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Krankheitsbild Demenz. Symptome, Therapiemöglichkeiten, Rehabilitiation, Umgang mit Familie und Prognose

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 13 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Krankheitsbild und Symptome von Alzheimer

2. Weitere Symptome

3. Informationen über den Umgang mit dem Patienten
3.1. Therapiemöglichkeiten und Rehabilitation
3.1.1. Medikamentöse Behandlung
3.1.2. Nicht medikamentöse Behandlung
3.2. Prognose

4. Literaturverzeichnis

1. Krankheitsbild und Symptome von Alzheimer

Alzheimer ist ein Schicksal, das immer mehr Menschen betrifft. Nach aktuellen Schätzungen leidet in Deutschland etwa eine Million Menschen an Demenz. Dies ist eine Erkrankung, die zu so starken Störungen des Gedächtnisses und der geistigen Leistungsfähigkeit führt, dass private oder auch berufliche Tätigkeiten beeinträchtigt werden. Mit einem Anteil von circa zwei Dritteln ist Alzheimer bei weitem die häufigste Form von Demenz. Jedes Jahr erkranken zwischen 130.000 und 160.000 Menschen neu.

Dennoch erkrankt nicht jeder Mensch an Alzheimer. Verschiedenen Studien zufolge, ist etwa jeder 13. Mensch über 65 Jahren betroffen. Da die Krankheit jedoch mit fortschreitendem Alter immer häufiger wird, nimmt die Wahrscheinlichkeit mit dem Alter zu. So ist es beispielsweise bei den 80- bis 84-Jährigen schon jeder Siebte und bei den über 90-Jährigen jeder Dritte, welcher an Alzheimer erkrankt. Frauen und Männer sind in gleichem Maße anfällig für Alzheimer.

In dem beschriebenen Fallbeispiel handelt es sich um den 76-Jährigen Herr M., welcher unter der Alzheimer Krankheit (lateinisch Morbus Alzheimer) im Anfangsstadium leidet. Er lebt mit seiner 72-Jährigen Ehefrau Annegret zusammen.

Morbus Alzheimer ist eine Gehirnerkrankung, die zur Demenz führt: Schleichend geht dabei das Gedächtnis verloren, der Orientierungssinn, das Sprachvermögen, die Erinnerung – und im Spätstadium die gesamte Persönlichkeit. So auch bei Herr M., er bekommt mit der Zeit immer mehr Schwierigkeiten mit neuen Anforderungen umzugehen. Trotz langjährigem Umgang mit dem Online-Banking, bekommt er nun bei der Umstellung zum SEPA-System immer größere Schwierigkeiten. Ihm ist es nicht möglich, die neuen benötigten Zahlenkombinationen fehlerfrei zu übertragen.

Herr M. leidet unter Gedächtnisstörungen, speziell unter Merkfähigkeitsstörungen des Frischgedächtnisses. Unter anderem vergisst er, was er soeben getan hat. Sodass es ihm schon häufiger passiert ist, dass er Rechnungen doppelt bezahlt hat. Außerdem hat er Schwierigkeiten sich neue Informationen zu merken oder auch Personen zu erkennen.

Wahrnehmungsstörungen sind ein typisches Symptom für Alzheimererkrankte. Herr M. leidet an Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Ihm fällt es schwer sich auf Gespräche zu konzentrieren.

In den ersten Jahren gibt es in der Regel keine körperlichen Symptome. So ist auch Herr M. für sein Alter noch körperlich recht rüstig.

Seine Ehefrau Annegret spielt bei seiner Krankheit eine wichtige Funktion. Sie rutscht von der Partnerrolle in die Kontroll- und Betreuerrolle. Sie muss den fortschreitenden Gedächtnisverlust ausgleichen. Beispielsweise erinnert sie ihren Mann mehrmals täglich seine Medikamente zu nehmen, sie hilft ihm seine verlegte Brille wiederzufinden und begleitet ihn zusätzlich noch bei jedem Gang aus dem Haus.

Herr M. besitzt einen Führerschein. Er weigert sich jedoch diesen abzugeben. Seine Ehefrau traut ihm das Autofahren nicht mehr zu, was ihn sehr gekränkt hat. Dies spiegelt ein weiteres Symptom wieder, die Verminderung des Urteilsvermögens. Herr M. ist nicht in der Lage richtig einzuschätzen, ob er trotz seiner Krankheit in der Lage ist, ungefährdet Auto zu fahren.

In vielen Fällen kommt es bei den Patienten dazu, dass sie sich ihrer eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten bewusst werden und diese versuchen zu vermindern oder zu verdecken. In dem Fallbeispiel merkt Herr M., dass er Hilfe benötigt und das ist ihm sehr unangenehm. Er sucht Ausreden, warum er vieles nicht mehr macht bzw. gibt anderen die Schuld. Beispielsweise behauptet er, seine Frau würde Sachen verstecken und Unterlagen absichtlich wegräumen. Seine Tochter hilft einmal die Woche bei Einkäufen und anderen wichtigen Dingen. Auch ihr gibt er die Schuld an seinem Computer etwas verstellt zu haben, sodass er sich weigert diesen zu benutzen. Außerdem geht er seit einigen Monaten nicht mehr mit zum Einkaufen, weil er nicht mehr selbst fahren dürfe.

An diesen Beispielen wird deutlich, dass Herr M. versucht seine Fehler zu vertuschen oder externalisiert, dies bedeutet das Motive oder Zuschreibungen nach außen verlagert werden.

Somit wird das Defizit verborgen und die Schuld trägt in seinen Augen jemand anderes.

Ein weiteres Verhalten ist in solchen Situationen das Konfabulieren. Fehlende Gedächtnislücken werden mit falschen Begebenheiten, die er aber als wahr und real annimmt, gefüllt. Somit werden die Schuldzuweisungen auch indirekt an andere Personen weiter geschoben.

Herr M. wird immer misstrauischer. Diese Haltung führt zu Konflikten mit der Umwelt und zu einer Wesensveränderung des Erkrankten. In dem Fallbeispiel kommt es zu immer mehr Streit deswegen. Seine Ehefrau ist mit der Situation überfordert. Sie hat kaum noch Zeit für sich, da sie sich noch zusätzlich um die Bankgeschäfte und die Versicherungen kümmern muss. Sie hat Sorgen, wie es in der Zukunft weitergehen soll.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass speziell Wahrnehmungsstörungen, wie Aufmerksamkeits-, Konzentrations- oder Auffassungsstörungen, und Gedächtnisstörungen, wie Konfabulationen und Merkfähigkeitsstörungen die wichtigsten psychopathologischen Symptome bei Alzheimer im Anfangsstadium sind.

2. Weitere Symptome

Die im Fallbeispiel aufgeführten Symptome sind jedoch nicht die einzigen für Morbus Alzheimer im Anfangsstadium.

Störungen der Sprache ist ein weiteres häufiges Symptom. Das Vokabular nimmt ab, oft müssen die Erkrankten nach Begriffen suchen oder sie greifen zu Umbeschreibungen (zum Beispiel „das für die Haare“ statt „Bürste“). Die Sätze werden einfacher und kürzer. Ebenso ist auch das Sprachverständnis betroffen. Die Bedeutung längerer oder komplexer Sätze kann von Alzheimer-Patienten oft nicht mehr entschlüsselt werden. Im Frühstadium der Krankheit ist der Erkrankte aber noch in der Lage, sich auszudrücken und mit seinen Mitmenschen zu sprechen.

Weiterhin kann es auch zu Störungen des inneren Antriebes kommen. Erkrankte neigen dazu, sich zurückzuziehen und Herausforderungen zu vermeiden. Beispielsweise beschäftigen sie sich nicht mehr mit ihren Hobbys und vernachlässigen sich selbst genauso wie die Beziehung zu anderen Menschen. Sie geben vor, keine Lust auf Gesellschaft zu haben. Dies ist auch für Angehörige sehr schwierig, da sie nicht wissen wie sie in Zukunft mit diesen Veränderungen umgehen sollen.

Ein weiteres wichtiges Symptom, welches auftreten kann, ist eine schwankende Gefühlslage. Erkrankte werden sich ihren Defiziten schneller bewusst als den Angehörigen. Sie vergleichen beispielsweise ihre jetzige Leistungsfähigkeit mit früher. Dies erzeugt oft Kummer, Reizbarkeit, Depressionen, mitunter Scham – und das Bedürfnis, die Probleme zu verbergen. Ihre Stimmungslage kann unvermittelt und ohne dass dafür ein Grund ersichtlich ist, umschlagen. Dabei sind alle Stimmungen zwischen glücklich und traurig-depressiv möglich. Auch Angstzustände und misstrauisches Verhalten können auftreten. Besonders belastend ist es für Angehörige, wenn die Erkrankten ohne angemessenen Anlass aggressiv werden.

Im Anfangsstadium treten auch erste Probleme mit der Orientierung auf. Herr M. hatte, wie im Fallbeispiel beschrieben, Schwierigkeiten Dinge, wie zum Beispiel seine Brille, in seinem eigenen Zuhause wiederzufinden. Auch in fremden Umgebungen kann es Erkrankten schwer fallen sich zurecht zu finden. Dies kann sich zum Beispiel in einem Restaurant bemerkbar machen, wenn der Weg zurück von der Toilette zum Tisch wie ein Labyrinth erscheint.

Dies sind einige Symptome die im Anfangsstadium von Morbus Alzheimer auftreten können. Jedoch treffen die Symptome nicht jeden Patienten in gleicher Weise. Bei jedem Alzheimer-Patienten finden sich aber schließlich folgende Störungen: Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens, des Erkennens, des Sprachvermögens, der Handhabung von Gegenständen und der zeitlichen und örtlichen Orientierung.

3. Informationen über den Umgang mit dem Patienten

Wenn ein Mensch an Alzheimer erkrankt, betrifft das auch die Familie und die Personen in seinem Umfeld. Im Verlauf der Krankheit gehen vor allem pflegende Angehörige durch ein Wechselbad von Gefühlen. Schmerz und Mitleid, aber auch Hilflosigkeit, Verzweiflung, Wut, Trauer und Ärger gehören dazu. Pflegende Angehörige verwenden einen Großteil ihrer Zeit und Kräfte damit, sich zum Beispiel um den demenzkranke Mutter, den Ehemann oder die Schwiegermutter zu kümmern. Deswegen ist es wichtig, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen und sich gut über Alzheimer zu informieren.

Mit der Zeit entwickeln viele pflegende Angehörige ein gutes Gespür dafür, ihre erkrankten Angehörigen im Alltag richtig zu unterstützen und demenzgerecht zu kommunizieren.

Das richtige Kommunizieren ist ein wichtiger Weg mit dem Erkrankten umzugehen. Menschen mit Alzheimer verlieren nach und nach die Fähigkeit zu kommunizieren. Das ist für die Betroffenen schmerzlich. Es ist wichtig, sich immer in die Situation des Erkrankten hinein zu versetzen:

Stellen Sie sich vor, die Menschen in Ihrer Umgebung sprechen ständig von Dingen, die Sie nicht verstehen. Jeder tut aber so, als sei alles ganz selbstverständlich. Wie würden Sie reagieren? Verstört? Verärgert? Eingeschüchtert? Wenn Sie diese Fragen mit Ja beantworten, wissen Sie, wie es Demenzkranken sehr häufig geht. ( Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Wegweiser Demenz, 2014)

Verständnis aufbringen und geduldig sein kann sehr hilfreich beim Kommunizieren sein, auch wenn dies häufig schwerfällt, z.B. bei mehrfachen Wiederholen der Sätze. Jedoch reduziert diese Methode mehr Aggressionen und negative Stimmungslagen, als wenn man den Erkrankten beispielsweise darauf hinweist, ihm dieselbe Frage schon vor 5 Minuten gestellt zu haben. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass die Erkrankten Gegenwart und Vergangenheit durcheinanderbringen können. Gutes Zureden und Argumente helfen Ihnen dabei nicht in die Realität zurück. Es ist hilfreicher, als Angehöriger sich auf diese Realität einzulassen und die Gefühle, Äußerungen und sein Verhalten ernst zu nehmen und zu akzeptieren.

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Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656855125
ISBN (Buch)
9783656855132
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285444
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig – Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
krankheitsbild demenz symptome therapiemöglichkeiten rehabilitiation umgang familie prognose

Autor

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Titel: Krankheitsbild Demenz. Symptome, Therapiemöglichkeiten, Rehabilitiation, Umgang mit Familie und Prognose