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Filmanalyse und Wertewandel. Essay über die Methodik eines umfangreichen Forschungsvorhabens

Essay 2014 10 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Filme und Werte im historischen Vergleich
2.1 Aufbau einer Theorie des Wandels
2.2 Entwicklung von Forschungshypothesen
2.3 Methodisches Vorgehen
2.4 Zum Einsatz der vergleichenden Sequenzanalyse

3 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Film langsam zu einer eigenständigen Kunst. Über die bloße Machbarkeit des Aufzeichnens von Bildern zu bewegten Geschichten, schaffte es vor allem die beständige Weiterentwicklung des Films in Hollywood zu einem eigenständigen neuen Ausdrucksmittel von Autoren, Regisseuren und Darstellern. Eine neue Kunst war geschaffen, die sich nicht mehr an den antiken Idealen orientierte, wie es im Theater oder der Literatur bis dahin üblich war (vgl. Balász 1972). Eine neue Massenkultur war am entstehen und hat sich bis heute als eine solche gefestigt. Durch die industrielle Massenproduktion ist der Film fast jedem Menschen zugänglich gemacht worden. In der reflexiven Weltgesellschaft, ist er aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Kinos findet man heute in fast jeder Stadt. Sie erreichen täglich tausende von Menschen mit einem großen Angebot verschiedenster Gattungen und Genres des Films.

Massenfähige Filme werden heute immer ein Stück nach den Bedürfnissen des potentiellen Publikums zugeschnitten und beherbergen mit ihren Inhalten verschiedenste Facetten vom sogenannten „Zahn der Zeit“. Sie können auch als eine Art objektivierte Form subjektiven Wertempfindens der Drehbuchautoren, Regisseure und Darsteller verstanden werden. In ihnen kann man die Werte einer Gesellschaft zum Zeitpunkt T wiederfinden, wenn man nur genau hinschaut. Da die Filmproduktion innerhalb der letzten Jahrzehnte geradezu explodiert ist und man als Sozialwissenschaftler keinen Einfluss auf den fertigen Film nimmt, kann man anhand verschiedenster Filme aus den letzten Jahrzehnten und im internationalen Vergleich sehr gut einen Wandel der Werte anhand verschiedensten Filmmaterials untersuchen. Dieses Essay soll diesen Analysestandpunkt näher beleuchten und die Filmanalyse als eine höchst objektive Methode darstellen, um den Wertewandel der Weltgesellschaft zu untersuchen.

2 Filme und Werte im historischen Vergleich

Dass alles im Wandel begriffen ist, erkannte schon Heraklit von Ephesus in der Antike (vgl. Schäfer 1902: 85). So auch die gesellschaftlichen Bedingungen und Erscheinungsformen. Darüber wie der gesellschaftliche Wandel jedoch genau aussehen wird, vermag man schwer Prognosen anstellen. Was allerdings erkannt werden kann, ist wie sich etwas bis zu einem bestimmten Zeitpunkt verändert hat. Dabei stellt sich immer die Frage, wie Veränderungen am besten gemessen werden können, um bedeutende Umbrüche für neue Diagnosen zur aktuellen Erscheinung der Gesellschaft zu stellen. Dadurch, dass im 20. Jahrhundert weltweit zahlreiche Filme produziert wurden, ist es eine gute Möglichkeit Filme, mit Blick auf die von gespielten Charakteren vermittelten Werte, im Zeitvergleich zu untersuchen. Doch was muss man bei einer solchen Untersuchung alles beachten, wie muss sie aufgebaut sein und wie ist die Form der Untersuchung zu bewerten?

2.1 Aufbau einer Theorie des Wandels

Als erstes muss wie bei jeder guten wissenschaftlichen Arbeit eine theoretische Grundlage erarbeitet werden. Erfahrungsbasierte Annahmen über die gesellschaftliche Entwicklung und Untersuchungen zur Überprüfung dieser, sollen im Vorfeld des spezifischen Analyse-vorhabens den Stand der sozialwissenschaftlichen Forschung skizzieren, diskutieren und die Relevanz, Art und Form der neu geplanten Analyse begründen. Dabei soll der zusätzliche Erkenntnisgewinn durch die geplante Untersuchung deutliche gemacht werden. Denn in der Wissenschaft geht es vor allem um neue Erkenntnis. Dies schließt ebenso ein, dass man alte Erkenntnisse auf ihre Gültigkeit hin überprüft. In den Sozialwissenschaften gilt seit Poppers kritischer Arbeit zum wissenschaftlichen Falsifikationismus aus dem Jahr 1934, die Übereinkunft darüber, dass Erkenntnisse solange als gesichert gelten, bis sie grundsätzlich falsifiziert werden können. Denn man könne nie wissen, ob eine Hypothese auf ewig wahr sei. Vor allem in einer sich verändernden Gesellschaft nicht. Aus diesem Grund müssen abgeleitete Hypothesen über gesellschaftliche Phänomene immer so gestellt werden, dass sie prinzipiell durch Untersuchungen abgelehnt werden können. Sind Definitionen und angenommene Zusammenhänge von gesellschaftlichen Phänomenen erläutert und der Stand der Forschung dazu dargelegt, so müssen daraus hypothetisch zu untersuchende Annahmen abgeleitet werden, die einer Überprüfung zum Beispiel durch Beobachtung unterzogen werden können.

Zum Beispiel könnte man für die Untersuchung des gesellschaftlichen Wandels, sich auf die Theorie des Wertewandels nach Inglehart beziehen, die in den 1970er-Jahren aufbauend auf die Maslowsche Bedürfnispyramide aus dem Jahr 1970/71 entwickelt wurde. Dabei seien die grundlegendsten Bedürfnisse des Menschen die „Grund- und Existenzbedürfnis“ sowie das „Bedürfnis nach Sicherheit“, welche das Fundament der Bedürfnishierarchie darstellt. Je stärker diese Bedürfnisse der Menschen gestillt sind, so wird dem Streben nach „Sozialer Anerkennung“, „Selbstverwirklichung“, „Ästhetischem“ und „Transzendentem“ ein höherer Wert beigemessen. Diese individuelle Entwicklung der Bedürfnisse des Menschen nach Maslow setzt Inglehart in Verbindung zu der gesellschaftlichen Entwicklung. Bei fortschreitend industrialisierenden Gesellschaften seien nach ihm mit steigendem Wirtschaftswachstum zunehmend alle elementaren Bedürfnisse für das Gros Bevölkerung ohne große Mühe gedeckt. Durch die Aggregation der Veränderung von Einzelbedürfnisse durch die wirtschaftliche-technologische Entwicklung verändern sich die Werte der gesamten Gesellschaft dahingehend, dass es flächendeckend als erstrebenswerter angesehen wird, mit anderen Menschen zu kommunizieren, sich nach seinen eigenen Interessen zu entfalten und zu verwirklichen, Kunst zu genießen und nach höherem Unbekannten zu streben. Diese veränderten Werte, auch als postmaterialistische Werte bezeichnet, formen das soziale Handeln von Menschen, so dass es zu einer Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen kommt. Man arbeitet nicht mehr nur, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern um eine sinnvolle Aufgabe auszuüben. Neben der Arbeit entstehen durch geregelte Arbeitszeiten von ungefähr 8 Stunden pro Tag bei 5 Arbeitstagen verschiedene Freizeitbereiche durch Ausübung verschiedenster Sportarten, dem Musizieren oder dem Besuch von Theatern, Konzerten, Kinos oder Kunstgalerien. Ebenso verändert sich die Beurteilung von Sexuellem. Auch hier geht es durch einen Wandel der Werte um mehr Selbstbestimmtheit und Genuss, als um die rein reproduktive Funktion des Geschlechtsverkehrs. Man könnte auch sagen, dass das gesamte soziale Handeln innerhalb der Gesellschaft durch den Wertewandel vielfältiger in seinen Ursachen und Erscheinungen ausgerichtet ist, also zunehmend diversifiziert zu einer pluralen Gesellschaft bei der die Bewertung der Dinge nicht mehr so stark durch materielle Bedingungen vollzogen wird. Diese Veränderung vollzieht sich jedoch über mehrere Jahrzehnte und ist nicht über einen kurzen Zeitverlauf messbar.

2.2 Entwicklung von Forschungshypothesen

Soweit sollte nun erstmal grob die Theorie des Wertewandels skizziert worden sein, von der aus eine Gesellschaftsanalyse ausgehen kann. Nun muss die theoretisch gemachte Annahme, um einen Erkenntnisgewinn leisten zu können, überprüft werden. Die dahingehend zu überprüfenden Hypothesen könnten diesbezüglich folgendermaßen aufgestellt werden:

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656865308
ISBN (Buch)
9783656865315
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286287
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Soziologie Sequenzanalyse Filmanalyse Wertewandel Kultursoziologie Medienanalyse

Autor

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Titel: Filmanalyse und Wertewandel. Essay über die Methodik eines umfangreichen Forschungsvorhabens