Lade Inhalt...

Die erstmalige Ausübung der kaiserlichen Synodalgewalt. Kaiser Konstantin als pontifex maximus der Christen

Hausarbeit 2012 11 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II. 1. Benutzte Quellen zur Reichssynode von Rom 313
11.2. Konstantin an Caecilianus, Eus. HE X,6,1-5
11.3. Konstantin an Miltiades und Markus, Eus. HE X,5,18-20
11.4. Konstantin an Chrestus, Eus HE X,5,21-24

III. chluss

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis
IV.1. Quellenverzeichnis
IV.2. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Mit Blick auf das [...] Phänomen von kaiserlicher ynodalgewalt und Reichs- oder Kaiserkonzil in konstantinischer Zeit darf man politisch-historisch bewertend sagen, daß die Christenheit der antiken Welt in der Gestalt Konstantins auf der Basis der traditionellen römischen ius publicum erstmals in ihrer Geschichte ein sichtbares Oberhaupt erhalten hatte, das als christlicher pontifex maximus nicht nur über die äußere Ordnung des Kultus und die Disziplin des Klerus, sondern auch über den rechten Glauben wachte und nötigenfalls persönlich eingriff und Entscheidungen traf.“ [1]

- beschreibt Klaus Martin Girardet die Rolle Konstantins innerhalb der christlichen Kirche beim von ihm einberufenen Kaiserkonzil in Nicaea im Mai 325 n. Chr.. Die Praxis kaiserlicher ynodalgewalt hatte sich in dieser Zeit schon voll etabliert. Die erste vom Kaiser einberufene bischöfliche ynode fand bereits 313 in Rom statt, als auf Anweisung Konstantins über die Klagen der pars donati gegen den karthagischen Bischof Caecilianus verhandelt wurde [2], was zu diesem Zeitpunkt einen einmaligen Vorgang in der Geschichte der christlichen Kirche darstellte. Die Kaisersynode von Rom legte den Grundstein für die spätere tellung des römischen Kaisers in der christlich-katholischen Kirche, von dem Eusebius schließlich sagte:

„Wenn sie untereinander an verschiedenen Orten uneins waren, dann organisierte er wie ein von Gott eingesetzter, allgemeiner Bischof Versammlungen der Diener Gottes. Er erachtete es nicht für unwürdig, sich in ihrer Mitte aufzuhalten und mit ihnen als Teilnehmer an ihren Debatten zusammenzusitzen.“[3]

Der Vorgang aber, welcher zur erstmaligen Ausübung der kaiserlichen ynodalgewalt durch Kaiser Konstantin geführt hat, war und ist immer wieder Gegenstand geschichtswissenschaftlicher Kontroversen[4], nicht zuletzt aufgrund der ungenügenden Quellenlage[5]. Die Literatur stellt die Entstehung der kaiserlichen ynodalgewalt meist als eine, schon zu Beginn vom Kaiser aktiv ausgehende, Ausweitung der Kompetenzen als pontifex maximus[6] dar, leitet diese These jedoch zumindest für das so bedeutende Konzil von Rom 313 kaum direkt von den Quellen ab[7].

Deshalb möchte die vorliegende Arbeit einen Versuch darstellen, anhand der existierenden Quellen zu klären, wie es zu diesem völlig neuen Verfahren bei innerkirchlichen treitigkeiten kam. Beim Beschreiben des ersten chrittes zur kaiserlichen ynodalgewalt wird vor allem auch zu klären sein, inwiefern sich Konstantin in seiner Position als römischer pontifex maximus auch zum Führer der Christenheit in Glaubensfragen berufen sah oder welche Beweggründe ihn stattdessen zur Einberufung der Reichssynode von 313 veranlasst haben.

II. Hauptteil

II.1. Benutzte Quellen zur Reichssynode von Rom 313

Wie bereits genannt, ist die Quellenlage zur römischen Reichssynode von 313 äußerst dürftig. Neben Eusebius‘ Kirchengeschichte, in der er einige wichtige Briefdokumente des Kaisers überliefert, sind vor allem das gegen den donatistischen Bischof Parmenian gerichtete Werk des Bischofs Optatus von Mileve und Augustinus zu nennen.

Obwohl Optatus meist unkritisch und unreflektiert in Quellensammlungen aufgenommen wird, so zum Beispiel bei von Soden [8] und Keil [9], oder in der Literatur als verlässliche Quelle angenommen wird, ohne ihn einer Quellenkritik zu unterziehen [10], ist die Authentizität der bei ihm überlieferten donatistischen preces, welche wohl den Anstoß zur Einberufung des römischen Bischofgerichts gaben, immer wieder in Zweifel gezogen worden. Vor allem Girardet, von dem die einzige ausführliche Quellenkritik der preces stammt, spricht der Überlieferung Optatus‘ jegliche Originalität ab und untermauert dies mit sehr plausiblen Argumenten. Auch Augustinus stützt sich wohl bis ep. 88,4 auf Optatus‘ chrift und scheidet somit ebenfalls als authentische Quelle ausDa in dieser Arbeit vorrangig auch behandelt werden soll, ob Kaiser Konstantin sich aktiv um die Ausweitung seiner Kompetenzen als pontifex maximus bemüht hat, wird sie sich auf die persönliche Briefkorrespondenz des Kaisers, überliefert durch Eusebius und in der Literatur als gesichert anerkannt , stützen. Um ein möglichst umfassendes Bild der Handlungen Konstantins zu entwerfen, wurden hier drei Briefe ausgewählt, von denen der erste vor der ynode von Rom verfasst wurde (HE X,6,1-5), der zweite Miltiades zum Vorsitzenden der ynode bestimmt (HE X,5,18-20).

[...]


[1] Girardet, Klaus M., Das Christentum im Denken und in der Religionspolitik Konstantins des Großen. Berlin [u.a.] 2010 (Millenium tudies Bd. 27), . 147.

[2] Zur Vorgeschichte und Entstehung des Donatistenstreites: Kriegbaum, Bernhard: Kirche der Traditoren oder Kirche der Märtyrer? Die Vorgeschichte des Donatismus, Innsbruck 1986. Zum donatistischen chisma ab 312 n. Chr.: Frend, W. H. C., Martyrdom and Persecution in the Early Church. A tudy of a Conflict from the Maccabees to Donatus. Grand Rapids, Michigan 1981, . 536-563. Frend, W. H. C., The Donatist Church. A Movement of Protest in Roman North Africa. Oxford 1952, . 141-168.

[3] Eus. VC 1,44,2 [griechischer Text mit deutscher Übersetzung von Horst chneider 2007. In: Eusebius von Caesarea, De Vita Constantini. Über das Leben Konstantins. Turnhout 2007].

[4] o beispielsweise in: Ehrhardt, Arnold, Constantin d. Gr. Religionspolitik und Gesetzgebung. In: Konstantin der Grosse, Hrsg. v. Kraft, Heinrich. Darmstadt 1974 (Wege der Forschung Bd. 131), . 409-417. Girardet, Klaus M., Kaisergericht und Bischofsgericht. tudien zu den Anfängen des Donatistenstreites (313-315) und zum Prozeß des Athanasius von Alexandrien (328-346), Bonn 1975 (Antiquitas Reihe 1. Abhandlungen zur Alten Geschichte Bd. 21), . 1-5. Ehrhardt, Arnold, Constantin d. Gr. Religionspolitik und Gesetzgebung. In: Konstantin der Grosse, Hrsg. v. Kraft, Heinrich. Darmstadt 1974 (Wege der Forschung Bd. 131), . 409-417. Leeb, Rudolf, Konstantin und Christus. Die Verchristlichung der imperialen Repräsentation unter Konstantin dem Großen als piegel seiner Kirchenpolitik und seines elbstverständnisses als christlicher Kaiser. Berlin [u. a.] 1992 (Arbeiten zur Kirchengeschichte Bd. 85), . 143-149.

[5] iehe hierzu Kapitel II.1..

[6] Zur Entwicklung und den Kompetenzen des Amtes des pontifex maximus: Draper, Richard D., The Role of the Pontifex Maximus and its Influence in Roman Religion and Politics. Ann Arbor 1988.

[7] Girardet, Klaus M., Das Reichskonzil von Rom (313) - Urteil, Einspruch, Folgen. In: Historia 41 (1992), . 106: Hier bezeichnet Girardet die erstmalige die Ausübung der kaiserlichen ynodalgewalt als bewusste „freie[...] Entscheidung" Konstantins. Girardet, Klaus M., Die Petition der Donatisten an Kaiser Konstantin (Frühjahr 313) - Historische Voraussetzungen und Folgen. In: Chiron 19 (1989), . 206: „Was er damit vollzog, war also aus icht der traditionellen Herrscherpflichten ein ganz normaler Akt der Aufsichtsführung im religiösen Bereich, aus christlicher icht hingegen die völlig neuartige <ynodalgewalt." Leeb, Konstantin und Christus, . 143: „Als von Gott erwählter und vor allen anderen Menschen begnadeter Herrscher stellt Konstantin schon 313 klar, daß er als Instrument der göttlichen Vorsehung die Pflicht habe, dafür zu sorgen, daß innerhalb der Kirche kein treit und keine Zwistigkeiten bestehen."

[8] Von oden, Hans [Hrsg.], Urkunden zur Entstehungsgeschichte des Donatismus, Berlin 21950 (Kleine Texte für Vorlesungen und Übungen, Bd. 122).

[9] Keil, Volkmar [Hrsg.], Quellensammlung zur Religionspolitik Konstantins des Großen. Darmstadt 1989.

[10] So beispielsweise bei: Drake, H. A., The Impact of Constantine on Christianity. In: The Cambridge Companion to the Age of Constantine, Hrsg. v. Lenski, Noel. Cambridge 2006, . 111-136. Vogt, H. J., Konstantin und die Konzilien. In: Konstantin der Grosse. Der Kaiser und die Christen - die Christen und der Kaiser, Hrsg. v. Fiedrowicz, Michael [u.a.]. aarbrücken-Ensheim 2006, . 97-137.

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656846451
ISBN (Buch)
9783656846468
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v284341
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Schlagworte
Kaiser Konstantin der Große Kaiserliche Synodalgewalt pontifex maximus Konzil von Rom 313

Autor

Zurück

Titel: Die erstmalige Ausübung der kaiserlichen Synodalgewalt. Kaiser Konstantin als pontifex maximus der Christen