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Der Einfluss der Aufklärung auf die heutige Erziehung am Beispiel Jesper Juuls und im Vergleich zu John Lockes "Gedanken über Erziehung"

Hausarbeit 2010 20 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauntteil
11.1. Voraussetzungen - ,Untersuchungsgegenstand Kind‘
11.2. Grenzen und Ziele der Erziehung
11.3. Der Umgang mit dem Kind
11.3.1. Entscheidungsfindung
11.3.2. Beratung
11.3.3. Lob, Kritik und das elbstvertrauen des Kindes
11.3.4. Die Befriedigung der momentanen Lust
11.3.5. Die Autorität der Eltern
11.3.6. Körperliche Gewalt
11.3.7. tyrannische Kinder‘

III. chluss

IV. Literaturverzeichnis
IV. 1. Primärliteratur
IV.2. ekundärliteratur

I. Einleitung

„Die Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ antwortete Immanuel Kant 1784 auf die Frage „Was ist Aufklärung?“ 1.

Die vielmalige Wiedergabe seiner wohl bekanntesten Aussage macht klar, wie treffend er es schaffte, die Gesamtheit der Aufklärung in einem atz auszudrücken.

Hier könnte man Parallelen zur Methode der Erziehung ziehen, wird sie doch allgemein als Einfluss auf den Zögling definiert, als „Aufforderung zur elbsttätigkeit“2 und „Vermittlung der Mündigkeit an Unmündige“3 und hat somit ihr eigenes Ende zum Ziel, indem der Zögling fähig wird unabhängig zu denken und zu handeln. Man könnte Erziehung also auch als Erleuchtung des Kindes verstehen, übereinstimmend ist hier der englische Begriff für die Aufklärung ,Enlightment‘.

Kaum ein großer Aufklärer konnte auf eine chrift über die Erziehung in seiner Theorie der Aufklärung verzichten, so auch Kant, der diesen Zusammenhang verdeutlichte als er sagte, man müsse dem Kind beibringen Regeln zu folgen, damit es später fähig sei, seinen eigenen Regeln zu folgen. Und mehr noch befähige die Erziehung den Menschen nicht nur zum Menschsein, sondern mache aus ihm erst einen Menschen: „Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht“4.

Nicht grundlos wird das Zeitalter der Aufklärung auch als „Pädagogisches Jahrhundert“ bezeichnet5. Das aufklärerische Gedankengut legte nach Herwig Blankertz den Grundstein für eine intensive, unabhängige, praxisnahe und wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema Erziehung6.

Deshalb möchte ich in dieser Arbeit den Zusammenhang zwischen Aufklärung und moderner Erziehung klären und hoffe, so zur tandortbestimmung der heutigen Erziehungswissenschaft beitragen zu können. Denn die derzeitige Fülle neuer Erziehungsratgeber und deren regelmäßige Platzierung in den Bestsellerlisten beweist, dass viele Erziehenden sich unsicher sind, welche Methoden sie während der Unterweisung ihrer Zöglinge anwenden sollen.

Die Bewertung des Einflusses der Epoche der Aufklärung und ihres Gedankengutes auf die moderne Erziehung könnte helfen, die Wurzeln der komplexen gegenwärtigen Erziehungsforschung zumindest teilweise aufzudecken und diese für Eltern und Erzieher von heute verständlicher zu machen.

Dabei möchte ich so praxisnah wie möglich vorgehen, da Erziehung nicht allein Forschungsgegenstand sein kann, sondern vor allem in der Realität angewandte Handlung ist, und ziehe deshalb zwei Erziehungsratgeber zum Vergleich heran, die stellvertretend für die Erziehungspraxis ihrer jeweiligen Epoche stehen: John Lockes ,Gedanken über Erziehung‘ für die Zeit der Aufklärung und Jesper Juuls ,Die kompetente Familie‘ für die moderne Erziehung.

John Lockes ,Gedanken über Erziehung‘ ist der erste echte Erziehungsratgeber, der Ähnlichkeiten zur modernen Form der Ratgeberliteratur aufweist.

John Locke hatte in einem Briefwechsel mit seinem Freund, dem ersten Grafen von haftesbury, diesem Ratschläge zur Erziehung dessen ohnes gegeben und sie in einem ammelwerk 1693 veröffentlicht.

Die ,Gedanken über Erziehung‘ entstanden 1684 während des holländischen Exils und können als Musterbeispiel aufklärerischer Erziehung gesehen werden.

In Form und Inhalt ist die chrift vom Empirismus und ihren Entstehungsbedingungen geprägt. Heinz Wohlers, der die chrift aus dem Englischen übersetzt hat, schreibt dazu:

„Es ist einer seiner Wesenszüge, der sich auch in seiner Philosophie spiegelt, dass die Besinnung immer aus dem Tun und aus der Erfahrung, das Abstrakte immer aus dem Konkreten erwächst, [...] [doch die ,Gedanken‘] stehen noch in all ihrer Zweckbestimmtheit in einem übergreifenden Zusammenhang“ 7.

Man kann also nicht ohne Interpretationen arbeiten, wenn man Lockes pädagogische Grundeinstellungen herausfiltern möchte, um sie mit grundsätzlichen modernen Überlegungen zu vergleichen, die fast ausschließlich den umgekehrten Weg, vom Allgemeinen zum Konkreten, zu gehen versuchen.

Desweiteren wird sich diese Arbeit auf die Abschnitte 31 bis 133 beschränken, die im Inhaltsverzeichnis von Heinz Wohlers als „Allgemeine Methode“ angegeben werden. Die anderen Abschnitte in Lockes Werk behandeln größtenteils medizinische und auf chulbildung bezogene Aspekte im Werdegang eines jungen Gentlemans, welche heute zu den Bereichen Medizin und Bildung gezählt werden und deshalb für einen rein auf die pädagogische Methode zielenden Vergleich irrelevant sind.

Das gegenwärtige Literaturangebot ist wegen seiner Fülle nur schwer zu überblicken und die Vielfalt verschiedener neuer Ansätze in der Erziehungsmethodik hat oftmals auch zur Folge, dass sich Autoren gegenseitig widersprechen.

Jesper Juuls Ratgeber ,Die kompetente Familie‘ bietet sich gerade deshalb als Beispiel moderner Erziehung insgesamt an, da er kaum Ansätze für Erziehung negiert, sondern Eltern helfen will, die passende eigene Methode zu erarbeiten8.

„Die kompetente Familie“ basiert auf den eminaren von ,familylab - die Familienwerkstatt‘, einem europaweiten eminar- und Beratungsprojekt, dessen Ziel es ist, die Entscheidungskompetenz von Eltern zu erweitern und gewährleistet deshalb eine große Praxisnähe9. Es „vermittelt [...] die Quintessenz von Jesper Juuls Erziehungsansatz“10.

Um im Rahmen dieser Arbeit zu bleiben, möchte ich mich auf die exemplarische Gegenüberstellung einiger zentraler Aspekte der Erziehung beschränken und habe keinen Anspruch darauf, moderne und aufklärerische Erziehung in ihrer Gesamtheit zu beschreiben.

II. Hauptteil

II.1. Voraussetzungen - .Untersuchungsgegenstand Kind‘

Jede Philosophie der Erziehung muss zuallererst ihre Voraussetzungen klären, das heißt die Frage beantworten ,Was ist das Kind überhaupt?‘. Denn ob das Kind als freies und einzigartiges Individuum gesehen wird, dessen Anlagen vielleicht schon bei der Geburt festgelegt sind und nur noch gefördert, nicht aber verändert werden können, oder ob man alle Kinder gleichsam als vollkommen leere Gefäße auffasst, die es nun im Laufe ihrer Entwicklung mit dem zu füllen gilt, was man ihnen gerne mitgeben würde, muss zweifellos Ziele, Grenzen und Methoden der Erziehung enorm beeinflussen.

Locke selbst sagt, er habe seine Erziehung an einem Kleinkind entwickelt, das er als „Wachs ansah, das man bilden und formen kann, wie man will“11, noch im selben atz gesteht er aber jedem Kind seine Individualität zu 12. Dies ist nur ein scheinbarer Widerspruch, denn in seiner chrift trennt Locke zwischen den vorherbestimmten und kaum veränderlichen Veranlagungen eines Kindes, die seinen individuellen Charakter ausmachen und der Entwicklung zu einem tugendhaften und in der Gesellschaft akzeptierten Mann, der sich durch sein Benehmen auszeichnet. Der individuelle Charakter bestimmt nicht nur die Wesensart des Kindes, sondern auch seine Möglichkeiten, verschiedene Fähigkeiten zu erlernen, deshalb sollte man „durch häufige Versuche zu erkennen suchen, in welche Richtung sie von sich aus streben, und was ihnen gemäß ist [...], denn in vielen Fällen ist alles, was wir tun können oder anstreben sollten, das Beste aus dem zu machen, was die Natur ihnen verliehen hat“ .

Da die natürlichen Anlagen eines Kindes nicht verändert werden können, beschäftigt sich Locke in seiner chrift vor allem mit dem pädagogisch sinnvollsten Weg, einen jungen Gentleman zum guten Benehmen zu bringen. Er nennt auch die Anerziehung der guten Lebensart als Erziehungsziel an erster telle, noch vor dem Erlernen sachlicher Kenntnisse und zwar aus zweierlei Gründen. Erstens würde dem Zögling gutes Benehmen den Weg in der Welt ebnen und ihn weiter voran bringen als alle anderen Kenntnisse.

[...]


1 Vgl. Herbert Gudjons (2008), . 82

2 Dietrich Benner (1987), . 63

3 Wolfgang Ritzel (1973), . 64

4 Immanuel Kant (1803), . 11

5 Vgl. Herbert Gudjons (2008), . 83

6 Vgl. Herwig Blankertz (1982), . 28ff

7 Anmerkungen von Heinz Wohlers zu John Locke (2007), . 277

8

9 Vgl. Jesper Juul (2010), . 174

10 Vgl. Jesper Juul (2010), . 7

11 Jesper Juul (2010), . 7

12 John Locke (2007), . 268

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656844372
ISBN (Buch)
9783656844389
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284345
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Schlagworte
Aufklärung Erziehung Jesper Juul John Locke

Autor

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