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Friedrich der Große und das Politische Testament von 1752

Quellenexegese 2008 9 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Innere Kritik
2.1 Hauptanliegen Friedrichs des Großen
2.2 Aufbau und Struktur
2.3 Sprachliche und sachliche Aufschlüsselung

3. Quelleninterpretation
3.1 Regest
3.2 Einordnung in den historischen Kontext

4. Fazit

5. Quellennachweis

1. Einleitung

Bei der vorliegenden Quelle handelt es sich um das Politische Testament 1752 von Friedrich dem Großen, das in schriftlicher Form vollständig überliefert ist. Das komplette Werk umfasst ca. 140 Seiten.

Das Politische Testament befindet sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin Die vorliegende Edition ist eine Ausgabe von Otto Bardong, gedruckt 1982 in Darmstadt.

2. Innere Kritik

2.1 Hauptanliegen Friedrichs des Großen

Mit dem Politischen Testament verfolgt Friedrich der Große die Intention, seinem nachfolgenden Herrscher Ratschläge und Aufgaben für diverse Bereiche seines künftigen Aufgabenbereiches zu geben.

Friedrich war der Auffassung, dass der Herrscher „sein Volk lieben und schonen (solle) bei allen Gelegenheiten, die von ihm abhängen“1 und dies erreiche er dadurch, dass er „den Adel und seine Privilegien aufrecht erhält.“2

Der Fokus liegt also letztendlich darauf, „den Adel zu schützen, der den schönsten Schmuck seiner Krone und Glanz seines Heeres bildet.“3

Um das Leben seines Volkes finanziell zu erleichtern, hat Friedrich der Große zwei weitere Bitten an den Nachfolger.

Die eine Maßnahme, die speziell der Landbevölkerung zugute kommen soll, ist die Abschaffung der „Reiterverpflegung (Kavalleriegeld)“.4 Dies wäre ein „Werk, das eines guten Fürsten würdig ist und wäre eine große Erleichterung für die Landbevölkerung".5

Die andere Maßnahme wäre, das „Servis" abzuschaffen, durch das die Städte finanziell stark belastet wären und ihr Wachstum lahmgelegt würde. Friedrichs Interesse gilt also der Zufriedenheit des Volkes, was er durch finanzielle Unterstützung erreichen will. Dennoch ist er auch bestrebt, die Einnahmen des Staates zu erhöhen, damit die Staatsausgaben weiterhin zu bezahlen sind Aber auch dies ist „nicht durch Bedrückung seines Volkes und Auflage neuer Steuern, sondern durch Gewährung von Erleichterungen an seine Untertanen und mit Hilfe von löblichem Fleiß, durch den man sich steigert“6 zu erreichen.

Außerdem muss der Herrscher auch beachten, auf welche Art er sein Volk regieren muss Er muss den „Geist der Völker“7 erfassen, damit er weiß, ob er mit Strenge oder Milde über sein Volk walten muss.

2.2 Aufbau und Struktur

Friedrich der Große hat das Politische Testament in einer klaren Themengliederung strukturiert. Er erstellte sozusagen einen Aufgabenkatalog für seinen Thronfolger, in dem er alle Aufgaben aufzählt, die seiner Ansicht nach bei der nächsten Staatsführung Beachtung finden sollten.

In dem vorliegenden Abschnitt beginnt er mit der Urbarmachung des Landes, darauf folgen Kanäle, Seidenbau, verschiedene Aufgaben zu den Manufakturen, anschließend werden Getreidemagazine, Regeln für Handel und Manufakturen und Ermäßigung einiger Auflagen aufgeführt, und schlussendlich werden Aufgaben, die die Politik betreffen, erwähnt. Bei seiner Argumentationsstruktur der einzelnen Aufgabenblöcke geht Friedrich oft so vor, dass er zunächst die Sachlage im Allgemeinen erläutert, beispielsweise dass „Pommern (ist) als halb unbebautes Land zu betrachten“8 sei. Darauf erklärt er, was der Herrscher demzufolge seiner Meinung nach unternehmen muss, nämlich „Urbarmachungen auf den Krongütern zu veranlassen“.9

2.3 Sprachliche und sachliche Aufschlüsselung

Während Friedrich der Große seine Aufgaben an den Nachfolger aufzählt, erwähnt er nebenbei eine Begründung dafür, warum er nicht selbst einige Ratschläge, die er nun weitergibt, in seiner eigenen Regierungszeit ausgeführt hat. Der Grund dafür läge in einem „sehr kostspieligen Krieg“10, über den ich nun nur einen knappen Überblick geben werde, da ich diesen Aspekt im Abschnitt „Einordnung in den historischen Kontext“ noch weiter ausführen werde.

Gemeint mit dem genannten kostspieligen Krieg ist der Erste Schlesische Krieg, der von 1740-1742 andauerte. Er begann mit dem Einmarsch Friedrichs in Schlesien, setzte mit der Besetzung Breslaus fort und endete mit dem Sieg Friedrichs des Großen und seinen Verbündeten Frankreich, Bayern und Sachsen bei Mollwitz und Chotositz.

Den Ersten Schlesischen Krieg kann man im Zusammenhang mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1741-1748) sehen.

Darüber hinaus spricht Friedrich der Große über „Fiskale“, die bestraft werden müssen, wenn sie sich gegen Adlige, Städte und Bauern richten. Das Duden-Fremdwörterbuch definiert Fiskale als einen „Amtsträger, der vor Gerichten die (vermögenswerten) Rechte des Kaisers od. eines Landesherren zu vertreten hatte“.11

3. Quelleninterpretation

3.1 Regest

Friedrich gibt in seinem Politischen Testament von 1752 sehr detailliert Auskunft über die Aufgaben seines Nachfolgers, die ich im weiteren Verlauf näher beschreiben werde.

Der erste Themenschwerpunkt in meinem untersuchten Abschnitt bezieht sich auf die Urbarmachung des Landes.

Das Ziel soll der Städteaufbau sein, um die Bevölkerungsrate zu erhöhen. Somit ist es also Aufgabe des Herrschers „Urbarmachungen auf den Krongütern zu veranlassen“.12 Der nächste Themenblock geht auf die Aufgabe ein, dass überprüft werden muss, ob Kanäle gebaut werden können, je nachdem, ob dies für das Land von Vorteil ist oder nicht. Darauf kommt Friedrich zum Seidenbau, dessen Status noch zu weit am Anfang liegt, als dass ein Vorgehen schon jetzt zu planen wäre. Friedrich beschreibt die Tätigkeiten, die in sechs Jahren unternommen werden müssen. Bei den Seidenmanufakturen muss der Herrscher den Kaufleuten, die sich mit diesen befassen, große Summen gewähren und die Kosten für die Lehrlinge erhöhen, damit letztendlich 2000 Webstühle aufgestellt werden können. Für die Wollmanufakturen gibt es dagegen keine Verbesserungsvorschläge.

lm nächsten Abschnitt geht Friedrich auf die Dringlichkeit ein, Familien der Spinner anzusiedeln, damit alle 60 000 Manufakturen besetzt werden können.

Anschließend kommt Friedrich nun auf fehlende Manufakturen zu sprechen. Hierbei soll die Messer-und Scherenfabrik in Neustadt um das dreifache vergrößert werden und U. a. eine Papiermühle in Pommern eingerichtet werden.

Bei den Getreidemagazinen zählt Friedrich zwei Sorten auf. Eine ist für die Armee, die andere dient dazu „das Gleichgewicht zwischen Städten und Land zu erhalten“13, d. h. man muss „in Städten verkaufen, wenn das Korn zu teuer ist, auf dem Land einkaufen, wenn der Preis dafür zu niedrig steht“.14

[...]


1 Vgl. Friedrich der Große: Politisches Testament von 1752, in : Otto Bardong (Hg.), Friedrich der Große, Darmstadt 1982, S. 195.

2 Ebd. S.195.

3 Ebd, S.195.

4 Ebd. S. 194.

5 Ebd. S. 194 f.

6 Friedrich der Große: Politisches Testament von 1752, in : Otto Bardong (Hg.), Friedrich der Große, Darmstadt 1982, S. 194.

7 Ebd. S. 196 f.

8 Ebd. S. 190.

9 Ebd. S. 190.

10 Ebd. S.194.

11 Vgl. Duden - Das Fremdwörterbuch, 9. Aufl. Mannheim 2007 (CD-ROM).

12 Vgl. Friedrich der Große, Politisches Testament von 1752, in : Otto Bardong (Hg.), Friedrich der Große, Darmstadt 1982, S. 190 ff.

13 Ebd. S. 193.

14 Ebd. S. 193.

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656877547
ISBN (Buch)
9783656877554
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287027
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Historisches Institut
Note
20
Schlagworte
Friedrich der Große Quellenbeschreibung 1752 Geschichte Politisches Testament

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Titel: Friedrich der Große und das Politische Testament von 1752