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Das Genre der Dokusoap. Die Sendung 'Frauentausch'

Seminararbeit 2004 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Reality TV und Dokusoap
1.1 Definition
1.2 Geschichte

2 Inszenierungsstrategien der Dokusoap
2.1 Personalisierung
2.2 Emotionalisierung
2.3 Intimisierung
2.4 Stereotypisierung
2.5 Dramatisierung

3 Vorstellung des Formats „Frauentausch“
3.1 Inhalt
3.2 Quoten
3.3 Pressestimmen
3.4 Anwendung der Inszenierungsstrategien auf eine Folge des Formats „Frauentausch“
3.5 Nutzungsmotive speziell bei „Frauentausch“
3.6 Charakterisierung der Rezipienten
3.7 Ausblick auf ähnliche Sendungen

4 Schluss

5 Literaturangaben

Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Genre der Dokusoap, einem Hybridgenre des Reality TV. Um die Art dieses Genres anschaulich darzustellen, wird beispielhaft eine Folge der deutschen Dokusoap „Frauentausch“ herangezogen. Anhand dieser Folge werden die einzelnen Inszenierungsstrategien aufgezeigt, die charakteristisch für Dokusoaps sind. Außerdem werden die Rezipienten vorgestellt und es wird ein Blick in die Zukunft des Genres versucht.

1 Reality TV und Dokusoap

Betrachtet man das Fernsehprogramm in Deutschland im Jahre 2004, werden einem häufig Genrebezeichnungen wie Reality TV, oder Dokusoap ins Auge springen. Bei den öffentlich rechtlichen etwas weniger, bei den Privaten ziemlich häufig. Hinter diesen Namen verbergen sich Sendungen, in denen Menschen „wie Du und ich“ die Hauptrolle einnehmen und bei mehr oder weniger alltäglichen Handlungen gefilmt werden. Die Absicht hierbei ist „Authentizität“ herzustellen, in dem man das „wahre“ Leben mit all seinen Höhen und Tiefen von „echten“ Menschen aufzeigt. In wie weit alles wirklich real ist, kann der Zuschauer natürlich nicht wissen, ihm soll aber vermittelt werden, dass die Akteure keine Schauspieler sind und die Handlung nicht per Drehbuch bestimmt wird.

1.1 Definition

Reality TV

Elisabeth Klaus und Stefanie Lücke (Klaus/Lücke, 2003) definieren Reality TV folgendermaßen: „Die Collage aus nicht-fiktionalen und fiktionalen Bestandteilen, die Hinwendung zu alltäglicheren, der Lebenswelt der Zuschauerinnen und Zuschauer entnommenen Themen und damit einhergehend die emotionale Darstellung des Privaten und Intimen in der Öffentlichkeit gehören zu den wesentlichen Merkmalen des Reality TV.“[1]

Dokusoap

Die Dokusoap kann als Hybridgenre des Reality TV verstanden werden. Ein Hybridgenre wird laut Klaus/Lücke, 2003 definiert als ein „Genre, welches unterschiedliche Genres zu einer neuen Gattung vereint.“[2] Eine Sendung mit der Bezeichnung Dokusoap bedeutet dementsprechend eine Mischung aus fiktionalen Teilen - der Serie - und non-fiktionalen Teilen - der Dokumentation.

1.2 Geschichte

Reality TV

Die Geschichte des Reality TV beginnt (vgl. Klaus/Lücke, 2003) bereits Ende der 40 Jahre in den USA, als der amerikanische TV-Pionier Allen Funt mit „Candid Camera“ 1948 auf Sendung geht und versteckte Kameras auf die Opfer von Scherzsituationen richten lässt. Das Original läuft 42 Jahre lang. Im Jahre 1967 wird als erste Reality TV Sendung des deutschen Fernsehen „Aktenzeichen XY...ungelöst“ (ZDF) ausgestrahlt und bis heute gesendet. Hier werden echte Verbrechen nachgestellt und der Zuschauer wird am Ende um sachdienliche Hinweise gebeten. Ab 1988 kommt es zu einem regelrechtem Reality TV Boom in den USA, was man daran erkennen konnte, dass drei große Fernsehanstalten 10 Stunden ihrer Sendezeit mit unterschiedlichsten Reality TV Sendungen füllten z.B. ‚Cops affair’, „America´s most wanted“, „Rescue 911“ oder „Top Cops“. Die erste Reality Show auf einem deutschen Privatsender geht 1992 mit „Notruf“(RTL) auf Sendung. Von Hans Meiser produziert und moderiert, werden hier echte Unglücksfälle mit den wirklichen Opfern nachgestellt.

Dokusoap

Laut Klaus/Lücke, 2003 wurde die erste Dokusoap wurde Anfang der 70 er Jahre in den USA entwickelt. Das erste Fernsehexperiment dieser Art ging im Jahre 1972 auf Sendung, als ein Kamerateam in den USA sieben Monate lang eine Familie bei ihren alltäglichen Aktivitäten begleitete. Dies führte zu kontroversen Diskussionen über die Auswirkung der Kamerapräsenz, da sich die Eltern während der Dreharbeiten trennten.

Die erste Serie in Deutschland dieser Art ging von 1990 bis 2000 mit den „Fußbroichs“ (WDR) auf Sendung, für die die Regisseurin Ute Dehl 1992 den Adolf Grimme Preis in Bronze verliehen bekam.

Ein richtiger Docu Boom kam Mitte der 90 er Jahre aus Großbritannien, wo 1998, 75 verschiedene Docu Soaps ausgestrahlt wurden. In Deutschland wurden Anfang des neuen Jahrtausends enorm viele ausländische Formate importiert z.B. „The Cruise“ wurde in „Das Clubschiff“ umgesetzt, oder „Driving school“ wurde gleich zweimal als „Die Fahrschule“ und „You drive me crazy“ ausgestrahlt.

Bis Mitte 2001 entstanden sowohl bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten wie auch bei den Privatsendern 46 weitere Docu Soaps.

2 Inszenierungsstrategien der Dokusoap

(Die folgenden Inszenierungsstrategien werden alle nach Klaus/Lücke, 2003 definiert.)

2.1 Personalisierung

Unter Personalisierung wird die Bedeutung von Personen für ein Ereignis oder einen Geschehensablauf verstanden. Diese Inszenierungsstrategie bietet dem Rezipienten die Möglichkeit zur Identifikation oder Empathie mit den Akteuren. Außerdem wird so der Zuschauer besser in das Geschehen involviert. Ein anderer Grund, warum sie eingesetzt wird ist der, dass Information auf diese Weise spannender erscheinen und die Geschichte so glaubwürdiger wirkt.

Ein Problem für die Protagonisten entsteht dadurch, dass sie nur so lange interessant sind, wie sie sich in, für den Zuschauer spannenden Lagen, befinden. Hinzu kommt, dass das Reality TV keine Kontexte zeigen will, weil es oft nicht informieren, sondern nur unterhalten will. So werden, um beispielsweise von einem Zugunglück spannender zu berichten, Opfer und Hinterbliebene befragt. Kaum ist die Nachricht aber bei der Menge ‚verdaut’, interessiert sich das Fernsehen nicht mehr für das Leid der Opfer.

2.2 Emotionalisierung

Durch das Stilmittel der Emotionalisierung soll die Wirkung der Personalisierung noch weiter verstärkt und der Zuschauer somit besser in das Geschehen involviert werden.

Filmische Mittel, die hierfür verwendet werden sind unter anderem der Cliffhanger am Ende einer Sendung oder vor einer Werbepause, um die Neugier des Zuschauers zu wecken. Außerdem werden Szenen schnell zusammengeschnitten, um die Sendung actionreicher zu gestalten. Zusätzlich wird die geschickte Frage- und Kommentiertechnik des Moderators eingesetzt, um im Zuschauer Sympathien oder Antipathien gegenüber den Akteuren zu wecken. Hinzu kommen akustischen Zusätzen wie Musik, die die momentane Stimmung unterstützt. Beliebt sind auch Großaufnahmen und Zooms in die Gesichter der Handelnden, um deren Emotionen gut einzufangen. Weiterhin werden dramatische Szenen wiederholt, um den emotionalen Charakter der Geschichte zu verstärken.

[...]


[1] Klaus, Lü>

[2] ebd., S. 196

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Titel: Das Genre der Dokusoap. Die Sendung 'Frauentausch'