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Das Konzept der Medienaneignung. Verortung in der Kommunikationswissenschaft.

Seminararbeit 2014 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINFÜHRUNG UND GRUNDBEGRIFFE

2 PUBLIKUMS- UND MEDIENNUTZUNGSBEGRIFF IN DER KLASSISCHEN KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFT

3 PARADIGMENWECHSEL: VOM PASSIVEN ZUM AKTIVEN PUBLIKUM
3.1 Die Frage der Publikumsaktivität
3.2 Symbolisch-interaktionistisches Publikumsverständnis
3.3 Uses & Gratifications-Approach
3.4 Nutzenansatz nach Renckstorf (1989)

4 VON DER REZEPTION ZUR ANEIGNUNG
4.1 Strukturanalytisches Rezeptionsmodell (Charlton, 1997)
4.2 Modell des kontextuellen Verstehens der Medienaneignung (Schorb &LTheunert, 2000)
4.3 Medienaneignungsmodell der Cultural Studies (Hepp, 2005)

5 FAZIT UND AUSBLICK: THEORETISCHE UND METHODISCHE IMPLIKATIONEN

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Rezeptionsprozess nach Charlton (1997, S. 24)

1 EINFÜHRUNG UND GRUNDBEGRIFFE

Friedrich Krotz stellt in seinem Aufsatz „Rekonstruktion der

Kommunikationswissenschaft: Vom passiven Publikum zur Partizipation der User“ als thematisch zentrales Konzept der Kommunikationswissenschaft die Beziehung von Menschen zu Medien heraus. Im Verlauf der Entwicklung des Forschungsfeldes hat sich die Betrachtung dieses Verhältnisses verändert und immer wieder neuen Gegebenheiten angepasst. Aktuell herrscht in der Kommunikationswissenschaft der Terminus der „Medienaneignung“ vor, wenn es um diese Thematik handelt (Krotz, 2013, S. 57). Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, das Konzept der Medienaneignung mithilfe verschiedener Forschungsansätze zu umreißen und in der Kommunikationswissenschaft bzw. entlang ihrer Entwicklung zu verorten. Hierfür müssen zunächst einige essenzielle Grundbegriffe geklärt werden.

Medium. Ein Medium stellt zum einen eine materiell-soziale Struktur dar, zum anderen ist es ein mithilfe einer Technologie betriebener Apparat, der situativ konkret verwendet wird. In der Situation ist ein Medium ein Angebot, welches Aufmerksamkeit erzeugen will. Hierbei wird die Inszenierung durch einen Medienanbieter und der Erlebnisraum eines Mediennutzers unterschieden (Krotz, 2013, S. 58 f.).

Medienhandeln. Generell ist Medienhandeln „ein auf Medien bezogenes instrumentelles oder soziales Handeln“ (Krotz, 2013, S. 58). Diese kann ergebnisorientiert erfolgen, beispielsweise das Töten einer Fliege mit einer Zeitung. Primär interessant für die Kommunikationswissenschaft ist freilich das soziale, und damit verständigungsorientierte, Medienhandeln.

Situation. Medien und medienbezogenes Handeln können situativ unterschiedlich eingebettet sein. Der Anbieter hat das Ziel, ein Medienangebot zu inszenieren, während der Nutzer Medien in seinem persönlichen Erlebnisraum wahrnimmt. Zu beachten ist, dass jeder Teilnehmer einer Situation eine individuell verschiedene Situationsdefinition konstruiert (Krotz, 2013, S. 60).

Medienumgebung. Mediennutzung erfolgt immer in einem medial gegebenen Kontext. Die sogenannte Medienumgebung beinhaltet Technologien, Institutionen sowie Vorkenntnisse des Individuums rund um seine verfügbaren Medien. Das Individuum wiederum verfügt idealerweise über Medienkompetenzen und sozialisierte kommunikative Praktiken, um Medien sinnvoll einzusetzen (Krotz, 2013, S. 59).

2 PUBLIKUMS- UND MEDIENNUTZUNGSBEGRIFF IN DER KLASSISCHEN KOMMUNIKATIONSWISSENSCHAFT

Um das Konzept der Medienaneignung infolge der Entwicklung der Kommunikationswissenschaft betrachten zu können, ist es wichtig, den Publikums- und Mediennutzungsbegriff der klassischen Kommunikationswissenschaft zu klären. Vor Aufkommen der neuen Medien ist diese auf Massenkommunikation ausgerichtet, Mediennutzung und -produktion liegen weit voneinander entfernt. Das Publikum als „Menge aller Menschen, die ein Medienangebot nutzen“ (Krotz, 2013, S. 60) stellt eine dem Medium bzw. Medienangebot selbst nachgeordnete Einheit dar. Es wird als das klassische, homogene Massenpublikum betrachtet, auf welches ungeachtet seiner Zusammensetzung die gesendeten Inhalte Wirkungen ausüben (Stimulus Response- bzw. Reiz-Reaktions-Modell). Medieninhalte auszuwählen, zu interpretieren und zu deuten wird den Empfängern zugestanden, doch bleibt das Publikum in der Funktion des Aufnehmenden und höchstens Antwortenden verhaftet. Eigenes Produzieren von Botschaften durch den Empfänger sieht die klassische Massenkommunikation nicht vor, selbst die Selektivität der Rezipienten wird nicht berücksichtigt (Krotz, 2013, S. 60 ff.). Webster und Phalen gehen sogar so weit, das Publikum als Opfer der Medien anzusehen (1994, S. 22 f.).

3 PARADIGMENWECHSEL: VOM PASSIVEN ZUM AKTIVEN PUBLIKUM

3.1 Die Frage der Publikumsaktivität

Spätestens mit der „People’s Choice“-Studie von Lazarsfeld, Berelson und Gaudet von 1944 beginnt sich die Sicht auf das Publikum und seine Mediennutzung zu verändern. Nur ein Teil der Medienwirkungen kann tatsächlich als simple Stimulus- Response-Kausalität erklärt werden. Seitdem werden bei der Messung von Medi- eneffekten verschiedene Variablen, die den Rezipienten oder die Rezeption cha- rakterisieren, berücksichtigt. Beschäftigte sich die Medienwirkungsforschung also zunächst damit, was die Medien mit den Menschen machen, wandelt sich in den 50er und 60er Jahren das Erkenntnisinteresse - im Fokus steht nun die Frage, was Menschen mit Medien machen. Palmgreen, Wenner und Rosengren (1985, S. 11 ff.) sprechen hier von einem Paradigmenwechsel von der Stimulus-Response- orientierten Wirkungsforschung hin zu einer publikumszentrierten Perspektive (Krotz, 2013, S. 62).

3.2 Symbolisch-interaktionistisches Publikumsverständnis

Zu Beginn der 1970er Jahre verliert das linear-kausale Verständnis zunehmend an Ansehen. An seiner Stelle rückt das von Will Teichert (1972) geprägte interaktionisti- sche Interdependenzmodell in den Vordergrund. Teichert kritisiert die gängige Medienwirkungsforschung als auf objektive Wirklichkeit ausgerichteten Ansatz, welcher die Mediennutzung auf quantitative Daten reduziere. Seiner Meinung nach ist der Blick auf das aktive soziale Handeln der Rezipienten unerlässlich.

Menschen legen mittels Interpretations- und Reflexionsprozessen persönliche Bedeutung in Dinge, mit denen sie interagieren. Nach Teicherts Ansatz des sozialen Handelns geschieht dies auch bei der Mediennutzung: massenmediale Aussagen tragen keine Bedeutung in sich, sondern gewinnen sie für den Rezipienten erst im Verlauf seiner Interpretation. Allerdings bleibt dieser Ansatz empirisch eher marginal und birgt kaum methodische Implikationen (Krotz, 2013, S. 62).

3.3 Uses & Gratifications-Approach

Von Katz, Blumler und Gurevitch (1974) wurde der Uses & Gratifications-Ansatz (U&G) entwickelt, welcher die aktive Mediennutzung der Menschen als Bedürfnis- befriedigung versteht. Hierbei kann es sich um kognitive, affektive, sozial- interaktive und integrativ-habituelle Bedürfnisse handeln, die „als auslösende Mo- tive die Wahl der Kommunikationsquellen, die Qualität der Kommunikationsbezie- hung, die Wahl der Kommunikationsinhalte und sogar die aus der Kommunikation resultierenden Wirkungen wesentlich bestimmen“ (Bonfadelli, 1999, S. 163). Die Mediennutzung erfolgt somit funktionalistisch und bewusst, um das Ziel der Bedürf- nisbefriedigung zu erreichen. Die Medienangebote stehen dabei in Konkurrenz zu non-medialen Alternativen wie beispielsweise Gesprächen (Schweiger, 2007, S. 62). Dem Uses & Gratifications-Approach wird jedoch verstärkt eine gewisse Theo- rielosigkeit vorgeworfen, da er ausschließlich auf einer einzigen zentralen Annah- me basiert (Hugger, 2008, S.174).

3.4 Nutzenansatz nach Renckstorf (1989)

Karsten Renckstorf versucht in seinem Nutzenansatz die Theorie des sozialen Han- delns sowie den U&G-Ansatz zu vereinen. Auf diese Weise können Aspekte der Interpretation des Medienangebots durch den Rezipienten, welche im Uses & Gra- tifications-Ansatz fehlen, ergänzt werden. Mediennutzung als Teil des Alltagshan- delns ist grundsätzlich eine Art des sozialen Handelns mit interpretativer Kompo- nente. Die Rezipienten versehen Medieninhalte vor dem Hintergrund ihrer persön- lichen sozialen Situation aktiv mit Bedeutung, welche auch identitätsstiftend sein kann. Die publikumszentrierte Perspektive des U&G wird dabei beibehalten (Krotz, 2013, S. 63).

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Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656867562
ISBN (Buch)
9783656867579
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286486
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
konzept medienaneignung verortung kommunikationswissenschaft
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Titel: Das Konzept der Medienaneignung. Verortung in der Kommunikationswissenschaft.