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Was ist Geschichtsbewusstsein?

Hausarbeit 2013 11 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geschichtsbewusstsein nach Jöm Rüsen

2. Geschichtsbewusstsein nach Hans-Jürgen Pandel

3 Was also ist Geschichtsbewusstsein?

4. Versuch einer Lösung des Problems

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Anhang

Einleitung

Im Rahmen des zweiten Fachsemesters, in dem ich mich zurzeit befinde, befassen sich die meisten Seminare mit der Geschichtsdidaktik und ihren Grundbegriffen. Ein immer wiederkehrender Begriff ist hierbei der des Geschichtsbewusstseins gewesen. Und immer wieder kam die Frage nach einer genauen Definition auf.

Seit vielen Jahren wird schon nach einer angemeingültigen Definition gesucht und viel über die Begrifflichkeit diskutiert und darum, was der Begriff alles umfassen soll. Historiker, Didaktiker und Entwicklungspsychologen befassten und befassen sich mit der Problematik und auf zwei bedeutende Theoretiker dieses Gebiets werde ich in meiner Hausarbeit näher eingehen.

Ob Geschichtsbewusstsein wirklich als „Basis allen historischen Lehrens und Lernens“[1] beschrieben werden kann oder ob man es in Dimensionen unterteilen muss, wie es Pandel tut, werde ich im Folgenden erarbeiten und kommentieren.

1. Geschichtsbewusstsein nach Jörn Rüsen

Wie eingangs erwähnt, bezeichnet Rüsen das Geschichtsbewusstsein als Basis und bindet den Begriff direkt in die Begrifflichkeit des historischen Lernens ein. Historisches Lernen ist laut Rüsen ein „mentaler Prozess der Sinnbildung über Zeiterfahrung durch historisches Erzählen“[2], wodurch Geschichte zu einem kulturellen Orientierungsfaktor werde.[3] Für Rüsen stellt das Geschichtsbewusstsein zunächst also einen Denkprozess dar, der hinter allem inhaltlichen Lernen im Geschichtsunterricht steht. Rita Rohrbach benennt in ihrem Buch sogar, dass der Begriff Geschichtsunterricht durch die Begrifflichkeit des historischen Lernens ausgetauscht werden kann und zu einem gewissen Grad auch soll.[4]

Die Definierung von Geschichte als kulturellem Orientierungsfaktor kann man dahingehend erläutern, als dass Lernende, bei Rohrbach bereits auch Kinder[5], sich in den Zeitdimensionen orientieren müssen. Das heißt, dass sie zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden lernen. Rüsen nennt dies den narrativen Sinnbildungsakt[6]. Somit bildeten historisches Lernen und das historische Erzählen das Geschichtsbewusstsein.

Die Wichtigkeit von Geschichte als Orientierungsfaktor liegt laut Rüsen des weiteren darin,

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dass „handelnde und leidende Menschen“[7] ein Bedürfnis nach Orientierung haben, wodurch das historische Lernen nicht direkt entsteht, sehr wohl jedoch in hohem Maße angetrieben wird. Geschichte soll uns also dabei helfen, uns in subjektiven und objektiven Problematiken zurechtzufinden und sie zu lösen. Das historische Lernen ist nach Rüsen als eine Methode anzusehen, die hinter dem inhaltlichen Lernen gesellschaftlicher Problemstellungen steht.

Generell gilt es bei Rüsen die Dichotomie zwischen historischem Lernen und Geschichtsbewusstsein zu verstehen und, dass diese theoretisch getrennten Begriffe im mentalen Vorgang stark zusammenspielen. Rüsen arbeitet zudem vier Lernformen heraus, die als Kompetenzen vermittelt, also historisch erzählt, werden sollen. Die traditionale, die

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exemplarische, die kritische und die genetische Lernform [8]. Die erstgenannte „Sinnbildung über Zeiterfahrung“[9], die traditionale, soll dem Lernenden eine Sichtbarkeit der Traditionen vermitteln und er somit in der Lage sein, diese Orientierung auf seine Lebenspraxis anzuwenden[10]. Die zweite ist die so genannte exemplarische Sinnbildung. Sie soll „handlungsleitende allgemeine[...] Regeln“[11] erarbeiten und somit die Urteilskraft des lernenden Individuums ausbilden. Die dritte ist die, der kritischen Sinnbildung. Hier scheint Rüsen einen der zentralen Punkte anzusprechen, die gerade Schülern der Sekundarstufe nahegebracht wird, im Zusammenhang mit historischem Lernen; Die Lernenden sollen im Endeffekt lernen, „vorgegebene Muster personaler und sozialer Identität zu negieren“ [12]. Das heißt einfacher ausgedrückt, dass vor allem Schüler lernen sollen, objektiv an eine Problematik heranzugehen, um schlussendlich objektiv ein Verständnis und eine Quintessenz bilden zu können. Die vierte und letzte Lernform ist die genetische Sinnbildung. Diese besagt, dass inhaltlich Geschichte und auf der Metaebene ihre eigene Existenz, ihr eigenes Denken, ein dynamischer Prozess ist, der sich stetig entwickelt. Diese Erkenntnis gilt es in der eigenen Lebenspraxis zu verarbeiten und zu nutzen [13]. Diese vier Lernformen sind für Rüsen unabdingbar in der Bildung eines Geschichtsbewusstseins, da eben dieses ohne historisches Lernen nicht möglich zu existieren ist.

Die Kernaussage Rüsens ließe sich also folgendermaßen formulieren:

Geschichtsbewusstsein ist ein mentaler, dynamischer Vorgang, der dem lernenden Individuum als Stütze in Urteilskraft, Verständnis von Zeit(-dimensionen) und Deutung von Geschichte dienen soll.

2. Geschichtsbewusstsein nach Hans-Jürgen Pandel

Im Gegensatz zu Rüsen, der seine Aussagen oftmals schwer verständlich formuliert und scheinbar keine klaren Grenzen für seine Begrifflichkeiten baut, schlägt Hans-Jürgen Pandel sieben Dimensionen vor, in die man das Geschichtsbewusstsein gliedern kann. Er teilt die sieben Dimensionen in zwei Gruppen, die Geschichtlichkeit und die Gesellschaftlichkeit, wie anhand der Abbildung 1 im Anhang ersichtlich ist[14]. Ich möchte einige der Dimensionen, bei denen die Begrifflichkeit Missverständnisse verursachen kann, kurz erläutern. Zum Temporalbewusstsein sei zu sagen, dass Pandel selbst die Abgrenzung zwischen dem genannten Begriff und dem des Zeitbewusstseins macht. Zeitbewusstsein sei inhaltlich gefüllt, „als Bewusstsein von etwas in der Zeit“[15].Der andere Begriff ist der des Wandelbewusstseins. Pandel beschreibt ihn folgenermaßen:

[...]


[1] Rüsen, Jörn: Historisches Lernen - Grundriß einer Theorie. In: ders (Hrsg.): Historisches Lernen - Grundlagen und Paradigmen. Schwalbach/Ts. 2008, S. 74

[2] Historisches Lernen. Jörn Rüsen (siehe Literaturverzeichnis), S. 262

[3] Rüsen, S. 262

[4] vgl. Rohbach S. 8

[5] Vgl. Rohrbach S. 8

[6] Vgl. Rüsen, Jörn: Historisches Lernen - Grundriß einer Theorie. In: ders (Hrsg.): Historisches Lernen - Grundlagen und Paradigmen. Schwalbach/Ts. 2008, S. 74

[7] Rüsen, S. 262

[8] Rüsen S. 263

[9] Ders. S. 263

[10] Vgl. Rüsen S. 263

[11] Ders. S. 263

[12] Ders. S. 263

[13] Vgl. Rüsen S. 264

[14] Siehe Abbildung 1 im Anhang

[15] Pandel, Hans-Jürgen: Geschichtsdidaktik: eine Theorie für die Praxis. Schwalbach/Ts. 2013, S. 138

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656877967
ISBN (Buch)
9783656877974
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287602
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Seminar für Geschichte und Geschichtsdidaktik
Note
1,3
Schlagworte
geschichtsbewusstsein

Autor

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Titel: Was ist Geschichtsbewusstsein?