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Eine Studie zum emotionalen Essverhalten im geschlechtsspezifischen Kontext

Welches Geschlecht neigt eher dazu, negative Emotionen mit Essen zu kompensieren?

Wissenschaftliche Studie 2012 15 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Theoretischer Teil
1.1 Ernährung im geschlechtsspezifischen Kontext
1.2 Emotionales Essen
1.3 Emotionales Essverhalten im geschlechtsspezifischen Kontext
1.3.1 Hintergrund
1.3.2 Bisherige Forschung
1.3.3 Aktuellster Stand der Forschung
1.3.4. Eigene Studie

2. Methoden
2.1 Stichprobe
2.2 Material
2.3 Durchführung

3. Ergebnisse

4. Diskussion
4.1 Ergebnisse der Analyse
4.2 Mögliche Ursachen
4.3 Kritik
4.3.1 Altersspanne
4.3.2 Planung
4.3.3 Einweisung der Probanden
4.4 Schlussfolgerungen für die Zukunft

5. Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Im Bereich „Ernährung“ gibt es zahlreiche geschlechtsspezifische Differenzen. Zu diesen zählen auch Unterschiede im Bezug auf das emotionsbedingte Essverhalten, welche in der vorliegenden Studie näher untersucht wurden. Das Ziel war es herauszufinden, ob Frauen eher dazu neigen negative Emotionen durch Essen zu kompensieren als Männer. Dazu wurde eine Untersuchung von 49 männlichen und 46 weiblichen Studenten im Alter von 19 bis 35 Jahren an der Fachhochschule für angewandtes Management und der Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin durchgeführt. Um Störfaktoren zu minimieren, nahmen die Probanden an, sie würden an einer Konsumumfrage teilnehmen. Als Erhebungsinstrument diente ein Fragebogen bestehend aus 13 Items zum Konsumverhalten und 12 Fragen zu emotionsbedingtem Essen aus dem Inventar zum Essverhalten und Gewichtsproblemen (IEG) nach Diehl und Staufenbiehl. Das Ergebnis der Studie zeigte einen signifikanten Unterschied mit p < .01 und ergab Mittelwerte von M = 24.91 (SD = 7.08) bei den Frauen und M = 20.51 (SD = 6.96) bei den Männern. Damit konnten die bisherigen Forschungsergebnisse zum Thema repliziert und die Hypothese der Autoren, dass Frauen negative Emotionen häufiger durch Essen bewältigen als Männer, bestätigt werden.

1. Theoretischer Teil

1.1 Ernährung im geschlechtsspezifischen Kontext

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass es Unterschiede im Ernährungsverhalten von Männern und Frauen gibt. Frauen ernähren sich überwiegend gesünder als Männer. Sie verzehren häufiger Obst und Gemüse, Milchprodukte wie Joghurt und Quark, Vollwertwaren und Lightprodukte. Männer hingegen bevorzugen energiereiche, fleischhaltige und stark gewürzte Speisen. Zudem nehmen sie öfter alkoholhaltige Getränke zu sich als Frauen (vgl. Setzwein, 2004a, S. 51).

Auch im Bezug auf die Einstellungen zum Essen gibt es ebenfalls geschlechtstypische Unterschiede. Verschiedene Studien zeigen, dass Frauen ein stärkeres Interesse an Themen zur gesunden Ernährung haben und deshalb über eine ausgeprägtere Kompetenz in diesem Bereich verfügen als Männer. Dementsprechend verhalten sich Frauen bei der Nahrungszusammenstellung bewusster. Bei Männern hingegen ist die Einstellung zum Essen lustbetonter. Häufiger ist der Geschmack das entscheidende Kriterium bei der Nahrungsmittelwahl (vgl. Setzwein, 2004a, S. 53). Die Unterschiede in der geschlechtsspezifischen Nahrungsauswahl haben messbare Folgen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes (2010) sind 60 % der Männer übergewichtig. Bei den Frauen hingegen sind es nur 43 %. In allen Altersgruppen sind Männer häufiger übergewichtig als Frauen (vgl. Pressemitteilung Statistisches Bundesamt, 2010). Anders verhält es sich mit Essstörungen wie Bulimie und Anorexie. Hier dominiert die weibliche Bevölkerung mit einem Anteil von 95 % klar (vgl. Berger, 2011, S. 4). Die unterschiedlichen Einstellungen zum Essen, die Ernährungsweisen inklusive der damit verbundenen Krankheiten sind sicherlich im Sozialisierungsprozess begründet. Schon früh werden Jungs als „tüchtige Esser“ gelobt, wenn sie noch einen Nachschlag verlangen. Der gesunde Appetit der Mädchen wird hingegen seltener hervorgehoben, da die Eltern hoffen, dass es die Tochter später einmal leichter haben wird, wenn sie schlank ist. Bereits im frühen Jugendalter zügeln Mädchen ihren Appetit und kontrollieren ihre Nahrungsaufnahme, da sie „begriffen“ haben, dass es sich für ein Mädchen „gehört“ beim Essen Zurückhaltung zu wahren um der Figur keinen Schaden zuzufügen (vgl. Setzwein, 2004a, S. 54). Die deutlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bereich Ernährung machen deutlich, dass man sowohl bei der Behandlung von Essstörungen, als auch beim Kampf gegen Übergewicht die Variable Geschlecht beachten sollte, um erfolgreiche Interventionsmaßnahmen entwickeln zu können. Aufgrund solcher Unterschiede, „drängen sich geschlechtsspezifische Ansätze besonders auf.“ (Berger, 2011, S. 19).

1.2 Emotionales Essen

„Essen hat neben der Hungersättigung wichtige andere Funktionen zu erfüllen. So dient Essen nicht selten auch der Affektregulation z.B. im Sinne einer Koppelung negativer emotionaler Zustände und der Nahrungsaufnahme (z.B. Eltern trösten ihre Kinder durch das Angebot von Süßigkeiten)“ (Herpertz, 2008, S. 293).

Unter emotionalem Essen versteht man die Nahrungsaufnahme aufgrund negativer emotionaler Zustände wie Ärger, Traurigkeit, Einsamkeit, Langeweile oder Angst. Das Essen führt dabei zu einer Veränderung des negativen emotionalen Zustandes, wodurch eine Selbstregulierung von Emotionen ermöglicht wird (vgl. Grunert, 1993, S. 57). Auf diese Weise werden negative Emotionen von „emotionalen Essern“ durch Nahrungsaufnahme bewältigt. Meistens greifen sie in stressigen Situationen vermehrt zu süßen und fettreichen Nahrungsmitteln (vgl. Macht, 2005, S. 305). Bereits in der frühen Kindheit lernen Menschen, dass man durch Essen, „schlechte Gefühle“ eliminieren kann.

1.3 Emotionales Essverhalten im geschlechtsspezifischen Kontext

1.3.1 Hintergrund

Wie bei vielen Themen aus dem Bereich Ernährung scheint es auch im Bezug auf das emotionale Essverhalten Unterschiede zu geben, die auf das Geschlecht zurückzuführen sind. Wichtig könnten solche Erkenntnisse bei der Entwicklung geeigneter Analyse- und Interventionsverfahren sowie effektiver Präventionsmaßnahmen gegen Übergewicht werden.

1.3.2 Bisherige Forschung

Zur Thematik gibt es bereits eine ganze Reihe an Forschungsergebnissen. Diese zeigen immer wieder, dass Frauen eher dazu neigen emotionale Belastung durch Essen zu kompensieren als Männer. „In naturalistischen Studien von Leon und Chamberlain (1973), Buchanan (1973) und Hoiberg et al. (1980) zeigten sich signifikante Zusammenhänge zwischen negativen Emotionen und Essverhalten, die bei Frauen signifikant stärker ausgeprägt waren als bei Männern.“ (Lautenbacher, Güntürkün & Hausmann, 2007, S. 245). Eine zur Konstruktion des Inventars zum Essverhalten und Gewichtsproblemen (IEG) durchgeführte Befragung von 355 Frauen und 230 Männern mit einem praktisch gleichem Durchschnittsalter von m = 38,1 (Frauen) und m = 37,6 (Männer) ergab, „dass Frauen eher dazu neigen, auf emotionale Belastung mit Essen zu reagieren.“ (Diehl & Staufenbiehl, 1999, S. 41).

1.3.3 Aktuellster Stand der Forschung

Eine aktuelle Studie zum Thema wurde im Jahre 2005 durch ein Forscherteam um Jordan LeBel von der Cornell-Universität in Ithaca in Zusammenarbeit mit der McGill-Universität in Kanada durchgeführt. Dabei wurden 196 Frauen und 101 Männer befragt, unter welchen Bedingungen sie am ehesten zu „Comfort Food“ greifen. Im Ergebnis stellte sich heraus, dass das bei Frauen vor allem der Fall war, wenn sie schlechte Gefühle kompensieren wollten. Bei Männern hingegen war der Konsum von „Seelenfutter“ vor allem durch positive Gefühle geprägt. „Consistent with expectations, results indicate that men’s comfort food consumption was motivated by positive emotions whereas women’s consumption was triggered by negative effects.” (LeBel, Dube & Lu 2005, S. 559).

Eine weitere sehr aktuelle Studie wurde 2009 an 100 adipösen Männern durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass 18 % von ihnen emotionale Esser waren (vgl. Walfish, 2009, S. 49). Im Vergleich dazu ergab eine ebenfalls von Walfish im Jahre 2004 durchgeführte Studie, bei der 122 adipöse Frauen mit dem gleichen Fragebogen befragt wurden, dass 40 % von ihnen emotionale Esser waren (vgl. Walfish, 2004, S. 1402).

1.3.4. Eigene Studie

Da die Letzte Studie an nicht adipösen Probanden zum Thema bereits sieben Jahre zurück lag und im englischsprachigen Raum durchgeführt wurde, war es interessant zu erfahren, zu welchem Ergebnis ein aktueller Versuch in Deutschland kommen würde. Zudem war die Stichprobe in der aktuellen Studie bezüglich des Bildungsstandes relativ homogen, da sie sich ausschließlich aus Studenten zusammensetzte. Eventuell ließen sich aus Abweichungen, zu den bisherigen Forschungsergebnissen, Rückschlüsse auf den Bildungstand schließen. Dadurch wäre eine Anregung für weitere Forschungen diesbezüglich geschaffen. Die Hypothese dieser Studie war, dass sich die bisherigen Forschungsergebnisse bestätigen und Frauen eher emotional bedingt essen als Männer. Es wurde vermutet, dass weder die Tatsache, dass es sich bei den Versuchspersonen ausschließlich um Studenten handelte, noch, dass die Befragung in Deutschland durchgeführt wurde, einen Einfluss auf die Fragestellung haben würde.

2. Methoden

2.1 Stichprobe

Die Untersuchung wurde im Zeitraum vom Mai bis Juli an der Hochschule für Gesundheit und Sport sowie an der Fachhochschule für angewandtes Management in Berlin durchgeführt. Es nahmen insgesamt 98 studentische Versuchspersonen teil, welche für die Teilnahme an der Befragung nicht entlohnt wurden. Die Teilnehmer wurden nach einer Absprache mit dem unterrichtenden Dozenten, zu Beginn der ersten Unterrichtsstunde des jeweiligen Tages, gefragt, ob sie an der Studie teilnehmen möchten. Alle Studenten willigten ein und füllten den Fragebogen aus. Drei Probanden mussten im Nachhinein aufgrund unvollständig ausgefüllter Fragebögen aus der Analyse ausgeschlossen werden. Von den verbleibenden 95 Versuchsteilnehmern sind n = 49 männlich (52 %) und n = 46 weiblich (48 %).

Das Alter der Probanden rangiert von 19 bis 35 Jahren und beträgt im Mittel 25,8 Jahre (SD = 4,43, siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Altersverteilung

2.2 Material

Bei der Untersuchung, welche durch vier Personen durchgeführt wurde, kam es zum Einsatz eines Papier-Bleistift-Tests in welchem, die zur Messung des Konstrukts notwendigen Testitems integriert waren. Diese zwölf Testitems wurden durch weitere 13 Items ergänzt, um bei den Probanden den Eindruck zu erwecken, dass es sich bei der Befragung um eine Konsumumfrage handelte. Dadurch sollte das Risiko minimiert werden, dass Versuchsteilnehmer die Fragen aus Gründen der sozialen Erwünschtheit, nicht den Tatsachen entsprechend beantworten. Der Test bestand somit aus insgesamt 25 Fragen. Die zwölf Testitems (siehe Tabelle 2) wurden aus der Skala „Essen als Mittel gegen (emotionale) Belastung“ des Inventars zum Essverhalten und Gewichtsproblemen (IEG) nach Diehl und Staufenbiehl entnommen. Diese Skala umfasst insgesamt 20 Items und „erfasst, wieweit eine Person Essen als Mittel zur Bewältigung von emotionalen Belastungssituationen einsetzt“ (Diehl & Staufenbiehl, 1999, S. 39). Die Skala wird von den Testentwicklern mit einer internen Konsistenz von α = .95 angegeben. Zur Validität der Skala lassen sich nur wenige Angaben finden. Die Autoren untersuchten die inhaltliche und logische Validität des Fragebogens und gaben diese als zufriedenstellend an. Die Berechnung der Reliabilität der zwölf Testitems aus dem für diese Untersuchung verwendeten Fragebogens ergab einen hohen Wert von α = .927 (siehe Abbildung 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung. 2: Reliabilität der Testitems

Für die Auswertung der Daten wurde die Statistiksoftware PASW Statistics 18.0 für Windows 2007 eingesetzt. PASW steht für „Predictive Analytics Software“. Neuere und ältere Versionen von PASW Statistics 18.0 sind unter dem Namen „SPSS“ (Superior Performing Software System) oder ab Version 19.0 „IBM SPSS Statistics“ bekannt.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656853855
ISBN (Buch)
9783656853862
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285124
Institution / Hochschule
Hochschule für Gesundheit und Sport, Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Essverhalten Geschlecht Geschlechtsspezifisch Binge Eating Emotionen negative Emotionen Depression Essstörung Kompensation Ersatzbefriedigung

Autor

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Titel: Eine Studie zum emotionalen Essverhalten im geschlechtsspezifischen Kontext