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Exzessives Bellen beim Hund

Skript 2008 10 Seiten

Psychologie - Tierpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Exzessives Bellen

Aufmerksamkeit suchen mit Erfolg

Exzessives Bellen

Unerwünscht wird das Bellen unseres Hundes für uns Menschen dann, wenn es exzessiv oder von uns als exzessiv empfunden wird (oder es den Nachbarn stört oder wir fernsehen wollen...) Das geschieht häufig dann, wenn wir auf das „normale Bellen“ falsch reagieren.

Beispiel:

Der 12 Wochen alte Welpe ist allein in einem Zimmer. Er fühlt sich unwohl und macht sich bemerkbar: er bellt. Frauchen steht in der Küche und hört das Bellen. Sie reagiert nicht. Das Bellen wird stärker, weil Welpis Unwohlsein stärker wird. Frauchen reagiert nun und schimpft mit Welpi. Der versteht das nicht, kann nicht nachvollziehen, warum Frauchen ungehalten ist, fühlt sich ungerecht behandelt und hat Angst. Entweder beginnt er nun zu jaulen oder verstärkt sein Bellen, bis ein Erfolg eintritt: entweder Frauchen's Nerven sind dünn und sie holt ihn zu sich, oder sie schimpft noch ein Weilchen weiter und lässt Welpi jedes Mal wieder allein. Im ersten Fall hat Welpi nach langem Bellen endlich Erfolg und weiß das, er wird fortan gleich heftiger bellen. im zweiten Fall verstärkt sich das Unwohlgefühl weiter, die Angst nimmt zu, Welpi kann das nur durch Bellen oder Jaulen ausdrücken. In beiden Fällen wird das Bellen stärker werden. Der Hund hat das Fehlverhalten „erlernt“

Besser ist:

Die Zeit des Welpen in der er allein ist zunächst nur sehr kurz halten. 5 Minuten genügen für den Anfang völlig. Bevor ein Unwohlgefühl des Welpen beginnt, muss der junge (oder der neue) Hund wieder in Frauchens Nähe dürfen. Wenn Frauchen die „AlleinZeit“ langsam und vorsichtig steigert, wird der Hund nicht bellen, nur weil er allein ist. Er hat Zeit sich daran zu gewöhnen. Wird der Welpe durch Alleinsein überfordert, ist die Gefahr groß, dass sich daraus später schwere Trennungsängste entwickeln, die ebenfalls mit exzessiven Bellen oder Jaulen einhergehen können.

Häufig raten Trainer jede „Suche nach Aufmerksamkeit“ durch Ignorieren zu bestrafen. Das ist psychologisch völlig falsch.

Erwachsene Hunde bellen gerne exzessiv, wenn sie ein Geräusch hören, Besuch kommt, es klingelt oder ähnliches. Auch diese Hunde haben das vermehrte Bellen gelernt, weil wir zu Beginn falsch reagiert haben. Jeder Hund bellt bei den genannten Gelegenheiten. Geht der Mensch dann zum Hund, schaut ganz offensichtlich nach, nimmt den Hund dann mit ins Zimmer und sagt ihm, dass alles o.k. ist, wird das vermehrte Bellen abgebrochen (Frauchen hat nachgeschaut, nimmt meine Warnung ernst und kümmert sich jetzt darum). Meist ignorieren wir jedoch das Bellen, oder schimpfen unseren Hund dafür. Das kann der Hund natürlich nicht verstehen, er will uns doch nur sagen, dass da etwas ist. Bellt der Hund extrem, wenn es an der Tür klingelt, leinen wir ihn ganz ruhig an, nehmen ihn vorsichtig zur Seite und öffnen die Türe. Der Besucher (zu Übungszwecken bedient sich man besser eines Bekannten) wird angewiesen, draußen stehen zu bleiben. Dann schließen wir die Tür wieder und belohnen unseren Hund, indem wir die Leine wieder abnehmen und ihn ein wenig streicheln. Wichtig ist: Nimm deinen Hund ernst und zeige es ihm, indem du nachschaust und ihm dann die Verantwortung abnimmst. Solche Übungen sollte man jedoch nur ein höchstens zweimal pro Tag durchführen. Du wirst sehen, nach wenigen Tagen hat Dein Hund verstanden!

Die Suche nach Aufmerksamkeit

Wenn wir gesundheitliche Schäden hier einmal ausschließen, kennt sicherlich so mancher Hundefreund den Satz: „der sucht nach Aufmerksamkeit“ oder „der will Aufmerksamkeit erregen“. Diese „Suche“ wird als eine der unerwünschten Verhaltensweisen betrachtet, die durch Ignorieren zu bewältigen seien.

Führen wir uns diesen Zusammenhang vor Augen:

- er hat ein Bedürfnis (man kann auch sagen befindet sich in einer Not)
- also sucht er nach Aufmerksamkeit, um dem entgegen zu wirken
- wir sollen (wollen?) sein Verhalten (und damit sein Bedürfnis seine Not) durch Ignorieren unterbinden

Wie kommt man auf so etwas? Wer kam auf die Idee, ein weinendes Kind stundenlang allein im dunklen Zimmer zu lassen, mit der Überzeugung es sei das Beste für das Kind?

Hier erkennen wir wieder Parallelen zur Kindererziehung.

Greifen wir das Beispiel also auf:

Was in vielen Kulturen schon lange als normal gilt, wird auch andernorts immer mehr für richtig gehalten, z.B. ein schreiendes Baby umgehend zu füttern weil

- das Baby nicht aus Boshaftigkeit schreit, oder weil es ungezogen ist. Es ist ihm angeboren im Hungerfall (also im Fall eines Bedürfnisses/ einer Not), die Eltern zu alarmieren.
- Ein umgehend versorgtes Baby hat ein besseres Immunsystem, weniger Schlafstörungen und ist oftmals intelligenter, wie unzählige Studien darlegen.
- Die Eltern eines umgehend versorgten Babys erfahren wesentlich weniger Stress, weniger psychologische Unordnung und weniger psychosomatische Krankheiten. Denn das Baby ist einfacher zufrieden zu stellen und schreit allgemein wesentlich weniger. (Bedürfnis gestillt, Problem behoben)

Ein Verhalten, das Aufmerksamkeit erregen soll, hat Hintergründe. Es richtet sich an jemanden der ein Bedürfnis stillen soll, das nicht selbst gestillt werden kann.

Noch einmal:

- dem Hund (Tier) fehlt etwas
- der Hund (das Tier) erregt Aufmerksamkeit
- der Hund (das Tier) hofft dadurch jemanden zu erreichen, der hilft

Das Verhalten „Aufmerksamkeit erregen“ ist jedem Geschöpf angeboren. Ebenso das Verhalten, dem Bedürfnis nachzukommen. Ein leicht nachvollziehbares Beispiel ist der Mutterinstinkt.

Es ist eigenartig und erschreckend, dass die Menschen „gelernt“ haben, Bedürfnisse seien ein schlechter Charakterzug. Gleich wie natürlich das Bedürfnis ist (die Menschen versuchen alles (Un) mögliche) diesen vermeintlichen Charakterfehler zu eliminieren.

Es ist wenig natürliches Verhalten im Menschen, er hat es vor lauter Bekämpfung aus den Augen verloren.

Aber bleiben wir bei der Aufmerksamkeit und wenden uns der Entwicklung eines solchen Verhaltens zu.

Wird das Verhalten und somit das Bedürfnis ignoriert verstärkt sich das Bedürfnis, es wird mehr und mehr akut. Sehen wir uns diesen Prozess an:

- Bewusstsein: Das Geschöpf (Hund, Kind, ...) wird sich darüber bewusst, dass ihm etwas fehlt, etwas nicht in Ordnung ist. Es sucht nach jemandem, meist dem nächsten Vertrauten (Halter, Eltern, ...), der helfen soll, das Bedürfnis zu stillen.
- Annäherung: Das Geschöpf macht sich auf, die Signale zu verstärken. Es wird mit den ihm möglichen Mitteln zeigen, dass es da ist und ein Bedürfnis hat. Tiere zeigen das z.B., indem sie herüber kommen, sich zeigen und in die Augen des anderen sehen.
- Extreme: Wenn der Angesprochene das Verhalten, das Bedürfnis ignoriert, wird das Geschöpf versuchen, mit Krach, Schubsen u.ä. auf sich aufmerksam zu machen. Frühere Verhaltensweisen, die in ähnlichen Situationen Erfolg brachten, werden angewendet.
- Eskalation: Wurden alle Versuche des Geschöpfes ignoriert, wird das Bedürfnis zu einer Qual, die Versuche noch extremer und wenn das Bedürfnis stark genug ist, kommt eventuell auch Aggression auf. Verzweiflung setzt also ein.
- Zusammenbruch: Hat nichts zum Erfolg geführt, schlimmer noch, zu mehr Ignoranz (die Zurückweisung und Strafe für das Geschöpf bedeutet), kommt es unweigerlich zu einer Implosion. Dadurch entstehen mitunter neurologische Schädigungen. Die Stufe jenseits der Wut und Aggression ist Autismus.

Je nach Schwere der neurologischen Schädigungen und/oder aufgrund von Gegebenheiten kann es passieren, dass das Geschöpf nicht mehr aus der Autismus-Stufe herauskommt. Einige bleiben für immer in dieser Stufe gefangen.

Anmerkung: Viele Trainer und Wissenschaftler streiten heute noch ab, dass Autismus bei Tieren vorkommt. Ebenso viele Tierärzte und (in den USA) Wissenschaftler haben jedoch längst das Gegenteil bewiesen. Wir hatten selbst einen autistischen Hund, wir wissen wovon wir sprechen.

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Details

Seiten
10
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656858041
ISBN (Buch)
9783668139169
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285901
Note
Schlagworte
exzessives bellen hund

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Titel: Exzessives Bellen beim Hund