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Wissenstransfer im Internet am Beispiel des Sachsen-Anhalt-Wikis

Hausarbeit 2014 26 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Wissen
2.1 Definition
2.2 Wissensarten und -eigenschaften
2.3 Wissenstransfer
2.4 Wissensverarbeitung
2.5 Wissensmanagement

3. Formen der Wissensvermittlung
3.1 Blogs
3.2 Wikis
3.2.1 Wiki-Prinzipien
3.2.2 Wissenstransfer mit Wikis

4. Anwendung
4.1 Sachsen-Anhalt-Wiki
4.2 Untersuchung Wiki-Prinzipien
4.3 Untersuchung Wissenstransfer

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Wissen ist Macht", das schrieb der Philosoph Francis Bacon in seinem Werk „Novum Organum" bereits im 17. Jahrhundert. Im heutigen Informationszeitalter bekommt der jahrhundertealte Ausspruch eine völlig neue Bedeutung. Jeder Mensch hinterlässt in der Online-Welt eine Art digitalen Fußabdruck und viele große Konzerne wie Google oder Facebook, aber auch verschiedene Regierungen und Geheimdienste, versuchen diesen bestmöglich nachzuvollziehen. Das Motto der Datensammler ist dabei, je mehr Wissen man über Personen sammeln kann, desto besser. Gleichzeitig bietet das Internet eine einzigartige Sammlung von Wissen, eine unsortierte Fülle an Informationen und Daten. Wissen, das früher in Enzyklopädien gesammelt wurde, findet sich mittlerweile auf unzähligen spezialisierten Webseiten. Einzelne Projekte wie Wikipedia übertreffen jede analoge Version eines Lexikons und vereinen eine riesige Wissensmenge auf einer Seite. Die schiere Menge an Wissen, die durch das Internet verfügbar ist, sprengt jeden Rahmen. Nur durch Filter- und Auswahlhilfen wie Google kann man als User den Informations- und Wissensdschungel überhaupt überblicken und sich darin fortbewegen. Wissen ist online in vielfältigen Formen und in unendlich scheinender Menge verfügbar. Diese Arbeit nimmt sich des Themas an und beschäftigt sich mit dem Begriff Wissen und Wissenstransfer im Internet. Zunächst wird der Begriff geklärt, welche Eigenschaften er hat und welche Arten von Wissen es gibt. Danach wird Wissenstransfer im Internet allgemein untersucht. Zu der Thematik Wissen gehört in diesem Zusammenhang auch die Wissensverarbeitung und das Wissensmanagement, welche ebenfalls behandelt werden. Ein besonderer Augenmerk dieser Arbeit liegt auf der Wissensform „Wiki", welche allgemein definiert und beschrieben wird. Wichtig ist hierbei, wie der Wissenstransfer in Wikis abläuft. Mithilfe der vorher beschriebenen Modelle und Theorien wird ein ausgewähltes Wiki, das Sachsen-Anhalt-Wiki, auf die obigen Punkte hin untersucht. Bei der Analyse des Portals werden unter anderem die Wiki-Prinzipien und der Wissenstransfer unter die Lupe genommen.

2. Wissen

Zunächst muss der zentrale Begriff der Arbeit „Wissen" definiert werden. Der Terminus ist facettenreich und vielfältig, daher nähert sich diese Arbeit dem Begriff mithilfe verschiedener Definitionen an. Das Wort selbst stammt vom althochdeutschen Wort „wizzan", was so viel bedeutet wie „ich habe gesehen, ich weiß" (vgl. Walde 1938, S. 784).

2.1 Definitionen

Eine der ersten Begriffsbestimmungen von Wissen stammt vom griechischen Philosophen Platon, der es als „wahre, gerechtfertigte Meinung" (Platon 1587, S. 202f) angesehen hat. Eine Meinung alleine ist demnach noch kein Wissen, sie muss auch richtig sein. Zudem muss die Meinung gerechtfertigt sein, eine wahre Meinung basiert auf Fakten (vgl. ebd).

Nach Hubig ist Wissen eine „identifizierte, klassifizierte und als gültig anerkannte Information" (Hubig 1997 S. 173). Wissen ist demnach eine Information einer höheren Reflexivitätsstufe. Ist eine der genannten Bedingungen nicht gegeben, wird aus einer Information kein Wissen.

Bei Kraaks Definition ist Wissen „das Resultat verarbeiteter Informationen" (Kraak 1991, S. 12 ). Erst durch die Interpretation einer Person entsteht demnach Wissen. Die Verarbeitung ist dabei von den Kenntnissen, Meinungen, Auffassungen, Bewertungen und Zielen eines Individuums abhängig (vgl. Kraak S. 12).

Probst vertritt eine andere Beschreibung des Begriffs, bei ihm ist Wissen die „Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, welche Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen" (Probst/Raub/Romhardt 1997, S. 46). Wissen stützt sich dabei auf Daten und Informationen und ist an Personen gebunden (vgl. Probst/Raub/Romhardt 1997, S. 46).

Nach Freud ist Wissen „die Kombination von Daten und Informationen unter Einbeziehung von Expertenmeinungen, Fähigkeiten und Erfahrungen, mit dem Ergebnis einer verbesserten Entscheidungsfindung" (Freud 2011). Wissen kann explizit oder implizit, persönlich oder kollektiv sein. Zudem ist Wissen kontextabhängig, es steht nicht alleine und muss in Zusammenhängen gesehen werde (vgl. Freud 2011).

Die vorgestellten Definitionen zeigen die Problematik der Begriffsdefinition: Der Begriff ist vielfältig und vielschichtig und kann nicht so einfach bestimmt werden. Für den weiteren Verlauf der Arbeit wird Wissen der Einfachheit halber nach der Definition von Probst gehandhabt. Klar ist aber, dass im Umgang mit dem Begriff Wissen vorher eine Begriffsbestimmung durchgeführt werden muss.

2.2 Wissensarten und -eigenschaften

Wissen ist keine fassbare Ressource und hat verschiedene Eigenschaften. Unter anderem ist es eine unsichtbare und immaterielle Ressource (vgl. Simons 2007, S. 54). Das heißt, dass man sie nicht sehen und nicht ohne Weiteres messen kann. Darin unterscheidet sich Wissen von anderen Ressourcentypen. Wissen ist unendlich, es kann ständig weiterentwickelt werden (vgl. ebd.). Materielle Güter sind endlich und zählbar, Wissen dagegen kann neu entstehen und nie komplett erfasst werden. Weiterhin unterscheidet sich Wissen von anderen Ressourcen dadurch, dass es bei Gebrauch vermehrt wird (vgl. Simmons 2007, S. 54f). Während beispielsweise Öl durch Verwendung verringert wird, erweitern alle Beteiligten ihr Wissen durch Wissensgebrauch und Wissensaustausch. Wissenstransfer ist aus ressourcentechnischer Sicht eine Win-win-Situation, da beide Seiten bei einem Transfer nur Vorteile haben (vgl. ebd.). Wissen entwickelt sich durch den Gebrauch weiter, bei einer Transfersituation wird das vorhandene Wissen getestet und gegebenenfalls falsifiziert. So wird durch Wissensaustausch ein tieferes und erweitertes Wissen generiert (vgl. ebd.). Was Wissen von anderen Ressourcen noch unterscheidet, ist der Verfall durch Zeit. Wissen muss aktualisiert werden, sonst verliert es seinen Wert (vgl. Simmons 2007, S. 55). Es „erodiert" (ebd.) durch die Zeit und bleibt nicht bestehen. Das ist im Falle von Nachrichten besonders leicht zu beobachten, nicht umsonst heißt ein altes Sprichwort „nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern". Je älter eine Informationen oder Wissen wird, desto geringer ist sein Wert. Eine weitere Eigenschaft von Wissen ist seine Kopierbarkeit (vgl. Simons 2007, S. 55). Einmal generiertes Wissen kann beliebig oft kopiert werden. Es ist nicht aufwendig, Wissen zu vervielfältigen und kann leicht durchgeführt werden. Die Kosten für die Wissensgenerierung sind im Vergleich zu anderen Ressourcen unerheblich. Zudem hat Wissen einen flüchtigen Charakter. Anders als bei materiellen Ressourcen, wie beispielsweise Geld, geht Wissen automatisch über die Zeit verloren (vgl. Simmons 2007, S. 56). Es ist die Aufgabe des Wissensmanagements (der Begriff wird unter 2.4 geklärt) diesen Verlust aufzuhalten und das Wissen zu erhalten. Eine weitere Eigenschaft des Wissens ist der einfache und billige Transfer (vgl. ebd). Wissen kann via Internet, Zeitung, Fernsehen oder durch face-to-face-Kommunikation transportiert werden. Zu Guttenbergs Zeiten war der Transport von Wissen mithilfe von Büchern noch vergleichsweise teuer, heute ist er durch das Internet einfach und billig geworden. Wissen hat weiterhin Selbstpotenzierbarkeit, was bedeutet, dass es rekursiv auf sich selbst angewendet werden kann (vgl. Simmons 2007, S. 57). Durch die Potenzierung von Wissen kann neues Wissen geschaffen werden. Beispielsweise können beim Zusammentragen von Wissen höhere Zusammenhänge erfasst werden, was das ursprüngliche Wissen erweitert.

Man kann Wissen in verschiedene Wissensarten unterscheiden. Es kann beispielsweise individuell oder kollektiv sein. Beim individuellen Wissen reicht eine Person mit spezifischem Wissen aus, um eine Aufgabe zu erfüllen, beispielsweise das Öffnen eines Tresors (vgl. Simons 2007, S. 64). Kollektives Wissen ist zum Beispiel bei einem Tanz nötig, da mehrere Personen das Wissen über den Tanz haben müssen, um daran teilzunehmen. Der Unterschied liegt darin, ob etwas nur eine Person oder alle wissen müssen. Wissen kann auch deklarativ oder prozedural sein. Prozedural ist dabei das „knowing how" (Simons 2007, S. 59), was schwer verbalisierbaren Kenntnissen über Abläufe entspricht. Simons bezeichnet es als praktisches Wissen (vgl. ebd.). Das deklarative Wissen dagegen kann leicht gespeichert und operationalisiert werden. Es kann problemlos ausformuliert werden und wird als Faktenwissen bezeichnet. Weiterhin kann Wissen implizit oder explizit sein (vgl. Simons 2007, S.62). Implizites Wissen ist „stilles Wissen" (ebd.). Es sind Fähigkeiten und Erfahrungen einer Person, die nicht ausdrücklich formuliert werden können und sich nicht leicht erklären lassen, dafür aber gezeigt werden können, wie zum Beispiel Fahrradfahren. Wer ein Fahrrad fahren kann, kennt die Schwierigkeit, einem Nichtfahrer die Fähigkeit zu erklären. Explizites Wissen ist dagegen bewusstes, sprachlich verfügbares Wissen, das eindeutig transferiert werden kann. Es lässt sich darstellen, niederschreiben und ist leicht archivierbar (vgl. ebd.). Zudem kann Wissen auch in internes und externes Wissen unterschieden werden (vgl. Simons 2007, S. 65). Intern sind dabei die eigenen Mittel, die einer Person zur Verfügung stehen, also das eigene Wissen oder bei anderen Personen abfragbare Informationen. Extern sind dagegen Lexika oder eine Internetdatenbank, die das Wissen für etwaige Recherchen bereithält (vgl. ebd.).

2.3 Wissenstransfer

In diesem Abschnitt werden zwei Wissenstransfermodelle vorgestellt. Zuerst das sehr einfache Modell von Brennahl, dann das komplexere Modelle von Peinl.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Wissenstransfermodell nach Brennahl

Das Modell von Brennahl hat vier Elemente: Sender, Empfänger, Übermittlung und Aufnahme (vgl. Brennahl 2007, S. 11). Zwischen Sender und Empfänger wird dabei Wissen ausgetauscht. Der Sender muss keine Person sein, interpersonelle

Kommunikation via Internet, Fernsehen etc. ist möglich (vgl. ebd.). Der Sender übermittelt Wissen, die Übermittlung geschieht via Medium oder direkter

Kommunikation. Der Empfänger erhält die Übermittlung und nimmt die Information
auf. Den Schritt der Wissensverarbeitung schließt sich daran an (vgl. ebd.).

Die Darstellung in Grafik 1 ist die einfachste Darstellung des Themas Wissenstransfer, Peinl hat ein komplexeres Modell mit mehr Elementen beschrieben (vgl. Peinl 2006, S.

393).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 2: Wissenstransfer nach Peinl

Vorbedingung für das Modell ist, dass die Quelle eine Möglichkeit für den Wissenstransfer hat. Ist diese Möglichkeit nicht gegeben, kann kein Transfer stattfinden (vgl. Peinl 2006, S. 393). Das Modell hat fünf Basiselemente: Die Quelle, den Rezipienten, den Kanal, die Nachricht und den Kontext. Die Quelle, also der Sender, führt drei Schritte aus: Er entscheidet sich Wissen weiterzugeben, er erinnert sich an Wissen und sammelt es gedanklich und drückt es als Information aus (vgl. ebd.). Die gesammelten Informationen stellen die Nachricht dar, die über den Kanal weitergegeben wird. Kanal kann dabei ein Medium wie Internet, Fernsehen etc. sein oder das Medium Sprache. Je nachdem, welche Art der Übermittlung gewählt wird, hat dieser Transfer seine Eigenheiten, was Peinl als „transfer characteristics" (Peinl 2006, S. 393) bezeichnet. Der Rezipient führt wiederum drei Schritte aus: Er empfängt die Nachricht, interpretiert sie mit seinem eigenen Wissen und gleicht Dissonanzen damit ab und bewertet sie (vgl. Peinl 2006, S. 393f). Beim kompletten Transfer spielt der Kontext eine entscheidende Rolle. Dass es überhaupt zum Transfer kommt, hängt vom situationalen Kontext ab. Zwischen den Protagonisten der Wissensübermittlung steht der Verbindungskontext, der durch die Beziehung der beiden Personen zueinander bestimmt wird (vgl. ebd.). Im Anschluss an den Transfer steht der Verwendungskontext,

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656878544
ISBN (Buch)
9783656878551
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287588
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Department für Medien und Kommunikation
Note
1,3
Schlagworte
wissenstransfer internet beispiel sachsen-anhalt-wikis

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