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Planspiele als Unterrichtsmethode der politischen Bildung

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Bildung: Ihre Entstehungsgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland
2.1. Ziele der politischen Bildung

3. Methoden des Unterrichts
3.1. Gestaltungsprinzipien: Problem- und Handlungsorientierter Unterricht

4. Planspiele als Unterrichtsmethode
4.1. Planspiele der Politischen Bildung
4.2. Lernebenen des Planspiels
4.3. Chancen und Grenzen eines Planspiels

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Es ist die wichtigste Kunst des Lehrers, die Freude am Schaffen und am Erkennen zu erwecken“

(Seelig Hrsg 2005:29, zit. n. Albert Einstein)

Bereits Albert Einstein (1879 – 1955) erkannte die Notwendigkeit, Wissensvermittlung nicht nur auf starre Methoden der Übermittlung zu verschränken. Im alltäglichen Politikunterricht herrschen überwiegend die altehrwürdigen Unterrichtsmethoden. Neben dem Einpauken von Fachwissen stellt die Lehrperson meist eine Quelle zur Verfügung, um eine mögliche Diskussion anzuregen. Zum Ende der Stunde werden die Lernenden zu einer Stellungnahme aufgefordert und die wichtigsten Erkenntnisse werden an der Tafel festgehalten. Diese Vorgehensweise bietet keinen Spielraum um eine spielerisch und vor allem sinnliche Auseinandersetzung mit einem Thema zu gewährleisten (vgl. Janssen 2007: 5 – 7).

Die Kompetenzen der Politischen Bildung, welche die politische Wissenskompetenz, methodische Fähigkeiten und die politische Urteils- und Handlungsfähigkeit umfasst, können nicht durch diese einseitigen Vermittlungsmethoden erzielt werden. Es stellt sich im Kontext dieser Thematik die Frage, wie sich der Politikunterricht methodisch und didaktisch kompetenzorientiert gestalten lassen kann. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einer dieser Methoden für die Erreichung der Lernziele der Politischen Bildung. Es scheint mir aus gesellschaftlicher Relevanz heraus wichtig, sich mit dieser Methode auseinander zu setzten. Um in einer Demokratie erfolgreich und nachhaltig handeln zu können, gebraucht es einen verantwortungsvollen und aktiven Mitbürger. Das Ziel der Mündigkeit, welches an oberster Stelle der Politischen Bildung anzusiedeln ist, kann nicht durch starre Vermittlungsmethoden erzielt werden. Es kommt auf die tatkräftigen Werte wie Eigenständigkeit und der Einsatz von Initiative an, um politisch urteilen und später daraus handeln zu können (vgl. Backhaus, Moeling, Rosenkranz 2008: 56). Um diese zu schulen und Interesse entstehen zu lassen, scheint mir die Methode des Planspiels am geeignetsten. Ich möchte mich im Folgenden auf die Erkenntnisse verschiedener Politikdidaktiker stützen. Sibylle Reinhardt und Dirk Lange sind mit ihren Werken überwiegend in meiner Arbeit vertreten. Jedoch finden sich auch andere Klassiker wieder, welche im Literaturverzeichnis aufgelistet sind. Ich möchte diese Arbeit mit der Entstehungsgeschichte der Politischen Bildung in Deutschland beginnen und im weiteren Verlauf, die Ziele abhandeln zu können.

Im nächsten Kapitel möchte ich mich mit Unterrichtsmethoden beschäftigen, welche im Sinne der Politischen Bildung vertretbar sind und den handlungs- und problembasierenden Unterricht näher beleuchten. Im letzten Kapitel möchte explizit die Methode des Planspiels vorstellen und deren Chancen und Grenzen aufzeigen. Im letzten Abschnitt folgt ein allgemeines Fazit, welches der Thematik einen abschließenden Charakter gibt.

Aufgrund meiner Teilnahme am jetzigen Seminar über Planspiele im Fach Politik und Wirtschaft, möchte ich mich in dieser Ausarbeitung nicht auf weitere Methoden konzentrieren, welche natürlich auch die Ziele der Politischen Bildung und dessen Unterricht fördern würden. Auch möchte ich mich nicht auf außerschulische Lernorte oder die Erwachsenenbildung konzentrieren, obwohl hier die Methode des Planspiels für die Ziele der Poltischen Bildung im selben Maße als sinnvoll erscheint.

2. Politische Bildung: Ihre Entstehungsgeschichte in der Bundesrepublik Deutschland

Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Westalliierten die ersten Triebkräfte, um das Konzept der politischen Bildung in Deutschland fest zu konstituieren. Der Nationalsozialismus wurde in vielen Augen der USA Bürger als eine Missachtung der demokratischen Erziehung verstanden. In Folge dessen wurden diverse re-education Maßnahmen eingeführt, darunter auch das Prinzip der politischen Bildung, welches dem deutschen Volk den Übergang zur Demokratie erleichtern sollte (vgl. Mickel Hrsg. 1990: 14, 15).

In den sechziger Jahren entstanden die ersten politikdidaktischen Professuren in Deutschland und die Poltische Bildung wurde erstmals als eigenständiges Fach, allerdings mit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Bezeichnungen, eingeführt. Die etablierte Politikdidaktik konzentrierte sich in den ersten Jahren auf „wissenschaftlich reflektierte Kriterien für die Auswahl von Lerninhalten und die Begründung von Zielen“ (ebd.: 16), um 1960 den ersten didaktischen Theorieansatz für einen möglichen Politikunterricht vorstellen zu können. In den späten sechziger und siebziger Jahren kam es jedoch auf Landtagswahlkämpfen vermehrt zu Unstimmigkeiten bezüglich der neuen Lehrpläne und Schulbüchern, sodass 1976 eine Tagung ins Leben gerufen wurde, bei welcher sich Politikdidaktiker trafen und gemeinsam den Beutelsbacher Konsens formulierten.

H. G. Wehling formulierte hierbei drei Prinzipien, welche bis zum heutigen Zeitpunkt als allgemein gültig gelten:

„1. Überwältigungsverbot. Es ist nicht erlaubt, den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschte Meinung zu überrumpeln […]
2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muß auch im Unterricht kontrovers erscheinen […]
3. Der Schüler muß in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene Lage im Sinner seiner Interessen zu beeinflussen“

(ebd.: 17, zit. n. H.-G. Wehling in: S. Schiele / H. Schneider 1977: 179 f.).

Diese Unterrichtsprinzipien sind im Kontext der Politikdidaktik detailliert ausdiskutiert worden, mit dem Entschluss, dass der dritte Grundsatz sich nur auf ein einzelnes Individuum beziehen würde (vgl. Reinhardt 2012: 30 - 31, zit. n. Schiele 1996: 7).

In einer Neuformulierung Schiele heißt es:

„Der Schüler (Erwachsene) soll in die Lage versetzt werden, politische Probleme zu analysieren und sich in die Lage der davon Betroffenen hineinzuversetzen sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, wie er die Problemlösung im Sinne seiner Interessen unter Berücksichtigung der Mitverantwortung für das soziale Ganze beeinflussen kann“ (ebd. zit. n. Schneider 1996: 201). In dieser Formulierung beinhaltet der Grundsatz eine bessere soziale und politische Spannweite und beinhaltet Bedürfnisse und zudem das Zusammenspiel anderer Regeln und Systemreflektionen (vgl. ebd.: 31).

2.1. Ziele der politischen Bildung

Die Demokratie hebt sich im Gegensatz zu anderen politischen Systemen durch ihre Gleichberechtigung der Bürger ab. Dabei haben schematisch gesehen alle Staatsbürger das gleiche Recht auf eine Teilhabe an Mitbestimmungsrechten, wie beispielsweise das Wahlrecht. Jedoch steht dieses Gleichheitsrecht immer in Anspannung zu gesellschaftlichen Differenzen, wie beispielsweise das Alter, das Geschlecht oder die soziale und regionale Herkunft der einzelnen Individuen.Im Kontext dieser Annahme lautet das Ziel der Politischen Bildung, einen mündigen Bürger zu schaffen (vgl. ebd.: 16, 17). Ohne diesen „mündigen Bürger“ und deren Mitwirkung, könnte unser demokratisches System nicht lange fortbestehen. Allerdings kann man den Bürger nicht zu seiner aktiven und verantwortungsvollen Rolle im demokratischen System zwingen.

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Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656880233
ISBN (Buch)
9783656880240
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287752
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
9,0
Schlagworte
planspiele unterrichtsmethode bildung

Autor

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Titel: Planspiele als Unterrichtsmethode der politischen Bildung