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Formen der Komik im mittelalterlichen "Ulenspiegel" und Erich Kästners "Eulenspiegel". Ein Vergleich

Hausarbeit 2014 20 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Schwank und seine Komik
2. 1 Was ist ein Schwank?
2.2 Literarische Gattung: Kinder- und Jugendliteratur
2.3 Formen der Komik

3. Der Schwankroman Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel
3.1. Die 19. Historie
3.2 Die 55. Historie
3.3. Die 69. Historie
3.4 Die 70.Historie

4. Das Kinderbuch: Till Eulenspiegel
4.1 Die 5. Geschichte
4.2 Die 11. Geschichte
4.3 Die 12. Geschichte

5. Formen der Komik im Ulenspiegel und Kästners Eulenspiegel - Ein Vergleich
5.1 Bäckergeschichte
5.2 Kürschnergeschichte
5.3 Milchgeschichte

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es ist freilich schon lange her. Im Mittelalter, vor sechshundert Jahren, gab es einen Zirkusclown, der durch Deutschland zog und, wohin er auch kam, Unfug anstellte, bis es seinen Landsleuten schwarz vor Augen wurde. Dieser Clown hieß Till Eulenspiegel. Und das einzige, was er außer seinen Possen konnte, war das Seiltanzen. Doch er hatte keine Lust, im Zirkus und auf den Jahrmärkten aufzutreten. Er wollte nicht, daß die anderen über ihn lachten. Sondern er wollte über die anderen lachen. (Kästner 1951: 5)

So beschreibt Erich Kästner Eulenspiegel in der Vorrede seines Kinderbuchs. Die geistreichen Streiche Till Eulenspiegels sind bis heute sowohl Erwachsenen als auch Kindern bekannt. Während der mittelalterliche Schwankroman Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel sich durch Obszönität, Derbheit und Brutalität kennzeichnet, stellt Kästners Eulenspiegel einen Schelm dar, die den Kindern sympathisch ist. Denn die Kinder können sich mit Eulenspiegel meist identifizieren, da sie auch gern jemandem einen Streich spielen würden (Saphörster 2006: 3).

Der Schwankroman war bei den Zeitgenossen sehr erfolgreich, welcher damals auch viele Nachahmungen mit sich brachte. Das lag vor allem daran, dass durch die Popularisierung des Buchdrucks, auch volkssprachliche und umfangreiche Schriften erscheinen konnten. Außerdem nahm die Lesefähigkeit- und lust des Publikums zu. Darüber hinaus nahm die Vortragskultur ab und ebnete somit den Weg für die Prosa-Erzeugnisse. Auch die damals herrschende Melancholie-Kultur war für die Entstehung der Schwankromane förderlich (Ehrismann 2011:87-88).

Die Streiche Till Eulenspiegels sind bis heute aufgrund ihrer Komik und Bissigkeit bei den Lesern beliebt (Lindow 2001: 305). Deshalb habe ich mich entschlossen, näher auf diese Komik einzugehen. Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Formen der Komik im Ulenspiegel und Erich Kästners Eulenspiegel darzustellen und diese dann anschließend zu vergleichen. Die Fragestellung dieser Hausarbeit lautet: Welche Komik tritt im volkstümlichen Schwankroman Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel auf? Und wie sieht die Komik in Erich Kästners Till Eulenspiegel aus? Hat sich die Komik in Kästners Eulenspiegel verändert? Und wenn ja, wie hat sich die Komik in Kästners Eulenspiegel verändert? Treten in Eulenspiegel alle komischen Elemente auf oder wurden einige ausgelassen oder ersetzt?

Zunächst werden im zweiten Kapitel die wichtigen Begriffe wie Schwank, Schwankroman und Schwanksammlung erläutert. Außerdem werde ich in kurzer Form den Begriff Kinder- und Jugendliteratur darstellen. Darüber hinaus werden einige Formen der Komik vorgestellt, die für die spätere Herausarbeitung der komischen Elemente nützlich sein werden. Im dritten Kapitel werde ich exemplarisch vier ausgewählte Historien Hermann Botes Ulenspiegel vorstellen und die komischen Elemente erläutert. Im darauffolgenden Kapitel werden die Formen der Komik anhand von drei Geschichten der Kinderversion des Eulenspiegels vorgestellt. Im fünften Kapitel werde ich die Formen der Komik der volkstümlichen Schwänke Ulenspiegels mit Kästners Eulenspiegel-Geschichten vergleichen. Im Anschluss fasse ich die Ergebnisse kurz zusammen.

2. Der Schwank und seine Komik

2. 1 Was ist ein Schwank?

Unter dem mittel- und frühneuhochdeutschen Nomen swanc (schwingende Bewegung, Schwung, Schlag, Hieb oder Fechter-Streich) versteht man seit dem 15. Jahrhundert eine kleine Lachgeschichte. Im übertragenen Sinn bezeichnete es einen lustigen Einfall oder Streich in Vers oder Prosa, der zu einer Erzählung eines Schwanks weiterentwickelt wurde (Ehrismann 2011: 55). Im 19. Jahrhundert bezeichnet der Schwank auch komische Theaterstücke. (Herzmann 2003: 405).

Während der Schwankroman die Schwänke nach einem Plot reiht, in den es um eine Figur geht, werden in einer Schwanksammlung nicht zusammenhängende und aufeinander bauende Schwänke festgehalten (Ziegeler 2003:408). In einem Schwankroman gibt es einen ständig reisenden Helden, der in einer chronologisch-biografischen Reihenfolge auftritt. Die Gegner der Schwankhelden zeichnen sich dadurch aus, dass sie an „Eindeutigkeit und Regelgebundenheit ihres Denkens, Sprechen und Handelns“ halten und somit Opfer der darauf bauenden Streiche werden (ebd. 410). Schwankhelden finden ihre soziale Identität in der Aufhebung der Gemeinschaft. Die Geschichten der Helden zeichnen sich durch ihre Kürze aus, wobei jeder Schwank mit einem komischen Ende schließt. Die Komik hierbei kann man eher der Schadenfreude zuordnen, denn ein herzliches und befreiendes Lachen kommt bei dem Leser nicht auf (Röcke 1987:24).

Die Themen des Schwanks sind scherzhaft, lustig, oft derb und obszön. Während im 13. und 14. Jahrhundert die meisten Schwankerzählungen mit einer Schlussmoral endeten, sind im 16. Jahrhundert kaum lehrhafte Tendenzen zu erkennen. Außerdem richten sich die Schwankromane ab dem 16. Jahrhundert an das allgemeine Volk (Hofeland 1966: 11-22).

Oft handelt der Schwank von einem Konflikt zweier Figuren, die auf ständische, intellektuelle u.a Unterschiede zurückgehen. Dabei kommt es zu einer Zuspitzung moralischer, ethischer, rechtlicher Normen gesellschaftlich definierter Gruppen (Bauern, Adel, Berufe u.a.) Die Auseinandersetzung ist durch typische Verlaufsformen geregelt. Eine Figur will die andere durch Lüge, Betrug, Täuschung schädigen. Woraufhin eine Gegenreaktion der geschädigten Figur meist erfolgt. Der Leser sympathisiert mit der siegreichen Figur. Der in den meisten Fällen komische Ausgang erlaubt Normverletzungen, die sonst tabuisiert und bestraft werden (Ziegeler 2003:408).

„Je nach Figurenbesetzungen, Motivierungsmöglichkeiten, Zuspitzungen, Perspektivierungen und Pointierungen ergibt sich eine Nähe zum Witz oder zur Satire, durch die Legitimierung, Sanktionierung oder auch Umkehrung von Normen auch eine Nähe zum Exempel und zur Didaxe (Lehrdichtung).“ (ebd. 408)

2.2 Literarische Gattung: Kinder- und Jugendliteratur

Kinder- und Jugendliteratur bezeichnet Literatur, die von Kindern und Jugendlichen gelesen wird. Dazu zählt sowohl Literatur, die Kinder und Jugendliche von sich selbst gerne lesen als auch Literatur, welche als geeigneter Lesestoff für diese angeboten wird. Außerdem gehören neben fiktiven und nicht fiktiven Büchern auch Zeitschriften, Hörgeschichten und Theaterstücke zur Kinder- und Jugendliteratur (Kautt 2012: 1).

Heutzutage erfreuen sich Bilderbücher, Gedichte, Märchen, Sagen. Comics, Kurzgeschichten, Zeitschrift und der Roman (Science-Fiction, Mystery, Horror und Grusel, Krimi u.a.) sowie Mangas großer Beliebtheit bei den Kindern und Jugendlichen. Literaturwissenschaftler unterscheiden zwischen intentionaler und nicht intentionaler Literatur. Intentionale Literatur bedeutet beabsichtigte und angebotene Literatur. Dazu gehören Bücher, die ausdrücklich für Kinder und Jugendliche veröffentlicht wurden. Es kann Erwachsenenliteratur sein, die für die Kinder umgeschrieben wurde oder auch literarische Werke, die eigens für Kinder und Jugendliche geschrieben wurden. Die Anfänge der intentionalen Kinder- und Jugendliteratur gehen auf das 14. Jahrhundert zurück. Dazu gehörte die belehrende Literatur, die sich nicht trennscharf vom Schulbuch unterschied. In lateinischen Werken, welche meist für den Klerikernachwuchs und adlige Kinder- und Jugendliche verfasst wurden, waren religiöse Belehrungen, elementare Wissensvermittlung sowie Vorbereitung auf die zukünftige Rolle der Kinder und Jugendlichen in der Gesellschaft enthalten. Seit dem 17. Jahrhundert lasen die Kinder und Jugendliche volkstümliche Literatur. Ende des 18. Jahrhunderts zeichnete sich die Kinder- und Jugendliteratur durch Kindergemäßheit sowie durch eine sozialisatorische Funktion aus. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine Massenliteratur für Kinder und Jugendliche, wobei kommerzielle Interessen, pädagogische Ambitionen und die Leselust der Zielgruppe kombiniert werden (Kümmerling-Meibauer 2003: 255-256).

Nicht intentionale Literatur hingegen ist Literatur, die die jungen Menschen lesen, ohne sie gezielt vermittelt bekommen zu haben. Des Weiteren zeichnet sich die Sprache der Kinder- und Jugendliteratur durch eine einfache Sprache und kinderbezogene Themen aus (Kautt 2012: 1).

2.3 Formen der Komik

Komik (gr. komikós: scherzhaft) bezeichnet eine Eigenschaft, welche durch bestimmte Gegenstände, Ereignisse, Sachverhalte und Äußerungen das Lachen verursacht. Es ist schwer, „die einzelnen Erscheinungsformen des Komischen präzise voneinander zu unterscheiden.“ (Kablitz 2003: 289) In der Rhetorik gehört Komik zu einem festen Bestandteil. Man bezeichnet etwas als komisch, wenn es der Erwartung widerspricht oder normabweichend ist. Platon sieht das Komische als etwas Schlechtes an. Es stellt einen Gegensatz zur Tugend dar. Das Komische auf der Bühne ist für ihn nur legitim, wenn die Kenntnisse des Tugendhaften vertieft werden. Platon beschäftigte sich mit der Ursache des Lachens und fand heraus, dass der Grund in der Freude am Übel anderer lag. Dadurch erscheint Komik moralisch bedenklich (ebd.290).

Im verlorenen zweiten Teil der Poetik des Aristoteles vermutet man eine ausführliche Darstellung des Komischen. Der erste Teil stellt das Komische als `ein mit Häßlichkeit verbundener Fehler, der keinen Schmerz und kein Verderben verursacht, dar. Folgenlosigkeit scheint die Ursache für die Komik zu sein (ebd.)

Im Mittelalter gab es keine eigenständig entwickelte Theorie des Komischen. So wie bei Platon hatte man Vorbehalte gegen das Komische. Doch im späteren Mittelalter wurde das Komische in begrenzter Form legitimiert. Nach Aristoteles diene das Komische der Entlastung und Erholung des Menschen und ist somit in diesem Umfang erlaubt (ebd. 289-291).

Im Folgenden werden einige Formen der Komik dargestellt, welche in den Schwänken Ulenspiegels und in Erich Kästners Till Eulenspiegel vorkommen:

Satire (lat. satura) bezeichnet Angriffsliteratur, die vom scherzhaften Spott bis zur pathetischen Schärfe reicht. Ein signifikantes Merkmal der Satire ist die negative Darstellung der Wirklichkeit mit ihren Mängeln, Missständen und Lügen. Durch Übertreibung, Ironie und Spott an Personen oder Ereignissen übt die Satire Kritik aus und gibt sie der Lächerlichkeit preis. Im Mittelalter steht die Satire im engen Zusammenhang mit dem Schwank und der Lehrdichtung. Seit dem 16. Jahrhundert entsteht die volkssprachliche Satire, die auch Narrensatire genannt wird (Brummack 2003: 355-360). Eine weitere Art von Komik ist Slapstick. Unter Slapstick versteht man „artistisch ausgeführte, oft karikierend überdrehte Bewegungskomik.“ (Eilert 2003: 9) Häufig dominiert bei Eulenspiegel der Wortwitz und Sprachkomik. Die Sprachkomik bezeichnet „erheiternde Wirkung witziger Formulierungen innerhalb Reden einer einzelnen Bühnenperson.“ (Fricke/Salvisberg 2003: 279)

Außerdem stellt die Situationskomik ist eine „erheiternde Wirkung physischer Bühnenaktionen in überraschender Figurenkonstellation dar. (Falstaff im Waschkorb, der Liebhaber im Schrank – meist unter gleichzeitigem Einsatz bewegungskomischer Mittel wie Verfolgungsjagden und Slapstick-Effekte).“ (ebd.)

Des weiteren versteht man unter Ironie (lat. ironia: Verstellung, geheuchelte Unwisenheit, Spott) verhüllten Spott, bei dem das Gegenteil von dem gesagt wird, was gemeint ist. (Adolphs/Hack-Molitor/Pago/Schild 2004: 708) Des Weiteren gehört Schadenfreude zur Komik des Schwanks. Diese bezeichnet Freude über das Missgeschick und Unglück anderer. (ebd. 1187)

3. Der Schwankroman Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel

Der Schwankroman „Ein kutzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel“ besteht aus 95 Historien, in dem es um den Helden Ulenspiegel geht. Jede Historie ist mit der Abbildung eines Holzschnitts versehen, wobei einige Holzschnitte für mehrere Historien verwendet werden (Saphörster 2006:15). Diese Bilder stellen die Handlung der Historien dar. Manche Abbildungen sind komisch, doch die meisten sind eher neutral. Der Erzählstil weist einen auktorialen Erzähler auf. Bei Bote kommt es manchmal zu Kommentierungen, Wertung und Reflexion zum Geschehenen. Der Schwankroman ist in frühneuhochdeutscher Sprache mit niederdeutschen Elementen geschrieben (ebd. 27). Während seines Lebens nahm Eulenspiegel zahlreiche Berufe auf.

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Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668178403
ISBN (Buch)
9783668178410
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286370
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,3
Schlagworte
formen komik ulenspiegel erich kästners eulenspiegel vergleich

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