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Veränderung der Wahrnehmung durch Farbsymbolik in den Filmen "Eyes Wide Shut", "Memento" und "Die fabelhafte Welt der Amélie"

Bachelorarbeit 2014 40 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1. Verwendung von Farbe im Film
1.2. Diskurs zur Farbwahrnehmung

2. VERÄNDERUNG DER WAHRNEHMUNG DURCH FARBSYMBOLIK
2.1. Betrachtung des Films Eyes Wide Shut
2.1.1. Ehebruch zwischen Traum und Wirklichkeit
2.1.2. Der Einsatz von Farbe und seine Wirkung auf den Rezipienten
2.1.2.1. Rot als dominanteste Farbe
2.1.2.2. Die Alltagsfarbe Blau
2.1.2.3. Violett im Einklang von Rot und Blau
2.2. Auseinandersetzung mit dem Film Memento
2.2.1. Verlust des Kurzzeitgedächtnisses als Problemauslöser
2.2.2. Farbe als dramaturgisches Gestaltungsmittel
2.2.2.1. Farbiger Handlungsstrang
2.2.2.2. Schwarzweißer Handlungsstrang
2.3. Untersuchung des Films Die fabelhafte Welt der Amélie
2.3.1. Ungewöhnliches Schicksal eines schüchternen Mädchens
2.3.2. Die Farbgestaltung und ihre Bedeutung
2.3.2.1. Märchenhaft starke Farbsättigung
2.3.2.2. Ebenenwechsel durch Schwarzweißaufnahmen

3. ZUSAMMENFASSUNG UND URTEIL
3.1. Resümierender Vergleich des Farbeinsatzes in den drei Filmbeispielen
3.2. Persönliches Urteil zum Umgang mit Farbsymbolik im Film

4. BIBLIOGRAFIE

5. FILMOGRAFIE

6. ABBILDUNGSNACHWEIS

1. Einleitung

1.1. Verwendung von Farbe im Film

Jeder Mensch mit gesunden Augen bewegt sich täglich auf einem Planeten mit einer gigantischen Farbenpracht. Doch so selbstverständlich, wie die unterschiedlichen Farben im Alltag wahrgenommen werden, sind sie in der Welt des Films nicht immer aufgefasst worden. Zu Beginn der Filmgeschichte sind die Filmstreifen nachträglich eingefärbt worden und haben höchstens einen leichten Farbstich erhalten, um etwas Abwechslung zu den Aufnahmen in Grau zu bieten. Mit der Erfindung des Farbfilms sind die eintönigen Bilder schließlich abgelöst worden und gehören nun zu einem großen Teil der Vergangenheit an. Béla Balàzs' Worte lassen erkennen, wie sehr sich das Publikum über diese Neuheit gefreut haben muss:

„Meine Erregung beim Anblick des ersten Farbenfilms hatte viel Ähnlichkeit mit jener, mit der ich den ersten Aeroplan in die Luft steigen sah. […] Die technische Sensation war auch bei diesem farbigen Film so groß, dass sie das künstlerische Interesse vollkommen verdrängte und sogar manche noch anhaftende technische Mängel vergessen ließ.“1

Heutzutage ist die Technik der Farbaufnahme so herangereift, dass Schwarzweißfilme die Ausnahme bilden und nur noch selten produziert werden. Folglich rezipiert der Zuschauer die farbigen Bilder oft, ohne sich über ihre Effekte im Klaren zu sein. Die Bedeutung der unterschiedlichen Farben ist im Unterbewusstsein des Menschen verankert und variiert von Kultur zu Kultur. So meint etwa Joachim Knuf:

„Theorien über das Sehen gehören zum festen wissenschaftlichen Erbe unserer Kulturen. Zu allen Zeiten hat man sich Gedanken darüber gemacht, in welcher Weise der Farbeindruck entsteht, welcher Natur die Farbe selbst ist, und wichtige Erkenntnisse in der Physik, Physiologie und Psychologie sind dieser Beschäftigung entsprungen.“2

Da mich die psychologische Wirkung von Farbe fasziniert und, um den Worten Mephistos in Goethes Faust I: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“3 entgegenzuwirken, möchte ich mit meiner Bachelorarbeit die Veränderung der Wahrnehmung durch Farbsymbolik anhand dreier Filmbeispiele untersuchen. Ich habe die Filme Eyes Wide Shut, Memento und Die fabelhafte Welt der Amélie ausgewählt, weil sie sich gut eignen, um zu verdeutlichen, wie unterschiedlich mit Farbe im Film umgegangen werden kann.

Bei dieser Analyse werde ich, nach einem kurzen Diskurs über Farbwahrnehmung, jeweils auf den Inhalt des Films, seine Farbgestaltung und deren Einfluss auf den Rezipienten eingehen. Abschließen möchte ich die Arbeit mit einem farbanalytischen Vergleich aller drei Filme und einem persönlichem Urteil zum Umgang mit Farbsymbolik im Film.

1.2. Diskurs zur Farbwahrnehmung

Farben begegnen dem Menschen in so vielen Situationen, dass sie ihm selten bewusst auffallen. Dabei „prägen, kontrollieren und steuern [sie] wirkungsvoll und nachhaltig unser gesamtes Denken, Fühlen und Handeln“4, meint Harald Braem. Während einige davon überzeugt sind, Farben würden je nach persönlichem Geschmack beurteilt werden, hätten, laut Braem, Wissenschaftler der Tiefenpsychologie andere Zusammenhänge festgestellt. Die Gefühle, die der Mensch mit bestimmten Farben verbindet, würden zu seinen Urprägungen gehören und sich in Verhaltensweisen, Reflexen, Denkstrukturen, Bildern und

Träumen äußern. 5 Demnach reagieren Menschen, je nach Kultur und Entwicklungsgeschichte, sehr ähnlich auf die unterschiedlichen Farbreize. Eine Ausnahme bildet jedoch das individuelle Unterbewusstsein. Fasst zum Beispiel ein Kind an einen heißen, blauen Topf und verbrennt sich dabei, wird ihm dieses Ereignis unbewusst im Gedächtnis bleiben. Es wird später nicht unbedingt, wie viele andere, die Farbe Blau mit Kälte assoziieren, sondern mit Gefahr. Da es sich um ein Erlebnis seiner Kindheit handelt, ist es gut möglich, dass ihm diese Farbassoziierung nicht bewusst ist.

Johann Wolfgang von Goethe, der nicht nur herausragende dichterische Werke hervorbrachte, beschäftigte sich auch äußerst intensiv mit der Farbenlehre. Er war der Ansicht, dass „jede Farbe einen besondern [sic] Eindruck auf den Menschen mache und dadurch ihr Wesen sowohl dem Auge als Gemüt offenbare. Darauf folgt sogleich, dass die Farbe sich zu gewissen sinnlichen, sittlichen, ästhetischen Zwecken anwenden lasse.“6

Es leuchtet ein, dass nicht nur in Malerei, Mode, Zeitschriften und Werbung mit der Wirkung der Farben gespielt wird, sondern auch im Film. Schon Rudolf Arnheim war der Ansicht: „Sobald ein Stück Natur zum Bild wird, betrachten wir es mit anderen Augen.“7 Die Intention des Filmemachers besteht darin, dem Zuschauer eine Geschichte und die damit verbundenen Emotionen zu vermitteln. Diese können durch den Einsatz von Farbe begünstigt auf den Rezipienten einwirken.

Da sich der Verantwortliche des „Art Departments“ eines Films um das Szenen-, das Kostüm- sowie das Maskenbild kümmert, wird er dadurch automatisch auch zum Farbgestalter. Um die gewünschte Wirkung des Filmemachers erzielen zu können, muss er bedenken welche Farben mit welchen Gefühlen verbunden werden. Er darf dabei keine Rücksicht auf persönlichen Geschmack und persönliche Intuition nehmen, er sollte den „gemeinsamen Nenner“8 des Publikums treffen.

Zu beachten gilt außerdem, um welches Genre es sich bei ihm handelt, welche Charaktere er beinhaltet und in welcher Umgebung der Film spielt, wie auch Hans Jürgen Wulff ausführt:

„Farbe korrespondiert allen anderen Mitteln der filmischen Artikulation; sie ist sowohl mikro- wie makrostrukturell motiviert; ihre spezifischen signifikativen und prädikativen Eigenschaften entfaltet sie nur im Kontext. Ihre Beschreibung macht darum immer eine Beschreibung der Farben in Kombination mit den anderen filmischen Mitteln sowie mit dem Text nötig.“9

Der Kontext, so Eva Heller, definiert demzufolge die Farbwirkung und besagt, „ob eine Farbe real oder als symbolische Farbe gemeint ist, ob eine Farbgebung

konventionell oder kreativ ist“ 10 oder, ob sie psychologischer, kultureller, politischer oder traditioneller Natur ist11. Auf welche Weise die Farbwahrnehmung des Rezipienten beeinflusst werden kann, soll im Folgenden anhand der erwähnten Filmbeispiele analysiert werden.

2. Veränderung der Wahrnehmung durch Farbsymbolik

2.1. Betrachtung des Films Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut war das letzte vollendete Werk des amerikanischen Regisseurs Stanley Kubrick und wurde im Jahr 1999, kurz vor seinem Tod, fertiggestellt. Als Vorlage für den finanziell sehr erfolgreichen Film diente die „Traumnovelle“ des österreichischen Dramatikers Arthur Schnitzler.

2.1.1. Ehebruch zwischen Traum und Wirklichkeit

Bereits das Oxymoron im Titel deutet an, dass es sich bei dem Film um eine Verschränkung von Sehen und Nicht-Sehen, eine Mischung aus Traum und Wachzustand handelt. Ralf Fischer schreibt über die Story: „Das Drehbuch bleibt der Vorlage in weiten Teilen treu und verlagert die Handlung vom Wien des frühen 20. Jahrhunderts ins Manhattan des ausgehenden 20. Jahrhunderts.“12 Die Geschichte dreht sich um den Arzt Bill Harford und seine Frau Alice, welche von Tom Cruise und Nicole Kidman verkörpert werden. Auf der Weihnachtsparty des gemeinsamen Freundes Victor Ziegler trifft Bill seinen alten Studienfreund Nick Nightingale wieder. Die beiden Nebencharaktere werden von Sydney Pollack und Todd Field gespielt. Bill wird im Laufe des Abends in Zieglers Badezimmer gebeten, um einer unter zu hohem Drogeneinfluss stehenden Frau zu helfen.

Am nächsten Abend konsumiert das Paar Marihuana und streitet sich im Anschluss über Untreue und Eifersucht. Alice erklärt ihrem Mann, dass sie ihn schon mal in Gedanken betrogen und verlassen habe. Der Streit wird durch das Klingeln des Telefons unterbrochen, worauf Bill abhebt und vom Tod eines Patienten erfährt. Bill macht sich direkt auf den Weg zu seinem Patienten und dessen Tochter. Obwohl sie sich kaum kennen, küsst die Tochter des Verstorbenen Bill und gesteht ihm ihre Liebe. Kurz darauf trifft ihr Verlobter ein und Bill verlässt das Haus.

Er wird auf der Straße von der Prostituierten Domino angesprochen und begleitet sie in ihre Wohnung. Plötzlich ruft Alice ihn an und erkundigt sich nach ihm. Bill belügt seine Frau, indem er behauptet, noch bei seinem Patienten zu sein. Ohne Dominos Dienste in Anspruch genommen zu haben, taucht er wieder in das New Yorker Nachtleben ein. Er trifft zufällig seinen Freund, den Pianisten Nick Nightingale, in einem Jazzclub wieder und erhält von Nick die Einladung für ein weiteres Engagement von ihm, bei dem es besonders viele attraktive Damen geben soll.

Nachdem Bill sich ein passendes Kostüm für die Veranstaltung geliehen hat und in das Schloss Somerton eingelassen wurde, wird er Zeuge einer rätselhaften Zeremonie, bei der alle Teilnehmer venezianische Masken tragen und in deren weiteren Verlauf eine sexuelle Orgie stattfindet. Da der Arzt kein Mitglied dieser Versammlung ist, wird er entdeckt und darf das Anwesen, Dank einer unbekannten Frau, die sich für ihn opfert, ungeschoren verlassen. Als er zuhause ankommt, weckt er Alice aus einem erotischen Albtraum, in dem sie, in Anwesenheit ihres Ehegatten, mit mehreren Männern Geschlechtsverkehr hatte. Am Tag darauf will sich Bill mit Nick treffen, welcher jedoch unauffindbar bleibt. Er gibt Umhang und Schuhe im Kostümgeschäft zurück und muss feststellen, dass die Maske fehlt. Anschließend fährt er abermals zum Schloss Somerton und wird dort erneut aufgefordert, seine Nachforschungen einzustellen.

In der Stadt bemerkt Bill einen Verfolger. Deshalb versteckt er sich in einem Café und liest währenddessen in einer Zeitung von einem Model, das wegen einer Überdosis an Drogen ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Er vermutet, dass es sich um die Dame, die sich für ihn geopfert hat, handelt und untersucht später in der Pathologie ihre Leiche.

Abends lädt Victor Ziegler Bill zu sich ein und offenbart ihm, auch bei der Zeremonie auf Schloss Somerton gewesen zu sein. Sein alter Freund versichert ihm, dass der Drogentod nichts mit den Angehörigen der Orgien zu tun habe. Zuhause findet er die verloren geglaubte Maske wieder. Nach dieser Entdeckung beichtet er seiner Frau unter Tränen von den erotischen Abenteuern der vergangenen Nächte. Beim Weihnachtseinkauf mit ihrer Tochter vergeben sie einander und beschließen, von nun an „wach“ zu bleiben.

2.1.2. Der Einsatz von Farbe und seine Wirkung auf den Rezipienten

Rot und Blau sind besonders auffallende Farben im Film Eyes Wide Shut. Beide kommen sehr häufig vor und haben je nach Szene unterschiedliche Bedeutungen. Teilweise vermischen sich die Farbtöne zur Farbe Violett. Auf Ursache und Wirkung dieser Farbwahl soll nun näher eingegangen werden.

2.1.2.1. Rot als dominanteste Farbe

1: Alice im Ankleidezimmer 2: Victor Ziegler begrüßt die Harfords

Die Farbe Rot hat eine lange kulturelle Entwicklungsgeschichte und steht heute im Allgemeinen für Blut, Lebenskraft, Leidenschaft, Krieg, Feuer, Aggressivität,

Korrektur, Kontrolle, Verbotenes, Adel und Luxus13, so Heller. Laut Knuf, wird Rot außerdem als attraktiv angesehen14 und gilt, wie Braem meint, als Farbe der Erotik und der Sinnlichkeit15. Stanley Kubrick setzt die leuchtende Farbe als Mittel zur Verdeutlichung des Reizes des moralisch Verbotenen, der Erotik, der Weiblichkeit und der Überwindung des Alltags ein16.

Der „rote Faden“ in Eyes Wide Shut ist tatsächlich rot. Bereits in der Eröffnungsszene wurde die Farbe Rot als Gestaltungsmittel verwendet. Alice steht mit dem Rücken zum Betrachter in ihrem Ankleidezimmer und lässt langsam ein Kleid an ihrem nackten Körper entlang gleiten, während sie von roten Vorhängen im Hintergrund umrahmt wird (Abb. 1). Durch das Rot der Vorhänge wird die Erotik des Bildes unterstrichen und die auffällige Farbe im Film eingeleitet. Anschließend gehen Bill und Alice in ihrer Wohnung umher, um sich für die Feier ihres Freundes vorzubereiten. In weiteren Teilen des Apartments finden sich die gleichen roten Vorhänge wieder, außerdem ist es mit roten Sofas ausgestattet und mit roten Weihnachtssternen dekoriert worden.

Im Anschluss an die Eingangssequenz wird das Paar auf der Weihnachtsfeier von Victor Ziegler, in Begleitung einer Dame in einem roten Kleid, begrüßt (Abb. 2). Viele andere weibliche Gäste, die immer wieder in der tanzenden Menschenmenge zu sehen sind, tragen ebenfalls rote Abendgarderobe. Zusätzlich sind viele Kleinigkeiten, wie der Teppich auf der Bühne und das Schlagzeug der Band, in Rot gestaltet. Dem Zuschauer fallen diese Details nicht bewusst auf, sondern sollen ihm indirekt ein Gefühl für die Überwindung des Alltags und die ansteigende Erotik in diesem Filmabschnitt vermitteln.

3: Gemälde in Zieglers Badezimmer 4: Bill untersucht Mandy im Badezimmer

Als Bill in das Badezimmer Victors gerufen wird, um Mandy zu helfen, sticht dem Betrachter ein großes Gemälde an der Wand ins Auge (Abb. 3). Auf dem Bild ist eine nackte, schwangere Frau zu sehen, die der Gestalt Mandys gleicht, welche unbedeckt auf einem roten Sessel liegt (Abb. 4). Durch den Dialog zwischen Victor und Bill wird deutlich, dass Victor soeben Geschlechtsverkehr mit Mandy hatte. Auch hier steht die Erotik des vorangegangenen Moments im Vordergrund und soll dem Zuschauer durch den Einsatz der Farbe Rot vermittelt werden.

Im späteren Verlauf des Films schlendert Bill durch die Straßen New Yorks und beobachtet kurz ein sich küssendes Paar, wovon die Frau eine rote Hose trägt. Während seines weiteren Spaziergangs laufen immer wieder Menschen in roter Kleidung an ihm vorbei. Die Türe des Hauses, die zu der Wohnung der Prostituierten Domino führt ist ebenfalls rot und symbolisiert, dass Bill sich auf dem Weg in nicht-alltägliches und mit Erotik verbundenes Terrain befindet. Das Gleiche trifft auf die Szene in der Jazzbar zu, in der Nightingale Piano spielt und Bill anschließend Kleiderordnung und Passwort für die Zeremonie auf dem Schloss erhält. Weitere Informationen bleiben Bill, sowie dem Zuschauer, verborgen.

Bill ist jedoch neugierig, welchen Verlauf sein erotisches Abenteuer noch einnehmen wird und leiht sich ein passendes Kostüm in einem Laden, von dem er geglaubt hat, er gehöre einem Patienten. Die Wände des Geschäfts sind rot gestrichen, insgesamt macht es einen düsteren Eindruck. Der neue Besitzer entdeckt während der Unterhaltung mit Bill, dass sich seine minderjährige Tochter mit zwei Japanern in einem Nebenraum versteckt hat. Sie trägt nur Unterwäsche und scheint Vergnügen an der Gesellschaft der beiden Männer in Frauenkleidern gefunden zu haben. Der Teenager flirtet anschließend auch mit Bill. Das Rot an den Wänden kann als Farbe der Erotik, sowie als Farbe der Gefahr angesehen werden. Je mehr sich Bill der Veranstaltung auf dem Schloss nähert, desto gefährlicher wird es für ihn. Dies kann der Zuschauer noch nicht wissen, weshalb er indirekt durch den Einsatz der Farbe Rot damit konfrontiert wird.

5: Die Zeremonie auf Schloss Somerton 6: Victor und Bill im Billardzimmer

Dieser Ansatz gilt auch für das Schloss Somerton, dessen Teppiche, Polstermöbel und Vorhänge zu großen Teilen in Rot gestaltet sind (Abb. 5). Hier kann die Farbe nicht nur als Symbol für Erotik und Überwindung des Alltags, sondern eben auch als Warnfarbe angesehen werden. Bill flaniert durch einen Ort, an dem er nicht erwünscht ist. Dabei wird der Zuschauer, genau wie die Hauptfigur selbst, auf Distanz zu den maskierten Menschen gehalten. Entgegen der Warnung einer fremden Frau, noch weiter anwesend zu bleiben, erkundet er immer mehr Räume

[...]


1 Balázs, Béla, Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Film s, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2001, S. 97.

2 Knuf, Joachim, Unsere Welt der Farben, Köln: DuMont, 1988, S. 19.

3 Goethe, Johann Wolfgang, Faust. Der Tragödie erster Teil, Stuttgart: Reclam, 1980, S. 59.

4 Braem, Harald, Die Macht der Farben, München: Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig² 1987, S. 9

5 Vgl. Ebd. S. 10

6 Goethe, Johann Wolfgang, Farbenlehre, Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben4 1988, S. 309.

7 Wulff, Hans Jürgen, Darstellen und Mitteilen, Tübingen: Narr, 1999, S. 165.

8 Küppers, Harald, Das Grundgesetz der Farbenlehre, Köln: DuMont[7]1978, S. 213.

9 Wulff, Darstellen und Mitteilen, S. 10.

10 Heller, Eva, Wie Farben wirken, Hamburg: Rowohlt, 1989, S. 13.

11 Vgl. Ebd. 13ff.

12 Fischer, Ralf Michael, Raum und Zeit im filmischen Πvre von Stanley Kubrick, Berlin: Gebr. Mann Verlag, 2009, S. 449.

13 Vgl. Heller, Wie Farben wirken, S. 51ff.

14 Vgl. Knuf, Unsere Welt der Farben, S.48.

15 Vgl. Braem, Die Macht der Farbe n, S. 34.

16 Vgl. Fischer, Raum und Zeit im filmischen Πvre von Stanley Kubrick, S. 465f.

Details

Seiten
40
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656875406
ISBN (Buch)
9783656875413
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287125
Institution / Hochschule
Universität Wien – Theater- Film- und Medienwissenschaft
Note
1
Schlagworte
veränderung wahrnehmung farbsymbolik filmen eyes wide shut memento welt amélie

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