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Die Unterscheidung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in Bezug auf den DaF-Unterricht speziell bei Kindern mit Migrationshintergrund

Seminararbeit 2013 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT
2.1. Prototypische Merkmale von Mündlichkeit und Schriftlichkeit bzw. mündlicher und schriftlicher Kommunikation
2.2. Mediale Mündlichkeit / Schriftlichkeit und konzeptionelle Mündlichkeit / Schriftlichkeit
2.3. Aktualität der Differenzierung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit

3. KONZEPTIONELLE MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT IM DAF- UNTERRICHT
3.1. Lehrwerke und authentische Texte
3.2. Ansätze für den DaF-Unterricht

4. DER BEGRIFF DER LITERALITÄT

5. MÜNDLICHKEIT UND SCHRIFTLICHKEIT IN BEZUG AUF DIE LITERALITÄT VON KINDERN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND
5.1. BICS und CALP
5.2. Die Schwellenniveau-Hypothese

6. ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

QUELLEN

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: prototypische Merkmale von schriftlicher und mündlicher Kommunikation

Abbildung 2: Das Modell von Koch und Oesterreicher

Abbildung 3: Konzeptionelle/mediale Mündlichkeit und Schriftlichkeit mit Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien

Abbildung 4: BICS/CALP - Sprachkompetenzbereiche nach Cummins (1984)

Abbildung 5: Schwellenniveau-Hypothese nach Cummins (1977)

1. Einleitung

Formen der mündlichen und schriftlichen Kommunikation weisen eindeutige Unterschiede nicht nur in Hinblick auf das verwendete Medium - Sprache oder Schrift - auf. Vergleicht man die Sprache einer SMS und eines Gesetzestextes so werden große Unterschiede in der Verwendung sprachlicher Mittel deutlich. Das gleiche gilt für einen wissenschaftlichen Vortrag und ein Gespräch unter Freunden. Hingegen sind SMS und das Gespräch unter Freunden auf der einen und der Gesetzestext und der wissenschaftliche Vortrag auf der anderen Seite sprachlich viel näher beieinander, obwohl sie sich verschiedener Medien der Übertragung bedienen. Die Differenzierung und Erläuterung dieses Phänomens ist Kernthema dieser Arbeit. Hierzu wird sich vor allem an dem Modell der konzeptionellen / medialen Mündlichkeit / Schriftlichkeit von Koch und Oesterreicher orientiert.

Anschließend werden die Ergebnisse dieser Untersuchung Anwendung auf den DaF- Unterricht finden. Hierbei sind folgende Fragen zu klären: Sollte die Unterscheidung von konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit auch im DaF-Unterricht berücksichtigt werden? Wie und in welchem Umfang sollte dies geschehen? Was sind adäquate Ansätze für die Gestaltung eines in dieser Hinsicht konzipierten DaF-Unterrichtes?

Außerdem werden die Konzepte mündlicher und schriftlicher Kommunikation und deren Konsequenzen für den DaF-Unterricht auf die Entwicklung der Literalität von Kindern mit Migrationshintergrund angewendet. Hierzu wird eine kurze Definition des Begriffes Literalität vorangestellt.

Dass sich gesprochene und geschriebene Sprache unterscheiden, fällt bei näherer Betrachtung jedem auf. Transkribiert man zum Beispiel ein Gespräch zwischen zwei Freunden so fällt auf, dass man so wie man spricht, nicht schreiben würde. Andersherum ist ein wissenschaftlicher Aufsatz in einer Form geschrieben, der von mündlicher Kommunikation relativ weit entfernt ist. Selbst wenn der gleiche Inhalt zum Beispiel in einem Vortrag wiedergegeben wird, unterscheidet sich die gewählte sprachliche Form von der des Textes. Dieses Phänomen betrifft alle Bereiche der Sprache, also Syntax, Grammatik, Wortwahl, Stil, Flexion etc. Was bereits in der Erstsprache ins Auge sticht, ist für jemanden der eine Zweit- oder Fremdsprache erlernt und dieses nur in Form von Unterricht und schriftlichen Texten getan hat umso deutlicher, wenn er zum ersten Mal einen native speaker sprechen hört und ihn womöglich kaum versteht.

Woher resultiert dieser Unterschied und wie lässt er sich erklären?

2.1. Prototypische Merkmale von Mündlichkeit und Schriftlichkeit bzw. mündlicher und schriftlicher Kommunikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: prototypische Merkmale von schriftlicher und mündlicher Kommunikation1

Wie schon bezeichnet, sind dies zunächst prototypische Merkmale der Unterscheidung, sie müssen also nicht alle und nicht immer zutreffen, außerdem gibt es graduelle Übergänge oder Überschneidungen. Somit reichen diese Merkmale allein nicht aus, sondern sind nur ein Ansatz zu einer ersten vorsichtigen Unterscheidung.1

Weiterführend ist hier das von Peter Koch und Wulf Oesterreicher entwickelte Modell.

2.2. Mediale Mündlichkeit / Schriftlichkeit und konzeptionelle Mündlichkeit / Schriftlichkeit

Zur Differenzierung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit ist das Modell von Koch und Oesterreicher nach wie vor zur Erklärung vorherrschend und einleuchtend.2 Koch und Oesterreicher unterschieden zunächst zwischen Medium und Konzeption. Das Medium bezeichnet die materielle Übertragung einer sprachlichen Äußerung, also entweder durch Schallwellen (Sprechen und Hören) oder durch räumlich konstituierte Zeichen (Schreiben und Lesen).3 Die Konzeption ergibt sich aus den sprachlichen Merkmalen und den Kommunikationsbedingungen; sind jene eher nähesprachlich spricht man von konzeptioneller Mündlichkeit, bei distanzsprachlichen von konzeptioneller Schriftlichkeit. Durch diese Unterscheidung kann etwas medial schriftliches also konzeptionell mündlich sein und umgekehrt. Ebenso können „Textsorten innerhalb eines Mediums viel größere Unterschiede aufweisen [...] als allgemeine Unterschiede zwischen M[ündlichkeit] und S[chriftlichkeit].“4

Abbildung 2: Das Modell von Koch und Oesterreicher5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Konzeptionelle/mediale Mündlichkeit und Schriftlich Kommunikationsbedingungen und Versprachlichungsstrategien6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Modell von Koch/Oesterreicher ist deshalb ein adäquates Konzept, weil es den Unterschied zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit nicht allein an dem verwendeten Medium Sprache oder Schrift festmacht, sondern durch die Heranziehung des konzeptionellen Aspekts eine genauere Einteilung hinsichtlich der gewählten sprachlichen Mittel und Stilistik möglich macht. Mit dem Modell lässt sich zum Beispiel erklären, warum die Sprache in einem Privatbrief und einem Gesetzestext sich sehr stark unterscheiden, obwohl sie das gleiche Medium benutzen. Auf der Seite der mündlichen Kommunikation gilt das gleiche beispielsweise für das familiäre Gespräch im Vergleich mit dem wissenschaftlichen Vortrag.

Die zuvor genannten prototypischen Merkmale der schriftlichen und mündlichen Kommunikation lassen sich auch in dieses Modell einordnen:

2.3. Aktualität der Differenzierung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit

Das zuvor vorgestellte Modell wurde vielfach verwendet, reproduziert und modifiziert. Besondere Aktualität erhält es wieder durch die veränderten Kommunikationsbedingungen der neuen Medien. SMS, Chat und soziale Netzwerke sind als schriftliche Medien zu betrachten, welche konzeptionell sehr nahe an der mündlichen Kommunikation anzusiedeln sind, was es vorher so noch nicht gegeben hat. Außerdem scheint sich nach Schwittalla die gesellschaftliche Kommunikation insgesamt verändert zu haben:

[...]


1 Vgl. Kniffka, Gabriele; Siebert-Ott, Gesa (2007): Deutsch als Zweitsprache. Lehren und Lernen. S. 18-20.

2 Vgl. Koch, Peter; Oesterreicher, Wulf (1985): Sprach der Nähe - Sprache der Distanz. Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Spannungsfeld von Sprachtheorie und Sprachgeschichte. In: Romanisches Jahrbuch. 36. S. 15­43.

3 Vgl. Schwittalla, Johannes (2010): Das Verhältnis zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. In: Krumm; Fandrych; Hufeisen; Riemer (Hg.) (2010): Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Ein internationales Handbuch. 1. Teilband. S. 425.

4 Schwittalla: S. 425.

5 Quelle: http://cdn.grin.com/images/preview- object/document.184891/79383dd487dcb01546c274f7f6aa5465_LARGE.png (zuletzt abgerufen am 10.09.2013).

6 Quelle: http://cdn.grin.com/images/preview- object/document.203390/dc6489fec04cedc4f253ec665fee1ce6_LARGE.png (zuletzt abgerufen am 11.09.2013).

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656850540
ISBN (Buch)
9783656850557
Dateigröße
926 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284988
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
Mündlichkeit Schriftlichkeit DaF DaZ Literalität Migrationshintergrund

Autor

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Titel: Die Unterscheidung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in Bezug auf den DaF-Unterricht speziell bei Kindern mit Migrationshintergrund