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Möglichkeiten und Grenzen der Bilanzpolitik

Hausarbeit 2014 21 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Prolog
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele und Aufbau der Arbeit

2. Analyse der Bilanzpolitik
2.1 Semantische Analyse der Bilanzpolitik
2.2 Ziele der Bilanzpolitik

3. Mittel und Instrumente der Bilanzpolitik
3.1 Stille Reserven der Bilanzpolitik
3.2 Bilanzpolitische Wahlrechte

4. Grenzen der Bilanzpolitik
4.1 Allgemeine Grenzen
4.2 Rechtliche Grenzen mit Beispiel Energieunternehmens Enron

5. Resümee
5.1 Zusammenfassen der Kernthesen
5.2 Kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vorgehensweise

Literaturverzeichnis

1. Prolog

1.1 Problemstellung

Unternehmen in der modernen Gesellschaft sind einem ständigen Wettbewerb um ihre Marktpartner ausgesetzt. Um erfolgreich zu sein, müssen sie sich gegenüber ihrer Anspruchsgruppen entsprechend positionieren und das Zusammenspiel mit den Marktpartnern forcieren. Durch eine systematische Bilanzpolitik kann das Unternehmen auf die jeweiligen Ziele der Anspruchsgrupppen konsequent eingehen. Allerdings können unternehmerische Einrichtungen nicht willkürlich entscheiden, wie und in welchem Umfang sie ihre finanzielle Lage gegenüber den Marktpartnern präsentieren. Die Zielsetzung dieser wissenschaftlichen Arbeit umfasst die Analyse und Präsentation der bilanzpolitischen Möglichkeiten und Instrumente aber auch die dazugehörigen Grenzen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Um das obige Ziel zu erreichen, wird zunächst eine semantische Analyse des Begriffs Bilanzpolitik erfolgen, um anschließend mit Hilfe verschiedener Autoren eine konkrete Definition zu formulieren. Daraus werden die bilanzpolitischen Ziele abgeleitet und in die Kategorien des externen und internen Bilanzlesers zusammengefasst. In diesem Zusammenhang soll auch der Begriff Zielkonflikt erläutert werden. Im weiteren Verlauf werden aus den Zielen die jeweiligen bilanzpolitischen Instrumente und Möglichkeiten abgeleitet. Hier liegt der Fokus auf den stillen Reserven sowie den verschiedenen bilanzpolitischen Wahlrechten. Diese Instrumente dürfen aber nicht willkürlich eingesetzt werden, so dass die rechtlichen und allgemeinen Grenzen der Bilanzpolitik charakterisiert werden. Zusammenfassend soll das Beispiel des amerikanischen Energieunternehmen Enron dienen, um einen der spektakulärsten Fälle von Bilanz- fälschung darzulegen.

Der letzte Abschnitt dieser wissenschaftlichen Arbeit fasst noch einmal alle Kernthesen zusammen und setzt sich kritisch mit der Vorgehensweise des Autors auseinander.

2. Analyse der Bilanzpolitik

2.1 Semantische Analyse der Bilanzpolitik

Die Bezeichnung Bilanzpolitik setzt sich aus den Begriffen Bilanz und Politik zusammen, die zunächst voneinander abgegrenzt werden sollen um in einem weiteren Schritt eine vereinende Definition heraus zu arbeiten.

Die Bilanz ist die zum Ende eines jeden Geschäftsjahres aufzustellende Gegenüberstellung von Vermögen (Aktiva) und Kapital (Passiva). Ferner gilt sie gemäß § 242 HGB als zentraler Bestandteil des Jahresabschluss.1

Politik hingegen bedeutet das zielbewusste Handeln und Gestalten unter Anwendung durch die in der Theorie oder durch praktische Erfahrung gesammelten Erkenntnisse. So setzt sich das Ziel der Betriebswirtschaftspolitik beispielsweise aus der betriebswirtschaftlichen Theorie gewonnenen Erkenntnis und aus den entwickelten Erfahrungen zusammen.2

Werden beide Begriffsdefinitionen zusammengefügt ergibt sich die Bilanzpolitik. Als Teilbereich der Unternehmenspolitik werden unter ihr verschiedene Maßnahmen subsumiert, um entsprechende Ziele der Unternehmensleitung zu erreichen, die sehr eng mit dem Jahresabschluss in Verbindung stehen.3

Eine umfassende Definition erfolgt in Gablers Wirtschaftslexikon: „Unter den Begriff der Bilanzpolitik fallen alle legalen Maßnahmen, die der Bilanzierende innerhalb des Jahresabschlusses und Lageberichts ergreift, um die Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens inhaltlich und/oder formal so zu gestalten, dass bei den Adressaten bestimmte Reaktionen hervorgerufen bzw. vermieden werden.“4 Durch eine gezielte Transformation von Informationen soll demnach eine gewisse Wirkung bei den Jahresabschlussempfängern hervorgerufen werden, um so langfristig die gesetzten Unternehmensziele zu erreichen.5

Dazu bedienen sich Unternehmen verschiedener Wahlrechte. Diese sollen aber nicht willkürlich sondern durch eine gezielte Bilanzpolitik wahrgenommen werden.6

Die Bilanzpolitik soll folgende Fragen beantworten können: Welcher Jahresüberschuss ist zu erwarten? Welche konkreten Bilanzrelationen und andere maßgeblichen Kennziffern werden angestrebt? Welche bilanzpolitische Wahlrechte (Ansatz- und Bewertungswahlrechte) sollen genutzt werden? Mit welchen Änderungen ist im Folgejahr zu rechnen?

Wie können wirtschaftliche Sachverhalte konkret und zielgerichtet gestaltet werden?7

Die Handelsbilanz ist rechtlich an die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und die Rechnungslegungsvorschriften des Handelsgesetzbuches gebunden. Aus der Handelsbilanz wird die Steuerbilanz abgeleitet, welche zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Einkommens- und Körperschaftssteuer gilt. Die daraus resultierende Steuerbilanzpolitik zielt ebenfalls auf eine Beeinflussung des steuerlichen Gewinns ab.8

In der bilanzpolitischen Definition, die bisher dargelegt wurde, fehlt ein entscheidender Aspekt: die Verantwortlichkeit. Diese umfasst alle Beteiligten, die bei der Aufstellung des Jahresabschluss mitwirken und damit die Möglichkeit besitzen, Einfluss auf den Inhalt sowie die Form des Rechenwerkes zu nehmen. In kleineren Unternehmen sind das die Einzelunternehmer selbst, bei Personengesellschaften die geschäftsführenden Gesellschafter und bei Kapitalgesellschaften und Genossenschaften tragen die Organe der Geschäftsleitung, sprich Geschäftsführer und Vorstände die Verantwortung (zum Beispiel § 76 AktG oder §33 GenG).9

Im Einzelnen wird die Bilanzpolitik jedoch auf Anweisung von Entscheidungsträgern durch die Rechnungswesensabteilung sowie externe Berater, beispielsweise Steuerberater, durchgeführt. Daneben existiert noch die innere Bilanzpolitik.

Diese wird von einer Personengruppe bearbeitet, die der Unternehmensleitung direkt zuarbeitet, jedoch gleichzeitig eigene, persönliche Interessen verfolgt.10 Hier bedarf es größter Vorsicht, da es in der Praxis zu einem Interessenkonflikt bei den Entscheidungsträgern der Bilanzpolitik führen kann. Vergleichbar ist dieser Sachverhalt mit der Principal-Agenten-Theorie, sprich mit dem Interessenkonflikt des Managements und des Vorstandes. Ziel sollte deshalb immer ein Interessenausgleich sein. Um effektiv und gezielt Bilanzpolitik betreiben zu können, muss eindeutig sein, was damit erreicht werden soll. Deshalb sollen im nächsten Abschnitt die Ziele der Bilanzpolitik näher betrachtet werden.

2.2 Ziele der Bilanzpolitik

Die bilanzpolitische Zielsetzung leitet sich aus den Unternehmenszielen ab und soll die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage so beeinflussen, dass die Erwartungen der Gesellschafter, Gläubiger und diverser anderer Anspruchsgruppen bezüglich des gewünschten Ergebnisses umfassend erfüllt werden. Folglich orientieren sich die Ziele der Bilanzpolitik an den grundlegenden Funktionen des Jahresabschluss, der

Informations- und Zahlungsbemessungsfunktion.11 Die angesprochenen Anspruchsgruppen bzw. Adressaten lassen sich in verschiedene Gruppen aufteilen. Die erste Gruppe sind die Eigenkapitalgeber, Banken und Finanzbehörden, die als finanzwirtschaftliche Gruppe tituliert wird. Dieser folgen die Kunden, Lieferanten, Belegschaft und Konkurrenz,die als leistungsorientierte Gemeinschaft benannt wird. Letztere sind die Meinungsbildner, wie Finanzanalysten, Presse und Öffentlichkeit.12 Diese verschiedenen Adressaten haben somit auch unterschiedliche Erwartungs- haltungen an das Unternehmen, so dass zwei Unterziele der Bilanzpolitik differenziert werden können. Die Informationsbereitstellung für interne Bilanzleser soll ein möglichst vollständiges und reales Bild der Vermögens-, Ertrags- und Finanzziele skizzieren. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss ein geeigneter Jahresabschluss nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgestellt werden.

Der Gewinn muss inflationsbereinigt und die Bewertung von Anlage- und Umlaufvermögen zu Wiederbeschaffungskosten ausgewiesen werden. Dazu muss ein eigener Jahresabschluss erstellt werden.13

Das zweite Ziel umfasst die unternehmerischen Interessen folgende Information der externen Bilanzleser, wie Arbeitnehmer, Finanzverwaltung, Banken oder die Öffentlichkeit, erfolgt nach unternehmerischen Interessen.14 Hier kann eine weitere Unterscheidung in ausschüttungs-, rücklagen-, gewinnausweis- und steuerpolitische Ziele getroffen werden. Bei der ausschüttungspoltischen Absicht hängt die Dividendenhöhe von der Höhe des ausgewiesenen Gewinns ab.

Je höher also der Gewinn, desto höher ist auch die Gewinnausschüttung. So werden verschiedene Kombinationsmöglichkeiten gebildet, beispielsweise wird eine hohe Gewinnausschüttung von Kleinaktionären bevorzugt, während Publikumsaktien- gesellschaften, die ihren Jahresabschluss veröffentlichen müssen, eine konstante Gewinnausschüttung durchführen, um Vertrauen zu wecken und Kontinuität zu präsentieren. Großaktionäre sind an einer möglichst geringen Gewinnausschüttung interessiert.15

Rücklagenpolitische Ziele definieren sich durch die Geschäftstätigkeit einer Handels- gesellschaft am Absatzmarkt. Entscheidend ist hier, wie viel neues Eigenkapital dem Unternehmen aus der Innenfinanzierung im Laufe eines Jahres zufließt. Dennoch kann die Höhe des tatsächlich erwirtschafteten Gewinns durch die Bilanzpolitik nicht beeinflusst werden. Im Rahmen ihrer gesetzlichen Möglichkeiten unterscheidet sie nur darüber, in welcher Höhe stille Reserven gebildet, welcher Betrag im Geschäftsjahr als Gewinn ausgewiesen, welche Rücklagen zugeführt oder entnommen und welcher Betrag den Gesellschaftern ausgeschüttet werden soll. Somit kann eine Handelsgesellschaft ganz verschiedene Ziele verfolgen, mit möglichst hohen offenen, konstanten oder wenig offenen Rücklagen. Durch die Bildung und Auflösung stiller Reserven und Rücklagen, wird der Umfang des ausgewiesenen Kapitals determiniert.

[...]


1 Vgl. Busse von Colbe, W./ Crasselt, N./ Pellens, B. (2011), S. 94

2 Vgl. Wöhe, G. (1997), S. 50

3 Vgl. Spranger, E. (1991), S. 5

4 Prof. Dr. Hommel, M.: Gablers Wirtschaftslexikon, URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/4104/bilanzpolitik-im-hgb-v11.html, Abruf vom 04.09.2014

5 Vgl. Busse von Colbe, W./ Crasselt, N./ Pellens, B. (2011), S. 107

6 Vgl. Prof. Dr. Schneider, W./ Prof. Dr. Lohse, G./ Unterrainer, M. (o.J.), S. 52

7 Vgl. Prof. Dr. Schneider, W./ Prof. Dr. Lohse, G./ Unterrainer, M. (o.J.), S. 53

8 Vgl. Spranger, E. (1991), S. 8

9 Vgl. Spranger, E. (1991), S. 8

10 Vgl. Busse von Colbe, W./ Crasselt, N./ Pellens, B. (2011), S. 107

11 Vgl. Busse von Colbe, W./ Crasselt, N./ Pellens, B. (2011), S. 107

12 Vgl. Busse von Colbe, W./ Crasselt, N./ Pellens, B. (2011), S. 107

13 Vgl. Spranger, E. (1991), S. 9

14 Vgl. Spranger, E. (1991), S. 9

15 Vgl. Prof. Dr. Schneider, W./ Prof. Dr. Lohse, G./ Unterrainer, M. (o.J.), S. 55/56 7

Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656868200
ISBN (Buch)
9783656868217
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286524
Note
1,7
Schlagworte
Bilanzierung Möglichkeiten und Grenzen der Bilanzpolitik Bilanzpolitik

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Titel: Möglichkeiten und Grenzen der Bilanzpolitik