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Exchange Traded Fund (ETF). Der Untergang für aktiv verwaltete Anlagefonds?

Masterarbeit 2014 125 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Management Summary

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Zielsetzungen, inhaltliche Abgrenzung
1.2. Methodische Vorgehensweise

2. Theoretischer Teil
2.1. Kollektive Kapitalanlagen
2.1.1. Funktionsweise von kollektiven Kapitalanlagen
2.1.2. Sondervermögen
2.1.3. Diversifikation
2.1.4. Asset-Allokation
2.1.5. Fondsarten
2.2. Aktiv verwaltete Anlagefonds
2.2.1. Informationseffizienz der Kapitalmärkte
2.2.2. Mathematisches Nullsummenspiel
2.2.3. Die «Efficient-Market-Theorie»
2.2.4. Aktive Anlagefonds in der Praxis
2.3. Exchange Traded Funds
2.3.1. Historisches
2.3.2. Vor- und Nachteile von ETFs
2.3.3. ETFs, ETCs, ETNs und Indexzertifikate
2.3.4. Funktionsweise von ETFs
2.3.5. Handelsparteien bei ETFs
2.3.6. Das Zusammenspiel der Märkte
2.3.7. Replikationsmethoden
2.3.8. Vor- und Nachteile physischer und synthetischer ETFs
2.3.9. ETFs in der Praxis
2.4. Exchange Traded Funds versus aktiv gemanagte Anlagefonds
2.4.1. Kostenunterschiede
2.4.2. Historische Renditevergleiche aktive Fonds vs. ETFs
2.4.3. Nachhaltige Outperformance ist Glücksache
2.4.4. Die häufigsten Anlegerfehler

3. Empirische Untersuchungen
3.1. Hypothesen und Abgrenzung
3.2. Untersuchungen
3.2.1. Performancevergleich 2003 - 2012
3.2.2. Gewichteter Performancevergleich 2003 - 2012
3.2.3. Gewinn- und Verlustspannen
3.2.4. Ist nachhaltige Outperformance tatsächlich Glücksache?
3.2.5. Analyse der durchschnittlich besten Fonds
3.2.6. Ist die vergangene Rendite nichts sagend?
3.2.7. Sind die Günstigsten auch die Besten?
3.3. Untersuchungen vs. Theoretische Erkenntnisse
3.3.1. Historische Renditevergleiche
3.3.2. Fehlende Performancekonsistenz

4. Interview mit Marc Hänni Jürg Wildhaber
4.1. Steckbriefe der Interviewpartner
4.1.1. Das Versagen der Largecaps
4.1.2. Das Erfolgsgeheimnis des Raiffeisen Futura Swiss Stock
4.1.3. Sind die Small- und Midcap-Märkte ineffizienter?
4.1.4. «Aktive Fonds werden überleben»
4.1.5. Indizien für gute Anlagefonds

5. Praktische Umsetzungsmöglichkeiten
5.1. Aktiv verwalteter Anlagefonds oder ETF?
5.2. Eliminierung der Verhaltensfehler

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis
7.1. Literatur
7.2. Internetquellen

8. Anhang
8.1. Interviewbogen Marc Hänni
8.2. Interviewbogen Jürg Wildhaber

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionsweise eines Anlagefonds

Abbildung 2: Systematisches Unsystematisches Risiko

Abbildung 3: Volumenentwicklung Anlagefonds weltweit

Abbildung 4: Weltweite Nettoflüsse der Anlagefonds

Abbildung 5: Volumenentwicklung in der Schweiz von zum Vertrieb zugelassenen Anlagefonds

Abbildung 6: Nettoflüsse der in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Anlagefonds

Abbildung 7: Primärmarkt

Abbildung 8: Sekundärmarkt

Abbildung 9: Primär- und Sekundärmarkt im Zusammenspiel

Abbildung 10: Vollständige physische Replikation

Abbildung 11: Vereinfachtes Beispiel der vollständigen physischen Replikation

Abbildung 12: Optimierte physische Replikation

Abbildung 13: Optimierte physische Replikation

Abbildung 14: Entwicklung weltweites ETF-Volumen

Abbildung 15: Nettozuflüsse weltweiter ETF

Abbildung 16: Entwicklung Fondsvolumen Europäische ETF

Abbildung 17: Nettozuflüsse Europäische ETF

Abbildung 18: ETFs an der SIX Swiss Exchange

Abbildung 19: ETF-Volumenentwicklung an der SIX Swiss Exchange

Abbildung 20: TER des Raiffeisen Swiss AC per 30.06.2014

Abbildung 21: TER des UBS ETF SPI per 30.06.2014

Abbildung 22: Performance-Persistenz der Top5-Aktienfonds in den USA

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Diversifikationseffekt

Tabelle 2: Renditevergleich DAX - Weltportfolio

Tabelle 3: Grösste Anbieter von in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Fonds

Tabelle 4: Wesentliche Unterschiede aktive Anlagefonds vs. ETF

Tabelle 5: Vor- und Nachteile von ETFs

Tabelle 6: Vergleich ETPs

Tabelle 7: Entwicklung Gegenparteirisiko synthetische ETF

Tabelle 8: Vorteile der physischer und synthetischer Replikation

Tabelle 9: Nachteile der physischen und synthetischen Replikation

Tabelle 10: Zusammenfassung Replikationsmöglichkeiten ETFs

Tabelle 11: Kostenvergleich aktive Anlagefonds vs. ETFs

Tabelle 12: Kostenentwicklung Europäische Aktienfonds

Tabelle 13: Aktive Fonds, welche unter ihrem Benchmark lagen

Tabelle 14: Amerikanische Anlagefonds vs. Vanguard 500 vor Steuern

Tabelle 15: Amerikanische Anlagefonds vs. Vanguard 500 nach Steuern

Tabelle 16: Renditevergleich aktive Fonds vs. Index

Tabelle 17: Ratingeinordnung ETF grösster Europäischer Aktienkategorien

Tabelle 18: Aktiv vs. Passiv in negativen Börsenjahren

Tabelle 19: Performance-Konstanz lässt sich nicht nachweisen

Tabelle 20: Wie viele Top-Quartil Fonds sind konstant?

Tabelle 21: Die irrationale Denkweise der Aktienanleger

Tabelle 22: Die irrationale Denkweise der Aktienanleger II

Tabelle 23: Growth-Aktien vs. Value-Aktien

Tabelle 24: Renditevergleich Value vs. Growth

Tabelle 25: Performancevergleich DAX vs. Weltportfolio

Tabelle 26: Performancevergleich Emerging Market vs. Benchmark

Tabelle 27: Aktive Fonds vs. Benchmark

Tabelle 28: Aktive Fonds vs. SPI (Extra)

Tabelle 29: Gewichteter Performancevergleich Largecaps vs. Benchmark

Tabelle 30: Gewichteter Performancevergleich Small- Midcaps vs. Benchmark

Tabelle 31: Gewichteter Performancevergleich Largecaps vs. Swiss Performance Index

Tabelle 32: Gewichteter Performancevergleich Small- Midcaps vs. Swiss Performance Index Extra

Tabelle 33: Gewinn- / Verlustspannen Aktive Fonds vs. Index

Tabelle 34: Performancenachhaltigkeit

Tabelle 35: Nachhaltige Outperformance mit Fehljahr

Tabelle 36: Performancevaluation beste Fonds Largecaps

Tabelle 37: Performanceevaluation beste Fonds Small Midcap

Tabelle 38: Rangentwicklung beste Largecaps im 2008

Tabelle 39: Ranglistenentwicklung beste Small- Midcaps im 2008

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

In der Finanzbranche und bei den Schweizer Privatanleger sind sie sehr beliebt: Die Anlagefonds. Der Anleger partizipiert an einem Korb voller Assets, welcher von einem Fondsmanager verwaltet wird. Gleichzeitig geniesst der Anleger strengen, rechtlichen Schutz. Da es sich bei kollektiven Kapitalanlagen um Sondervermögen handelt, entfällt für den Privatanleger das Kreditrisiko des Emittenten. Die Anlagefonds sind auch für die Banken ein lukratives Geschäft. Nebst Courtagen beim Verkauf kassieren sie laufend Kommissionen auf den Beständen, welche ausstehend sind. Das Ziel der aktiv verwalteten Anlagefonds ist es, nach Gebühren, einen spezifisch gewählten Vergleichsindex zu übertreffen.

1989[1] erblickte der erste sogenannte Exchange Traded Fund (ETF) das Licht der Welt. ETFs sind passiv verwaltete Anlagefonds, welche einen Index möglichst 1:1 abbilden und an einer Börse gehandelt werden. Der grosse Unterschied zu den aktiv verwalteten Anlagefonds ist die Gebührenstruktur. Während ein aktiv verwalteter Anlagefonds schnell über 1.5% Gebühren im Jahr kostet, belaufen sich die Kosten bei den passiven Aktienfonds in der Regel auf ca. einen Drittel dieser 1.5%.

Diese neue Art von Anlagefonds schien eine Revolution in der Finanzbranche zu sein. Der Kassensturz publizierte am 22. April 2014 einen Bericht, welcher jedoch zeigte, dass dies nicht zutrifft. In einer Analyse, bei der 200 Wertschriftendepots von Schweizer Kunden untersucht wurden, stellte der Kassensturz folgendes fest: «Die Depotanalyse zeigt einen auffallend hohen Anteil an teuren Fonds. Im Schnitt haben Anleger 51 Prozent Fonds im Depot, an zweiter Stelle 28 Prozent Einzeltitel wie Aktien. Erstaunlich: ETFs machen nur neun Prozent aus.»[2]

Trotz dieser ernüchternden Zahlen erfreut sich die ETF-Branche in der Schweiz über ein grosses Wachstum. Während per Ende 2009 275 ETFs an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange gehandelt wurden, waren es per Ende 2013 bereits deren 940. Auch der Umsatz schnellte in dieser Zeit in die Höhe. Im 2009 wurden an der SIX Swiss Exchange ETF-Volumen von CHF 50‘571 Mio. gehandelt. Vier Jahre später konnte ein Wachstum von beinahe 80%, oder ein Umsatzvolumen von CHF 90‘728 Mio., festgestellt werden.[3]

1.1. Zielsetzungen, inhaltliche Abgrenzung

Aktiv verwaltete Anlagefonds sind seit einigen Jahren heftigster Kritik ausgesetzt. Die Manager solcher Anlagefonds seien nicht in der Lage, den Vergleichsindex über Jahre hinweg zu schlagen. Falls es trotzdem einigen Manager gelingen sollte, eine Outperformance gegenüber dem Benchmark zu erzielen, würde diese durch die hohen Gebühren wieder relativiert werden. Wie der Bericht des Kassensturzes zeigt, vertrauen die Schweizer Anleger trotzdem auf die teuren, aktiv verwalteten Anlagefonds.

Die Zunahme des Volumens und der Anzahl, der in der Schweiz gehandelten Exchange Traded Funds ist vor allem auf den Sektor der institutionellen Anleger zurückzuführen.[4] Es stellt sich also die Frage, warum die interessanten Produkte den Weg nicht in die Wertschriftendepots der Privatanleger in der Schweiz finden. Nebst dieser Frage, werden in der vorliegenden Arbeit die folgenden Hypothesen bearbeitet:

Wie sieht der historische Renditevergleich zwischen aktiv verwalteten Aktienfonds Schweizer Werte im Vergleich zu dessen Benchmark aus?

Haben aktiv verwaltete Anlagefonds Schweizer Small- und Midcaps die besseren Chancen, den Vergleichsindex nachhaltig zu übertreffen, als Anlagefonds Schweizer Largecaps?

Ist die historische Rendite eines aktiv verwalteten Aktienfonds Schweizer Werte ein Indiz für die zukünftige Performance?

Gibt es aktive Anlagefonds, welche in Small-, Mid- oder Largecaps, Schweizer Werte investieren, welche ihren Benchmark nachhaltig schlagen können? Oder ist nachhaltige Outperformance eines aktiv verwalteten Anlagefonds nur Glückssache und über Jahre hinweg gar nicht möglich?

Sind die günstigsten aktiv verwalteten Aktienfonds tatsächlich die Besten?

Wie haben sich die aktiven Anlagefonds und ETFs (in der Schweiz und weltweit), gemessen an der Anzahl und dem Volumen, in den vergangen Jahren entwickelt?

Wie sieht die Zukunft der in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen aktiven Anlagefonds und ETFs aus?

1.2. Methodische Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit ist in sechs Kapitel aufgeteilt. Nach der Einführung werden im zweiten Kapitel die theoretischen Eigenschaften der verschiedenen Anlageprodukte aufgezeigt. Dabei werden nebst den Merkmalen der kollektiven Kapitalanlagen als solches, auch die aktiven Anlagefonds und die passive Produktpalette erläutert. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich hauptsächlich auf Aktien-Produkte, welche in der Schweiz zum Vertrieb zugelassen sind. Im theoretischen Teil ist es jedoch unumgänglich, auf weitere Produktarten einzugehen. Basierend auf den theoretischen Erkenntnissen im zweiten Teil befasst sich das dritte Kapitel mit den empirischen Untersuchungen von passiven Aktien ETFs versus aktiven Anlagefonds. Mit den Ergebnissen der Analysen wurden die beiden Fondsmanager Marc Hänni (Bank Vontobel AG) und Jürg Wildhaber (Falcon Private Bank Ltd.) konfrontiert. Die wichtigsten Erkenntnisse dieser Interviews sind im vierten Abschnitt festgehalten. Das fünfte Kapitel zeigt dem privaten Investor verschiedene Möglichkeiten zur Abbildung des Schweizer Aktienmarkts auf. Der sechste Abschnitt schliesst die Arbeit mit dem Fazit ab.

2. Theoretischer Teil

Der theoretische Teil schildert die Funktionsweise sowie wichtige Vor- und Nachteile von kollektiven Kapitalanlagen. Hauptsächlich widmet sich dieses Kapitel aber den ETFs. Nebst einem historischen Rückblick werden die Arten von Exchange Traded Products, die Arten des Indexing, die Replikationsmethoden, der Aufbau sowie die Risiken von ETFs erläutert.

2.1. Kollektive Kapitalanlagen

Seit Beginn des Jahres 2007 werden Anlagefonds in der Schweiz durch das Kollektivanlagegesetz (KAG) reguliert. Das KAG löste dazumal das Bundesgesetz über die Anlagefonds (AFG), welches seit 1995 galt, ab. Da sich das Schweizer Anlagefondsgeschäft seit 1988 immer mehr nach Luxemburg verlagert, sind Gesetzesänderungen unumgänglich.

Die Anzahl der aktiv verwalteten Anlagefonds belief sich in der Schweiz per Ende 2006 auf 1‘001, bei einem Nettovermögen von über CHF 386 Mrd. Zum gleichen Zeitpunkt waren in der Schweiz 3768 ausländische Fonds zum Vertrieb zugelassen. Das Fondsvermögen belief sich auf über CHF 425 Mrd.

2.1.1. Funktionsweise von kollektiven Kapitalanlagen

Abbildung 1: Funktionsweise eines Anlagefonds[5]

(1) Viele Anleger kaufen Fondsanteile und werden so Miteigentümer des Fonds.
(2) Die Verwaltung und Betreuung des Fondsvermögens wird an die Fondsleitung übertragen.
(3) Die Depotbank überwacht die Fondsleitung und muss gesetzeswidrige Anlagen verhindern.
(4) Das Fondsvermögen muss von Gesetztes wegen nach dem Grundsatz der Risikoverteilung angelegt werden (Diversifikation) und sich an die vereinbarten Anlagerichtlinien halten.
(5) Die Erträge in Form von Zinsen und Dividenden werden je nach Fonds wieder im Produkt angelegt, oder direkt an den Anleger ausgeschüttet.[6]

2.1.2. Sondervermögen

Das Fondsvermögen stellt gemäss Art. 35 des Bundesgesetzes über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) Sondervermögen dar. Dieses muss demnach vom Kapital der Investmentgesellschaft getrennt verwaltet werden. Die Verwaltung dieses Vermögens übernimmt in der Praxis meist eine externe Depotbank. Dadurch geniessen die Gläubiger im Falle eines Konkurses der Investmentgesellschaft einen hohen Schutz.[7]

2.1.3. Diversifikation

«Es ist wahrscheinlich, dass die meisten Privatanleger den Nutzen eines korrekt diversifizierten Portfolios schlicht nicht verstehen.»[8]

Doch was bedeutet diversifizieren überhaupt? Und weshalb kann die Diversifikation einen grossen Vorteil einer kollektiven Kapitalanlage darstellen?

Diversifikation ist das vermutlich bedeutsamste Mittel zur Reduktion von Rendite- und Wertschwankungen bei Wertpapieranlagen überhaupt. Viele empirische Analysen zeigen jedoch, dass u.a. in der Schweiz, ein sehr grosser Teil der Wertschriftendepots von Privatanleger zu wenig diversifiziert sind. Die Privatanleger fokussieren sich zu fest auf den Markt des Heimatlandes und führen parallel noch einzelne Wertschriftenpositionen, welche ihnen von ihrem Bankberater empfohlen wurden. Vielfach sind in den Wertschriftendepots z.B. ein Aktienfonds «Schweizer Werte» und daneben noch zwei, drei amerikanische Aktien zu finden. Daneben halten viele Anleger lediglich einen Obligationenfonds oder einzelne Bonds und sind im Glauben – natürlich wiederum gestärkt durch ihren Bankberater – genügend diversifiziert zu sein. Die Verteilung des investierten Vermögens auf verschiedene Banken ist aus Sicht von Gerd Kommer keine optimale Lösung. Das Portfolio scheint im ersten Moment zwar breiter diversifiziert zu sein, aber schlussendlich ist es «dasselbe in grün». Vor allem wenn die Börsen auf «Talfahrt» gehen, erleiden die schlecht diversifizierten Anleger hohe Kursschwankungen in ihren Portefeuilles. Viele Privatanleger sehen zudem nicht ein, dass risikoreichere Anlagen zur Senkung des Gesamtrisikos beitragen können. Die meisten dieser Anleger betrachten jeden Typ Wertschrift einzeln und nicht als Gesamtpaket.[9]

Gibt es Situationen, in denen man auf die Diversifikation verzichten kann? Diversifikation wäre dann unnütz, wenn man die zukünftigen Renditen genau voraussagen könnte. Wäre dies tatsächlich der Fall, wäre es naheliegend, dass man seine Investitionen in der Asset-Klasse mit der höchsten zukünftigen Rendite tätigen müsste. In diesem «Traumumfeld» ohne Wertschwankungen leben wir bekanntlich nicht und daher lohnt sich die Aufteilung in verschiedene Asset Klassen und in verschiedene Anlageprodukte – lohnt sich Diversifikation.[10]

Ein Beispiel aus dem Buch «Souverän investieren mit Indexfonds und ETF» von Gerd Kommer, soll den Diversifikationseffekt erläutern:

Wir stellen uns zwei Firmen vor. Die eine stellt Badehosen her, die andere Regenschirme. In mehrheitlich heissen Jahren geht es der Badehosen AG finanziell gut, ihr Ertrag steigt. In eher kälteren Jahren geht ihr Umsatz zurück. Genau gegensätzlich verhält sich die Regenschirm AG. Langfristig gleichen sich die kalten und warmen Jahre wieder aus. Ein Anleger hätte einfach gesagt drei Möglichkeiten: Er könnte vollständig in je eine der beiden Firmen investieren oder aber je 50% in die Badehosen AG und 50% in die Regenschirm AG. Wir gehen davon aus, dass sich die Gewinne in den jeweils kalten und warmen Jahren nicht verändern. Trotzdem ist das «fifty-fifty-Investment» klar zu bevorzugen, denn es weist keine jährliche Renditeschwankungen und daher kein Risiko (siehe Standardabweichung) auf. Bei den anderen beiden Anlagemöglichkeiten sind jeweils Renditeschwankungen festzustellen.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Diversifikationseffekt[12]

Warum sollte nun dieser Diversifikationseffekt bei kollektiven Kapitalanlagen einen Vorteil darstellen? Aus Abbildung 1 (Seite 5) geht hervor, dass ein Fonds in verschiedene Wertpapiere investiert und der Kunde schliesslich Tranchen von diesen «Paketen» erwerben kann. Der Endkonsument kauft also einen bereits diversifizierten Korb. Ein Anlagefonds, welcher beispielsweise in Schweizer Standardwerte investiert, ist längst nicht so breit und gut gestreut wie ein globaler Aktienfonds.

Zum Schutz der Anleger schreibt die Verordnung über die kollektiven Kapitalanlagen (KKV) folgende Mindestrichtlinien fest:

«Die Fondsleitung und die SICAV dürfen einschliesslich der derivativen Finanzinstrumente höchstens 10 Prozent des Fondsvermögens in Effekten oder Geldmarktinstrumenten desselben Emittenten anlegen.

Der Gesamtwert der Effekten und Geldmarktinstrumente der Emittenten, bei welchen mehr als 5 Prozent des Fondsvermögens angelegt sind, darf 40 Prozent des Fondsvermögens nicht übersteigen. Diese Begrenzung findet keine Anwendung auf Guthaben auf Sicht und auf Zeit gemäss Artikel 79 und auf Geschäfte mit OTC-Derivaten gemäss Artikel 80, bei welchen die Gegenpartei eine Bank nach Artikel 70 Absatz 1 Buchstabe e ist.»[13]

Dass die Diversifikation das Risiko, jedoch nicht unbedingt die Rendite senkt, soll das nachfolgende Beispiel zeigen. In der zweiten Spalte sind die Renditen des gering diversifizierten DAX-Portfolios über die letzten 36 Jahre aufgeführt. In der dritten Spalte das breit diversifizierte Aktienportfolio «Welt».

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Renditevergleich DAX - Weltportfolio[14]

Trotz breiter Diversifikation lässt sich das Risiko in der Praxis nicht restlos wegdiversifizieren, da die Korrelation zweier Wertpapiere nie durchgehend entgegengesetzt verläuft. Die Wertschwankungen (Risiken) von Aktien kann in drei Arten unterteilt werden. Zwei dieser drei Arten können durch gezielte Diversifikation eliminiert werden.[15]

Einzelwertrisiko (eliminierbar)

Das Einzelwertrisiko beschreibt die Schwankung einer einzelnen bestimmten Aktie, z.B. durch operationelles Versagen. Der Kursverlust der UBS-Aktie, durch den Devisenskandal 2011, verursacht durch Adoboli Kweku, hätte durch breite Diversifikation eliminiert werden können.[16]

Asset-Klassen-Risiko (eliminierbar)

Das Asset-Klassen-Risiko ist das Risiko, welches nur eine Asset-Klasse betrifft. Fallende Zinsen treffen die Bankaktien vielfach besonders stark. Andere Asset-Klassen sind davon nicht so stark betroffen. Ein ähnliches Phänomen ist in der Autoindustrie bei steigenden Ölpreisen feststellbar. Durch die Diversifikation in verschiedene Branchen lässt sich auch dieses Risiko eliminieren.[17]

Gesamtmarktrisiko (nicht eliminierbar)

Ein Beispiel, welches aufzeigt, dass das Gesamtrisiko nicht eliminierbar ist, sind Konjunkturschwankungen. Von der Finanzkrise 2008 waren beispielsweise praktisch sämtliche Aktien, egal aus welcher Branche, betroffen.[18]

Das eliminierbare Risiko wird im Fachjargon auch als «unsystematisches Risiko» bezeichnet. Im Gegenzug ist das «systematische Risiko» oder Marktrisiko nicht diversifizierbar. Die folgende Grafik soll diesen Effekt veranschaulichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Systematisches Unsystematisches Risiko[19]

2.1.4. Asset-Allokation

«Ihre Investment-Performance wird fast vollständig durch einen einzigen Faktor bestimmt – Ihre Asset-Allokation über breite Asset-Klassen hinweg. Aktien- oder Fonds-Picking sowie Market-Timing – die Faktoren, von denen traditionell angenommen wird, sie würden Anlageerfolg bestimmen, sind tatsächlich fast irrelevant.»[20]

Die meisten Anleger werden verwundert sein, wenn sie mit diesen Aussagen konfrontiert werden. Doch diverse Studien haben ergeben, dass der Anlageerfolg fast vollständig (über 80%) von der strategischen Asset-Allokation, also der Einteilung in die verschiedenen Asset-Klassen und deren Gewichtung, abhängt. Es ist entsprechend bedeutsam, welchen Fahrplan zu Beginn einer Investition gewählt wird. Als Anlageklassen stehen traditionell Aktien, Obligationen, Rohstoffe, Immobilien oder Hedge Fonds zur Verfügung. Nebenbei gibt es noch weitere, für Privatanleger aber eher weniger benutzte Anlageklassen. Die verbleibenden ca. 20% des Anlageerfolges werden durch aktive Titelselektionen bestimmt.[21]

2.1.5. Fondsarten

Vorgängig wurden mehrheitlich Fonds thematisiert, welche in Aktien investieren. Nebst dem Universum der Aktienfonds gibt es aber eine Menge weitere Fondsarten. Diese Fonds unterscheiden sich nicht nur inhaltlich von den Aktienfonds, sondern weisen auch völlig andere Rendite- und Risikoprofile auf. Dieser Effekt kann wiederum zur Diversifikation genutzt werden. Die nachfolgende Auflistung der verschiedenen Fondsarten ist nicht abschliessend. Die Ausführungen zu den wichtigsten Fondsarten wurden bewusst knapp gehalten.

Geldmarktfonds

Geldmarktfonds werden auch Money Market Funds genannt. Kleinanleger können mit diesen Produkten bereits mit kleinsten Beträgen am Geldmarkt partizipieren. Sie investieren in Festgelder, Geldmarktbuchforderungen und Geldmarktpapiere sowie in Obligationen mit kurzen Restlaufzeiten. Je nachdem sind Geldmarktfonds auf bestimmte Länder, international oder in bestimmten Regionen investiert. Money Market Funds sind in Lokalwährung und in bestimmten Fremdwährungen erhältlich.[22]

Obligationenfonds

Obligationenfonds werden auch Bond Funds genannt. Sie investieren hauptsächlich in Obligationen, daneben können zum Teil auch Wandelanleihen und eine gewisse Liquiditätsquote enthalten sein. Obligationenfonds investieren in der Regel in Obligationen bestimmter Staaten, Regionen, aber auch in auserwählte Unternehmen. Obligationenfonds werden in Lokalwährungen und in bestimmten Fremdwährungen emittiert.[23]

Wandelanleihenfonds

Wandelanleihenfonds werden auch Convertible Bond Funds genannt. In der Regel investieren sie in Wandelobligationen und ähnliche Produkte. Zwischendurch werden Wandelanleihenfonds durch Aktien, welche durch die Ausübung von Wandelanleihen oder Wandelobligationen erhalten wurden, ergänzt. Wandelanleihenfonds investieren in der Regel in Wandelanleihen bestimmter Staaten, Regionen, aber auch in auserwählte Unternehmen. Convertible Bond Funds werden in Lokalwährungen und in bestimmten Fremdwährungen emittiert.[24]

Gemischte Fonds

Gemischte Fonds werden auch Portfolio Funds genannt. Wie der Name bereits erahnen lässt, investieren gemischte Fonds in Aktien, Obligationen, Geldmarktprodukte etc. Gemischte Fonds investieren in der Regel in Produkte bestimmter Staaten, Regionen, aber auch in auserwählte Unternehmen. Portfolio Funds werden in Lokalwährungen und in bestimmten Fremdwährungen emittiert.[25]

Immobilienfonds

Immobilienfonds werden auch Real Estate Funds genannt. Sie investieren direkt oder indirekt in Mehrfamilienhäuser, Gewerbeliegenschaften und/oder Geschäftshäuser. Je nachdem investieren Immobilienfonds in Häuser bestimmter Länder oder Regionen.[26]

Anlagestrategiefonds

Anlagestrategiefonds werden auch Strategy Funds genannt. Die Portfolio- und Kapitalmarktheorie sind ausschlaggebend für die Anlagestrategiefonds. Für die meisten Risikoklassen gibt es einen zugeschnittenen Anlagezielfonds, deren Anlagestrategie auf die Risikofähigkeit und Risikobereitschaft des Kunden ausgerichtet ist. Anlagestrategiefonds sind gemischte Fonds und geniessen eine grosse, internationale Diversifikation.[27]

Absicherungsfonds

Absicherungsfonds versuchen an der positiven Entwicklung der Aktienmärkte oder anderen Anlagetypen teilzunehmen. Bei negativen Entwicklungen versuchen sie ihre Verluste nicht unter einen bestimmten Wert, in der Regel zwischen 90% und 97% des Fondswertes, fallen zu lassen.[28]

Hedge Funds

Hedge Funds versuchen sowohl in positiven als auch in negativen Aktienmärkten eine positive Rendite zu erzielen. Aufgrund ihrer Strategie weisen Hedge Funds in der Regel eine sehr niedrige Korrelation zu den Aktienmärkten auf. Deshalb ist es möglich, dass Hedge Funds auch eine positive Rendite aufweisen, wenn die Märkte gleichzeitig tauchen. Hedge Funds sind meist Offshore Funds. Zu beachtende Aspekte der Hedge Funds sind die relativ hohen Kosten und die tiefe Liquidität.[29]

Aktiv und passiv gemanagte Fonds

Aktiv verwaltete Fonds setzten sich zum Ziel, ihren Vergleichsindex (Benchmark) zu übertreffen. Auf der strategischen Ebene wird die Aufteilung nach Anlagemedien, Ländern oder Währungen periodisch überarbeitet, während auf taktischer Ebene die Branchen, Schuldnergruppen und Einzeltitel unter- oder übergewichtet werden.

Passiv gemanagte Fonds setzen sich zum Ziel, einen bestimmten Index möglichst genau abzubilden. Sie sind nicht daran interessiert, eine höhere Performance als der Index zu generieren. Dabei soll die Abweichung zum Index (Tracking Error) möglichst tief gehalten werden.[30]

Fremdwährungs-, Länder- und Themenfonds

Anlagefonds können individuell in Lokalwährungen (CHF), in bestimmten Fremdwährungen (EUR, USD, GPB etc.) oder als Multi-Fremdwährungsfonds gehandelt werden. Je nachdem werden Fremdwährungsfonds in die Lokalwährung gehedget.

Je nach örtlicher Ausrichtung werden Anlagefonds «Länderfonds», «Regionenfonds» oder «Globale Fonds» genannt. Fonds, welche in aufstrebende Märkte investieren, werden Emerging-Market-Funds genannt. Aufstrebende Märkte sind Länder, welche, dank einem hohen Wachstum, am Beginn der Industrialisierung stehen.[31]

Einzelfonds

Einzelfonds investieren direkt in Einzeltitel wie Aktien, Obligationen, Geldmarktpapiere etc.[32]

Fund of Funds

Fund of Funds werden auch Dachfonds genannt. Sie investieren, im Gegensatz zu Einzelfonds, nicht in Direktanlagen sondern in andere Fonds. Häufig werden Hedge Funds als Dachfonds verwaltet. Durch diese Investitionsstrategie sind Dachfonds zusätzlich diversifiziert.[33]

Ausschüttungs- und Thesaurierungsfonds

Bei Ausschüttungsfonds werden die Erträge aus Dividenden und Zinsen direkt an die Anleger ausbezahlt. Für den Anleger besteht die Möglichkeit, das Geld direkt wieder zu investieren. Viele Fondsleitungen fördern die Wiederanlage durch günstigere Konditionen.

Bei Thesaurierungsfonds werden die Erträge zurückbehalten und erneut in das entsprechende Anlagevehikel reinvestiert.[34]

Onshore und Offshore Funds

Onshore Funds sind in einem Land mit einer umfassenden Fondsgesetzgebung domiziliert. Nebst dem Fondsdomizil werden Onshore Funds auch in Drittländern vertrieben, sofern sie dort zum Vertrieb zugelassen sind.

Offshore Funds sind Fonds, welche ihr Domizil in Ländern mit steuerlichen Vorteilen besitzen. Vielfach sind die Fondsgesetzte in diesen Ländern knapp oder fehlen gänzlich. Beispiele solcher Domizile sind die British Virgin Island und die Cayman Islands. In der Schweiz dürfen solche Fonds nur vertrieben werden, wenn die Fondsaufsicht des jeweiligen Domizils mit dieser in der Schweiz vergleichbar ist.[35]

Offene und geschlossene Fonds

Offene Fonds (SICAV) haben kein fixes Fondsvolumen. Sie emittieren bei Bedarf neue Anteile, auf der Gegenseite verpflichten sie sich, die Anteile zum Nettoinventarwert zurückzunehmen. Damit verändert sich die Zahl der ausstehenden Anteile laufend.

Geschlossene Fonds (SICAF) haben ein fixes Fondsvolumen. Nach der Emission können keine Anteile mehr gezeichnet oder zurückgegeben werden. Ausnahmen bilden Kapitalerhöhungen, bei welchen das Fondsvolumen verändert wird. Typische geschlossene Fonds sind Immobilienfonds.[36]

Umbrella Funds

Ein Umbrella Fund fasst diverse Fonds unter einen «Schirm». Obwohl die einzelnen Fonds eigenständig sind, sind sie im selben Prospekt erklärt, unterstehen derselben Fondsleitung und ihre Stossrichtungen sind im selben Prospekt verankert. Für den Investor ist die Performance eines Subfonds massgeblich.[37]

2.2. Aktiv verwaltete Anlagefonds

Wie bei den Fondsarten bereits angetönt, versuchen aktiv verwaltete Anlagefonds den Markt, gemessen an einem Vergleichsindex oder Benchmark, zu schlagen.

Die Fondsmanager bemühen sich mit gezielten Transkationen, unterbewertete Titel in ihr Portefeuille aufzunehmen und überteuerte Titel zu verkaufen. Es stellt sich die Frage, ob solche Fehleinschätzungen der Preise auf den Kapitalmärkten überhaupt vorhanden sind. Falls dies der Fall sein sollte, wäre es interessant festzustellen, ob der Fondsmanager überhaupt in der Lage ist, diese auszunutzen.

Doch eines vorne weg: Mehr als 80% aller aktiv verwalteten Aktienfonds sind langfristig nicht in der Lage, den Benchmark nach Kosten zu schlagen.[38]

2.2.1. Informationseffizienz der Kapitalmärkte

Es stellt sich die Frage, wie effizient unsere Kapitalmärkte sind. Gibt es tatsächlich laufend unterbewertete Titel? Gibt es Titel, welche an der Börse zu teuer gehandelt sind? Die Manager von aktiven Fonds sind natürlich der Auffassung, dass Fehleinschätzungen tatsächlich vorhanden sind, denn ansonsten könnte ihr Job auch durch ein computergesteuertes Programm ersetzt werden. Falls ein Fondsmanager tatsächlich in der Lage ist, solche Marktanomalien zu erkennen und zu identifizieren, kann er nachhaltig eine Outperformance gegenüber dem Benchmark generieren. Dazu müsste die Überrendite gegenüber dem Index grösser sein als die laufenden Kosten.

Abschliessende Ergebnisse zu diesem Thema gibt es nicht und die Praktiker aus dem aktiven Lager haben eine praktisch um 180° entgegengesetzte Meinung als die Passiv-Befürworter.

William Sharpe, Wirtschaftsnobelpreisträger meint dazu nüchtern: «Wenn man die Begriffe aktives und passives Portfoliomanagement korrekt definiert, dann sind folgende Aussagen zwangsläufig wahr: Erstens, vor Kosten ist die Rendite der durchschnittlichen aktiv gemanagten Geldeinheit genauso hoch wie die der durchschnittlichen passiv gemanagten Geldeinheit. Zweitens, nach Kosten ist die Rendite der durchschnittlichen aktiv gemanagten Geldeinheit niedriger als diejenige der durchschnittlich passiv gemangten. Diese zwei Aussagen gelten für jede Zeitperiode und setzen keine zusätzlichen Annahmen voraus.»[39]

2.2.2. Mathematisches Nullsummenspiel

Gemäss mathematischer Logik müssen 50% sämtlicher Geldanlagen über dem Durchschnitt und die anderen 50% unter dem Durchschnitt performen. Dieses Gesetz ist so sicher wie das «Amen» in der Kirche und ist nicht abhängig davon, ob ein Markt effizient ist oder nicht. Diese mathematische Logik würde auch dann Anwendung finden, wenn sämtliche Marktteilnehmer das Wissen eines absoluten Profis besitzen würden und nur korrekte Anlageentscheide treffen würden. Die Anlagen aller Investoren bilden den Benchmark und es scheint logisch, dass die Hälfte der Anleger mit ihren Performances darüber, die andere Hälfte darunter liegen muss. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, vor Kosten, den Index zu schlagen genau 50%. Nach Kosten erleiden die meisten aktiven Investoren eine Underperformance.[40]

Eugen Fama, ein US-amerikanischer Wissenschafter, untersuchte 1965 empirisch das Aktienkursverhalten und kam zum Schluss, dass sämtliche Preisänderungen zufällig und unvorhersehbar erfolgen. Seine These mündete in der Formulierung der sogenannten «Efficient-Market-Theorie», welche er 1970 entwickelte.[41]

2.2.3. Die «Efficient-Market-Theorie»

«Die zentrale Aussage der denkbar umfassenden Literatur zur Kapitalmarkteffizienz lautet, dass es nahezu unmöglich ist, Überrenditen zu erzielen, wenn man nur auf öffentlich zugängliche Informationen zurückgreifen kann.»[42]

Angenommen die Efficient-Market-Theorie trifft zu, kommt ihr wohl die wichtigste Bedeutung unter sämtlichen Forschungsergebnissen der Finanzwirtschaft zu. Die Hauptaussage dieser Theorie ist, dass ein Wertpapierkurs zu jedem Zeitpunkt sämtliche öffentlich zugängliche Informationen über dieses Wertpapier beinhalten. Dies wiederum führt dazu, dass sämtliche Marktpreise fair bewertet sein sollten und der gegenwärtige Marktpreis die beste Schätzung für zukünftige Marktpreise ist. Eine systematisch erkennbare Unter- oder Überbewertung von Wertpapieren ist nicht nachweisbar oder zumindest nicht mit Erfolg ausbeutbar.[43]

Doch was bedeuten diese Aussagen für die konkreten Umsetzungen am Markt? Ein informationseffizienter Markt wiederspiegelt sämtliche, öffentlich zugänglichen Informationen in seinen Preisen. Die Folgen von historischen Events, aber auch die Annahme von zukünftigen Ereignissen, sind bereits in den Kursen enthalten. Der Anleger ist daran interessiert, zu billige Aktien zu kaufen und zu teure Aktien zu verkaufen. Doch in den erwähnten Märkten ist dieses Unterfangen mit einem Glücksspiel zu vergleichen. Das Wissen oder das Können des Anlegers spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Aktienkurse werden in der Praxis oft auch als die beste Schätzung der «inneren Werte» angeschaut.[44]

In der Praxis ist jedoch auffällig, dass Analysten eine Vielzahl von Kursprognosen publizieren. Gemäss der «Efficient-Market-Theorie» sind diese aber nutzlos. Wissenschafter haben festgestellt, dass solche Kursprognosen vereinzelt zwar korrekt bestimmt wurden, über eine längere Zeitdauer betrachtet aber nicht mehr als Glückstreffer darstellen. Werden dann noch die Transaktionskosten berücksichtigt, werden auch die Glückstreffer relativiert. Nach Berücksichtigung des Risikos und der Transaktionskosten führen solche Prognosen also im Durchschnitt zu einer Unterrendite. Überrenditen sind langfristig dem Zufall geschuldet.

Die «Efficient-Market-Theorie» hat sich auf effizienten Märkten bewährt. Ein effizienter Markt zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:[45]

Hohe Informationseffizienz und Transparenz. Informationseffizienz bedeutet, dass vorhandene Informationen bereits in den Kursen eingepreist sind. Werden neue Informationen auf den Markt gespült, geht es gemäss verschiedenen Untersuchungen zwischen fünf Minuten und wenigen Stunden, bis sich der Marktpreis den neuen Gegebenheiten angepasst hat. Ob die Informationen immer den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen, kann nicht garantiert werden. Transparenz bedeutet, dass ein Überblick über das Angebot und die Nachfrage eines bestimmten Titels jederzeit gewährleistet ist.[46]

Hohe Liquidität. Hohe Liquidität bedeutet, dass es für Anleger jederzeit möglich ist, Titel zu kaufen oder zu verkaufen. Bei ETFs beispielweise sind sogenannte «Market-Maker» beauftragt, jederzeit verbindliche Geld- und Briefkurse zu stellen.[47]

Rationalität der Anleger. Unter Rationalität der Anleger versteht man, dass auf dem Markt eine gewisse Menge «vernünftig denkender» Teilnehmer nutzenmaximiert handeln.[48]

Der Staat gewährleistet einen freien Wettbewerb. Die Preise werden zu keiner Zeit durch den Staat oder Monopole willkürlich festgesetzt.[49]

Louis Bachelier zitierte zu diesem Thema bereits 1990: «Ganz klar ist der vom Markt als am wahrscheinlichsten angenommene Preis der wahre, korrekte Preis; wäre der Markt anderer Meinung, wäre der Marktpreis entweder höher oder niedriger.»[50]

Die «Efficient-Market-Theorie» wird in ihren Erkenntnissen von der «Random-Walk-Theorie» (Zufallstheorie) unterstützt. Die Random-Walk-Theorie geht davon aus, dass die heutigen Aktienkurse keine Indizien dafür sind, wie der Kurs morgen sein wird. Nebst dem natürlichen Kursgewinn-Trend von ca. 0.052% pro Tag wurde mit der Random-Walk-Theorie nachgewiesen, dass der Trend von Aktienkursen absolut keine bestimmten Anzeichen aufweist. Wenn man nämlich bereits heute schon wüsste, dass ein Aktienkurs von CHF 50.00 morgen bei CHF 60.00 liegen würde, könnte man damit unvorstellbare Gewinne erzielen. Die Random-Walk-Theorie widerspricht mit ihren Aussagen der technischen Analyse vollständig.[51]

Dies bedeutet jedoch nicht, dass es in einem informationseffizienten Markt keine «Outperformer» gibt. Überrenditen sind durchaus häufig beobachtbar, jedoch können sie nicht im Voraus identifiziert werden und es können keine Schlüsse für die Zukunft gezogen werden, da sie zufallsbedingt sind.[52]

Die wichtigste Erkenntnis der Efficient-Market-Theorie besteht also darin, dass die Erzielung von Überrenditen durch aktives Investieren eine Glückssache ist. Diese Erkenntnis spielt eine grosse Rolle für den Anleger, wenn er vor der Entscheidung steht, ob er aktiv oder passiv investieren möchte.[53]

Trotz der Erfahrungen aus der Efficient-Market-Theorie und der Random-Walk-Theorie sind heute über 95% der Anlagen von Privatanlegern aktiv investiert. Sie vertrauen also z.B. aktiven Fonds, bei welchen der Fondsmanager bestrebt ist, eine Outperformance zu erzielen. Von den professionellen Anlegern sind immerhin noch 80% - 85% aktiv investiert.[54]

Diese erdrückend hohe Zahl von aktiven Anlegern bringt für die passiven Investoren aber grosse Vorteile mit sich. Denn dank diesen aktiven Anlegern sind die Märkte effizient und passive Anlagestrategien sind dann unter dem Strich effizienter als aktive.[55] Man kann diese Situation mit dem Zitat von Mark Twain vergleichen: «Lasst uns dankbar sein für die Narren, denn ohne sie könnte der Rest von uns nicht gewinnen.»[56]

2.2.4. Aktive Anlagefonds in der Praxis

Morningstar ist der führende Anbieter von Informationen über Anlagevehikel. Aktuell bietet Morningstar Auskünfte über mehr als 456‘000 Anlageprodukte.[57] Die folgenden Daten beziehen sich auf die von Morningstar erfassten Produkte. Nebst den primären Anteilsklassen wurden auch Sekundärwerte, z.B. dieselben Fonds in anderen Währungen, berücksichtigt.

Offene Anlagefonds weltweit (inkl. ETFs)

Weltweit werden heute über 210‘000 offene Anlagefonds geführt. Dabei bilden die reinen Aktienfonds mit über 38% den Hauptanteil. Mit einem Marktanteil von 9.28%, oder einem verwalteten Fondsvermögen von USD 2‘726 Mrd., verwaltet die amerikanische Vermögensverwaltungsgesellschaft Vanguard die grössten Fondsvolumen, gefolgt von Fidelity und American Funds. Der grösste Anbieter aus der Schweiz ist die UBS, mit einem Marktanteil von 1.12% oder USD 311 Mrd.

Auch die Entwicklung der offenen Fondsvolumen ist eindrücklich. Wurden Mitte 2011 weltweit noch USD 21‘428 Mrd. verwaltet, sind es heute bereits USD 27‘908 Mrd. Dies entspricht einem Anstieg von fast 30% seit Juni 2011.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Volumenentwicklung Anlagefonds weltweit[58]

Die Zunahme der Fondsvolumen wurde durch die starken Börsenjahre der vergangen Jahre gepusht. Doch auch ein Blick auf die Nettoentwicklung ist eindrücklich. So konnte seit 2007 das Nettofondsvolumen jährlich gesteigert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Weltweite Nettoflüsse der Anlagefonds[59]

In der Schweiz zum Vertrieb zugelassene offene Anlagefonds (inkl. ETFs)

In den nächsten Ausführungen liegt das Hauptaugenmerk auf den von Morningstar erfassten offenen Fonds, welche in der Schweiz zum Vertrieb zugelassen sind. Von den über 210‘000 Anlagefonds weltweit sind rund 20%, oder 41‘182, in der Schweiz zum Vertrieb zugelassen. Mit einem gehaltenen Fondsvolumen von CHF 235 Mrd., deckt die US-amerikanische Bank JP Morgan Chase den grössten Teil des Volumens ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Grösste Anbieter von in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Fonds[60]

Auch bei den in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen offenen Anlagefonds machen die Aktienfonds mit 41.63% den grössten Teil aus. Dahinter folgt das «Fixed Income»-Segment mit 31.97%.

Die «Schweizer Fonds» konnten zwar seit 2007 das Fondsvolumen um einen beträchtlichen Satz steigern, doch im weltweiten Vergleich hinken sie hinterher.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Volumenentwicklung in der Schweiz von zum Vertrieb zugelassenen Anlagefonds[61]

Auch hier wurde das Fondsvolumen massgeblich durch die starken Börsenjahre nach 2008 gefördert. Die Nettozuflüsse (siehe nachfolgende Abbildung) konnten zwar in den meisten Jahren zulegen, doch auch hier liegen die Werte hinter den globalen Werten. 2008 und 2011 musste die Branche, welche mit in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Anlagefonds handelt, gar Abflüsse verzeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Nettoflüsse der in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Anlagefonds[62]

Fondsdomizil Schweiz (inkl. ETF)

Da viele Fonds von Schweizer Anbietern aus steuerlichen Gründen nicht in der Schweiz domiziliert sind, ist ein Vergleich nach Fondsdomizil wenig aussagekräftig. Zum Beispiel sind von den über 1‘000 Fonds der UBS weniger als die Hälfte in der Schweiz domiziliert. Beliebte Domizilländer sind v.a. Luxemburg und Irland.

Fonds mit Domizil «Schweiz» gibt es lediglich 2‘549 im von Morningstar erfassten Fondsuniversum, davon sind 199 ETFs. Das entspricht einer globalen Quote von ein bisschen mehr als einem Prozent. Von den in der Schweiz domizilierten Fonds haben die UBS und die Credit Suisse mit einem Marktanteil von zusammen über 50% klar die meisten Werte auf dem Markt.

2.3. Exchange Traded Funds

In Kapitel 2.2.3. «Efficient-Market-Theorie» (Seite 18) wurde beschrieben, dass die Märkte nachhaltig, nach Kosten, kaum schlagbar sind. Ohne Berücksichtigung der Kosten besteht mit mathematischer Logik eine statistische Wahrscheinlichkeit von genau 50%, besser als der Markt zu performen.

Zweckvolle Anlageberatung ist erstaunlicherweise mit wenig Arbeit und noch weniger Kosten möglich. Exchange Traded Funds (ETFs) bieten genau diese zwei Facetten und können dadurch eine regelrechte Revolution in der Finanzbranche darstellen. Doch was sind ETFs genau?

Ein Exchange Traded Fund ist nichts anderes, als ein Anlagefonds, der passiv verwaltet wird, einen Index möglichst genau abzubilden versucht und an der Börse gehandelt wird. In einem ersten Schritt unterscheiden wir also drei wesentliche Merkmale zu den aktiv verwalteten Anlagefonds.

Tabelle 4: Wesentliche Unterschiede aktive Anlagefonds vs. ETF[63]

ETFs versuchen einen Index möglichst präzise zu replizieren. Gängige Indizes sind der Swiss Market Index (SMI), Dow Jones, NASDAQ oder der DAX. Wenn ein Anleger also in einen SMI-ETF investiert, partizipiert er mit den 20 grössten kapitalisierten Aktiengesellschaften in der Schweiz. Fällt der SMI an einem Tag um 1%, so fällt der SMI-ETF ebenfalls um 1% und umgekehrt.

2.3.1. Historisches

Bevor die Exchange Trades Funds das Licht der Welt erblickten, waren bereits sogenannte «Indexfonds» auf dem Markt, welche ein ähnliches Verhaltensmuster wie die ETFs aufweisen. 1971 emittierte das US-amerikanische Dienstleistungsunternehmen Wells Fargo den ersten Indexfonds. Allerdings richtete sich dieser ausschliesslich an institutionelle Anleger. Fünf Jahre später wurde durch Vanguard der erste Indexfonds für Privatanleger geboren. Relativ schnell steigerte sich das Fondsvolumen dieses Fonds in eine gewaltige Höhe. Der Unterschied zwischen Indexfonds und ETFs ist die Handelbarkeit. Während ETFs laufend gehandelt werden, werden Zeichnungen und Rücknahmen von Indexfonds, analog aktiv verwalteter Anlagefonds, nur einmal täglich abgewickelt. Es ist naheliegend, dass diese Handelbarkeit bei den Anlegern nicht unbedingt beliebt war. Deshalb wurde der Ruf nach laufendem Handel laut.[64]

1989 war es dann so weit: In Kanada konnte ein ETF-ähnliches Produkt laufend gehandelt werden. Es war die sogenannte Geburtsstunde der Exchange Traded Funds. 1993 zog die USA nach und lancierte den bekannten «Spider» - er bildet den Samp;P 500 ab – welcher heute immer noch zu den grössten ETFs weltweit zählt.[65]

Merrill Lynch lancierte im Jahre 2000 mit den «LDRS» die ersten ETFs in Europa. Die beiden Fonds konzentrierten sich auf den Euro STOXX 50 und den STOXX 50 und wurden vom heute grössten ETF-Anbieter, iShares, übernommen. iShares selbst kam ebenfalls im Jahre 2000 mit den ersten ETFs auf den Markt. 2001 wurden die ersten ETFs durch die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse emittiert. Fünf Jahre nach der Jahrhundertwende wurden die europäischen Richtlinien «UCITS III» eingeführt. Diese gestatteten das ETF-Universum flexibler zu gestalten. Ab diesem Zeitpunkt konnten auch Swap-replizierte ETFs emittiert werden (mehr dazu in Kapitel 2.3.7., Seite 36).[66]

Obwohl die ersten ETFs in Europa erst im Jahre 2000 – sieben Jahre nach den Amerikanern – lanciert wurden, wurden in Europa bereits im Jahre 2010 mehr ETFs als in Übersee gehandelt.[67]

2.3.2. Vor- und Nachteile von ETFs

Einige elementare Vorteile von ETFs wurden bereits angesprochen. Exchange Traded Funds bringen jedoch auch Risiken mit sich. In diesem Kapitel werden die Vorteile den Nachteilen gegenübergestellt und beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Vor- und Nachteile von ETFs[68]

Vorteile

Mit dem Kauf eines ETF erwirbt man den gesamten Inhalt des jeweiligen Index. Damit sind die Käufer eines ETF, je nach Index, unterschiedlich breit diversifiziert. Mit einem SMI-ETF ist die Streuung auf die 20 grössten Aktiengesellschaften in der Schweiz beschränkt. Mit einem MSCI World Index partizipiert der Anleger jedoch mit 1‘500 Titeln aus 24 Ländern. Durch die Investition in einen Index, welcher nicht laufend verändert wird, geniessen ETF-Investoren eine hohe Transparenz ihrer Anlageprodukte. Im Gegensatz zu aktiv verwalteten Anlagefonds verändert sich der Inhalt eines Index sehr selten. Durch die einfache Nachbildung des Index und dem geringen Verwaltungsaufwand sind auch die Gebühren bei Exchange Traded Funds sehr niedrig. Die ETFs gehören zu der Familie der Anlagefonds und stellen somit Sondervermögen dar. Der grosse Vorteil des Sondervermögens wurde in Kapitel 2.1.2. (Seite 6) erläutert. Ein weiterer Unterschied zwischen aktiv verwalteten Anlagefonds und ETFs ist die Handelbarkeit an der Börse. Während aktiv verwaltete Anlagefonds einmal täglich gezeichnet oder zurückgenommen werden können, sind ETFs grundsätzlich, wie Aktien, jederzeit zum Kauf oder Verkauf verfügbar. Bei einem dringenden Kauf oder Verkauf eines ETFs muss also nicht ein verbindlicher Kurs abgewartet werden, sondern er kann zum aktuellen Kurs gehandelt werden. Da sogenannte Market Maker verpflichtet sind, bei liquiden Indizes, laufend Kauf- und Verkaufskurse zu stellen, ist der Markt von diesen ETFs jederzeit liquide. In der heutigen Zeit gibt es nicht nur ETFs auf Aktienindizes, sondern auch auf Produkte, welche Anleihen- oder Rohstoffindizes abbilden. Dadurch können ganze Anlagestrategien mit ETFs umgesetzt werden.[69]

Nachteile

Nebst zahlreichen Vorteilen, welche ETFs mit sich bringen, gibt es aber auch einige Risikofaktoren zu beachten. Dass bei einem ETF der Index kaum geschlagen, sondern nur abgebildet wird, wird häufig als Kritikpunkt angeschaut. Die Performance eines ETF ist in der Regel die Rendite des Index abzüglich der geringen Kosten. Bei den Vorteilen wurde das Sondervermögen erwähnt. Bei den Swap-replizierten ETFs oder bei der «Wertschriftenleihe» kann jedoch ein Gegenparteirisiko zu Stande kommen. Ein weiterer Risikofaktor, der immer auftreten kann, ist das operationelle Risiko. Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. So kann es z.B. dazu kommen, dass ein Index nicht richtig abgebildet wird oder sich Probleme bei der Bewirtschaftung von Sicherheiten ergeben. Bei den Vorteilen wurde der Einsatz der Market Maker, welche jederzeit für Geld- und Briefkurse garantieren, erwähnt. Diese Market Maker sind auch für eine angemessene Geld-Brief-Spanne verantwortlich. Wird diese Spanne zu gross, kann dies zu negativen Konsequenzen respektive hohen Kosten für die Anleger führen. Je nach Land ist die Steuersituation unterschiedlich. Es lohnt sich also, die steuerlichen Folgen vor dem Kauf eines ETFs abzuklären. In der heutigen Zeit gibt es nebst ETFs und Indexfonds bereits eine Reihe weiterer «Exchange Traded Products» (ETPs), welche verwechselt werden können. Vor dem Kauf eines ETF ist es also unumgänglich, genau zu schauen, ob wirklich das richtige Produkt erworben wird. Bei einem Exchange Traded Note beispielsweise trägt der Käufer das vollständige Gegenparteirisiko. Falls ETFs zu tiefe Volumen halten, kann dies zu einer Schliessung führen, was negative Folgen für die Investoren haben kann. Deshalb ist es sinnvoll, in ETFs mit hohen Volumen zu investieren. Gefährdet sind vor allem ETFs exotischer Indizes.[70]

2.3.3. ETFs, ETCs, ETNs und Indexzertifikate

Im vorangehenden Kapitel 2.3.2. (Seite 26) wurde bereits darauf eingegangen, dass es nebst den ETFs noch weitere Exchange Traded Products gibt, welche ähnlich funktionieren wie ETFs aber oft bedeutend mehr Risiken mit sich bringen. Im folgenden Abschnitt werden die verschiedenen ETPs erläutert.

ETPs sind, wie ETFs, Produkte, welche die Wertentwicklung eines Index abbilden und an der Börse gehandelt werden.

Indexzertifikate

Indexzertifikate sind zwar keine ETPs, haben aber eine ähnliche Funktionsweise. Die Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen und bilden die Wertentwicklung der Indizes nicht unbedingt linear ab. Nebst dem, dass Indexzertifikate häufig auch auf Optionsstrategien basieren, differenzieren sie sich in der rechtlichen Struktur, der Liquidität, der Besicherung, aber auch in den Replikationsmethoden von den ETFs. Die bekanntesten Index- oder Anlagezertifikate sind Kapitalschutzzertifikate, Partizipationszertifikate, Bonuszertifikate, Discountzertifikate und Aktienanleihen. Indexzertifikate sind dem Emittentenrisiko ausgesetzt.

Das Risiko, welches mit dem Ausfall eines Emittenten verbunden ist, erhielten die Anleger mit dem Ausfall der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008 zu spüren. Das Vertrauen, dass mit diesem Ereignis verloren ging, ist bis heute noch nicht vollständig zurück.[71]

ETC (Exchange Traded Commodities)

Wenn nur in einen Rohstoff investiert wird, fällt der Diversifikationsgedanke weg. Da ETFs strengen rechtlichen Richtlinien unterstehen, ist das Investieren in ein einzelnes Gut via ETF nicht möglich. Es können zwar ETFs eines breit gestreuten Rohstoffindex gekauft werden, jedoch keine ETFs auf einen einzelnen Rohstoff wie z.B. Gold.[72] Solche Transkationen können via ETC getätigt werden. ETCs sind Inhaberschuldverschreibungen, bei welchen der Anleger das volle Kreditrisiko des Emittenten trägt. Vielfach sind ETCs durch die Hinterlegung des physischen Gutes gesichert.[73]

ETN (Exchange Traded Note)

ETNs funktionieren ähnlich wie ETCs. Exchange Traded Notes sind ebenfalls Inhaberschuldverschreibungen und bilden häufig Volatilitäts- oder Währungsindizes ab. Im Gegensatz zu den Exchange Traded Commodities wird bei den ETNs auf die physische Hinterlegung des Basiswertes verzichtet. Von der rechtlichen Konstruktion sind sie den Zertifikaten sehr nahe.[74]

[...]


[1] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 12

[2] Schweizer Radio- und Fernsehen 2014, Wie Banken mit Anlagedepots abkassieren, in: http://www.srf.ch/konsum/themen/geld/wie-banken-mit-anlagedepots-abkassieren, 02.07.2014.

[3] vgl. SIX Swiss Exchange (o.J.), Nutzen Sie Ihre Erfolgschancen am Schweizer ETF/ETP-Markt, in: http://www.six-swiss-exchange.com/issuers_de.htm, 20.06.2014

[4] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 11

[5] Beratungsblätter Raiffeisen 2012, Funktionsweise Kollektive Kapitalanlagen, Beratungsblatt Raiffeisenbank Flums (intern).

[6] vgl. ebd

[7] vgl. Art. 35, Abs. 1 KAG und vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 7

[8] Terrance Odean (o.J.), zitiert in: Kommer Gerd 2011, S. 59

[9] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 59-60

[10] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 60

[11] vgl. ebd

[12] Kommer Gerd 2011, S. 61

[13] Art. 78, Abs. 1 2, KKV

[14] Bundesbank / MSCI / FTSE Epra / Standard Poor’s / Bloomberg (o.J.), zitiert in: Kommer Gerd 2011, S. 63-64

[15] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 66

[16] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 67

[17] vgl. ebd

[18] vgl. ebd

[19] ghost 2008, Wertpapier Community, in: http://www.wertpapier-forum.de/topic/20837-risiko-rendite/page__st__20, 23.06.2014

[20] Bernstein William 2002, zitiert in: Kommer Gerd 2011, S. 70

[21] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 220

[22] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 58

[23] vgl. ebd

[24] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 58

[25] vgl. ebd

[26] vgl. ebd

[27] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 59

[28] vgl. ebd

[29] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 60

[30] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 61

[31] vgl. ebd

[32] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 62

[33] vgl. ebd

[34] vgl. ebd

[35] vgl. ebd

[36] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 62

[37] vgl. Lüscher-Marthy Max 2009, S. 63

[38] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 9

[39] Sharpe William (o.J.), zitiert in: Kommer Gerd 2011, S. 27

[40] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 27-31

[41] vgl. Brezovski Sonja 2007, S. 12-13

[42] Cummers Lawrene (o.J.), zitiert in: Kommer Gerd 2011, S. 37

[43] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 37-38

[44] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 38

[45] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 38-39

[46] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 39

[47] vgl. ebd

[48] vgl. ebd

[49] vgl. ebd

[50] Bachelier Louis (o.J.), zitiert in: Kommer Gerd 2011, S. 41-42

[51] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 39-41

[52] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 40

[53] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 43

[54] vgl. ebd

[55] vgl. Kommer Gerd 2011, S. 52

[56] Twain Mark (o.J.), zitiert in: Kommer Gerd 2011, S. 52

[57] Morningstar 2014, in: http://corporate.morningstar.com/de/asp/subject.aspx?xmlfile=1001.xml, 26.06.2014

[58] Eigene Abbildung; Fondsdaten aus «Morningstar Direct» vom 09.07.2014

[59] Eigene Abbildung; Fondsdaten aus «Morningstar Direct» vom 09.07.2014

[60] Eigene Abbildung; Fondsdaten aus «Morningstar Direct» vom 09.07.2014

[61] Eigene Abbildung; Fondsdaten aus «Morningstar Direct» vom 09.07.2014

[62] Eigene Abbildung; Fondsdaten aus «Morningstar Direct» vom 09.07.2014

[63] Eigene Abbildung

[64] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 11-12

[65] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 12

[66] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 13

[67] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 13-14

[68] Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 9

[69] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 8

[70] vgl. Niedermayer Daniel / Wagner Marcel 2012, S. 8-9

[71] vgl. Hecher Claus 2013, S. 25 - 26

[72] In der heutigen Zeit können auch ETFs auf einzelne Rohstoffe gekauft werden.

[73] vgl. Hecher Claus 2013, S. 25

[74] vgl. Hecher Claus 2013, S. 25

Details

Seiten
125
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656882954
ISBN (Buch)
9783656882961
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287301
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft Zürich
Note
1,9
Schlagworte
exchange traded fund untergang anlagefonds

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Titel: Exchange Traded Fund (ETF). Der Untergang für aktiv verwaltete Anlagefonds?