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Die Informationsstruktur in der japanischen Sprache

Optimierung für den Informationsaustausch zwischen Sprecher und Hörer

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 28 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Japanisch. Allgemeine Charakteristik.

3. Informationsstruktur der japanischen Sprache
3.1. Fokus-Hintergrund-Struktur
3.1.1. Informationsfokus
3.1.2. Korrekturfokus
3.1.3. Selektiver Fokus
3.1.4. Multiple Foki
3.2. Topik-Hintergrund-Struktur im Japanischen

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Kommunikation wir oft als ein Prozess beschrieben, der darin Besteht, dass ständig verschiedene Informationen ausgetauscht werden. Um den Informationsaustausch für Sprecher und Hörer zu optimieren, hat jede Sprache ein Werkzeug entwickelt und zwar: Informationsstruktur. Nach Musan (2010:1) kommt die Informationsstruktur dadurch zustande, „dass Sprecher (oder allgemeiner Produzenten, denn die Verhältnisse sind in gesprochener und geschriebener Sprache ähnlich) ihre Äußerungen an ihre eigenen Kommunikationsziele sowie auch an den Informationsstand einer Hörers (oder allgemeiner: Rezipienten) anpassen.“ Die Äußerung wird in Bezug auf informationsstrukturelle Dimensionen: Gegebenheit, Fokus, Topik angepasst, welche verschiedene Funktionen haben.

Diese Dimensionen spiegeln sich in den sprachlichen Mitteln wieder, zu denen ein Sprecher greift, damit die Kommunikation gelingt. Jede Sprache hat eigene Mittel zum Ausdruck informationsstruktureller Dimensionen: Dabei kommen prosodische, morphologische und syntaktische Mittel oder eine Kombination sprachlicher Mittel aus verschiedenen Sprachebenen zum Einsatz.

In dieser Arbeit wird die Informationsstruktur des Japanischen analysiert. Als Grundlage tritt eine empirische Untersuchung auf, die im Rahmen des Seminars Dimensionen der Informationsstruktur durchgeführt wurde. Im Seminar wurde ein umfangreicher Fragebogen zur Erhebung informationsstruktureller Daten erstellt. Dieser Fragebogen umfasst vier Themenkomplexe:

persönliche Daten,

Grundstrukturen der Sprache

Fokusmarkierung

Topikmarkierung.

Dieser Fragebogen wurde in der Arbeitsgruppe weiter entwickelt und der Muttersprachlerin angeboten.

Die Informantin, Fr. Joshika Okamatsu, ist 27 Jahre alt, kommt aus Japan, aus Chiba. Ihre Muttersprache ist Japanisch, und zwar Standardvarietät.

Der Aufbau der vorliegenden Arbeit entspricht der Struktur des Fragebogens.

Nach einer kurzen Einleitung wird in Kapitel 2 ein kurzer Überblick über die Grundstrukturen des Japanischen gegeben.

In Kapitel 3 werden die Resultate der empirischen Untersuchung zur Informationsstruktur im Japanischen vorgestellt. Dabei wird in Punkt 3.1 die Fokus-Hintergrund-Struktur des Japanischen ausführlich behandelt und in Punkt 3.2 geht es um die Topik-Kommentar-Struktur des Japanischen.

In der Zusammenfassung werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit aufgelistet. Es wird auch unter anderem auf die Fragen und Problemfälle eingegangen, die im Laufe der Arbeit nicht gelöst werden konnten und ein Untersuchungsfeld für weitere Arbeiten bieten.

2. Japanisch. Allgemeine Charakteristik.

Japanisch ist Muttersprache für 130 Millionen Menschen und zählt zu den am häufigsten gesprochenen Sprachen der Welt. Japanisch wird vorwiegend in Japan gesprochen, ist aber auch als Zweitsprache in Südkorea und einigen Teilen Chinas verbreitet. Kleinere Sprechergemeinschaften gibt es in Amerika.

In Japan ist Japanisch die Amtssprache, hat aber mehrere Dialekte, die sich stark von der Standardsprache unterscheiden. Heutzutage werden die Dialekte von der Standardsprache verdrängt und verlieren immer mehr an Bedeutung.

In seinem Aufsatz diskutiert Masayoshi Shibatani (1990: 89ff) die Frage, ob Japanisch eine einzigartige Sprache ist.

Für die Einmaligkeit dieser Sprache spricht laut Shibatani (1990) vor allem die Tatsache, dass Japanisch mit keiner anderen Sprache oder Sprachfamilie genetisch verwandt ist, im Vergleich zu indogermanischen Sprachen, die sich aus einer Ursprache herleiten lassen und auf solche Weise genetisch verwandt sind.

Die Frage, wo Japanisch seinen Ursprung nimmt, bleibt bis heute umstritten. Die Tatsache, dass Japanisch Gemeinsamkeiten mit dem Koreanischen und altaischen Sprachen aufweist, plädieren einige Sprachforschen dafür, dass Japanisch und Koreanisch auf eine gemeinsame Protosprache zurückgehen. Diese Hypothese kann aber nicht durch sprachliche Belege untermauert werden, weil die ersten erhaltenen japanischen Sprachzeugnisse aus dem 8.Jahrhundert stammen. Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen aus früheren Perioden, die Licht in den Ursprung des Japanischen bringen würden.

Die Auffassung des Japanischen als einer unikalen Sprache führt Shibatani (1990) auf die eurozentrische Perspektive in der Linguistik zurück, die Japanisch mit europäischen Sprache vergleicht. Werden aber mehrere Sprachen aus verschiedenen Sprachfamilien in Betracht gezogen, erweist sich Japanisch als eine typische menschliche Sprache, die den anderen Sprachen ähnlich ist.

Demzufolge kann Japanisch nicht als eine unikale Sprache bezeichnet werden.

Des Weiteren wird auf phonologische, morphologische, syntaktische Merkmale des Japanischen eingegangen und grafologische Eigenheiten werden skizziert.

Im Vergleich zum Chinesischen ist die japanische Standardsprache keine Tonsprache. Dabei muss man zugeben, dass Dialekte des Japanischen von Shibatani (1990) als Tonsprachen behandelt werden, in denen die Tonhöhe einzelner Silben festgelegt und bedeutungsunterscheidend ist.

Japanisch ist eine Sprache, für die ein melodischer Akzent (Pitch) charakteristisch ist, der durch eine Tonhöhenmodulation realisiert wird. Die Tonhöhe bezieht sich auf die Silben, bzw. Moren:

More wird von Hadumod Bußman (2008, S.453) wie folgt definiert: „More: phonologische Maßeinheit für eine kurze Silbe, die aus einem kurzen Vokal und höchstens einem Konsonanten besteht.“

Eine More im Japanische entweder hoch (H) oder tief (T) sein. Alle japanischen Wörter können laut Schaffar (2003: 55) aufgrund des Akzents in zwei Gruppen aufgeteilt werden:

Wörter, in denen der Ort des Akzents lexikalisch festgelegt wird

unakzentuierte Wörter, in denen kein Akzent auftritt.

Bei den akzentuierten Wörtern unterschiedet man zwischen drei Akzentmustern:

(Beispiele aus Hinds 1988: 412)

fallender Akzent, z.B.: U-so (lügen) - H-T

steigender Akzent, z.B. oSHIERU (lehren) - T-H-H-H

steigend-fallender Akzent: suBARASHIi (wunderbar) - T-H-H-H-T

Der Pitch-Akzent ist im Japanischen ein distinktives Merkmal und unterscheidet homogene Wörter voneinander (Beispiel aus Schaffar 2003:55):

Die Veränderung der Wortform und Kombination mit anderen Einheiten innerhalb einer Phrase kann zur Verschiebung des Pitchs führen. (Hinds 1988: 412-416).

In dieser Hinsicht stellt sich die Frage, welche phonologischen Veränderungen bei bestimmten syntaktischen Strukturen möglich sind. Diese Frage wird von Sprachforschern diskutiert, bleibt aber umstritten. Eine weitere Frage, die für die vorliegende Arbeit zentral ist, bezieht sich auf die prosodische Markierung der informationsstrukturellen Einheiten.

Laut Schaffar (2003) ist ein Zusammenhang zwischen den japanischen phonologischen Effekten und der Fokusmarkierung offensichtlich und wird dadurch realisiert, dass fokussierte Konstituente durch einen höheren Ton hervorgehoben werden.

Man kann also festhalten, dass eine kontrastiv fokussierte Konstituente unabhängig von ihrer Position im Satz durch einen Pitch-Akzent markiert werden kann. Prosodische Markierung unterschiedlicher Fokustypen ergibt sich in diesem Zusammenhang als ein wichtiger Untersuchungsgegenstand und wird in der vorliegenden Arbeit analysiert.

Vom Standpunkt der Morphologie ist Japanisch eine agglutinierende Sprache. Das bedeutet, dass einzelne Morpheme aneinander agglutiniert oder zusammengeklebt werden und dass man dementsprechend morphologisch gebildete Wörter in ihre ursprünglichen Bestandteile zerlegen kann.

Es gibt mehrere grammatische Klassifikationen der Wortarten im Japanischen, die verschiedene Klassifikationsmerkmale in den Vordergrund stellen. Die vorliegende Arbeit orientiert sich an der syntaktisch-morphologische Klassifikation (Kindaichi, Yamada, Tokieda, Sakuma). In dieser Klassifikation werden zehn Wortarten ausgegliedert, wobei acht von denen syntaktisch unabhängige Wortarten und zwei syntaktisch abhängige Wortklassen darstellen. Zu den unabhängigen Wortarten zählen: Substantive, Pronomen, Adjektive, nominale Adjektive, Verben, Adverben, Konjunktionen und Interjektionen. Abhängige Wortklassen sind Auxiliare und Postpositionen. (vgl. Hinds 1988:171)

Substantive haben kein grammatisches Genus (Geschlecht), keine Artikel. Pluralforen werden mit Hilfe von Pluralpartikeln gebildet. Die entsprechenden Kasusformen werden gebildet, indem eine Postposition (Kasuspartikel) an das Substantiv agglutiniert wird.

Postpositionen werden im Japanischen nicht flektiert und haben verschiedene Funktionen. Im Folgenden werden die Funktionen der Postpositionen erläutert, die besonders oft vorkommen und für die vorliegende Untersuchungsarbeit relevant sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Japanische Verben werden flektiert: In den Zeitformen der Gegenwart enden Verben auf -u, in den Formen der Vergangenheit auf -ta. Im Japanischen gibt es keine mit Futur vergleichbare Zeitform, die Bedeutung der Zukunft wird durch andere Konstruktionen wiedergegeben, z.B. Verb+tsumori+Kopula drückt ein festes Vorhaben aus.

Das Morphem -masu hat eine honorative Bedeutung, in der Umgangssprache kann -masu weggelassen werden.

Japanisch ist eine SOV-Sprache, das bedeutet, dass das Prädikat in der Regel am Ende des Satzes steht und auf der Phrasenebene der Kopf der Phrase die finale Position einnimmt.

In diesen Beispielen steht das Prädikat am Ende des Satzes, das Genitivattribut (kanojo-no) und das Demonstrativpronomen (sono) stehen vor den Nomen.

Das japanische Schriftsystem ist komplex und besteht aus vier Einheiten:

den Kanji, der chinesischen logografischen Schrift, die lexikalische Morpheme ausdrückt;

der Morenschrift Hiragana , die oft für grammatische Formen verwendet wird;

der Morenschrift Katakana, die für Fremdwörter gebraucht wird;

den Romaji, den lateinischen Buchstaben.

Des Weiteren ist für das Japanische ein ausgebautes System der Höflichkeitsebenen (Honirativsystem) charakteristisch, in diesem Zusammenhang wird auch zwischen einer Männersprache und einer Frauensprache unterschieden. Dem Ausdruck der Höflichkeit dienen morphologische und lexikalische Mittel.

3. Informationsstruktur der japanischen Sprache

In diesem Kapitel wird die Informationsstruktur des Japanischen detailliert behandelt. Textbasis bilden sowohl die Ergebnisse der empirischen Untersuchung als auch wissenschaftliche Aufsätze von Kuno, Schaffar und Hinds.

Dabei werden folgende Dimensionen der Informationsstruktur in Betracht gezogen: Fokus-Hintergrund-Struktur (Kapitel 3.1) und Topik-Kommentar-Struktur (Kapitel 3.2).

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Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656880011
ISBN (Buch)
9783656880028
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287795
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,3
Schlagworte
Japanisch Informationsstruktur Topik Fokus

Autor

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Titel: Die Informationsstruktur in der japanischen Sprache