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Wertschöpfung durch Klimaschutz. Eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung

Bachelorarbeit 2014 50 Seiten

Energiewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

1 Einleitung

2 Methodisches Vorgehen

3 Zentrale Begrifflichkeiten - Definition und Bedeutsamkeiten
3.1 Klimaschutz
3.2 Emeuerbare Energien
3.3 Energieeffizienzmaßnahmen
3.4 Wertschöpfung

4 Wertschöpfungsebenen und Wertschöpfungseffekte
4.1 Nationale Wertschöpfung
4.1.1 Erneuerbare Energien
4.1.2 Energieeffizienzmaßnahmen
4.2 Kommunale Wertschöpfung
4.2.1 Erneuerbare Energien
4.2.2 Energieeffizienzmaßnahmen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Nutzungsmöglichkeiten des regenerativen Energieangebots 9

Abb. 2: Wertschöpfungsstufen 16

Abb. 3: Zusammenhänge zentraler Begrifflichkeiten 17

Abb. 4: Nationale Wertschöpfung im globalen Wertschöpfungskontext 19

Abb. 5: Beschäftigungsentwicklung in der Erneuerbaren-Energien-Branche 21

Abb. 6: Entwicklung des Bruttoinlandproduktes und der Exportumsätze 22

Abb. 7: Gesamtwertschöpfung durch Erneuerbare Energien 23

Abb. 8: Direkte und indirekte Wertschöpfungseffekte von Erneuerbaren Energien 24

Abb. 9: Sektorale Verteilung der Produktionswirkungen 27

Abb. 10: Zentrale Elemente kommunaler Wertschöpfung 28

Abb. 11: Kommunale Wertschöpfung im globalen Wertschöpfungskontext 30

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Charakteristika verschiedener Wertschöpfungsarten 14

Tab. 2: Regionale Gesamtwertschöpfung der Modellregionen 32

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den ökonomischen Effekten von Emeuerbaren Ener­gien und Energieeffizienzmaßnahmen im Zusammenhang mit Klimaschutz. Bei den Maß­nahmen zur Steigerung der Energieeffizienz richtet sich der Fokus insbesondere auf die ener­getische Sanierung des Gebäudebestandes. Unter der dabei getroffenen Annahme, dass Er­neuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen Wertschöpfung generieren, wird zu­sammenfassend herausgestellt, um welche Wertschöpfungseffekte es sich konkret handelt. Darüber hinaus wird analysiert, ob derartige Effekte sowohl auf kommunaler als auch auf nationaler Ebene auftreten und wie hoch diese in den einzelnen Wertschöpfungsebenen aus­fallen. Dazu wird bei dieser theoretischen Analyse neben einschlägigen Fachbüchern (z.B. Kaltschmitt et al. 2013; Ströble et al. 2012) hauptsächlich auf entsprechende Studien (z.B. Aretz et al. 2013; Bost et al. 2013; Hirschl et al. 2011; Kosfeld et al. 2013; Kucks- hinrichs et al. 2012; Lehr et al. 2012), in denen unter anderem auch die Wertschöpfungsef­fekte von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen bereits betrachtet worden sind, zurückgegriffen. in diesen studien erfolgte die Wertschöpfungsbetrachtung von Erneu­erbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen jedoch weitestgehend getrennt voneinan­der. Auch die einzelnen Wertschöpfungsebenen wurden darin größtenteils separat beleuchtet, sodass es bislang kaum einschlägige Arbeiten zum aktuellen Forschungsstand mit einer ge­samtwirtschaftlichen Betrachtung der Wertschöpfung durch Klimaschutz gibt. Aus dieser Forschungslücke resultierte letztendlich die Motivation des Autors zur Anfertigung dieser Arbeit. Im Ergebnis wird deutlich, dass sowohl durch die Nutzung von Erneuerbaren Ener­gien als auch von Energieeffizienzmaßnahmen auf nationaler und kommunaler Ebene eine Reihe von Effekten generiert werden und diese somit zur Gesamtwertschöpfung beitragen. Der größere Anteil davon ist auf die kommunale Ebene zurückzuführen. Dies lässt folglich ein hohes Wertschöpfungspotential der Kommunen erkennen.

Abstract

The following thesis deals with the economic effects of renewable energies and measures of energy efficiency in the context of climate protection. The measures to increase energy effi­ciency are focused especially on the energy restoration rehabilitation of existing buildings. Under the assumption made here that renewable energies and measures of energy efficiency generate added value, it will be exposed in summary which value effects are affected. Addi­tional it is analyzed if such effects occur both at local and at national level and how intensive they are distinct on each grade of value added. Therefore, this theoretical analysis is based on specialist books (e.g. Kaltschmitt et al. 2013; Ströble et al. 2012) but mainly on relevant studies (e.g. Aretz et al. 2013; Bost et al. 2013; Hirschl et al. 2011; Kosfeld et al. 2013; Kuckshinrichs et al. 2012; Lehr et al. 2012), which are already conducted in scope of value added via renewable energies and measures of energy efficiency. In these studies the consid­eration of value added between renewable energies and measures of energy efficiency takes place mostly separated from each other. The same concerns the individual level of value add­ed so that exists rarely papers to the current state of research regarding a macroeconomic view to the value added by climate protection. From this gap of research results the motivation of the author for this thesis. As outcome it is clear that both utilization of renewable energies and measures of energy efficiency generate a number of specific effects both at local and at na­tional level contributing to the entire value added. The main part refers on local level. This concludes a high potential of value added of the communes.

1 Einleitung

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 beschloss die Bundesregie­rung, bis zum Jahr 2022 alle Kernkraftwerke in Deutschland sukzessive abzuschalten und sich in diesem Zuge als erste industrienation der Welt endgültig von der Atomkraft zu verab­schieden (vgl. Friege und Kampwirth 2012, S. 163). Mit diesem energie- und klimapolitisch festgesetzten Ziel gewinnen sowohl Erneuerbare Energien[1]als auch Energieeffizienzmaß- nahmen[2]zunehmend an Bedeutung.

Auch die Nutzung anderer konventioneller Energieträger wie die Fossilen[3], auf denen bislang ein Großteil der weltweiten Energieversorgung aber auch die sich negativ auf den Klimawan­del[4]auswirkende Treibhausgasemission basiert, soll bis 2050 schrittweise eingestellt werden (vgl. Benndorf et al. 2014, S. 34). Dadurch rücken Erneuerbare Energien und Energieeffi­zienzmaßnahmen ebenfalls verstärkt in den Fokus der Betrachtung und werden im Zusam­menhang mit Klimaschutz thematisiert.

Zudem machte sich die Bundesregierung im Rahmen eines Energiekonzepts zur Aufgabe, die energetische Sanierungsrate von jährlich etwa 1 Prozent auf 2 Prozent zu verdoppeln, um damit bis 2020 den Wärmebedarf um 20 prozent und bis 2050 den primärenergiebedarf im Gebäudebereich um 80 Prozent zu reduzieren. Die energetische Sanierung des Gebäudebe­stands ist der Bundesregierung zufolge neben dem Ausbau Erneuerbarer Energien mitunter eine der wichtigsten Maßnahmen zur nachhaltigen Minderung des Verbrauchs fossiler Ener­gieträger und zur Reduzierung der Energieimportabhängigkeit. (vgl. Presse- und Informa­tionsamt der Bundesregierung 2014a)

Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der Anteil Erneuerbarer Energien an der gesam­ten Bruttostromerzeugung seit der Ablösung des Stromeinspeisegesetzes durch das Erneuer- bare-Energien-Gesetz von etwa 7 Prozent im Jahr 2000 auf rund 24 Prozent im Jahr 2013 (vgl. Statistisches Bundesamt 2014) und soll gemäß der im Kabinettsbeschluss der Bun­desregierung vom 6. Juni 2011 festgelegten Ziele bis 2020 mindestens 35 Prozent und bis

2050 mindestens 80 Prozent betragen (vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesre­gierung 2014b). Nach der Braunkohle mit einem Anteil von 26 Prozent waren Erneuerbare Energien damit im Jahr 2012 bereits der zweitwichtigste Energieträger (vgl. Agentur für Erneuerbare Energien 2013, S. 11). Dagegen wurde 2013 lediglich rund 15 Prozent des Stroms in Deutschland durch Kernenergie erzeugt (vgl. Statistisches Bundesamt 2014). Auch am gesamten Endenergieverbrauch, welcher neben dem Strom- auch den Wärme- und Kraftstoffverbrauch umfasst, konnten Erneuerbare Energien weiterhin einen zunehmenden Beitrag leisten. 2012 stieg deren Anteil im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent auf 12,6 Prozent (vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung 2014b).

Die zunehmende Bedeutung von Erneuerbaren Energien und von Energieeffizienzmaßnah­men wird auch anhand steigender Beschäftigtenzahlen[5]in dieser Branche deutlich. Während hierzulande im Jahr 2004 etwa 160.500 Menschen im Bereich der Erneuerbaren Energien beschäftigt waren, hat sich die Anzahl der Arbeitsplätze bis 2012 deutlich mehr als verdoppelt und stieg auf 378.000 an. Damit haben sich die Arbeitsplatzzahlen um mehr als 135 Prozent gesteigert. Folglich impliziert der Ausbau Erneuerbaren Energien auch positive Impulse für die Entwickelung des Arbeitsmarktes und schafft in fast allen wissenschaftlichen Szenarien mehr Arbeitsplätze als die auf dauerhafter Nutzung von konventionellen Energieträgern basie­renden Referenzszenarien. Insbesondere in den neuen Bundesländern hat sich die Erneuerba- re-Energien-Branche zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor entwickelt. Inzwischen arbeitet dort bereits jeder siebzigste Arbeitnehmer[6]direkt oder indirekt für den Ausbau von Solar-, Wind- oder Bioenergie sowie Wasserkraft oder Geothermie. Bundesweit ist im Durchschnitt jeder hundertste Deutsche in dieser Branche beschäftigt. Das Bundesministerium für Um­welt, Naturschutz und Reaktorsicherheit prognostiziert bis zum Jahr 2030 einen mög­lichen Anstieg der Beschäftigtenzahlen auf 520.000 bis 640.000. Der Markt für Erneuerbare- Energien-Technologien weist damit eine exorbitante Dynamik auf und lässt diese Branche zu einer der wichtigsten Wachstumsbranchen werden. (vgl. Agentur für Erneuerbare Ener­gien 2013, S. 24f.)

Mit der Entscheidung zum forcierten Ausstieg aus der Kernenergie gewinnen Energieeffi­zienzmaßnahmen insbesondere in Form der energetischen sanierung von Wohngebäuden an Bedeutung. Diese lässt ein hohes Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz und für den

Klimaschutz erkennen und wird deswegen umfangreich gefördert. Eine wesentlich zu nen­nende Initiative der Bundesregierung zur finanziellen Förderung ist dabei das CO2- Gebäudesanierungsprogramm der KfW[7]. Eine Analyse der ökonomischen Effekte in Bezug auf die Beschäftigung von diesem Programm für die Förderjahre 2005 bis 2007 ergab, dass der direkte Beschäftigungseffekt, gemessen in Personenjahre, 75.000 und die indirekte Be­schäftigung zusätzlich 51.000 betrug. Damit hat dieses Programm im Förderzeitraum der Jah­re 2005 bis 2007 zur Sicherung von mehr als 42.000 Arbeitsplätzen pro Jahr beigetragen. (vgl. Kuckshinrichs et al. 2010, S. 622)

Die damit einhergehenden Veränderungen im Energiesektor wie zum Beispiel der Beschäfti­gungswegfall in der konventionellen Energiebranche, werfen somit auch eine Vielzahl an Fragen hinsichtlich der durch Erneuerbare Energien und durch Energieeffizienzmaßnahmen generierten Wertschöpfung[8]im Zusammenhang mit Klimaschutz auf. Diesen wird in der vor­liegenden Bachelorarbeit zum oben formulierten Thema nachgegangen:

Kommt es unter der dabei getroffenen zentralen Annahme, dass Erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen Wertschöpfung generieren, sowohl auf kommunaler als auch auf nationaler Ebene zu verschiedenen Wertschöpfungseffekten? um welche Wertschöpfungsef­fekte handelt es sich dabei konkret und wie hoch fallen diese in den einzelnen Wertschöp­fungsebenen aus?

Zu diesem Zweck wurden bereits vielzählige Studien erstellt, die sich unter anderem auch mit der Wertschöpfung durch Klimaschutz befassten. Allerdings erfolgte die Betrachtung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen darin weitestgehend getrennt vonei­nander. Auch die einzelnen Wertschöpfungsebenen wurden in diesen Studien größtenteils separat beleuchtet, sodass es bislang kaum einschlägige Arbeiten zum aktuellen Forschungs­stand mit einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung der Wertschöpfung durch Klimaschutz gibt. Dies ist das Ziel der Bachelorarbeit.

um mögliche Antworten auf die zuvor genannten Fragen zu finden, werden in der Bachelor­arbeit, nach einer grundlegenden Betrachtung und Abgrenzung zentraler Begrifflichkeiten in

Kapitel 3 vor allem die ökonomischen Effekte von Emeuerbaren Energien und von Energieef­fizienzmaßnahmen auf den jeweiligen Wertschöpfungsebenen in Kapitel 4 herausgestellt. Dazu erfolgt zu Beginn der Betrachtungsebenen jeweils eine bezugsraumspezifische Abgren­zung des Wertschöpfungsbegriffs. Dies bildet das wesentliche Fundament der Arbeit.

Mit dem daraus resultierenden Erkenntnisgewinn wird anschließend in Kapitel 5 ein kurzer Vergleich der Wertschöpfungseffekte von Erneuerbaren Energien und von Energieeffizienz­maßnahmen mit denen konventioneller Energiequellen geschaffen. Abschließend soll es da­mit möglich sein, aus Wertschöpfungsperspektive fundierte Aussagen darüber treffen zu kön­nen, ob die immer zunehmende Bedeutung von Erneuerbaren Energien und von Energieeffi­zienzmaßnahmen im Zusammenhang mit Klimaschutz letztendlich auch in deren Wertschöp­fung begründet liegt.

2 Methodisches Vorgehen

Da die Wertschöpfung durch Emeuerbare Energien und durch Energieeffizienzmaßnahmen bislang noch weitestgehend unerforscht ist, steht gegenwärtig nur unzureichend Datenmaterial zur Verfügung, um empirisch arbeiten zu können. Auch von einer eigenständigen Primärda­tenerhebung oder Wertschöpfungsberechnung wird im Rahmen dieser Bachelorarbeit abgese­hen, sodass die Anfertigung in Form einer reinen Literaturarbeit erfolgt. Bei dieser theoreti­schen Analyse wird neben einschlägigen Fachbüchern (z.B. Kaltschmitt et al. 2013; Ströble et al. 2012) hauptsächlich auf entsprechende Studien (z.B. Aretz et al. 2013; Bost et al. 2013; Hirschl et al. 2011; Kosfeld et al. 2013; Kuckshinrichs et al. 2012; Lehr et al. 2012), in denen unter anderem auch die Wertschöpfungseffekte von Erneuerbaren Ener­gien und Energieeffizienzmaßnahmen bereits betrachtet worden sind, zurückgegriffen. Diese stellen somit die Basisliteratur dar und bilden damit die theoretische Grundlage. Die Wert­schöpfungsbetrachtung erfolgt dabei exemplarisch für eine Auswahl von Jahren, auf die sich auch die jeweiligen Wertschöpfungsermittlungen und deren Ergebnisse, der für diese Arbeit relevanten Energiestudien, beziehen. Dabei wird weitestgehend versucht, sich auf die jüngs­ten Studien zu beziehen, um ein Abbild des aktuellen Forschungsstandes schaffen zu können. Mit deren Ergebnissen soll es gelingen, in vergleichender, zusammenfassender Darstellungs­weise zum gewünschten Erkenntnisgewinn zu gelangen und folglich die in der Einleitung formulierten zentralen Fragestellungen der Arbeit beantworten zu können.

3 Zentrale Begrifflichkeiten - Definitionen und Bedeutsamkeiten

In diesem Kapitel erfolgt eine grundlegende Betrachtung und Abgrenzung zentraler Begriff­lichkeiten, welche im weiteren Verlauf der Arbeit fortwährend Anwendung finden. Dabei wird dem Leser anhand einer definitorischen Begriffsbestimmung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen aufgezeigt, was genau unter diesen Kernbegriffen zu verste­hen ist und in welchem Zusammenhang diese mit Klimaschutz und Wertschöpfung stehen.

3.1 Klimaschutz

Der zunehmende Verbrauch fossiler Energieträger stellt bislang die Hauptursache für die vom Menschen hervorgerufene Treibhausgasemission und die damit einhergehende Klimaerwär­mung dar. Um die daraus resultierenden negativen Auswirkungen[9]des globalen Klimawan­dels zu restringieren, ist es unumgänglich, die Nutzung fossiler Energieträger drastisch zu reduzieren (vgl. Quaschning 2013, S. 43). Eine kohlenstoffärmere Energieversorgung ist somit ausschlaggebend für eine effiziente Strategie, um das Klima nachhaltig[10]schützen zu können (vgl. Bardt 2007, S. 11). Wenn die Kernenergie dabei keine adäquate Alternative bietet, stellt sich die Frage, wie sich die Energieversorgung zukünftig gestalten lässt damit derselbe Nutzenenergiebedarf mit einem wesentlich geringeren Einsatz an klimaschädigender Primärenergie erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang ist die Substitution fossiler durch die hier im folgenden Kapitel 3.2 beschriebenen erneuerbaren Energieträger unumgäng­lich, da nur sie den Energiebedarf der Erde klimaverträglich decken können (vgl. Quaschning 2013, S. 34f.). Auch über die Erhöhung der Energieeffizienz, welche durch die hier im Kapitel 3.3 beschriebenen Energieeffizienzmaßnahmen herbeigeführt werden kann, herrscht sowohl in der Wissenschaft als auch in der Politik weitestgehend Konsens. Dabei gilt es den Verbrauch klimaschädlicher Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas einzuschränken um damit positiv zum Klimaschutz beizutragen (vgl. Kahl und Schmidtchen 2013, S. 3).

Frühzeitig erkannt wurde diese Notwendigkeit auch von Meadows, welche er bereits im Jah­re 1972 in seinem Buch ,,Die Grenzen des Wachstums’’ thematisierte und u.a. damit bekräf­tigte, dass die Klimawandelfolgekosten diejenigen eines rechtzeitigen Klimaschutzes wohl deutlich übersteigen werden (vgl. Meadows 1972, S. 73). Auch Stern rief dies in „The Eco­nomics of Climate Change’’ erneut in Erinnerung und betonte damit den bewussteren Um­gang mit natürlichen Ressourcen[11](vgl. Stern 2006, S. 138ff., 161ff., 238ff.).

Trotz dessen Klimaschutz aufgrund der oben beschriebenen Zusammenhänge mit Klimawan­del eine globale Herausforderung darstellt, kann die Verantwortung nicht auf die internationa­le Ebene abgewälzt werden. Vor diesem Hintergrund birgt insbesondere die kommunale Ebe­ne mit den dort inzwischen verfügbaren rechtlichen Instrumenten ein bisher noch zu wenig genutztes Potenzial, die globalen Klimaschutzrahmenbedingungen zu komplementieren und die auf höheren Ebenen implementierten Mechanismen zu ergänzen (vgl. Kahl und Schmid- tchen 2013, S. 7). Damit rückt die kommunale Ebene angesichts einer Vielzahl an dezentra­len unternehmerischen Aktivitäten im Bereich von Erneuerbaren Energien und Energieeffi­zienzmaßnahmen für die räumliche Umsetzung energiepolitischer Ziele, Strategien und Leit­bilder zunehmend in den Fokus der Betrachtung. Folglich haben der Ausbau regenerativer Energien und die Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz nicht nur auf nationaler sondern vor allem auch auf kommunaler Ebene im Rahmen des Klimaschutzes an Aufmerk­samkeit gewonnen (vgl. Baumgart und Kötter 2013, S. 54). Welche Bedeutung Erneuerba­ren Energien in diesem Zusammenhang zu kommt und was genau unter dieser Begrifflichkeit zu verstehen ist, wird im folgenden Kapitel thematisiert.

3.2 Erneuerbare Energien

Energie ist die Grundvoraussetzung aller natürlichen Prozesse und somit essentiell für die menschliche Existenz (vgl. Schabbach und Wesselak 2012, S. 5).

Nach Max Planck versteht man unter Energie allgemein die Fähigkeit eines Systems, äußere Wirkungen zu erzeugen. Unterschieden wird dabei zwischen mechanischer, thermischer, elektrischer, chemischer Energie sowie Kern- und Strahlungsenergie. Die Arbeitsfähigkeit der

Energie tritt in der praktischen Energieanwendung in Form von Kraft, Wärme und Licht in Erscheinung. Bei der chemischen Energie sowie Kern- und Strahlungsenergie hingegen ist diese erst durch die Umwandlung in mechanische und/oder thermische Energie existent. (vgl. Kaltschmitt et al. 2013, S. 2)

Hinsichtlich des Energiebedarfs gibt es weltweit große Unterschiede: ein Einwohner Deutsch­lands verbraucht mehr als das Zehnfache der Energie, die beispielsweise einem Einwohner Indiens überhaupt zur Verfügung steht. Dabei werden in Deutschland lediglich 40 Prozent des Primärenergiebedarfs aus dem Landesinneren gedeckt und nur 10 Prozent davon durch Er­neuerbare Energien. (vgl. Schabbach und Wesselak 2012, S. 6)

Ihre Förderung begann hierzulande ab 1991 mit dem fünf Paragraphen umfassenden Stromeinspeisegesetz, nachdem bereits zuvor in den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Diskussion über die von der Menschheit verursachten globalen Erder­wärmung ein erhöhter politischer Druck für den Einsatz von regenerativen Energieträgern entstand (vgl. Ströbele et al. 2012, S. 206).

Der Begriff Erneuerbare Energien, nachfolgend auch regenerative oder alternative Energien genannt, bezeichnet die sich unter menschlichem Zeithorizont von selbst erneuernden und demnach unerschöpflichen Energiequellen. Sie stehen damit gegensätzlich zu fossilen und nuklearen Energieträgern, welche aus über Jahrmillionen andauernden geologischen Prozes­sen hervorgingen und deren Nutzung durch eine stetige Abnahme ihrer Vorkommen charakte­risiert ist (vgl. Schabbach und Wesselak 2012, S. 68f.). Regenerative Energien lassen sich in die drei Bereiche Sonnenenergie, Planentenenergie und geothermische Energie einteilen und befinden sich auf der Erde in einem ständigen Energiefluss: die Sonneneinstrahlung er­reicht kontinuierlich die Erde, die Erdwärme wird stets nach außen abgegeben und Ebbe und Flut laufen auch ohne menschliche Nutzung ab (vgl. Ströbele et al. 2012, S. 203). Durch natürliche Energieumwandlungen entstehen dabei Energieformen wie beispielsweise Wind oder Niederschlag, welche sich technisch nutzen lassen, um Wärme, Elektrizität oder Brenn­stoffe bereitzustellen. Die Möglichkeiten zur Nutzung des regenerativen Energieangebots werden durch die folgende Abbildung veranschaulicht:

[...]


[1]Nach menschlichen Maßstäben werden Energieträger als erneuerbar, regenerativ oder auch alternativ bezeich­net, deren Nutzung kein Aufbrauchen eines grundsätzlich beschränkten Ressourcenvorrats impliziert (vgl. Ströbele et al. 2012, S. 203). Zur ausführlichen Begriffsbestimmung siehe Kapitel 3.2, S. 7.

[2]Maßnahmen, die zur Reduzierung des Endenergieverbrauchs und somit zur Steigerung der Energieeffizienz führen. Zur ausführlichen Begriffsbestimmung siehe Kapitel 3.3, S. 10.

[3]in über Jahrmillionen andauernden Prozessen entstandene und somit in menschlichen Zeitdimension nicht erneuerbare, kohlenstoffhaltige Energieträger, wie Kohle, Erdöl oder Erdgas (vgl. Gabler Wirtschaftsle­xikon 2014a).

[4]Klimawandel bezeichnet in allgemeiner Verwendung die durch den Menschen verursachte Veränderung des Klimas auf der Erde mit der zugrunde liegenden Annahme, dass der Treibhausgasausstoß die Jahresdurch­schnittstemperaturen erhöht (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon 2014b). Zur näheren Erläuterung siehe Kapi­tel 3.1, S. 6.

[5]Zahl der Beschäftigten, die im Bereich der Herstellung, Betrieb und Wartung von Anlagen zur Nutzung Erneu­erbarer Energien sowie der Bereitstellung biogener Brenn- und Kraftstoffe tätig sind oder aus öffentlichen und gemeinnützigen Mitteln zugunsten Erneuerbarer Energien finanziert werden (vgl. Lehr et al. 2011, S. 5).

[6]Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung verzichtet. Entspre­chende Begriffe gelten in der gesamten Arbeit im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Ge­schlechter und beinhalten keinerlei Wertung.

[7]Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist die größte nationale Förder- und Mittelstandsbank der Welt und gemäß deren Bilanzsumme neben der Deutschen Bank und der Commerzbank die drittgrößte Bank Deutsch­lands. Im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung vergibt sie günstige Kredite an Existenzgrün­der, den Mittelstand sowie zugunsten des umweltschutzes und der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon 2014c).

[8]Wertschöpfung allgemein ist die Gesamtheit aller erbrachten wirtschaftlichen Leistungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon 2014d). Zur ausführlichen Begriffsbestimmung und detaillierten Unterscheidung zwischen Brutto- und Nettowertschöpfung siehe Kapitel 3.4, S. 12.

[9]Die zu erwartenden Folgen des Klimawandels sind neben der sukzessiven Verschiebung von Vegetationszonen vor allem Extremwetterereignisse, angefangen bei Starkniederschlägen und Überflutungen bis hin zu langan­dauernden Hitzewellen (vgl. Kahl und Schmidtchen 2013, S. 2).

[10]Der Begriff Nachhaltigkeit steht für eine Entwicklung, welche gewährleistet, dass die Bedürfnisse der heuti­gen Generation befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zur Befriedigung ihrer ei­genen Bedürfnisse zu beeinträchtigen (vgl. Frenkel und Hemmer 1999, S. 323).

[11]Ressourcen sind die Einsatzmittel oder Güter, die beim Produktionsvorgang im Unternehmen zur Herstellung neuer Güter verbraucht werden, insofern sind diese gleichbedeutend mit Produktionsfaktoren. Als natürliche Ressourcen werden im engeren Sinne nur Rohstoffe verstanden, wobei man zwischen den drei grundlegenden Typen unterscheidet: nichtregenerierbare Ressourcen, regenerierbare Ressourcen und Allemenderessourcen. (vgl. Pollert et al. 2010, S. 43)

Details

Seiten
50
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656850304
ISBN (Buch)
9783656850311
Dateigröße
776 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v285062
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement
Note
Schlagworte
Wertschöpfung Wertschöpfungseffekte Klimaschutz Klimaschutzmaßnahmen Erneuerbare Energien Energieeffizienzmaßnahmen Beschäftigungseffekte Energieeffizienz

Autor

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