Lade Inhalt...

Der Einfluss des Englischen auf das Französische in Quebec

Bachelorarbeit 2012 33 Seiten

Romanistik - Französisch - Landeskunde / Kultur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Hintergründe
2.1 Besiedlung bis zum 20. Jahrhundert
2.2 Geographische Herkunft der Siedler
2.3 Soziale Herkunft der Siedler und Bildung

3. Sprachpolitische Hintergründe
3.1 Révolution tranquille
3.2 Loi 63
3.3 Loi sur la langue officielle
3.4 Charte de la langue française
3.5 Office québécois de la langue française

4. Das français québécois
4.1. Erste Aussagen über die Sprachqualität
4.2 Sprachliches Normbewusstsein

5. Die Rolle des Englischen
5.1 Definition Anglizismus
5.2 Verschiedene Typen von Anglizismen
5.2.1 Lexikalische Anglizismen
5.2.2 Semantische Anglizismen
5.2.3 Calques
5.3 Frequenz
5.4 Aussprache
5.5 Akzeptanz von Anglizismen
5.5.1 aus Sicht des Dictionnaire québécois d´aujourd´hui
5.5.2 von den Sprechern
5.5.3 aus Sicht des Office québécois de la langue française
5.6 Bewertung

6. Schulbildung in Quebec
6.1 Von der Grundschule bis zur Sekundarstufe
6.2 Gesetzlich geregelte Unterrichtssprache
6.3 Zusammenhang zwischen Konfession und Schulbildung

7. Zusammenfassung

8. Literaturangaben
8.1 Primärliteratur
8.2 Sekundärliteratur

9. Anhang
9.1 Geographische Herkunft der Siedler
9.2 Die fünf häufigsten Anglizismen im Dictionnaire de fréquence
9.3 Frequenzbereiche der Anglizismen im Dictionnaire de fréquence
9.4. Vergleich der Integration von Anglizismen im français de France und français québécois
9.4.1 Graphophonematische Relationen

1. Einleitung

Kanada ist das zweitgrößte Land der Erde und hauptsächlich durch die englische Sprache geprägt. Nur in der Provinz Quebec ist das Französische seit fast 40 Jahren offizielle Sprache und seit 35 Jahren sogar alleinige Amtssprache. Rund 79% der Bevölkerung sind frankophone, nur knapp 8% englische Muttersprachler (Boberg 2010, 5). Zu 95% wird in der Provinz französisch gesprochen (ebd., 22). Die französische Sprache hatte es nicht immer leicht, sich durchzusetzen, da Quebec ausschließlich von mehrheitlich anglophonen Gebieten umgeben ist. Doch inwieweit hat das Englische das français québécois beeinflusst? Welche Aussagen kann man über Sprachqualität und Sprachnorm treffen und welchen Beitrag leisteten die geschichtliche Entwicklung Quebecs und die Sprachpolitik?

Im ersten Teil meiner Bachelorarbeit werden die historischen Hintergründe in Kanada thematisiert, die grundlegenden Einfluss auf die Entwicklung des français québécois hatten und die Kultur und Sprache der Menschen prägten. Im Anschluss folgt ein Überblick über die sprachpolitischen Hintergründe: Besonders die Charte de la langue française und das Office québécois de la langue française spielen hier eine zentrale Rolle. Im zweiten Teil geht es um das français québécois, seine Sprachnorm und Sprachqualität. Anschließend wird die Rolle des Englischen in Quebec dargelegt. Wie auch viele andere Sprachen blieb das français québécois nicht von dem englischen Einfluss verschont. Welche Rolle spielt die englische Sprache in der Provinz, in welchen Bereichen kommt sie vor? Desweiteren sind die verschiedenen Typen von Anglizismen Gegenstand dieser Arbeit; sowohl ihre Frequenz als auch die Eingliederung in das quebecer Sprachsystem werden behandelt. Abschließend wird das Bildungssystem Quebecs vorgestellt, um einen Überblick darüber zu bekommen, welchen Beitrag dieses zur Sprachentwicklung leistete.

Mit dieser Bachelorarbeit möchte ich einen Überblick über die einzigartige sprachliche Situation in Quebec geben und unter Berücksichtigung historischer und sprachpolitischer Hintergründe klären, welchen Einfluss das Englische bzw. Anglizismen auf das français québécois ausgeübt haben.

2. Geschichtliche Hintergründe

2.1 Besiedlung bis zum 20. Jahrhundert

Durch Entdeckungsfahrten des Italieners Giovanni Caboto im Jahre 14971 gelangten Neuschottland und Neufundland in englischen Besitz. Durch die reichhaltigen Fischbestände wurden auch europäische Hochseefischer auf das neu entdeckte Land aufmerksam (Wolf 1987, 1).

Im 16. Jahrhundert kam der Franzose Jaques Cartier an die kanadische Ostküste und nahm Kanada im Namen des König François I. in Besitz. 1534 entdeckte er die Prinz-Eduard-Inseln, die Küste Neubraunschweigs und die Halbinsel Gaspé, 1535 fuhr er den St.-Lorenz-Strom entlang und kam zum heutigen Quebec und Montreal. Nach Cartiers Entdeckungsfahrten kamen die ersten französisch sprechenden Siedler nach Kanada. Aufgrund von Versorgungsproblemen und des extremen Klimas kam es allerdings erst im 17. Jahrhundert zu ,,permanent settlements“ (Conrick/Regan 2007, 11). In dieser Zeit gewann neben der Fischerei auch der Pelzhandel an wirtschaftlicher Bedeutung.

Nachdem sich die Siedler mit dem Klima arrangiert hatten, die Lebensmittelversorgung gesichert war und sich auch der anfängliche Widerstand der Indianer gelegt hatte, begründete Samuel de Champlain Neufrankreich. Neben anderen kleinen Siedlungen, die zwischen 1604 und 1634 entstanden waren, gründete er 1608 die Stadt Quebec. Ville-Marie, das heutige Montreal, wurde 1642 gegründet. Dadurch konnte eine Grundlage für die französische Kolonialisierung geschaffen werden: Ab 1617 kamen die ersten französischen Immigranten nach Kanada und ließen sich dort dauerhaft nieder (Conrick/Regan 2007, 12). Als im 17. Jahrhundert auch anglophone Siedler nach Nordamerika kamen, gab es sowohl Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den frankophonen Siedlern, als auch zwischen den Frankophonen und den feindlichen Indianerstämmen. Vor allem mit den Irokesenstämmen, den Handelspartnern der Anglophonen, kam es zu Konflikten, da diese Interaktion eine Bedrohung für die frankophone Bevölkerung und ihre Kultur darstellte.

Die Engländer versuchten 1628, Neuschottland und Neufundland in Besitz zu nehmen, ein Jahr später gelang es ihnen, Quebec zu besetzen. Im Jahre 1632 regelte der Friedensvertrag von St.-Germain-en-Laye die Rückgabe der besetzen Gebiete an die Franzosen. Gleichzeitig war die Akadie jedoch weiterhin umkämpft und einige Jahrzehnte später fiel sie durch den Vertrag von Utrecht in britische Hand.

Mitte des 17. Jahrhunderts nahm Louis XIV. schließlich – nach vielen harten Auseinandersetzungen zwischen Irokesen und Algonkin – die neue Kolonie in Besitz und errichtete eine Kolonialverwaltung (Wolf 1987, 3).

Bis 1672 sorgte Jean Talon durch Friedenssicherung und bizarren Maßnahmen, die zu einem Bevölkerungswachstum führten, für einen sozialen und politischen Aufschwung in Quebec. Trotz dieses Aufschwungs waren die Frankophonen den Briten über viele Jahrzehnte demographisch unterlegen und mit der Schlacht auf den Plaines d´Abraham im Jahre 1759 konnten die Briten fast problemlos Quebec und ein Jahr später auch Montreal einnehmen.

Der Friedensvertrag von Paris zwang den französischen König 1763, fast all seine Gebiete an die britische Krone anzugeben. Folglich besiedelten viele britische, schottische und irische Bevölkerungsgruppen Kanada.

Die Frankophonen fühlten sich im Stich gelassen. Demnach fand nicht nur keine weitere Besiedlung Frankophoner mehr statt, es ging sogar so weit, dass französische Bevölkerungsgruppen (u.a. die Armee und die Oberschicht) das Gebiet verließen und nach Europa gingen. Das entstandene Machtvakuum wurde von Anglokanadiern besetzt (Reutner 2009, 158): Der Acte de Québec, der 1774 vom britischen Parlament ins Leben gerufen wurde, um eine Neuregelung der Verhältnisse in den nordamerikanischen Kolonien zu veranlassen, regelte u.a. den Gebrauch der französischen Sprache und des französischen Zivilrechts in Quebec.2 Er wurde 1791 durch den Acte constitutionnel ersetzt, welcher Kanada in die beiden Provinzen Ober- und Unterkanada teilte. Oberkanada (Ontario) war hauptsächlich englischsprachig geprägt, Unterkanada (Quebec) überwiegend französisch.3 1841 wurden die beiden Provinzen erneut vereint, Ottawa wurde Hauptstadt des Landes. Im Jahre 1867 wurde Kanada mit der Unterzeichnung des Acte de l´Amerique du Nord britannique zu einem Bundesstaat mit den vier Provinzen Quebec, Ontario, Neubraunschweig und Neuschottland und 1931 schließlich zu einem eigenständigen Staat.4

2.2 Geographische Herkunft der Siedler

Mit Beginn der Immigration in Kanada wurde das Land zu einem ,,multilingual place“ (Conrick/Regan 2007, 15). Im 17. und 18. Jahrhundert kamen etwa 10.000 Einwanderer aus Frankreich nach Kanada (Wolf 1987, 13). Die meisten stammten aus dem Westen und Nordwesten Frankreichs sowie aus Paris und ließen sich im ganzen Land nieder (vgl. 9.1).

Spezifische Daten über die Ansiedlung anglophoner Migranten in Quebec liefert Boberg: Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges von 1775 bis 1783 flüchteten viele Amerikaner nach Quebec, wodurch sich der Anteil der anglophonen Bevölkerung verdreifachte. Es bildeten sich durch die Ansiedlung englischsprachiger Siedler sogenannte ,,Eastern Townships“ (Boberg 2010, 64). Diese townships wurden von politischer Seite vernachlässigt. Nach und nach ließen sich immer mehr Migranten aus Neuengland in Quebec nieder, die eigene Gemeinden wie Sherbrooke, Magog oder Lennoxville bildeten. Bis Anfang des 19. Jahrhundert ließen sich etwa 20.000 englischsprachige Siedler in diesen townships nieder.Auch durch Quebecs geographische Lage kamen viele englischstämmige Einwanderer in die Provinz, um dort zu bleiben oder um weiter in englischsprachige Regionen zu ziehen, denn laut Boberg war Quebec der ,,main port of entry“ (Boberg 2010, 71). In dieser Zeit kamen ungefähr knapp 90.000 englischsprachige Immigranten nach Quebec City und Montreal, davon etwa 65% aus Irland, jeweils 15% aus Schottland und England (ebd., 70).

Obwohl dann ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Anteil französischsprachiger Siedler zunahm, trugen die englischstämmigen Siedler dazu bei, dass Quebecs Bevölkerung auf 1,1 Mio. Bewohner anstieg und die Stadtentwicklung vorangetrieben wurde (,,…beginning of urban Canada“, Boberg 2010, 80). Ende des 19. Jahrhunderts sank der englischsprachige Bevölkerungsanteil um ein Drittel. Im Gegensatz dazu stieg der französischsprachige Bevölkerungsanteil aufgrund der hohen Geburtenrate frankophoner Frauen an (ebd., 81).

2.3 Soziale Herkunft der Siedler und Bildung

Im Jahre 1691 machte der Pater Chrestien Le Clerc eine zusammenfassende Aussage über die soziale Herkunft der Siedler Quebec: ,,…[ils] étai[en]t en France de bons bourgeois […] ou des artisans de différents métiers, des laboureurs peu aisés ou des soldats…“ (Wolf 1987, 14).

Mit Hilfe der folgenden Untersuchung aus dem Jahre 1663 lassen sich auch Aussagen über den Bildungsgrad der Siedler machen: Zu der damaligen Bevölkerung, die das 14. Lebensjahr erreicht hatte, zählten etwa 44% Analphabeten, während in Frankreich ca. 80% Analphabeten lebten (vgl. Trudel. 1973. La population du Canada en 1663. Montreal, in: Wolf 1987, 14.). Von den 44% ausgenommen sind der Klerus und die Verwaltung.

Zu dieser Zeit lebten insgesamt 3035 Bewohner in Kanada, von denen knapp 39% dort geboren wurden und 41% eingewandert sind. Wie frühere historische Arbeiten bewiesen, waren die meisten Register und Verträge mit Unterschriften versehen, sodass auf eine Lese- und Rechtschreibkompetenz geschlossen werden konnte (Wolf 1987, 15).

Ob und inwieweit diese Informationen über die Siedler helfen, Schlüsse über die Entwicklung des français québécois zu ziehen, lässt sich erst im Laufe diese Arbeit feststellen. In Kapitel 4 wird das français québécois genauer untersucht und es werden Aussagen über die Sprachqualität und Sprachnorm getroffen.

3. Sprachpolitische Hintergründe

Aufgrund der Tatsache, dass sich über viele Jahrhunderte zahlreiche Immigranten mit den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen in Quebec ansiedelten und die Provinz abwechselnd unter die britische und die französische Krone fiel, wurde die sprachpolitische Situation in Quebec enorm beeinflusst:

1791 waren rund 90% der Bevölkerung Unterkanadas frankophon, trotzdem blieb Englisch die in der Öffentlichkeit am häufigsten verwendete Sprache, da die Engländer die qualitative Mehrheit darstellten: Sie übernahmen zum großen Teil die Macht- und Führungspositionen in der Provinz (Reutner 2009, 159). Nach der Wiedervereinigung von Ober- und Unterkanada im Jahr 1841 wurde Englisch zur alleinigen Amtssprache erklärt, sieben Jahre später wurde hingegen die Zweisprachigkeit gesetzlich festgelegt (ebd., 159). Obwohl durch das Gesetz die sprachliche Identität der Frankokanadier gesichert schien, dominierte die englische Sprache weiter in allen Regierungsangelegenheiten. In den Folgejahren kam es kaum zu sprachpolitischen Erfolgen für die französische Sprache, obwohl zu ihrer Verteidigung einige Organismen gegründet wurden.

1902 entstand die Société du parler français au Canada, die es sich zur Aufgabe gemacht hat ,,d’étudier la langue française du Canada et d’en améliorer la qualité".5 Diese Institution organisierte zwischen 1912 und 1952 insgesamt drei Congrès de la langue française. Auf dem zweiten Kongress im Jahre 1937 versuchten die Veranstalter mehrere Ziele durchzusetzen: ,,à éveiller la ferveur patriotique et [à] traite[r] encore des liens entre la langue et la foi ainsi que de la survivance des minorités francophones".

Außerdem wurden Maßnahmen ergriffen ,,pour remédier à l’état du français, jugé lamentable" (s. Anm. 5).

Auch mithilfe des Loi Lavergne wurde ab 1910 versucht, einige Regelungen zur Zweisprachigkeit zugunsten des Französischen zu verschärfen (Reutner 2009, 160).

Die 1913 gegründete Ligue d´action nationale nahm sich zur Aufgabe, die Frankokanadier über die Anglisierung ihrer Sprache und Kultur aufzuklären, ihre ,,Gleichgültigkeit“ dem gegenüber zu ,,beheben“ und ,,dem Französischen zu mehr Geltung zu verhelfen“ (Wolf 1987, 66). Das Ziel, die Verwendung des Französischen durchzusetzen, wurde jedoch bis Mitte des 20. Jahrhunderts nicht erreicht.

Trotz mangelnder politischer Durchsetzung der französischen Sprache verzeichnete die frankokanadische Bevölkerung über viele Jahre einen Zuwachs: Bis 1960 wuchs der Anteil der Frankophonen in Quebec, da ihre Frauen in den beiden Jahrhunderten zuvor durchschnittlich sechs Kinder zur Welt brachten (Boberg 2010, 6). Allerdings geriet das Gleichgewicht zwischen anglophonem und frankophonem Bevölkerungsanteil etwa ein Jahrzehnt später aus den Fugen. Die Gründe hierfür waren, dass frankophone Frauen nur noch im Durchschnitt zwei Kinder zur Welt brachten und der Anteil der Immigranten, welche sich der anglophonen Sprache und Kultur annahm, stieg (ebd., 7). Unter anderem sind die Reformen der Révolution tranquille für den Geburtenrückgang unter Frankokanadiern verantwortlich (siehe nächstes Kapitel).

Ein weiteres Problem stellte die grundsätzliche Relevanz der englischen Sprache dar und der Wunsch der französischen Kinder, Englisch zu lernen (ebd., 8).

Die englische Sprache nahm einen großen Platz im gesellschaftlichen Leben in der Provinz Quebec ein.

Der Staat nahm sich des Problems an und versuchte, die sprachpolitische Situation zu verbessern. Es dauerte einige Jahre, bis die Regierung neue, erfolgreiche Gesetze ins Leben rief, um der Gesellschaft klare Richtlinien vorzugeben und die Sprachenfrage zu klären. Zwischenzeitlich kam es mit den Révolution tranquille zu einem gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch.

3.1 Révolution tranquille

Der Ausdruck Révolution tranquille bezeichnet einen gesellschaftlichen Umbruch in der Provinz Quebec ab 1960, ausgelöst durch den unerwarteten Tod des konservativen Politikers Maurice Duplessis im Vorjahr. Duplessis war seit 1944 in der Union nationale aktiv, seine Vorgehensweisen waren jedoch umstritten: Er soll den ,,wilden“ Kapitalismus befürwortet haben, blieb der Sozialdoktrin der katholischen Kirche treu und versuchte, den Quebecern die neu eingeführten Sozialmaßnahmen vorzuenthalten.6 Er lehnte also jede Art von Reformen ab. Sein Tod gewährte Quebec den „Eintritt in die Moderne“ (Föttinger 2006, 152). Unter Führung des neu gewählten Premierministers Jean Lesage kam es zu Reformen im sozial- und bildungspolitischen Bereich, im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft. So wurden beispielsweise einige Betriebe verstaatlicht. Neun neue Staatsgesellschaften sind entstanden, durch die zum ersten Mal Unternehmen von frankophonen Wirtschaftskadern dominiert wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es hauptsächlich anglophone Kader. Außerdem entzog sich die Regierung dem Einfluss der römisch-katholischen Kirche, was zur Folge hatte, dass die Bevölkerung in Auflehnung gegen die Kirche zur Abtreibung und Empfängnisverhütung animiert wurde. Die Folge war ein Geburtenrückgang in der frankophonen Bevölkerung (s. Anm. 6).

Auch die französische Sprache erlebte einen Aufschwung. Ihre politische und wirtschaftliche Bedeutung wuchs und der frankophonen Bevölkerung wurde bewusst, dass sie keine qualitative Minderheit mehr darstellt (Reutner 2009, 160).

Jean Lesage verkündete in einer Rede in der pariser Acadèmie française, dass der Gebrauch des français québécois gerechtfertigt sei, da es sich um eine individuelle Sprache handele (Föttinger 2006, 161). Das „Selbstbewusstsein“ der Frankokanadier wurde gestärkt, sie sahen sich als eine von Frankreich unabhängige Nation, die aufgrund ihrer Sprache und ihrer Kultur eine eigene, individuelle Identität besitzt (ebd., 162).

3.2 Loi 63

Mit dem Loi 63 wurde 1969 ein neues Sprachgesetz für die Provinz Quebec ins Leben gerufen und regelte sowohl für Immigrantenkinder als auch für alle Quebecer die freie Wahl der Unterrichtssprache. Zudem wurden englische Schulen dazu verpflichtet, ihren Schülern eine ,,connaissance d´usage“7 der französischen Sprache zu vermitteln. Aufgrund der Tatsache, dass das Loi 63 nicht den gewünschten Erfolg brachte, wurde das Loi sur la langue officielle ins Leben gerufen.

3.3 Loi sur la langue officielle

Mit dem Loi sur la lagnue officielle, das 1974 auch unter dem Namen Loi 22 in Kraft trat, wurde die französische zur offiziellen Sprache in Quebec. Das Gesetz schrieb vor, alle öffentlichen Schilder, Aushänge und Plakate mit französischen Texten zu versehen und Französierungsprogramme in Unternehmen einzuführen. Außerdem durften englische Schulen nur von englischen Muttersprachlern besucht werde, sofern sie eine Sprachprüfung ablegten. Leider brachte auch das Loi sur la langue officielle keine großen Änderungen mit sich, da es an seiner praktischen Umsetzung fehlte (Reutner 2009, 162).

[...]


1 Anm.: Zwar begann die erste Besiedlung Kanadas schon mehrere tausend Jahre v.Chr., wirklich relevante Ereignisse ereigneten sich aber erst im 15. Jahrhundert.

2 www.tlfq.ulaval.ca/axl/amnord/cndconst_ActedeQuebec_1774.htm

3 www.tlfq.ulaval.ca/axl/amnord/cndconst1791.htm

4 www.thecanadianencyclopedia.com/articles/fr/acte-de-lamerique-du-nord-britannique-1867-document

5 www.francoidentitaire.ca/quebec/texte/T3238.htm

6 www.tudresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_sprach_literatur_und_kulturwissenschafte n/romanistik/cifraqs/cifraqs_studium/essay_fritzsch_0506

7 www.tlfq.ulaval.ca/axl/amnord/quebec-loi-1969.htm

Details

Seiten
33
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656876519
ISBN (Buch)
9783656876526
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287172
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,7
Schlagworte
einfluss englischen französische quebec

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Der Einfluss des Englischen auf das Französische in Quebec