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Krafttraining im Kindes- und Jugendalter

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krafttraining im Kindes- und Jugendalter - Begriffsbestimmung

3. Warum ist Krafttraining bereits im Kindes- und Jugendalter notwendig?

4. Krafttraining und physiologische Voraussetzungen im Kindes- und Jugendalter
4.1 Die Entwicklung der Muskeln
4.2 Die Entwicklung der Knochen

5. Vorteile eines angemessenen Krafttrainings im Kindes- und Jugendalter

6. Risiken eines Krafttrainings im Kindes- und Jugendalters

7. Methodik und Trainingspraxis

8. Kraftzirkelübungen für die Schule
8.1 Vorbemerkungen
8.2 Kraftzirkel - Übungen und Hinweise

9. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Muskelkrafttraining ist heute eine der populärsten Trainingsmethoden im Fitness- bzw. Konditionstraining der Erwachsenen. Einerseits soll die sportartspezifische Leistung verbessert werden, andererseits dient das Krafttraining der allgemeinen körperlichen Leistungsverbesserung. Auch im Leistungssport, bspw. im Tennis, ist Krafttraining als ein fester Bestandteil des Trainingsalltags obligatorisch geworden.

Lange Zeit hielt sich aber die Meinung, dass ein im Kindes- und Jugendalter durchgeführtes Krafttraining schädlich sei für die Entwicklung des noch im Wachs- tum befindlichen Organismus (vgl. Fröhlich, 2013, S. 6f.). In letzter Zeit hat sich diese Sichtweise allerdings stark verändert. Siewers (2001, S. 55f.) schreibt dazu: "Betrachtet man die wissenschaftliche Forschung der letzten 10 Jahre, so disku- tiert niemand mehr die generelle Legitimation eines Krafttrainings für Kinder und Jugendliche."

Vielmehr wird sich heut zu Tage darauf konzentriert, welche speziellen Effekte, Nutzen und Risiken ein Krafttraining für Kinder und Jugendliche haben kann. Im- mer im Hinterkopf sollten dabei die physiologischen Unterschiede zwischen Kin- dern und Erwachsenen bleiben, welche speziell diese Auseinandersetzung im Be- reich des Kindes- und Jugendalters rechtfertigen. Weiter hat das gesellschaftliche Interesse an diesen Fragestellungen enorm zugenommen, was seine Begründung auch darin findet, dass gleichzeitig der schlechter werdende Gesundheitszustand der Jugendlichen, durch zu wenig Bewegung im Alltag, mehr und mehr ins Blick- feld rückt.

Die vorliegende Arbeit soll den Nutzen eines angemessen durchgeführten Krafttrainings bei Kindern und Jugendlichen verdeutlichen und zusätzlich Fragen nach zu berücksichtigenden Besonderheiten, potentiellen Risiken sowie Richtlinien für die Trainingspraxis beantworten. Weiter sollen modulare Kraftzirkelübungen für die Schule entwickelt werden, die auch in unterschiedlichen Klassenstufen angewendet werden können. Um diesen Erkenntnisgewinn zu erzielen ist es vorweg von Nöten, den Begriff des Krafttrainings näher zu bestimmen.

2. Krafttraining im Kindes- und Jugendalter - Begriffsbestimmung

Eine präzise Definition von Kraft aus sportwissenschaftlicher Sicht bereitet im Ge- gensatz zu einer rein physikalischen nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Für Schnabel, Harre & Krug (2008, S. 155) drückt sich Kraftfähigkeit darin aus, "Be- wegungswiderstände durch Muskelkontraktion überwinden bzw. äußeren Kräften entgegenwirken zu können." Geeigneter erscheint die Formulierung von Boeckh- Behrens & Buskies (2006, S. 21), wonach physische Kraft "die Fähigkeit des neu- romuskulären Systems [ist], Widerstände zu überwinden (dynamisch- konzentrisch), ihnen entgegenzuwirken (dynamisch-exzentrisch) oder sie zu halten (statisch bzw. isometrisch)."

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Formen der Muskelarbeit (aus Boeckh-Behrens & Buskies, 2006, S. 21)

Der Begriff des Krafttrainings wird als Sammelbegriff für eine übergeordnete Trai- ningsart verwendet, die auf eine generelle Verbesserung der Kraftfähigkeiten zielt. Betrachtet man Krafttraining allerdings differenzierter, so geht es hierbei um vier verschiedene Arten der Kraft und somit auch um unterschiedliche Trainingsfor- men. Zu nennen sind hier als Arten der Kraft: Maximalkraft, Schnellkraft, Kraftaus- dauer und Reaktivkraft (vgl. Hohmann, Lames & Letzelter, 2007, S. 65ff).

Krafttraining bei Kindern und Jugendlichen meint nicht Bodybuilding oder Ge- wichtheben, sondern vielmehr allgemeine Krafttrainingsmethoden, die vor dem Hintergrund der altersspezifischen physiologischen Leistungsfähigkeit des in der Entwicklung befindlichen Körpers ausgewählt und durchgeführt werden müssen. Im Vordergrund stehen hierbei einerseits die Trainierbarkeit der Muskulatur bei gleichzeitiger Vermeidung der Schädigung des passiven Bewegungsapparates (vgl. Menzi, Zahner & Kriemler, 2007, S. 38ff).

3. Warum ist Krafttraining bereits im Kindes- und Jugendalter notwendig?

Schon im Kindeslater finden sich weit verbreitete Formen körperlicher Unterforde- rung, die ursächlich für eine Reihe auf Bewegungsmangel zurückführende Zivilisa- tionskrankheiten sind. Der Alltag der Kinder und Jugendlichen wird immer techni- sierter und folglich wird regelmäßige körperliche Aktivität immer mehr aus dem All- tag verdrängt. Desweiteren ist der Nachmittagsunterricht für Schüler und Schüle- rinnen der 5. und 6. Klassen heutzutage obligatorisch geworden, welcher weiter mögliche Bewegungszeit einschränkt. Folge dieser Entwicklungen sind zuneh- mende Erkrankungen wie Adipositas, Haltungsschäden, Muskelatrophien und Herz-Kreislauf Beschwerden auch und gerade im Kindes- und Jugendalter. Je nach Statistik gelten heutzutage 50 bis 65 Prozent aller Schülerinnen und Schüler als haltungsschwach (vgl. Steinmann, 1988, S. 22; Rotkopf, 2005, S. 5). Folgeer- scheinungen hiervon ist bspw. die mangelnde Kraftfähigkeit, wodurch viele Schü- lerinnen und Schüler nicht mehr in der Lage sind, selbst einfachste Übungen im Sportunterricht durchzuführen. Allein diese Aspekt sind ein Plädoyer für Krafttrai- ning bereits im Kindes- und Jugendalter.

Hinzu kommt das Problem der Übergewichtigkeit. Laut der zwischen 2003 und 2006 durch das Robert-Koch Institut durchgeführten Kinder - und Jugendgesund- heitssurveys (KIGGS), an der insgesamt 17641 Kinder und Jugendliche beiden Geschlechts zwischen null und 17 Jahren teilnahmen, kam es sowohl bei Über- gewichtigkeit als auch bei Adipositas in den letzten Jahren zu einer dramatischen Zunahme. 15 Prozent (1,9 Millionen) der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren leiden unter Übergewicht, 6,3 Prozent (800 000) sind adipös. Vor dem Hintergrund der vergangener Erhebungen aus den 1980er und 1990er Jahren bedeutet dies einen Anstieg des Anteils übergewichtiger und adi- pöser Kinder um 50 Prozent (vgl. Kurth & Schaffrath Rosario, 2007, S. 737). Auch aus diesem Grund ist ein Krafttraining bereits im Kindes- und Jugendalter von Nöten, um frühzeitig ein Muskelkorsett aufzubauen, damit passives in (stoffwechsel)aktives Gewebe umgewandelt werden kann.

4. Krafttraining und physiologische Voraussetzungen im Kindes- und Jugendalter

Trotz der allgemein als positiv zu bewertenden Folgen eines Krafttrainings bereits im Kindes- und Jugendalter kommt es gerade hier auf eine fachlich bzw. fachwis- senschaftlich geleitete Umsetzung an, um eine Vermeidung der durchaus existie- renden Risiken im Falle der Falschanwendung zu gewährleisten. Somit ist die Vo- raussetzung für die Erstellung eines angemessenen Trainingsplanes die Berück- sichtigung des jeweiligen Entwicklungsstadiums des jugendlichen Körpers. Hier geht es vor allem um Leistungsfähigkeit, aber auch um Leistungsunfähigkeit. Ins- besondere gilt es, die entwicklungsbedingten Eigenschaften und Veränderungen der Muskeln sowie der Knochen, die auch und besonders durch den Beginn der Pubertät und der damit verbundenen Testosteronausschüttung eine wesentliche geschlechtsspezifische Komponente beinhalten, zu kennen und entsprechend zu gewichten (vgl. Siewers, 2001, S. 55ff).

4.1 Die Entwicklung der Muskeln

Generell ist festzustellen, das Krafttraining über die gesamte Lebensspanne - also sowohl im Kindes- als auch im Seniorenalter - zu einer Zunahme der Kraft führt (vgl. Mechling 2006, S. 27ff). In der vorpubertären Phase sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der Kraftausprägung noch gering. Der Kraftzuwachs vollzieht sich noch weitestgehend proportional zum Längenwachs- tum. Als Ursache für diesen wird aber in erster Linie ein konstanter Zug der wach- senden Knochen an den Muskeln gesehen (vgl. Menzi et al., 2007, S. 39). Mit dem Einsetzen der Pubertät und der damit verbundenen Testosteronausschüttung findet dann eine entscheidende Muskelhypertrophie verstärkt bei den Jungen statt, welche natürlich auch einen Kraftzuwachs mit sich bringt. Bei den Mädchen findet dieser Prozess weniger stark ausgeprägt statt (vgl. Hollmann & Hettinger, 2000, S. 225). Bei Jungen erhöht sich der Anteil der Muskelmasse am Gesamtkörpervolu- men von vorpubertär ca. 27 % auf ca. 42 %, bei Mädchen auf etwa 36 % (vgl. Siewers, 2007, S. 60).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Zusammenhang von Testosteronniveau und Kraft im Kindes- und Jugendalter (aus Goebel & Stephan, 2007, S. 2).

Die Entwicklung der Kraft aus physiologischer Sicht ist entscheidend von drei Komponenten abhängig. Zu nennen sind hier die Muskelfaserzusammensetzung, der physiologische Muskelquerschnitt und die Länge der Muskeln sowie die inter- und intramuskuläre Koordination (vgl. Menzi et al., 2007, S. 38). Bezüglich der Skelettmuskelfasern ist zwischen slow twitch bzw. roten (Typ I) und fast twitch bzw. weißen (Typ II) zu unterscheiden, deren Verteilung weitestgehend prädispositiv (zu ca. 70 %) festgelegt und durch Training nur geringfügig zu beein- flussen ist (zu ca. 30 %) (vgl. Hollmann & Hettinger, 2000, S. 46).

"Der durchschnittliche Muskelquerschnitt ist normalerweise direkt proportional zur isometrischen Kraft. Dies gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder. Die Kraft im Kindesalter steigt mit zunehmendem Muskelvolumen an." (Pressemitteilung Universität des Saarlandes, 2009, S. 1)

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Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656859970
ISBN (Buch)
9783656859987
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285750
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,3
Schlagworte
Krafttraining Kinder und Jugendliche Training Schule Trainingswissenschaft

Autor

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Titel: Krafttraining im Kindes- und Jugendalter