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Die Veränderung des aktuellen Sportstudios durch die neuen Zuschaueranforderungen

Illustriert am Vergleich einer Sendung vom 13.10.1986 mit einer Sendung vom 10.08.2013

Studienarbeit 2014 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1. Interaktion
2.2. Rezeptionsforschung

3. Kriterienkatalog
3.1. Moderator
3.1.1. Moderator in der Sendung vom 13.10.1986
3.1.2. Moderator in der Sendung vom 10.08.2013
3.1.3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
3.2. Studiogäste
3.2.1. Studiogäste in der Sendung vom 13.10.1986
3.2.2. Studiogäste in der Sendung vom 10.08.2013
3.2.3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
3.3. Zuschauer
3.3.1. Zuschauer in der Sendung vom 13.10.1986
3.3.2. Zuschauer in der Sendung vom 10.08.2013
3.3.3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
3.4. Einspiele
3.4.1. Einspiele in der Sendung vom 13.10.1986
3.4.2. Einspiele in der Sendung vom 10.08.2013
3.4.3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten

4. Fazit

5. Schlusswort

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Langsam aber sicher wachsen das Internet und das Fernsehen zusammen. Lange Zeit haben die Beiden nebeneinander existiert aber die Entwicklungen der letzten Monate legen nahe, dass wir dieses Jahr einen deutlichen Schritt nach vorne machen, wenn es darum geht Internet und Fernsehen zu verzahnen. Mit Twitter wird zunehmend klar, dass genau das jedoch etwas ist, was die Nutzer durchaus begrüßen. Sie wollen während des Programms bestimmte Szenen kommentieren, Ausschnitte weiterleiten und mit dem Programm direkt interagieren.“ Dieses Statement von Bertram Gugel macht deutlich, dass durch das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet die Möglichkeit für den TV-Zuschauer entsteht, jederzeit mit dem Programm interagieren zu können. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese neu geschaffenen Interaktionsmöglichkeiten anhand der steigenden Zuschaueranforderungen in der Sendung „das aktuelle Sportstudio“ darzustellen. Dazu wird eine Sendung aus dem Jahr 1986 mit einer Sendung von 2013 verglichen. Zu Beginn der Arbeit werden zunächst die Begriffe „Interaktion“ und „Rezeptionsforschung“ erläutert. Anschließend werden dann anhand der Kriterien Moderator, Studiogäste, Zuschauer und Einspiele die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Sendungen erarbeitet und gegenüber gestellt.

2. Begriffserklärungen

2.1.Interaktion

Das Wort Interaktion lässt sich ableiten von den lateinischen Wörtern „inter“ = zwischen und „agere“ = handeln und kennzeichnet in den Sozialwissenschaften die gegenseitige Beeinflussung, die wechselseitige Abhängigkeit sowie das „Miteinander-in-Verbindung-treten“ zwischen Individuen und sozialen Gebilden.1 Interaktion ist im Allgemeinen also das Zusammenspiel von zwei oder mehreren Merkmalen, Größen, Variablen, Konstrukten, Personen oder Verhaltensweisen. Das Wechselspiel zweier Gegebenheiten, bei der die Gegebenheiten Menschen sind, lässt sich als soziale Interaktion beschreiben. Diese zwischenmenschliche Interaktion ergibt sich durch Unterhaltung, Informationsaustausch und Reaktion auf das Gesprochene. Die allen Seiten bewusste Aufeinander-Bezogenheit von zwei oder mehr Menschen zu einem Zeitpunkt t1 und einem anderen Zeitpunkt t2 gilt als minimales Kriterium für soziale Interaktion. Diese findet nicht nur zwischen zwei Menschen statt, sondern auch zwischen den Mitgliedern von Gruppen und sozialen Netzwerken sowie zwischen Gruppen. Des Weiteren wird soziale Interaktion teilweise gleichgesetzt oder im Zusammenhang mit Interdependenz, wechselseitiger Einwirkung, wechselseitigem Einfluss, wechselseitiger Steuerung oder Kontrolle, Austausch oder sogar Macht gesehen.2

2.2. Rezeptionsforschung

Die Rezeptionsforschung beschäftigt sich im Allgemeinen damit, was passiert, wenn Menschen Angebote aus den Medien nutzen. Damit ist die Rezeption von Medienangeboten ihr Gegenstand, worunter alle Phänomene, die damit verbunden sind, dass eine konkrete Person ein konkretes Medienangebot nutzt, verstanden werden. Somit untersucht die Rezeptionsforschung im engen Sinne nur, was unmittelbar vor, während und nach dem Kontakt des Mediennutzers mit dem Medienangebot geschieht.3 Ein weiterer Definitionsversuch besagt, Rezeptionsforschung „stellt die methodisch kontrollierte Untersuchung der sinnlichen Wahrnehmung und kognitiven/emotionalen Verarbeitung medialer Angebote durch eine definierte Rezipientengruppe dar.“ Die Herausforderung der Rezeptionsforschung besteht also an der methodischen Beschreibung des Maßes an Genüssen, Freuden, Erkenntnissen, Unmut und Widerspruch, das ein mediales Angebot bei einem bestimmten Publikum erzeugt.4

3. Kriterienkatalog

Zunächst gilt es zu klären, ob in der vorliegenden Arbeit eine Vergleichbarkeit der ausgewählten Videoausschnitte vorhanden ist. Es liegen zwar 27 Jahre zwischen den beiden Sendungen, sie sind aber dennoch vergleichbar, da es sich um das gleiche Format, in diesem Fall „das aktuelle Sportstudio“, handelt. Für die Auswahl der zufälligen Stichproben wurde die Random-Methode verwendet.

3.1. Moderator

Im vorliegenden Kriterium sollen zum einen die Art der Gesprächsführung, das Verhalten während des Gesprächs sowie der Redeanteil des Moderators untersucht werden. Zum anderen soll aber auch auf die Wahl der Gesprächsthemen sowie die Interaktion zwischen Moderator und Zuschauer eingegangen werden.

3.1.1. Moderator in der Sendung vom 13.10.1986

Zu Beginn der Sendung geht der Moderator Harry Valerién mit seinen beiden Studiogästen Franz Beckenbauer und Wolfram Wuttke vom Rand zur Mitte des Studios. Dabei hält er die beiden an den Oberarmen fest und führt sie regelrecht, was für den Zuschauer einen starken Eindruck der Kontrolle hinterlässt.5 Während der Eingangsgespräche bleiben die drei Akteure in der Studiomitte stehen. Zunächst geht Valerién auf eine kurze Aussage von Beckenbauer ein, woraufhin im Anschluss weitere Fragen bezüglich des aktuellen Spieltages an Beckenbauer gerichtet werden. Anschließend, bevor er Wuttke ein paar Fragen zu seiner ersten Erfahrung mit der Nationalmannschaft stellt, interagiert der Moderator mit den TV-Zuschauern aus der DDR, indem er diese speziell begrüßt.6 Es ist gut zu erkennen, wie sich Harry Valerién zuerst Franz Beckenbauer und danach Wolfram Wuttke im Gespräch zuwendet, wenn er ihnen Fragen stellt.7 Das ist von besonderer Bedeutung in der Gesprächsführung, um dem Partner die notwendige Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Vor dem Einspiel mit der Zusammenfassung des Spiels zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem FC Bayern München erzählt der Moderator von vergangenen Begegnungen und der starken Rivalität der beiden Kontrahenten, um dadurch den Zuschauern vielseitige Hintergrundinformationen zu bieten.8 Im Anschluss an das lange Einspiel findet ein 6:45 Minuten dauerndes Einzelinterview zwischen dem Moderator Harry Valerién und Wolfram Wuttke, dem derzeitigen Torjäger des 1. FC Kaiserslautern, statt. Anders als bei den Eingangsgesprächen sind nun zwei Drehstühle an einem kleinen Glastisch aufgebaut, auf denen die beiden Platz nehmen. Der Moderator leitet das Gespräch sehr geschickt und stellt Herrn Wuttke zunächst Fragen zum aktuellen Spiel gegen den FC Bayern München. Anschließend fordert er ihn auf, von den Anfängen und Problemen seiner bisherigen Karriere zu erzählen. Zum Ende des Interviews geht es dann um die Zukunft Wuttkes und seine Ambitionen, für die Nationalmannschaft zu spielen.9 Auffällig ist, dass Harry Valerién ständigen Augenkontakt zu Wolfram Wuttke sucht, dieser aber nicht darauf eingeht und häufig ins Publikum oder ins Leere schaut.10 Direkt im Anschluss folgt das Gespräch mit Franz Beckenbauer, welches gesamt 0:53 Minuten länger dauert. Ähnlich wie im Interview mit Wuttke hat der Moderator seine Fragen im Schema Gegenwart - Vergangenheit - Zukunft aufgebaut. Anfangs sprechen die beiden darüber, ob Beckenbauer seinen aktuellen Vertrag als deutscher Nationaltrainer verlängern wird oder nicht. Weiter im Interview geht es um die Eindrücke nach der vergangenen WM in Mexiko, abgeschlossen von den anstehenden Länderspielen und der Nominierung des Kaders dafür.11 Insgesamt ist der Redeanteil zwischen dem Moderator und seinen Studiogästen in beiden Gesprächen nahezu ausgeglichen, mit leichter Überwogenheit dessen der Gäste. Im Laufe des Torwandschießens kommen mehrere aufheiternde Kommentare von Valerién in Richtung der beiden Gäste. Zudem bezieht der Moderator das Publikum mit ein, indem er frägt, ob jemand den Ball zwischen den Schüssen zurückbringen möchte.12

3.1.2. Moderator in der Sendung vom 10.08.2013

Zum Auftakt der Sendung heißt der Moderator Michael Steinbrecher seine ersten beiden Studiogäste Franz Beckenbauer und Rudi Völler, die aus einem kleinen Nebengang zur Mitte des Studios gehen, herzlich Willkommen. Als Symbol der Begrüßung geben sie sich die Hände.13 Direkt im Anschluss begrüßt er Mario Götze, der ebenfalls aus dem Seitengang in die Mitte des Studios kommt und jeden mit einem Händedruck begrüßt.14 Zunächst frägt der Moderator seine Gäste, während sie auf einer dezenten Sitzcouch platz nehmen, zu deren Erinnerungen an die Sendungen der vergangenen 50 Jahre. Dabei bezieht er jeden Einzelnen gleichermaßen in das Gespräch mit ein, um die Redeanteile gerecht aufzuteilen. Hinzu kommt, dass Michael Steinbrecher ein kurzes Video eines alten Torwandduells zwischen Dieter Kürten und Franz Beckenbauer einspielen lässt, um die Erinnerungen an diese Geschichte zu wecken.15 Anschließend beginnt die große Gesprächsrunde in der Mitte des Studios, wozu fünf Stühle in der Form eines Halbkreises mit Blick auf die Zuschauertribüne aufgestellt wurden. Michael Steinbrecher sitzt, wie gewöhnlich für einen Moderator, in der Mitte des Halbkreises und leitet die Gespräche. Zu Beginn lässt sich erkennen, dass der Moderator viele schnelle Wechsel der Redner veranlasst, indem er knappe Fragen stellt und sofort nach Beantwortung der Frage den nächsten Gast mit einbezieht.16 Dies wird im Laufe der Zeit jedoch weniger, denn er lässt die Gespräche der Gäste untereinander durchaus länger laufen ohne einzugreifen. Die gewählten Gesprächsthemen von Michael Steinbrecher sind sehr unterschiedlich und interessant. Es beginnt mit den ersten Auftritten im aktuellen Sportstudio von Beckenbauer und Völler sowie den Erfahrungen mit den Medien in deren aktiver Fußbalkarriere. Hinzu kommt das Thema Doping in der früheren Zeit einschließlich der Einführung und Entwicklung der Dopingkontrollen. Zum Ende spricht er mit Mario Götze über die Gründe für seinen kürzlichen Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Bayern München.17 Auffällig ist, dass der Moderator ständigen Augenkontakt zu den sprechenden Studiogästen hält und sich ihnen zuneigt, wenn er eine Frage stellt.18 Das Torwandschießen im Anschluss moderiert Johannes B. Kerner, welcher den ehemaligen Eishockeyprofi Lorenz Funk in das Studio bittet.19 Er ist der einzige Gast, der jemals sechs Treffer auf die ZDF-Torwand erzielt hat. Während die Gäste abwechselnd auf die Torwand schießen, gibt der Moderator häufig kleine, aufmunternde Zwischenkommentare ab und fordert das Publikum zur Unterstützung auf.20 Zum Abschluss der Sendung überreicht Johannes B. Kerner dem Sieger des Torwandduelles, Mario Götze, einen Siegerpokal.21

3.1.3. Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Im Vergleich der beiden Sendungen fallen einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten auf. Zunächst werden die Unterschiede aufgelistet.

- Begrüßungsstil

In der Sendung aus dem Jahr 1986 führt der Moderator seine Gäste zur Mitte des Studios und hält sie dabei an den Armen fest, wohingegen im Jahr 2013 der Moderator schon in der Mitte steht und seine Gäste aus einem Nebengang zu ihm bittet. Durch letzteres wird den geladenen Persönlichkeiten eine deutlich höhere Aufmerksamkeit entgegen gebracht.

[...]


1 Witte, Marc, 2000

2 Psychologielexikon, 2010

3 Gehrau, Prof. Dr. Volker, 2008

4 Wardetzky, Kristin, 2003

5 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 0:29 - 0:34

6 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 2:26 - 2:29

7 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 1:39 - 1:50

8 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 3:29 - 4:03

9 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 7:11 - 13:56

10 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 11:10 - 11:20

11 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 13:57 - 21:35

12 http://www.youtube.com/watch?v=sDOLy6WSbMY; timecode 22:02 - 22:04

13 http://www.youtube.com/watch?v=bQIVartP9TI ; timecode 0:00 - 0:29

14 http://www.youtube.com/watch?v=bQIVartP9TI ; timecode 0:36 - 1:03

15 http://www.youtube.com/watch?v=bQIVartP9TI ; timecode 1:05 - 3:33

16 http://www.youtube.com/watch?v=bQIVartP9TI ; timecode 3:35 - 4:20

17 http://www.youtube.com/watch?v=bQIVartP9TI ; timecode 3:35 - 19:40

18 http://www.youtube.com/watch?v=bQIVartP9TI ; timecode 10:34 - 10:45

19 http://www.youtube.com/watch?v=4HDLh8abN-I ; timecode 0:49 - 1:05

20 http://www.youtube.com/watch?v=4HDLh8abN-I ; timecode 2:54 - 2:58

21 http://www.youtube.com/watch?v=4HDLh8abN-I ; timecode 7:29 - 7:32

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656853978
ISBN (Buch)
9783656853985
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285141
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,3
Schlagworte
Sportstudio Interaktion Rezeptionsforschung Kriterienkatalog Zuschauer Studiogäste

Autor

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