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Die Schrift "Die innere Mission der evangelischen Kirche" von Johann Hinrich Wichern und die politischen Situation in Deutschland 1848

Zeitgeschichtliche Einordnung

von Elena Bräuer (Autor)

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Situation in Deutschland 1848
2.1 Die politische Situation in Deutschland 1848
2.2 Die wirtschaftliche Situation in Deutschland vor 1848
2.3 Die soziale Situation in Deutschland 1848
2.4 Die Revolution Deutschland 1848

3. Fazit

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Folgenden befasse ich mich mit der politischen Situation in Deutschland 1848. Ziel meiner Ausarbeitung ist es, einen zeitgeschichtlichen Überblick zu geben, um die Schrift „Die innere Mission“ Johann Hinrich Wicherns zeitgeschichtlich besser einordnen zu können.

Um die zeitliche Einordnung verständlicher zu machen, habe ich diese in unterschiedliche Teile (politisch, wirtschaftlich und sozial) eingeteilt.

2. Die Situation in Deutschland 1848

2.1 Die politische Situation in Deutschland 1848

Das damalige Deutschland wurde durch den Deutschen Bund, auch Staatenbund genannt, der aus 39 Einzelstaaten bestand, repräsentiert.

Der Deutsche Bund wurde während des Wiener Kongresses durch die Bundesakte vom 8. Juni 1815 geschaffen und die Schlussakte vom 8. Juni 1820 endgültig bestätigt. Der deutsche Staatenbund bestand anfangs aus 35 und zuletzt aus 31 selbstständigen Staaten und 4 freien Städten. Die Mitglieder des Deutschen Bundes waren das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen, das Königreich Sachsen, das Königreich Bayern, das Königreich Hannover, das Königreich Württemberg, das Großherzogtum Baden, das Kurfürstentum Hessen, das Großherzogtum Hessen, das Herzogtum Holstein, das Großherzogtum Luxemburg, das Herzogtum Braunschweig, das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, das Herzogtum Nassau, das Großherzogtum Sachsen-Weimar, das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg, das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld, das Herzogtum Sachsen-Meiningen, Herzogtum Sachsen-Hildburghausen, das Herzogtum Anhalt Dessau, das Herzogtum Anhalt Bernburg, das Herzogtum Anhalt Köthen , das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, das F ürstentum Hohenzollern Hechingen, das Fürstentum Lichtenstein, das Fürstentum Hohenzollern Sigmaringen, das Fürstentum Waldeck, das Fürstentum Reuß ältere Linie, das Fürstentum Reuß jüngere Linie, das Fürstentum Schaumburg Lippe, das Fürstentum Lippe, die Landgrafschaft Hessen-Homburg, die Freie Stadt Lübeck, die Freie Stadt Frankfurt, die Freie Stadt Bremen und die Freie Stadt Hamburg. Die wichtigsten von ihnen waren Preußen und Österreich.[1]

Die Staaten, die dem Deutschen Bund angehörten, unterdrückten gemeinsam Forderungen nach deutscher Einheit, einer nationalen Bewegung und freiheitliche Forderungen, für eine liberale Bewegung. Der Deutsche Bund sollte dafür sorgen, dass die Fürsten in ihre alten Rechte eingesetzt werden und daraus durch Umsturzversuche nicht mehr vertrieben werden konnten. Entgegen den Versprechungen der Befreiungszeit gab es keinen freiheitlichen Bundesstaat und auch keine Verfassungen in Preußen und Österreich; es folgte die "Restaurations"-Zeit, eine Phase der Regeneration für die alten Monarchien.[2]

Der Deutsche Bund mit seiner Kleinstaaterei führte zu viel Vetternwirtschaft, Bürokratie und aristokratische Willkür. Die repressive Politik der Aristokratie ließ keinerlei Entwicklung zu, jegliche Art von Opposition wurde radikal unterdrückt. Kritische Literatur wurde zensiert, es gab keine Pressefreiheit. Viele Schriftsteller flohen ins Exil.

In der Zeit der Restauration gab es noch immer eine Vier-Stände-Gesellschaft bestehend aus dem Klerus, dies waren Vertreter der Kirche, dem Adel, dem Bürgertum und freien Bauern mit Landbesitz, den Tagelöhnern und Fabrikarbeitern.

Der größte Teil der Bevölkerung wollte die Versprechungen aus der Befreiungszeit umgesetzt wissen und verlangte nach Mitspracherechten und Veränderungen.

Besonders die Liberalen wehrten sich dagegen, dass die Fürsten das Volk bevormundeten. Sie lehnten dieses patriarchalische Verhältnis zwischen Herrscher und Untertan ab.

„Sie forderten: Der Wille des Fürsten darf nicht über dem des Volkes stehen. Das erste und heiligste Menschenrecht ist die Freiheit. Darum muss jedes Land eine Verfassung erhalten, die das Recht auf freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit und Mitwirkung des Volkes an der Rechtsprechung durch Geschworenengerichte gewährt. Das Volk muss das Recht haben, Abgeordnete in ein Parlament zu wählen, das die Gesetze beschließt und über die Steuern entscheidet.“[3]

Das verarmte Kleinbürgertum forderte eine bürgerlich demokratische Republik. Das Proletariat, die Tagelöhner und Fabrikarbeiter, richteten sich vor allem gegen eine absolutistische Regierung. Das Ziel dieser Bewegung war die Abschaffung der Feudalordnung und die Bildung einer demokratischen Republik.

2.2 Die wirtschaftliche Situation in Deutschland vor 1848

Ein starker Hemmfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands war der Deutsche Bund durch seine vielen kleinen Staaten. Während England schon Handel über seine Landesgrenzen hinaus betrieb, mussten im Deutschen Bund erst einmal die inneren Grenzen aufgelöst werden. Im Gegensatz zum Auftrag der Bundesakte gelang es dem Deutschen Bund nicht, die wirtschaftlichen Verhältnisse in den deutschen Ländern zu vereinheitlichen. Insbesondere die zollpolitische Zersplitterung behinderte die industrielle Entwicklung. Zwar wurde die Zollpolitik durch den am 1. Januar 1834 in Kraft getretenen Zollverein erleichtert, brachte aber nicht den Durchbruch, um zu einer Wirtschaftskraft ähnlich Englands zu kommen.[4] Noch viele Jahre durfte man die Grenze zum

Nachbarn nur mit einem Pass überschreiten. Gepäck und Handelsgut waren an jeder Grenze neu zu verzollen. Die Maße, Münzen und Gewichte jedes Landes unterschieden sich voneinander. Es gab bspw. rheinische, preußische und fränkische Münzen und jede Münze hatte ihren eigenen Wert.[5]

Friedrich List beschrieb die Situation so: „38 Zolllinien lähmten den Verkehr im Innern und bringen ungefähr die selbe Wirkung hervor, wie wenn jedes Glied des menschlichen Körpers unterbunden wird, damit das Blut ja nicht in ein anderes überfließe. Um von Hamburg nach Österreich, von Berlin in die Schweiz zu handeln, hat man 10 Staaten zu durchschneiden, 10 Zollordnungen zu studieren, zehnmal Durchgangszoll zu bezahlen. Wer aber das Unglück hat, auf einer Grenze zu wohnen, wo drei oder vier Staaten zusammenstoßen, der verlebt sein gesamtes Leben mitten unter feindlich gesinnten Zöllnern; der hat kein Vaterland.“[6]

Das wohlhabende Bürgertum sah sich zu recht zunehmend in seiner wirtschaftlichen Entwicklung eingeschränkt. Die von den Politikern lange Zeit betriebene Zollpolitik beschränkte eine lange Zeit die Möglichkeit eines effektiven, freien Handels. Diese Zersplitterung behinderte letztendlich auch die industrielle Entwicklung, die in England schon ca. 50 Jahre eher begann.

2.3 Die soziale Situation in Deutschland 1848

Die soziale Situation in Deutschland verschlechterte sich u.a. durch die Auswirkungen der Industriellen Revolution in England bereits im ersten Drittel des 19. Jh.. Durch neue technische Erfindungen und Entwicklungen veränderten sich grundlegend die sozialen Verhältnisse. So sind z.B. der Niedergang der textilen Heimarbeit und die damit verbundene Arbeitslosigkeit eine Folge dieser Entwicklung.

Das Phänomen der vorindustriellen Massenarmut (Pauperismus) betraf vor allen Dingen die ärmeren Bevölkerungsschichten.[7]

Hinzu kam ein enormer Bevölkerungszuwachs, somit konnte die zwar immer produktiver werdende Agrarwirtschaft und die Industrie die Masse an entstandener Arbeitskraft nicht mehr aufnehmen. Verlust der Arbeit oder Lohnkürzungen waren die Folge.

Immer mehr Arbeiter lebten am Rand oder außerhalb des Existenzminimums, von Arbeitslosigkeit bedroht und ohne soziale Absicherung.

In Schlesien erhoben sich 1844 3000 Weber gegen ihre Arbeitgeber und deren Ausbeutungsmethoden. Die Arbeiter wollten gegen ihre schlechten Erwerbs- und Lebensbedingungen protestieren. Sie sahen ihre Lebensgrundlage gefährdet, da die billigere Baumwolle aus Übersee allmählich die Leinenprodukte vom Markt verdrängt hatte.

Dieser erste proletarische Aufstand des Frühkapitalismus wurde von preußischem Militär blutig niedergeschlagen.[8]

Zusätzlich gab es Missernten (1846) was zur Teuerung der Lebensmittel führte. Diese, durch Hungersnöte entstandenen Hungerrevolten (Kartoffelrevolution 1947 in Berlin) wurden ebenfalls vom Militär gestoppt.

Zwar konnten die Revolten eingedämmt werden, brachen aber aufgrund der desaströsen Lage im März 1848 zu einer Revolution, geführt von bürgerlicher Seite und der Arbeiterschaft wieder aus.[9]

[...]


[1] Vgl. Prüfung-ratgeber: Geschichte, in: Deutscher Bund, in: URL: http://www.prüfung-ratgeber.de/2012/07/deutscher-bund-1815-zusammenfassung-und-mitglieder/, 07.01.2013.

[2] Vgl. Dr. Eugen Kaiser, Grundzüge der Geschichte. Sekundarstufe I, Band 3, Frankfurt am Main, 9. Auflage, 1974, 180 f.

[3] Prof. Dr. Wolfgang Huk, Geschichtliche Weltkunde. Vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, Band 2, 1. Auflage, 1975, 184/185.

[4] Vgl. Dr. Eugen Kaiser, Grundzüge der Geschichte. Sekundarstufe I, Band 3, Frankfurt am Main, 9. Auflage, 1974, 196.

[5] Vgl. Dr. Eugen Kaiser, Grundzüge der Geschichte. Sekundarstufe I, Band 3, Frankfurt am Main, 9. Auflage, 1974, 193.

[6] Hans Rückert, Helmut Oberhettinger, Politik und Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Paderborn, 1978, 30.

[7] Vgl. Prof. Dr. Wolfgang Huk, Geschichtliche Weltkunde. Vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, Band 2, 1. Auflage, 1975, 188.

[8] Vgl. Werner Menzel, Oswald Hauser, vom Fürstenstaat zur Bürgerfreiheit. Neue Wege, Stuttgart, 8. Auflage, 1966, 138.

[9] Vgl. Prof. Dr. Wolfgang Huk, Geschichtliche Weltkunde. Vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Frankfurt am Main, Band 2, 1. Auflage, 1975, 187f.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656875833
ISBN (Buch)
9783656875840
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287138
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,2
Schlagworte
schrift mission kirche johann hinrich wichern situatio deutschland zeitgeschichtliche einordnung

Autor

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    Elena Bräuer (Autor)

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