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Die Realität der Massenmedien in der modernen Kommunikationslandschaft. Luhmann und das Web 2.0

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Soziologie - Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung:

2) Die Realität der Massenmedien
2.1) Selbstreferenz/Fremdreferenz
2.2) Codierung: Information/Nichtinformation

3) Massenmedien als Funktionssystem

4) Öffentlichkeit
4.1) Luhmanns Öffentlichkeit
4.2) Die Weiterentwicklung von Luhmanns Ansatz
4.2.1) Journalismus
4.2.2) PR, Werbung und Unterhaltung

5) Fazit

6) Literaturverzeichnis

1) Einleitung:

„Was wir über die Gesellschaft [] in der wir leben wissen, wissen wir durch die Massenmedien“ (Luhmann 2009: 9). Mit dieser Aussage startet der Soziologe Niklas Luhmann seine Theorie über die „Realität der Massenmedien“ zu entwickeln, in der der Medienapparat nach eigenen Funktionsmechanismen die Unterscheidung zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung gewährleisten muss. Anhand des Codes Information/Nichtinformation reproduziert das Mediensystem sich selbst und reflektiert die Relevanz des zu berichtenden Themas (vgl. Luhmann 2009: 27ff.). Auch der Begriff der Strukturellen Kopplung, spielt für Luhmann in seiner Theorie eine übergeordnete Rolle, da die Programmierung der Massenmedien eine Verbindung zu anderen Funktionssystemen eingeht: So bewertet und rezipiert das Politische System hauptsächlich den Bereich „Nachrichten und Berichte“, während die Wirtschaft in erster Linie den Einfluss der „Werbung“ beobachtet.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, den systemtheoretischen Ansatz Luhmanns genauer zu beleuchten und auf das moderne Gesellschaftssystem zu übertragen. Die Luhmannsche Theorie, wird in diesem Verfahren analysiert, kritisiert und durch neue Forschungsansätze erweitert. Vor allem bei der Frage nach der Verortung von Öffentlichkeit im System, geben Luhmanns Vorschläge nur unpräzise Vorstellungen. Besonders die Autoren Alexander Görke und Matthias Koring bieten mit ihren Forschungsansätzen ausgezeichnete Möglichkeiten, die Komplexität der Öffentlichkeit als Funktionssystem greifbar zu machen.

Resultierend aus diesen vorrangegangen Überlegungen ergibt sich folgende Fragestellung für den Analyserahmen dieser Hausarbeit:

„In welcher Weise lassen sich Luhmanns Überlegungen über die Realität der Massenmedien durch moderne Forschungsliteratur weiterentwickeln und auf die fortschreitende Technisierung übertragen?“

Anhand der Fragestellung lässt sich folgende These ableiten:

Luhmanns Realität der Massenmedien dient als Grundlage für das Verständnis des Medienapparates, bedarf in Zeiten des Internets, von Twitter und interaktiven Fernsehens allerdings einer Überarbeitung und Fortführung durch Aktualitätsbezug.

Bei der Bearbeitung des Themas, wird zunächst Luhmanns Theorie der Massenmedien vorgestellt und durch Charakterisierung der zentralen Begriffe näher beschrieben. In einem anschließenden Schritt, werden die Massenmedien als Funktionssystem beschrieben und die elementaren Begriffe Thematisierungsfunktion, Synchronisationsfunktion sowie Selbstbeobachtungsfunktion herausgestellt. Im vierten Teil der Arbeit wird die Öffentlichkeit als zentrales Element Selbstbeobachtungsfunktion vorgestellt. Nachdem zunächst Luhmanns Begriff der Öffentlichkeit behandelt wird, lässt sich dieser Ansatz im zweiten Schritt durch einen aktuelleren verfeinern und weiterentwickeln. In einem abschließenden Fazit, wird die eingangs gestellte Fragestellung sowie These erneut aufgegriffen. Eine differenzierte Beantwortung wird ermöglicht, offengebliebene Fragen sollten geklärt sein.

2) Die Realität der Massenmedien

2.1) Selbstreferenz/Fremdreferenz

Für Niklas Luhmann stellen die Massenmedien eine Einrichtung dar, „die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen“ (Luhmann 2009: 10). Während dieses Prozesses der Vervielfältigung, beobachten die Medien sich selbst und ihre Umwelt. Luhmann umschreibt diese Tatsache mit den Begriffen Selbstreferenz/Fremdreferenz. Das Mediensystem operiert, indem es Differenzen zur Umwelt schafft, um Unterschiede, die eine Realitätskonstruierung garantieren, zu generieren (Luhmann 2009: 116). Da die Massenmedien nicht einfach annehmen können, dass sie die Wahrheit vermitteln, müssen diese eine eigene und andere Realität schaffen. Die erste Realität ist eine Beobachtung erster Ordnung, die von Luhmann als „ablaufende und durchlaufende Kommunikation“ betrachtet wird (Luhmann 2009: 12). Die zweite Realität entspricht einer konstruierten Realität und beschreibt das, was „für andere als Realität erscheint“ (Luhmann 2009: 12). Die konstruierte Realität entspricht einer Beobachtung zweiter Ordnung und kann durch den Rezipienten bewertet und kritisch hinterfragt werden. Sie unterliegt hierbei keiner Konsenspflicht, da dem Empfänger die Möglichkeit bleibt, eigene Einstellungen und Vorstellungen in die Bewertung einfließen zu lassen.

2.2) Codierung: Information/Nichtinformation

Um die System-Umwelt-Differenz zu generieren, nutzt Luhmann binäre Codes, die anhand eines positiven Wertes, der die Anschlussfähigkeit der Operationen im System kennzeichnet und eines negativen Wertes, der das notwendige Gegenstück bildet, zu charakterisieren sind. Im Medienapparat nutzt Luhmann die Codierung zwischen Information und Nichtinformation. Bei der Verwendung der Codes, ist zu beachten, dass die Information verfallen und sich zu einer Nicht-Information entwickeln kann, da bei der Verwendung einer Nachricht, der Informationsgehalt verloren geht (Luhmann 2009: 31). Diese ständige Umwandlung von Information zu Nicht-Information erzeugt einen ständigen Verlust von Informationen, was die Autopoesis1 des Systems garantiert (Luhmann 2009: 32). Zusätzlich zu dem Codebegriff, benennt Luhmann Programmbereiche, die die Informationen in Sparten einteilen. Während der Code das System nach außen hin abgrenzt, bieten die Programmbereiche Möglichkeiten, auf die Umwelterwartungen zu reagieren (Kohring 2005: 254). Luhmann unterscheidet in drei Programme: Nachrichten/Berichte, Werbung und Unterhaltung, die von verschiedenen Rezipienten unterschiedlich wahrgenommen werden. Während die Werbung vor allem für die Wirtschaft von großer Bedeutung ist, spielt für das Politische System der Programmpunkt der Nachrichten eine übergeordnete Rolle bei der Beurteilung.

3) Massenmedien als Funktionssystem

Für Luhmann ist nicht wichtig was kommuniziert, sondern wie etwas verbreitet wird. Zu den Massenmedien zählt er folglich alle durch Druckpresse hergestellten Medien (Zeitungen, Bücher und Zeitschriften), Kommunikation über Funk sowie Filme, Disketten und CDs. Dementsprechend wird der technischen Verbreitung eine Schlüsselrolle in der Luhmannschen Theorie zugesprochen (Luhmann 2009: 10). Durch die Zwischenschaltung der Technik, können Sender und Empfänger nicht direkt miteinander in Kontakt treten. Die Verbreitung von Nachrichten und Mitteilungen, liegt auf Seiten des Senders, das Verstehen auf Seiten des Empfängers. Den Massenmedien werden drei elementare Funktionen zugeschrieben, durch die sie als Funktionssystem zu charakterisieren sind.

Thematisierungsfunktion: Die Themen werden durch das Mediensystem ausgewählt und für die öffentliche Kommunikation verfügbar gemacht (Ruhrmann 2007: 47). Nach Luhmann sind die wichtigsten Faktoren, die eine Integration der Nachrichten in das Funktionssystem der Massenmedien begünstigen, der Neuheitswert, ein gewisses Konfliktpotenzial sowie die Personalisierung. Bernd Blöbaum spricht der Aktualität bei der Auswahl der Themen eine Primärfunktion zu. Journalismus ist für Blöbaum ein Instrument der Gesellschaft, das für andere Teilsysteme Leistung erbringen kann, indem es die Umwelt beobachtet und die Informationen in geringerer Komplexität wiedergibt (Blöbaum 1994: 261).

Synchronisationsfunktion: Für Luhmann erzeugen die Massenmedien eine Gegenwart und Realität für alle anderen Funktionssysteme, die diese dann als Möglichkeit der weiteren Reflexion nutzen können. Demzufolge ist es der Bereich des Journalismus, der die Selbstbeobachtung der Gesellschaft dirigiert und die Realitätskonstruktion vorantreibt (Luhmann 2009: 118). Für Bernd Sparenberg hingegen liegt die Funktion der Massenmedien darin zu entscheiden, was aktuell ist und somit zu einer Synchronisation der intersubjektiven Wirklichkeit beizutragen (Sparenberg 1994: 52). Dabei kann der Begriff der Synchronisation jedoch nur schwer erfasst werden, da eine eindeutige Abgrenzung des Systems nicht vorhanden ist und Luhmann eine Trennung der Begriffe Journalismus, Massenmedien und öffentliche Kommunikation nicht differenziert vornimmt (Görke/Kohring 1996: 22).

Selbstbeobachtungsfunktion: Die Autopoesis des Systems wird durch die ständige Beobachtung und Anschlusskommunikationen des Systems hergestellt. Zur Selbstbeobachtungsfunktion gehört eine dauerhafte Entwicklung sowie Aktualisierung der gesellschaftlichen Werte und Normen sowie ihrer kognitiven Welthorizonte (Luhmann 2009: 125). Die Beobachtung nach selbst gewählten Kriterien wird dem Publikum anschließend als Realität präsentiert. Daraus ergibt sich allerdings die Gefahr, dass Kein System umfassend reflektieren kann, weil immer ein Blinder Fleck über Methode oder Gründe der Beobachtung bestehen kann (Luhmann 2009: 116).

[...]


1 Selbsterhaltung

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656872610
ISBN (Buch)
9783656872627
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286947
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Schlagworte
realität massenmedien kommunikationslandschaft luhmann

Autor

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