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Die Fachsprache der Kochkunst

Wissenschaftlicher Aufsatz 2014 15 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Zur Fachsprache

Geschichte der Fachsprachen

Funktion und Merkmale der Fachsprachen

Gliederung der Fachsprachen

Zum Kochrezept

Allgemeine Struktur von Kochrezepten

Zum Satzbau in den Kochrezepten

Zum Wortschatz der Fachsprache der Kochkunst

Komposita in der Fachsprache der Kochkunst

Fremdwörter in der Fachsprache der Kochkunst

Metapher in der Fachsprache der Kochkunst

Weitere Merkmale von der Sprache Kochkunst

Literatur

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Fachsprache der Kochkunst. Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, sich mit der Fachsprache der Kochkunst wissenschaftlich auseinander zu setzen. Die Arbeit soll dazu beitragen, Erkenntnisse über diese Fachsprache zu fördern.

Zur Fachsprache

In einem ersten Schritt wird versucht, auf den Begriff „Fachsprache“ einzugehen. Es ist darauf zu verweisen, dass es keine einheitliche Definition oder Verwendung für den Begriff Fachsprache gibt. Grund hierfür ist das komplizierte Verhältnis der Fachsprachen zur Gemeinsprache und dies sei der Gegenstand vieler Studien in der Fachsprachenforschung1. Vor diesem Hintergrund wird versucht und angestrebt, verschiedene Sichtweisen für das Begriffsverständnis durchzugehen. Im Rahmen der Fachsprachenforschung haben viele Forscher wie Hoffmann, Lothar zahlreiche theoretische und empirische Untersuchungen angestellt. Diese Untersuchungen waren notwendig angesichts der großen Anforderungen, die der Fremdsprachenunterricht stellt.

In diesem Fall definiert ferner Hoffmann, Lothar (1984, 53) die folgende Definition die Fachsprache wie folgt:

„Fachsprache – das ist die Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten.“2

Es ist des Weiteren darauf zu verweisen, dass die Fachsprache ein Teil der Gesamtsprache sei. Außerdem gehört zur Fachsprache nicht nur Termini und Terminologien, sondern auch phonetische und morphologische Mittel, lexikalische Elemente (Fachwörter), syntaktische und stilistische Konstruktionen usw., worauf auch Hoffmann, Lothar (1984) hinweist3.

Eine Fachsprache weist ein besonderes Merkmal auf. In diesem Zusammenhang führt Hoffmann (1976) ferner Folgendes aus:

„Eine Fachsprache ist in sich nicht homogen, sondern weist innerhalb ihrer verschiedenen Textsorten einen unterschiedlichen Sprachbestand auf.“4

Bei Beier, R (1980, 13) findet sich die folgende Definition über die Fachsprache:

„Einen komplexen Bereich (einen Ausschnitt, eine Varietät) der Sprachverwendung, der –bedingt durch Spezifika verschiedener fachlicher Situationen-eine Binnendifferenzierung aufweist. “5

Des Weiteren findet sich bei Beier6 folgende Überlegungen über die Fachsprache:

„Fachsprache wird von fachlich kompetenten Schreibern bzw. Sprechern gebraucht, um sich mit anderen (auch angehenden) Fachleuten derselben, mit Vertretern anderer Disziplinen oder Laien mit bestimmten Zielen über fachliche Sachverhalte zu verständigen. Sie umfaßt die Gesamtheit der dabei verwendeten sprachlichen Mittel und weist Charakteristika auf allen bisher von der Linguistik aus methodischen Gründen unterschiedenen innersprachlichen Ebenen auf, von denen die lexikalische, morphologische und syntaktische am besten erforscht ist.“

Weiterhin findet sich bei Drozd und Seibicke7 die folgende Definition über die Fachsprache:

„Eine Gesamtheit von Sprachmitteln betrachtet, die in einem bestimmten Bereich der menschlichen Tätigkeit zweckgebunden und die für eine spezifische Stilsphäre kennzeichnend sind und sich von anderen Stilschichten und –typen abheben.“

Geschichte der Fachsprachen

Im Folgenden wird kurz auf die Geschichte der Fachsprachen eingegangen. Laut Thorsten Roelcke8 wird die Geschichte der Fachsprachen in drei Epochen geteilt. Es geht um die sogenannten „mittelalterliche Fachsprachen“. Sie dauert vom 8. Jahrhundert bis etwa zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Die zweite Epoche lautet „frühneuzeitliche Fachsprachen“ und sie ist vom 14. Jahrhundert bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Die dritte Epoche heißt „neuzeitliche Fachsprachen“, die vom 18. bis zum 20. Jahrhundert überdauert. Dabei gab es weiterhin drei Bereiche Handwerk und Technik, Geist und Wissenschaft und Recht und Institutionen.

Überblick über die Periodisierung der Fachsprachen

Quelle: Roelcke, Thorsten (1999) Fachsprachen. Erich Schmidt Verlag. Berlin S.161

Legende:

Hell unterlegte Felder: das weitgehende Fehlen von Sprachen in Handwerk und Technik, Geist und Wissenschaft sowie Recht und Institutionen.

Mittel unterlegte Felder: das eingeschränkte Bestehen von Sprachen in Handwerk und Technik, Geist und Wissenschaft sowie Recht und Institutionen.

Dunkel unterlegte Felder: das uneingeschränkte Bestehen von Sprachen in Handwerk und Technik, Geist und Wissenschaft sowie Recht und Institutionen.

Die Periode „mittelalterliche Fachsprachen“ zeichnet sich dadurch, dass es an Fachsprachen im Hinblick auf Geist- und Wissenschaft sowie Rechts- und Institutionen mangelt. Die zweite Periode „frühneuzeitliche Fachsprachen“ unterscheidet sich dadurch, dass die Fachsprachen im Bereich des Handwerks und der Technik weiter bestehen. Bemerkenswert entwickelten sich in der dritten Phase der „neuzeitlichen Fachsprachen“ Fachsprachen in der Wissenschaft und Recht und Institutionen.

Funktion und Merkmale der Fachsprachen

Nachfolgend wird auf die Funktion und Merkmale der Fachsprachen eingegangen. Laut Ohm, Udo9 (2010, 75) hat die Fachsprache die Funktion, zwischen fachsprachlicher und nicht fachsprachlicher Varietät zu unterscheiden. Darüber hinaus gilt sie auch als sprachliche Spezifika bzw. Mittel. Diese Mittel dienen dazu, kommunikative Aufgaben in einem bestimmten Fach zu meistern. Außerdem sind solche Mittel sehr notwendig für dieses Fach. Die Fachsprache zeichnet sich durch bestimmte Merkmale aus, wie z.B. eine hohe Frequenz bzw. eine Dominanz bestimmter sprachlicher Strukturen (z.B. Nominalisierungen, Komposita, Genetivformen, Funktionsverbgefüge, Konditionalsätze), die der sprachlichen Ökonomie und Präzision dienen. In diesem Zusammenhang weist ferner Schmitz, Klaus-Dirk10 (2011, 494) darauf hin, dass sich die Fachsprachen durch das häufige Auftreten von Fachwörtern unterscheiden.

Die Fachsprachen unterscheiden sich laut Steinmetz, Maria11 (2000, 152) durch einen hohen Anteil an Substantiven und nominalisierten Verben. Die häufigsten Wortformen sind Artikel und Konjunktionen und Lexemen. Die Adjektive in deutschsprachigen Fachtexten werden nicht so viel wie in englischen oder französischen verwendet, weil sie oft als Kompositum verwendet werden.

Die Fachsprachen charakterisieren sich durch ihren „Nominalstil“. Dies korrespondiert mit der Präzision und Sachlichkeit, die sich auf die fachsprachliche Ausdrucksweise beziehen. Dagegen ist die Zahl der Adverbien ist viel geringer im Vergleich zur literarischen Texten. Zur Beschreibung der komplizierten Themen im Bereich der Technik und Wissenschaft sind vielfältige einfache Adverbien nicht geeignet. Aber sind komplexer Adverbialbestimmungen oder adverbialer Nebensätze mit einer begrenzten Zahl von Adverbien passend. Allerdings spielen die Verben keine große Rolle. Nach Hoffmann (1984,139) ergänzen sich Verben und Substantive, d.h. wenn es mehr Substantive gibt, werden weniger Verben vorhanden sein. Blatt, Inge/Hein, Christina12 (2013, 15) machen darauf aufmerksam, dass die zusammengesetzten Wörter in der Fachsprache gebraucht werden. Sie dienen dazu, komplizierte Gegebenheiten zu äußern. Jedoch erschwert die Verwendung von langen zusammengesetzten Wörtern das Verständnis von Texten. Die zusammengesetzten Wörter bereichern weiterhin die deutsche Sprache. Die Zusammenschreibung impliziert neue Wörter mit neunen Bedeutungen.

Gliederung der Fachsprachen

Um die Gliederung der Fachsprachen zu beleuchten, sei hier auf die Überlegungen von Roelcke, Thorsten (1999) verwiesen. In diesem Sinne unterscheidet man eine horizentale und vertikale Gliederung.

Horizontale Gliederung

Die horizontale Gliederung von Fachsprachen bezieht sich auf die Anzahl aller möglichen Fachsprachen. Allerdings scheint es unmöglich, eine genauere Anzahl von Fachsprachen festzulegen, denn es entstehen ständig neue Fachsprachen. Bei der horizontalen Gliederung werden des Weiteren Fächergliederungen und Fachbereichseinteilungen angegeben. Es fällt auf, dass sich bestimmte Fachsprachen miteinander überschneiden und eine Beziehung haben, wie z.B. Physik und Mathematik. Dennoch gibt es andere Fachsprachen, die keine Beziehungen miteinander haben, wie z. B: Literaturwissenschaft und Chemie.13

Vertikale Schichtung

Die vertikale Gliederung bezieht sich auf Abstraktionsebenen. Diese Abstraktionsebenen befinden sich in den Fächern, die eine Fachsprache ausmachen. Damit werden die Fachsprachen in verschiedenen Ebenen untergeordnet. Die Unterteilung unterliegt somit bestimmten Kriterien wie Abstraktionsstufe, äußere Sprachform, Milieu, Kommunikationsträger und Kommunikationsteilnehmer gehören.14

In diesem Zusammenhang versucht Lothar Hoffmann (1984)15 eine vertikale Gliederung zu entwerfen. Dabei geht es um fünf Kategorien:

- Sprache der theoretischen Grundlagenwissenschaften
- Sprache der experimentellen Wissenschaften
- Sprache der angewandten Wissenschaften und der Technik
- Sprache der materiellen Produktion
- Sprache der Konsumtion

In diesem Zusammenhang findet sich darüber hinaus die vertikale Gliederung der Fachsprachen von Heinz Ischreyt (1965)16. Er unterscheidet drei fachliche und sprachliche Abstraktionsebenen. Es geht nämlich um Wissenschaftssprache, fachliche Umgangssprache und Werkstattsprache. Ganz oben findet sich die Abstraktionsebene der Wissenschaftssprache. In der Mitte gibt es die Abstraktionsebene der fachlichen Umgangssprache und ganz unten findet sich die Abstraktionsebene der Werkstattsprache

Zum Kochrezept

Nachfolgend wird auf die das Kochrezept eingegangen. Es wird versucht, Einblicke in die Struktur und Sprache des Kochens zu verschaffen. Kochrezepte gelten laut Becker-Mroztker (2007)17 als eine Textsorte, wo Ausführungen von Handlungen für den Leser beschrieben sind. Sie beziehen sich somit auf die Vermittlung von praxisorientierten Informationen. In dieser Textsorte findet man Anweisungen und Erklärungen, die den Leser bei diesen Handlungen anleiten könnten. Die Textsorte Kochrezept enthält auf der formalen Ebene folgende Merkmale. Es werden überwiegend Substantive für Aufzählung von Lebensmitteln vorgebracht. Hier werden ebenfalls Anleitungen beschrieben, wie man ein Rezept zubereitet. Zu diesem Zweck werden kurze und präzise Formulierungen verwendet. Des Weiteren unterscheiden sie ebenfalls durch ihre sachlichen Beschreibungen von Handlungen, worauf Spörl, U. (2008)18 hinweist.

Allgemeine Struktur von Kochrezepten

Im Hinblick auf die Struktur der Textsorte Kochrezept lässt sich den Ausführungen von Möhn, D. Pelka, R. (1984, 22-23, 45ff)19 entnehmen, dass sie charakteristische und textuelle Merkmale aufweist. Sie beinhaltet Angaben über Ziel, Zutaten, Mengen, und Zeit. Der Abschluss eines Rezeptes könnte unterschiedlich formuliert werden. Er könnte somit als Ermahnung, Tipps oder eventuelle Varianten auftauchen.

Ein weiteres Merkmal besteht auch bei der Form dieser Textsorte nämlich in der Abtrennung vom Zutatenblock und Anweisungsteil.

Der Zutatenblock steht am Anfang des Textes und weist eine Auflistung von gebrauchten Zutaten auf.

Im Anweisungsteil werden dieser Zutaten je nach Reihenfolge verwendet und bearbeitet. Somit richtet sich der Anweisungsteil sowohl linear als auch Schritt für Schritt auf die Reihenfolge im Zutatenblock aus.

Die Textsorten Beschreibung und Kochrezept überschneiden sich darin, worauf Fix, M. (2008, 101) aufmerksam gemacht hat, dass in einem Kochrezept den entsprechenden Vorgang anhand von Erklärungen beschrieben wird.

[...]


1 Hoffmann, L.(1984) Kommunikationsmittel Fachsprache. Eine Einführung. Akademie-Verlag. Berlin S. 48

2 Hoffmann, L.: (1976, S. 170) In: Buhlmann, Rosemarie und Fearns, Anneliese. (2000, 11) Handbuch des Fachsprachenunterrichts. Tübingen, Gunter Narr Verlag

3 Ebd.

4 Hoffmann, L.: (1976, S. 176ff.) In: Buhlmann, Rosemarie und Fearns, Anneliese. (2000, 11) Handbuch des Fachsprachenunterrichts. Tübingen, Gunter Narr Verlag

5 Beier, R. (1980): Englische Fachsprache, Stuttgart

6 zitiert nach Beier, Rudolf (1980). Englische Fachsprache. Kohlhammer W. Stuttgart. S. 13

7 zitiert nach Drozd, Lubomír, Seibicke, Wilfried. Deutsche Fach- und Wissenschaftssprache. Bestandaufnahme. Theorie. Geschichte. Oscar Brandstetter Verlag. Wiesbaden 1973. S. 81

8 Roelcke, Thorsten (1999) Fachsprachen. Erich Schmidt Verlag. Berlin., S. 159-161

9 Ohm, Udo (2010): In: Barkowski, Hans und Krumm, H.J. (Hrsg.) Tübingen, Narr Francke Atempto

10 Schmitz, Klaus-Dirk (2011) (3. Auflage.): An der Sprache arbeiten. In: Karlfried Knapp et al. (Hrsg.) Angewandte Linguistik. Tübingen und Basel. A. Francke UTB. (1 Auflage 2004)

11 Steinmetz, Maria (2000): Fachkommunikation und DaF- Unterricht. München, Iudicium

12 Blatt, Inge/Hein, Christina (2013): Wortungeheur?! Zusammenschreibung von Nomen erkunden. In: Deutsch. Unterrichtspraxis für die Klassen 5 bis 10. Heft 36. 12-16

13 http://www.hs-zigr.de/~bgriebel/usti.html. Zugriff am 10.12. 2006

14 Hoffmann, L. (1984.) Kommunikationsmittel Fachsprache. Eine Einführung. Akademie-Verlag. Berlin. S. 65-66

15 Hoffmann, L. (1984.) Kommunikationsmittel Fachsprache. Eine Einführung. Akademie-Verlag. Berlin. S. 70

16 Ischreyt, H. (1965): Studien zum Verhältnis von Sprache und Technik. Institutionelle Sprachlenkung in der Terminologie der Technik Schwann-Verlag. Düsseldorf S. 43-49

17 Becker-Mrotzek (2007): Zur Entwicklung von Schreibkompetenz. Cornelsen

18 Spörl, Uwe. In:http://www.fernunihagen.de/EUROL/termini/welcome.html?page=/ EUROL/ termini/ 6140.htm. Zugriff am 29.08.2008

19 Möhn, D. und Pelka, R. (1984): Fachsprachen. Eine Einführung. Tübingen

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656860174
ISBN (Buch)
9783656860181
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285228
Institution / Hochschule
University of Oran
Schlagworte
fachsprache kochkunst

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