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Eduard Robert Henze in Annaberg-Buchholz

Seine Denkmale in Annaberg-Buchholz mit einem vorläufigem Werkverzeichnis der Plastiken und Zeichnungen

Wissenschaftlicher Aufsatz 2014 36 Seiten

Kunst - Bildende Künstler

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

Zur Bildhauerkunst in Dresden zwischen Rietschel und Hähnel

Zur Person Eduard Robert Henze

Robert Henze und seine Beziehungen nach Annaberg und Buchholz

Das Barbara-Uttmann-Denkmal

und die Monumentalplastik Robert Henzes

Das Porträt bei Robert Henze

und die Bildnisse von Georg Adler und Adam Ries

Zum Umgang mit Robert Henzes Werken in Annaberg-Buchholz

Werkverzeichnis der Plastiken

Werkverzeichnis der Zeichnungen

Literaturverzeichnis

Bildnachweis

Vorwort

Wer in Dresden einen Gang über die „Brühlsche Terrasse“ unternimmt, kommt zumindest an einem seiner Werke nicht vorbei. Fast unwillkürlich wird der Blick vieler Besucher angesichts ihrer imposanten Erscheinung auf die gläserne Kuppel des Ausstellungsgebäudes des Dresdner Kunstvereins gelenkt. Gekrönt wird diese Kuppel von einer goldenen geflügelten Figur. Sie, „Fama“ genannt, verkörpert das wohl monumentalste Werk des Dresdner Bildhauers Eduard Robert Henze.[1] Aber nicht nur hier, sondern auch nebenan auf dem Gebäude der Kunstakademie finden sich Werke von seiner Hand. Als seinen Beitrag für die Ausschmückung der Fassade der Kunstakademie schuf Henze 1890 die in Kupfer getriebenen und vergoldeten Figuren eines „Eros“ und des „Phanthasus“. Daneben arbeitete Henze Grabmale für zahlreiche berühmte Dresdner Bürger, etwa für den Maler Eduard Leonhardi oder den Hofmühlenbesitzer Traugott Gottlieb Bienert. Sie sind zum Teil heute noch auf verschiedenen Friedhöfen der Elbestadt, so auf dem Alten Annenfriedhof, dem Eliasfriedhof, dem Loschwitzer Friedhof sowie dem Äußeren und Inneren Plauener Friedhof, zu besichtigen. Der Künstler selbst liegt auf dem Alten Annenfriedhof begraben. Henze erlebte als Kunststudent noch Ernst Rietschel, den Erneuerer der sächsischen Bildhauerkunst. Zuvor war er jedoch Schüler von Johannes Schilling, in dessen Klasse er 1856 eintrat. Schilling gehörte zu den ersten Schülern von Ernst Rietschel. Er verkörperte in seinem Schaffen am besten die Leistungen seines Lehrers, bereichert um die eigenen künstlerischen Potenzen. Prägend für das spätere Schaffen von Henze wurden dem entgegen die Jahre bei Ernst Julius Hähnel. Mit Unterbrechungen arbeitete er von 1861 bis 1871 sieben Jahre lang in dessen Atelier.

Eduard Robert Henze zählt beileibe nicht zur ersten Garnitur sächsischer Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Er vermochte nur auf wenigen Gebieten – etwa im Porträt – zu überzeugen. Hier jedoch gewann er einen geachteten Platz in der neueren sächsischen Kunstgeschichte.

Im Zusammenhang mit der nun folgenden kunstwissenschaftlichen Studie über Eduard Robert Henze und seine künstlerische Hinterlassenschaft in Annaberg-Buchholz sei der Lokalredaktion Annaberg der Tageszeitung „Freie Presse“ gedankt. Ebenso gilt der Dank auch den Museen, Institutionen und zahlreichen Privatpersonen innerhalb und außerhalb Sachsens für ihr freundliches Entgegenkommen in der Sache. Letztlich wäre die Arbeit ohne die Unterstützung durch das Stadtarchiv sowie das Erzgebirgsmuseum der Großen Kreisstadt Annaberg-Buchholz undenkbar gewesen.

Dipl. phil. Peter Rochhaus

Zur Bildhauerkunst

in Dresden zwischen Rietschel und Hähnel

Als Ernst Rietschel im Jahre 1832 zum Professor für Bildhauerei an die Dresdner Kunstakademie berufen wurde, lag diese Kunstgattung vor Ort fast brach. Auch hier hatte das unglückliche Zusammengehen Friedrich August III. von Sachsen mit Napoleon I. gewirkt, das im Ergebnis des „Wiener Kongresses“ von 1815 die politischen und wirtschaftlichen Strukturen des sächsischen Staates fast zerstörte. Große öffentliche bildnerische Aufträge waren seither ausgeblieben. Darüber hinaus wurde die Bildhauerei als Fach an der Akademie kaum noch gelehrt. Es fehlten die Lehrerpersönlichkeiten. Es fehlte die inspirierende geistige Atmosphäre. Selbst Kräfte von einst tragender Gestalt, wie der Hofbildhauer Franz Pettrich, waren kaum noch in der Lage notwendige handwerkliche Grundlagen zu vermitteln. Rietschel, der 1804 im sächsischen Pulsnitz geboren wurde, besaß im Staatsminister Detlev Graf von Einsiedel (1773-1861) einen eifrigen Förderer. Dieser sah mit Blick auf sein Eisenwerk in Lauchhammer das künstlerische Talent des jungen Mannes. Nach den glücklosen Jahren bei Franz Pettrich wandte sich Rietschel auf Betreiben von Einsiedel 1826 nach Berlin, um endlich in Christian Daniel Rauch seinen Lehrer zu finden. Bereits 1828 gewann er, in dessen Person Karl Friedrich Schinkel schon während der Berliner Zeit einen zweiten Thorvaldsen heranwachsen sah, einen akademischen Wettbewerb. Nach Zuerkennung von Mitteln aus dem sächsischen Reisestipendium konnte Rietschel 1830/31 eine Italienreise unternehmen. Der Auftrag für das Denkmal „König Friedrich August der Gerechte“ (1831) schließlich ebnete ihm in Dresden den Weg.

Ernst Rietschel hinterließ eine glanzvolle Reihe von Werken, die mit dem Denkmalsauftrag von 1831 begann, mit dem „Goethe-Schiller-Denkmal“ für Weimar 1857 ihren Höhepunkt erreichte und mit dem Monument für Martin Luther in Worms (1858-68) endete.[2]

Als Akademieprofessor gestaltete Rietschel den Lehrbetrieb völlig um. Der in Dresden vorherrschenden klassizistischen Auffassung stellte er eine an der Wirklichkeit orientierte Bildhauerkunst entgegen. Die Schulung des eigenen Vermögens das Wesen der Dargestellten zu charakterisieren, ihre individuellen Züge herauszuarbeiten, die Suche nach dem „Einfachen und Wahren“, standen jetzt im Mittelpunkt der Ausbildung des Bildhauernachwuchses. Rietschel hatte damit Erfolg. Aus seiner Schule gingen Bildhauer wie Gustav Adolph Kietz (1824-1908) oder Adolph Donndorf (1835-1916) hervor. Wichtige Per-sönlichkeiten wuchsen aber auch in Johannes Schilling und Ernst Julius Hähnel nach. Geachtet dessen hatte sich Rietschels Ruhm früh weit verbreitet, so dass sich die Kunstakademien von München (1835), Wien (1851) und Berlin (1857) um ihn bemühten. Er jedoch blieb in Dresden.

Der aus Mittweida stammende Johannes Schilling (1828-1910) war von allen Schülern Ernst Rietschels die aktivste und kreativste Größe. Er hatte bei ihm zwischen 1842 und 1850 seine Ausbildung erhalten. Nach einer kurzen Zeit bei Ernst Julius Hähnel, bekam Schilling bereits 1857 sein eigenes Atelier und erhielt 1868 seine Berufung zum Professor für Bildhauerei. Der Meisterschüler wurde Ernst Rietschels direkter Nachfolger. In seinem Schaffen vereint sich am besten dessen Credo und Geist, mit der eigenen persönlichen Ausstrahlung und künstlerischen Kraft. Noch immer vermittelt deshalb das Reiterstandbild „König Johann von Sachsen“ die ungeheure Dynamik und Lebendigkeit, die Johannes Schilling im Schöngeist der Wettiner sah, als er im Jahre 1889 dieses Werk schuf. Als Hauptwerke gelten darüber hinaus die Figurengruppe „Die vier Tageszeiten“ sowie die Denkmale für Ernst Rietschel (1872) und Gottfried Semper (1891). Die „Pantherquadriga“, die er 1871-78 für die Exedra[3] der Semperoper schuf, bildet den Höhepunkt im Schaffen Johannes Schillings.

Am nachhaltigsten jedoch beeinflusste Ernst Julius Hähnel (1811-1891) nach dem Tode von Ernst Rietschel die weitere Entwicklung der Dresdner Bildhauerschule. Nach einem anfänglichen Architekturstudium in Dresden und München zwischen 1826 und 1830, wurde er sein Schüler. Von 1831 an weilte Hähnel in Florenz, Rom und München. 1838 folgte er dem Ruf Gottfried Sempers nach Dresden zur Mitarbeit am plastischen Schmuck des Opernhauses. Zwischen 1842 und 1848 beteiligte er sich in gleicher Weise an der Fertigstellung der Orangerie und der von Semper entworfenen Gemäldegalerie. Ab 1848 beschleunigte Hähnel seine akademische Laufbahn. Er gelangte in den Akademischen Rat. 1853 schließlich erhielt er eine Professur an der Dresdner Kunstakademie. Von da an demontierte Hähnel vieles von dem, was die sächsische Bildhauerkunst Dank Rietschel und Schilling befruchtete und ihren guten Ruf begründete. Er lebte in seinem Schaffen einen unangenehm idealisierenden Akademismus aus. Seine Schöpfungen wirken nicht selten steif, voll Theatralik und ungelenkem Pathos. Schon der Kunstkritiker (CORNELIUS GURLITT, 1924) kam mit Blick auf Hähnel zu dem Ergebnis: „Alles, was selbständig, frisch, ankämpfend war, worin sich ein Drängen und Regen zeigte, stieß ihn ab. Das Fertige, Abgeschlossene, Endende, Absterbende allein war die Kunst, in die er seine zahlreichen Schüler führte.“[4] Hähnel galt als Befürworter des freistehenden Denkmals. Das früheste Beispiel dafür gibt das Prager Denkmal für Kaiser Karl IV. (1848). Es sollte die Entwicklung der Großplastik in der sächsischen Kunst nach Rietschel nachhaltig beeinflussen. Der im Zusammenhang mit dem Figurenschmuck der Semper-Galerie 1852 geschaffene Raffael ist ein Abbild seiner schwärmerischen Verehrung der Nazarener. Als ausnehmend schön, ehrlich und allgemein künstlerisch überzeugend kann dagegen Hähnels „Theodor-Körner-Denkmal“ gelten, das er 1871 für den Platz vor der Dresdner Kreuzschule schuf.

Zur Person [5] a

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Eduard Robert Henze

Fotografie . 1902

Privatbesitz

Eduard Robert Henze wurde am 8. Juli 1827 in Dresden geboren. Er entstammte einer Handwerkerfamilie. Nach dem Besuch der Bürgerschule absolvierte Henze eine Lehre als Schlosser. Danach ging er, der Tradition folgend, auf Wanderschaft. Sie führte ihn von Dresden aus, über Hamburg, Hannover, Kassel und Frankfurt am Main, nach Mannheim. Darüber hinaus hielt sich Henze in der Pfalz auf. Schon zu dieser Zeit zeichnete er viel, porträtierte, wie er persönlich berichtete, zahlreiche Menschen, denen er auf der Walz begegnete. Mitten im Revolutionsjahr 1848 kehrte Henze nach Dresden zurück, bestärkt in dem Entschluss endlich Bildhauer zu werden.

Um sich ein solides künstlerisches Rüstzeug anzueignen, nahm er Zeichenunterricht bei Samuel Fürchtegott Kaul. Nebenher besuchte Henze die Sonntagsschule. Seine praktischen Fähigkeiten vermochte er als Schlosser und Gipsformer in der Werkstatt seines Schwagers Wießing zu erproben und zu vertiefen.

Aber erst 1854 gelang Henze der Zugang zur Königlich-Sächsischen Kunstakademie zu Dresden. Nach dem Grundstudium fand er Aufnahme in das Atelier von Johannes Schilling. Den Höhepunkt seiner Studienzeit erlebte Henze ab 1857 als Schüler von Ernst Rietschel, dem Begründer der neuen Dresdner Bildhauerschule. In München arbeitete er mit ihm zusammen an der Fertigstellung des „Goethe-Schiller-Denkmals“ für Weimar.

Nachdem Ernst Rietschel im Jahre 1861 gestorben war, wurde Henze zunächst bis 1864 Mitarbeiter von Ernst Julius Hähnel, dessen bildhauerische Auffassung letztlich sein eigenes späteres künstlerisches Schaffen zutiefst beeinflusste. In diesen Jahren lieferte Henze auch sein erstes eigenhändiges Werk an die Öffentlichkeit aus. Der Meißner Geschichtsverein beauftragte ihn ein Denkmal zu Ehren von König Heinrich I. für den gleichnamigen Platz der sächsischen Domstadt zu schaffen. Das Denkmal wurde 1863 aufgestellt.

Zwischen 1864 und 1866 arbeitete Henze freischaffend in Dresden, bevor er zu einer einjährigen Reise nach Italien aufbrach. Sie führte ihn bis 1867 zu wichtigen Stätten der antiken Bildhauerkunst.

Zurück in Dresden, arbeitete Henze für weitere vier Jahre im Atelier von Ernst Julius Hähnel. Hier entstand 1869 das Denkmal der „Kurfürstin Anna“, das später vor der Dresdner Annenkirche seinen Standort bekam. Dieses Denkmal verschaffte ihm die nötige Aufmerksamkeit künftiger Auftraggeber. Zunächst aber restaurierte er 1874/75 die Figurengruppe des Dresdner „Neptunbrunnens“ von 1746. Den endgültigen Durchbruch als Bildhauer gelang ihm durch den Auftrag des Dresdner Stadtrates für ein „Siegesdenkmal“, das für den Altmarkt als dem zentralen Platz der Residenz bestimmt war. Die Arbeiten an diesem Denkmal beendete er 1880. Nun besaß er die finanziellen Mittel, um seiner Familie eine ansprechende Heimstatt bieten zu können. 1862 wohnte man zunächst im Haus Neue Gasse 195b, um schließlich 1878 auf der Chemnitzer Straße 19 in Dresden-Plauen5c ein standesgemäßes Domizil zu beziehen.[6]

Die künstlerische Anerkennung Henzes ging in den 80er und 90er Jahren mit dem gesellschaftlichen Aufstieg einher. So ernannte ihn zum Beispiel die Königlich-Sächsische Kunstakademie im Jahre 1881 zu ihrem Ehrenmitglied. Die Berufung Henzes zum Professor für Bildhauerkunst erfolgte 1888. Nach fast dreieinhalb Jahrzehnten Weges war er endlich am Ziel: Im einstigen kleinen Schlossergesellen erkannte man nun endlich den gesuchten Bildhauer und geachteten Kunstprofessor. Henze stand damals schon im 61. Lebensjahr.

Eduard Robert Henze starb am 3. April 1906. Drei Tage später beerdigte man ihn auf dem Alten Annenfriedhof zu Dresden. Er wurde 78 Jahre alt. Seit 1872 war er mit Anna Caroline Amalie Baltzer (1836-1906) verheiratet gewesen. Aus ihrer Ehe gingen mit Friedrich Wolfgang Martin (1873-1956) sowie den Zwillingen Maria (1877-1877) und Elisabeth (1877-1944) drei Kinder hervor. Sein Antlitz wurde in den Jahren um 1899 von Günter Friedrich Reibisch (1816-1899) in einem Gemälde und von Ludwig Otto in einer Zeichnung verewigt. Schon 1856 schuf Franz T. Würbel eine Lithografie von ihm. und seine Beziehungen nach Annaberg und Buchholz

Das erste Mal kam Henze im Jahre 1883 mit der Stadt Annaberg in Berührung. Wohl schon 1882 hatten die Stadträte in Mehrheit den Beschluss gefasst, der Annaberger Patrizierin und einstigen Bortenhändlerin Barbara Uthmann (1514-1575) ein Denkmal zu setzen.[7] Seit Anfang des 19. Jahrhunderts waren in der Stadt Bestrebungen spürbar, den niedergehenden Handel mit Borten und Klöppelspitzen zu beleben. Man fand schließlich in Barbara Uthmann die historische Gestalt, um diese Bestrebungen personifizieren zu können. Ihr Grabdenkmal in Form einer griechischen Stele auf dem Alten Annaberger Friedhof und ihr vermeintliches Porträt, das seit 1868 als Lithographie und Fotografie kursierte, dienten schon diesem Zweck.

Nach Alfred Eisenstuck und Carl Christian Hohl, engagierte sich vor allem der Annaberger Superintendent Ernst Oswald Schmidt für Barbara Uthmann. Auf seine Unternehmungen hin dürfte auch die Belebung des Denkmalsgedankens zurückgehen. In der Annaberger Bevölkerung selbst fand der Plan, Barbara Uthmann ein großes repräsentatives Denkmal zu errichten, angesichts der um 1880 angespannten wirtschaftlichen Situation der Stadt keinen sonderlichen Widerhall, stieß eher auf eine deutliche Ablehnung. Abgesehen von einer geringen Privatspende des Architekten Gotthilf Möckel über 10 Reichsmark, wurden deshalb auch alle für die Errichtung des Denkmals erforderlichen Mittel in der erheblichen Höhe von rund 18.000 Reichsmark von der Annaberger Kommune und der sächsischen Landesregierung in Dresden aufgebracht.[8] Im November 1883 entschied der „Akademische Rat“ zu Dresden über die Genehmigung des „Barbara-Uttmann-Denkmals“ (WVpl 1883 B.a-b) und die Auftragserteilung an Henze.[9] Bereits am 20. November 1883 schrieb Henze in einem Brief erleichtert nach Annaberg, dass „es (...) endlich soweit ist, daß das Königl. Ministerium die 7000 Mark für Modell und Guß zu dem Barbara Uttmann Denkmal bewilligt hat“.[10]

Das „Barbara-Uttmann-Denkmal“ muss Henze von 1883 bis 1885 so intensiv beschäftigen haben, dass er während der ganzen Zeit – wie es das „Werkverzeichnis der Plastik“ ausweist – keine weiteren größeren Aufträge annahm.[11] Fast ein Jahrzehnt später wandte man sich von Annaberg aus wieder an Henze in Dresden. Dieses Mal trat 1891 der Vorstand des „Vereins für Geschichte Annabergs und Umgegend“ als Auftraggeber auf. Aufgrund der Forschungen, die der Progymnasialprofessor Bruno Freund Berlet (1825-1892) ab 1855 über den Rechenmeister Adam Ries (1492-1559) angestellt hatte, rückte dessen Leben und Werk plötzlich in das Blickfeld großer historisch interessierter Kreise im deutschsprachigen Raum. In Annaberg sah man sich dadurch nachdrücklich angehalten, dem einstigen Bürger Stadt seinen Dank in „Stein und Erz“ abzustatten. Henze fühlte sich, wie aus den erhaltenen Akten des „Annaberger Geschichtsvereins“ zu entnehmen ist, sehr geehrt und sagte zu.[12]

Anlass für ein „Adam-Ries-Denkmal“ (WVpl 1891/93 A.a-b) bot der für das Jahr 1892 bevorstehende 400. Geburtstag des Rechenmeisters und sächsischen Bergbeamten. In der Finanzierung des Denkmals war man allein auf Spenden angewiesen, so dass dessen Konzeption gegenüber der des imposanten „Barbara-Uttmann-Denkmals“ weitaus bescheidener ausfallen musste. Ungeachtet dessen waren jedoch beträchtliche Schwierigkeiten zu überwinden, die eine Fertigstellung des Denkmal zum Jubiläumstermin 1892 scheitern ließen. Erst am 5. November 1893 konnte das „Adam-Ries-Denkmal“ in Form einer Bronzebüste auf hohem Sockel im Beisein des Künstlers der Öffentlichkeit übergeben werden.[13] Trotz seiner geringen räumlichen Ausmaße hinterließ Henze mit dem „Adam-Ries-Denkmal“ aufgrund seines hohen künstlerischen und ästhetischen Wertes seine für die Stadt Annaberg-Buchholz bedeutendste bildhauerische Arbeit. Das Denkmal war für den „Annaberger Geschichtsverein“ der letzte Anstoß Henze 1893 „wegen seiner Verdienste, die er sich insbesondere durch die Schöpfung der Denkmäler für Barbara Uttmann und Adam Ries in hiesiger Stadt erworben hat“[14], zu seinem Ehrenmitglied zu ernennen.

Auch aus Buchholz suchte man bei Henze um plastische Werke nach. Zunächst bestellte Georg Adler bei ihm ein Porträt von sich (WVpl 1889 B). Sicherlich kannte er verschiedene Bildnisse von Henzes Hand, so dass er sich seiner Sache sicher sein konnte. Die Porträtbüste Georg Adlers aus weißem Marmor befand sich ursprünglich im Gebäude der Firma Adler in Buchholz.[15] Ein Jahr später wünschte sich der Buchholzer Kriegerverein die Mithilfe Henzes bei der Errichtung eines Ehrenmales für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 (WVpl 1890 A.a-c). Henze lieferte den Gesamtentwurf für das ursprüngliche Denkmal. Außerdem schuf er die beiden Bronzemedaillons mit den Porträts von Kaiser Wilhelm I. und König Albert von Sachsen.[16] Das Denkmal fand seinen Platz im Waldschlösschenpark von Buchholz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Fama

(WVpl 1893 A.c)

[...]


[1] Hofmann, H.-J., Die Nike auf der „Zitronenpresse“, in: Sächsisches Tageblatt, Ausgabe Dresden, 37 (1982), Nr. 218, vom 16. September 1982.

[2] Das Martin-Luther-Denkmal wurde nach dem Tode Rietschels 1861 von seinem Schüler Adolph Donndorf vollendet.

[3] Exedra, ursprünglich Unterhaltungsraum im antiken Wohnhaus. Vgl. Jahn, J., Wörterbuch der Kunst, Stuttgart 1975, S. 193

[4] Gurlitt, C., Die deutsche Kunst nach 1800, Berlin 1924, S. 292.

[5] a Kaulen, W., Leben deutscher Künstler, Frankfurt/M. 1878 (über Robert Henze, S. 108 ff.) 5b Adress - und Geschäftshandbuch der königlichen Haupt- und Residenzstadt Dresden, Dresden 1862, S.83 5c Seit 1901 trägt das Haus die Nr. 39.

[6] Heute trägt im Dresdner Stadtteil Striesen eine Straße den Namen des Künstlers.

[7] „Acta das Barbara Uttmann Denkmal betreffend“, Ratsarchiv Annaberg, Sign. Rep. IV, Lit U, Nr. 18, Loc. II 16, Bd. 1.

[8] Allein aus der sächsischen Landeskasse flossen rund 10000 Reichsmark für das Projekt.

[9] Schreiben des „Akademischen Rates“ zu Dresden an die Stadt Annaberg vom 15. 11. 1883.

[10] Vgl. „Acta das Barbara Uttmann Denkmal betreffend“...

[11] Er schuf mehrere zeichnerische und plastische Einwürfe, bevor er im Frühjahr 1886 sein Werk zum Guss gab. Vgl. WVpl 1883 B.a.

[12] Die Akten des „Annaberger Geschichtsvereins“ werden im Archiv des Erzgebirgsmuseums Annaberg-Buchholz aufbewahrt.

[13] Der Bericht über Denkmalsweihe im „Annaberger Wochenblatt“ vom 7. November 1893.

[14] Ebenda.

[15] Seit dem Sommer 1999 befindet sich die Büste als Leihgabe der Nachkommen Georg Adlers im Erzgebirgsmuseum Annaberg-Buchholz.

[16] Das Denkmal wurde 1927 erheblich erweitert und durch die Plastik eines liegenden Löwen ergänzt. Allein diese Plastik blieb nach der Beseitigung des Kriegerdenkmals von Buchholz nach 1968 erhalten. Der Verbleib der beiden Bildnismedaillons ist bis in die Gegenwart ungeklärt.

Details

Seiten
36
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656871033
ISBN (Buch)
9783656871040
Dateigröße
1023 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284362
Note
Schlagworte
eduard robert henze annaberg-buchholz seine denkmale werkverzeichnis plastiken zeichnungen

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Titel: Eduard Robert Henze in Annaberg-Buchholz