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Anthony Downs und die ökonomische Theorie der Demokratie

Eine Erklärung für das Wähler- und Parteienverhalten bei Wahlprozessen oder doch eine Theorie voll Eindimensionalität und Naivität?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 16 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Die ökonomische Theorie der Demokratie – was steckt dahinter?

2 Rational–Choice – der perfekte Ansatz zur Erklärung des Wähler- und Parteienverhaltens bei Wahlprozessen in der Demokratie ?

3 Ist die ökonomische Theorie der Demokratie auch auf ein Mehrparteiensystem anwendbar?

4 Die ökonomische Theorie der Demokratie– zeitgemäß oder realitätsfern ?

5 Literaturverzeichnis

1 Die ökonomische Theorie der Demokratie – was steckt dahinter?

In der hier vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit der ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs beschäftigen. Die Theorie von Anthony Downs basiert dabei auf dem Werk „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie“, des Ökonom- und Politikwissenschaftlers Joseph Schumpeter, der davon ausging, dass die Motivation der Regierungstätigkeit von ihrer sozialen Funktion zu trennen sei, wie es auch im Bereich der Handels- und Konsumgüter der Fall ist.

Das Fundament der ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs liegt dabei im Wähler- und Parteienverhalten, welches Downs anhand des Rational-Choice-Ansatzes und der Nutzen- und Stimmenmaximierungsthese begründet. Was nun unter dem Rational-Choice-Ansatz, der Nutzen- und Stimmenmaximierungsthese genau zu verstehen ist, wird noch im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit erläutert.

Anhand der ökonomischen Theorie der Demokratie soll nach Downs untersucht werden, wie sich die Akteure d.h. die Parteien und Wähler im politischen Bereich verhalten, wenn man sie wie Anbieter und Nachfrager „auf einem Markt der politischen Möglichkeiten behandelt“ (Behnke 2009: 498). Die Theorie basiert dabei auf der Grundlage des Menschbildes des Homo oeconomicus, wobei davon ausgegangen wird, dass der Mensch seine Handlungsmöglichkeiten nach Nützlichkeitskriterien selektiert und letztlich die Handlung ausführt, die für ihn persönlich den größtmöglichen Nutzen darstellt.

Ein weiterer Punkt, den ich in dieser Hausarbeit behandeln möchte, ist die Frage, in welchem Maß es möglich ist, Downs Theorie auf ein Mehrparteiensystem zu übertragen, da er bei seiner Theorieauslegung lediglich von einem Zweiparteiensystem ausgeht. Zu untersuchen gilt es bei diesem Aspekt, inwiefern die Theorie durch ein Mehrparteiensystem beeinflusst wird und noch anwendbar ist, wenn mehrere Parteien um die Gunst des Wählers konkurrieren und der Wähler nun vor einer größeren Wahl an Handlungsmöglichkeiten steht.

Das Hauptaugenmerk liegt in dieser Hausarbeit jedoch besonders darauf, inwieweit Downs Theorie in der heutigen Zeit zutrifft und im politischen Geschehen Anwendung findet. Es soll diskutiert werden, ob die Theorie ausreicht, um das heutige Wähler- und Parteienverhalten bei den Wahlprozessen zu erklären bzw. zu rechtfertigen. Bei diesem Punkt möchte ich vor allem beleuchten, inwieweit es Downs mit seiner Theorie gelungen ist, die Hauptkriterien, die das Wähler- und Parteienverhalten beeinflussen, herauszuarbeiten. Auch möchte ich mögliche Kriterien und Kritikpunkte anführen, die Downs in seiner ökonomischen Theorie der Demokratie nicht berücksichtigt hat.

Abschließen möchte ich mit einem Fazit, bei dem ich diskutieren möchte, in welchem Maße Downs Theorie die heutige Interaktion zwischen Wähler und Parteien bei den Wahlprozessen angemessen erklärt und beschreibt oder ob die Theorie der heutigen Zeit nicht mehr entspricht und nahezu keine Anwendung mehr in der Gegenwart findet.

2 Rational–Choice – der perfekte Ansatz zur Erklärung des Wähler- und Parteienverhaltens bei Wahlprozessen in der Demokratie ?

Im folgenden Abschnitt wird darauf eingegangen, in welchem Maß der Rational-Choice-Ansatz von Anthony Downs das Wähler- und Parteienverhalten bei den Wahlprozessen in der Demokratie erklärt. Zunächst lässt sich sagen, dass der Zusammenhang von Parteienwettbewerb, die Wahlen und die Präferenzen der Wähler im Zentrum von Downs Demokratiebetrachtung stehen. Des Weiteren legt Downs eine klare Definition fest, ab wann ein Regierungssystem als demokratisch angesehen werden kann. Dabei müssen vier Bedingungen erfüllt sein, um von einem demokratischen Regierungssystem sprechen zu können. Voraussetzung sind dabei ein fortschreitender Parteienwettbewerb und die Vergabe von politischen Führungspositionen, resultierend auf der Grundlage allgemeiner Wahlen. Außerdem müssen in regelmäßigen Abständen Wahlen durchgeführt werden, bei denen für die erwachsene Bevölkerung ein allgemeines und gleiches Wahlrecht, als auch ein gleiches Stimmrecht gelten muss. Als letzten Punkt führt Downs an, dass die Wahlergebnisse akzeptiert werden müssen und jegliche illegale Proteste und gewaltförmige Mittel abgelehnt werden (Schmidt 2008: 197).

Die Politik in einer Demokratie wird nach Downs entsprechend einer wirtschaftswissenschaftlichen Vorstellungswelt als „komplexes Tauschsystem“ verstanden. Die Parteien konkurrieren dabei um den optimalen Zugang zur politischen Macht und versuchen, ihre Wählerschaft und ihre damit verbundenen erhöhten Wahlchancen dadurch zu optimieren, indem sie ihre Parteiprogrammatik auf dem politischen Markt so anpassen, dass sie eine erhöhte Wählerschaft ansprechen können. Die Wähler werden dabei als rationale Käufer gesehen, die ihre Entscheidung für den für sie maximal zu erzielenden politischen Nutzen treffen (Eith 2004: 120). Im Zuge dessen hat Downs den Rational-Choice-Ansatz entwickelt, welcher mit Hilfe der Nutzen- und Stimmenmaximierungsthese die Rolle und Position von Partei und Wähler intensiver beleuchten soll.

Zunächst soll auf die Grundannahmen des Rational-Choice-Ansatzes eingegangen werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein politischer Akteur stets in der Lage ist, eine Entscheidung zu treffen, wenn er vor eine Reihe von Handlungsalternativen gestellt wird. Er ordnet alle Alternativen nach einer für ihn schlüssigen Präferenzordnung. Des Weiteren wählt ein politischer Akteur stets immer die Alternative, die in seiner Präferenzordnung den höchsten Rang einnimmt. Zuletzt lässt sich noch sagen, dass ein Akteur bei gleichbleibender Auswahl an Alternativen immer wieder die selbe Entscheidung treffen wird (Downs 1968: 6).

Ausgangspunkt der Nutzenmaximierungsthese ist dabei das Menschbild des homo oeconomicus. Nach Downs wird davon ausgegangen, dass die Akteure rational ausschließlich auf der Basis des Abwägens von Entscheidungsalternativen und der Berücksichtigung ihrer jeweiligen Kosten-Nutzen-Bilanz handeln. Anders formuliert wählt ein Akteur die Entscheidungsalternative, bei der er für sich persönlich den größtmöglichen Nutzen herausschlagen kann. Nach Downs wird dabei von den Wählern erwartet, dass sie nahezu vollständig über die Entscheidungsalternativen und die damit verbundenen Konsequenzen informiert sind (Schmidt 2008: 198). Allerdings lässt sich sagen, dass der Nutzenwert für ein bestimmtes Handeln ideosynkratischer Natur ist, was bedeutet, dass man einen objektiven Nutzenwert für ein bestimmtes Handeln nicht errechnen kann, da jeder Akteur in seinem Handeln einen unterschiedlichen subjektiven Nutzenwert sieht (Behnke 2009: 503).

Insgesamt geht Downs bei der Nutzenmaximierungsthese von einem Zweiparteiensystem aus, bei der die Politik der Parteien auf einer Ideologie-Dimension, die durch eine Links-rechts-Skala gemessen wird, angeordnet und bewertet wird. Über die Wähler nimmt Downs an, dass sie lediglich bis zur nächsten bevorstehenden Wahl vorausschauen können. Auch setzt er bei den Wählern voraus, dass sie über die Position der um die Macht konkurrierenden Kandidaten informiert sind und diese bei der Wahl berücksichtigen (Schmidt 2008: 199).

Bei der Stimmenmaximierungsthese rücken die Parteien explizit in den Vordergrund des politischen Geschehens. Eine der Hauptaussagen von Downs ist dabei, dass jede Partei das Ziel hat, die Mehrheit der Stimmen zu erreichen, da es nur so möglich ist, die Regierungsgewalt zu erlangen. Ihre Politik richtet sich dabei „nach dem jeweils günstigsten Nutzen-Kosten-Verhältnis von Politikalternativen“ (Schmidt 2008: 199). Im Zentrum steht dabei der Wahlsieg und der damit verbundene Machterhalt, welchen sie mit Hilfe der Stimmenmaximierung erreichen wollen. Allerdings geht Downs in seiner Theorie davon aus, dass Parteien keine Wahlen gewinnen wollen, um ihre politischen Ziele durchzusetzen. Sie formulieren lediglich Programme und Lösungsvorschläge, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen. Politische Inhalte der Parteien sind lediglich Mittel zum Zweck Wahlen zu gewinnen und dadurch ein Maximum an Macht zu erlangen. Die Motivation von Parteimitgliedern richtet sich vor allem darauf, „den im Ämtererwerb und Machterhalt liegenden Nutzen zu erlangen“ (Downs 1968: 296). Im Downsschen Modell wird angenommen, dass die Parteien „keine originären inhaltlichen Interessen“ besitzen (Behnke 2009: 505).

Einen wichtigen Aspekt bei der Stimmenmaximierungsthese spielt auch das Medianwählertheorem. In einem Zweiparteiensystem mit einer einzigen politisch-ideologischen Dimension, die sich bei Downs anhand einer Rechts-links-Achse widerspiegelt, sind die Wählerpräferenzen glockenförmig verteilt. Dabei bildet der Mittelpunkt der Glocke den Medianwählerbereich. Unter dem Medianwähler ist der Wähler zu verstehen, der die gesamte Wählerschaft in zwei gleich große Gruppen zu seiner linken und rechten Seite teilt. Die Politikpositionen der Parteien konvergieren um die Position des Medianwählers, da dort die Möglichkeit besteht, das Maximum an Stimmen zu gewinnen (Schmidt 2008: 199). Man spricht dabei auch von einer Politikkonvergenz der Parteien. Die Parteien versuchen, ihre politischen Inhalte und die gesamte Parteiprogrammatik so auszurichten, so dass sie am ehesten den Präferenzen des Medianwählers entsprechen. Dieser Anpassungsprozess geht solange vonstatten, bis sich keine der beiden Parteien durch eine Positionsveränderung mehr verbessern kann und somit ein stabiles Gleichgewicht zwischen den konkurrierenden Parteien um den Medianwähler herrscht (Behnke 2009: 509). Auch geht Downs davon aus, dass bei einem zunehmenden Grad an Homogenität in der Gesellschaft, die Konvergenz der Parteien zur Mitte hin steigt.

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Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656866909
ISBN (Buch)
9783656866916
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286407
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern – Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
homo oeconomicus Nutzenmaximierung egoistisches Handeln

Autor

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Titel: Anthony Downs und die ökonomische Theorie der Demokratie