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Trainingsplanung im Leistungstennis mit Schwerpunkt 'Kondition'

Bachelorarbeit 2012 35 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Trainingswissenschaftliche Grundlagen zur Trainingsplanung
2.1 Zyklisierung des sportlichen Trainings
2.1.1 Trainingseinheit
2.1.2 Mikrozyklus
2.1.3 Mesozyklus
2.1.4 Makrozyklus
2.2 Arbeitsschritte der Trainingsplanung

3. Das Anforderungsprofil im Tennis
3.1 Rahmenbedingungen des Tennissports
3.2 Komponenten sportlicher Leistungsfähigkeit im Tennis
3.2.1 Psychische Fähigkeiten
3.2.2 Koordinative Fähigkeiten
3.2.3 Konstitution, Technik und Taktik
3.2.4 Kondition

4. Trainingsplanung im Leistungstennis
4.1 Planung des Makrozyklus
4.2 Planung der Mesozyklen
4.3 Planung der Mikrozyklen
4.4 Planung der Trainingseinheiten

5. Zukünftige Entwicklung des Leistungstennis
5.1 Wo geht der Weg womöglich hin?
5.2 Konsequenzen für die Trainingsplanung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit Philipp Kohlschreiber, Tommy Haas, Florian Mayer, Tobias Kamke, Benjamin Becker, Björn Phau und Philipp Petzschner befinden sich zur Zeit sieben deutsche Herren unter den Top 100 der Tennis-Weltrangliste (Stand: 17.10.2012, Association of Tennis Professionals (ATP)). Bei den Damen sieht es nicht viel schlechter aus. Hier sind Angelique Kerber, Julia Görges, Sabine Lisicki und Mona Barthel unter den Top 100 der Welt zu finden (Stand: 17.10.2012, Women's Ten- nis Association (WTA)). Mit Angelique Kerber, aktuell auf Platz 6 der Damen- Weltrangliste, gibt es seit den Zeiten der Steffi Graf wieder eine Dame im deut- schen Tennis, die bis in die Weltspitze vorgedrungen ist. Aber auch Tommy Haas sorgte im Jahr 2012 für Furore. Nach über einjähriger Verletzungspause kam der bereits 34-jährige Haas im Mai 2011 auf die ATP Tour zurück und beendete das Jahr 2011 auf Platz 205 der Weltrangliste. In diesem Jahr feierte er ein furioses Comeback auf der Tour, wofür er eventuell sogar als Comeback-Spieler des Jah- res 2012 von der ATP ausgezeichnet wird. Derzeit wird Tommy Haas wieder unter den Top-20-Spielern der Tenniswelt geführt (vgl. Barschel, 2012).

Doch wie ist es möglich, langfristig im Tennis erfolgreich zu sein, bzw. den Weg in die Weltspitze überhaupt zu schaffen? Dafür sind sicherlich mehrere Gründe aus- schlaggebend. Ein Grund wird in dieser Bachelorarbeit näher untersucht. Die Ar- beit geht auf den Bereich der Trainingsplanung im Leistungstennis ein, d.h. zu welcher Zeit und in welchem Zeitraum sollten die entsprechenden Fähig- und Fer- tigkeiten trainiert werden. Speziell im Leistungstennis bilden heutzutage konditio- nelle Fähigkeiten den Grundstein für den Erfolg (vgl. Schönborn, 2010, S. 15f.). Hier wird der Schwerpunkt dieser Ausarbeitung liegen. Zu Beginn wird auf die Trainingswissenschaft zurückgegriffen, um den Begriff 'Trainingsplanung' zu erklä- ren und um die verschiedenen Phasen oder auch Zyklen des Trainings zu ver- deutlichen. Der Schwerpunkt der Betrachtung im Rahmen der Trainingsplanung liegt in dieser Arbeit auf der Zyklisierung. Die Umsetzung einer beispielhaften kon- ditionellen Trainingsplanung erfordert, abseits des Wissens zur Zyklisierung, eine zusätzliche Kenntnis der Arbeitsschritte der Trainingsplanung. Diese werden kurz, im Anschluss an die Zyklisierung, vorgestellt. Um in der Folge eine Verknüpfung der Trainingswissenschaft mit dem Tennissport zu ermöglichen, wird im zweiten Abschnitt dieser Arbeit zunächst das besondere Anforderungsprofil, welches die Sportart Tennis an den jeweiligen Sporttreibenden stellt, herausgearbeitet. An- schließend sollen dann die zu trainierenden, spezifisch konditionellen Anforderun- gen im Tennis mit Hilfe der Zyklisierung sportlichen Trainings über den Zeitraum von einem Jahr dargestellt werden. Weiterhin ist zu letztgenanntem Punkt anzu- merken, dass diese Bachelorarbeit nicht darauf zielt, einen detaillierten Trainings- plan für die Praxis zu entwerfen. Vielmehr geht es darum aufzuzeigen, in welchen Phasen und in welchem Zusammenhang Konditionstraining sinnvoll und notwen- dig ist. Zusätzlich ist ein weiteres Anliegen dieser Arbeit, ein Verständnis für die Notwendigkeit von Trainingsplanung zur Leistungsentwicklung im Profitennis zu schaffen. Aus planerischer Sicht ist es zudem interessant, inwieweit sich der Ten- nissport in den nächsten Jahren womöglich entwickeln bzw. verändern wird und welche Auswirkungen dies auf die zukünftige Trainingsplanung haben könnte. Auf diesen Aspekt wird im letzten Abschnitt näher eingegangen.

Doch bevor man sich mit zukünftigen Entwicklungen der Trainingsplanung im Tennis auseinandersetzen kann, muss erst einmal die jetzige Situation auf Grund- lage der Trainingswissenschaft beleuchtet werden. Die trainingswissenschaftliche Basis der Trainingsplanung und Zyklisierung hierzu wird im nachfolgenden Kapitel geschaffen.

2. Trainingswissenschaftliche Grundlagen zur Trainingsplanung

"Training ist die planmäßige und systematische Realisation von Maßnahmen (Trainingsinhalte und Trainingsmethoden) zur nachhaltigen Erreichung von Zielen (Trainingsziele) im und durch Sport." (Hohmann, Lames & Letzelter, 2007, S. 14f.)

Sportliches Training ist ein komplexer Prozess, in dem mehrere Teilvorhaben mit- einander verknüpft werden müssen. Für die Trainingsplanung ist es deshalb ent- scheidend, alle diese Teilvorhaben auch angemessen zu berücksichtigen (vgl. Schnabel, Harre & Krug, 2008, S. 399). Trainingsplanung bedeutet also in diesem Zusammenhang auch, sportliche Trainingsprozesse vorher gedanklich zu durch- dringen, um sie so in ein abstraktes Planmodell einordnen zu können. Zu beach- ten sind hierbei die Trainingsziele, die Trainingsstruktur und der Trainingsablauf (vgl. Hohmann et al., 2007, S. 178f.).

Die Trainingsstruktur hängt weitgehend von der jeweiligen Sportart bzw. Disziplin ab. Allerdings bedeutet dies nicht, dass allein das Leistungssystem der Sportart dafür verantwortlich ist, wie die Trainingsstruktur aussieht, sondern auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Als weitere Charakterisierung der Trainingsstruktur ist hier bspw. der Anteil an konditioneller und sporttechnischer Ausbildung anzufüh- ren. Zudem müssen Trainingsbestandteile dem Alter und dem Leistungsstand der Trainierenden angepasst werden (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 399f.). Bei den Trainingszielen gilt es zu unterscheiden in Haupt- und Teilziele. Anzumerken ist, dass im Prinzip das gesamte sportliche Training zielgerichtet ist. Diese Zielgerich- tetheit bildet die Grundlage für die Planung des Trainings, da ohne feste Zielvor- stellung keine systematische Planung des Trainingsprozesses möglich ist. Haupt- ziele sind übergeordnete Ziele, auf die das Training in seiner Komplexität ausge- richtet ist. Um gleich den Bezug zum Tennissport herzustellen: Dies wäre bspw. ein Erfolg bei einem der vier Grand-Slam-Turniere, welche von den Weltranglis- tenpunkten und vom Preisgeld her am höchsten dotiert sind. Weiter kann ein Hauptziel aber auch die Steigerung und Stabilisierung der individuellen Leistungs- fähigkeit sein, also ohne 'materiellen' Bezug. Teilziele sind hingegen eher als Zwischenziele anzusehen. Sie dienen dazu, den Weg zu den Hauptzielen zu eb- nen. Ein Beispiel hierfür wäre die kontinuierliche Steigerung der Belastbarkeit oder die Verbesserung der Beinarbeit im Tennis (vgl. Schnabel et al., 2007, S. 203ff). Der Trainingsablauf schließt sowohl die reine Durchführung des Trainings, als auch die Kontrolle und Auswertung des Trainings mit ein (vgl. Hohmann et al., 2007, S. 178).

Um im Trainingsprozess zielgerichtet die Leistungsfähigkeit zu entwickeln, nutzt man ein zeitlich geordnetes System mit längeren und kürzeren Trainingsabschnit- ten. Schnabel, Harre & Krug (2008, S. 416) benennen diesen Aspekt "Zyklisierung des sportlichen Trainings", Olivier, Marschall & Büsch (2008, S. 65) sprechen von "Zyklen der Periodisierung" und Hohmann, Lames & Letzelter (2007, S. 180ff) tei- len diese Trainingsstruktur in lang-, mittel- und kurzfristige Trainingsplanung ein. Alle genannten Autoren sind sich darüber einig, die Trainingsstruktur mit Hilfe von vier zeitlichen Zyklen zu gliedern. Doch unterscheiden sich die jeweiligen Ansätze in ihren Begrifflichkeiten. So entspricht bspw. die Definition des Mesozyklus in Schnabel et al. (2008, S. 425 ff) dem Makrozyklus von Olivier et al. (2008, S. 71).

Aus diesem Grund wird sich in der Folge an die Begrifflichkeiten und Definitionen von Schnabel et al. (2008) gehalten, um Verwechslungen der einzelnen Zyklen auszuschließen. Bevor allerdings die einzelnen Zyklen sportlichen Trainings genauer vorgestellt werden, wird noch kurz ein Bezug zur Entwicklung des Begriffes 'Periodisierung' hergestellt, der als Grundlage der Entwicklung von Zyklisierung im sportlichen Training zu sehen ist (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 417).

Der Begriff der Periodisierung des sportlichen Trainings ist zurückzuführen auf den russischen Trainingswissenschaftler Matwejew. Aus den Untersuchungen von leichtathletischen Werfern im Bezug zur sportlichen Leistungsfähigkeit in Abhän- gigkeit von der Trainingsplanung folgerte er mehrere Aussagen, welche er in sei- nem Standardwerk 'Grundlagen des sportlichen Trainings' veröffentlichte. Ins Deutsche übersetzt worden ist dieses Standardwerk in der DDR in den 60er Jah- ren (vgl. Olivier et al., 2008, S. 65). Platonov schrieb in einem Artikel folgendes zum Thema Periodisierung und Matwejew: "Die Konzeption der Trainingsperiodi- sierung und insbesondere die Varianten ihrer Realisierung während der 70er und 80er Jahre in der UdSSR und in der DDR sind einer von mehreren Bereichen, wo- rin die unbedingte Priorität der osteuropäischen Sportwissenschaft und der von MATWEJEW daran geleistete Anteil von den Fachleuten der ganzen Welt aner- kannt wurde." (Platonov, 1999, S.14)

Der Zusammenhang zwischen Periodisierung und Zyklisierung sportlichen Trai- nings wird in der Folge (Kapitel 2.1.4) näher dargestellt. Vorweg lässt sich festhal- ten, dass diese beiden Systeme in der Theorie und Praxis des sportlichen Trai- nings zum Trainingsaufbau oft den gleichen Begriffsinhalt haben. Schnabel et al. (2008, S. 429) stellen bei näherer Betrachtung fest: Zyklisierung umfasst "eine tie- fer gehende Betrachtung des Trainingsaufbaus in fast allen Realisierungsberei- chen des sportlichen Trainings, einschließlich [...] Hochleistungssport." Zum Be- griff 'Periodisierung' fügen die Autoren hinzu, dass es sich hier speziell um die Ausrichtung des sportlichen Trainings auf einen Höhepunkt im Wettkampfsport handelt.

2.1 Zyklisierung des sportlichen Trainings

Wie im vorigen Abschnitt schon angesprochen, soll es jetzt um die einzelnen Zyk- len des sportlichen Trainings gehen. Der Trainingszyklus ist ein Abschnitt des Trainingsprozesses, der sich in seiner inhaltlichen und belastungstechnischen Struktur wiederholt. Da im Laufe des Trainingsprozesses Leistungsfortschritte das Ziel sind, müssen auch die Zyklen daraufhin angepasst werden bzw. je nach Leis- tungsstand die Trainingsbelastung innerhalb der Zyklen dosiert werden (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 417).

Diese Dosierung der Trainingsbelastung ist auch ein Legitimationsgrund für die Einteilung des Trainingsprozesses in einzelne Zyklen. Kurz-, mittel- und langfristig gesehen muss das Training ein ständig optimales Verhältnis von Beanspruchung und Wiederherstellung gewährleisten. Dieser systematische Wechsel von Belas- tung und Erholung gewährleistet, dass sich der Sportler möglichst optimal an den Trainingsreiz anpassen kann. Durch die Einteilung in Zyklen wird dieser Prozess übersichtlicher. Weiter müssen mehrere Teilvorhaben, wie in der Einleitung von Kapitel 2 bereits erwähnt, zur Herausbildung sportlicher Leistungsfähigkeit be- trachtet werden. Diese sind nicht alle parallel zu realisieren, sondern in gezielten Schritten zu erarbeiten. Zudem spricht für die Einteilung des Trainingsprozesses in Zyklen der Aspekt, dass sportliche Leistungsfähigkeit nicht kurzfristig herauszubil- den ist. Vielmehr geht es darum, diese über einen längeren Zeitraum zu entwi- ckeln (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 417f.). In der Folge werden nun die einzelnen Zyklen zur Einteilung sportlichen Trainings vorgestellt.

2.1.1 Trainingseinheit

Die Trainingseinheit ist das kleinste Element im Trainingsprozess, womit sie gleichzeitig auch kleinste Organisationseinheit der Trainingsstruktur ist. Die Struktur der Trainingseinheit lässt sich zudem wieder als zyklisch charakterisieren. Sie besteht zumeist aus einem Vorbereitungs-, Haupt- und Schlussteil (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 418f.). Die jeweiligen Hauptaufgaben dieser Bestandteile der Trainingseinheit sind in folgender Grafik zusammengefasst.

(Aufgrund der Lesbarkeit sind die Grafiken teilweise außerhalb der Textformatierung.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Hauptaufgaben der Bestandteile einer Trainingseinheit nach Schnabel et al. (2008, S. 419)

Zum Vorbereitungsteil ist anzufügen, dass die zeitliche Aufwendung für diesen Teil im Wesentlichen vom Hauptteil abhängig ist. Werden in der Folge höchste Anfor- derungen an die Schnelligkeit gestellt, so muss auch entsprechend vorbereitet werden. Generell sollte der Vorbereitungsteil ungefähr 20-30% einer Trainingsein- heit ausmachen. Rückblickend auf die Abbildung 1 ist festzuhalten, dass Aspekte wie Vorbelastung, Erwärmung, motorische Einstimmung und psychisch- pädagogische Einstimmung auch für die Einarbeitung in einen Wettkampf gelten. Somit erfüllt der Vorbereitungsteil einer Trainingseinheit sozusagen eine Doppel- aufgabe, da Elemente aus diesem Teil in den Vorbereitungsteil auf einen Wett- kampf mit aufgenommen werden können (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 418ff).

"Maßgeblich für den Hauptteil ist die Aufgabenstellung, die der Trainingseinheit im Rahmen des Mikrozyklus zukommt, in dem sie eingeordnet ist." (Schnabel et al., 2008, S. 420)

Auf die Funktion eines Mikrozyklus wird dann im folgenden Abschnitt näher einge- gangen und dort Bezug zum Hauptteil der Trainingseinheit genommen. Im Haupt teil gilt es aber grundsätzlich die schwierigsten technischen sowie taktischen Her ausforderungen zu meistern und die höchste Trainingsbelastung zu bewältigen. In der Regel dauert der Hauptteil einer Trainingseinheit ca. 50-70% der vorgesehenen Trainingszeit (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 420f.).

Zum Abschlussteil, auch als Ausklang bezeichnet (vgl. Olivier et al., 2008, S. 67), ist anzufügen, dass die Art und Weise der Durchführung wiederum von der Belastung im Hauptteil bedingt ist. Nach intensivem Ausdauertraining ist bspw. 'Auslaufen' sinnvoll, um den Wiederherstellungsprozess zu verbessern. Von der zeitlichen Aufwendung wird dem Abschlussteil zwischen 10-20% der gesamten Trainingseinheit zugewiesen (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 421).

2.1.2 Mikrozyklus

Der Mikrozyklus stellt die nächst höhere Planungsebene dar. Er setzt sich aus mehreren Trainingseinheiten zusammen und wird meist als Wochenzyklus reali- siert. Der Mikrozyklus hat die Funktion, ein optimales Verhältnis von Beanspru- chung und Erholung zwischen den einzelnen Trainingseinheiten zu schaffen. Rückblickend zum Hauptteil der Trainingseinheit lässt sich also festhalten, dass dieser von der jeweiligen Intention bzw. Zielstellung des Mikrozyklus abhängt. Dient der Mikrozyklus der Regeneration, so sind auch die Belastungen der einzel- nen Trainingseinheiten dementsprechend anzupassen. (vgl. Olivier et al., 2008, S. 69f.; vgl. Schnabel et al., 2008, S. 421). Da im Leistungssport eine Vielzahl an Trainingseinheiten innerhalb eines Mikrozyklus stattfinden, muss beachtet werden, dass Trainingsbelastungen sich auf die jeweiligen Funktionssysteme auswirken. Für die Planung ist es deshalb entscheidend, diese Anpassungsvorgänge genau zu kennen, um genügend Zeit zur Regeneration einzuplanen. Weiter ist darauf zu achten, ungünstige Verbindungen von Trainingseinheiten zu vermeiden. Nach Meinung von Schnabel et al. (2008, S. 422) ist dies bspw. "die Verbindung eines hoch beanspruchenden Ausdauertrainings am Vormittag mit einer Trainingseinheit zur Herausbildung sporttechnischer Fertigkeiten am Nachmittag." Augste & Lames (2004, S.1) relativieren diesen negativen Zusammenhang von ungünstigen Trai- ningsverbindungen im Bezug zu den Befunden aus der Grundlagenforschung und laborexperimentellen Untersuchungen von Olivier (1996) wie folgt: "Die vorherr- schende Lehrmeinung, dass das Training beim Lernen einer neuen Bewegungs- technik nur in ausgeruhtem Zustand durchgeführt werden soll, gerät mehr und mehr ins Wanken." Weiter kommen sie in einer Pilotstudie zu ersten Ergebnissen, welche verdeutlichen, dass sich die Lernleistung unter Belastungsbedingungen nicht verschlechtert, teilweise sogar verbessert (vgl. Augste & Lames, 2004, S. 1f.). Demnach ist dieses Planvorgehen innerhalb des Mikrozyklus eher differen- ziert zu betrachten, d.h. diese Verbindungsmöglichkeiten sind nicht von vornherein auszuschließen.

Um einen Mikrozyklus zu konstruieren, müssen aber noch weitere Einflussfaktoren bedacht werden. Inwieweit finden Wettkämpfe innerhalb eines Mikrozyklus statt? Im Rahmen der deutschen Fußball-Bundesliga finden meist die Saisonspiele von Freitag bis Sonntag statt. Eventuell kommt es unter der Woche noch zu Einsätzen auf internationaler Ebene oder zu 'englischen Wochen', in denen auch Spieltage innerhalb der Woche ausgetragen werden. Im Leistungstennis ist es hingegen oft so, dass sich Wettkämpfe im optimalen Fall über zwei Wochen hinziehen. In die- sem Zeitraum von 14 Tagen bestreitet ein Topspieler jeden zweiten Tag ein Match. Beim Aufbau von Mikrozyklen im Leistungssportbereich sind weiter Reise- zeiten zu berücksichtigen. Schnabel et al. (2008, S. 424) stellen zusammenfas- send fest, "dass es keine universelle Struktur des Mikrozyklus gibt, da diese von zu vielen Einflussgrößen abhängig ist." Dennoch ist es möglich, verschiedene Ar- ten von Mikrozyklen zu unterscheiden, welche als einleitende, grundlegende, Wettkampfvorbereitungs-, Wettkampf- und Wiederherstellungs-Mikrozyklen be- zeichnet werden können (vgl. Schnabel et al., 2008, S. 424).

2.1.3 Mesozyklus

Der Mesozyklus setzt sich nun wieder aus mehreren Mikrozyklen zusammen. Hauptaufgaben des Mesozyklus sind sowohl die zweckmäßige Steuerung des Effekts der zusammengeschlossenen Mikrozyklen als auch die Gewährleistung eines optimalen Belastungs-Beanspruchungs-Wiederherstellungsverhältnisses dieser. Hier ist anzufügen, dass innerhalb der Mikrozyklen zwar ein ausgeglichenes Verhältnis von Beanspruchung und Erholung vorliegen soll, dennoch über einen längeren Zeitraum sportlichen Trainings mit hohen Anforderungen eine 'Aufstockung' von Ermüdung möglich sein kann.

[...]

Details

Seiten
35
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656858546
ISBN (Buch)
9783656858553
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285744
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,3
Schlagworte
Tennis Trainingsplanung Kondition Periodisierung Zyklisierung Training Ausdauer

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