]. Die Balkankriege und der Erste Weltkrieg, der unmittelbar mit diesen Entwicklungen zusammenhangt, begunstigten als Reaktion darauf die Entwicklung des turkischenNationalismus.[12]

3.2 Veranderungen im 19. Jahrhundert

Die Situation im Osmanische Reich anderte sich gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jh. Ideen und Konzepte der franzosischen Revolution wie Freiheit, Gleichheit und Bruderlichkeit und Begriffe wie Heimat und Nation wurden auch von den gebildeten Eliten des Reiches mit der Zeit aufgenommen. Ermoglicht wurde dies durch diplomatische

Kontakte, unter anderem in osmanischen Botschaften in Europa oder durch osmanische Studierende in Europa, aber auch durch europaische Lehrer und Ausbilder, die vom osmanischen Staat eingeladen wurden um bei der Organisation und Verwaltung neu geschaffener Schulen mitzuhelfen. Erste Modernisierungsversuche fanden unter Mahmut II. (reg. 1808-1839) statt. Er schaffte unter anderem die Janitscharen 1826 ab, um die Armee zu modernisieren. Die griechische Revolution, die von 1821 bis 1829 andauerte und mit der Unabhangigkeit Griechenlands endete, initiierte eine Reihe von weiteren Aufstanden und Erhebungen der christlichen Bevolkerung des Osmanischen Reiches.[13]

Die Bedrohung durch Mehmet Ali Pa§a (1769-1849), dem Gouverneur von Agypten, der 1839 die osmanischen Truppen in der Schlacht von Nizip[14] besiegte und die Existenz des Osmanischen Reiches gefahrdete, veranlasste die europaischen Machte, die Hohe Pforte zu unterstutzen.[15] Im gleichen Jahr wurde das Edikt von Gulhane verkundet. Das von Mustafa Re§it Pa§a (1800-1858)[16] initiierte und ausgearbeitete Edikt, das sogenannte Hatt-i §erif (das edle Schreiben) von Gulhane vom 3. November 1839[17] garantierte den Untertanen die Sicherheit ihres Lebens, Vermogens und ihrer Ehre. Des weiteren wurde eine Modernisierung des Steuerrechts und der Wehrpflicht beschlossen. Dieses Datum markiert den Beginn einer Phase, der in der Geschichtsschreibung als die „Tanzimatperiode“ bekannt ist.[18]

Viel wichtiger fur die Entwicklung der nationalistischen Bewegungen der christlichen Volker des Osmanischen Reiches war jedoch das Hatt-i Humayun (grofiherrliches Schreiben) von 18. Februar 1856[19], das tiefgreifende Reformen zur Folge hatte. Bei dessen Initiierung spielten die europaischen Machte, die das Osmanische Reich im Krimkrieg gegen Russland unterstutzt hatten, eine Rolle.[20] Das Millet-System, welches jahrhundertelang das Leben, die Rechte und die Pflichten der Nichtmuslime regelte und organisierte, wurde reformiert. Die europaischen Machte hatten mit Hilfe der Kapitulationen schon fruher die Funktion als Schutzmachte der Minderheiten ubernommen, zumeist nicht ohne Eigennutz. Mit diesem Edikt wurden alle Untertanen des Sultans, christliche, judische sowie muslimische, auf ein gleiches rechtliches Niveau gestellt. Der Zugang zu offentlichen Amtem war nun jedem offen. Der Militardienst stand nun auch Nichtmuslimen offen. Aufierdem wurde es Auslandern erlaubt, Grund im Osmanischen Reich zu erwerben und die Dardanellen und der Bosporus wurden fur die zivile Schifffahrt freigegeben. Dazu wurde die Folter abgeschafft.[21]

Das Hatt-i Humayun von 1856 war fur die christlichen Minderheiten des Osmanischen Reiches ein enormer Fortschritt. Sie wurden nun auf die gleiche Stufe wie Muslime gestellt und durften sich nunmehr ohne Einschrankungen am politischen und wirtschaftlichen Leben partizipieren. Andererseits nahm der auslandische Einfluss auf die osmanische Innenpolitik noch weiter zu und ermoglichte in manchen Bereichen der Politik und Wirtschaft direkte Einflussnahme.

3.3 Die Periode von 1856-1876

Die zunehmende nationalistische Tendenz in Europa und die Auflosungserscheinungen im Osmanischen Reich konnte der osmanischen Elite und den Intellektuellen nicht entgehen. Kontakt mit Europaern und europaischen Werten wie Nation, Heimat, Freiheit und Gleichheit forderte unter den Intellektuellen und den elitaren Schichten des Osmanischen Reiches die Entwicklung einer neuen Doktrin. Diese neue Doktrin, genannt Osmanlilik (Osmanismus) wonach alle Menschen im Reich ungeachtet der Religions- und Volkszugehorigkeit gleichwertige Untertanen des Sultans sein sollten und die gleichen Rechte und Pflichten geniefien sollten, hielt Einzug in das politische Denken der Elite.[22] Das Osmanische Reich sollte dadurch vor dem drohenden Zerfall gerettet werden. Diese neue Doktrin sah eine neue Art der Identifizierung mit dem Staat vor, anstelle des traditionellen Islam trat die Loyalitat gegenuber dem Osmanischen Vaterland und der herrschenden Dynastie.[23]

Eine neue Gruppe von Intellektuellen, die sogenannten Yeni Osmanlilar (Jungosmanen bzw. Neuosmanen), kampfte in den 60er und 70er Jahren fur die Verkundung einer Verfassung. Die Gruppe wurde 1865 durch eine Gruppe von sechs Beamten, die vor allem im Ubersetzungsburo der Hohen Pforte tatig waren, gegrundet. Einige fuhrende Mitglieder, wie zum Beispiel Namik Kemal (1840-1888)[24], leisteten Pionierarbeit bei der Entstehung des modernen Journalismus. Sie waren zumeist gebildete Intellektuelle, die in den neu errichteten Schulen erzogen wurden und von den Modernisierungsmafinahmen in Europa beeinflusst waren, aber dennoch ihre osmanische Identitat behielten. Gegenspieler der Jungosmanen waren fuhrende Staatsmanner der damaligen Zeit wie Mehmet Emin Ali Pa§a (1815-1871)[25] oder Fuat Pa§a (1814-1869)[26]. Die Gruppe nannte sich bei ihrer Grundung Ittifak-i Hamiyyet (Patriotische Allianz). Sie war wie ahnliche Formierungen in Europa, zum Beispiel der Carbonari in Italien, lose organisiert. Ab 1867 bekamen die Jungosmanen Unterstutzung von Mustafa Fazil Pa§a (1829-1875), einem in Ungnade gefallenen Bruder des Agyptischen Khediven Ismail (1830-1895)[27]. Zur gleichen Zeit geriet die Gruppe wegen ihrer Kritik an der Regime und ihrer Unterstutzung durch Mustafa Fazil Pa§a unter steigendem Druck seitens der osmanischen Regierung. Die Jungosmanen wurden aus der Hauptstadt Istanbul verbannt und fanden Zuflucht bei Mustafa Fazil Pa§a in Paris. Von dort aus fuhrten sie ihre Kampagnen gegen Fuat und Mehmet Emin Ali Pa§a durch die Publikation zahlreicher Zeitungen fort. Die Mitglieder der Jungosmanen teilten zum Teil unterschiedliche Auffassungen. Einig waren sie sich in dem Punkt, dass eine Verfassung verkundet werden sollte. Namik Kemal galt als pro-europaisch und liberal. Ziya Pa§a (1829-1880)[28] galt als konservativ und als Monarchist, Ali Suavi (1839-1878)[29] hatte panislamische Tendenzen. Namik Kemal versuchte sogar zu erklaren, dass sogenannte „europaische“ Ideen wie Liberalismus, Konstitutionalismus oder Parlamentarismus keineswegs der osmanischen Tradition fremd waren, sogar in der fruhen Geschichte des Islam zu finden seien. Die Jungosmanen pragten auch Begriffe wie Millet (Nation)[30], Vatan (Heimat) und Hurriyet (Freiheit), die dann Einzug in den politischen Diskurs im Osmanischen Reich hielten. Nach dem Tode Fuat Pa§as (1869) und Mehmet Emin Ali Pa§as (1871) kehrten fast alle Jungosmanen ins Osmanische Reich zuruck. Ihre journalistische Tatigkeit brachte sie immer wieder in Schwierigkeiten mit den Behorden. 1873 wurde das patriotische Theaterstuck Vatan yahud Silistre (Vaterland oder Silistra) aufgefuhrt. Dieses Stuck provozierte eine sehr patriotische Stimmung im Publikum.[31] Diese patriotische Stimmung griff bald auf Teile der Bevolkerung und veranlasste die osmanische Staatsfuhrung, viele Jungosmanen wieder ins Exil zu schicken.[32] Ihre Bedeutung lag vor allem im journalistischen Bereich, weil sie den modernen Journalismus im Osmanischen Reich begrundeten. Die Jungturken (Jonturkler), die sich ab etwa 1889 in den Militarakademien zusammenschlossen und fur die Wiedereinfuhrung der Verfassung von 1876 und gegen die Alleinherrschaft Abdulhamit II. kampften, liefien sich zum Beispiel von Namik Kemal inspirieren.[33]

Einer der bedeutendsten Staatsmanner dieser Zeit war Ahmet Midhat Pa§a (1822-1884)[34], der 1822 in Istanbul geboren wurde und eine Karriere als Beamter einschlug. Unter anderem war er ab 1861 Gouverneur (Vali) in der osmanischen Eyalet[35] Nisch[36]. Seine Erfolge in dieser Provinz hatten zur Folge, dass ihm spater auch das Eyalet Prizren unterstellt wurde. Auf Geheifi von Grofiwesir Fuat Pasa wurde er 1864 nach Istanbul berufen, um die Neustrukturierung des Provinzialsystems auszuarbeiten. Das nach dem franzosischen Vorbild installierte Vilayet-System (Provinzialsystem)[37] wurde 1864 verkundet. Midhat Pa§a wurde sogleich zum ersten Gouverneur des neuen Donau-Vilayets ernannt (die Eyalets Silistra, Vidin und Nisch wurden zusammengefugt). In den folgenden Jahren fuhrte er in seinem neuen Vilayet viele Reformen durch und seine Erfolge hatten zur Folge, dass das Vilayet-System fur das gesamte Territorium des Osmanischen Reiches adaptiert wurde. Eine weitere Bedeutung von Midhat Pa§a liegt in seiner Rolle bei der Verkundung der Verfassung von 1876. Er spielte bei der Absetzung von Sultan Abdulaziz (reg. 1861-1876) und Sultan Murat V. (reg. 1876) eine wichtige Rolle und sorgte fur die Inthronisierung von Abdulhamit II. (reg. 1876-1909) am 31. August 1876.[38] Als Gegenleistung sollte Abdulhamit II. die Verfassung verkunden, was auch am 23. Dezember 1876 geschah. Spater uberwarf er sich mit Sultan Abdulhamit II. und wurde am 28. Juni 1881 zu Tode verurteilt, die Todesstrafe wurde dann auf lebenslanglich umgewandelt und er wurde nach Taif (im heutigen Saudi-Arabien) exiliert, wo er 1884 von den Schergen Abdulhamit II. ermordet wurde.[39] In der Periode von 1856 und 1876 wurden viele wichtige Reformen eingeleitet, die mit der Verkundung der Verfassung von 1876 gekront wurden.[40]

3.4 Die Ara Abdulhamit II. (reg. 1876-1909)

Um die Entstehung und Entwicklung der[41] Jungturkischen Bewegung verstehen zu konnen, ist ein Blick auf die politischen Ereignisse, die wirtschaftliche Situation und die soziale Lage der Ara Abdulhamit II. notwendig.

Abdulhamit II. kam 1876 nach einem doppelten Staatsstreich, in dessen Folge sein Onkel Abdulaziz und sein Bruder Murat V. entthront wurden, zur Macht. Im gleichen Jahr brach die Balkankrise aus, als Serbien und Montenegro dem Osmanischen Reich den Krieg erklarten und in Bulgarien ein Aufstand losbrach. Eine international Konferenz mit den Botschaftern der wichtigsten europaischen Machte wurde nach Istanbul einberufen um die Lage auf dem Balkan zu erortern. Kurz vor Beginn der Verhandlungen wurde die Verfassung und die Einfuhrung eines parlamentarischen Systems am 23. Dezember 1876 verkundet. Die Verfassung sollte den christlichen undjudischen Minderheiten mehr Rechte garantieren und eine politische Gleichberechtigung sichern. Die Macht lag aber immer noch in den Handen des Sultans, er allein konnte Gesetzesinitiativen vorschlagen und das Parlamentjederzeit auflosen.[42]

Aufienpolitisch uberschlugen sich in den nachsten Jahren die Ereignisse. Das Osmanische Reich lehnte das Londoner Protokoll vom Fruhjahr 1877 zur Losung der Balkankrise ab, weil es eine zu weitgehende Einmischung der europaischen Machte und Russlands zur Folge gehabt hatte. Als Folge erklarte Russland im April 1877 dem Osmanischen Reich den Krieg, welcher mit einer katastrophalen Niederlage des Osmanischen Reiches endete. Die Russen standen vor den Toren der Hauptstadt Istanbul. Im Marz 1878 musste die Hohe Pforte dem Vertrag von San Stefano[43] zustimmen. Gemafi diesem Vertrag hatte das Osmanische Reich nahezu alle europaischen Gebiete verloren. Dieser Vertrag und seine Folgen gefahrdetenjedoch die Interessen der europaischen Machte. Sie befurchteten einen zu grofien Einfluss Russlands im Vorderen Orient. Im Berliner Kongress 1878 erreichte der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) ein Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessen der Grofimachte. Die Folgen fur das Osmanische Reich waren dennoch dramatisch. Serbien, Rumanien und Montenegro schieden endgultig aus dem osmanischen Staatsverband aus. Das Donau-Vilayet wurde in das Furstentum Bulgarien umgewandelt und blieb dem Osmanischen Reich tributpflichtig. Im Suden wurde das neue Vilayet Ostrumelien zu einer Provinz mit Sonderstatus, der Gouverneur sollte ein Christ sein. Fur die Armenier in Ostanatolien war auch eine Selbstverwaltung vorgesehen, diese wurde jedoch nie verwirklicht. Die Provinzen im Nordosten Anatoliens, Kars, Batum und Ardahan kamen an Russland. Thessalien und Teile von Sudepirus wurden an das Konigreich Griechenland angegliedert. Bosnien und Herzegowina und der Sandschak Novipazar wurden von Osterreich-Ungarn okkupiert, verblieben jedoch formal im osmanischen Staatsverband. Zypern wurde an Grofibritannien abgetreten. Das einst so machtige Osmanische Reich war zum ,,Kranken Mann am Bosporus“[44] geworden.[45]

Das Parlament wurde im Februar 1878, kurz nach dem Verlust Edirnes (Adrianopel) an die Russen, aufgelost. Die nachsten 30 Jahre regierte Abdulhamit II. faktisch absolutistisch, beliefi jedoch formal die konstitutionelle Monarchie. 1881 wurde Tunesien von Frankreich und 1882 Agypten von Grofibritannien okkupiert, wobei Agypten formal bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch unter osmanischer Oberhoheit stand. Bulgarien wurde 1885 faktisch vereinigt. Der Furst von Bulgarien, Alexander von Battenberg ubernahm in Personalunion den Amt des Valis in Ostrumelien. Damit erreichten die Bulgaren de facto die langersehnte Vereinigung. Ein anderes grofies Problemfeld war Kreta, wo die Beschlusse des Berliner Kongresses der christlichen Mehrheit entgegenkamen. Der Anschluss an Griechenland war das erklarte Ziel der Griechen auf der Insel. 1888 kam es zu einem Aufstand der Griechen, der bald zu burgerkriegsahnlichen Zustanden fuhrte. 1897 fuhrte das Eingreifen Griechenlands zum Krieg mit dem Osmanischen Reich, in dessen Folge die griechischen Truppen schwer geschlagen wurden. Dieser Sieg konnte jedoch nicht ausgenutzt werden, weil auf die europaischen Machte Rucksicht genommen werden musste. Die Grenzen mit Griechenland wurden kaum verandert. Kreta bekam einen griechischen Prinzen als Generalkommissar statt einen vom Sultan ernannten Vali. Die osmanischen Truppen mussten zuruckgezogen werden. De facto kam Kreta zu Griechenland. Nicht einmal ein militarischer Sieg konnte das Schrumpfen des osmanischen Staatsgebietes verhindern.[46]

Ein weiterer Unruheherd war Mazedonien. Hier lebten verschiedene Nationalitaten zumeist unter turkischen Grofigrundbesitzern. Serbien, Bulgarien und Griechenland stellten Anspruche auf dieses Gebiet. Es bildeten sich verschiedene Banden, die die Bevolkerung terrorisierten. Die von der Hohen Pforte eingesetzte Gendarmerie, die weitgehend aus Albanem bestand, nutzte wenig.[47] Die von Osterreich-Ungarn und dem Russischen Reich beschlossenen MaBnahmen von Murzsteg[48] von 2.-3. Oktober 1903 zur Beruhigung der Lage in Mazedonien spielte bei der Herausbildung der Osmanli Hurriyet Cemiyeti (Osmanische Gesellschaft fur Freiheit)[49], die letztendlich fur die Revolution von 1908 verantwortlich war, eine entscheidende Rolle.[50]

Die Armenier, die jahrhundertelang friedlich neben der islamischen Bevolkerung gelebt hatten und als „Millet-i Sadika“[51] galten, wurden ebenfalls vom Ideengut des Nationalisms erfasst. Sie waren damit nicht einverstanden, dass die Bestimmungen des Berliner Vertrags bezuglich des Sonderstatus der Armenier im Osmanischen Reich nicht in die Tat umgesetzt wurden. Die nationale Bewegung der Armenier wurde von einem Revolutionskomitee geleitet und von Armeniern in den von Russland besetzten Gebieten ostlich des Osmanischen Reiches unterstutzt. Diese Gebiete der Armenier waren als Folge des russisch-persischen Krieges von 1826-28 an Russland gefallen. Die Gewalttaten fanden zumeist in Ostanatolien zwischen Armeniern und muslimischen Kurden und Turken statt.[52] Die Situation eskalierte 1894 in der ostanatolischen Gegend um Sasun. Bei ZusammenstoBen zwischen Armeniern und osmanischen Truppen, die von irregularen kurdischen Kampfern, der sogenannten Hamidiye Alaylari (Hamidiye Kavallerie)[53] unterstutzt wurden, fielen bei Massaker zahlreiche Armenier zum Opfer.[54] Bei einer Demonstration der Armenier 1895 in Istanbul wurden zahlreiche Armenier getotet. Ein Uberfall armenischer Terroristen der Daschnakzutjun[55] auf die Osmanli Bankasi (Osmanische Bank) in Istanbul[56] und ein gescheiterter Attentatsversuch auf den Sultan 1905 hatten schwerwiegende Konsequenzen fur die armenische Bevolkerung. Der armenische Terrorisms vertiefte die Kluft zwischen den Armeniern und der muslimischen Bevolkerung.[57]

Die standigen Niederlagen und der damit verbundene Ruckzug des Osmanischen Reiches vor allem aus Europa und der Benachteiligung der muslimischen Bevolkerung durch die europaischen Grofimachte bei diversen Verhandlungen und Vertragen fuhrte zu einer anti- westlichen, fremdenfeindlichen Stimmung unter der muslimischen Bevolkerung im Osmanischen Reich. Weitere Grande fur diese Stimmung waren folgende: Einerseits wurden die Forderungen der christlichen Volker immer aggressiver, andererseits gerieten Muslime im Kaukasus unter die Herrschaft der Russen. Muslime auf der ganzen Welt wurden von christlichen Europaern unterdruckt und Hilfegesuche von Muslimen aus aller Welt erreichten das Osmanische Reich. Abdulhamit II. galt ja pro forma immer noch als Kalif aller Muslime. Diese Entwicklung forcierte eine neue Ausrichtung der osmanischen Politik: Die muslimischen Elemente im Staat wurden gestarkt und der Islam als zusammenhaltender Faktor des Osmanischen Reiches betrachtet. Diese neue Ausrichtung der Politik wurde als Islamcilik (Panislamismus) bezeichnet.[58]

Abdulhamit II. war vom Werk des islamischen Reformators Al-Afghani (1839-1897)[59] beeinflusst und war von ihm inspiriert. Eine andere Ausrichtung der osmanischen Politik unter Abdulhamit II. war der vorhin erwahnte Osmanismus, der gegenuber den Nationalismen der einzelnen Volker des Reiches das Zusammengehorigkeitsgefuhl aller osmanischer Staatsburger fordern sollte.[60]

Die zunehmenden Kontakte mit den muslimischen, turksprachigen Volker Zentralasiens und des Russischen Reiches und die zunehmende Kenntnis und das Bewusstsein fur die eigene turkische Geschichte, die uber die osmanische Ara hinausging und die Zeit vor dem Islam auch mit einschloss, forderte ein Gefuhl der Zusammengehorigkeit zwischen diesen Volkern und den Turken im Osmanischen Reich. Dieses Gefuhl wurde durch die Eroberungen der Russen, Chinesen und Englander in diesen turksprachigen Regionen Zentralasiens verstarkt. Die vom Osmanischen Reich ausgesprochene Solidaritat und die Unterstutzungsgesuche von diesen Volkern an das Osmanische Reich beruhten aber in erster Linie auf religiose Grunde.[61]

Abdulhamit II. hatte eine sehr misstrauische Natur. Deshalb liefi er alle ihm politisch verdachtig erscheinende Personen bespitzeln.[62] Die Presse unter Abdulhamit II. unterlag strenger Zensur und beschrankte sich infolge dessen auf andere Schwerpunkte. Berichterstattung und Diskurs uber innenpolitische Themen waren unerwunscht und von der Zensur betroffen. Stattdessen erschienen in den Zeitschriften und Zeitungen Artikel uber internationale Geschehnisse, Ubersetzungen von europaischen Publikationen, vor allem literarische Ubersetzungen, oder auch Berichte uber wissenschaftliche und technologische Errungenschaften und Entdeckungen, an denen es gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht mangelte. Westliche Ideen fanden also auch in dieser Zeit den Weg in die Gedankenwelten der osmanischen Intellektuellen und Eliten. Die hohen Auflagen der Zeitschriften und Zeitungen bewirkten, dass fast alle gebildeten Eliten Zugang zu diesen Informationen hatten. Aufierdem erschienen viele Berichte uber die osmanische Geschichte und Kultur, vor allem aber uber die Sprache und Literatur und hier vor allem uber den arabischen Einfluss auf die osmanische Literatur. Spater wurde Berichte mit thematischer Nahe zu heiklen politischen Themen, wie zum Beispiel dem Nationalisms, auch von der Zensur erfasst.[63]

Die Finanzen des Osmanischen Reiches befanden sich beim Amtsantritt Abdulhamit II. in einem desolaten Zustand. Der Staatsbankrott 1875 hatte Abdulaziz den Thron gekostet. Die Grunde fur die Wirtschaftskrise waren vielfaltig. Der verschwenderische Umgang mit Auslandsanleihen, die seit 1854 bei Frankreich und England aufgenommen wurden, die Modernisierungsmafinahmen in allen Bereichen des offentlichen Lebens, z.B. im Militarwesen, und die standigen kriegerischen Auseinandersetzungen waren nur einige dieser Grunde. 1881 wurde zur Losung der Finanzmisere eine internationale Staatsschuldenverwaltung eingerichtet. Gemafi dieser Comission de la Dette Publique Ottomane oder Duyun-i Umumiye Komisyonu (offentliche osmanische Schuldenverwaltung)[64] trat die Hohe Pforte fur die Umschuldung wichtige Steuereinkunfte wie das Stempelrecht, die Steuer auf Spiritus und Seide, Abgaben aus der Fischerei und das Salz- und Tabakmonopol durch das sogenannte Muharrem-Dekret an europaische Glaubiger ab. Durch diese Mafinahme wurden die Finanzen einigermafien saniert. Der Preis dafur war aber recht hoch, die Abhangigkeit des Osmanischen Reiches vom europaischen Kapital war faktisch uneingeschrankt. Jedoch war das europaische Kapital fur die Modernisierung des Wirtschaftslebens sehr bedeutsam. Es wurde viel in die Erschliefiung von Bodenschatzen, Entwicklung der Landwirtschaft und in die Infrastruktur investiert. Die Erlaubnis fur die Errichtung der Bagdadbahn wurde der Deutschen Bank zugeteilt. Hier war die personliche Neigung des Sultans zum Deutschen Reich ein wichtiger Faktor. Die Deutschen spielten generell bei der Modernisierung und Neuausrustung der Armee eine grofie Rolle. Es ist zu erwahnen, dass die wirtschaftliche Durchdringung des osmanischen Marktes in erster Linie den Interessen der europaischen Markte entsprach. Der osmanische Markt wurde mit Billigwaren aus Europa uberschwemmt und Rohstoffe wurden nach Europa exportiert.[65]

Zusammengefasst kann folgendes gesagt werden. Die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in der Ara Abdulhamit II. hatte zweifelsohne grofie Auswirkungen bei der Entstehung der Jungturkischen Bewegung, die sich zuerst als lose Organisation gegen Abdulhamit II. formierte und fur seine Entthronisierung und fur die Verkundung der Verfassung von 1876 eintrat und spater nach der Revolution 1908 eine zunehmend nationalistische Linie in vielen Bereichen des politischen, sozialen und kulturellen Lebens verfolgte. Die standigen militarischen Niederlagen, der dauernde Ruckzug des Osmanischen Reiches und die totale Kontrolle der Wirtschaftspolitik durch die europaischen Machte, die zunehmend aggressiven Forderungen der christlichen Minderheiten des Osmanischen Staates forderten bei den Muslimen eine anti-europaische, christen- und fremdenfeindliche Stimmung. Dies begunstigte auf jeden Fall die Entwicklung des turkischen Nationalismus als Antwort auf diese Umstande. In den nachsten zwei Kapiteln wird die Entwicklung der Jungturkischen Opposition gegen Abdulhamit II. und die Jungturkische Revolution von 1908 kurz beschrieben.

3.5 Die Jungturkische Bewegung und die Entstehung der iTC

Die Jungturkische Bewegung entstand gegen[66] Ende des 19. Jahrhunderts als Opposition gegen die Alleinherrschaft Abdulhamit II. und forderte die Wiedereinfuhrung der konstitutionellen Monarchie. Der Name hat europaische Vorbilder, wie z.B. Junges Italien (ital. Giovane Italia) oder Junges Deutschland. Es ist jedoch zu erwahnen, dass diese Bewegung keine einheitliche Ideologie vertrat, sondern nur in dem Punkt einig war, dass der absolutistischen Herrschaft Abdulhamit II. ein Ende gesetzt und die Verfassung von 1876 wieder eingefuhrt werden sollte. Von einer Bewegung mit einer homogenen

politischen Ideologic und einem Zentrum, von dem aus die Bewegung gesteuert und gelenkt wurde, kann keine Rede sein. In ihren Reihen waren Liberale genauso vorhanden wie Nationalisten oder Islamisten.[67]

Am 2. Juni 1889[68] grundeten Studierende der Mekteb-i Tibbiye-yi Askeriye (Militararztliche Akademie) in Istanbul eine revolutionare Organisation mit dem Namen Ittihad-i Osmani Cemiyeti (Komitee fur die Osmanische Einheit)[69] um Abdulhamit II. vom Thron zu stofien und die Verfassung wiedereinzufuhren. Der Grunder dieser Organisation war Ibrahim Temo (1865-1939)[70], ein geburtiger Albaner. Er und ishak Sukuti (1868- 1903)[71], Qerkez Mehmet Re§it (1872-1919)[72] und Abdullah Cevdet (1869-1932)[73] bildeten den Kern dieser Organisation, die bald mehr und mehr Schuler der Militarakademien anzog.[74]

Die Organisation war ahnlich wie die Carbonari in Italien aufgebaut und nach Zellen mit wenigen Mitgliedern organisiert, wonach alle Mitglieder eine Nummer hatten und von anderen nur aufgrund dieser Nummer erkannt wurden. Ibrahim Temo hatte z.B. die Nummer 1/1, d.h. erstes Mitglied der ersten Zelle.[75]

Interessant ist die Tatsache, dass die vier Grunder keine ethnischen Turken waren, Temo war wie oben erwahnt ein Albaner, Mehmet Re§it Tscherkesse und Ishak Sukuti und Abdullah Cevdet Kurden.[76]

Mehmet Talat (1874-1921)[77], ein Post- und Telegrafenbeamter und spaterer Innenminister und Grofiwesir, wurde ebenfalls in der Anfangszeit in diese Organisation aufgenommen und verblieb darin als einer der wenigen bis zu ihrem Ende. Die Bewegung breitete sich innerhalb der Militararztlichen Akademie immer mehr aus und schwappte bald auf andere Hochschulen und Militarakademien uber. Trager der Bewegung waren anfangs meistjunge Offiziersanwarter und andere Akademiker, die in westlich orientierten Schulen ausgebildet wurden, vor allem in den Militarschulen, die von den Deutschen in der Ara von

Abdulhamit II. eingerichtet wurden.[78]

Die ersten Grander der Organisation waren von den Werken der jungosmanischen Literaten inspiriert, hier vor allem von Namik Kemal, §inasi (1826-1871)[79] und Ziya Pa§a. Abdulhamit II. bekam erst 1892 Wind von der Sache, und seine halbherzigen Mafinahmen gefahrdeten nicht die Existenz dieser Organisation. Danach breitete sich die Bewegung auch aufierhalb der Schulen und ergriff Burokraten und Beamte. [80]

Einige der Mitglieder gingen nach Paris, wo sie auf einige Oppositionelle, wie zum Beispiel Halil Ghanem (1846-1903)[81], einen christlichen Syrer aus dem Libanon, oder Ahmet Riza (1859-1930)[82], einen ehemaligen Beamten im osmanischen Dienst, trafen. Halil Ghanem hatte in Paris die Zeitung La Jeune Turquie (Die junge Turkei) gegrundet. Gemeinsam mit Ahmet Riza grundeten sie 1895 die turkischsprachige Zeitung Meyveret (Beratung, Konsultation), die spater zum offiziellen Organ der Gesellschaft fur Einheit und Fortschritt wurde.[83]

Die Organisation nannte sich mittlerweile Ittihat ve Terakki Cemiyeti (Gesellschaft fur Einheit und Fortschritt). Sie leitete ihren Namen vom Motto der Zeitschrift Me§veret, namlich Intizam ve Terakki (Ordnung und Fortschritt), ab.[84]

Abdulhamit II. bekampfte die Oppositionellen im Reich weiterhin und viele Jungturken verliefien das Land und setzten sich nach Europa ab, unter ihnen Abdullah Cevdet und Ishak Sukuti. Mizanci Mehmet Murat (1853-1917)[85] ein Geschichtslehrer an der Mekteb-i Mulkiye[86] verliefi ebenfalls das Land und setzte sich nach Agypten ab und grundete die Zeitung Mizan (Waage, Gleichgewicht).[87] Er wurde zu einem der Fuhrer der Jungturkischen Bewegung.[88]

Ein Staatsstreich 1896 wurde kurz vor deren Durchfuhrung aufgedeckt und viele hochrangige Burokraten und Beamte wurden ins Exil geschickt. Die Putschisten hatten sich des Hochverrates schuldig gemacht, aber trotzdem sah Abdulhamit II. von einer in diesen Fallen ublichen Todesstrafe ab und schickte diese in verschiedene Gebiete des Osmanischen Reiches ins Exil. Damit konnten die oppositionellen Jungturken ihre Ideen und Ansichten im Reich weiter ausbreiten.[89]

Nach diesem Schlag gegen die oppositionellen Bewegung in Istanbul konzentrierte sich die Bewegung wieder im Ausland. Die Zeitung Mizan von Murat spielte hier eine grofie Rolle. Die Jungturken konzentrierten sich in Stadten wie Paris und Genf.[90]

Im Mai 1897 wurde das Hauptquartier der Gesellschaft von Istanbul nach Genf verlegt. Bald zeigten sich Gegensatze zwischen Ahmet Riza und Murat, die auf verschiedenen Weltanschauungen basierten. Ahmet Riza galt als Anhanger des Positivismus und war wegen seiner sturen Art unbeliebt. Dagegen galt Murat als Panislamist und genoss grofies Ansehen in der Gesellschaft.[91]

Der Sultan beauftragte zu dieser Zeit Agenten, um oppositionelle Dissidenten zu einer Ruckkehr zu uberreden und sie mit einem Amt zu belohnen. Murat liefi sich uberreden und kehrte 1897 nach Istanbul zuruck und arrangierte sich mit Abdulhamit II. und die Jungturkische Bewegung erlitt einen herben Schlag, weil sich weitere Jungturken mit dem Sultan versohnten und mit verschiedenen Amtern belohnt wurden, z. B. ubernahmen Abdullah Cevdet und Ishak Sukuti Botschafterposten in Wien und Rom.[92] Die Gesellschaft brach im Osmanischen Reich vollig zusammen und stand am Rande der Auflosung. Nur wenige, wie z.B. Ahmet Riza, versuchten die Gesellschaft noch am Leben zu erhalten und die oppositionelle Politik gegen Abdulhamit II. fortzusetzen.[93]

Nach 1897 existierte die Bewegung nur aufgrund von Ahmet Riza weiter,[94] andere Oppositionelle arrangierten sich mit Abdulhamit II. und bekamen verschiedene Posten. Die Situation anderte sich nach der Flucht eines Mitgliedes der Herrscherfamilie aus Istanbul im Jahr 1899. Damat Mahmut Celalettin Pa§a (1853-1903)[95], ein Angehoriger des Sultansfamilie, der mit der jungeren Schwester von Abdulhamit II. Seniha Sultan verheiratet war,[96] floh mit seinen beiden Sohnen, von denen Prinz Sabahattin (1877-1948)[97] spater noch eine wichtige Rolle spielen sollte, nach Paris und nahm Kontakt mit Ahmet

Riza auf und sorgte fur eine Wiederbelebung der Jungturkischen Bewegung.[98]

Der Kongress von 4.-9. Februar 1902 in Paris[99], bei dem oppositionelle Gruppen zusammenkamen, um eine gemeinsame Politik gegen Abdulhamit II. zu definieren, endete mit einem Zerwurfnis zwischen Prinz Sabahattin, der die Sitzung gefuhrt hatte, und Ahmet Riza, der auch am Kongress teilnahm. Sabahattin stand fur eine Osmanische Konfoderation, in der alle Nationalitaten weitgehende Autonomie haben und durch Loyalitat zum Sultan zusammengehalten werden sollten. Er stand auch fur eine Intervention der europaischen Machte zur Klarung dieser Frage. Prinz Sabahattin war liberaler eingestellt als Ahmet Riza. Er liefi sich in seiner Ideologie vom franzosischen Sozialhistoriker Edmond Demolins (1853-1907) beeinflussen.[100] Er sollte bis 1918 eine oppositionelle Politik gegenuber der ITC verfolgen.[101] Auf der anderen Seite stand Ahmet Riza, der fur eine turkisch-nationalistische Linie stand und strikt gegen aufiere Einmischung durch die fremden Machte war. Er war der Meinung, dass die europaischen Machte fur viele Probleme und die Zwietracht zwischen den verschiedenen Volkern im Osmanischen Reich verantwortlich waren. Diese nationalistische Linie von ihm sollte spater bei der Revolution 1908 eine tragende Rolle spielen.[102]

1903 wurde ein Putschversuch gegen Abdulhamit II. geplant, wurde jedoch kurzfristig abgeblasen. Damit wird deutlich, dass beim Kongress in Paris die Absetzung von Abdulhamit II. und Wiedereinfuhrung der Verfassung von 1876, notfalls mit Waffengewalt, beschlossen wurde. Funf Jahre spater wurde dieser Plan auch in die Tat umgesetzt.[103]

Im September 1906 wurde in Salonika die Osmanli Hurriyet Cemiyeti (Osmanische Gesellschaft fur Freiheit)[104] mit dem Ziel gegrundet, die Verfassung von 1876 notfalls mit Gewalt wieder einzufuhren. Einige der Grundungsmitglieder waren der oben erwahnte Mehmet Talat, Mustafa Rahmi [Evranos] (1874-1947)[105], Midhat §ukru [Bleda] (1874- 1957)[106] und Ismail Canbolat (1880-1926)[107]. Soldaten, vor allem junge Offiziere der

Dritten Armee[108], waren genauso beteiligt wie Zivilisten. Spater traten einige Mitglieder der Organisation Vatan ve Hurriyet (Vaterland und Freiheit) dazu. Diese Organisation wurde 1905 in Damaskus gegrundet, unter anderem von Mustafa Kemal [Ataturk] (1881- 1938)[109]. Mustafa Kemal hatte 1906 in Saloniki eine weitere Zweigstelle dieser Organisation eingerichtet.[110] In Rumelien wurden neben dem Hauptquartier in Saloniki, in weiteren mazedonischen Stadten wie Manastir[111], Vodina[112], Skutari[113], Drama[114] und Edirne weitere Zentren dieser Gesellschaft eingerichtet. Junge Offiziere wie Enver, der spatere Kriegsminister Enver Pa§a (1881-1922)[115], Eyup Sabri [Akgol] (1876-1950)[116] oder Ahmet Cemal, der spatere Cemal Pa§a (1872-1922)[117], die spater noch eine wichtige Rolle spielen sollten, leiteten diese Zentralen. Im September 1907 kamen die beiden Gruppen aus Paris und Saloniki zusammen und anderten den Namen der Gesellschaft zuerst auf Terakki ve ittihat Cemiyeti [118] und dann spater auf Ittihat ve Terakki Cemiyeti / ITC (Gesellschaft oder Komitee fur Einheit und Fortschritt) um.[119]

Das Zentrum der Gesellschaft und ihre oppositionellen Aktivitaten verlagerten sich ins Osmanische Reich. Die Mitglieder der ITC in Saloniki agierten weitgehend unabhangig von der Gruppe in Paris.[120]

Ausschlaggebend fur den Ausbruch der Revolution von Juli 1908 war das Treffen des Konigs von Grofibritannien und des Zaren von Russland vom 8. - 10. Juni 1908 in Reval[121]. Es ging in Saloniki, wo die ITC ihr Zentrum hatte, das Gerucht um, dass sich die beiden Grofimachte uber eine Teilung des Osmanischen Reiches geeinigt hatten.[122]

Zur genaueren Auseinandersetzung mit der Entwicklung der Jungturkischen Bewegung in Zeit zwischen 1902 und 1908 sei auf folgendes Werk hingewiesen: Hanioglu, Mehmet §ukru: Preparation for a Revolution - The Young Turks 1902-1908, Oxford University Press, Oxford, 2002.

[...]


[1] Vgl. Haddad, William W.: “Nationalism in the Ottoman Empire”, in: Haddad, William W. and Ochsenwald, William (eds.): Nationalism in a Non-National State: The Dissolution of the Ottoman Empire, Ohio State University Press, Columbus, 1977, [in der Folge: Haddad (1977)], S.7.

[2] Zur politischen Philosophie Rousseaus siehe auch: Fetscher, Iring: Rousseauspolitische Philosophie: zur Geschichte des demokratischen Freiheitsbegriffs, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1999.

[3] Vgl. Haddad (1977): S.7ff., zum Thema Nationalismus siehe auch: Anderson, Bennedict: Die Erfindung der Nation: zur Karriere eines folgenreichen Konzepts, ubersetzt von Munz, Christoph und Burkard, Benedikt, Campus Verlag, Frankfurt am Main, 2005.

[4] Vgl. El2, VII, s.v. “Millet“, (Ursinus, M.O.H.).

[5] Siehe dazu: Braude, Benjamin: “Foundation Myths of the Millet System”, in Braude, Benjamin and Lewis, Bernard (eds.): Christians and Jews in the Ottoman Empire - The Functioning of a Plural Society, vol. 1 The Central Lands, Holmes & Meier Publishers, New York, London, 1982, S.69-89.

[6] Encyclopedia of Jews in the Islamic World s.v. “Haham Ba$i“ (Levy, A.), http://referenceworks.brillonline.com/entries/encvclopedia-of-iews-in-the-islamic-world/haham-bas- chief-rabbi-COM 0008940, 29.10.2012.

[7] 1 EI2, II, s.v. “Dhimma“, (Chehata, C.).

[8] EI2, II, s.v. “Djizya“, (Inalcik, H.).

[9] Vgl. Karpat, Kemal: An inquiry into socialfoundations of nationalism in the Ottoman statefrom social estates to classes,from millets to nations, Princeton University, Princeton, 1913, S.31-40.

[10] Zum Begriff „Turk“ siehe: Kushner, David: The Rise ofTurkish Nationalism 1876-1908, Billing & Sons Ltd, Guildford, London, Worchester, 1977, [in der Folge: Kushner (1977)], S.20-26.

[11] Vgl. Haddad (1977): S.11-12.

[12] Vgl. Haddad (1977): S.16.

[13] Vgl. Lewis, Bernard: The Emergence of Modern Turkey, Oxford University Pr., London, New York [u.a], 1961, [inder Folge: Lewis (1961)], S. 53-103.

[14] Liegt in der Provinz Gaziantep im Sudosten der Republik Turkei.

[15] Vgl. Lewis (1961): S.104-105.

[16] El2, VIII, s.v. “ReshTd Pasha, Mustafa“, (Zurcher, E.).

[17] Lewis (1961): S.105.

[18] Vgl. Kushner (1977): S.3 und Lewis (1961): S.105.

[19] Lewis (1961): S.114.

[20] Vgl. Lewis (1961): S.113-114.

[21] Vgl. El2, X, s.v. “TanzTmat”, (Davison, R.).

[22] Davison, Roderic: “Nationalism as an Ottoman Problem and the Ottoman Response”, in: Haddad, William W. and Ochsenwald, William (eds.): Nationalism in a Non-National State: The Dissolution of the OttomanEmpire, Ohio StateUniversity Press, Columbus, 1977, S.39.

[23] Vgl. Kushner (1977): S.7.

[24] El2, IV, s.v. “Kemal, Mehmed, Namik“, (Tansel, F.).

[25] E/2, I, s.v.“‘Al! Pasha Muhammad AmTn“, (Bowen, H.).

[26] E/2, II, s.v. “Fuad Pasha“, (Davison, R.).

[27] E/2, IV, s.v. “Isma'Tl Pasha“, (Vatikiotis, P.).

[28] E/2, XI, s.v. “Ziya Pasha“, (Ambros, E.).

[29] E/2, IX, s.v. “Su'awT, ‘al!“, (Halman, T.).

[30] Zur Bedeutung von millet siehe Kapitel 3.1.

[31] Vgl. Kushner (1977): S.54.

[32] Vgl. Lewis (1961):155.

[33] Vgl. El2, XI, s.v. “Yeni ‘othmanlilar“, (Zurcher, E.) und Alkan, Necmettin: Mutlakiyetten Meqrutiyete: II. Abdulhamid ve Jonturkler, Selis Kitaplar, Istanbul, 2009, [in der Folge: Alkan (2009)], S.105-106.

[34] EI2, VI, s.v. “Midhat Pasha”, (Davison, R.H.).

[35] EI2, II, s.v. “Eyalet“, (inalcik, H.).

[36] Turk. Ni§

[37] EJ2, II, s.v. “Eyalet“, (Inalcik, H.).

[38] Alkan(2009): S.317.

[39] Vgl. EI2, VI, s.v. “Midhat Pasha”, (Davison, R.).

[40] Zur genaueren Auseinandersetzung mit dieser Ara sei auf dieses Werk hingewiesen: Davison, Roderic H.: Reform in the Ottoman Empire - 1856-1876, Princeton University Press, Princeton, 1963.

[41] Zur Ara Abdulhamit II. konnte das 5-bandige Werk von Hulagu, Mehmet Metin [Hrsg.]: Devr-i Hamid, Erciyes Universitesi Yayinlari, Kayseri, 2011, aufgrund der zu spaten Verfugbarkeit des Werkes nicht mehr herangezogen werden.

[42] Vgl. Matuz, Josef: Das Osmanische Reich - Grundlinien seiner Geschichte, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt,1985, [inderFolge: Matuz (1985)], S.232-237.

[43] Heute Yeşilkoy, damals hauptsachlich von Griechen bewohnt, heute befindet sich dort ein Flughafen.

[44] Dieser Begriff wurde zum ersten Mal von russischen Zar Nikolaus I. in den 1850ern gepragt.

[45] Vgl. Matuz (1985): S.238-240.

[46] Vgl. Matuz (1985): S.240-244.

[47] Vgl. Matuz (1985): S.244.

[48] Liegt nordlich von Graz.

[49] Siehe dazu spater Kapitel 3.5 Die Jungturkische Bewegung und die Entstehung und Etablierung der Ittihat ve Terakki Cemiyeti / ITC (Gesellschaft fur Einheit und Fortschritt).

[50] Vgl. Alkan(2009):S.139-146.

[51] Haddad (1977): S.15, deutsch: das loyale Millet.

[52] Vgl. Zurcher, Erik Jan: The Unionist Factor: the Role of the Committee ofUnion and Progress in the Turkish National Movement, Brill, Leiden, 1984, [in der Folge: Zurcher (1984)], S.15.

[53] Siehe zu diesen sogenannten Hamidiye Alaylari: Olson, Robert: TheEmergence ofKurdish Nationalism and the Sheikh SaidRebellion 1880-1925, University of Texas Press, Austin, 1989, [in der Folge: Olson (1989)], S.7-15.

[54] Vgl. Olson(1989): S.9-10.

[55] Siehe: http://www.arfd.info/ (05.November 2012), vollstandiger Name: Haj Heghapochagan Dashnakzutjun (deutsch Armenische Revolutionare Foderation).

[56] Ahmad, Feroz: Geschichte der Turkei, ubersetzt von Darius, Beate, Magnus Verlag, Essen, 2005, [in der Folge: Ahmad (2005)], S.61-62.

[57] Vgl. Matuz (1985): S.244-245.

[58] Vgl. Kushner (1977): S.4.

[59] EI2,II, s.v. “Djamal al-DTn al-Afghan!“, (Goldziher, I.).

[60] Vgl. Matuz (1985): S.241.

[61] Vgl. Kushner (1977): S.42.

[62] Matuz (1985): S.240.

[63] Vgl. Kushner (1977) S.14-15, siehe auch: Kudret, Cevdet: Abdulhamit devrinde sansur, Milliyet Yayinlari, Istanbul, 1977.

[64] TDVIA, Bd.10, s.v. “Duyun-i Umumiyye“, (Kufuk, C. und Ertuzun, T.).

[65] Vgl. Matuz (1985): S.245-248.

[66] Ittihat ve Terakki Cemiyeti (Gesellschaft fur Einheit und Fortschritt).

[67] Vgl. Alkan (2009): S.104undS.108-113.

[68] Hanioglu, Mehmet §ukru: The Young Turks in Opposition, Oxford University Press, Oxford [u.a], 1995, [in der Folge: Hanioglu (1995)], S.71.

[69] Zurcher(1984): S.13.

[70] TDVIA, Bd.21, s.v. “Ibrahim Temo“, (Hanioglu, M.).

[71] El2, IV, s.v. “Ishak Sukut!“ (Ed.).

[72] Zu ihm konnte keine Quelle gefunden werden.

[73] TDVIA, Bd.1, s.v. “Abdullah Cevdet“, (Hanioglu, M.).

[74] Vgl. Edmonson Ramsaur Jr., Ernest: The Young Turks: Prelude to the Revolution of1908, Khayats,

Beyrut, 1965, [in der Folge: Edmonson Ramsaur (1965)], S.14-16 und Hanioglu (1995): S.71-72.

[75] Vgl. Alkan (2009): S.72 und Hanioglu (1995): S.72.

[76] Vgl. Lewis (1961): S.193.

[77] TDVIA, Bd.39, s.v. “Talat Paşa“, (Hanioglu, M.).

[78] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.17-18.

[79] El2, IX, s.v. “ShinasT“, (Halman, T.).

[80] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.19-21.

[81] El2, IV, s.v. “KhalTl Ghanim“, (Kedourie, E.).

[82] TDVlA, Bd.1, s.v. “Ahmed Riza“, (Ebuzziya, Z.).

[83] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.21-24.

[84] Vgl. Zurcher (1984): S.14.

[85] TDVlA, Bd.30, s.v. “Mizanci Murad“, (Ufman, A.).

[86] An dieser Akademie mit Sitz in Istanbul (spater in Ankara) wurden/werden zukunftige Staatsbeamte ausgebildet.

[87] Vgl. Zurcher (1984): S.16 und Hanioglu (1995): S.79.

[88] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.26-28.

[89] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.30-34 und Hanioglu (1995):S.84-86.

[90] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.35 und Hanioglu (1995): S.90-101.

[91] Vgl.EdmonsonRamsaur(1965): S.37-40.

[92] Vgl. Zurcher(1984): S.16.

[93] Vgl.EdmonsonRamsaur(1965): S.46-51.

[94] Vgl. Hanioglu (1995): S.110-119.

[95] Zu ihm konnte keine Quelle gefunden werden.

[96] Vgl. EP, VIII, s.v. “Sabah al-Dm“, (Zurcher, E.).

[97] EP, VIII, s.v. “Sabah al-Drn“, (Zurcher, E.).

[98] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.52-63.

[99] Alkan(2009): S.119.

[100] Vgl. Zurcher (1984): S.17.

[101] Vgl. EP, VIII, s.v. “Sabah al-Dm“ (Zurcher, E.) und Alkan (2009): S.119-120.

[102] Vgl. Edmonson Ramsaur (1965): S.66-73 und S.93, zum Inhalt des Kongresses siehe: Hanioglu (1995): S.173-199.

[103] Vgl. Alkan (2009): S.122.

[104] Zurcher (1984): S.38.

[105] Zu ihm konnte keine Quelle gefunden werden.

[106] Fur seine Lebensdaten siehe Ahmad, Feroz: The Young Turks: The Comittee ofUnion andProgress in Turkishpolitics, 1908-1914, Clarendon Press, Oxford, 1969, [in der Folge: Ahmad (1969)], S.179.

[107] Zu ihm konnte keine Quelle gefunden werden.

[108] Alkan (2009): S.123.

[109] TDViA, Bd.31, s.v. “ Mustafa Kemal Ataturk“, (Turan, §.).

[110] Vgl. Zurcher (1984): S.33 und S.39. Zur Rolle von Mustafa Kemal [Ataturk] spater mehr.

[111] Bitola, im im heutigen Mazedonien / FYROM.

[112] Edessa, im heutigen Griechenland.

[113] Shkodra bzw. Shkoder im heutigen Albanien.

[114] Liegt im heutigen Griechenland.

[115] El2, II s.v. “Enwer Pasha“, (Rustow, D.).

[116] Fur seine Lebensdaten siehe Ahmad (1969): S.178.

[117] TDViA, Bd.7, s.v. “Cemal Paşa“, (Hanioglu, M.).

[118] Zurcher (1984): S.41.

[119] Vgl. Zurcher (1984): S.37-42.

[120] Vgl. Lewis (1961): S.202.

[121] Hauptstadt von Estland.

[122] Vgl. Zurcher (1984): S.43.

Details

Seiten
98
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656879619
ISBN (Buch)
9783656879626
Dateigröße
885 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287812
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Orientalistik
Note
2
Schlagworte
Türkischer Nationalismus Komitee für Einheit und Fortschritt Ziya Gökalp Milli Edebiyat Akimi Jungtürken

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Titel: Der Türkische Nationalismus. Aufstieg und Etablierung unter dem Komitee für Einheit und Fortschritt