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Die Bedeutung der Sprache für Hobbes' Konzeption der Funktionsweise des menschlichen Geistes im Leviathan

Hausarbeit 2014 13 Seiten

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.. Einleitung

II. Hauptteil
II. 1 Hobbes‘ Wahrnehmungstheorie
11.2 Hobbes‘ Theorie des geistigen Denkens
11.3 Hobbes‘ prachtheorie
11.3.1 igns als individuelle Verknüpfung von Ereignissen
11.3.2 Die Unterscheidung der Namen in Marks und igns
11.4 Hobbes‘ logische Methode

III. chluss: Die Bedeutung der prache für das Denken

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
IV.1. Quellenverzeichnis
IV.2. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„It has often been noted that Hobbes combines a materialist account of the workings of mind with a rationalist preoccupation with the workings of words. [...] His materialism supposedly transport him to the borders of impossibility, while his rationalism ,comes near to carrying him over into an abyss of subjectivism/“[1].

So kommen auch heutige Kritiker mitunter zu der Überzeugung, dieser Versuch „does indeed result in paradox“ [2] oder - wie Dungey - dass der auf Grundlage der Hobbes- schen Sprachtheorie entstehende Menschentypus gar nicht dazu in der Lage sei, „to establish, or to agree, the common definitions that are necessary to enact the social contract“[3].

Hier ist bereits die enorme Relevanz markiert, die in einem heute vor allem aus staats­philosophischer Sicht rezipierten Werk wie dem Leviathan der Sprachtheorie zukommt, die sich - wie sich in der vorliegenden Arbeit zeigen wird - als Grundpfeiler der Theo­rie des menschlichen Denkens bei Hobbes erweist. Nicht umsonst hat Hobbes hier seinen eigentlich staatsphilosophischen Gedanken mit dem ersten Teil Of Man eine materialistische Anthropologie vorangestellt, in der das Kapitel IV Of Speech eine zentrale Rolle einnimmt. Obwohl die Sprachtheorie im Leviathan „recht heterogen und uneinheitlich, überdies stellenweise von metaphorischer Vagheit“[4] ist, lohnt die inten­sive Beschäftigung damit, da das Werk sich „vom ersten bis zum letzten Kapitel vor dem Hintergrund der Sprache lesen“[5] lässt und sie darin eine „Schlüsselfunktion“[6] ein­nimmt. Deshalb soll es Ziel dieser Arbeit sein, die genaue Bedeutung der Sprache für Hobbes‘ Konzeption der Funktionsweise des menschlichen Geistes zu klären.

II. Hauptteil

Die Hauptproblematik bei der Beschäftigung mit Hobbes‘ Sprachtheorie im Leviathan wurde bereits genannt, nämlich deren heterogen wirkende Konzeption und die sprach­liche Vagheit. Im Hauptteil der vorliegenden Arbeit soll deshalb versucht werden, über eine vorangehende Darstellung von Hobbes‘ Theorie des menschlichen Verstandes die Sprachtheorie anschließend in ihr einzubetten. Diese Vorgehensweise stellt einen Ver­such dar, systematisch mit dem Gegenstand verfahren zu können und folgt dabei auch Hobbes‘ Vorgehensweise im Leviathan [7]. Dennoch sollte bereits hier bemerkt werden, dass die Theorie des menschlichen Verstandes erst durch die Sprachtheorie ihren eigentlichen Abschluss erfährt und ohne sie als unvollständig bezeichnet werden müsste.

II.1 Hobbes‘ Wahrnehmungstheorie

Das bereits in der Einleitung als Prämisse gegebene mechanistische Weltbild, das die Gesellschaft als künstlich geschaffene Maschine beschreibt, sieht das Individuum gleichzeitig als „ Werkstoff und Konstrukteur‘[8] des Gemeinwesens. Von dessen Einzel­gedanken ausgehend möchte Hobbes seine Staatsphilosophie entwickeln. Diese Ge­danken beschrieb Hobbes als Darstellung einer Sinneswahrnehmung eines Objektes im menschlichen Verstand. Als Grundlage diente Hobbes hier ein mechanisches Wahr­nehmungsmodell, bei dem nicht das Objekt selbst, sondern dessen Qualitäten oder Akzidenzien, d. h. die sinnlich wahrgenommenen Eigenschaften, als verschiedene Bewegungen der Materie einen Druck auf die empfangenden Sinnesorgane des Men­schen ausüben, in dessen Körper ein „nach außen gerichteter]“[9] Gegendruck entsteht. Dieser Gegendruck ist als Vorstellung eine nur scheinbare Wahrnehmung der realen Außenwelt, denn „das Objekt und das Bild oder die Vorstellung [sind] zwei ver­schiedene Dinge“[10].

Die Sinneseindrücke blieben uns als schwache Bewegung erhalten, auch wenn sie durch neue Objekte und deren stärkeren Druck auf die Sinnesorgane überdeckt würden. Sie würden dann je nach Betrachtungsweise „Einbildung“ oder „Erinnerung“[11] genannt. Wichtig war für Hobbes als Materialisten hier vor allem die Feststellung, dass es keine Vorstellung geben könne, die nicht vorher komplett über Sinnesorgane wahrgenommen wurde oder in ihren Einzelteilen aus Sinneswahrnehmung „abgeleitet“[12] wurde. Eine Vorstellung, die komplett der Sinneswahrnehmung entnommen wurde, bezeichnete Hobbes als „einfach“, eine solche, von der nur die Einzelteile aus der sinnlichen Wahr­nehmung entnommen und im Geist zu einem neuen Objekt arrangiert wurden, als [13] „zusammengesetzt‘ .

II.2 Hobbes‘ Theorie des geistigen Denkens

Aufbauend auf dieser Wahrnehmungstheorie konnte Hobbes eine Theorie des Denkens entwerfen, die er allerdings in sich im Geist abspielendes Denken und verbal geäußertes Denken aufteilte. Sich im Geist abspielendes Denken sei als Aufeinanderfolge von Gedanken[14] (engl. train of thoughts) zu beschreiben. So zufällig diese Gedankenfolgen auch erscheinen mögen, so seien sie doch immer von einer „gegenseitige [n] Abhängig­keit“[15] geprägt. Unterscheiden könne man hier „ungesteuert[e], absichtslos[e] und un­beständig^]“[16] von solchen, die „von einem Verlangen und einer Absicht geregelt“[17] [18] seien . Die geregelten Gedankenfolgen bildeten gedachte Kausalketten und könnten nochmals unterteilt werden nach der Art ihrer zeitlichen Richtung:

„Die eine liegt vor, wenn wir nach den Ursachen einer eingebildeten Wirkung oder den Mitteln, die sie hervorbringen, suchen [...]. Die andere Art liegt vor, wenn wir bei der Ein­bildung eines beliebigen Dings nach allen möglichen Wirkungen suchen, die damit hervor­gebracht werden können“[19].

[...]


[1] Heinrichs, T. A., Language and Mind in Hobbes. In: Yale French Studies 49 (1973), S. 56.

[2] Ebd.

[3] Dungey, Nicholas, Thomas Hobbes's Materialism, Language, and the Possibility of Politics. In: The Re­view of Politics Vol. 70 No. 2 (2008), S. 191.

[4] Isermann, Michael, Die Sprachtheorie im Werk von Thomas Hobbes. Münster 1991 (Studium Sprach­wissenschaft, Beiheft 15), S. 25.

[5] Ebd., Anmerkung 15.

[6] Ebd., S. 27.

[7] Ebd., S. 41: Nach Isermann finde sich die komplette Kognitionstheorie des Leviathan bereits in den Kapiteln I-III, die der Sprachtheorie in Kapitel IV direkt vorangestellt sind.

[8] Hobbes, Leviathan. Einleitung (S. 5). In den Anmerkungen zum Leviathan werden Teil und Kapitel ange­geben werden. Die Seitenzahl in Klammern bezieht sich auf die Seitenangabe in der folgenden benutz­ten Ausgabe: Hobbes, Thomas, Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlich­en Staates. Herausgegeben und eingeleitet von Iring Fetscher. Übersetzt von Walter Euchner. Neuwied und Berlin 200912 (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 462).

[9] Hobbes, Leviathan. Teil I, Kapitel I (S. 11).

[10] Ebd., Teil I, Kapitel I (S. 12).

[11] Ebd., Teil I, Kapitel II (S. 14).

[12] Ebd., Teil I, Kapitel I (S. 11).

[13] Hobbes, Leviathan. Teil I, Kapitel II (S. 14).

[14] Hobbes nimmt keine klaren Definitionen von Vorstellung/Einbildungen (engl. image/imagination) und Gedanken (thoughts) vor. Da sie inhaltlich nicht klar voneinander abgegrenzt werden, liegt es nahe, sie als Synonyme aufzufassen, die den gleichen Gegenstand unter verschiedenen Betrachtungsweisen be­schreiben. So auch: Ross, George Macdonald, Hobbes and Descartes on the Relation between Language and Consciousness. In: Synthese Vol. 75, No. 2 (1988), S. 227.

[15] Hobbes, Leviathan. Teil I, Kapitel III (S. 20).

[16] Ebd., Teil I, Kapitel III (S. 19).

[17] Ebd., Teil I, Kapitel III (S. 20).

[18] Das menschliche Verlangen und die Absichten bzw. (An-)Triebe wird Hobbes in Kapitel VI des ersten Teils als sog. „Leidenschaften" genauer beschreiben.

[19] Hobbes, Leviathan. Teil I, Kapitel III (S. 20).

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656843641
ISBN (Buch)
9783656843658
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284347
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
Thomas Hobbes Leviathan Materialismus Sprachphilosophie

Autor

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