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Die Verkündung des "Totalen Krieges". Manipulation durch Kommunikation und Rhetorik in der "Sportpalastrede" von Joseph Goebbels

Studienarbeit 2014 20 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Manipulation
Propaganda

3 Die Rhetorik
Rhetorische Mittel

4 Das Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun
Die Seite des Senders
Ausdrucksorientierter und wirkungsorientierter Sender
Die Seite des Empfängers
Der Empfangsvorgang

5 Rede und Vortrag

6 Analyse der Rede Joesph Goebbels zur „Verkündung des totalen Krieges” am 18. Februar

7 Fazit

Anhang

Rede von Joseph Goebbels im Berliner Sportpalast vom 18. Februar

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

"Wir missbrauchen nicht nur die Sprache um zu manipulieren, wir werden auch durch die Sprache zum Manipulieren verführt“ (Lutz Mackensen 1973).

Dieses Zitat von Lutz Mackensen möchte ich nutzen, um in die Thematik einzusteigen, welchen Einfluss Kommunikation und Rhetorik bei politischen Reden haben und wie gezielt Menschen dadurch manipuliert werden können. Zunächst werden wichtige Begrifflichkeiten sowie das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun erklärt. Im Wesentlichen konzentriert sich diese Arbeit auf die Rede “Verkündung des totalen Krieges” von Joseph Goebbels, wodurch die theoretischen Ausführungen mit der Analyse der Rede nochmals verdeutlicht werden.

Uns dient die Sprache in unserem Leben primär als Kommunikationsmittel, um mit anderen Menschen Informationen, Gedanken und auch Emotionen auszutauschen.

Aber es gibt auch immer bei allem Guten auch eine dunkle Seite der Medaille. Unsere Sprache lässt sich jeher nicht nur im positiven Sinne nutzen. Wir können die Sprache auch zu unseren Gunsten missbrauchen, in dem wir manipulieren. Wieaus dem Einstiegszitat hervorgeht, nutzen wir die Sprache nicht nur zum Zwecke der Manipulation anderer Menschen. Schon alleine durch Sprache und Kommunikation werden wir regelrecht dazu verführt, andere Menschen zu manipulieren, um sie von unseren Absichten zu überzeugen oder das zu bekommen,was wir wollen. Die Technik der Manipulation weist ein großes Spektrum an Arten auf: Sie reicht von der alltäglichen Manipulation (um z.B. unseren Partner von unserer Meinung zu überzeugen) bis hin zur Manipulation von Massen oder sogar soweit, dass dadurch anderen Menschen Schaden zugefügt wird.

Dieses Verhalten oder der „Missbrauch” der Sprache und Kommunikation beginnt schon im frühesten Kindesalter, wir wachsen sozusagen damit auf: „Wenn du dein Mittagessen auf isst, scheint morgen die Sonne." Auch wenn es nicht im ersten Moment so erscheint, hat dieser Satz eine manipulative Wirkung. Aber nicht nur Eltern manipulieren, auch Kinder versuchen ihre Eltern durch Weinen und trotzigem Verhalten zu beeinflussen. Im privaten Umfeld geschieht dies meist unbewusst oder zumindest ohne böse Absichten.

Es gibt unzählige Arten durch die wir heutzutage manipuliert werden. Im Supermarkt, bei der Arbeit, in der Werbung, beim Filmabend mit unseren Freunden – es gibt endlose Möglichkeiten der Manipulation.

Die Sprache hat eine enorme Macht über uns Menschen und um diese Macht ausnutzen zu können, rückt sie bei politischen Strategien in den Mittelpunkt. Die Sprache dient in dieser Stellung als Instrument der Herrschaftsausübung. Ein Mensch, der weiß, wie er mit seiner Sprache manipulieren kann, hat damit eine sehr starke Wirkung oder auch Macht auf die Menschen.

2 Manipulation

Es wird selten einfach „nur so" etwas gesagt, fast immer hat eine Nachricht die Funktion, auf den Empfänger in irgend einer Form Einfluss zu nehmen. Oft möchte man den Empfänger einer Nachricht schlicht von der eigenen Meinung überzeugen oder veranlassen, dass Dinge von ihm erledigt werden. Wenn diese Art der Kommunikation offenkundig geschieht, wird der Empfänger darauf dementsprechend ablehnend reagieren, da er weiß, worauf das Gespräch abzielt.

Geschieht dies jedoch versteckt und nicht offenkundig, ohne dass der Empänger vonderAbsicht des Senders weiß – wird manipuliert (vgl. Schulz von Thun [2013] S. 139).

Propaganda

Eine weitere Form der Manipulation stelltdie sogenannte Propaganda dar. Man kann sagen, dass sie eine spezielle Art der Werbung mit ideologischer Beeinflussung darstellt. Gerade politische Propaganda war im Nationalsozialismus in Deutschland sehr ausgeprägt. Sie dientzur Verbreitung von Informationenund Ideen mit der Absicht der Manipulation (vgl. Thymian Bussemer [2005] S. 32 ff.)

3 Die Rhetorik

Unter Rhetorik wird die Lehre von der wirkungsvollen Gestaltung einer Rede verstanden ( Der Duden [2004], Rhetorik). Oft wird Rhetorik fälschlicherweise mit „manipulativer Überredungskunst" in Verbindung gebracht. Doch nicht immer hat Rhetorik etwas mit Überredungskunst zu tun, vielmehr kommt es darauf an, wie sie angewendet wird und was der Redner erreichen möchte (vgl. Dieter W. Allhoff/Waltraud Allhoff [2006] S. 15).

Rhetorische Mittel

Es gibt keine speziellen Manipulationstechniken. Redner können sich jedoch rhetorischen Mitteln bedienen.

Nachstehend werden einige rhetorische Mittel kurz erläutert, welche später in Kapitel 6 dieser Arbeit nochmals anwendungsorientiert erläutert werden:

- Hyperbel (Starke Übertreibung)
- Neologismen (Wortneuschöpfungen)
- Euphemismus (Beschönigungen)
- Anapher (Wiederholungen eines Wortes oder Satzteils am Anfang eines Verses)
- Metapher (bildlicher Vergleich)
- Gigantomanie und Superlative (Steigerungen von Adjektiven)
- Symbole (Real vorhandenes Sinnbild)
- Ellipse (Auslassung eines Wortes welches zum Verständnis des Satzes jedoch nicht gebraucht wird)
- Schwarz-Weiß-Malerei (Argumentationen mit entweder - oder)

(vgl. Prof. Dr. Thomas Anz[1] )

4 Das Kommunikationsmodell nach Friedemann Schulz von Thun

Ein Modell ist eine Abbildung der Realität oder eines Originales. Unter einem sogenannten Kommunikationsmodell versteht man eine schematische Darstellung der Bestandteile, die zur Kommunikation gehören. (Der Duden [2004], Kommunikationsmodell)

Friedemann Schulz von Thun ist einer der bekanntesten deutschen Psychologen für diezwischenmenschliche Kommunikation. Das von ihm entwickelte Kommunikationsmodell wird seit fast 15 Jahren verwendet, um die zwischenmenschliche Kommunikation und die Ursachen von Kommunikationskonflikten zu erklären (vgl. Schulz von Thun, Institut für Kommunikation [http://www.schulz-von-thun.de/index.php?article_id=22], Abruf: 22.08.2014).

Schulz von Thun studierte Psychologie, Philosophie und Pädagogik in Hamburg. Für die Thematik der zwischenmenschlichen Kommunikation begeisterte er sich durch die Zusammenarbeit mit dem Erziehungspsychologen Reinhard Tausch. Ziel ihrer Arbeit war es, LehrerInnen und ErzieherInnen in „partnerschaftlichem Umgang" mit Kindern zu schulen (vgl. Schäfer Anette [2005] S. 42-47). Dahinter stand der Gedanke, dass zwischenmenschliche Umgangsformen erlernbar sind (vgl. Schäfer Anette [2005] S. 44).

Durch Schulungen mit LehrerInnen und Trainingseinheiten mit Führungskräften im Umgang mit zwischenmenschlicher Kommunikation, entwickelte Schulz von Thun im Laufe der Zeit ein Kommunikationsmodell. Ziel dieses Modells war es, die Ansätze aus der Psychologie von Carl Rogers, Alfred Adler, Ruth Cohn und Paul Watzlawick zusammenzuführen und so Möglichkeiten für Kommunikationsstörungen anschaulich darzustellen (vgl. Schulz von Thun [2012] S. 13).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

http://www.it-infothek.de/images/semester_4/grdkl_09.gif

Schulz von Thuns Kommunikationsmodellist eine Erweiterung des bekannten Sender-Empfänger-Modell von Claude E. Shannon und Warren Weaver. In der Abbildung sind Sender und Empfänger zu erkennen. Die gestrichelte Linie verdeutlicht zwei getrennte Prozesse der Kommunikation: Das Senden und Empfangen einer Nachricht. Der Prozess setzt sich zum einen aus der Seite des Senders zusammen, welcher eine Nachricht sendet, zum anderen aus der Seite des Empfängers, der diese Nachricht wahrnimmt. (vgl. Schulz von Thun [2012] S.25-26).

Die Seite des Senders

Die Nachricht des Senders kann nach Schulz von Thun entweder verbal oder nonverbal verschlüsselt sein, wobei diese Nachricht selbst aus 4 verschiedenen Botschaften besteht:

- Sachbotschaft (Worüber informiere ich?)
- Selbstoffenbarungsbotschaft (Was gebe ich von mir selbst preis?)
- Beziehungsbotschaft (Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen)
- Appellbotschaft (Wozu ich dich veranlassen möchte)

(vgl. Schulz von Thun [2013] S. 25-26)

Dieses Modell wurde von Schulz von Thun in Anlehnung an das Organonmodell Karl Bühlers und den 5 Axiomen von Paul Watzlawick entwickelt. So gleichen die drei Aspekte der Sprache von Bühler (Darstellung, Ausdruck, Appell) der vier-Seiten-Botschaft nach Schulz von Thun. Die Sachinhaltsseite ist somit gleichzusetzen mit Bühlers Aspekt der Darstellung, die Selbstoffenbarungsseite mit dem Aspekt des Ausdrucks und die Appellseite mit dem Appell. Die Beziehungsseite gleicht dem Modell von Paul Watzlawick (vgl.Hermann Hobmair [2013] S. 360).

Ausdrucksorientierter und wirkungsorientierter Sender

Kommunikation dient der Mitteilung dessen, was ist. Aber dies ist nicht der alleinige Zweck, die Kommunikation dient auch dazu, hervorzubringen, was sein soll. Indem ich etwas von mir gebe, möchte ich etwas erreichen, etwas bewirken z. B. den anderen trösten (bessere Gefühle vermitteln), ihn zu bestimmten Taten bewegen. Oft stehen Ausdruck und Wirkung in Einklang zueinander, jedoch ist dies keineswegs immer der Fall.

Schulz von Thun unterscheidet zwei Grundausrichtungen: Zum einen den ausdrucksorientierten Sender und zum anderen den wirkungsorientierten Sender. Jedoch kommuniziert kein Mensch auf der Welt ausschließlich ausdrucks- oder wirkunksorientiert. Merkmal des ausdrucksorientierten Senders ist es, alles das auszudrücken, das (in ihm) ist. Es kommt ihm nicht auf die Wirkung des Gesagten an, vielmehr wird diese abgewartet und in Kauf genommen.

Ein wirkungsorientierter Sender wiederum fragt sich zunächst teils bewusst, teils unbewusst immer: Was will ich erreichen bzw. verhindern? Die Nachricht wird dann so entworfen, dass sie optimal für die Erreichung des Zieles geeignet ist. Der wirkungsorientierte Sender nimmt dabei bewusst in Kauf, dass die Nachricht nicht immer das ausdrückt, was ist. Es zählt Takt und Taktik, wohingegen beim ausdrucksorientierten Sender die Stimmigkeit und Wahrheit der Nachricht im Vordergrund steht.

Wenn beispielsweise eine Person weint, dann ist es für den Empfänger von enormer Wichtigkeit zu wissen, ob diese Person ausdrucks- oder wirkungsorientiert agiert. Der Empfänger wird sich dabei die Frage stellen, ob diese Person weint, weil sie traurig ist und getröstet werden möchte oder ob durch das Weinen etwas erreicht werden soll.

Bei einer Manipulation wird daher vom Empfänger meist nicht erkannt, dass der Manipulator überwiegend wirkungsorientiert kommuniziert.

Ein Grunddilemma der zwischenmenschlichen Kommunikation sieht Schulz von Thun deshalb darin, dass es immer zugleich um Ausdruck und Wirkung geht und dass Sender und Empfänger vor der Wahl stehen, auf welchen Aspekt sie sich schwerpunktmäßig hin orientieren. Eine geglückte Kommunikation macht eine Balance zwischen beiden aus (vgl. Schulz von Thun [2012] S. 243-245).

Die Seite des Empfängers

Wenn man nun wiederum auf die Seite des Empfängers einer Nachricht wechselt,zeigt sich das gleiche Prinzip wie beim Sender der Nachricht. Das heißt auch, dass der Empfänger der Nachricht die Botschaft prinzipiell genauso auf die zuvor beschriebenen Arten wahrnehmen kann:

- „Was ist das für einer? Was ist mit ihm?" (Selbstoffenbarungsseite)
- „Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?" (Sachseite)
- „Wie redet der eigentlich mit mir? Wen glaubt er vor sich zu haben?" (Beziehungsseite)
- „Was soll ich tun, fühlen, denken aufgrund seiner Mitteilung?" (Appellseite)

Der Empfänger steht jetzt vor der Frage, mit welchem dieser 4-Ohren er auf die Botschaft des Senders reagieren soll. (vgl. Schulz von Thun [2012] S. 44-46)

Als Beispiel soll folgende Situation dienen: In einer Klasse soll der Atlas aufgeräumt werden. Resi pfeffert den Atlas in eine Ecke. Susi läuft zum Lehrer und schreit: „Resi hat den Atlas gepfeffert!" Nun kann der Lehrer auf 4 verschiedene Ohren reagieren:

1. Sachinhalt: „Hat sie das mit Absicht getan?“
2. Selbstoffenbarung: „Du bist ganz schön böse darüber oder?“ / „Du bist ja eine Petze!“
3. Beziehungsaspekt: „Warum erzählst du mir das? Bin ich etwa euer Polizist?“
4. Appelaspekt: „Ich werde gleich mal sehen, was da los ist!“

(vgl. Schulz von Thun [2012] S. 45-46)

Empfänger können verschiedene Angewohnheiten für unterschiedliche Situationen entwickeln, auf welchem der vier Ohren sie eine gesendete Botschaft wahrnehmen und darauf reagieren. (vgl. Schulz von Thun [2012] S. 47)

Es kann zum Beispiel passieren, dass bei einem ausgeprägten Sachohr Beziehungskonflikte nicht wahrgenommen werden und diese dann nur auf der Sachebene ausgetragen werden. (vgl. Schulz von Thun [2012] S. 48-51)

Der Empfangsvorgang

Nach Schulz von Thun lässt sich der Vorgang, wie eine Nachricht von einem Empfänger wahrgenommen wird, in drei Teilprozesse gliedern. Es beginnt mit der Wahrnehmung der Botschaft, woraufhin diese anschließend vom Empfänger interpretiert wird. Dieser reagiert dann mit seiner Interpretation der Nachricht und gibt dem Sender ein Feedback, also wird der Empfänger selbst zum Sender. Ein gutes Feedback ist dann gegeben, wenn sich der Empfänger beim Sender versichert, ob er den Sinn der Nachricht auch richtg verstanden hat (vgl. Schulz von Thun [2012] S. 72-75).

[...]


[1] [http://www.literaturkritik.de/public/online_abo/online_lexikon.php?option=items&task=show&ocatgid=11&catgid=6], Abruf: 20.08.2014

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668282728
ISBN (Buch)
9783668282735
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286800
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
2,0
Schlagworte
Manipulation Sprache Kommunikation Schulz von Thun Rhetorik Nationalsozialismus

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