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Ausdauersport in der Schule und seine physiologischen Auswirkungen aus pädagogischer Perspektive

Hausarbeit 2014 24 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sinnhaftigkeit von Ausdauersport in der Schule
2.1 Sind physiologische Anpassungen möglich?
2.2 Pädagogische Perspektiven und weitere Sinngebungen

3. Einordnung von Ausdauertraining mit mittlerer ('Gesundheit') und hoher Intensität ('Leistung')

4. Auswirkungen eines Ausdauertrainings mit mittlerer Intensität
4.1 Adaptationsprozesse im Herz-Kreislauf-System
4.1.1 Sportherz
4.1.2 Kapillarisierung
4.1.3 Blut
4.2 Adaptationsprozesse im Bereich des Energiestoffwechsels
4.3 Adaptationsprozesse im Bezug zur maximalen Sauerstoffaufnahme
4.4 Adaptationsprozesse im Immunsystem

5. Auswirkungen eines Ausdauertrainings mit hoher Intensität
5.1 Adaptationsprozesse im Herz-Kreislauf-System
5.1.1 Sportherz
5.1.2 Kapillarisierung
5.1.3 Blut
5.2 Adaptationsprozesse im Bereich des Energiestoffwechsels
5.3 Adaptationsprozesse im Bezug zur maximalen Sauerstoffaufnahme
5.4 Adaptationsprozesse im Immunsystem

6. Vergleich der Auswirkungen eines Ausdauertrainings mit mittlerer und hoher Intensität

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die moderne und oftmals unnatürliche Lebensweise, in der wir existieren, hat viele neue Probleme für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden geschaffen. Man- gel an Bewegung, falsche Ernährung und der zunehmende Stress, den die Leis- tungsgesellschaft mit sich bringt, haben große Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Besonders die Bewegungsarmut, die in großen Teilen der Gesellschaft vorherrscht, stellt eine ganz wesentliche Ursache für die beiden 'großen' Zivilisati- onskrankheiten Arteriosklerose und Herzinfarkt dar. Zu diesem Schluss kommt be- reits im Jahre 1984 der Sportmediziner Ernst van Aaken (vgl. van Aaken, 1984, S. 56). Im Jahre 2008 veröffentlichte das Rober-Koch-Institut eine Studie zum Über- gewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Im Ergebnis stellte diese Studie fest, dass der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher sich gegen- über den 1980er- und 1990er-Jahren um 50% erhöht hat sowie 15% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland Übergewicht haben (vgl. Robert-Koch-Institut, 2008, S. 41).

Schaut man in die aktuell gültigen Kerncurricular für das Fach Sport in Niedersachsen, so wird dort explizit als Zielperspektive von Sportunterricht genannt: "Befähigung zum verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Körper und der eigenen Gesundheit." (Niedersächsisches Kultusministerium, 2007, S. 7) Weiter sollen die Schülerinnen und Schüler (in der Folge als SuS' abgekürzt) nach der sechsten Klassenstufe in der Lage sein 25 Minuten, bzw. nach der achten Klassenstufe 30 Minuten, ausdauernd ohne Pause zu laufen.

Doch wie lassen sich diese Ziele im Schulsport realisieren um den sich fortsetzen- den Trend des Bewegungsmangels und dem unter anderem daraus resultieren- den Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken? Einen Bei- trag hierzu kann sicherlich der Ausdauersport in der Schule leisten. Hier setzt die- se Projektarbeit an. Zum einen sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, in welcher Art und Weise der Ausdauersport in den Schulsport integriert werden kann. Im Vordergrund stehen hierbei die pädagogischen Perspektiven 'Gesundheit' und 'Leistung'. Zum anderen sollen aber auch physiologische Anpassungen dieser un- terschiedlichen Fokussierungen des Ausdauersports betrachtet und gegenüberge- stellt werden.

Zu Beginn soll allerdings die Frage ansatzweise geklärt werden, in wie weit Aus dauersport in der Schule überhaupt Sinn macht. Sind aufgrund der wenigen Unterrichtsstunden im Fach Sport überhaupt physiologische Effekte zu erwarten, bzw. zu erzielen? Gibt es auch andere wichtige Aspekte, die der Ausdauersport in der Schule den SuS' vermitteln kann?

Im zweiten Teil der Arbeit werden dann unterschiedliche Intensitäten sportlicher ausdauernder Betätigung betrachtet und deren Auswirkungen auf den menschli- chen Organismus verglichen, um am Ende eine Gesamtvorstellung zu erhalten, was man mit ausdauerorientiertem Training in der Schule erreichen kann.

2. Sinnhaftigkeit von Ausdauersport in der Schule

2.1 Sind physiologische Anpassungen möglich?

In diesem Abschnitt sollen kurz Ergebnisse eines Unterrichtsexperiments von Strobelt aus dem Jahre 1986 vorgestellt werden, um die Nützlichkeit und auch die Notwendigkeit von Ausdauerschulung im Sportunterricht zu verdeutlichen, bzw. ansatzweise zu rechtfertigen. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten (September 1982 - Juni 1983) wurden zehn 4. Klassenstufen mit 87 Mädchen und 98 Jungen einem Ausdauerexperiment unterzogen. Das Ganze fand als Komplexuntersu- chung statt, d.h. es mussten auch alle sonstigen wesentlichen Ziele des Schul- sports berücksichtigt werden und es konnte sich nicht ausschließlich auf Ausdau- erschulung konzentriert werden. Bei drei Sportstunden pro Woche, was heutzuta- ge schon eher die Ausnahme darstellt, wurden wöchentlich davon 15 Minuten für die spezielle Ausdauerschulung genutzt. Zu den einzelnen Einheiten gibt es keine näheren Angaben, lediglich wird von "vielseitigen Programmen" gesprochen (vgl. Zeuner, 2009, S. 132f.). Anzumerken ist noch, dass Ausdauer in zwei verschiede- nen Varianten geschult wurde. Eine Gruppe hat kontinuierlich, d.h. jeweils wö- chentlich die 15 Minuten Ausdauerschulung absolviert. Die andere Gruppe arbei- tete diskontinuierlich im Bereich der Ausdauerschulung, d.h. 4-6 Wochen jeweils 30 Minuten und nachfolgend 4-6 Wochen ohne spezielle Ausdaueraspekte. Die Leistungsentwicklung der SuS' wurde durch sechs Tests im Abstand von jeweils sechs Wochen im 2000m-Lauf verfolgt. Ausgewählt wurde diese Form der Leis tungsüberprüfung aus Sicht des Autors, da davon ausgegangen wird, dass SuS' bei solchen Tests um beste Ergebnisse bemüht sind (vgl. Zeuner, 2009, S. 133).

Bei beiden unterschiedlichen Herangehensweisen wurden hochsignifikante Leis- tungssteigerungen der SuS' festgestellt. Diese sind in folgender Abbildung darge- stellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: 2000m-Laufleistungen (m/s) von Mädchen und Jungen der Klasse 4 im Ergebnis von 6 Leistungstests nach Zeuner (2009, S. 134).

Anzumerken zur Grafik ist noch, dass es sich bei VR1 um die kontinuierliche und bei VR2 um die diskontinuierliche Ausdauerschulung handelt. Weiter ist festzuhal- ten, dass die Leistungssteigerungen nicht alleine den physischen Adaptationen durch das Ausdauertraining zuzuschreiben sind. Andere Aspekte, wie bspw. die Zunahme des biologischen Alters, angemessene Tempogestaltung während des Laufes, Verbesserung der Lauftechnik bzw. -ökonomie und weitere Lernaspekte durch absolvieren des 2000m-Laufes sind nicht zu vernachlässigen (vgl. Zeuner, 2009, S. 134f.). Dennoch lässt sich im Ergebnis festhalten, dass leichte Ökonomisierungen im Herz-Kreislauf-Bereich und vermutlich auch im Kohlenhyd- ratstoffwechsel anzunehmen sind.

Weiter wurde die relative Sauerstoffaufnahme zu Beginn und zum Ende der Un- tersuchung bei beiden Untersuchungsgruppen gemessen. Hier schneiden vor al- lem die SuS' der kontinuierlichen Ausdauerschulung positiv ab. Bei den Mädchen verbesserte sich der Wert von anfangs 39,56 (ml/kg min^-1) auf 40,21 (ml/kg min^-1). Bei den Jungen stieg der Wert von 46,29 (ml/kg min^-1) auf 47,02 (ml/kg min^-1). Insgesamt lässt sich also festhalten, dass auch im Kindes- und Jugendal- ter eine angemessene Ausdauerschulung im Schulsport mit geringen Zeitanteilen aus gesundheitlicher Sicht nicht unterschätzt werden sollte, bzw. auch mit wenig Zeiteinsatz schon nachweisbare positive Effekte erreicht werden können (vgl. Zeuner, 2009, S. 136).

Eine genauere Betrachtung der physiologischen Anpassungserscheinungen durch Ausdauertraining findet im zweiten Abschnitt dieser Arbeit statt. Vorher geht es nun noch um unterschiedliche Perspektiven, bzw. Herangehensweisen an den Ausdauersport in der Schule. Diese bringen auch weitere Aspekte mit sich, die für eine Ausdauerschulung im Schulsport sprechen.

2.2 Pädagogische Perspektiven und weitere Sinngebungen

Sinn kann wiederum im Schulsport auch auf unterschiedliche Weise entstehen. Bis jetzt ging es vornehmlich darum, denn Sinn in einer Leistungssteigerung zu sehen. Doch wird heutzutage vielmehr von mehrperspektivischem Sportunterricht gesprochen. Nach Kurz (2003, S. 6) wird der Sinn des Sports von den Aktiven da- rin gesehen, dass er "Gesundheit [...] fördert, Kontakte zu anderen Menschen auf- baut [...], Herausforderungen bietet [...], ein Medium ästhetischer Botschaften [...] ist, [...] aufregende Erfahrungen erschließt, Spannung und den Reiz des ungewis- sen Ausgangs bereithält".

In der Folge sollen nun die beiden Perspektiven 'Gesundheit' und 'Leistung' im Bezug zum Ausdauersport in der Schule betrachtet werden. Zu den unbestrittenen Aufgaben des Schulsports gehört die Förderung der Gesundheit (vgl. Niedersäch- sisches Kultusministerium, 2007, S. 7). Wenn Gesundheitserziehung ein Teilauf- trag der Schule insgesamt ist, lässt sich kaum bestreiten, dass sie in keinem ande- ren Fach besser praktisch werden kann als im Sport. Weil insbesondere bei Aus- dauertätigkeiten ein 'in sich hineinhorchen' auch den SuS' möglich ist, können ver- schiedene Körperreaktionen erfühlt werden. Dies kann zur Folge haben, dass der Umgang mit dem eigenen Körper verbessert werden kann. Weiter kann so auch auf einfache Art und Weise die Trainierbarkeit des Körpers vermittelt werden (vgl. Zeuner, 2009, S. 131). Weitere Aspekte, wie bspw. Prävention, lassen sich zu- sätzlich durch einen gesundheitsorientierten Sportunterricht vermitteln. Dies sind alles wichtige Grundbausteine für eine gesunde Lebensführung. Abschließend zum Thema 'Gesundheit' soll nun noch einmal Kurz (2003, S. 8) zitiert werden: "Gesund können junge Menschen nur aufwachsen, wenn in ihrem Leben insge- samt Bewegung einen angemessenen Platz einnimmt und möglichst jeder Tag Elemente gesundheitsorientierter Bewegung enthält. Das können wir ihnen nicht verordnen, aber wir können es ihnen erklären."

Im Bereich der pädagogischen Perspektive 'Leistung' geht es um das Bestreben, in Leistungssituationen des Sports zu bestehen. D.h. das Leisten zu erfahren und auch auszuleben. Weiter geht es natürlich auch um die Entwicklung der Leistungs- fähigkeit sowie die Einstellung zu dieser (vgl. Kurz, 2003, S. 11). Gerade im Aus- dauersport lässt sich Leistung und Leistungsentwicklung gut analysieren. Es gibt mehrere Leistungstests (Feld-Test, Cooper-Test), welche direkt Rückmeldung auf den jeweiligen Leistungsstand geben können. Zudem lässt sich das Leisten erfah- ren, bspw. bei einem Fahrradergometer-Test oder auch nur nach absolvieren ei- ner bestimmten Strecke, die man per Fahrrad, zu Fuß oder schwimmend bewältigt hat. Somit eignet sich der Ausdauersport besonders, diese beiden Perspektiven im Sportunterricht als Sinngebung zu nutzen. An dieser Stelle sei allerdings an- gemerkt, dass auch andere pädagogische Perspektiven mit Hilfe des Ausdauer- sports umgesetzt werden, bzw. deren wichtigen Zielstellungen vermittelt werden können. Aufgrund der Betrachtung von physiologischen Adaptationen im zweiten Teil dieser Arbeit wurde auf die Betrachtung von weiteren pädagogischen Per- spektiven zur Sinngebung verzichtet, da jeweils einem der beiden Perspektiven 'Gesundheit' und 'Leistung' ein Intensitätsbereich zugeordnet wird. Hierbei ist fest- zuhalten, dass diese Zuordnung der Intensitäten keine allgemeine Gültigkeit be- sitzt. Es wird hier lediglich die Grundannahme gemacht, dass ein Ausdauertraining unter dem Leistungsaspekt eher im höheren Intensitätsbereich, ein Ausdauertrai- ning unter dem Gesundheitsaspekt eher im mittleren Intensitätsbereich stattfindet.

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Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656859550
ISBN (Buch)
9783656859567
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285760
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,3
Schlagworte
Ausdauersport Schule Intensität Trainingswissenschaft

Autor

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Titel: Ausdauersport in der Schule und seine physiologischen Auswirkungen aus pädagogischer Perspektive