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Die Adaption des anglo-amerikanischen Corporate Governance Modells in Japan und Deutschland im Vergleich

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Japanologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Adaption des anglo-amerikanischen CG Modells in Japan und Deutschland im Vergleich
2.1. Grundlagen zu Corporate Governance
2.1.1. Begriffsdefinition
2.1.2. Klassifizierungen von Corporate Governance
2.1.3. Einbettung in kulturelles und wirtschaftliches Umfeld
2.2. Corporate Governance Modelle im Vergleich
2.2.1. Japanische Corporate Governance – Statutory Auditor -System
2.2.2. Das deutsche CG Modell – Aufsichtsrat System
2.2.3. Anglo-amerikanisches CG Modell

3. Einfluss des anglo-amerikanischen Modells auf Japan und Deutschland – Institutional change
3.1. Reformen in Japan und Deutschland
3.1.1. Japan
3.1.2. Das Japanische Committee -System
3.1.3. Deutschland
3.1.4. Das Verwaltungsrat-System in Deutschland
3.2. Japanische und Deutsche Corporate Governance-Modelle – kommt es zur Konvergenz mit der Anglo- Amerikanischen CG?

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Beschäftigt sich die Wirtschaftsforschung mit Corporate Governance (im Folgenden häufig abgekürzt mit CG), dann geht es meist um Wandel. Seien es Corporate Governance Modelle in Japan, Deutschland, Amerika oder anderen Ländern, früher oder später kommt die Frage auf, was genau verändert werden muss, um Unternehmen konkurrenzfähiger zu machen, und das nicht mehr nur im Rahmen des eigenen Landes, sondern international. Chizema und Shinozawa beschreiben die Globalisierung der Kapitalmärkte als etwas, das als „external trigger“ (Chizema und Shinozawa 2012: 79) gesehen wird, ein Anstoß von außen also, auf den Veränderung nahezu unausweichlich folgt. Hierbei zeigt sich, dass Länder, wenn es zu institutioneller Veränderung kommt, dazu tendieren, sich anderen Ländern anzupassen, indem ähnliche Strukturen übernommen werden (vgl. Chizema und Shinozawa 2012). Auch bei Corporate Governance Modellen zeigt sich dieser Trend, da Unternehmen immer mehr unter Druck stehen, sich dem internationalen Markt zu öffnen, um beispielsweise für foreign direct investments (FDI) attraktiver zu werden (vgl. Jackson 2003). Das anglo-amerikanische Modell mit seiner shareholder-value -Orientierung ist zum Maßstab geworden. „There is debate among scholars of organization science, economics, law, and sociology as to whether corporate governance systems are converging to the Anglo-American model“ (Yoshikawa et al. 2007: 973) Es ist bis jetzt noch kein Ende dieser Debatte in Sicht. In der vorliegenden Arbeit wird sie immer wieder auftauchen, denn besonders betrachtet werden soll, inwiefern sich die Corporate Governance in Japan und Deutschland unter dem Einfluss des anglo-amerikanischen Modells verändert haben. Zuerst sollen allerdings die wichtigsten Begriffe definiert werden, danach werden die bestehenden CG-Modelle Deutschlands und Japans sowie das anglo-amerikanische Modell vorgestellt und die Reformen der Unternehmensführung in beiden Ländern besprochen. Am Ende der Arbeit soll eine Diskussion der Veränderungen der Corporate Governance in Deutschland und Japan im Hinblick auf Konvergenzen und Abweichungen vom anglo-amerikanischen Modell erfolgen.

2. Die Adaption des anglo-amerikanischen CG Modells in Japan und Deutschland im Vergleich

2.1. Grundlagen zu Corporate Governance

2.1.1. Begriffsdefinition

Unter dem Begriff Corporate Governance versteht man den „rechtlichen und faktischen Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung eines Unternehmens“ (Gabler Wirtschaftslexikon Stichwort Corporate Governance), dessen Ziel es ist, Informationsasymmetrien auszugleichen und opportunistisches Handeln der Akteure weitestgehend zu verhindern. Das grundlegende Problem der CG basiert hierbei, wie Jürgen Matthes zusammenfasst (Folgendes vgl. Matthes 2005), auf der Prinzipal-Agent-Theorie, nach der Manager eines Unternehmens als „Agenten“ grundsätzlich über mehr Informationen verfügen als Eigenkapitalgeber („Prinzipale“) und diese für opportunistisches Handeln ausnutzen können. Bei der Corporate Governance geht es um die Kontrolle der Ressourcen einer Firma, indem sie faktisch festlegt, wer Entscheidungen treffen kann (vgl. Groenewegen 2004).

2.1.2. Klassifizierungen von Corporate Governance

Corporate Governance Modelle lassen sich einerseits nach Kriterien ihres Aufbaus und andererseits danach, wessen Interessen besonders in den Mittelpunkt gestellt werden, unterscheiden.

Ein CG-Modell, das aus einem Gremium – im anglo-amerikanischen System dem board of directors – besteht, das Kontroll- und Aufsichtsfunktion innehält, wird als one-tier ( auch „monistisches“) Modell bezeichnet. Demgegenüber steht das two-tier („duales“) Modell . Hier werden die Aufgaben auf zwei getrennte Gremien verteilt. Der Vorstand hat in diesem die ausführende Funktion, während ein Aufsichtsrat die Kontrolle übernimmt. (Gabler Wirtschaftslexikon Stichwort Corporate Governance)

Bei der Unterscheidung nach Interessenorientierung grenzt man zwischen einer shareholder-value- und einer stakeholder-value- Orientierung ab. Erstere stellt die Shareholder und deren Zufriedenheit in den Vordergrund. „Zielgröße ist das Aktionärsvermögen.“ (Gabler Wirtschaftslexikon Stichwort Shareholder-Value)

Die stakeholder-value -Orientierung dagegen fokussiert nicht auf die Shareholder, sondern berücksichtigt die sogenannten Stakeholder, d.h. „[alle] Anspruchsgruppen, ohne deren Unterstützung das Unternehmen nicht überlebensfähig wäre“ (Gabler Wirtschaftslexikon Stichwort Stakeholder Ansatz). Der Begriff bezeichnet „z.B. die Arbeitnehmer, Kunden und Lieferanten, den Staat und die Öffentlichkeit“ (Gabler Wirtschaftslexikon Stichwort Stakeholder Ansatz).

Matthes wendet weitere Kategorien an, nämlich die „[g]egensätzlichen Begriffspaare Insider- versus Outsider-Kontrolle, bank- und firmenbasiert versus kapitalmarktbasiert, Konsensorientierung versus Konfliktbereitschaft sowie Stabilität versus Flexibilität der Geschäftsbeziehungen“ (Matthes 2005: 204). Diese Unterscheidungen werden allerdings an anderer Stelle im Zusammenhang mit der Einbettung der verschiedenen Corporate Governance Modelle in ihr jeweiliges Umfeld ausgeführt und sollen deswegen hier zunächst vernachlässigt werden. Zusätzlich erwähnt Kirchwehm eine Aufteilung in externe und interne Corporate Governance (Kirchwehm 2010), doch in dieser Arbeit wird hinsichtlich dessen nicht differenziert.

2.1.3. Einbettung in kulturelles und wirtschaftliches Umfeld

Corporate Governance Systeme müssen nach der Definition von North (vgl. Storz und Schäfer 2001) als Institutionen betrachtet werden, die wie alle Institutionen nicht unabhängig von ihrem Umfeld existieren. Sie sind eingebettet in ihr wirtschaftliches und sozio-kulturelles Umfeld. Wie es bei Buck und Shahrim heißt: „prevailing national culture and institutions both have important implications for governance systems, but controversy surrounds their relative importance” (Buck und Shahrim 2005: 44). Während man sich über das Ausmaß des Einflusses sicher streiten und generell vor vorschneller Stereotypisierung beispielsweise von Nationalitäten warnen kann (Buck und Shahrim 2005), ist es doch nicht möglich seine Existenz zu leugnen, denn „corporate governance is embedded in a nation’s institutional context“ (Yoshikawa et al. 2007: 973). So haben sich aufgrund ihrer Geschichte in verschiedenen Ländern verschiedene Typen von Corporate Governance herausgebildet, die eng mit der sie umgebenden Wirtschaftsstruktur verbunden sind. Hier kommen die Begriffe zum Tragen, die Matthes zur Kategorisierung von CG-Modellen vorschlägt. Es zeigt sich, dass Länder mit ähnlichem kulturellem Referenzrahmen zu ähnlichen Wirtschaftsstrukturen tendieren.

Anglo-Saxon countries are relatively homogeneous in having market-oriented corporate governance, as well as market-oriented employment patterns. Meanwhile, countries deviating from the US or UK model are much more diverse. For example, countries with concentrated ownership often have very different kinds of large owners such as families, inter-corporate networks or banks. Likewise, “stakeholder”-oriented corporate governance may be based upon very diverse forms of industrial relations institutions, such as Germany’s industrial unions and legally based codetermination or Japanese enterprise unions and informal labour–management consultation. (Jackson 2005: 421)

Wie Jackson schreibt, fallen die Systeme Japans und Deutschlands nicht in die gleiche Kategorie wie die anglo-amerikanischen. Stattdessen werden bei direkten Vergleichen die japanische und die deutsche Wirtschaft häufig auf der einen Seite mit der amerikanischen auf der anderen als Gegensatzpaar gegenübergestellt. (vgl. Matthes 2005, Dore, 2000). Das Wirtschaftsystem im Ganzen, in Japan wie in Deutschland, wird generell als bank-basierend, langfristig und auf Stabilität in Geschäftsbeziehungen und Arbeitsverhältnissen ausgerichtet beschrieben (Dore 2000). In den Corporate Governance Modellen spiegeln sich genau diese Eigenschaften wider, wie es sich bei genauerer Betrachtung der traditionellen Modelle im folgenden Kapitel zeigen wird.

Umgekehrt stehen anglo-amerikanische Firmen in ihrem wirtschaftlichen Umfeld auf einer Seite, die von Dore als „ʻproperlyʼ capitalist“ (Dore 2000: 25) bezeichnet wird. Kurzfristigkeit, Aggressivität in Form von häufigen feindlichen Übernahmen, Markt-Abhängigkeit und eine Ausrichtung auf Profitmaximierung in der Unternehmensführung zeichnen das System aus (Dore 2000), in dem sich eine dazu komplementäre Corporate Governance entwickelt hat.

2.2. Corporate Governance Modelle im Vergleich

2.2.1. Japanische Corporate Governance – Statutory Auditor-System

Im Statutory Auditor- System, dem traditionellen japanischen CG-Modell, existiert neben dem board of directors ein Gremium mit Überwachungsfunktion, das board of statutory auditors. Chizema und Shinozawa bezeichnen es als “[a] weaker version of the German supervisory board” (Chizema und Shinozawa 2012: 81), denn ein statutory auditor kann Direktoren weder ernennen noch absetzen. Außerdem werden statutory auditors vom board of directors nominiert und sind gewöhnlich Angestellte des Unternehmens, die intern aufgestiegen sind. Es gibt keine Richtlinien, die das Einsetzen von Outsidern festlegt, was dazu führt, dass diese boards meist ausschließlich von Insidern besetzt sind. Sie vertreten dadurch nicht unbedingt die Interessen der Shareholder und man kann anhand der Tatsache, dass die auditors von dem board of directors, das sie kontrollieren sollen, nominiert werden, ihre Effizienz in Frage stellen (Chizema und Chinozawa 2012).

2.2.2. Das deutsche CG Modell – Aufsichtsrat System

Sobald die Mitarbeiterzahl einer Aktiengesellschaft oder einer GmbH 500 erreicht, muss ein Aufsichtsrat eingerichtet werden. Das deutsche CG-Modell ist also grundsätzlich wie das Statutory Auditor -Modell Japans ein Two-Tier System. Wie der Name schon sagt, fällt dem Aufsichtsrat eine Kontrollfunktion zu. Er überwacht das zweite Gremium, den Vorstand, dem die Leitung des Unternehmens obliegt. Die Mitglieder des Aufsichtsrats kommen gewöhnlich „von Anteilseignern, Banken, verbundenen Unternehmen, staatlichen Einrichtungen sowie von Mitarbeitern und Gewerkschaften“ (Matthes 2005: 206). Ein Drittel der Aufsichtsratsmitglieder machen Arbeitnehmervertreter aus. Ab einer Beschäftigtenzahl von mehr als 2.000 steigt ihr Anteil allerdings auf fünfzig Prozent.

Die Hauptversammlung der Anteilseigner wählt ihre Vertreter, wobei der Aufsichtsratsvorsitzende doppeltes Stimmrecht bei Stimmgleichheit hat. Aufgrund des Mitbestimmungsgesetzes kann ab einer Arbeitnehmerzahl von fünf Mitarbeitern ein Betriebsrat gegründet werden, der Einfluss auf die Entscheidungen des Managements ausüben kann (vgl. Matthes 2005, Gabler Wirtschaftslexikon Stichwort Betriebsrat).

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Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656861041
ISBN (Buch)
9783656861058
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285811
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Japanologie Wirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
Japanologie Wirtschaft Corporate Governance Japan Deutschland USA

Autor

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