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Existenzgründung in Deutschland. Crowdfunding als Ausweg aus der Finanzierungsklemme?

Projektarbeit 2014 43 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung

2. Bedeutung von KMU für die deutsche Wirtschaft

3. Existenzgründung in Theorie und Praxis
3.1 Die aktuelle Situation
3.2 Der Gründungsprozess
3.3 Potentielle Gründungshemmnisse
3.4 Zwischenfazit

4. Finanzierung bei Existenzgründung
4.1 Der Kapitalbedarf
4.2 Die Finanzierungsarten
4.3 Die Finanzierungsproblematik
4.4 Crowdfunding als Finanzierungsalternative
4.4.1 Begriffsbestimmung
4.4.2 Der Crowdfunding-Prozess
4.4.3 Eignung als Finanzierungsinstrument
4.4.4 Der deutsche Crowdfunding-Markt

5. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: KMU in Deutschland, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: ifm-bonn.org (2014b)

Abbildung 2: Gründungen und Liquidationen, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: ifm-bonn.org (2014c)

Abbildung 3: Gründungsprozess als Phasenmodell, Quelle: frankfurt-school.de (2011), S. 8

Abbildung 4: Schematische Darstellung d. Finanzierungsphasen, Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5: Finanzierungsvolumina ausgewählter Finanzierungsarten, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: kfw.de (2013b)

Abbildung 6: Überblick Crowdfunding-Arten, Quelle: Mausbach, C., Simmert D. B. (2014), S.32

Abbildung 7: Einordnung d. Crowdfunding in die Gründungsfinanzierung, Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an pfh.de (2012), S.7

Abbildung 8: Durch Crowdinvesting eingesammeltes Kapital, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: fuer-gruender.de

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bedeutende Gründungshemmnisse, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: kfw.de (2013a), wigeo.uni-hannover.de (2014), ifm-bonn.org (2011)

Tabelle 2: Übersicht Finanzierungsarten, Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Reichle, H. (2010), S.43

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Die KMU haben für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine herausragende Bedeutung. Sie zeigen sich für einen Großteil der Ausbildungs- und Arbeitsplätze verantwortlich und tragen ebenfalls maßgeblich zur Innovations- und Wachstumsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft bei. Der Erhalt bzw. Ausbau des Bestandes an KMU sollte dem Wirtschaftsstandort Deutschland daher ein bedeutendes Anliegen sein. Umso kritischer ist es deshalb zu beurteilen, dass die Zahl der Existenzgründungen über die letzten Jahre konstant rückläufig war. In den Jahren 2012 sowie 2013 hat die Anzahl an Unternehmensliquidationen, die der Gründungen sogar übertroffen und sich der Unternehmensbestand somit reduziert. Gelingt es nicht, diese Lücke durch Existenzgründungen zu schließen, können verringertes Wachstum sowie eine abnehmende Anzahl an Arbeitsplätzen und somit eine Schwächung des Wirtschaftsstandorts Deutschland die Folge sein.

1.2 Zielsetzung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es Gründungshemmnisse, im Besonderen die gründungsspezifische Finanzierungsproblematik, zu identifizieren und zu analysieren, um im Anschluss daran mögliche Lösungsansätze für selbige aufzuzeigen. Hierzu soll vorab die Bedeutung der KMU im Allgemeinen und Existenzgründungen im Speziellen, für die deutsche Wirtschaft betrachtet werden. Im Anschluss daran werden, aufbauend auf der Darstellung des Gründungsprozesses, Studien der KfW und des IfM Bonn bezüglich der Gründungsproblematik ausgewertet, um daraus folgend die relevanten Gründungshemmnisse zu identifizieren. Die anschließende, ausführliche Analyse des bedeutendsten Gründungshemmnisses wird sich auf die Finanzierungsproblematik bei Existenzgründung beziehen. Diese wird einerseits die Grundlagen der Gründungsfinanzierung und andererseits die Beurteilung der Finanzierungssituation in Deutschland sowie die Erarbeitung der daraus resultierenden Problematik beinhalten. Mit der Finanzierungs-alternative Crowdfunding, wird im letzten Abschnitt schließlich ein möglicher Lösungsansatz für die Finanzierungsproblematik analysiert und beurteilt. Hierzu wird in einem ersten Schritt der Begriff „Crowdfunding“ definiert und dessen verschiedene Ausprägungen erläutert. Der Darstellung des Crowdfunding-Prozesses folgt im Anschluss daran die Analyse und Beurteilung des Crowdfundings, in Bezug auf die Eignung dieses Finanzierungsinstruments, die thematisierte Problematik zu lösen. Abschließend soll unter Zuhilfenahme verschiedener Marktanalysen der deutsche Crowdfunding-Markt betrachtet werden, um schließlich zu einem Urteil über die eingangs formulierte Fragestellung zu gelangen.

2. Bedeutung von KMU für die deutsche Wirtschaft

Um die Entwicklung des Gründungsgeschehens und deren Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland betrachten zu können, ist es sinnvoll zunächst die KMU und deren Bedeutung für die deutsche Wirtschaft zu analysieren.

Nach der Definition des IfM Bonn zählen sämtliche Unternehmen zu den KMU, die sowohl weniger als 500 Beschäftigte besitzen, als auch unter dem Grenzwert von 50 Mio. € Umsatz pro Jahr liegen.1 Auf diese Definition wird in Deutschland weitestgehend verwiesen.2 Für einen ersten Überblick über die Bedeutung der KMU für die deutsche Wirtschaft sollen nun vom IfM Bonn erhobene Daten, dargestellt in folgender Abbildung, betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: KMU in Deutschland, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: ifm-bonn.org (2014b)

In Selbiger wurden ausgewählte Kennzahlen veranschaulicht, indem die Beiträge der KMU in Bezug zu den Beiträgen aller deutschen Unternehmen gesetzt worden sind. Auffallend hierbei ist, dass es sich bei 99,60% aller Unternehmen in Deutschland um KMU handelt, auf diese gleichzeitig jedoch nur 36,80% des landesweiten Umsatzes entfallen. Dennoch sind die KMU in Deutschland für mehr als die Hälfte der Wertschöpfung, für beinahe 60% der Beschäftigten und mehr als vier Fünftel der Auszubildenden verantwortlich. Gerade mit Blick auf die Faktoren der Beschäftigung und Ausbildung wird deutlich, welche Bedeutung KMU für die deutsche Volkswirtschaft haben. So bestätigen sich die Annahmen, die die sogenannte Mittelstandshypothese trifft weitestgehend. Ihr nach, weisen mittelständische Unternehmen ein größeres Beschäftigungspotential auf als Großunternehmen und schaffen langfristig mehr Arbeitsplätze, während diese in Großunternehmen reduziert werden.3 Zu letzterer These kann aus den hier betrachteten Daten kein Urteil abgeleitet werden, dass KMU aktuell das größere Beschäftigungspotential aufweisen, ist jedoch unstrittig.

Noch größeren Einfluss als auf den Arbeitsmarkt, haben die KMU auf das deutsche Ausbildungssystem.4 So wurden von den insgesamt 1,56 Mio. Auszubildenden im Jahr 2012, 1,29 Mio. in den KMU ausgebildet.5 Dies zeigt auf, dass der Anteil an Auszubildenden in kleineren Unternehmen tendenziell höher ist als in Großunternehmen und unterstreicht die Bedeutung, die die KMU für die Ausbildung der benötigten, qualifizierten Fachkräfte innehaben. Neben der maßgeblichen Rolle, die die KMU im Bereich der Beschäftigung und Ausbildung spielen, ist ihr Einfluss auf die Innovations- sowie Wachstumsfunktion der deutschen Volkswirtschaft ebenfalls von erheblicher Bedeutung.

Nach Schumpeter sind Innovationen für gesellschaftliche, wie auch wirtschaftliche Entwicklungen von ungemeiner Wichtigkeit.6 Da das Hervorbringen von Innovationen langfristig als Voraussetzung für die Existenzsicherung eines Unternehmens betrachtet werden kann, hat deren Innovationstätigkeit auch Auswirkungen auf die Wachstumsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Aus der Entwicklung neuer Produkte und der daraus folgenden Besetzung von Marktlücken, bzw. der Erschließung bereits bestehender Märkte resultiert zusätzliche Wertschöpfung und damit einhergehendes Wachstum.7 Dass die KMU in Deutschland in dieser Hinsicht eine besondere Stellung einnehmen, lässt sich anhand des Anteils innovativer Unternehmen am gesamten Mittelstand erkennen. So haben im Zeitraum von 2008 bis 2010 54% der KMU in Deutschland eine Produkt- oder Prozessinnovation auf den Markt gebracht. Der EU-Durchschnitt lag im gleichen Zeitraum bei 34%. Gleichzeitig gab es im Jahr 2012 ca. 1300 sog. „Hidden Champions“, d.h. besonders innovative, mittelständische Weltmarktführer, während es in den USA, Japan, Österreich und der Schweiz insgesamt ca. 700 waren.8

Alle betrachteten Faktoren zusammengenommen, wird somit deutlich, dass die KMU in Deutschland maßgeblichen Einfluss auf die volkswirtschaftliche Entwicklung nehmen und ihr Bestand folglich von großer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist.

3. Existenzgründung in Theorie und Praxis

3.1 Die aktuelle Situation

Volkswirtschaften und somit auch die in ihr ansässigen Unternehmen befinden sich in ständigem Wandel. So reduziert sich zum Beispiel die Unternehmenspopulation eines Landes stetig. Ungeachtet der konjunkturellen Lage führen Insolvenzen und Schließungen zu einer konstanten Abnahme des Unternehmensbestandes. Der regelmäßige Abstrom an Unternehmen sollte durch den Zugang neuer Unternehmen ausgeglichen werden. Hierbei gehen vor allem von Existenzgründungen die entscheidenden Impulse aus. Von den hiesigen Großunternehmen ausgehendes Wachstum trägt zwar ebenfalls zur Schließung der entstehenden Lücke bei, deren Wachstumsbestreben konzentriert sich jedoch nicht ausschließlich auf die einheimische Wirtschaft und übt daher einen geringeren Einfluss aus, als es Existenzgründungen vermögen.

Gelingt es nicht, die schwindenden Unternehmen gleichwertig zu ersetzen, können verringertes Wachstum sowie eine abnehmende Anzahl an Arbeits-plätzen die Folge sein. Existenzgründer wirken somit der stetig schwindenden Unternehmenspopulation entgegen und sind ein entscheidender Faktor für den Erhalt von Wohlstand und Wachstum einer Volkswirtschaft.9 Dementsprechend wichtig ist es, Einblick in die Entwicklung der Gründungen sowie Liquidationen in Deutschland zu nehmen. Regelmäßig werten daher mehrere deutsche Institutionen die Entwicklung der Gründungszahlen aus. Erschwert wird die Betrachtung des Gründungsgeschehens in Deutschland jedoch durch die Uneinigkeit über eine genaue Definition des Gründungsbegriffs.10 Eine von Szyperski/Nathusius entwickelte und weitgehend anerkannte Systematik unterteilt hierzu die Gründung in vier Formen:

Originär-selbstständige Gründungen

Originär-unselbstständige Gründungen

Derivativ-selbstständige Gründungen

Derivativ-unselbstständige Gründungen

Die originäre Gründung versteht sich hierbei als eine vollständige Neuerrichtung, ohne auf bereits vorhandene Strukturen zurückzugreifen. In Verbindung mit dem Kriterium der Selbstständigkeit, welches eine natürliche Person als Gründungssubjekt unterstellt, sind ihr folglich die Unternehmens-neugründungen zuzuordnen, während zum Beispiel die Errichtung einer neuen Betriebsstätte unter die originär-unselbstständigen Gründungen fällt. Im Falle einer derivativen Gründung werden dagegen bereits vorhandene Unternehmensstrukturen genutzt. Somit ist eine Betriebsübernahme den derivativ-selbstständigen Gründungen zuzuordnen während die Fusion zweier Unternehmen den derivativ-unselbstständigen Gründungen zugeordnet werden kann.11 Die Statistiken der Institute, die im Folgenden betrachtet werden sollen, nehmen ebenfalls eine Einordnung des Gründungsgeschehens nach diesen Kriterien vor.

Das IfM Bonn nutzt die Gewerbeanzeigenstatistik des Statistischen Bundesamtes. Aus den Gewerbeanmeldungen werden originäre Unternehmensgründungen sowie Übernahmen durch Erbfolge, Kauf oder Pacht registriert. Akquisitionen, Fusionen oder die Errichtung einer neuen Betriebsstätte bleiben, ebenso wie die freien Berufe, unberücksichtigt.12 Diese Daten werden jährlich erhoben und den Unternehmensliquidationen gegenübergestellt. In der folgenden Abbildung sind die Ergebnisse dieser Erhebung, sowie der aus Existenzgründungen und Liquidationen resultierende Saldo, über einen Zeitraum von 10 Jahren dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gründungen und Liquidationen, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: ifm-bonn.org (2014c)

Betrachtet man die Entwicklung der Gründungszahlen, so ist eine negative Entwicklung klar erkennbar. Während sich die Zahl der Liquidationen seit 2004 um verhältnismäßig geringfügige 17% verringert hat, ist die Zahl der jährlichen Existenzgründungen im gleichen Zeitraum um 41% zurück-gegangen. Bedenklich ist zudem, dass in den Jahren 2012 sowie 2013 zum ersten Mal seit dem Jahr 2008 und überhaupt erst zum Dritten Mal im betrachteten Zeitraum, die Anzahl der Liquidationen die Zahl der Existenzgründungen überstiegen hat und somit ein negativer Saldo ausgewiesen werden musste. Welche Auswirkungen dies auf eine Volkswirtschaft haben kann, wurde am Anfang dieses Abschnitts bereits erläutert.

Auch das Mannheimer Unternehmenspanel, welches originäre-selbstständige Unternehmensgründungen anhand der Neuzugänge im Unternehmens-bestand der Creditreform-Datenbank erfasst13, vermeldet für diesen Zeitraum einen deutlichen Rückgang der Gründungstätigkeit. Hier wurde vom Jahr 2004 bis zum Jahr 2013 ein Rückgang von ebenfalls beinahe 40% registriert.14 Der KfW-Gründungsmonitor, welcher durch eine jährliche Befragung und anschließende Hochrechnung der Ergebnisse Personen ermittelt, die eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit in Voll- oder Nebenerwerb begonnen haben15, komplettiert und bestätigt die bereits betrachteten Ergebnisse. Den Befragungen der KfW zufolge hat sich die Gründungsquote seit dem Jahr 2004 um ca. 36% verringert.16

Die, trotz unterschiedlicher Erhebungsmethoden und Gründungsdefinitionen, beinahe deckungsgleichen Ergebnisse lassen folglich am festgestellten, deutlichen Rückgang der Gründungstätigkeit auf ein neues zehn-Jahres-Tief kaum Zweifel. Noch deutlicher wird die Problematik dieser Entwicklung unter der Betrachtung der Gründungstätigkeit in anderen, vergleichbaren Volkswirtschaften.

Die TEA, die den Anteil derjenigen an der Bevölkerung abbildet, die in den letzten 3 ½ Jahren ein Unternehmen geründet haben und/oder gerade dabei sind ein Unternehmen zu gründen, listet Deutschland im Jahr 2013 auf dem 22. von insgesamt 26. Plätzen unter vergleichbaren Wirtschaftsnationen.17

Somit stellt sich die Frage, warum am Wirtschaftsstandort Deutschland im Vergleich zu anderen, vergleichbaren Volkswirtschaften, bedeutend seltener gegründet wird und welche Maßnahmen ergriffen werden können um dem entgegenzuwirken. Um hierauf eine Antwort zu finden, soll nun zuerst der theoretische Ablauf einer Unternehmensgründung betrachtet werden, um anschließend potentielle Gründungshemmnisse zu analysieren und auszuwerten.

3.2 Der Gründungsprozess

Zum Zweck einer prägnanten Darstellung des Gründungsprozesses und um dessen potentielle Problematik später anschaulicher analysieren zu können, soll selbiger im Folgenden in verschiedene Phasen unterteilt werden.

Die Visualisierung einer Gründung, als einen mehrere Abschnitte umfassenden zeitraumbezogenen Prozess, ist in der Gründungsforschung weit verbreitet und dementsprechend sind in der Literatur zahlreiche unterschiedliche Ansätze zu finden. Diese kommen vor allem hinsichtlich der unterscheidbaren Entwicklungsphasen des Gründungsprozesses zu vielfältigen Ergebnissen,18 wobei sich die Anzahl dieser Phasen von zwei bis hin zu acht erstrecken kann.19 Trotz des unterschiedlichen Differenzierungs-grades, liegen allen Modellen typische Merkmale und Entwicklungsmuster zugrunde. Hier sind vor allem die prinzipiell anfallenden Aufgaben der Gründungsvorbereitung, -planung und –durchführung, wie auch die Ingangsetzung der Betriebs- und Umsatzaktivitäten zu erwähnen, welche bei jedem Gründungsvorhaben, unberücksichtigt der Art, in ähnlicher Form zu umzusetzen sind.20

Es muss jedoch auch erwähnt werden, dass die präzise zeitliche Fixierung der verschiedenen Phasen einer Gründung, mit Hilfe des folgenden schematischen Phasenmodells, nicht möglich ist.21 Aufgrund der Einzigartigkeit jedes einzelnen Gründungsvorgangs und der Abhängigkeit der Gründungsphasen von individuellen Rahmenbedingungen, wie dem fachlichen Hintergrund des Gründers oder der Branche in der gegründet werden soll, kann das Modell nur eine grobe Orientierung bieten, welche für die anschließende prägnante Einführung jedoch auch vollkommen ausreichend sein wird. Zur Darstellung des theoretischen Gründungs-prozesses wird das Phasenmodell von Durst/Leyer verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Gründungsprozess als Phasenmodell, Quelle: frankfurt-school.de (2011), S. 8

Dieses unterteilt die Gründung in fünf verschiedene Phasen, welche sich wiederum in eine Vorgründungsphase22, eine eigentliche Gründungsphase sowie eine Wachstumsphase unterteilen lassen. Eine saubere Trennung zwischen den verschiedenen Phasen besteht dabei ausschließlich in der modellhaften Betrachtung des Gründungsvorgangs, während es in der Realität zu Überschneidungen kommen kann.23

Der Gründungsprozess beginnt mit einer ersten Orientierungsphase, in der ein potentieller Gründer ein mögliches Marktpotential erkennt. Dieser Moment wird auch unter dem Begriff der unternehmerischen Gelegenheit zusammengefasst. Durch die Entwicklung einer geeigneten Geschäftsidee wird es möglich dieses Potential zu nutzen.24 Gleichzeitig ist die Entwicklung einer Geschäftsidee auch als unabdingbare Voraussetzung für den Beginn des Gründungsprozesses im Allgemeinen anzusehen.25 Nachdem die unternehmerische Gelegenheit entdeckt und ergriffen wurde, d.h. eine erste Geschäftsidee entstanden ist, sollte diese im nächsten Schritt konkretisiert werden. Dazu wird geprüft, ob die Idee überhaupt umsetzbar ist und falls ja, ob sie ebenfalls profitabel umgesetzt werden kann. Hierzu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Mit Hilfe einer Wirtschaftlichkeits-analyse, z.B. in Form einer SWOT-Analyse26, kann eine Idee in kurzer Zeit auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft werden. Eine konkrete Prüfung findet meist über die Ausarbeitung eines Businessplans statt. In diesem wird die Geschäftsidee im Detail ausgeführt und analysiert. Anschließend können sich Institutionen wie Banken oder Gründungsberater mit Hilfe des Businessplans ein Bild von der Geschäftsidee und Planung des Gründers machen.27 Fällt die umfassende Prüfung der Geschäftsidee positiv aus, so folgt in der Seed-Phase die Vorbereitung der eigentlichen Gründung.

Hierbei sind die sorgfältige Strukturierung des Gründungskonzepts sowie seine Umsetzung von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des Gründungsvorhabens und legen die Grundlagen für einen aussichtsreichen Unternehmensstart.28 Der Gründer sollte sich daher während der Vorbereitungsphase mit essentiellen Themen wie der Wahl der Rechtsform, der Organisation des Unternehmens, den Finanzierungsmöglichkeiten sowie Bereichen des Arbeitsrechts, der Buchführung oder dem Marketing, um nur einige zu nennen, ausreichend auseinandersetzen.29 Sind alle gründungs-entscheidenden Vorbereitungen erfolgreich umgesetzt worden, kann die, der Start-Up-Phase zugehörige, eigentliche Gründung vollzogen werden.

Die Gründungsdurchführung beinhaltet dabei zum einen die formale Institutionalisierung des Unternehmens, wie z.B. durch die Meldung beim Gewerbe- und Finanzamt oder die Eintragung in das Handelsregister30 und zum anderen die technisch-organisatorische Gründung, die u.a. die Auswahl eines geeigneten Standorts sowie die Beschaffung von Produktionsmitteln, Personal und Kapital beinhaltet. Mit dem erfolgreichen Vollzug der Start-Up-Phase ist die eigentliche Gründung des Unternehmens abgeschlossen.

Im Anschluss folgt die Wachstumsphase, die den Abschluss des Gründungs-prozesses bildet und mit dem Anlaufen der Betriebs- und Umsatztätigkeit beginnt. In der Anfangsphase der unternehmerischen Tätigkeit werden i.d.R. noch keine Gewinne erzielt, bzw. die sehr hohen Anlaufkosten übersteigen die Erlöse. Als Kriterium für den erfolgreichen Abschluss des Gründungs-prozesses wird in der Literatur daher oftmals die Erzielung eines positiven Ergebnisses vorgeschlagen, die nachhaltige Gewinnerzielung definiert somit den abschließenden Gründungserfolg.31

3.3 Potentielle Gründungshemmnisse

Laut einer Studie der europäischen Kommission klafft in Deutschland zwischen dem individuellen Wunsch nach Selbstständigkeit und der wirklichen Umsetzung eines Gründungsvorhabens eine erhebliche Lücke. So zeigt eine entsprechende Umfrage, dass 41% der deutschen Bevölkerung gerne eine selbstständige Tätigkeit ausüben würden, allerdings nur 30% dies in den nächsten fünf Jahren überhaupt für möglich halten und wiederum nur 22% bereits Erfahrung mit einer selbstständigen Tätigkeit vorzuweisen haben.32

Doch auch wenn Personen sich dafür entscheiden in den Gründungsprozess einzutreten, kommt es oftmals zu Problemen. Auswertungen der Daten des IfM Bonn zeigen, dass insgesamt 28% der stark gründungsinteressierten Personen bereits nach einem Jahr wieder Abstand von ihrem Gründungs-vorhaben genommen haben und weitere 30% wesentlich mehr Zeit für die Umsetzung benötigen als ursprünglich geplant war.33 Der Global Entrepreneurship Monitor kommt in dieser Hinsicht zu dem Ergebnis, dass rund ein Drittel der Gründungsplaner ihr Gründungsvorhaben wieder abbrechen34 während eine Studie der KfW den Anteil der verhinderten Gründer sogar auf 51% beziffert.35 Betrachtet man diese Ergebnisse unter Beachtung der, im Vergleich zu anderen Wirtschaftsnationen, bereits geringen Gründerquote, so ist es von großem Interesse für den Gründungsstandort Deutschland die Ursachen hierfür zu ermitteln. Dazu sollen nun potentielle Gründungshemmnisse identifiziert und analysiert werden.

Gründungshemmnisse bezeichnen äußere Einflussfaktoren, welche durch Dritte errichtet wurden und grundsätzlich, doch oftmals nur schwer, wieder behoben werden können. Gründungshemmnisse wirken sich in jedem Fall negativ auf den Ablauf des Gründungsprozesses aus, sie müssen jedoch nicht zwangsläufig zum Abbruch des Gründungsvorhabens führen.36

Erschwert wird die Identifizierung von Gründungshemmnissen durch die umfassende Anzahl an Einflussfaktoren, die während des Gründungs-prozesses von Bedeutung sein können. Es existiert daher keine allgemein anerkannte Liste von potentiellen Gründungshemmnissen, welche zum Abbruch eines Gründungsvorhabens führen können.37

In Studien der KfW, des GEM und des IfM Bonn wurde in den letzten Jahren versucht, bedeutende Gründungshemmnisse zu identifizieren. Als Basis diente der KfW hierbei der KfW-Gründungsmonitor der Jahre 2008 bis 2011. Dieser stützt sich auf eine repräsentative, computergestützte Telefonumfrage im Laufe derer 50.000 zufällig ausgewählte Personen in Deutschland befragt wurden.38 Der GEM bezieht sich dagegen auf diverse Experteninterviews, welche mit Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die sich intensiv mit dem Thema Unternehmensgründung auseinandersetzen, geführt wurden.39 Dem IfM Bonn diente wiederum das Gründerpanel als Datenbasis. Dieses basiert auf Befragungen von Besuchern der diversen, deutschlandweit abgehaltenen, Gründermessen.40

Aus jeder dieser Studien resultierte eine Auflistung der, aus Sicht der angehenden Gründer bzw. der Gründungsexperten, schwerwiegendsten Gründungshemmnisse am Gründungsstandort Deutschland. Die drei jeweils Meistgenannten, der ermittelten Gründungshemmnisse sind in folgender Tabelle dargestellt. 41

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Bedeutende Gründungshemmnisse, Quelle: Eigene Darstellung, Daten: kfw.de (2013a), wigeo.uni-hannover.de (2014), ifm-bonn.org (2011)

Auffallend ist in dieser Zusammenfassung, dass das mit der Gründung einhergehende finanzielle Risiko sowohl in der Studie der KfW, als auch der des IfM Bonn, als wichtigstes Kriterium für einen vorzeitigen Gründungsabbruch genannt wird. Gleichzeitig findet die Regulierungs-/ Steuersystematik ausschließlich in der GEM-Studie Beachtung und Wissensdefizite bei Gründung werden nur in der Studie des IfM Bonn als eines der entscheidenden Probleme genannt. Aus diesem Grund soll in der folgenden Betrachtung auch nicht weiter auf sie eingegangen werden.

Über alle Studien hinweg lassen sich jedoch zwei Gründungshemmnisse identifizieren, welchen von den Befragten eine ähnliche Bedeutung für den Abbruch von Gründungsvorhaben zugeschrieben wird. Einerseits die Problematik der Gründungsfinanzierung, die als zweit- (GEM, IfM) bzw. als drittbedeutendstes Gründungshemmnis angesehen wird. Und andererseits ein Problem, welches sich wohl am besten unter dem Begriff der Gründungskultur zusammenfassen lässt. Dieses wird in den dargestellten Studien unterschiedlich bezeichnet, beschreibt allerdings in allen Fällen die Auswirkungen des Scheiterns auf die gesellschaftliche Wahrnehmung des Gründers und stellt einmal das wichtigste (IfM), bzw. zweit- (KfW) und drittwichtigste (GEM) Gründungshemmnis dar.

Betrachtet man die identifizierten Gründungshemmnisse wird jedoch schnell deutlich, dass es nicht möglich sein wird allen, zumindest mittelfristig, entgegenzuwirken. So geht mit der Selbstständigkeit in jedem Fall ein finanzielles wie auch soziales Risiko im Falle des Scheiterns einher. Den Existenzgründer zeichnet jedoch gerade das Erkennen und den Umgang mit Unsicherheit und Risiko aus, ihm das Risiko der Selbstständigkeit abzunehmen kann nicht das Ziel einer Gründungsförderung sein. Die Gründungskultur in Deutschland positiv zu beeinflussen, hin dazu, dass ein Scheitern nicht zum Verlust des gesellschaftlichen Ansehens führt, sondern vielmehr als Chance gesehen wird, wäre hingegen eine wohl lohnenswerte Absicht, stellt aber auch einen sehr langwierigen Prozess dar.42

[...]


1 Vgl. ifm-bonn.org (2014a)

2 Vgl. Paul, S., Stein, S. (2013), S.86f.

3 Vgl. Wegmann, J. (2006), S.40f.

4 Vgl. Hamer, E. (2006), S.35

5 Vgl. ifm-bonn.org (2014b)

6 Vgl. Schumpeter, J.A. (1912)

7 Vgl. Hummel, D. (2011), S.14f.

8 Vgl. bmwi.de (2014), S.8ff.

9 Vgl. De, D. (2005), S.27f.

10 Vgl. Pott, A., Pott, O. (2012), S.4

11 Vgl. Szyperski, N., Nathusius, K. (1977), S.27

12 Vgl. Günterberg, B., Kohn, K., Niefert, M. (2010), S.62

13 Vgl. Günterberg, B., Kohn, K., Niefert, M. (2010), S.62

14 Vgl. ftp.zew.de (2014), S.1

15 Vgl. kfw.de (2014a), S.2ff.

16 Vgl. kfw.de (2014b), S.2

17 Vgl. wigeo.uni-hannover.de (2014), S.9

18 Vgl. Dietz, J.-W. (1989), S.35ff.

19 Vgl. Baker, R. J., Susbauer, J.C. (1975), S.414, Rentrop, N. (1985), S.10

20 Vgl. Hunsdiek, D., May-Strobl, E. (1986), S.127

21 Vgl. Dietz, J.-W. (1989), S.35

22 Dieser lassen sich die Orientierungsphase, die Pree-Seed-Phase wie auch die Seed-Phase zuordnen.

23 Vgl. Szyperski, N., Nathusius, K. (1977), S.33

24 Vgl. Pott, A., Pott, O. (2012), S.6

25 Vgl. Wenz, J. (1993), S.17, Winkels, A. (1988), S.17

26 Bei dieser werden Stärken und Schwächen sowie Chancen und Gefahren einer Unter- nehmung analysiert, um anschließend eine Entscheidung über selbige fällen zu können.

27 Vgl. Pott, A., Pott, O. (2012), S.7

28 Vgl, Unterkofler, G. (1989), S.38, Szyperski, N., Nathusius, K. (1977), S.24

29 Vgl. Pott, A., Pott, O. (2012), S.7

30 Vgl. Nathusius, K. (1983), S.185ff.

31 Vgl. Wenz, J. (1993), S.17

32 Vgl. ec.europa.eu (2010)

33 Vgl. ifm-bonn.org (2011), S.1

34 Vgl. wigeo.uni-hannover.de (2014)

35 Vgl. kfw.de (2013a), S.5

36 Vgl. Wunderlich, M. (2007), IfM Bonn (2011), S.1

37 Vgl. kfw.de (2013a), S.2

38 Vgl. kfw.de (2013a), S.4

39 Vgl. wigeo.uni-hannover.de (2014), S.26

40 Vgl. ifm-bonn.org (2011), S.3

41 Beinhaltet „Finanzielles Risiko“ bzw. Angst zu scheitern“

42 Vgl. kfw.de (2013a), S.23f.

Details

Seiten
43
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656862284
ISBN (Buch)
9783656862291
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v286053
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
1,8
Schlagworte
Crowdfunding Crowdinvesting Crwodlending Existenzgründung Entrepreneurship Finanzierungsproblematik KMU

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