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Die Währungspolitik Chinas im Wandel

Bachelorarbeit 2014 57 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Währungspolitik (made) in China
2.1 Das Trilemma des Wechselkursregimes
2.2 Phasen und Ziele der chinesischen Währungspolitik seit 1978
2.3 Analyse des chinesischen Devisenbestands
2.4 Ist der Renminbi fair bewertet?
2.4.1 Der reale effektive Wechselkurs des Renminbi
2.4.2 Das Konzept der absoluten Kaufkraftparität
2.4.3 Studien zur Untersuchung einer Unterbewertung des Renminbi

3 Ziele und Instrumente der chinesischen Währungspolitik
3.1 Der Zusammenhang zwischen Devisengeschäften und Geldpolitik
3.2 Die Rolle der Sterilisation in Chinas Währungspolitik
3.2.1 Sterilisationsinstrumente der PBC
3.2.2 Die zunehmende Bedeutung des Mindestreservesatzes
3.2.3 Wo liegen die Grenzen der Sterilisationspolitik?
3.3 Die Rolle der Zinsen in Chinas Währungspolitik
3.3.1 Die Steuerung des Kredit- und Einlagenzinses
3.3.2 Gewinner und Verlierer der bisherigen Zinspolitik
3.3.3 Die Liberalisierung der Zinsen in China
3.4 Die Rolle der Kapitalkontrollen in Chinas Währungspolitik
3.4.1 Risiken unkontrollierter Kapitalflüsse
3.4.2 Funktionsweise der Kapitalkontrollen in China
3.4.3 Die Liberalisierung der chinesischen Kapitalbilanz

4 Herausforderungen für die chinesische Währungspolitik
4.1 Das Spannungsverhältnis mit dem Ausland
4.2 Das Spannungsverhältnis im Inland
4.4 Herausforderungen für Chinas neue politische Spitze
4.3 Der Übergang zum freien Wechselkurs – was kann China von Japan lernen?

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Der Big Mac-Index (2003 - 2014)

Tabelle 2: Studien zur Schätzung einer Unterbewertung des Renminbi

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Trilemma des Wechselkursregimes

Abbildung 2: Renminbi / US-Dollar Wechselkurs (1978 - 2014)

Abbildung 3: Renminbi / US-Dollar Wechselkurs (2005 – 2014)

Abbildung 4: Chinas Bestand an US-Staatsanleihen (2003 - 2014)

Abbildung 5: Entwicklung der chinesischen Handelsbilanz (2003 - 2013)

Abbildung 6: Veränderung der chinesischen Devisenreserven (1994 - 2013)

Abbildung 7: Realer effektiver Wechselkurs (2008 - 2014)

Abbildung 8: Die absolute Kaufkraftparität des Renminbi auf Basis des VPI

Abbildung 9: Veränderung des Geldmengenaggregats M2 (2000 - 2014)

Abbildung 10: Sterilisationsinstrumente der PBC

Abbildung 11: Mindestreservesatz für Geschäftsbanken (1993 - 2013)

Abbildung 12: Zinsstrukturkurven von US-T-Bills (3M / 1J / 10J) seit 2004

Abbildung 13: Einlagen- und Kreditzinsbenchmark (2004 - 2014)

Abbildung 14: Entwicklung der Verbraucherpreisinflation (2004 – 2014)

Abbildung 15: Ausländische Direktinvestitionen nach China (1990 - 2013)

Abbildung 16: Handelsbilanzdefizit der USA mit China (2005 - 2014)

Abbildung 17: Entwicklung des HPI in Shenzhen (M / M) (2009 - 2014)

Abbildung 18: Japanischer Yen / US-Dollar Wechselkurs

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

China befindet sich seit 1980 in einem wirtschaftlichen Aufholprozess. Mit durchschnittlichen Wachstumsraten von über zehn Prozent auf jährlicher Basis hat die Volksrepublik in der jüngeren Vergangenheit Japan und Deutschland hinsichtlich der Größe des Bruttoinlandsprodukts überholt und sich den Titel des Exportweltmeisters gesichert. Die Entwicklung, welche China auf seinem Weg zur Industrienation durchlaufen hat, ist beeindruckend. Die heute zweitstärkste Wirtschaftsnation der Welt trägt rund 11,5 Prozent zum globalen BIP bei. Doch das starke, besonders vom Export getriebene Wachstum hat nicht nur positive Folgen für die chinesische Wirtschaft. Die hierdurch entstehenden Handelsbilanzüberschüsse und Währungsreserven sind immer wieder der Brennpunkt angespannter Diskussionen. Von 2003 bis 2013 hat sich der Bestand an Währungsreserven verzehnfacht und liegt heute bei einem Wert von rund vier Billionen US-Dollar. [CEIC Data 2014] Diese enorme Anhäufung ist das Resultat einer Währungspolitik, in der die Stabilisierung des Renminbi lange Zeit im Fokus stand. Die hierzu notwendigen Interventionen der chinesischen Zentralbank (PBC) sorgen für Spannungen mit dem Ausland und erregen die internationale Kritik, dass China den Wechselkurs des Renminbi absichtlich manipuliere, um sich Vorteile im Welthandel zu verschaffen. Doch nicht nur das Spannungsverhältnis mit dem Rest der Welt bereitet der chinesischen Regierung Sorge. Auch im Inland entstehen schwerwiegende negative Effekte, die eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der chinesischen Wirtschaft darstellen. Die Gefahren einer wirtschaftlichen Überhitzung und starker Inflation werden immer präsenter. Besorgniserregend ist insbesondere die Preisentwicklung im chinesischen Immobilienmarkt. Bislang ist es China noch immer gelungen, die Kontrolle über die Geldpolitik und die wirtschaftliche Entwicklung durch einen Mix aus Sterilisationsoperationen, einer angepassten Zinspolitik und strikten Kapitalkontrollen zu erhalten. Ausgelöst durch den ansteigenden in- und ausländischen Druck zeichnet sich in China jedoch seit 2005 ein erneuter währungspolitischer Wandel ab, der mit wirtschaftlichen Reformen und einer graduellen Aufwertung des Renminbi einhergeht. Das Bestreben Chinas neuer politischer Spitze, die seit Anfang 2013 im Amt ist, liegt vor allem darin, das Wachstum vom Export zu entkoppeln und die Wechselkursfindung näher an ein marktbasiertes System zu bringen. Aktuell befindet sich die Währungspolitik an einem Scheitelpunkt, doch noch ist China den Schritt zur freien Wechselkursfindung nicht gegangen. Zu groß ist die Sorge vor einem nachhaltigen Einbruch des Wachstums.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, dem Leser einen Überblick über die Währungspolitik Chinas zu geben und ein grundlegendes Verständnis für deren Ziele und Instrumente zu entwickeln. Der Fokus wird dabei auf der aktuellen Phase der Währungspolitik liegen. Hierzu werden verschiedene Faktoren analysiert, die den Paradigmenwechsel der chinesischen Währungspolitik seit 2005 vorantreiben. Vor allem wird die Frage geklärt werden, welche Probleme und Gefahren die Fortsetzung der aktuellen Währungspolitik birgt. Basierend auf diesen Erkenntnissen werden zukünftige Herausforderungen und wichtige Lehren in Bezug auf die chinesische Währungspolitik identifiziert.

1.3 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 2 werden die Grundlagen für das Verständnis der chinesischen Währungspolitik gelegt. Hierzu wird zunächst auf Chinas Wahl des Wechselkursregimes eingegangen. Anschließend werden die verschiedenen Phasen der Währungspolitik am Renminbi / US-Dollar Wechselkurs erläutert. Ausgehend von der Beobachtung massiver Devisenmarktinterventionen durch die PBC wird der chinesische Devisenbestand analysiert und der Frage nachgegangen, ob der Renminbi fair bewertet ist. In Kapitel 3 wird zunächst der Zusammenhang zwischen Devisengeschäften und der Geldpolitik erläutert. In den nachfolgenden Abschnitten werden anschließend die einzelnen von der PBC verwendeten geldpolitischen Instrumente vorgestellt und deren Rolle in der Währungspolitik erläutert. Der Kern der Arbeit liegt in Kapitel 4. Aufbauend auf den beiden vorangegangenen Kapiteln werden zukünftige Herausforderungen für die chinesische Währungspolitik identifiziert. Dabei werden die hierdurch entstehenden Spannungsverhältnisse im In- und Ausland separat voneinander betrachtet und Kernprobleme herausgearbeitet. Aus diesen Erkenntnissen werden die Herausforderungen für Chinas neue politische Spitze abgeleitet. Am Ende dieses Kapitels werden Parallelen zu Japans währungspolitischem Umbruch zwischen 1970 und 1973 gezogen und wichtige Erkenntnisse und Lehren aus Japans Erfahrung auf China übertragen. Im letzten Kapitel werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal zusammengefasst und es wird ein Ausblick auf die währungspolitische Zukunft Chinas gegeben.

2 Währungspolitik (made) in China

Im folgenden Kapitel wird zunächst der Grundstein für das Verständnis über die chinesische Währungspolitik gelegt. Hierzu wird auf das Trilemma eingegangen, dem China bei der Wahl des Wechselkursregimes ausgesetzt ist. Darauf aufbauend werden die verschiedenen Phasen, welche die chinesische Währungspolitik seit 1978 durchlaufen hat, anhand des historischen Renminbi / US-Dollar Wechselkurses erläutert. Ausgehend von der Phase des Festkurssystems und dem Vorwurf der Währungsmanipulation werden der chinesische Devisenbestand und der Wechselkurs des Renminbi in den darauffolgenden Abschnitten analysiert.

2.1 Das Trilemma des Wechselkursregimes

Das Trilemma des Wechselkursregimes ist eine grundlegende Erkenntnis aus dem Mundell-Fleming-Modell, welches Marcus Fleming und Alexander Mundell in den Jahren 1962 / 1963 jeweils unabhängig voneinander entwickelt haben. Es beschreibt einen Interessenkonflikt, dem jede offene Volkswirtschaft bei der Wahl des jeweiligen Wechselkursregimes ausgesetzt ist. Aufgrund der entscheidenden Abhängigkeit der Wirkungsweise wirtschaftspolitischer Maßnahmen vom Wechselkursregime ist dessen Wahl eine zentrale Problematik, der sich die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger eines Landes stellen müssen. Vereinfacht wird das Trilemma in der Fachliteratur häufig als Dreieck dargestellt. Wie in Abbildung 1 illustriert, muss sich eine Volkswirtschaft immer für eine Seite des Dreiecks entscheiden. Basierend auf der Wahl ist es möglich, über zwei von drei institutionellen Eigenschaften zu verfügen. Folglich muss die Eigenschaft auf der gegenüberliegenden Seite aufgegeben werden.

Abbildung 1: Das Trilemma des Wechselkursregimes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an [Mankiw 2011, S. 463]

Durch die Wahl von Option eins (vgl. Abb. 1) entscheidet sich ein Land für freie Kapitalströme und eine unabhängige Geldpolitik. Beispiele für diese Form eines Wechselkursregimes sind die Vereinigten Staaten und die Europäische Währungsunion. Der Vorteil dieser Option liegt hauptsächlich im Erhalt der eigenständigen Geldpolitik. Hierdurch obliegt es den Zentralbanken, die volle Kontrolle über die Geldmengenentwicklung im Inland auszuüben und flexibel auf Schocks zu reagieren. [Schnabl 2009, S. 11 ff.] Länder, die sich für diese Option entscheiden, haben zwangsweise einen flexiblen Wechselkurs und müssen einen gewissen Grad an Wechselkursvolatilität hinnehmen. Dies ist notwendig, um ein Gleichgewicht auf dem Devisenmarkt herzustellen. [Mishkin 2013, S. 510 ff.] Entscheidender Faktor für die Intensität der Wechselkursvolatilität ist die Offenheit einer Volkswirtschaft. Offene Volkswirtschaften, die sich durch eine hohe Außenhandelsquote[1] auszeichnen, sind konjunkturell besonders anfällig für Wechselkursschwankungen. Aus diesem Grund werden sie sich tendenziell gegen ein Regime völlig freier Wechselkurse entscheiden.

Bei Option zwei (vgl. Abb. 1) entscheidet sich die betreffende Volkswirtschaft für freien Kapitalverkehr und einen festen Wechselkurs. Als Beispiel dient hier die von der Volksrepublik China als Sonderverwaltungszone eingerichtete Metropole, Hongkong. Das von Honkong gewählte Wechselkursregime ist ein stark institutionalisiertes System fester Wechselkurse, welches als „Currency Board“ (Währungsbehörde) bezeichnet wird. Die Vorteile eines solchen Systems liegen in der niedrigen Inflationsgefahr und der damit verbundenen hohen Geldwertstabilität. Zudem soll die starke Institutionalisierung dazu beitragen, Vertrauen auf den internationalen Finanzmärkten aufzubauen. Zugunsten eines festen Wechselkurses muss die betreffende Volkswirtschaft allerdings die Fähigkeit aufgeben, eine unabhängige Geldpolitik zu betreiben und die eigene Währung an eine Leitwährung koppeln. [Mankiw 2011, S. 462 ff.] Das Ziel der Geldpolitik solcher Volkswirtschaften besteht allein darin, die Geldmenge so anzupassen, dass sich der Wechselkurs stets innerhalb der festgelegten Schwankungsbreite zur Leitwährung bewegt. Häufig – so auch im Fall von Hongkong – koppeln derartige Wechselkursregime ihre Währung an den US-Dollar und adaptieren dadurch quasi die Geldpolitik der Vereinigten Staaten. Der Hongkong-Dollar ist mit einer gewissen Schwankungsbandbreite um den Kurs von 7,80 HKD pro USD bereits seit 1983 fest an den US-Dollar gekoppelt. [Finanzen online 2014] Das Aufgeben der eigenständigen Geldpolitik als wichtiges Instrument zur Steuerung der Konjunktur ist gleichzeitig eine der größten Schwächen dieser Art von Regime. Ergänzend sind die Gefahr von importierter Inflation, sowie die starke Anfälligkeit für spekulative Währungsangriffe, kritische Punkte, die bei der Wahl des Regimes mit ins Kalkül einbezogen werden müssen.

Für Option drei (vgl. Abb. 1) entscheiden sich Volkswirtschaften, die eine unabhängige Geldpolitik bei einem festen Wechselkurs anstreben. China verfolgte Mitte der neunziger Jahre durch die Koppelung des Renminbi an den US-Dollar zweitweise ein solches Regime. Statt des Verzichts auf eine unabhängige Geldpolitik entschied sich China für eine Beschränkung internationaler Kapitalströme. Der Leitzins Chinas bestimmt sich dadurch nicht wie bei Option zwei durch den Weltzinssatz, sondern wird indirekt durch die Regierung festgelegt. In diesem Fall würden unterschiedlich hohe Zinssätze im In- und Ausland normalerweise zu starken Kapitalzuflüssen oder Kapitalabflüssen führen. Durch strikte Kapitalkontrollen ist es China allerdings gelungen, sich vor diesem Phänomen zu schützen und die inländische Geldmenge relativ konstant zu halten. Bis heute ist die chinesische Währungspolitik jedoch einer starken internationalen Kritik ausgesetzt. Insbesondere vonseiten der USA wird China vorgeworfen, den Kurs seiner Währung zu manipulieren und sich so einen Vorteil im internationalen Wettbewerb zu verschaffen. Gestützt wird diese Kritik insbesondere durch die Beobachtung eines massiven Aufbaus von US-Dollar-Devisenreserven. Seit Mitte 2005 ist in China ein erneuter währungspolitischer Wandel erkennbar, der mit einer schrittweisen Aufwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar einhergeht. [Mankiw 2011, S. 462 ff.]

2.2 Phasen und Ziele der chinesischen Währungspolitik seit 1978

Die Währungspolitik Chinas seit 1978 ist in vier Phasen unterschiedlicher währungspolitischer Zielsetzungen unterteilbar. Die einzelnen Phasen werden durch den Wechselkurs des Renminbi zum US-Dollar in Abbildung 2 veranschaulicht. Nach einer über zwei Dekaden andauernden Periode einer starken Überbewertung des Renminbi als Teil einer Industrialisierungsstrategie der Regierung vollzieht sich in China seit dem Jahr 1979 ein währungspolitischer Wandel. Gekennzeichnet ist dieser Wandel durch zahlreiche Außenhandelsreformen, die auf eine sukzessive Abwertung des Renminbi abzielen, und die Währung näher an ein marktbasiertes System rücken sollen. Eine grundlegende Voraussetzung für den Richtungswechsel bildete die Lockerung der Kontrollen des Handels und anderer Transaktionen, die Chinas Leistungsbilanz betreffen. Der erste Schritt der inkrementellen Reformen bestand in der Einführung eines „Foreign Exchange Retention Systems“ (Aufbewahrungssystem für Devisen), welches chinesischen Unternehmen erlaubte, einen gewissen Anteil ihrer Deviseneinnahmen einzubehalten. [Goldstein und Lardy 2009, S. 3 ff.]

Abbildung 2: Renminbi / US-Dollar Wechselkurs (1978 - 2014)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Darstellung basiert auf [BIS Paper 2008]; Daten entnommen aus: [Fxtop 2014a]

Die erste Phase der chinesischen Währungspolitik umfasst den Zeitraum von 1978 bis 1985 (vgl. Abb. 2). Gezeichnet ist diese Zeitspanne in erster Linie durch zwei wichtige Ereignisse in Bezug auf Chinas Wechselkurs. Zum einen führte die Einrichtung des Aufbewahrungssystems für Devisen zur Entstehung sogenannter „Foreign Exchange Swap Center“ (Märkte für Devisenswaps). Die Märkte für Devisenswaps ermöglichten es Exportunternehmen, ihren Bedarf an ausländischen Devisen auszugleichen und trugen auf diese Weise zur Stärkung der chinesischen Exportindustrie bei. Zum anderen wurde durch die Einführung der „Internal Settlement Rate“ (interner Verrechnungssatz) im Jahre 1981 ein wichtiger Meilenstein hinsichtlich des Ziels einer marktorientierteren Wechselkursfindung gesetzt. Der interne Verrechnungssatz wurde mit einem festen Kurs von 2,8 RMB pro USD auf alle handelsbezogenen Transaktionen angewandt. Nebenher existierte der offizielle Wechselkurs, welcher mit einem Wert von 1,5 RMB pro USD willkürlich von der Regierung festgelegt wurde und weiterhin für alle nicht handelsbezogenen Transaktionen (beispielsweise ausländische Direktinvestitionen) galt. Intern bestand das chinesische Wechselkurssystem in dieser Phase demzufolge aus zwei unterschiedlichen Wechselkursen. Wie in Abbildung 2 veranschaulicht, wurde der offizielle Wechselkurs seit 1981 stufenweise abgewertet, bis Ende des Jahres 1984 schließlich das Niveau des internen Verrechnungssatzes erreicht wurde. Das Gleichziehen des offiziellen Wechselkurses veranlasste die chinesische Regierung schließlich zur Abschaffung des internen Verrechnungssatzes. Sämtliche Transaktionen wurden ab diesem Zeitpunkt zum offiziellen Wechselkurs abgewickelt. [Goldstein und Lardy 2009, S. 3 ff.]

In der zweiten Phase, welche sich auf den Zeitraum von Anfang 1985 bis Ende 1993 bezieht, setzt China sein System eines dualen Wechselkurses fort (vgl. Abb. 2). Der interne Verrechnungssatz war aufgehoben, jedoch wurden die Märkte für Devisenswaps weiterhin von der Regierung betrieben. [Goldstein und Lardy 2009, S. 3 ff.] Während der offizielle Wechselkurs als „Crawling Peg“ (gleitende Parität) gegenüber dem US-Dollar allmählich kontrolliert abgewertet wurde, bestimmte sich der Wechselkurs auf den Märkten für Devisenswaps über Angebot und Nachfrage. Die stufenweise Abwertung des Renminbi begünstigte die bestehenden wirtschaftspolitischen Ziele Chinas, welche hauptsächlich auf die Stärkung des Exportsektors und die Einschränkung von Importen abgestimmt waren. [Li-Gang 2010, S. 2] Anfang 1994 entschied die chinesische Regierung, beide Wechselkurse zu vereinigen und wertete den offiziellen Wechselkurs in einem einzigen Eingriff massiv ab. Der so entstandene offizielle Wechselkurs von 8,7 RMB pro USD war eine Abwertung des vorangegangenen Kurses (5,28 RMB pro USD) von fast 50 Prozent (vgl. Abb. 2). Das Verschmelzen beider Kurse stellt gleichzeitig den Übergang in die nächste Phase des Wechselkursregimes dar.

Die dritte Phase der chinesischen Währungspolitik überdauert annähernd eine Dekade, in der diverse Wirtschaftskrisen in Asien (1997 / 98), Russland (1998 / 99) und Argentinien (1998 - 2002) die Weltwirtschaft in Atem hielten. Im ersten Abschnitt dieser Phase erfuhr der Renminbi eine leichte Aufwertung von 4,8 Prozent bis im Oktober 1997 ein Kurs von 8,28 RMB pro USD erreicht wurde. Ab diesem Zeitpunkt bis zum Beginn der Reformen im Juli 2005 wurde die chinesische Währung fest an den US-Dollar gekoppelt (vgl. Abb. 2). [Goldstein und Lardy 2009, S. 3 ff.] Finanzieren konnte China sein Festkurssystem durch hohe Leistungsbilanzüberschüsse, welche weitestgehend auf billige Exporte zurückzuführen waren. Der erwartete Nutzen einer Fixierung des Renminbi lag insbesondere in der Gewährleistung einer stabilen Währung, dem damit verbundenen Aufbau von Vertrauen und der Stärkung des Exportsektors. Bedingt durch strenge Kapitalkontrollen, die volatile Portfolioinvestitionen nur in sehr geringem Umfang zuließen, trug Chinas Wechselkursregime auch zu Zeiten der Asienkrise erheblich zur wirtschaftlichen Stabilität des Landes bei. Der größte Anteil ausländischen Kapitals in China bestand aus langfristigen Direktinvestitionen, wodurch sich der Abfluss spekulativen Geldes im Gegensatz zu den umliegenden Volkswirtschaften in Grenzen hielt. [Friedrich-Ebert-Stiftung 1999] Die chinesische Wirtschaft blieb so weitestgehend von den Auswirkungen der Asienkrise verschont.

Eingeleitet wurde die jüngste (aktuelle) Phase der Währungspolitik durch erneute Reformen im chinesischen Wechselkursregimes. Am 21. Juli 2005 kündigte die PBC das Ende des bis dato bestehenden Festkurssystems an: „Starting from July 21, 2005, China will reform the exchange rate regime by moving into a managed floating exchange rate regime based on market supply and demand with reference to a basket of currencies. RMB will no longer be pegged to the US dollar and the RMB exchange rate regime will be improved with greater flexibility.” [PBC Online 2005] Unter dem steigenden Druck aus dem In- und Ausland löste die PBC die feste Koppelung des Renminbi an den US-Dollar und band den Wechselkurs an einen Korb verschiedener Währungen. Grundsätzlich wird die Bindung des Renminbi an einen Korb aus unterschiedlichen Währungen als Schritt in Richtung freie Wechselkursfindung gesehen. Dennoch wird die Gewichtung der einzelnen Währungen, welche nicht durch die PBC bekannt gegeben wurde, bis heute kontrovers diskutiert. Kritisiert wird insbesondere die starke Gewichtung des US-Dollar, welche nach Schätzungen von TAC aus dem Jahr 2005 rund 33 Prozent ausmacht. Zu den Hauptwährungen des Korbs gehören neben dem US-Dollar der japanische Yen, der koreanische Won und der Euro. [TAC 2005]

Mit Beginn der Reform von 2005 erfuhr der Renminbi zunächst eine Aufwertung von 2,1 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Nachfolgend wurde der Renminbi bis Juli 2008 in kontrollierten Schritten um weitere 18,7 Prozent aufgewertet und erreichte schließlich einen Wechselkurs von 6,83 RMB pro USD (vgl. Abb. 3). Grundsätzlich bestimmte sich dieser Wechselkurs durch Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt. Bei Bedarf konnte die Zentralbank jedoch jederzeit eingreifen und den Kursverlauf anpassen. Anstelle einer vollständigen Flexibilisierung gestattete die PBC eine Schwankung des Wechselkurses gegenüber dem Währungskorb von bis zu 0,3 Prozent auf täglicher Basis. Im Rahmen der fortschreitenden Flexibilisierung des Renminbi wurde die tägliche Schwankungsbreite in den folgenden Jahren schrittweise von 0,3 Prozent auf 0,5 Prozent (Mai 2007), ein Prozent (April 2012) und schließlich auf zwei Prozent (März 2014) angehoben. [Li 2014]

Abbildung 3: Renminbi / US-Dollar Wechselkurs (2005 – 2014)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung; Daten entnommen aus: [Fxtop 2014a]

Wie Abbildung 3 zeigt, kam die Aufwertung des Renminbi von Mitte 2008 bis Mitte 2010 bei einem Kurs von 6,83 RMB pro USD zum Stillstand. Die PBC begründete diesen groben Bruch ihrer Aufwertungsstrategie mit der rückläufigen internationalen Nachfrage nach chinesischen Gütern als Folge der internationalen Finanzkrise von 2007. [Morrison und Labonte 2013, S. 2 ff.] Zum Schutz der Exportindustrie, welche 2008 einen Anteil von knapp 36 Prozent des chinesischen BIP ausmachte, wurde der Renminbi erneut an den US-Dollar gekoppelt. [Financial Times Online 2014] Im Juni 2010 entschied die PBC, die Flexibilisierung des Renminbi aufgrund der verbesserten gesamtwirtschaftlichen Lage fortzusetzen. Von Mitte 2010 bis 2014 wertete der Renminbi etappenweise weitere 12,7 Prozent auf, bis der Wert des Wechselkurses im Januar 2014 einen neuen Höchststand von 6,05 RMB pro USD erreichte (vgl. Abb. 3). Wie Abbildung 3 zeigt, verzeichnete die Währung im Zeitraum von Januar bis April 2014 eine leichte Abwertung von rund 2,9 Prozent. Diese ist allerdings nicht auf Devisenmarktinterventionen der PBC zurückzuführen, sondern ist das Resultat eines kurzzeitigen, unerwarteten Einbruchs chinesischer Exporte um 18,1 Prozent, bei einer gleichzeitigen Erhöhung der Importe um 10,1 Prozent.

An dieser Stelle ist kritisch anzumerken, dass in diesem Abschnitt nur nominale Veränderungen des Wechselkurses untersucht wurden. Unterschiedliche inflationäre Entwicklungen in beiden Ländern wurden nicht berücksichtigt. Eine höhere Inflationsrate in China als in den USA hat beispielsweise den gleichen Effekt auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Exportgüter, wie eine Aufwertung des nominalen Wechselkurses. Die Verwendung des realen Wechselkurses (RER), in welchem unterschiedliche inflationäre Entwicklungen berücksichtigt werden, kann in diesem Fall zu einer genaueren Messung des Wechselkurses führen. Allerdings ist auch die Aussagekraft dieser Kennzahl eher beschränkt, da dem RER ein bilaterales Wechselkursverhältnis zugrunde liegt. Eine Verbesserung lässt sich durch die Verwendung des realen effektiven Wechselkurses (REER) erreichen. Im Unterschied zum RER wird durch den REER der Wert einer Währung gegenüber einem gewichteten Durchschnitt mehrerer ausländischer Währungen gemessen. [Catão 2007, S. 46 ff.] Der reale effektive Wechselkurs des Renminbi wird in Abschnitt 2.4 genauer analysiert.

2.3 Analyse des chinesischen Devisenbestands

Wie bereits in Abschnitt 2.1 erwähnt, steht China in der Kritik, seine Währung absichtlich zu manipulieren. Eine der wichtigsten Beobachtungen in dieser Hinsicht ist der Aufbau von US-Dollar-Devisenreserven, welcher seit 2003 massiv zugenommen hat. Zum Ende des Jahres 2013 erreichte der Bestand an Devisenreserven in China ein Rekordhoch von 3,82 Billionen US-Dollar (vgl. Abb. 5).

Abbildung 4: Chinas Bestand an US-Staatsanleihen (2003 - 2014)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung; Daten entnommen aus [U.S. Department of the Treasury 2014b]

Welchen Anteil US-Dollar-denominierte Anlagen bilden, ist offiziell nicht bekannt. Ein guter Indikator für das Ausmaß ist jedoch der Ankauf an US-Staatsanleihen, welcher Ende 2013 alleine mehr als ein Drittel des gesamten Devisenbestands ausmachte (vgl. Abb. 4). Schätzungen des U.S. Department of the Treasury zufolge bilden in US-Dollar denominierte Anlagen insgesamt rund zwei Drittel dieses enormen Reservebestandes. Der massive Aufbau ist vorwiegend auf zwei Faktoren zurückzuführen: Zum einen versucht die chinesische Regierung durch ihre Währungspolitik den Wert des Renminbi relativ stabil zu halten und eine Aufwertung möglichst graduell auszurichten. Diese Strategie gibt den chinesischen Unternehmen die Möglichkeit der Anpassung an den währungspolitischen Wandel. Zudem sollen auf diese Weise Schocks an den Aktien- und Immobilienmärkten vermieden werden, welche die chinesische Wirtschaft in eine Rezession führen könnten. Zum anderen erzielt China seit Jahren extrem hohe Handelsbilanzüberschüsse (vgl. Abb. 5). Unter der Annahme einer starken Unterbewertung würden die Handelsbilanzüberschüsse bei einer vollständigen Flexibilisierung des Wechselkurses zu einer abrupten Aufwertung führen. In diesem Fall wären die Auswirkungen auf den chinesischen Exportsektor und den Arbeitsmarkt verheerend. Der Handelsbilanzüberschuss zwingt China gewissermaßen, in den Devisenmarkt einzugreifen, um den Renminbi stabil zu halten. Abbildung 5 veranschaulicht die Handelsbilanzüberschüsse sowie den Bestand an Devisenreserven zum Ende des jeweiligen Jahres.

Abbildung 5: Entwicklung der chinesischen Handelsbilanz (2003 - 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung; Daten entnommen aus [Statista 2014]

Die massiven Devisenmarktinterventionen sind außerdem der Hauptgrund für das Spannungsverhältnis zwischen China und seinen Handelspartnern. Der Ankauf von US-Dollar-Devisen führt durch die erhöhte Nachfrage dazu, dass der Renminbi gegenüber dem US-Dollar abgewertet wird. Die künstliche Schwächung des Renminbi verbessert wiederum die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Güter im internationalen Handel und heizt den Export an. Allgemein ist bekannt, dass China in der Vergangenheit eine solche Politik phasenweise zur Sicherstellung einer hohen Exportrate und des damit verbundenen Wirtschaftswachsums verfolgte. Dieses Verhalten wird von anderen Ländern als unfaire Wettbewerbsverzerrung gesehen. Einige Kritiker machen die chinesische Währungspolitik in diesem Zusammenhang für die starken Handelsbilanzdefizite und die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt in den USA verantwortlich. Diese These ist allerdings nicht verifiziert und wird in Abschnitt 4.1 diskutiert. Fest steht jedoch: Eine künstliche Verbilligung der Währung hat nicht nur positive Folgen für die chinesische Wirtschaft. Die kontinuierlich steigenden Exportraten zwingen die PBC zu immer größeren Devisenmarktinterventionen. Während die Devisenreserven lange Zeit positiv zur Wirtschaftsentwicklung sowie der Abwehr von Finanzkrisen beigetragen haben, werden sie zunehmend zu einer Belastung für China. Dies liegt vor allem an den hiermit verbundenen steigenden Kosten. Abbildung 6 stellt die Veränderung der chinesischen Devisenreserven (rechts) und den Gesamtbestand an Devisen (links) grafisch dar.

Abbildung 6: Veränderung der chinesischen Devisenreserven (1994 - 2013)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung; Daten entnommen aus [CEIC Data 2014]

Es besteht die Befürchtung, dass der PBC durch die Devisenakkumulation die Kontrolle über die Geldpolitik im Inland entgleiten könnte und es zu einer Überhitzung der Wirtschaft kommt. Mit steigendem Bestand an US-Dollar-Devisenreserven steigt zudem das Abhängigkeitsverhältnis zwischen China und den USA. Dies ergibt sich zum einen aus den komplexen Handelsverflechtungen zwischen den beiden Ländern. Von Januar bis Juni 2014 exportierte China bereits Waren im Wert von 213.883,3 Millionen USD in die Vereinigten Staaten und importierte im gleichen Zeitraum Waren im Wert von 58.666,4 Millionen USD. [U.S. Census Bureau 2014] Zum anderen mangelt es China bei den Devisenmarktinterventionen an alternativen Anlagemöglichkeiten, wodurch sich der Bestand an US-Staatsanleihen kontinuierlich erhöht. Selbst wenn eine Alternative für China bestünde, könnte der bisherige Bestand an US-Devisen nur behutsam verringert werden. Jeder größere Abverkauf von US-Devisen hätte letztlich enorme Auswirkungen auf den verbleibenden Bestand. Eine schnelle Abwendung von US-Dollar-denominierten Anlagen scheint aus diesem Grund eher unwahrscheinlich.

[...]


[1] [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Details

Seiten
57
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656855996
ISBN (Buch)
9783656856009
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285620
Institution / Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
1,0
Schlagworte
Wechselkurse Währungspolitik China Renminbi Yuan

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