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Die Millennium Development Goals der United Nations

Kritikpunkte des MDG 7A und Weiterentwicklungsvorschläge

Bachelorarbeit 2013 74 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Zielsetzung, Motivation und Aufbau der Arbeit

2 Die Millennium Development Goals und generelle Kritiken
2.1 Übersicht und aktuelle Ergebnisse
2.2 Allgemeine, kritische Betrachtung der MDGs

3 Aktueller Stand des MDG 7A und des Indikators CO2-Emissionen

4 Kritikpunkte des MDG 7A und Lösungsansätze
4.1 Kritikpunkte und Diskussionen
4.2 Von der Kritik zu neuen Lösungsansätzen

5 Vorschläge zur Weiterentwicklung des MDG 7A
5.1 Von den MDGs zu einer neuen Entwicklungsagenda
5.1.1 Sustainable Development Goals und Post-2015 Agenda
5.1.2 Umweltabkommen als Basis
5.1.3 Visionen und Zielinhalte
5.1.4 Gestaltung des Zielrahmens
5.2 Klimaziele
5.2.1 Klimaschutzempfehlungen
5.2.1.1 CDM und Klimaschutzleitplanke
5.2.1.2 Entwicklung neuer Nachhaltigkeits- und Umweltindikatoren
5.2.1.3 Entkopplung des Wirtschaftswachstums von CO2-Emissionen

6 Mögliche Grenzen der Reformen

7 Schluss

Verzeichnis der Anlagen

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Interdependenzen der Nachhaltigkeit

Abb. 2: Kohlenstoffdioxidemissionen (CO2) 1990, 2008 und 2009

Abb. 3: Die Umwelt-Kuznetskurve

Abb. 4: Das Rio-Rad des WBGU

Abb. 5: Die neun Domänen und 33 Indikatoren des GNH Index

Abb. 6: Geschätzte Einwirkung des Klimawandels auf die Gesundheit

(1990-2000), nach Regionen

1 Zielsetzung, Motivation und Aufbau der Arbeit

Die Millennium Development Goals (i. F. kurz: MDGs) wurden in Zusammenar­beit der United Nations (i. F. kurz: UN), Organisation for Economic Co-operation and Development (i. F. kurz: OECD), Weltbank und des Internatio­nalen Währungsfonds (i. F. kurz: IWF), im Jahre 2000 vereinbart.1 Das Hauptziel ist Armut zu verringern und multidimensionale, menschliche Entwicklung zu ver­bessern.2 Da das Jahr 2015, in welchem die MDGs erreicht werden sollen, immer näher rückt, mehren sich Berichte und Kritiken. Es ist bereits vorhersehbar, dass nicht alle gesetzten Ziele der MDGs fristgerecht bis zum Jahre 2015 erreicht wer­den können.3 Easterly formuliert das wie folgend: ““Let’s face it: it’s over. The MDGs will not be met... the point of the MDG campaign was that it precisely defined success and failure using specific goals. So on its own terms, it is a fail­ure” (Easterly, 2009b).”4

In dieser Arbeit soll es darum gehen, was es aus den Fehlschlägen der MDGs zu lernen gilt und wie es nach dem Zieljahr 2015 weiter gehen kann.

Um den Umfang zu begrenzen, wird der Schwerpunkt auf das MDG 7A: „Über­führung der Grundsätze nachhaltiger Entwicklung in einzelstaatliche Programme und Politiken und Umkehr des Verlustes von Umweltressourcen“5 sowie auf den Indikator CO2-Emissionen gelegt.

Der Kernpunkt dieser Arbeit liegt in der detaillierten Darstellung und Analyse des MDG 7A sowie Diskussionen der kritischen Schlüsselpunkte. Auf Basis dieses Vorgehens sollen sinnvolle Lösungsansätze und Vorschläge zur Zielweiterent­wicklung erörtert werden.

Dabei spielen die Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung, im engeren Sinne die Umweltdimension, eine entscheidende Rolle und werden ebenfalls im Rahmen der Arbeit betrachtet.

Hierzu wird der Aufbau so gestaltet, dass in Kapitel 2, beginnend mit der Über­sicht über die aktuellen Ergebnisse und kritischen Betrachtungen der MDGs, der Leser optimal an das Thema herangeführt wird. So soll auf generelle Problematiken aufmerksam gemacht und zum MDG 7A übergeleitet werden. In Kapitel 3 wird mit der Darstellung des aktuellen Stands des MDG 7A und der CO2-Emissionen sowie klimaverändernder Zusammenhänge hiermit, eine Basis für den Kern der Arbeit geschaffen. Dieser besteht aus der kritischen Analyse des MDG 7A sowie den darauf aufbauenden Lösungsansätzen in Kapitel 4. Konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung des MDG 7A, einschließlich einer neuen Ent­wicklungsagenda und neuer Nachhaltigkeitsziele nach dem Jahr 2015, werden in Kapitel 5 vorgestellt und behandelt. Mögliche zukünftige Grenzen der Reformen, werden in Kapitel 6 betrachtet.

Anschließend findet im Schlussteil, auf Basis der erarbeiteten Ergebnisse, ein Ausblick in zukünftige Ereignisse statt, der ebenfalls mögliche Tendenzen auf­zeigt.

2 Die Millennium Development Goals und generelle Kritiken

2.1 Übersicht und aktuelle Ergebnisse

Im September 2000 sind die MDGs, auch der internationale Armutsvertrag ge- nannt,6 von UN, IWF, OECD und der Weltbank erstellt worden. Sie umfassen ursprünglich 8 Ziele, 18 Unterziele und 48 Indikatoren.7

Im Jahre 2005 wurden diese als Antwort auf Kritiken noch einmal um 3 Unterzie­le und 18 Indikatoren8 erweitert und bestehen nun aus 8 Zielen,9 21 Unterzielen und 60 Indikatoren.10 Die Anlagen 1 und 2, zeigen die offizielle Liste der MDGs und Indikatoren der UN.11

Demnach werden die Herausforderungen des Konzeptes auf 3 Ebenen12 beschrie­ben: den Zielen, den Unterzielen und den Indikatoren.13 Jährlich wird in einem „Millennium Development Goals Report“ ein Überblick geschaffen, in dem auf­gezeigt wird, was erreicht wurde und wo noch Handlungsbedarf besteht.14 Somit können die MDGs als einen multilateralen Referenzrahmen bezeichnet werden.

Die MDGs sind sehr breit,15 multidisziplinär und sektorenübergreifend16 aufge­stellt. Sie decken unterschiedliche Dimensionen von menschlichem Wohlbefin- den,17 wie Armutsthemen, Bildung, Gesundheit, Geschlechtergleichheit und Um­welt,18 ab und sind auch von großem ökonomischen Interesse,19 wie beispielsweise die Schaffung von Kapazitäten für ein nachhaltiges Wachstum.20

Bis zum Jahre 2015 sollen die meisten MDGs erreicht werden und dieses stellt demnach das Zieljahr dar.21 Als Basisjahr wurde das Jahr 1990 aus dem Grund gesetzt,22 da die meisten Maßstäbe eine 25-jährige Periode benötigen, um aussa­gekräftig zu sein.23 Das Jahr 1990 markiert außerdem den Start vieler globaler Gipfeltreffen und Konferenzen, die menschliche Entwicklungsangelegenheiten zum Ziel hatten.

Die MDGs stellen kein neues Konzept, politische Strategie oder Ausrichtung dar, sondern schaffen eine globale Aufmerksamkeit,24 in Bezug auf die weitreichende Armut.25 Sie wurden aus der UN-Millenniumserklärung gebildet, sind jedoch kein Teil dieser, wie oft fälschlicherweise angenommen wird.26 Die MDGs dienen, zum besseren Verständnis, um die komplexe Angelegenheit von Entwicklungszusam­menhängen so vereinfacht wie möglich, und auch für Laien verständlich, darzu­stellen.27 Durch die MDGs ist auch wiederum die Millenniumserklärung nicht in Vergessenheit geraten, da ausgewählte Ziele dieser in einer kompakten MDG- Liste beinhaltet sind.28

In der Millenniumserklärung stellt der ‘Schutz der gemeinsamen Umwelt’ ein prioritäres Handlungsfeld der internationalen Entwicklungspolitik dar und be­kennt sich ausdrücklich zu den Prinzipien nachhaltiger Entwicklung, welche in Kapitel 3 dieser Arbeit dargestellt werden.29 Diese haben jedoch in den MDGs keinen angemessenen Stellenwert erhalten.30

Der Fortschritt zur Erreichung der festgesetzten MDGs bis 2015, variiert stark zwischen Ländern, Regionen und den einzelnen Zielen.31 Einige Länder schreiten gut voran, während andere sich nur mit kleinen Schritten den Zielen annähern. Beispielsweise ist bei den Entwicklungsländern schon ein erheblicher Progress feststellbar. China und Indien haben das Hauptziel, den Anteil der in Armut le­bender Menschen um die Hälfte zu reduzieren, weitgehend erreicht.32 Dennoch bleibt eine große Lücke, zwischen Arm und Reich, innerhalb und zwischen den Ländern, weiterhin bestehen.33

Viele Länder haben die globalen Ziele an nationale Kontexte angepasst,34 da diese sehr allgemein formuliert sind und einen Interpretationsrahmen zulassen, womit Staaten versuchen, durch eigene Methoden entwicklungspolitische Ziele zu errei- chen.35 Solch eine Anpassung ist von entscheidender Bedeutung, um ihre techni­sche Gültigkeit, logistische Machbarkeit, finanzielle Erschwinglichkeit und politi­sches Engagement sicher zu stellen und öffentliche Unterstützung für die Ver­wirklichung der MDGs zu erhalten.36

Aktuell wird darüber diskutiert, dass die Ziele nach 2015 weiter entwickelt wer­den sollen.37 Hierfür gibt es viele Ansätze und Vorschläge,38 unter anderem das

Setzen von erweiterten Fristen und das Ergänzen um neue Ziele.39 Was jedoch konkret realisiert werden soll, wurde noch nicht klar definiert.40 Dieser Sachver­halt wird in Kapitel 5 aufgezeigt und erläutert.

2.2 Allgemeine, kritische Betrachtung der MDGs

Viele generelle Kritiken an den MDGs sind in den letzten Jahren entstanden und prominent geworden.41 Nicht zuletzt, da das Zieljahr 2015 der MDGs näher rückt. Einige Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass die meisten Ziele der MDGs nicht mehr fristgerecht erreicht werden können.42 Von anderen Seiten hört man, dass diese realisierbar bleiben.43

Tatsächlich weisen die MDGs eine zwiespältige Bilanz, mit negativen und positi­ven Aspekten, auf.44 So lassen sich Fortschritte beim Hauptziel, der Halbierung der Armutsquote,45 erkennen. Viele der sozialpolitischen Ziele entwickeln sich positiv, während der Fortschritt im Schutz der Natürlichen Lebensgrundlage, wel­cher mit MDG 7 abgedeckt wird, kaum voranschreitet.46

Eine sich hervorhebende Kritik ist, dass die Ziele zu realitätsfern und vage formu­liert und wichtige Zusammenhänge nicht berücksichtigt wurden.47 Demzufolge stellen die MDGs nur die Spitze des Eisbergs internationaler Ent­wicklungsziele dar, wie es von Martens/Debiel veranschaulicht beschrieben wur- de.48 Die MDGs geben keine umfassende Entwicklungsagenda vor,49 sondern prä­sentieren nur eine reduktionistische, hauptsächlich auf soziale Sektoren fokussier­te, Entwicklungsansicht.50 Demnach geben sie einen normativen Rahmen vor, der beschreibt, wie die Welt aussehen sollte51 und sich ausdrücklich von nationalen sozialen oder ökonomischen Politiken unterscheidet.52

Die MDGs „focus on ends and not on the means”, wie oft behauptet wird.53 Sie geben also nur die Zielpunkte vor.54

Das sind unter anderen wohl Gründe für Unstimmigkeiten und Missverständnisse, die den globalen Zielerreichungsprozess erheblich beeinflussen und beeinträchti­gen. Dieser Kritikpunkt wird, in Bezug auf das MDG 7A, in dieser Arbeit noch ausführlich analysiert.

Zudem wird oft kritisiert, dass nicht klar genug zum Ausdruck gebracht wurde, ob die MDGs auf globaler oder regionaler Ebene, bzw. auf Länderebene zu erreichen sind.55 Laut Michael Clemens sind manche Ziele so formuliert, dass angenommen werden kann, sie sollen innerhalb eines jeden Landes erreicht werden. Auch wenn diese dazu beabsichtigt sind, global erreicht zu werden.

Laut den UN sollen jedoch mit den MDGs, Entwicklungsansprüche der Welt als eine Einheit behandelt werden.56 Denn die Frage, ob sich ein Fortschritt entwi­ckelt, kann nur auf der globalen Ebene beantwortet werden.57 Die Ziele wurden aufgrund von allgemeinen weltweiten Tendenzen, wie z.B. Ar­mut, Gesundheitsfragen, Bildung, Bevölkerung oder nachhaltige Entwicklung, gesetzt.58 Nicht auf Grundlage von Tendenzen eines jeden bestimmten Landes oder jeder bestimmten Region. Folglich wäre es falsch zu behaupten, dass ein spezielles Land die MDGs bis 2015 nicht erreichen wird.59

Werden die MDGs jedoch nicht an den Kontext der jeweiligen Länder angepasst, haben Länder, die mit einem niedrigen Entwicklungsstand beginnen, erhebliche Nachteile.60 Denn selbst große Fortschritte würden nicht ausreichen, um die MDGs individuell zu erreichen.

In diesem Kontext wird auch kritisiert, dass sich die MDGs zu sehr auf Entwick­lungsländer konzentrieren und Entwicklungsproblematiken dort lokalisieren.61 Welche Länder zu den Entwicklungsländern zählen, ist nicht klar definiert.62 Ge­nerell werden jedoch Länder, deren Lebensstandard unter dem von Ländern West­europas und Nordamerikas sowie Australien, Neuseeland und Japan liegt, als sol­che bezeichnet.

Die Herausforderungen bestehen weltweit63 und Partnerschaften, die auf Gelder in Form von Entwicklungshilfen basieren, sind einseitig und ineffektiv und generie­ren keinerlei Fortschritte.64

Eine weitere prominente Kritik ist, dass in den MDGs zu wenig der Zusammen­hang zwischen globalen Umwelt- und Entwicklungspolitiken abgedeckt ist, ob­wohl diese untrennbar zusammen gehören.65

Beispielsweise werden geschätzte 24 % von globalen Krankheiten mit Umwelt­faktoren assoziiert und 25 % aller Todesfälle in Entwicklungsländern sind mit Umweltrisiken verbunden.66 Betrachtet man es von der anderen Seite, kann er­kannt werden, dass sozioökonomische Faktoren hinter vielen Umweltproblemen stehen.67 Es bestehen hier also herausfordernde, in einer Wechselwirkung stehende Zielkonflikte.

An dieser Stelle, sollen nicht die tiefgehenden Kritikpunkte und Lösungsansätze von Kapitel 4 vorweggenommen, sondern vielmehr eine Überleitung in das Schwerpunktthema geschaffen werden.

Hierzu wird ein wichtiges Zitat vom „High-Level-Panel on Global Sustainability“ übernommen: „(...) the world faces a wider set of important sustainable develop­ment challenges than those covered in the Goals, and coordinated action is needed in this regard." 68

Demzufolge bestehen viele Herausforderungen, die nachhaltige Entwicklung be­treffen und nicht mit den MDGs abgedeckt wurden. Es muss ein höherer Einsatz gezeigt werden, um diesbezügliche Ziele zu erreichen.

3 Aktueller Stand des MDG 7A und des Indikators CO2- Emissionen

In diesem Kapitel wird über das MDG 7A und den Indikator CO2-Emissionen informiert. Hier wird der aktuelle Stand aufgezeigt sowie Hintergründe, Definiti­onen und diverse Zusammenhänge dokumentiert.

Das MDG 7 „Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit“ beinhaltet das Unter­ziel 7A, auf das hier genau eingegangen wird. Die UN definiert dieses folgendermaßen: “Integrate the principles of sustainable development into country policies and programmes and reverse the loss of environmental resources”69. Demnach sollen die Grundsätze nachhaltiger Entwicklung in Länderpolitiken- und Programme eingeführt und der Verlust von Umweltressourcen rückgängig ge­macht werden.

Alle Daten für das MDG 7 werden vom „UN Department of Economic and Social Affairs“ gesammelt und ausgewertet.70

Die Entwicklungsziele sind mit Hilfe von Indikatoren messbar und überprüfbar. Das MDG 7A wird unter anderen mit einem Indikator für den Schutz der gemein­samen Umwelt, den Kohlenstoffdioxid(CO2)-Emissionen pro Kopf, überprüfbar gemacht. Dieser Indikator wird im „Indicators for Monitoring the Millennium Development Goals Report“ aus dem Jahr 2003, definiert.71 CO2 gehört laut dem „UNEP Emissions Gap Report 2012“ zu den im Kyoto Pro­tokoll abgedeckten sechs Treibhausgasen.72 Es ist das Treibhausgas mit dem größ­ten Strahlungsantrieb, auf Grund der unermesslichen Menge, die ausgestoßen wird.

Der Indikator CO2-Emissionen fallt unter die Umweltdimension der nachhaltigen Entwicklung, jedoch hat der dadurch verursachte Klimawandel auch Auswirkun­gen auf die soziale Entwicklung und die Wirtschaft.73

Durch den „Report of the World Commission on Environment and Development“, auch Brundtland-Report genannt, wurde die am weitesten verbreitete Definition der nachhaltigen Entwicklung bekannt.74 Diese lautet: "“Development that meets the needs of current generations without compromising the ability of future gener-ations to meet their own needs”.75

Nachhaltige Entwicklung stellt generell eine Balance zwischen der ökonomi­schen, sozialen und ökologischen Dimension dar76 und wird durch Interdependen­zen zusammen gehalten.77

Wirtschaftliche Entwicklung und soziales Wohlergehen sind langfristig nicht über die Belastbarkeit natürlicher Ressourcen und ökologischer Zusammenhange hin­aus möglich.78

In Abbildung 1 sind besonders wichtige Aspekte ökologischer, sozialer und öko­nomischer Zielsetzungen zu sehen.79

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Stahmer (2004), S. 3.

Wichtige Zielsetzungen der ökologischen Dimension beinhalten, wie in Abbil­dung 1 illustriert wird, dass beispielsweise keine zusätzliche Luftverschmutzung

stattfinden soll oder die Erhaltung der Ökosysteme.80

Aktuell haben die meisten Länder den Prinzipien nachhaltiger Entwicklung zuge­stimmt und es besteht eine globale Einigkeit darüber, dass die Umwelt geschützt

werden muss.81

Dass CO2-Emissionen hauptverantwortlich für den globalen Klimawandel sind, wurde durch diverse Studien belegt.82

Der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderun­gen“ (i. F. kurz: WBGU) substantiiert, dass eine “gefährliche anthropogene Stö­rung des Klimasystems“83 zu gefährlichen Klimawirkungen führt.84

Diese wird als gefährlich definiert, wenn sie zu schwer wiegenden Folgen in gro­ßen Regionen führt oder es zu einer globalen Akkumulation dieser Auswirkungen kommt.

Das „International Panel on Climate Change“ (i. F. kurz: IPCC) legt umfassende Analysen und Prognosen vor, wie beispielsweise die Zunahme von Wetterextre­men, Veränderungen von Wasserkreisläufen sowie der Anstieg des Meeresspie­gels.85

Diese ökologischen und klimatischen Modifizierungen wie auch deren Einflüsse auf die globale Situation,86 gehören zu den gefährlichsten Veränderungen unserer Zeit.87

Eingriffe des Menschen in das Ökosystem bringen die natürlichen Lebensgrund­lagen auf vielen Teilen der Erde in Gefahr, vor allem die der Armutsgruppen.88 Dementsprechend ist es nicht länger eine Frage, ob Klimawandel im Kontext nachhaltiger Entwicklung verstanden werden soll, sondern wie.89

Wie schon erwähnt haben sich die sozialpolitischen MDGs relativ positiv entwi­ckelt, bspw. die Armuts-, Bildungs- und Gesundheitsziele,90 was jedoch nicht für das MDG 7A gilt.91

Erfolge und Fortschritte sozialer entwicklungspolitischer Ziele, wurden in der Einführung des „UN Millennium Development Goals Reports 2012“, mit der Überschrift:

“Three years to the deadline, we can report broad progress on the MDGs”,92 evident hervorgehoben. Hier wurde das MDG 7A und Erfolge im Erreichen der Umweltziele jedoch nicht einmal erwähnt.

Das könnte daran liegen, dass sich CO2-Emissionen zwar kürzlich verringert ha­ben, was jedoch nicht auf Erfolge oder Fortschritte der MDGs zurückzuführen ist, sondern auf die globale Wirtschaftskrise.93 Der Stand der CO2-Emissionen der Jahre 1990, 2008 und 2009 ist in Abbildung 2 ersichtlich.

(in Milliarden Tonnen)

Quelle: UN (2012a), S. 47.

Aus der Grafik geht hervor, dass die globalen Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2009 kurzfristig leicht gesunken sind.94 Durch die globale Wirtschaftskrise, sind die Emissionen in den Industriestaaten besonders stark gesunken. In den Entwick­lungsländern, vor allem in Ost- und Südasien, sind diese weiterhin gestiegen, je­doch nicht so stark wie in den Jahren vor der Krise. Aus langfristiger Sicht jedoch, sind die CO2-Emissionen von 1990 bis 2008 jährlich gestiegen, mit einem beson­ders hohen Anstieg seit dem Jahr 2002. So waren die Emissionen im Jahre 2009 39 % über dem Level von 1990.

Zukünftig sollte es jedoch das Ziel sein, die Emissionen langfristig zu senken. Denn wenn sich die globale Wirtschaft wieder erholt, ist es vorhersehbar, dass die Emissionen wieder steigen werden. Laut UN bleibt demnach das Abschwächen der Treibhausgase aktuell und dringend.95

Welche Maßnahmen hierfür konkret getroffen werden müssten, wird im „Millen­nium Development Goals Report 2012“ nicht beantwortet.

Wird sich in naher Zukunft nichts ändern, werden CO2-Emissionen weiterhin global ansteigen.96

4 Kritikpunkte des MDG 7A und Lösungsansätze

Das Kapitel 4.1 befasst sich mit der tiefgehenden Analyse und Diskussion kriti­scher Schlüsselpunkte des MDG 7A. In Kapitel 4.2 werden darauf aufbauend, solide Lösungsansätze, in Verbindung mit Herausforderungen, die dabei über­wunden werden müssen, aufgezeigt und untersucht.

4.1 Kritikpunkte und Diskussionen

Der erste Kritikpunkt bezieht sich darauf, dass die ökologische Nachhaltigkeits­dimension in den MDGs eine untergeordnete und isolierte Rolle spielt.97 Dabei stellt die ökologische Gefährdung der Erde ein genauso wichtiges Problem dar, wie wirtschaftliche oder sozialpolitische Belange.98 Folglich muss diese Gefähr­dung, als Kern- und nicht als Randproblem internationaler Entwicklung, behan­delt werden.99 Es war ein Fehler, die Umweltpolitik, in den MDGs abzuwerten,100 indem die ökologische Nachhaltigkeit und der Rückgang des Verlustes natürlicher Ressourcen nur mit einem Ziel, dem MDG 7 (insbesondere dem MDG 7A) abge­deckt wird.101

Dadurch wurde nicht eindeutig hervorgehoben, wie wichtig diese in Bezug auf Armutsbekämpfung ist.102

Die Umweltdimension nachhaltiger Entwicklung sollte als Querschnittdimension der MDGs betrachtet werden,103 was in Kapitel 4.2 aufgegriffen und diskutiert wird.

Dass dieser Prozess sehr komplex ist und Möglichkeiten, wie auch Gefahren auf- weist,104 wird nicht bestritten.105

Stetig kommen neue globale Herausforderungen, wie die Verschwendung natürli­cher Ressourcen, der Anstieg von Umweltverschmutzung, die weltweite Destabi­lisierung natürlicher Systeme und die Zerstörung von Wäldern auf uns zu.106

Diese werden unter anderem vorangetrieben von Export-Nachfragen, Müllentsor­gung von reiche in arme Länder sowie ungeminderte Treibhausgasemissionen. Demnach werden wir dazu gezwungen, dringende Handlungen zu ergreifen, um den Folgen entgegen zu wirken.107

Laut dem “Human Development in South Asia Report 2005” hat die Umweltzer­störung schon solche Ausmaße angenommen, dass außerordentliche Katastrophen bevorstehen, sollte nicht schnell gehandelt werden.108

Doch hier treten Zielkonflikte und Wechselwirkungen, zwischen der ökonomi­schen, ökologischen und sozialen Dimension auf.

Ein Beispiel für Zielkonflikte, zwischen der ökologischen und ökonomischen Di­mension, ist, dass schon jetzt Entwicklungserfolge des MDG-Prozesses einen so­genannten „ökologischen Fußabdruck“109 hinterlassen haben.110 Nicht nur in Ländern wie China besteht diese Problematik,111 sondern auch die sogenannten entwickelten Länder kämpfen mit steigenden Herausforderungen nachhaltiger wirtschaftlicher und ökologischer Entwicklung.112 Der Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung und Wirtschaftswachstum kann mit der Umwelt-Kuznetskurve, zu sehen in Abbildung 3, beschrieben wer­den.113 Diese beschreibt das Verhältnis absoluter Umweltverschmutzung zum Pro­Kopf-Einkommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2004),S. 94.

Am Verlauf der Umwelt-Kuznetskurve erkennt man, dass bei einem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen die Umweltdegradation und -verschmutzung mit wirt­schaftlichem Wachstum steigt.114 Steigt das Pro-Kopf-Einkommen weiter, verrin­gert sich die Zunahme der Umweltbelastung bis zu einem Punkt, an dem das ma­ximale Verschmutzungsniveau erreicht ist. Ab diesem Punkt entkoppelt sich die Umweltbelastung von wirtschaftlichem Wachstum. Laut Vogel verbessert sich die Umweltqualität sogar ab einem bestimmten Einkommensniveau.

Das wird dadurch erklärt, dass ab einem materiellen Wohlstand, Einkommens­steigerungen mit einem größeren Interesse der Bevölkerung, an einer unversehrten Umwelt, einhergehen.

Daran angelehnt werden Umweltentscheidungen oft nach hinten verschoben, mit Abwartestrategien nach dem Motto „Grow first, clean up later“.

Dieses Motto ist jedoch nicht nur inadäquat, sondern vielmehr gefährlich, da viele Umweltschäden nicht umkehrbar zu machen sind, langfristige negative Folgen haben und zukünftige Generationen bedrohen können.115 In anderen Worten geht

[...]


1 Vgl. Martens/Debiel (2008), S. 3.

2 Vgl. Chakravarty/Majumder (2008), S. 110.

3 Vgl. Beisheim (2012), S. 1.

4 Fukuda-Parr/Greenstein (2010), S. 7.

5 Vgl. UN (2012a), S. 46.

6 Vgl. Clarke/Feeny (2011), S. 509.

7 Vgl. Martens/Debiel (2008), S. 3.

8 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S. 12.

9 Plachciak (2009), S. 106, "Millennium Development Goals (MDGs). The document emphasizes eight goals:
1 eradicate extreme poverty;
2 achieve universal primary education;
3 promote gender equality and empower women;
4 reduce child mortality;
5 improve maternal health;
6 combat HIV/AIDS, malaria, and other diseases;
7 ensure environmental sustainability;
8 develop a global partnership for development".

10 Vgl. Martens/Debiel (2008), S. 4.

11 Siehe Anlagen 1 und 2: Official List of MDG Indicators.

12 Vgl. Waage u.a. (2010), S. 2.

13 Vgl. Waage u.a. (2010), S. 1.

14 Vgl. i. F. Beisheim (2012), S. 1.

15 Vgl. Waage u.a. (2010), S. 2.

16 Vgl. Vandemoortele (2011a), S. 11.

17 Vgl. Chakravarty/Majumder (2008), S. 110.

18 Vgl. Chakravarty/Majumder (2008), S. 112.

19 Vgl. Ziai (2011), S. 32.

20 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S. 3.

21 Vgl. Beisheim (2012), S. 1.

22 Vgl. UN (2012a), S. 66.

23 Vgl. i. F. Vandemoortele (2009), S. 357.

24 Vgl. Gaiha (2003), S. 60.

25 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S.11.

26 Vgl. Saith (2006) S. 1169.

27 Vgl. Vandemoortele (2011a), S. 12.

28 Vgl. Vandemoortele (2012), S. 5.

29 Vgl. Nuscheler (2006), S. 161.

30 Vgl. Nuscheler/Roth (2006), S. 31.

31 Vgl. i. F. Sachs (2012), S. 2206.

32 Vgl. Clarke/Feeny (2011), S. 510.

33 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S. 16.

34 Vgl.Vandemoortele (2009), S. 359.

35 Vgl. Jakimow (2011), S. 548.

36 Vgl. Vandemoortele (2009), S. 359.

37 Vgl. Deutsches Institut für Entwicklungspolitik; (2013), S. 1.

38 Vgl. Waage u.a. (2010), S. 17.

39 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S. 2.

40 Vgl. Beisheim u.a. (2012), S. 6.

41 Vgl. i. F. Clarke/Feeny (2011), S. 509.

42 Vgl. Lay (2010), S. 2.

43 Vgl. Clarke/Feeny (2011), S. 512.

44 Vgl. Nuscheler/Roth (2006), S. 37-38: Es gibt“positive Trends bei der Grundausbildung, beim Zugang zu sauberem Trinkwasser und bei der Senkung der Kindersterblichkeit“.

45 Vgl. Nuscheler/Roth (2006), S. 37-38.

46 Vgl. Nuscheler (2006), S. 170.

47 Vgl. Nuscheler/Roth (2006), S. 39.

48 Vgl. Martens/Debiel (2008), S. 4.

49 Vgl. Nuscheler/Roth (2006), S. 39.

50 Vgl. Vandemoortele (2011a), S 9.

51 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S. 16.

52 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S. 13.

53 Vandemoortele (2011a), S. 22.

54 Vgl. Vandemoortele (2011a), S. 15.

55 Vgl. i. F. Fukuda-Parr/Greenstein (2010), S. 7.

56 Vandemoortele (2009), S. 358.

57 Vgl. Poku/Whitman (2011), S. 183.

58 Vgl. i. F. Poku/Whitman (2011),S. 183.

59 Vgl. Vandemoortele (2009), S. 358.

60 Vgl. i. F. Vandemoortele (2011b), S. 522-523.

61 Vgl. Saith (2006) S. 1184.

62 Vgl. i. F. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2004), S. 30.

63 Vgl. Fukuda-Parr (2012), S. 13.

64 Vgl. Vandemoortele (2011b), S. 527.

65 Vgl. Nuscheler (2006), S. 167.

66 Vgl. Waage u.a. (2010), S. 10.

67 Vgl. i. F. Sanwal (2004), S. 17.

68 UN Secretary-General's High-Level Panel on Global Sustainability (2012), S. 72.

69 UN (2012a), S. 46.

70 Vgl. i. F. Nuscheler (2006), S. 163-164.

71 UN Development Group (2003), S. 61: “Carbon dioxide emissions per capita is the total amount of carbon dioxide emitted by a country as a consequence of human (production and consump­tion) activities, divided by the population of the country.”.

72 Vgl. UNEP (2012), S. v.

73 Vgl. Sharma (2013), S. 72.

74 Vgl. i. F. Drexhage/Murphy (2012), S. 7-8.

75 Drexhage/Murphy (2012), S. 8.

76 Vgl. Zielinska (2012), S. 125.

77 Vgl. Stahmer (2004), S. 3.

78 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2009), S. 2.

79 Vgl. Stahmer (2004), S. 2.

80 Vgl. Stahmer (2004), S. 3.

81 Vgl. Lagarde/Jim Yong Kim (2013), S. 4.

82 Vgl. Nuscheler (2006), S. 162.

83 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2003), S. 10.

84 Vgl. i. F. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2003), S. 10.

85 Vgl. Nuscheler (2006), S. 158.

86 Vgl. Bojnec/Papler (2011), S. 354.

87 Vgl. Melnikas (2011), S. 156.

88 Vgl. Nuscheler (2006), S. 158.

89 Vgl. Drexhage/Murphy (2012), S. 13.

90 Vgl. UN (2012a), S. 4.

91 Vgl. Nuscheler (2006), S. 170.

92 UN (2012a), S. 4.

93 Vgl. UN (2012a), S. 47-48.

94 Vgl. i. F. UN (2012a), S. 47-48.

95 Vgl. UN (2012a), S. 47-48.

96 Vgl. UN (2012b), S. 36.

97 Vgl. Nuscheler/Roth (2006), S. 31.

98 Vgl. Nuscheler (2006), S. 169.

99 Vgl. Nuscheler (2006), S. 157.

100 Vgl. Nuscheler (2006), S. 166.

101 Vgl. Beisheim (2012), S. 2.

102 Vgl. Nuscheler (2006), S. 170.

103 Vgl. Beisheim (2012), S. 2.

104 Vgl. Pesqueux (2009), S. 233.

105 Vgl. Drexhage/Murphy (2012), S. 6.

106 Vgl. i. F. Plachciak (2010), S. 87.

107 Vgl. Saith (2006), S. 1191.

108 Vgl. Sharma (2013), S. 71.

109 Vgl. Umweltbundesamt (2007), S. 3: Der „Ökologische Fußabdruck“ ist eine Messgröße für den Ressourcenverbrauch von Produktions- und Konsumaktivitäten auf internationaler Ebene. Er wird bereits von vielen Institutionen, Unternehmen, sowie Umwelt- und Entwicklungsorga­nisationen angewendet.

110 Vgl. Beisheim (2012), S. 2.

111 Vgl. Beisheim (2012), S. 2.

112 Vgl. Scholtes (2010), S. 304.

113 Vgl. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2004), S. 94.

114 Vgl. i. F. Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2004), S. 94

115 Vgl. Deutsches Institut für Entwicklungspolitik: (2013), S. 3.

Details

Seiten
74
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656865483
ISBN (Buch)
9783656865490
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286280
Institution / Hochschule
Hochschule Pforzheim – Fakultät für Wirtschaft und Recht
Note
2,3
Schlagworte
millennium development goals united nations kritikpunkte weiterentwicklungsvorschläge

Autor

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Titel: Die Millennium Development Goals der United Nations