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Analyse der psychischen Belastung von Soldaten in "Jarhead"

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhalt

1.Fragestellung

2. Definition „kollektives Gedächtnis“

3. Historischer Hintergrund

4. Einführung in den Film
4.1. Inhaltsangabe
4.2. Eingrenzung des Materials und Vorgehen

5. Filmanalyse
5.1. Hierarchien im Krieg
5.2. Soldatenbild
5.3. Schlüsselszene: Kriegsende
5.4. Trauma
5.5. Erinnerung durch den Film

6. Fazit

7. Bibliographie

1.Fragestellung

Die Fragestellung zu dem Seminar „Spielfilme als Orte kollektiver Erinnerung“ zum Modul ‚Medienkultur und Kommunikation in Theorie und Praxis‘ beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit dem Spielfilm „Jarhead, willkommen im Dreck“, der 2005 vom Regisseur Sam Mendes produziert wurde und auf der Buchvorlage von Anthony Swofford und damit auf einer wahren Begebenheit basiert. Dieser Film wird für die Hausarbeit ausgewählt, da er im Seminar behandelt wurde und wegen persönlichem Interesse von Bedeutung ist.

Die Fragestellung lautet: Worin liegt die psychische Belastung der jungen Soldaten im Krieg und wie wird diese im Film dargestellt? Es wird untersucht welche Geschehnisse oder das Ausbleiben welcher Geschehnisse die Soldaten im Irak geprägt haben. Damit verbunden ist die Beschäftigung mit der Frage, warum diese neue Ebene den Films, die hauptsächlich auf der Darstellung der Psyche junger Soldaten basiert, für „Jarhead“ gewählt wurde. Es soll analysiert werden, durch welche Motive im Film sich Zuschauer und Rezipienten an den Film erinnern, nachdem sie ihn geschaut haben. Zu beantworten gilt es, auf welche Weise es dem Film gelingt, mit den kollektiven Erinnerungen an den Irakkrieg zu brechen und weshalb der Film auf einer neuen Darstellungsweise von Kriegsfilmen basiert. Der Krieg wird hier weniger thematisiert, da vielmehr Wert auf das Ausbleiben des Kampfes und den Umgang der Soldaten mit dieser Situation gelegt wird.

Objektiv betrachtet wirkt dieses Ausbleiben der direkten Konfrontation mit dem Feind positiv und sollte laut unserem Verständnis von Krieg dankbar angenommen werden. In der nachfolgenden Arbeit soll mit Hilfe einer Filmanalyse und einer beispielhaften Schlüsselszene geklärt werden, worin die psychische Belastung der Marines liegt und wie es dem Film gelingt, sie dem Zuschauer zu vermitteln und sie an das kollektive Gedächtnis zu überliefern.

2. Definition „kollektives Gedächtnis“

In dem medienwissenschaftlichen Seminar „Spielfilme als Ort kollektiver Erinnerung“ wurde sich mit der Darstellung von Kriegen und Genoziden in Spielfilmen beschäftigt. Im Zusammenhang damit wurde untersucht, inwiefern die Filme dazu verhelfen, die Erinnerung an Geschehnisse der Vergangenheit auch zukünftig zu erinnern und nicht zu vergessen. Auch bei „Jarhead“ handelt es sich um einen Erinnerungsfilm, der durch Vermittlung von Wissen und Erfahrungen das kollektive Gedächtnis indirekt entstehen lässt.

Zum sogenannten ‚kollektiven Gedächtnis‘ gibt es zwei Theorien, die im Folgenden beschrieben werden. Die erste Theorie stammt von Maurice Halbwachs zum ‚memoire collective‘ und die zweite Studie stammt von Aby Warburg.

In seinen Theorien spricht Halbwachs sich für eine soziale Bedingtheit des Gedächtnisses aus, die sich beispielsweise in Form eines Generationsgedächtnisses äußern kann. Zudem weitet er schließlich seinen Begriff ‚memoire collective‘ auf den Bereich der kulturellen Überlieferung und Traditionsbildung aus. Damit erreicht er den Bereich des Gedächtnisses, der heute von Aleida und Jan Assmann als „kulturelles Gedächtnis“ bezeichnet wird.[1]

Das Konzept von Aby Warburg unterscheidet sich grundlegend von Halbwachs‘ eher theoretischen Theorie, da es ihm hauptsächlich um die unbewusste und mit psychischen Prozessen verbundene Weitergabe durch bildhafte Symbolik und visuelle Kultur geht. In dem Punkt, dass Kultur von Menschen und deren Tätigkeit überliefert werde, sind sich die beiden Wissenschaftler aber einig.[2]

Der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann zu Folge setzte sich das Gedächtnis wiederum aus drei Dimensionen zusammen. Sie nennt das ‚individuelle Gedächtnis‘. das ‚soziale Gedächtnis‘ und ein ‚kulturelles-und auch kollektives Gedächtnis‘, das sämtliche Erfahrungen und Wissen, die Menschen gespeichert haben, auf eine materielle Ebene in Form von beispielsweise Büchern überträgt.[3]

Sowohl Warburg, Halbwachs und auch Assmann stimmen in ihren Theorien dahingehend überein, dass immer Menschen als Überlieferer nötig seien, um Erfahrungen und kulturelle Aspekte weiterzugeben oder in Form von Datenträgern zu speichern. Genannte Begrifflichkeiten wurden definiert, um sie im Laufe der Arbeit erwähnen zu können. Gestützt wird sich speziell auf die These, dass kollektive Erinnerung immer mit zwischenmenschlichen Interaktionen verbunden sei.

3. Historischer Hintergrund

Der Film „Jarhead“ handelt vom zweiten Golfkrieg, der am 17.01.1991 begann, seinen Ausgangspunkt aber schon am 02.08.1990 hatte. An diesem Tag marschierten irakische Truppen in Kuwait ein. Der Grund dafür war zum einen, dass ein Teil Kuwaits nach dem zweiten Weltkrieg zum Irak gehörte und Sadam Hussein nun auch die restlichen zwei Provinzen für sich gewinnen wollte. Zum anderen führten das Anbohren eines irakischen Ölfeldes, sowie Ölbohrrechte und Geldverhandlungen zu sämtlichen Diskussionen mit Kuwait.

Sadam Hussein bemühte sich um die Unterstützung der USA, war aber nicht bereit, sein Vorhaben, nämlich die Vollmachtstellung über den Golf und die gesamte arabische Welt, auf zu geben. Er wurde zunehmend kriegerischer und feindlicher gegenüber den USA. Als er dann zum „Heiligen Krieg“ aufrief, sahen sich die USA gezwungen den Krieg einzuleiten, da sie die globale Vormachtstellung und die Rolle im internationalen Ölmarkt sicherstellen wollten. Es begann die „Operation Desert Shield“, die auch in „Jarhead“ thematisiert wird.[4]

Am 24. Februar 1991 begannen die alliierten Truppen der USA, Großbritannien, Frankreich und die arabischen Staaten eine Offensive, die zwar zu einem vermehrten Rückzug der Iraker führte, die aber kurz darauf Ölfelder anzündeten und sie in den Persischen Golf leiteten. Diese Szene ist ebenfalls in „Jarhead“ gezeigt. Mit der Verkündung eines Waffenstillstandes endete der Krieg am 28. Februar 1992 und dauerte damit 6 Wochen. Der Krieg brachte in etwa 120.000 tote irakische Soldaten und 25.000 zivile Opfer mit sich.[5]

4. Einführung in den Film

Der Film „Jarhead, willkommen im Dreck“ basiert, wie bereits erwähnt, auf der Buchvorlage von Anthony Swofford. Dieser hat seine eigene Lebensgeschichte verfasst und berichtet von seiner Zeit als junger Scharfschütze im ersten Irakkrieg. Er weist darauf hin, dass er die Ergebnisse so berichtet, wie sie ihm im Gedächtnis geblieben seien und er nicht dafür garantieren könne, mit offiziellen Schilderungen aus der Zeit überein zu stimmen. Er schrieb das Buch, um seine eigene Kriegsfaszination und die der meisten anderen Soldaten, aufzuzeigen.[6]

Der Regisseur Sam Mendes wollte versuchen, genau dies mit seinem Film versuchen zu veranschaulichen und für eine breite Masse zugänglicher zu machen. Nachdem er mit „Cabaret“ und „American Beauty“ so erfolgreich gewesen war und mehrfach ausgezeichnet wurde, waren sowohl Erwartungen als auch Bewertungen von „Jarhead“ stets positiv.[7] Ein Zitat von Mendes lautet wie folgt:

„Was mich gereizt hat an Anthony Swoffords Buchvorlage, war die Frage, was Männer am Krieg so fasziniert, wie er ihnen beibringt zu töten und was mit ihnen geschieht, wenn sie dann nicht töten dürfen.“[8]

4.1. Inhaltsangabe

Der Film „Jarhead, willkommen im Dreck“ spielt wie schon mehrmals erwähnt während der Zeit des zweiten Gollfkrieges. Im Film wird die Geschichte des 20-jährigen Anthony Swofford erzählt, der im Sommer 1990 seine Freundin zurücklässt und in den Irak geschickt wird. Dort wartet er fünf Monate lang auf seinen Einsatz als Scharfschütze und erhält eine militärische Ausbildung, die unerwartete Leistungen von ihm fordert. Swofford wird im Film von Jake Gyllenhaal gespielt.

Nachdem die jungen Soldaten von ihrem Vorgesetzten, Staff-Sergeant Sykes, der von Jamie Foxx gespielt wird, so lang gedrillt und beschimpft werden, bis der Erste bei einer Übung stirbt und ihre Kampfeslust und Wut ihren Höhepunkt erreicht. Dann verbringen sie dennoch nur die meiste Zeit ihres Aufenthaltes mit Sport und sinnlosem Zeitvertreib in der Wüste. Aktivitäten wie Skorpion-Kämpfe, Sextapes von einer ihrer Ehefrauen, sowie Football-Spielen mit Gasanzügen- und Masken, zeigen den nichtbefriedigten Tatendrang der Marines.[9]

4.2. Eingrenzung des Materials und Vorgehen

Im Folgenden wird aufgezeigt, welche Szenen des Films auf welche Aspekte hin in der Analyse genauer untersucht werden. Die anfänglich genannte Fragestellung lautet: Worin liegt die psychische Belastung der jungen Soldaten und wie wird diese im Film dargestellt? Es werden die wichtigsten Passagen aus dem Film aufgezeigt, die Auskunft darüber geben, welche prägenden und belastenden Erfahrungen die Soldaten im Irak machten. Untersucht wird der Film in Bezug zum dargestellten Soldatenbild und den Hierarchien im Krieg. Als Schlüsselszene dient eine Szene am Ende des Films, bei der der Zusammenbruch eines Marines dargestellt wird. Das abschließende in die Luft Schießen der Soldaten thematisiert zeigt in Hinblick auf den vorigen Zusammenbruch den psychischen Druck der Soldaten. Darauffolgend wir der Begriff des Traumas auf zuvor aufgezeigte Szene angewandt. Zusammenhängend damit wird auch darauf eingegangen, welche Bilder und Darstellungen des Filmes der Öffentlichkeit am zugänglichsten sind und damit zu einer Erinnerung beitragen. Zudem wird aufgezeigt, worin der Film mit unserer kollektiven Erinnerung an den Irakkrieg bricht und an welche Erlebnisse er stattdessen erinnern möchte.

Nach dem Beschreiben der Schlüsselszene werden die Elemente der Szene in Hinblick auf einen Hauptaspekt untersucht. Dieser wird die Darstellung und der Umgang unter den einzelnen Figuren, sowohl gruppenintern als auch bezogen auf das Verhalten der verschiedenen Hierarchien im Krieg sein. Mimik und Gestik der Figuren helfen bei dieser Untersuchung, um ihre psychische Verfassung in der End-Szene vergleichend zu vorigen Szenen herauszustellen.

Allgemein lässt sich zu dieser gewählten Filmanalyse sagen, dass das Vorgehen den zehn Arbeitsschritten von Michael Schaaf ähnelt, der in dem Buch „Film und Fernsehanalyse“ von Lothar Mikos mit seiner Analysetechnik erwähnt wird. In dieser Analyse ist jedoch nicht jeder seiner vorgeschlagenen Schritte als einzelner Teilpunkt aufgeführt .[10] Grundlegend ist in dieser Analyse, dass die Szene zuerst beschrieben und bezüglich der Untersuchungskriterien bewertet wird. Diese Bewertung erfolgt immer im Zusammenhang mit der Fragestellung der Hausarbeit.

5. Filmanalyse

5.1. Hierarchien im Krieg

Ein sehr präsentes Thema bei „Jarhead“ ist die Darstellung der verschiedenen Hierarchien des Militärs und wie diese sich im Krieg untereinander verhalten. Im Film finden sich die Motive der Kameradschaft und des Verhältnisses zwischen Sergeants und einfachen Soldaten.

Das Verhältnis unter den Soldaten wird bereits zu Beginn des Films sichtbar, als der junge Swofford sich in einem direkten Konflikt mit einem Sergeant befindet und alle übrigen Soldaten still in zwei Reihen stehen bleiben und zuhören. Dass sich niemand rührt, könnte zum einen auf das frühe Stadium der Bekanntschaft hinweisen, zum anderen aber auch auf die Einstellung aller Neuankömmlinge zum Krieg, ihrer Ausbildung und zum Respekt vor den Vorgesetzten. Allgemein lautet ein hier zutreffendes Motto von Soldaten auch: „Wer neu dazu kommt, muss sich beweisen.“[11]

Das Verhältnis zwischen Sergeants und einfachen Soldaten wird in fast jeder Szene thematisiert. Da „Jarhead“ als sogenannter ‚Antikriegsfilm‘ bezeichnet wird trifft hier einer der vier Hauptaspekte in Antikriegsfilmen aus dem Konzept von Ralph R. Donald zu. Es handelt sich um die Darstellung des Militärs als korrupte Institution, da der Sergeant der jungen Marines seine Machtstellung ausnutzt, um die Marines herumzukommandieren und damit seinen Rang zu Gunsten seiner eigenen Belustigung auszunutzen.[12] Dieses Verhalten des Sergeants wird in einer anfänglichen Szene deutlich, bei der er Swofford, um ihm zu zeigen wer das Sagen hat, zum Probe-Horn-Blasen vor versammelte Mannschaft bestellt und ihn dann durch den Mund trompeten lässt. Damit stellt er den Marine zu seiner eigenen Belustigung vor den anderen bloß.

Während das gleichwertige Verhältnis zwischen den Marines wenig von einer Bruderschaft oder einem engeren Bund aufweist, stellt das Verhältnis zwischen Sergeant und Soldaten eine ungleiche Beziehung dar. Die Soldaten finden weder untereinander noch durch ihren Vorgesetzten einen Familien-Ersatz. Die Marines werden durch den Sergeant auf brutale Art und Weise ausgebildet und zurechtgewiesen wenn sie sich widersetzen oder einen Fehler machen. Hier wird der psychische Druck, dem die Marines während ihrer Ausbildung ausgesetzt sind deutlich. Ohne eine Bezugsperson leben sie monatelang von Angehörigen getrennt und haben kaum eine Chance sich den Vorgesetzten zu widersetzen.

In der Umgangsweise zwischen Sergeant und Swofford wird ein zweiter wichtiger Aspekt nach Ralph R. Donald für Antikriegsfilme aufgezeigt, nämlich die Darstellung des Soldaten als Opfer.[13]

Die Soldaten in „Jarhead“ befinden sich zwar im Krieg und sind damit bereit für ihr Land zu kämpfen, aber während ihrer Ausbildung werden sie vielmehr respektlos als ‚Opfer‘ behandelt und schikaniert.

[...]


[1] Ansgar Nünning/Vera Nünning(Hrsg.) (2003): Konzepte der Kulturwissenschaften- Theoretische Grundlagen- Ansätze- Perspektiven . Stuttgart: J.B. Metzlerische Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, S. 159.

[2] Ansgar Nünning/Vera Nünning(Hrsg.) (2003): Konzepte der Kulturwissenschaften- Theoretische Grundlagen- Ansätze- Perspektiven . Stuttgart: J.B. Metzlerische Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH, S. 163.

[3] http://www.bpb.de/apuz/141905/erinnerung-und-fiktion).

[4] Steven Hurst (2009). The United States and Iraq since 1979- Hegemony, Oil and War. , Chippenham und Eastbourne: Edinburgh University Press Ltd, 83-106.

[5] http://www.wissen.de/thema/golfkriege?chunk=zweiter-golfkrieg_-internationale-allianz-gegen-irak).

[6] http://buchwurm.org/Swofford-Anthony-Jarhead-12789/.

[7] http://www.biography.com/people/sam-mendes-9405648.

[8] (http://www.spiegel.de/kultur/kino/jarhead-regisseur-mendes-es-gab-zu-viel-testosteron-a-393830.html).

[9] http://www.mpex.net/movies/archiv/jarhead.html).

[10] Lothar Mikos.( 2003): Film- und Fernsehanalyse. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH, S.72-90.

[11] Heller/ Röwekamp/ Steinle(Hrsg.) (2007):All quiet on the genre front? Zur Praxis und Theorie des Kriegsfilms. Schüren Verlag, S.18.

[12] Burkhard Röwekamp (2011):Antikriegsfilm- Zur Ästhetik, Geschichte und Theorie einer filmhistorischen Praxis. München: edition text+ kritik im Richard Booberg Verlag GmbH& Co KG, S.24.

[13] Burkhard Röwekamp (2011):Antikriegsfilm- Zur Ästhetik, Geschichte und Theorie einer filmhistorischen Praxis. München: edition text+ kritik im Richard Booberg Verlag GmbH& Co KG, S.24.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656857587
ISBN (Buch)
9783656857594
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285364
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,3
Schlagworte
Hausarbeit psychische Belastung Soldaten Kriegsfilm Antikriegsfilm Filmanalyse psychische Auswirkungen Krieg

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Titel: Analyse der psychischen Belastung von Soldaten in "Jarhead"