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Die Bedeutung der Maske in der Kulturgeschichte am Beispiel volkstümlicher Masken aus Rumänien

Essay 2009 7 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

„Unsere zivilisierte Welt ist nur eine große Maskerade.“(Arthur Schopenhauer)

Der Begriff „Maske“ stammt vom arabischen Wort „maskharat“, was soviel bedeutet wie Narr, Posse, Hänselei oder Scherz. Die Wurzeln der Maske sind jedoch schon wesentlich älter als die arabische Kultur; sie liegen in einer Zeit lange vor dem Aufstieg der großen Zivilisationen.

Eine Maske verbirgt das (wahre) Gesicht; mit ihrer Hilfe verwandelt sich der Träger in eine andere Figur. Hierbei muss man lediglich unterscheiden, ob der Träger die Maske belebt, also eine eigene Figur entwirft, oder ob die Maske eine eigene Wesenheit darstellt, der sich der Träger „unterwirft“ – diese Grenzen verlaufen jedoch oftmals fließend.

Von besonderer Bedeutung für die Belebung ist jedoch neben Maske und Träger der Zuschauer, vor dessen Augen sich die Wandlung und das Schauspiel vollziehen. Der Dramatiker und Kritiker Eric Bentley liefert folgend Definition des Begriffes „Schauspiel“: "A verkörpert B, während C zuschaut". Das beinhaltet, dass erst in der Wahrnehmung des Zuschauers das Bild von der dargestellten Wesenheit entsteht. Der Zuschauer dient zudem als Spiegel, in dem sich der Maskenträger in seinem veränderten Wesen erkennt – doch auch dem Zuschauer wird durch die Maske ein Spiegel vorgehalten.

Der Anblick einer belebten Maske löst oftmals beim Publikum starke Eindrücke aus, da es sich um eine Grenzüberschreitung handelt – genau so, wie sich ein normaler Mensch beim Betreten einer leeren Bühne, einem ursprünglich kultischen Bereich, ungewohnt, in manchen Fällen sogar unwohl fühlt. Bei der Vorführung einer belebten Maske sieht der Zuschauer vor sich ein starres, fremdes Gesicht, das für das Gesicht eines lebendigen Wesens eigentlich zu leblos ist: das vertraute Muskelzusammen-spiel bleibt aus, der gesunde Hautton ist durch „tote“ Materialien und Farben ersetzt, die Augen blicken starr, was nach biologischen Vorgaben einen Fluchtinstinkt auslösen sollte. Dennoch erkennen wir dieses Etwas vor uns als Gesicht. Die Eigenheiten und Formen eines menschlichen Gesichts sind uns in einem derartigen Maß vertraut, so dass wir in beinahe jeder ähnlichen Form ein Antlitz erkennen können; man denke an das „Mondgesicht“ aus „Punkt, Punkt, Komma, Strich“. Hier entsteht demzufolge eine starke Verwirrung und Überlagerung von Sinneseindrücken. Dieser Effekt wird verstärkt, sobald ein uns bekanntes Gesicht hinter einer Maske verschwindet: obwohl wir wissen, dass hinter der Larve ein Mensch steckt, fasziniert uns die Fremdheit des neuen Gesichts.

Unabhängig von ihrer Verwendung auf der Theaterbühne hat die Maske ihren Ursprung, ebenso wie das antike Theater, im Kult; sie wurde zu religiösen und rituellen Zwecken eingesetzt.

So sind bereits aus der Altsteinzeit Felszeichnungen erhalten, die Mischwesen zwischen Mensch und Tier darstellen und als Schamanen gedeutet werden, die große Tiermasken trugen (z.B. aus der Trois-Frères-Höhle in Frankreich). Diese Darstellung maskierter Menschen lassen, ebenso wie vereinzelte Funde prähistorischer Maske, auf erste Vorgänge des Verkörperns, des „Schauspiels“ schließen. Auch konnten Ethnologen schauspielerisches Verkörpern die Verwendung von Masken bei nahezu allen indigenen Völkern beobachten. Frühere, idealistische Auffassungen führten die Schauspielerei auf einen „mimetischen Urtrieb“ und eine angeborene Lust am Nachahmen zurück. Heute geht man eher davon aus, dass der Ursprung schauspielerischer Betätigung in Riten liegt, mit denen die vorgeschichtlichen Menschen überlebenswichtige Handlungen wie Jagd und erwünschte soziale Verhaltensweisen nachahmend einübten oder als unbeherrschbar erlebte Naturkräfte durch Verkörperungen (Dämonen, Götter) zu beschwören versuchten. Auch Fundstücke wie Masken und Zeichnungen sowie ethnologische Beobachtungen weisen auf Zusammenhänge zu Tieren bzw. essentiellen Naturvorgängen (Sonnenlauf, Niederschlag, Fruchtbarkeit usw.) hin.

Auch heute noch werden bei kultischen Vorgängen verschiedener Naturvölker Masken verwendet, um beispielsweise Schutzgottheiten anrufen, böse Geister abzuschrecken oder um Ahnen und Naturgeister darstellen. Auch wurden bzw. werden unter Verwendung von Masken bei diesen Völkern Initiationsrituale durchgeführt, um dem Adepten die Fremdheit der für ihn neuen Welt vor Augen zu führen sowie Geister und Ahnen zu dieser Prüfung auferstehen zu lassen. Doch allzu sehr in die Ferne schweifen müssen wir nicht, um die Verwendung von alten Ritualmasken in der heutigen Zeit zu erleben: im Brauchtum des gesamten Alpenraums und im benachbarten schwäbisch-alemannischen Raum sind Masken besonders zur Fastnacht oder bei anderen alten Bräuchen allgegenwärtig, wie zum Beispiel bei den Perchtenläufen in Bayern und Österreich. Die Fastnacht, welche sich in der mittelalterlichen Gesellschaft zu einer Abreaktion eignete, bei der die gesellschaftlichen Verhältnisse umgekehrt und die Obrigkeit und die Geistlichkeit unter dem Schutz der Maske verhöhnt werden durfte, In gewisser Form waren also Rituale mit Masken eine Art Theatervorstellung. Daher ist es schwer zu sagen, ob das Theater selbst aus der Verwendung von Masken entstanden ist oder ob die Maske als ein Element hinzugefügt wurde.

Im antiken griechischen Theater benutzten die Schauspieler typisierte Masken. Die Verwendung verschiedener, durch die verschiedenen Gesichtsmasken für das Publikum eindeutig zuzuordnenden Typen, wurden dann in der Renaissance, insbesondere in der Commedia dell´arte, wieder aufgegriffen: hier entstanden die berühmten maskierten Figuren der „Vecchi“ (Alten) wie Pantalone und der „Zanni“ (Diener) wie des berühmten Harlekin. Auch im japanischen und chinesischen Theater gibt es sowohl starre Masken als auch maskenhafte Schminkstile.

Heutzutage wird das Masken- und „Larvenspiel“ im Theater besonders von spezialisierten Künstlern und namhaften Gruppen gepflegt. Davor, nämlich zu Zeiten der Avantgarde, erlebte die Maske in ganz Europa eine zweite Blütezeit, da man mit ihr das „Ich“ auf abstrakte Weise darstellen wollte. Zudem hatten auch Ritualmasken aus der Südsee und Papua-Neuguinea einen großen Einfluss auf Maler und Bildhauer der Moderne, wie zum Beispiel Pablo Picasso.

Vor allem den surrealistischen Künstlern war eine Beschäftigung mit folkloristischen Elementen wie Masken wichtig, da sie hier eine ursprüngliche Innerlichkeit spürten, die dem modernen Menschen größtenteils schon verloren gegangen zu sein schien.

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Details

Seiten
7
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656849988
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284784
Institution / Hochschule
Athanor Akademie für Darstellende Kunst Burghausen – Schauspiel
Note
Schlagworte
bedeutung maske kulturgeschichte beispiel masken rumänien

Autor

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