Lade Inhalt...

Die begriffliche Unterscheidung von Integration und Inklusion

Hausarbeit 2013 10 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Entwicklung von "Integration" zu "Inklusion"
2. Begriffserklärungen
2.1 Integration
2.2 Inklusion

3. Gegenüberstellung der Begriffe

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Integration und Inklusion sind zwei wesentliche Begriffe in der Bildungs- und Sonderpädagogik, deren Bedeutung viel diskutiert und mit zunehmender Verbreitung immer unklarer wird (vgl. Hinz 2002, 361). Bis etwa Anfang des 21. Jahrhunderts herrschte bezüglich des Rechts auf uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen der Integrationsbegriff. Doch in den letzten Jahren hat sich der Terminus „Inklusion“ immer weiter verbreitet und scheint den Begriff der Integration abzulösen. Teilweise werden die beiden Begrifflichkeiten synonym verwendet, teilweise sollen sie jedoch auch verschiedene inhaltliche Konzepte benennen (vgl. Hinz 2002, 354). Es stellt sich nun die Frage ob Inklusion theoretisch ein neuer, eigener Ansatz oder eine Erweiterung des Integrationsbegriffs ist.

Diese Hausarbeit soll einen (kleinen) Beitrag zur Klärung eben dieser Frage leisten, indem sie die bereits vorhandenen Diskussionen zu diesem Thema auszugsweise erläutert. Aus Platzmangel kann jedoch keine umfassende, vollständige Darlegung der Debatte erfolgen.

1. Entwicklung von „Integration“ zu „Inklusion“

Zunächst soll der Frage nachgegangen werden wie der begriffliche Wechsel von „Integration“ zu „Inklusion“ entstand, indem in die grobe Entwicklung der Begriffe aufgezeigt werden soll. Der Terminus der Integration wurde bereits von den Evolutionisten des 19. Jahrhunderts (Auguste Comte, Herbert Spencer u.a.) in die Soziologie eingeführt. Von Talcott Parsons wurde er dann im 20. Jahrhundert zum Grundbegriff seiner bekannten strukturell-funktionalen Handlungs-/Systemtheorie, in der Integration ein Extremfall von Systemstabilität bedeutet. Niklas Luhmann führte später (ca. 1990) in Abgrenzung zur Parsons den Begriff der Inklusion in die Systemtheorie ein (vgl. Kopp/Schäfers 2010, 116-118). Seitdem ist „Inklusion“ ein Grundbegriff der Soziologie (vgl. Wansing 2012, 93). Dieser hatte jedoch damals noch eine andere Bedeutung als heute in den Bildungswissenschaften. In Bezug auf die Theorie geht es um die Inklusion bzw. Exklusion von Gesellschaftssystemen und nicht von Individuen. (vgl. Biewer 2009, 124-125)

Als Impuls- und Ideengeber der Inklusion im Kontext der Sonderpädagogik und Bildungswissenschaften werden stets nicht-deutschsprachige Referenzen angegeben (vgl. Liesen/Felder 2004, 13). Die Entstehungsgeschichte des Inklusionsbegriffs ist in der jüngeren US-amerikanischen Diskussion zur Bildungspolitik anzusiedeln. Noch in den 1980er Jahren fand sich in keinem angloamerikanischen sonderpädagogischen Wörterbuch der Begriff inclusion/Inklusion. Erst zwischen 1990 und 1995 tauchte der Begriff immer häufiger auf.

Maßgeblich zur weltweiten Verbreitung des Begriffs hat die Salamanca-Erklärung von 1994 beigetragen (vgl. Biewer 2009, 125). Bei dieser UNESCO-Konferenz zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse in Salamanca nahmen 92 Länder und 25 internationale Organisationen teil. Die Erklärung versteht sich als Sammlung von Empfehlungen an alle Staaten der Weltgemeinschaft (vgl. Liesen/Felder 2004, 13). Die UNESCO verwendete in dieser Konferenz „inclusion“ als Leitbegriff. Nach der Veröffentlichung des Beschlusses setzte sich „inclusion“ in nur wenigen Jahren weltweit durch. Bei der deutschen Übersetzung des Dokumentes 1996 wurde „inclusion“ jedoch wieder mit „Integration“ übersetzt. Über die Differenz der Begrifflichkeiten gab es damals noch kein großes Bewusstsein (vgl. Biewer 2009, 125). Seit Anfang des 21. Jahrhunderts erfolgt jedoch auch in Deutschland eine Begriffsersetzung von Integration durch Inklusion, wenn auch oftmals der Wechsel der Begriffe keine Änderungen inhaltlicher Konzepte mit sich zieht (vgl. Biewer 2009, 124, 126). Erste Veröffentlichungen zum Thema Inklusion im deutschsprachigen Raum seien etwa im Jahr 2000 (von u. a. Biewer, Boban, Hausotter und Hinz) erschienen. Von da an habe sich die Bezeichnung schnell in der Fachöffentlichkeit weiterverbreitet (vgl. Liesen/Felder 2004, 3). Mittlerweile habe der Begriff Inklusion den Begriff Integration in Bezug auf das Recht auf gleichberechtigte Bildung abgelöst (vgl. Wansing 2012, 93).

Hintergründe der Einführung des Inklusionsbegriffs sei nach Meinung des Integrationspädagogen Andreas Hinz Problematiken in der Entwicklung integrativer Praxis gewesen (vgl. Hinz 2006, 97). Der Begriff Inklusion habe einen Impuls zur Wiederbelebung der festgefahrenen Entwicklung geben sollen (vgl. Liesen/Felder 2004, 20).

2. Begriffserklärungen

Um zu erforschen, ob es einen tatsächlichen Unterschied zwischen Integration und Inklusion gibt, gilt es zunächst die grobe Bedeutung und Definition beider Begriffe zu klären.

2.1 Integration

Der Begriff der Integration, in Abstammung vom lateinischen Wort „integratio“, wird in den gängigen Lexiken zur Soziologie als (Wieder-) Herstellung einer Einheit/eines Ganzen definiert. Es gehe um die Eingliederung eines Individuums in eine soziale Gruppe und deren Anerkennung als Mitglied (vgl. Reinhold 1997, 299 & Hillmann 2007b, 383). Integration sei der fortwährende Prozess der Bildung einer Einheit aus Teilen und erfolge über das Gefühl der Zusammengehörigkeit (vgl. Kopp & Schäfers 2010, 116-117). Dieser Prozess sei dann vollzogen, wenn der Status des Individuums und seine Rolle im System festgelegt seien und akzeptiert würden (vgl. Fuchs-Heinritz et al. 2011, 310). Integration fordere als ethische Maxime die Gleichheit aller Menschen und deren gleichberechtigte, uneingeschränkte Teilhabe als fundamentalisches Grundrecht (vgl. Wocken 2006, 99-100). Eine zentrale Voraussetzung für den Integrationsbedarf sei dem Pädagogen Jakob Muth zufolge immer eine vorausgegangene Desintegration. Daher dürfe Integration nicht nur mit Blick auf die Menschen mit Behinderung geschehen. Es seien insbesondere Einstellungsänderungen bei den Menschen ohne Behinderung vonnöten (vgl. Biewer 2009, 123).

2.2 Inklusion

Inklusion (vom lat. „inclusio“) ist der soziologische Begriff für die Einbeziehung/ Einschließung von Gesellschaftsangehören in soziale Gebilde und gesellschaftliche Funktionsbereiche (vgl. Hillmann 2007a, 377). Inklusion ist das Bilden von Gemeinschaften, die Heterogenität anerkennen und wertschätzen (vgl. Hinz 2003, 17).

Darüber hinaus ist Inklusion ein zentraler Schlüsselbegriff der UN-

Behindertenrechtskonvention (BRK). In ihrer Kommentierung erläutert die Professorin für Behinderung und Inklusion Gudrun Wansing die Bedeutung des Wortes Inklusion und erkennt, dass sich diese keiner einheitlichen historischen, theoretischen oder konzeptionellen Linie zuordnen lässt. Vielmehr sei seine Bedeutung abhängig vom Kontext und befände sich in einem noch offenen Interpretationsprozess (vgl. Wansing 2012, 93-94). Festzustellen sei jedoch, dass Inklusion ein universelles Grundprinzip des sozialen Zusammenlebens sei, welches allen Menschen auf Basis gleicher Rechte die volle und wirksame Teilhabe an der Gesamtgesellschaft ermöglichen soll. Es gehe um bürgerliche und politische Rechte und Pflichten, die jedes Gesellschaftsmitglied formal und in seiner Lebenswirklichkeit haben soll (vgl. Wansing 2012, 94, 95). Inklusion unterstütze den grundsätzlichen Wandel im Verständnis von Behinderung: weg von der Ansicht, Behinderung als Eigenschaft einer Person zu sehen und hin zum dynamischen und interaktionalen Modell, welches die soziokulturelle Herstellung von Behinderung in Augenmerk nimmt (vgl. Wansing 2012, 98).

3. Gegenüberstellung der Begriffe

Zwischen den in Punkt zwei vorgelegten Definitionen und Erläuterungen zum Integrations- und Inklusionsbegriff sind auf den ersten Blick noch keine größeren Unterschiede zu erkennen.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656855491
ISBN (Buch)
9783656855507
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285222
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
bestanden
Schlagworte
Inklusion Integration Behindertenhilfe

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die begriffliche Unterscheidung von Integration und Inklusion